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Full text of "Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung"

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Jahrbuch 




des 



Vereins für nlederdeatsche SpracMorsclmM. 



Jahrgang 1899, 







SX»>^aF> r-y— -v-I <-gS^c><:T 



MORDEN nnd LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1899. 



' ruJunj . 



S(pS' 



MAV 18 1901 



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Inhalt. 



Seite 

Meister Stephans Mittelniederdeutscher Cato. Von P. Graf funder .... 1 
Die Mundarten im nordwestlichen Teile des Kreises Jerichow I (Provinz 

Sachsen). Von G. Krause 84 

Laurembergs Scherzgedichte, die Art und die Zeit ihrer Entstehung. Von 

H. Weimer 53 

Die bisherigen Ansichten über Art und Zeit der Abfassung der Scherz- 
gedichte 54 

Ueber das Verhältnis von H(andschrift) zu D(ruck) 55 

Das Datum der Handschrift 58 

Ist H die älteste Fassung der Scherzgedichte ? 62 

Das Metrum der Scherzgedichte 64 

Die Fremdwörter in den Scherzgedichten . 70 

Der gelehrte Charakter der Alexandrinerpartieen von H und D ... 74 

Bücksichtnahme auf die Leser der Satire 76 

Der Kampf gegen das Franzosentum 77 

Der Kampf gegen den Trachtenwechsel 80 

Zusammenfassung der gewonnenen Resultate 84 

Einiges über die mutmassliche Gestalt des Urtextes 85 

Entstehungszeit des Urtextes 88 

Schlussbemerkungen 92 

Verzeichnis der im ten Doomkaat Koolman'schen Wörterbuch fehlenden 

ostfriesischen Wörter. Von C. Dirks en 97 

Zu Fritz Reuters „Kein Hüsung*' und zu Reuters „Stromtid". Von R. Sprenger 108 

Jacob Scracz. Von K. Euling 110 

Handschrift 110 

Lieder und Spruchgedichte am Schluss der Handschrift 113 

Kollation des Radbuches ^ . . 121 

Bruder Nigels dänische Reimchronik, niederdeutsch. Von Reimer Hansen .132 
Zur altsächsischen Grammatik. (Anzeige.) Von W. Schlüter 152 



Meister Stephans 
nnittelniederdeutseher Cato. 



Das Neue beginnt manchmal zu veralten fast schon, ehe es 
noch neu war. Das trifft zu auf die Verse des mnd. Cato, die 
Jahrb. 23, 1 ff. bekannt gemacht sind. Kaum war das Manuskript 
gesetzt, als ich durch mündliche Mitteilung eines Freundes zufällig 
darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Danziger Stadtbibliothek 
eine bis dahin unbekannt gebliebene Catohandschrift besitze. Auf 
meine Anfrage sandte mir der Bibliothekar, Herr Dr. 0. Günther, 
freundlichst eine Abschrift der ersten und letzten Verse jenes Cato 
zu, woraus sich ergab, dass derselbe in der That mit dem Wolfen- 
bütteler Cato identisch sei. Auch das erwies die Vergleichung sofort, 
dass die Danziger Hs. (D) einen viel reineren Text als W biete 
und an zahlreichen Stellen Schwierigkeiten löse, die sonst nicht zu 
beseitigen sind. Zwar werden die Grundsätze, die für die Heraus- 
gabe beobachtet wurden, im wesentlichen durch D bestätigt, aber 
begreiflicher Weise war mein Bedauern doch ein sehr lebhaftes. In- 
dessen dadurch konnte der fliegende Pfeil nicht zurückgerufen werden. 

Besonders bemerkenswert sind in D die letzten vier Verse 

Vnde bidde ttor my Stephan geheten 
Dat my mynes arbeydes lote gerieten 
Got in synem ouersten throne 
De my ghetce des hymmels kröne, 

welche in W fehlen. Herr Günther bemerkte dazu, sie machten ihm 
den Eindruck, als ob sie nicht erst von dem Schreiber der Hs. hinzu- 
gesetzt, sondern von dem Verfasser selbst gedichtet seien. Er schliesst 
daher, dass dieser in den Schlussversen von D genannte Stephan 
vielleicht kein anderer sei als der bekannte Schulmeister Stephan, 
der üebersetzer des Schachbuchs des Jacobus de Cessolis (Goedeke 
Grundriss I, 479). Es kann zwar nicht geleugnet werden, dass jene 
vier Verse sehr auffällig nachhinken; aber das ist noch mehr der 
Fall bei den Schlusszeilen des Schachbuches (Stephans Schachbuch. 
Norden 1889 S. 189), die von dem Vorhergehenden sogar durch ein 
Amen getrennt sind. Auch wird dort von dem Dichter in der dritten 
Person geredet (V. 5883): Des bokes dichter het Stephan^ während 
beim Cato die erste Person gewählt ist. Es ist also der Zusammen- 

Nied«rdentsolies Jabrbnch XXY. 1 



V 



Jw .1 



hang jener Schlussnachricht^n mit dem Ganzen im Cato ein viel 
engerer als im Schachbuch, unä der Schluss des Herrn Günther hat 
die grösste Wahrscheinlichkeit. Den Beweis kann nur eine Ver- 
gleichung der beiden Werke erbringen. 

Die Nachrichten über den Schulmeister Stephan, den Uebersetzer 
des Schachbuches, lauten sehr spärlich. Wir wissen kaum mehr, als 
aus dem Werke selbst zu erschliessen ist. Mit Recht spricht Zimmer- 
mann (Nd. Korr.-Bl. IX, 27) die Vermutung aus, dass Stephan 
Geistlicher gewesen sei. Das wird jetzt auch durch den Cato be- 
stätigt, in dem der Dichter seine Zusätze und Erklärungen haupt- 
sächlich aus der Bibel und den Kirchenvätern hergenommen hat. 
Und wenn er einmal dringend empfiehlt, man solle Gott, die Eltern 
und den Lehrer (den meister) vor allen anderen ehren, und wenn er 
dann fortfährt (V. 1888) mit dem Gedanken: Der Meister lehrt deine 
Sinne und deine Vernunft, so dass du ohne Spott vor die Laien 
hintreten kannst: so kann er selber nicht Laie gewesen sein. Auch 
nennt er ja im Schachbuch neben der Schularbeit noch ander 
sorchuoldicheyt (V. 5868), die ihm das Dichten erschwere. Er ist 
also wohl scholasticus gewesen ; denn als solcher hatte er die Auf- 
sicht über die Schulen und die Bibliothek seines Domkapitels zu 
führen. Doch musste er als solcher sicherlich auch selbst unterrichten. 

Urkundliche Nachrichten sind, wie bemerkt, über ihn nicht er- 
halten. In dem Livländischen Urkundenbuche findet sich weder ein 
scholasticus noch ein magister Stephan genannt. Auch v. Gernet 
berichtet in seiner Verfassungsgeschichte des Bistums Dorpat (Verh. 
d. gel. Estn. Ges. XVII, 1896) nichts über ihn. Dass er aber sein 
Schachbuch nach 1357 in Dorpat übersetzt hat, darauf hat schon 
Zimmermann hingewiesen; denn der Gönner des Dichters Johann van 
Fifhusen ist zwar schon 1346 zum Bischof ernannt, aber erst 1357 
geweiht. Ist der Cato ungefähr um dieselbe Zeit verfasst, so muss 
die Zeitbestimmung, die (Nd. Jahrb. 23, 4) nach dem früher an- 
gesetzten Alter der Hs. H und ß gegeben ist, um etwa fünfzig Jahre 
heruntergesetzt werden. Jene Handschriften sind wohl von den 
Herausgebern als etwas zu alt beurteilt worden. 

Ob Dorpat wirklich die Heimat Stephans war, darüber ist 
natürlich noch nichts ausgemacht dadurch, dass er dort sein Schach- 
buch dichtete. Wie v. Gernet (a. a. 0. S. 49) ausführt, war das 
Geschlecht derer van Vifhusen in Lübeck ansässig und hochangesehen. 
So finden wir denn den Bischof Johann gleich nach seiner Ernennung 
am 16. Jan. 1347 (U. B. II Nr. 867) daselbst, um Geschäfte ab- 
zuwickeln. Auch in Meklenburg kommen Vertreter jenes Hauses vor, 
z. B. Arnold, Domherr in Güstrow (U. B. Nr. 4814). Es muss daher 
die Möglichkeit oflfen gelassen werden, dass Stephan wie sein Gönner 
Johann v. Fifhusen seine Heimat in Lübeck oder an der meklen- 
burgischen Ostseeküste hatte. Vielleicht hatte er dort den Cato 
übersetzt und war dann von dem Bischof Johann auf eine Empfehlung 
in eine bessere Stellung nach Dorpat berufen worden. 



Die bisherige Darlegung ging von der Voraussetzung aus, dass 
das Schachbuch und der Cato von ein und demselben Stephan ver- 
fasst sind. Ist das auch eine äusserst wahrscheinliche Vermutung, 
so muss dieselbe doch erst durch eine Vergleichung der beiden Werke 
zur Gewissheit erhoben werden. 

In der That berühren sich die beiden Dichtungen in vielen 
Punkten. Was zunächst den Wortschatz anbetrifft, so finden wir 
viele der seltenen Worte des Schachbuchs (vgl. Schlüter, Glossar 
S. 124) im Cato wieder. Mit afgunstich vergleiche man afgunsticheit 
(V. 1153). Für das seltene But (V. 1347) glaubte ich fälschlich 
Gut setzen zu müssen, wie auch der Schreiber von D es in Nuth 
änderte. Man lese über But D. W. Müller im Nd. Korrespondenzbl. 
12 S. 4. Die grosse Vorliebe des Schachbuchs für ungewöhnliche 
subst., die mit der Endung -heit gebildet sind, teilt auch der Cato; 
man vergleiche besonders sundicheit 629 — weckicheit 643 — begericheit 
943 — stolticheit 1211 — twiuelicheit 1296 — eyslicheit 1093 — 
doricheit 1229 — dromicheit 1388 — bittericheit 2117. 

Ebenso haben die beiden Werke gemein eine auffällige Neigung 
für die Vorsilbe wn-; man beachte vor allen unvorsocht 19 — 
mvorbolgen 1502 — vmbestedet 1546 — vnibewegen 1628 — vnsuntheit 
2101 — vngheheuen an 2185 — vnneme 2225. 

Besonders aber darf man es nicht unterlassen, darauf hin- 
zuweisen, dass das Lieblingswort des Schachbuches qttat (Schlüter 
a. a. 0. S. 73) auch im Cato auffallend oft verwendet ist. Die 
Stellen zu sammeln, scheint gerade wegen dieser Häufigkeit unnötig. 

Doch nicht nur in einzelnen Worten stimmen die beiden Werke 
überein; auch die Bilder, die den Redewendungen zu Grunde liegen, 
zeigen eine auffällige Aehnlichkeit. Schon Zimmermann (a. a. 0. 
S. 32) hatte kurz angedeutet, dass das Schachbuch es liebe, seine 
Bilder vom Meere herzunehmen. Dasselbe war für den Cato erwiesen 
worden (Nd. Jahrb. 23, 8), noch ehe man den Zusammenhang kannte. 
Doch möge jetzt noch Folgendes hinzugefügt werden. Das seltene 
Wort vorediken (Cato 2319) in der Bedeutung ^hindern '^ kennt auch 
das Schachbuch (V. 1311). Sicherlich hat lak (Cato 754, Schachb. 
2513) seine Bedeutung von dem Leck eines Schiffes erhalten. Auch 
die Wendung in sinem vloghe (Cato 1557, Schachb. 5059) ist wohl 
von dem Gange eines segelnden Schiffes hergenommen. Denn das 
Reffen des Segels und das Kreuzen (Schachb. 2953 ff.) ist dem 
Dichter wohlbekannt, und man wird daher gern mit Anlehnung an 
die Lesart von D im Cato 407 schreiben De kan synes schypes ivolden 
{schypers D Sinnes H suluen W). Wenn der Verfasser des Schach- 
buches (V. 2834 ff.) den Ostwind als den gefährlichen bezeichnet, so 
hatte er wohl selber die furchtbare Gewalt des Nordost auf der 
Ostsee erfahren; denn an der deutschen Nordseeküste ist der West 
der gefährlichere. 

Nicht selten betrifft in beiden Werken die Aehnlichkeit sogar 
ganze Sätze nach Form und Gedanken, sodass eine nicht geringe 

1* 



Zahl von Versen sich einer wörtlichen Uebereinstimmung nähern. 
Die in D fehlenden Verse Cato 588/9: 

It is nicht sekerer wen de umnde 

Des dodes, vnseker is de stunde 
können zwar nicht als Beweisgrund dienen, da sie den Zusammenhang 
völlig zerstören. Selbst im Schachb. V. 4602/3 scheinen die Zeilen 

Nicht sekers dan des dodes vmnde 

Men nicht vnsekers den de stunde 
zu unrecht eingedrungen zu sein; denn sie sind entstanden aus einer 
in Testamenten oft angewendeten Formel. In dem Testamente des 
Bartholomaeus v. Tisenhusen (Liv-Est-Curl. U.B. VI, 2941; 1379) heisst 
es: Ich . . . andenke dat nicht sekers is wan de doot und nicht unsekers 
der stunde. 

Aber sonst sind nach Satzform und Gedanken wörtliche An- 
klänge in beiden Dichtungen recht häufig. Man vergleiche mit einander : 
Cato 47 Doch was de son in dogheden scheef mit Schachb. 4747 De 
doch in dogheden weren schef — Cato 153 So wert din gude ruchte unt mit 
Schachb. 1810 So wert syn ruchte to gode breyt — Cato 213 Ok maket se 
dicke stump (stum W) den sin mit Schachb. 4118 Vnde maket stump den 
Schärpen sin — Cato 285 De ga (geyt W) mit iudase (iudas D) in den rat 
mit Schachb. 4078 So gha myt ivdaxe in den dans — Cato 311 ff. lo du 
hager bist gesät hou£n dem (einen W) anderen in werdicheit [vnde din cleyt 
W) Valle in de otmodicheyt mit Schachb. 2123 lo du hoeger byst ghe9*esen 
lo du othmbdig&r scholt wesen und V. 2347 Vnde valle yo in de othmodicheyt 
— Cato 471 Vnde mit sleghen dat beste vorelesen mit Schachb. 1132 Vnde 
eme dat beste yo vor lesen — Cato 487 Also werdet em de (sin HW) ende 
gheuen D mit Schachb. 516 Also wert em dycke syn ende geusn — Cato 501 
We scolde clagen myne not mit Schachb. 2404 We wolde klagen ere noet — 
Cato 519 De wert na brokel (tobroken W) also en glas mit Schachb. 562 In 
dogheden brokel also en glas — Cato 535 also men vint dicke mit Schachb. 
5778 Also men leyder dicke vint — Cato 665 Dar he din herte mede laue 
mit Schachb. 2376 Dar he sin lif mede Urne — Cato 681 darvmme holt mit 
synne Din gut mit Schachb. 4719 Vnde holt dyn gvd myt synne — Cato 
1207 suhier efte (eder W) golt Dure stene rogge malt mit Schachb. 2727 
suluer efte golt Dure stente mennichuolt — Cato 1306 Du scalt di vore 
vmme seen Wat di moghe na (na moghe W) bescheen mit Schachb. 2819 
Schoten . , , se vm'e beseen Wat ene moghe na bescheen — Cato 1567 Vp 
dat he den (sinken W) kinderen vele erue mit Schachb. 2846 Vnde vnsen kyn- 
deren vele eruen — Cato 1569 van gude rike Dat men vint kume din gelike 
mit Schachb. 2330 van gude rike Dat men kv/me vant sin ghelike. — 

Die Zusammenstellung dieser Anklänge hat zwar etwas sehr 
Einförmiges; aber sie ist doch für die Lösung unserer Frage von 
grosser Wichtigkeit. Hätten wir das Zeugnis von D nicht, so würde 
man sagen: ein Werk hat das andere benutzt, oder beide haben den 
gleichen Verfasser. Denn durch blinden Zufall können so zahlreiche 
Anklänge nicht entstanden sein. Uns bleibt jetzt natürlich nur der 
zweite Schluss übrig. Es kann daher zunächst von einer grammatischen 
Vergleichung beider Dichtungen abgesehen werden; auch hätte dieselbe 
etwas sehr Missliches, da uns das eine Werk nur in einem Lübecker 
Druck vorliegt. 



Angerührt möge auch werden die schwierige Frage, in welchem 
zeitlichen Verhältnis die beiden Werke Meister Stephans zu einander 
stehen. Das Schachbuch citiert in den Versen 4109 ff. einmal die 
Sprüche desiGato: 

De gude meyster kato 

Leret vns in sinem boke also 

Hebbe lef de meticheit 

Vnde schuwe de ouerulodicheyt 

De des bukes is vrundinne 

Vnde berouet dicke de rechten sinne. 

Darin ist auf Dist. 11, 6 angespielt. Nun hatte Stephan zwar in 
seiner eigenen Uebersetzung dieses Distichons den niederrheinischen 
Cato (P. Graffunder, Catos Distichen in niederrh. Uebersetzung, Berlin 
1897) V. 323/24 benutzt; aber weder das in seiner eigenen Uebersetzung 
verwendete Wort ouervlodicheit (V. 1047) noch meticheit (V. 1053) 
ergiebt sich aus der niederrheinischen Dichtung oder der lateinischen 
Vorlage. Ganz als Stephans Eigentum aber müssen die Verse Cato 
1059/60 gelten: 

De aller dinge is eyn sluk 

Vor eynen got kust (eret D) he den buk. 

Da nun gerade das Wort buh mit jenen beiden genannten in dem 
Citat des Schachbuches vorkommen, so musß dem Dichter, als er das 
Schachbuch schrieb, schon der Cato vorgelegen haben. Obwohl er 
also sein eigenes Werk, gewiss aus Bescheidenheit, nicht wörtlich 
citiert, so ist die Zeitfolge seiner beiden Dichtungen dadurch dennoch 
bestimmt. 

Es erübrigt noch, die Danziger Hs. zu beschreiben und die- 
selbe in die Reihe der übrigen Handschriften einzuordnen. Dieselbe, 
ein Pergamentband in Oktav, ist eingebunden in Holzdeckel, die mit 
rotem Leder überzogen sind, und trägt aussen die Bezeichnung IX 
E. ollO, Die liniierten Seiten enthalten genau je 27 Zeilen; die 
Schrift stammt sicher noch aus dem 14. Jh. Auf Bl. 1* steht von 
späterer Hand Caionis^ darunter No, 4. Auf Bl. Ib ist von einer 
Hand des vorigen Jhs. hingewiesen auf die Uebersetzung des Martin 
Opitz und des Gilbertus Wachius. , Dieselbe Hand setzt dann hinzu: 
Dieses ist eine platdeutsche artige Übersetzung dieser distichorum. Der 
Übersetzer nehmet sich am Ende nicht mehr als Stephan, Bl. 2a be- 
ginnt ohne Ueberschrift mit dem Text des Cato. Die Anfangsbuch- 
staben jeder Zeile sind gross geschrieben; meist ist auch der erste 
Buchstabe jeder Seite noch als Initiale hervorgehoben. Die lateinischen 
Verse sind durch rote Schrift vom deutschen Texte unterschieden. 
Am Ende jedes Buches bleibt eine Zeile leer. Auch ist von Bl. 54a 
an, das nur noch sieben Verse enthält, alles Folgende bis Bl. 60 
unbeschrieben. 

Das Verhältnis, in dem D zu den übrigen Handschriften steht, 
zu bestimmen, ist leicht. Bei aller Trefflichkeit ist D dennoch mit 
W nahe verwandt, wenn man H und R danebenhält. Einige Zusätze, 



Lücken und Fehler haben D und W gemein. Die in R fehlenden 
Verse der Tischzucht (Jb. 23 S. 2; nach V. 1705) wird niemand ver- 
teidigen, auch wenn man sie jetzt in D liest. Ebenso stören die 
beiden nach 1595 in DW eingeschalteten Verse das Satzgefüge wie 
den Gedanken. Dass wohl eine Lücke V. 2068 in DW anzusetzen 
ist, befürwortet der gestörte Reim, und V. 312 das fehlende Ver- 
gleichungsglied des Gedankens. Einige auffallende Fehler in DW 
sind folgende: V. 422 sprek vnde — 496 also de guden dut (dot) 

— 602 Vnde richtet D Der rechticheit W — 652 leeflik D leiflik W 

— 743 Leef snode snode D Hefstu sone snode W — 1891 vnde f. 
DW — 2275 Her werk vorlees (vorlus W). Auch sonst stehen D 
und W sehr häufig zusammen in Wortstellung und Form, wo man 
H oder R damit vergleichen kann. Aber dennoch ist nicht etwa W 
aus D geflossen. Denn in D allein ist durch ein Versehen V. 1837 
und 718 — 723 ausgefallen. Auch ist D manchmal durch Zusätze ge- 
trübt, von denen sich W frei hielt. Dahin gehören die Ueberschriften 
zu Dist. I, 2 — I, 27, von denen weder H noch W etwas weiss. Auch 
kennen HW nicht die vier nach 331 von D eingeschalteten Verse, 
die einen recht farblosen Gedanken bringen. 

Auch das hat D mit W gemein, dass ab und zu hochdeutsche 
Wortformen unterlaufen: nach 28 (= W), 897. 985. 1449. 2037. — 
ich 62. 83 — sich 4 — dich 216. 315. 529. 847. 1592 — mynsckelich 
846 — swarlich 81 (:= W) — smeichen 728. 1471. 1486 — chraft 
1660 — wer 1422 — hat 1884. Auch in der Neigung, dih zu setzen, 
sind beide Handschriften gleich: dikBYf 139. 703. 708. 965. 1523. 1774 

— dik in D allein: 113. 147. 161. 691. 501b. 523b. 1626. 1793 — dik in 
W allein: 315. 329. 1487. 1595b. 1994. Da also sechsmal beide Hand- 
schriften diJc bieten, muss schon die Vorlage von DW diese Formen 
gehabt haben. Dann ist dieselbe also wahrscheinlich auch in dem 
mik-Gehiete der mnd. Sprache entstanden. 

Diese Vorlage von DW steht nun gleichwertig neben H und R. 
Denn mögen die letzteren auch etwas älter sein, so finden sich in H 
doch ziemlich viele Lücken: V. 340—342. 358—373. 404 ff. 424/5. 
454/5. 518/9. 536/7. 557a.b. Auch R weist einige Versehen wie 1721 
der auf, die in die Vorlage von DW nicht eingedrungen waren. Wenn 
also X die Urschrift, y die Vorlage von DW bezeichnet, so ist jetzt 
das Schema der Handschriften folgendes: 




R HD W 

Für die Herstellung des Textes wird man jetzt natürlich, wenn 
auf andere Weise eine Entscheidung nicht möglich ist, gern D zu 
Grunde legen. Aber manchmal, hauptsächlich in einigen orthogra- 



phischen Fragen, musste W bevorzugt werden, weil H und R auch 
dafür stimmen. 

Schwierig ist die Entscheidung darüber, ob man im Anlaut sc 
oder seh schreiben solle, von denen das letztere in D stark überwiegt, 
während W mehr sc liebt. Die Urkunden zeigen bekanntlich darin 
ein fast gesetzloses Schwanken. Dass sc und seh nur eine verschiedene 
Schreibung für den gleichen Laut seien, kann man doch kaum an- 
nehmen. Jedenfalls darf es nicht unbeachtet bleiben, dass nicht selten 
auch wieder Urkunden sich finden, in denen die Schreibung sc durch- 
geht. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, das seh auf den Einfluss 
hochdeutscher Sprache und Schreibung zurückzuführen, da fast alle 
niederdeutschen Dichter von dorther ihre Bildung holten. Spruchreif 
ist die Frage noch nicht. Da nun in unserem Cato H siebenmal 
(432. 470. 501. 505. 507. 534. 562) und R sechsmal (1578. 1590. 
1592. 1702. 1704 und vielleicht 1714) sc bieten gegen D, so ist sc 
nach W bewahrt worden in den Teilen der Dichtung, wo nur D und 
W in Frage kommen. 

Aehnlich ist verfahren worden, wo D für i gegen W ein y setzt, 
was recht häufig geschieht. Die Urkunden der Ostseeprovinzen setzen 
y um 1350 noch ganz vereinzelt, etwas zahlreicher erscheint es in 
Mecklenburger Urkunden. Aber da H und R das y fast ganz meiden, 
musste auch hierin die Schreibung von W gegen D den Vorzug erhalten. 

Dieselbe Entscheidung ist gefällt über gh, das D schon sehr oft 
für g setzt. In Mecklenburger Urkunden ist gh um 1350 schon ziem- 
lich verbreitet, während die Ostseeprovinzen es um diese Zeit fast 
noch garnicht kennen. Auch in dieser Frage musste die Ueberein- 
stimmung von HRW gegen D massgebend sein. Zweifelhafter ist es, 
ob das gh im Auslaut, das D so oft für ch wählt, nicht lieber auf- 
zunehmen ist; denn hier ist die verschiedenartige Schreibung auf einen 
Gegensatz der Aussprache zurückzuführen. Es soll auch nicht ver- 
hehlt werden, dass die Urkunden der Ostseeprovinzen, besonders die 
ältesten, oft gh im Auslaut nicht zu ch übergehen lassen. Da aber 
hierin HRW gleichen Gnindsätzen folgen, so blieb zunächst keine Wahl. 

Eine ähnliche Eigenart der Aussprache liegt auch wohl darin 
vor, dass D oft das d des Auslautes nicht nach gemeinniederdeutschem 
Brauch zu t schärft. Dabei ist verschieden verfahren worden. In 
dem Worte god (Gott) ist die Schreibung von D berücksichtigt worden, 
da auch das Schachbuch meist dafür eintritt. Sonst aber ist meistens 
nach HRW die > überall gebräuchliche Schreibung angenommen worden. 

Grosse Schwierigkeit verursacht endlich noch der Zwiespalt der 
Hs. in der Behandlung des langen 6 (uo); denn W streut einige oi 
ein, DHR aber bieten recht häufig w. Dass Stephan ziemlich oft 6 
(iw) : 6 (au) reimt, davon ist zwar schon Nd. Jahrb. 23, 4 gehandelt. 
Doch muss die Frage noch einmal aufgenommen werden, da sich jetzt 
nach D das Verhältnis etwas anders stellt. Dabei mögen die von W. 
Seelmann (Nd. Jahrb. 18, 141 ff.) angeführten Bezeichnungen 6^ für 
6 (uo)j 6^ für 6 (au)^ 6^ für anomale ö verwendet werden. Danach 



g 



0* 



0» 



sind im Cato gebunden o^ : ö^ 57 mal, und zwar im ersten Tausend 
21, dann 24, dann 12 mal. Femer reimen 6^ : o' 31 mal, und zwar 
nach Tausenden 13 ■+- 13 ■+- 5 mal. Dagegen reimen 6^ : ö* 18 mal 
(12 -t- 4 + 2). 

ddn : lön 187. 263^. 354. 696. 1371. 

2270. 
pronen : lönen 237. 
romen : thömen 337. 
önen : gelöaen 358. 
r6we : vrowe (?) 384. 
bedrdnet : lönet 262. 
gut (d6t DWj : grot 496. 
gut : not 1558; : döt 1744; : brod 2078. 
möt : döt 584. 
bök : Ök 925. 
vlöt : not 1051. 
gut : not W 1148 (ansicher). 



bort 996. 



also : vrö 228. 335. 775. 1221; : katho 
61; : eymbalo 997; : ewan- 
gelio 1070. 

vro : w6 644. 

throne : kröne 130. 2344. 



Ö» : ö 



köre : vore 2110. 



Ö* : ö* 



hö : also 144. 1115. 1222. 1390. 
schöne : throne 397. 1944. 
gekrönet 2192. 

ö* : ö (or) 

voren 45. 

boren 272. 

worde 149. 
: wort 961. 1467; 
gode 672. 1397. 

Ionen 1203. 

: sone 166. — 255. 278. 749. 
841. 

toren 838. 
gewone 1684. 
böge 1237. 1808. 
toren 1706. 
gelöpen : hopen 2114. 

0* : 

vöget : doget 297. 399. 855. 2267. 

vögen : mögen 734. 

gewröget : doget 675. 

röke : broke 986. 

genöget : doget 1588. 

höre : köre 2022 (ansicher). 

ö* : (oder u) 
rikedöm : drum 1813. 



lönet : 

hören 

hörde 
gehört 
nöde : 
rönen 
schöne 

dören 
hone : 
böge : 
ören •: 



tö : also 726. 1389. 

: vrö 1257. 1557. 2188. 2204. 



ö* : u 



vücht : tücht 3. 



Das Ergebnis obenstehender Zusammenstellung ist nun folgendes. 
Wenn man zunächst die heterogenen Reime zusammenfasst, so stehen 
98 (= 41 4- 39 -t- 18) homogene neben 62 (= 34 4- 20 + 8) 
heterogenen. Von den letzteren kommen auf das erste tausend Verse 
80 ^/o, dann 51 ®/f, dann 38 ®/o. Je weiter das Werk vorschritt, desto 
mehr gelang es also dem Dichter, gleichwertige Reime zu schaffen. 
Das gilt aber auch, wenn man daraufhin den Cato mit dem Schach- 
buch vergleicht. Denn die heterogenen Reime erscheinen im Cato 
im Verhältnis etwa doppelt so häufig als im Schachbuch. Der oben 
gewonnene Schluss, dass der Cato Stephans älteres Werk sei, wird 
dadurch kräftig unterstützt. 

Vergleicht man dann aber die Reime ö^ : ö^, allein genommen, 
mit ö^ : 6^ ■+- 6^ : 6\ so stehen 80 (= 84 ■+- 37 -f- 17) homogene 



Reime neben 18 (12 



2) heterogenen; dabei kommen von den 



letzteren auf die einzelnen Tausende 35®/o, dann 11 ^/o und 11%. 
Daraus muss man zunächst folgern, dass 6^ und 6* in der Sprache 
des Dichters ähnlich klangen. Dass sie aber doch nicht den gleichen 
Lautwert hatten, wird man, wie Seelmann für das Schachbuch (Nd. 
Jb. 18, 159), so hier für den Cato schliessen aus der Abnahme der 
heterogenen Reime, die gegen Ende des Werkes zu beobachten ist. 
Nur deshalb kann der Dichter sich bei fortschreitender Kunst bemüht 
haben, jene Reime ö^ : 6* zu vermeiden, weil sie für sein Ohr unrein 
waren. Dafür spricht auch der Umstand, dass der Cato einmal 6^ : u 
reimt in vücht : tucht 3. Die Reime behuden (: luden) 1084, 1457, 
(iheduden) 1842 dürfen freilich nicht in Berechnung gezogen werden, 
da hehuden an jenen drei Stellen die Bedeutung verstecken, verbergen 
hat; dann aber ist darin das ü stammhaft. Aber doch bleibt die 
Folgerung bestehen, dass ö^ und o* in der Sprache Stephans etwas 
verschiedene Klangfarbe hatten. > 

Dass nun darauf der oben bezeichnete Zwiespalt der Hand- 
schriften, von denen gerade die ältesten RHD im Cato oft u für ö 
schreiben, zurückzuführen sei, wird wohl nicht angenommen werden; 
mögUch ist es inmierhin. Doch darüber urteile man, wie man wolle, 
bei der Herstellung des Textes konnte man nur den ältesten Zeugen 
folgen, da die Hs. W in vielen Dingen sich dem Dialekte von Göt-» 
tingen anschliesst. 

Zunächst mögen nun für den schon herausgegebenen Teil des 
Cato die wichtigeren Lesarten von D folgen. Eine genaue Verglei- 
chung vorzulegen, ist zwecklos, da dieser Teil jetzt doch eine neue 
Gestaltung des Textes verlangt. 

V. 7. In den mud — 15. Wer — 18/19. in ledigen stunden Vorslite 
— 26. unvorlnchtet — 39. syn leuen — 41 — 43. schämen Dat spreke ik al 
in godes namen — 57. Wo he se — 70. Vnde dachte dat ik en — 98. Wat 
du Hat — 117. erer — 150. gud — 151. dyngh — 159. dad — 170. Vordmer 
lene — 176. Darinne deyt — 181. warheit — 189. Vnde darvan esschen nenen 
win — 203. fügt hinzu: 

De wise man Snnte Jeronimns 

Schrift vnde ok boecius 

Dat wilde böse sundige wyf 

Is vnstede ouer alle er lyf 

Eyn doer der hellen der bosheyt wegh 

Eyn slanghen steke der sunden stegh 

Eyn patte des danels harne 

Der vntucht bilde der schänden rame. — 
204. AI was — 221. fügt hinzu: 

Also sprikt ieronimns 

Ok so leret panlus — 
226/27. Maket der synne scharpicheit Ane mate maket vele vnredelicheit — 
234. norsumicheit — 242/3. spise sat Vnde eyn gheistlik disch gesät — 255. 
He sy eyalik arm efte — 262. bedröuet — 263. fügt hinzu: 

Also spreket ieronimns 

Höret wat leret panlns 

Gy scholen de loghene van iw don 



10 

De warheit spreket so hebbe gy Ion 

Salomon sprikt der loghene nacht 

Bedecket der rechten warheit macht 

Den torn godes de loghenere 

Vp sik wecket want he mere 

De mynschen vruchtet wan he gode 

Also wert he des dunels bode 
Bonis benefacito (rot) 

Den guden schaltu gud bewisen 

Dat schal men sere an dy prysen 

Danid sprikt lene here 

Do wol den guden de mit der ere 

In herten rechtaerdich sin 

Dar ghif dyne gnaden in — 
277. fügt hinzu: Der vntruwen vnrechticheit 

De dfit mannighem manne leit — 
299. fügt hinzK^ Der zede In wem se sik wil lengen 

Den kan se wol to eren brengen — 
301. Sone dyn spei sy sunder — 305. Armüd se stedes bringen in — 312. dem 
anderen in werdicheit — 331. fügt hinzu: 

Seneca secht in sachten dingen 

Scholen de lüde er leuent to bringen 

Vnde spreken alle sunder hat 

Myn is dit dyn is dat — 
333. luttik — 343. Tor tafelen — wolgedan f — 364. de ewighe — 367. 
fügt hinzu: Justicia rechtuerdicheit 

Prudencia vorsenicheit 

Fortitudo rechte Sterke 

Temperancia meticheit Nu merke — 
377. De de beslut — 379. Sunne vnde mane vnde de Sternen schone — 382. 
Ueher Schrift in der Reihe der Verse: 

Dat du nicht werdest tragh meer wake 

Tracheit is aller vndoghet en zake — 
394. vyand dat herte — 397. gut — 398. Ueberschrift : 

De erste doghet is sture dynen mund 

We dat deit de is godes negeste vrund — 
404. sprikt de — 405. Secht] Swe — 407. synes schypers — 409. fügt hinzu : 

Salomon secht we syuen mund 

Beware de holt der zele grund. 
Die Verse, die ich fälschlich für Zusatz hielt, sind unter den Varianten von 
H (Jhb. XXIII S. 21) übersehen worden, — 410. Ueberschrift: 

Wes dy suluen nicht vnbequeme 

We sik suluen böse is de euent neme — 
414. Ueberschrift: Wan du ansust der lüde leuen vnde sede 

Scheldestu wene du hefst de sunde mede — 
422. sprek vnde denk — 425/6 Den balken wultu an my seen Dat kaf ysidorus 
ok secht — 429. he iv — 430. Ueberschrift: 

Wat du hefst leef mit schaden schaltu laen 

Nutticheit schal altyd uor rikedum gaen — 
433. De nuth vnde quaden rikedum — 435. de nuth — 441. rikedum groet — 
442. Ueberschrift: 

Wes stede vnde sachtmodich na der tyd 



11 

De wise wandelt syne sede na stunden ane vorwyt — 

446. Stede dat recht to holdende vry — 454/5. Dat magh eyn here wol na 

prise To tyden hebben an syner wise — 456. Uebersch.: 

Loue nicht dem wiue wat se ouer de knechte claghet 
Dicke batet dat wyf de sinem heren wol behaghet — 

459. Dorliken loue eren worden — 462. Uebersch,: 

Straffestu wen de dar nicht wil denken an 
Is he dyn vrund du enschalt nicht auelan — 

465. Dat du deist an gud — 475. dem — 476. Des ualschen de uor my zute 

spreket — 478. Uebersch,: 

Eyue nicht mit dem de uele word kan 
Word sint uele dar neen wisheit is an — 

489. So swigh vnde lat den doren enden — 494. Uebersch.: 

Vrome anderen luden ane den schaden dyn 
Wes gut den guden so ne uolghet dy neue pyn — 

496. de guden dut — 497. fügt hinzu: 

Socrates secht do du myn werff 
So dat id dyn eghen uorderff 
Nicht ensy dat is myn rad 
So beholdestu dynes sulues rad — 

502. Ueberschr,: Swych vnde hüd dik uor nye mere 

Sprikstu vil du werst gebeten eyn loghenere — 

512. Wen der tunghen so werstu wys — 514. Uebersch,: 

Loue nicht wisse wat dy louet en ander man 
Vele lüde spreket dar de warheit nicht is an — 

519. brokel alse en — 524. Uebersch.: 

Louet dy iemand suluen dik richte 

Eynem anderen wan dy mir loue mit nichte — 

531. oracius — 536. Uebersch,: 

Ander lüde woldat scbaltu spreken opembar 

Deystu suluen gud des schaltu römen nicht vorwar — 

bSßll, Eyns anderen woldat sone vorware Velen luden opembare — 546. Westu 

— 547. vte dem munde kosen — 549. Dat men de bösen uorder see — 552. 
Uebersch,: Wen du bist old bestraffe nicht den iungen man 

Denk wat du in dyner ioghet hefst gedaen — 

555. Vnde na dynem houede — 557. gaf den — 557. fügt hinzu: 

Hedde eyn iungh des alden wise 
Dat were eyn dyngh van grotem prise — 

560. Uebersch,: Stille rede lat dy nicht angaen 

He vruchtet io de ouele heft gedaen — 

562. vnseker — 563. Seet — 566. Uebersch.: 

Bistu rike beware dy uor schaden 

Dat anbeghin wil sik nicht mit dem ende gaden — 

566. Sone wan dy tolached dat lucke — 580. keret — 581. sint se dyner sad 

— 581. fügt hinzu: 

Dat lucke sprikt in groter ere 

Stunde ik stille vnwandelbere 

Vnde lete my nicht de armen kennen 

We scholde my denne gelucke nennen — 
582. Uebersch.: Wen dyn kranke leuent is alletid in wisser nod 

Dyne hopene sette nicht in enes anderen dod — 
588/9. f — 602. Vnde richtet vnde — 603. Is id nu dagh id werd — 



12 

604. üebersch,: Dynes armes vrondes cleyne ghift 

Sy dy beheghelik vnde lat se vngeloaet nicht — 
606. werdichliken — 613. dat se — 622. Uebersch.: 

God heft dy schapen naket vnde bloet 

Dregh dnldichliken dyne swaren noet — 
629. sundicheit — 632. Uebersch,: 

Vrachte nicht des dodes pyn 

Swe vruchtet den dod de mach nicht vrolik syn — 
634. benet — 635. lenet — 643. weckicheit — 644/5. wo De dod dy hale alte 
vre — 649. allent gud — 659. ewelik slap eyn deghelik — 660. eyn bitter 
mere — 661. seker toknmpst in der armen ghere — 661. ßigt hinxu: 

Aller dynghe eyn gmwelik land 

Dat iv lenede heft ene bekant — 
662. Uebersch.: Wil dy neen yrnnd woldät aorghelden 

Stnre dy da schult gode nicht scheiden — 
668. lichte — 676. Uebersch,: 

Dat dy nicht vmbreke nortere to mate dyn gnt 

Beware dat of dy vmbrekendes hebbe mut — 
680/81. Dat dy nummer in deme gewinne Enbreke darvmme — 688. Uebersch,: 

Neen dyngh norlone twye to gheyner stunt 

Wen du bist gud dat nicht leghe dyn mant — 
689. Schaltn nicht louen twie — 694. Wat — 706. Uebersch,: 

We vmntscop het mit worden inwendich loghen 

Dem do also dat list mit list werde bedroghen — 
711. bedecket hat — 718. Uebersch,: 

Löne en nicht dede hebben sachter rede vil 

De nogheler sute singet wan he den uoghel bedreghen wil — 
718—23 f, — 734—737 f, — 743. Leef snode . snode leef — 752. schade 

— 754/5. Dat men vind dat sulne lak In eme vnde is der schänden sak — 
784. tuchtichliken — 786. meret — 799. twyuelich — 799. füfft hinzu: 

Vnde wy ne weten dagh noch nacht 

Wan god kumpt mit siner macht 

Vnde wy moten uor em benen 

Wen he vns benympt dat leuen — 
810. blik — 811. dat is eyn ander ik — 817. Wedderghenen int ghemeyne — 
836. Den kyf wecket de tomighe — 848. wiserman — 858. ne bid — 861. 
De wol daldich — 869. vnde schade — 887. vnere — 896/7. vere Secten de 

— 912. Wultu kesen de — 934. mars — 935. Was dem se — 943. beghe- 
richeit — 954. do dy hyr by — 955. lere — 962. schat — 964. schat — 
967. fügt hinxu: Dat men mach sekerliken lesen — 968. in vroaden — 976. 
weide vnderkaket — 992. wunderliker — 997. Symbolo — 1008. böge — 
1014. we — 1016. De ghirighe doed de dynge nympt al — 1034. oket — 
1036. Ynmaten storm — 1047. yumber vlee — 1048. Matelike dyngk — anse 

— 1049. Ik löue des warleke — 1060. eret — 1076. went in twyer — 1077. 
dryer steyt — 1087. Bedeckede sunde — 1088. wyd — 1093. eyslicheit der 
daet — 1098. vnreyne vnde swaer — 1102. fügt hinzu: 

Wy vinden dat uor wäre 

Meer vruchtes ghift in syner schare 

Eyn syden boem doch is he week 

Den vil hart eyn ho eek — 
1108. mynner vil wen — 1116. in deme — 1125. clepesch — 1127. enen na 
bedrouet — 1129/30. Du enschalt in nenerhande rote Mit der bürde vnde mit 



13 

der lote — 1140 fügt hinzu: Hyrvmme is dyn wickent qnaet — 1147/48. 
Alleyn ensereghet nicht de haet Doch is he to daldene qnaet — 1167/68. 
Sjnen vrouden hyr vp desser erden Wil seidene gut ende werden — 1171. 
De lüde — 1178. openen — 1184 — 87. See also is de ene kerne Der bosheit 
de den vorghetenen torn Vnde den kyf uorlikent toaom Wedder openet — 
1199. naburs — 1211. Schönheit — 1222. metelken — 1224. vorwödet — 
1229. doricheit — 1236. de synne der seien — 1238. Se mach tebreken vnde 
ok de — 1242. dynem rächte — 1248. dar se by syn — 1253. vordernet — 
1256. eer wen men em — 1257. Wallet — 1272. he ne lepe nicht in dy — 
1275. drinke — 1276. De in dynen maghen sinke — 1279. Mer vlee — 1282. 
de sele — 1287. mit suke — 1288. de dyner ruke — 1298. set — dem blicke 

— 1302. Wasset to al sunder tal — 1332. Weret — 1334/35. an der noed 
Hopene hebben — 1343. vindest — 1347. Nuth . wen dar is euenture — 1359. 
He secht eyn olyge sy dyn raet — 1363. De — 1365. Sut uor sik — 1371/72. 
Dorch Wollust schaltu cleyne d6n Vnde uele dorch der sele 15n — 1378. 
Allene so mut — 1385/86. Wente wor en man mit ghiricheit Wan he waket 
mede ymmegheit Dat kumpt em to des gheystes döre In synem slape dicke 
nore — 1387. bom — 1389. De dy kumpt — 1397. see — 1417. van daghe 
to daghe — 1431. Owe ouer — 1440. mak — 1451 — 53. Men kan den doren 
nicht erschellen Noch den hunden nicht erbellen Vorbeden noch mit worden 
stillen Se ne willet io uolghen — 1461. Vnde spade — 1468/69. leghen god 
machstu ere sönen Wen ieghen quader lüde dönen — 1481. tweuold — 1489. 
Mer — 1500. Wat — 1501. He wese io tuchtich — 1510. meyster werd — 
1546. ymbescheden — 1549. De dyn nicht — 1553. Wide vnde syde beneuen 

— 1554. scholt dat — 1559. he hebben — 1575. dar grot lön — 1579. Houe 
vnde land — 1585. water was — 1593. dyn lyf — 1594. iuncfrouwen — 
1602. blyuen bouen — 1603. vnsynne douen — 1606. kusch vnde — 1615. 
er laet mit sinne — 1628. vngeweghet — 1629. nedderleghet — 1638/39 vmfi- 
geskUt 1639. Snstu dyngh nicht recht — 1643. Enen volgher der — 1645. 
Mit syner gude leret — 1646. stikst — 1648. de prelate — 1654. Mer — . 



777, 17. Bistu bekümmert in der hechte 
Vnder eyneme bösen rechte, 

1660 So röp an mit diner kraft 

Des richters hulpe vnde sine macht. 
Dat recht vnde ok de heren mede 
Willen bywilen hebben bede. 
Doch scaitu dit aldus vorstaen 

1665 Vnde de meynheit laten vorgan, 
Vnde mit eyner guden ee 
Mit haste to deme richtere vle, 
Dat he dy helpe to deme rechte 
Vnde vor de warheit vechte. 



1658. hette W — 1659. eynem D — 1660. roip W — dyner chraft D — 
1661. syne D — 1663. De willen bewilen W — 1664. scholtu D — dit] dik D 
dat W — uorstaen D — 1665. Wil de meynheit D — uorgaen D — 1666. Vnder 
eynem hosen de ee D — 1667. dem D — vlee D — 1668. dem D — 1669. uor 
D — uechte D — . 



14 



1670 Allene mostu denne hebben dult, 
Gif dy doch suluen in nene scult. 
Id is eyn alt word wol bekant: 
De schuldige schoderet altohant. 
/7/, 19, Wultu, sone, wiser wesen 

1675 Den eyn ander, so scaltu lesen 
Vele vnde ok ouerseen, 
De warheit ute der valscheit theen; 
Went id is nicht allent war, 
Dat men scriuet hir vnde dar. 

1680 De pöeten leghen vele, 

Dar se scriuen in mannighem dele. 
Also sprikt aristotiles; 
Auerrois berichtet vns des, 
Dat mannighem wert wol hone, 

1685 De der schap blerren is gewone, 
Wan he to der warheit scal gan, 
Dat he er nicht kan vorstan. 
///, 18. Vmme diner sunde schult 
Lide pyne mit gedult. 

1690 Wes di binnen suluen quad; 

Dy suluen richte, dat is myn rat. 
Also dede ok her dauid, 
Do sine sunden weren wyd. 
He sprak mit ruwegeme munde: 

1695 Here, ik clage dy myne sunde; 
Mine sunde sint iegen my. 
Des laet, here, irbarmen dy. 
Nu höre, wat eyn lerer sprikt: 
We suluen siner sunde uorsikt 

1700 Vnde secht, he si van sunden vri, 
He drucht sik suluen, des loue my. 
///, 20. Werstu wor to werscap beden. 
So wes houisch in dinen reden. 



1670. AI moistu hebben dine dult W — 1671. Ghif D — doch /. W — 
in /. W — neyne W — schult D — 1672. It W — olt W — bekand D — 
1673. schodert altohand D — 1675. Denne W — scholtu D — 1676. ok /. W — 
1677. ut W — then W — 1678. Wente it W — waer D — 1679. me W — 
schrittet D — hyr D — daer D — 1680. uele D — 1681. schriuen D — menigen 
W — 1682. spreket W — 1684. manegeme manne W — werd D — gehonet W — 
1685. De dar schachtafelen is gewonet W — 1686. Wenne W — warheyt D — 
schal gaen D — denne gan W — 1687. vorstaen D — 1688. dyner D — schuld 
D — 1689. der duld D — 1690. dy bynnen D — quaed D — 1691. Dik W — 
raed D — 1692. ok /. W — 1693. syne D — sunde W — wiit W — 1694. enem 
ruwigen D — 1695. claghe D — 1696. Myne D — leghen D — 1697. late W — 
erbarmen W — 1698. spreket W ■— 1699. syner D — vorseket W — 1700. sy D 
— von W — vry D — 1701. gelouet W — 1702. Das zweite Bruchstück von R 
beginnt 1702. wor /. DW — to der W — werschop D — wertschap W — 
gebeden W — 1703. Dar wes DW — wes io D — houesch RW — in den DW — . 



15 



Dat men di nicht clepisch enscriue, 

1705 Noch vntucht se van dinem liue. 
///, 21, Nym nicht to herten noch to oren 
Dines hosen wiues torn. 
Wan dat wif vil sere wenet, 
Nicht gudes se darmede menet; 

1710 So legget se deme manne läge, 
Se wil, dat er de man vrage, 
Worvmme se wene, wat er si. 
„Ic wil id di beteren, segget my^, 
He scal spreken; so antwordet se: 

1715 ;,Owe, man, my is so we, 
Dat ic nv steruen mut, 
Ic enhadde, dat my were gut, 
Lutter dranc vnde sute crude; 
Aldus segget my de lüde. 

1720 Hadde ik dat, so worde ik sund; 
Owy, wo hittere is myn mund!" 
Dat koft he er den altohant; 
Heft he neen gelt, he set eyn pand. 
Also kan se tuschen vnde ghecken 

1725 Den man vnde em de äderen recken. 
Also lange hin to der tyd, 
Dat se der haue werden quit. 
So willen se denne de wiue dwingen 
Vnde in de rechten mate bringen; 

1730 Neyn, du rapest to spade kas, 
Do de kese gheten was. 
Van den bösen wiuen ik dit lere; 



1704. me W — dy DW — nicht/. R — ^clepesch D cleppich W -— enschriue 
D — 1705. Noch neyn E, Noch neyne W — vntuch R — se /. RW — dynem D 
dime W — RW fügen hinzu Werde (Wert R) gesecht wan du wult sin Eyn 
houesch man in tuchten fin (Gut vnde houesch al darbi W) — Ferner fügen DW 
hinzu We beide (beyde D) spreken wil vnde eten De mut (mot W) vil (/. W) 
dicke der (siner W) tucht vorgheten Vnde hebben des in siner schottelen (scottelen 
W) schaden Vnde spot van (von W) synen (sineme W) gaden — 1706. eder to W 

— 1707. Dynes D — wyues D — wiues böse R — 1708. wyf D — vil /. R — 
weynet R — 1709. denne meynet R — 1710. lecht DW — se der R — laghe D — 
1711. Vnde wil R — wil den D — de man er DW — vraghe D — 1712. se vmme 
weynet vnde R — sy RD — 1713/14 /. W — 1713. Ik D — dy D — sege R — 
1714. Sprikt he aldus so D — 1715. Owy D — myn man R — wey W — 1716. 
ik iumber D ik immer W -- mot W — 1717. Ik DW — en /. R — hedde D 
hebbe W — gud D — 1718. Lutteren W — drank D dranck W — sote R soite W — 
künde W — 1719. Aldus so DW — seget R seggen W — R bricht ab — 1720. Hedde 
W — gesund W — 1721. Owey wu W — bitter is my de D — 1722. denne W — 
altohand D — 1723. neyn W — gheld D — 1724. Aldus kunnen se de lüde 
gecken W — 1725. Vnde de eynen vor de anderen trecken W — 1726. So W — langhe D 

— wente W — tut W — 1727. syn worden quyd D — 1728. dwinghen D — 
1729. mute D — 1730. Mer neyn D — ropst D — 1731. ghegheten D — 
1732. wyuen W — dit /. D. 



16 



Den guden geue god lof vnde ere. 
Van dissen wiuen segge ik nicht mer, 

1735 Ik hebbe darvan geredet Sr. 
777, 22, De ding, de du heft gewunnen. 

Der bruke, des wil ik di ghunnen. 
To vntiden enbruke er nicht, 
Se, so blift din leuent sucht. 

1740 Vordeistu din gut to vntiden, 
Sustu denne vere eder wide, 
Dat is allent vromet gud; 
Hirvmme dwinge dynen müd. 
Ok en scaltu nicht vruchten den dot; 

1745 Allene is he in sik nicht gut, 
Doch endet he der bösen leuen. 
De lange sunde hebben dreuen. 
De doet endeghet ok dat al 
Arbeit, noed vnde vngeval. 

1750 Mochte de böse vnde de rike 
Leuen in vrouden ewichlike, 
Dat recht der werlde were vmmere, 
Vnde gode schude luttik ere. 
777, 24. Hefstu eyn wif al na der art, 

1755 Dat se (ü is mit worden hart, 
Is dat nutte, dat se dy secht: 
Dat du se lidest, dat is recht. 
Id is eyn vil vnduldich man, 
Deder wort nicht liden kan, 

1760 De ene warnen vor dat quade 
Vnde em allent dat gude raden. 
777, 25. Nu höre, wat ik dy wil leren: 
Vader vnde moder scaltu eren 
Mit euer leue, de stede si 

1765 Vnde ok truwe al darbi. 
Wultu dyneme vadere güd 
Wesen, so hebbe steden mud. 
Moye dyne moder nicht, 



1733. De W — gheue D — geue ik W — 1734. Von dessen W — mer W — 1735. 
von gesproken eir W — 1736. dyngh D — 1737. ek W — dy D — 1738. auer 
bruke D — 1739. Su W — dyn D — 1740. Vordeystu dyn gud D — vntide W — 
1741. Dat du sust vere ofte wide D — 1743. Hyrvmme D — so dwingh D — mot W — 
1744. en /. W — schaltu D — vntvruchten W — doet D — 1745. Alleyne W — 
1746. let he de bösen W — 1747. De dar W — langbe D — gedreuen D — 
1748. Vnde ok de dot W — 1749. noed /. W — 1750. ryke D — 1751. ewichliken 
W — 1753. Danach Vll^in in W — 1754. wyf D — wol W — ard D — 1755. 
dy D — bard D — 1756. It is W — dy /. D — 1758. Dat is W — vil /. W — 
1759. De de word D — 1760. uor D — 1761. Vnde luden al na gudem rade D — 
1762. Wille D vort wil W — 1763. schaltu D — 1764. eyner W — sy D — 1765. 
darby D -^ 1766. dynem uader D — 1767. mot W — 1768. diner W. 



17 



So krighstu des hemmeis licht. 
1770 Eer se di wan, do was se swar 

In der bort mit groter var; 

Dartia do se diner genas, 

Mer sorchuoldich se do was, 

Wo se di to liue helde 
1775 In deme moderliken telde. 

Nu höre, wat is godes lere: 

Vader, moder mit vlite ere, 

Vp dat dyn leuent sunder wank 

Vp desser erden werde lank. 
1780 7 F. praef. Wultu eyn seker leuent leiden, 

Mit synne alle ding bescheiden 

Vnde afrucken dynen müt 

Van den sunden, nummer gut, 

Vnde then den minschen to den seden, 
1785 Dar manich man is afgegleden: 

So scaltu myne bode lesen 

Vnde sorchuoldich darane wesen. 

So machstu io vinden ichtes wat, 

Dar ik dy al sunder hat 
1790 Af sture vnde wederrade, 

Dat du bliuest sunder schaden. 

Hefstu dat gude bi deme quaden, 

Wultu di suluen den vorraden? 

Lidestu darna iamer grot, 
1795 We scal clagen dyne not? 
/F, 1. Den rikedüm scaltu vorsman, 

Wultu wesen vnderdan 

Gode vnde hillich al darbi 

In diner sele, dat segge ik di. 
1800 De sik to der rechticheit geuen. 

De moten in armode leuen 

Beide nacht vnde ok den dach, 

Wente en nummer nogen mach, 



1769. drechstu W — himmels W — 1770. Eir W — dy D — swär D -- 
1771. bord D — vär D — 1772. dyner D — 1773. someldich W — 1774. dik DW 
~ lyue D — 1775. dem D — 1777. vlyte D — 1778/79 /*. hier W s. o. 1753; dafür 
1786-95 hier in W — 1778. Vppe W — 1779. Vppe W -- lang W — 1780. leyden D — 
1781. dyngh bescheyden D — 1782. mot W — 1783. sunden de W — number D — 1784. 
then /. D — myschen D — 1785. mannich D — is van D — 1786. scholtu D — 
gebode D — 1787. sorghuoldich D — daran W — 1788. mochstu D — ichtes 
/. W — 1789. Dat segge ik di sunder W — 1790. wedder D — raden D — 
1791. du blif al W — 1792. dem D — 1793. dik D — den suluen W — 1794. 
Listu W — yammer groet D — 1795. schal claghen D — nöd D — 1796. rikedom W 
— schaltu vorsmaen D — 1797. vnderdaen D — 1798. hilligh D — darby D — 
1799. dyner D — dy D — 1800. richeit W — gheuen D — 1801. armSde W — 
1802. Beyde D — ok /*. D — dagh D — 1803. ghenoghen magh D. 

NiederdeatBohes Jahrbaoh XXV. 2 



18 



Eer wen se de erden up sik vaten; 

1805 So moten se io er girent laten. 
Nu höret, wat de godes knecht 
Sunte Augustinus secht: 
Wat helpet my al erdesch gut, 
Wan ik van hinnen steruen mut? 

1810 Ok heft vns salomon bericht: 

Id is beter, dat wi hebben nicht 
Den alto groten rikedom 
Vnde Valien an des duuels drum. 
IV, 2. Nu höre, leue sone myn: 

1815 Wultu wol motsam sin 

In den dingen, der din nature 
Begert, so ne wert di nummer dure 
De vodinge to dineme liue, 
Vnde blifst ok sunder uele kyue. 

1820 Boecius vns witlik düt: 
De nature is so gut, 
Se gift vnde maket gar anneme, 
Wat den dingen is bequeme. 
/F, 3. Bistu mit worden vmbehende 

1825 Vnde gifst den dingen neuen ende 
Vnde nicht enkanst mit rechter rede 
De ding richten na gudem sede: 
Envorwit des deme gelucke nicht, 
Dat du bist eyn vnwittich wicht. 

1830 Bistu diner sinne eyn kint, 

Darvmme enis dat lucke nicht blint. 
Got heft di redelicheit gegeuen 
Vnde dat minschlike leuen. 
Wultu di nicht na rechte lagen, 

1835 We scal din vngelucke clagen? 
IV, 4, Du machst wol na den penningen stan. 
Sine formen scaltu vorsman. 
Dar nummer mer een hillich man 



1804. Eir se W — vppe D — uaten D — 1805. io] doch W — ghirent D 

— 1806. höret D — gude W — 1807. Sente W — ^ 1808. my /*. W ~ al dat 
erdische W — güd D — 1809. von W — hunghere D — mud D mot W -- 1811. It W — 
wy D -— hebben] suluen W — 1812. Vnde hebben den W — 1813. Vppe dat wi 
nicht W — in W — rom W — 1815. genochsam vorher gemothsam D — syn I) 

— 1816. dynghen D — de W — dyn D — 1817. Begheret D — en werd dy 
number D — 1818. voidinge W — dynem lyue D — 1819. /. W — blyf D — 
1820. dot W — 1822. ghift D — 1823. dynghen D — 1824. vnbehende W -- 
1825. ghifst D — neynen W -- 1826. rechte reden W — 1827. dyngh D — mit 
guden zeden W — 1828. En] So D — vorwiit W wyte D — dem D — 1830. 
Bystu dyner synne D — kind D — 1831. Darvmme dat gelucke is W — blind D 
-- 1832. dy D — gegheuen D — 1833. mynschlike D — 1834. dy D — nach Vf 

— laghen D — 1835. mach dyn D — 1836. nach deme penninge W — staen D 

— 1837. /*. D — 1838. number mer D — neen D eyn W. 



19 



Lecht sere sine begeringe an. 

1840 Noch wil ik dy dit beduden: 

Den penning scaltu nicht behuden 
In dine leisten ofte in din slot 
Vnde holden ene vor enen god, 
Vnde wokern schal tu dar nicht mede, 

1845 Also is maneger lüde sede. 
Wultu weten godes recht, 
Höre, wat de prophete secht: 
Swe scal godes berch upstigen 
Eder sik to siner stede nigen, 

1850 De schal don also de seker man, 
De sin gelt nicht heft gedan 
To wokere vnde nicht heft gesworen 
Valsche drogene hir tovoren. 
/F, 5. Bistu rike vnde hefst genüch, 

1855 So do io deme liue sin gevüch; 
Eyn karich rike, vnsalich man, 
Crank vnde olt vnde vngedan, 
Dat segge ik di al sunder bicht. 
De heft den penning vnde heft des nicht. 

1860 He heft den penning vnvordroten 
In siner kisten wol besloten; 
Des penninges endar he nicht bruken, 
Id ne si dat he nicht mer moghe krupen. 
Wan ok denne kumpt de dach, 

1865 Dat he ropt: owy, owach! 

Were iemant, de my helpen künde. 
Den wolde ik eren mit eneme punde. 
Io doch, mochte he dusent geuen, 
He mut dar laten doch sin leuen. 

1870 /F, 6. Wultu bliuen in deme wege 
Der lere, so scaltu de siege 
Dynes meister gerne liden. 



1839 syne begheringe D — 1841. penningh schaltu D — 1842. kiste D — dyn D — 
1843. en uor D — dinen got W — 1844. woikoreren W — schaltu /*. W — nich 
I) — 1845. mannigher D — zede W — 1847. So höre W — wot W — di de W 
— 1848. We W — schal D — bergh I) borch W — upstighen D — 1849. syner 
I) — nyghen D — 1850. Dat schal D — also /. D — 1851. syn gheld D — 
gedaen 1) — 1852. heft /. W — 1853. droghene hyr touorn D — 1854. genoich 
W — 1855. dem lyue syn I) — gevoich W — 1856. vnselich D — 1857. Karch 
old vngedan D — gedaan W — 1858. dy D — 1859. He W — pennyng D — 
he heft W — 1860. pennyng D -— 1861. syner D — Danach W He si darinne 
eder buten — 1862. Den pennyng dar D — 1863. It si W — sy D — meer D — 
ne mach W — krupen /. W — 1864. /. W — dagh D — 1865. So ropt he owi 
W — owagh D — 1866. yement D — 1867. enem D — 1868. Auer neyn D — 
gheuen D — 1869. mot W — doch /. W -- leuent W — 1870. blyuen D — 
dem W — weghe D — 1871. schaltu D — sleghe D — 1872. meysters gherne 
Ivden D. 



20 



Ok enscaltu nicht vormiden 
Dines leuen uader bot, 

1875 Also vns heft geboden god, 

AI were he tornich wol en deel: 
So bliuet din gude ruchte heel. 
Aristotiles, de wise, 
Berichtet vns des mit grotem prise: 

1880 Eyn man de olderen spade noch vro, 
Gode, den meister al darto 
Nummer so grotliken mach eren, 
Also se wol werdich weren. 
Wante god heft di gegeuen 

1885 Vornumft der synne vnde din leuen. 
De meister vort mit siner kunst 
Dine sinne vnde dine vomumst 
Leret, dat du al sunder wän 
Ane spot machst uor de leyen gaen. 

1890 Vnde wan du kumst tor iamericheit 
Besser werlde vnde arebeit, 
Lidet din moder grote not. 
Din vader drecht sorge grot, 
Wo he di to manne make, 

1895 Dat din herte in dogeden wake. 
Ere, wan id di mach to boren, 
Desse dre, mer io gode to voren! 
/F, 8. Deme biddere scaitu mede delen 
Dorch de salde diner seien, 

1900 Des du machst vil wol vmberen 
Vnde du nicht kanst vorteren. 
Wat men guden gudes deit, 
Dat is eyn deel der mildicheit. 
Dat he wol deit, de dar gift, 

1905 Dat bewiset vns de scrift: 



1873. enscholtu D — uormyden D — 1874. Dynes D — vaders W — 1875. 
Als D — got W — 1876. eyn D — 1877. blift W — dyn D — 1879. De berichtet 
W — grotem f . W — 1880. Ere de W — vnde vro W — 1881. den] vnde dinen 
W — meysteren D — 1882. Du machst se nummer W — 1883. Alse D — werdigh 
D — 1884. Wente got W — hat dy gegheuen D — 1885. vnde der W — vnde 
/". W — dyn D — leuent W — 1886. meyster D — vord D vore W — syner D — 
1887. Dyne synne D — dyne D — vornumft W -- 1888. Geleret D — dat du 
scalt sunder spot W — 1889. Vor puren leigen bliuen eyn got W — 1890. Vade 
/. W — kanst W — to der W - 1891. vnde /. DW — arbeit W — 1892. So 
lydet dyn D — noet D — 1893. Dyn uader de D — sorghe groet D — 1894. 
Wo dat W — dy D — 1895. dyn D — dogheden D — 1896. Eir wanne W — 
it W — dy D — 1897. men D — de gat io W — teueren D — 1898. Dem bid- 
der schaltu D -- 1899. dyner D — sele W — 1900. vnberen W — 1901. uorteren 
D — 1902. Dat D — den guden D — deyt D — 1903. deil W — nutticheit D — 
1904. deyt D — ghift D — 1905. schritt D — . 



21 

To uorgheues hebbe gy genomen, 

Wille gy iuwer sele vromen; 

To vorgeues scuUe gy geuen, 

So gift iw god dat ewige leuen. 
1910 JF, 10, Wan du heft bekoringe quad 

Des ylesches vnde doch nicht de daat, 

So scaltu starke drunke vleen 

Vnde lecker richte dy vntheen. 

Van dessen dingen begript dat lif 
1915 legen de sele eynen kif, 

Dat id wert in sik vorbolgen 

Vnde wil der woUust volgen 

Vnde vnreyne ding ouen, 

De de sele vnde lif bedrouen. 
1920 De gude Sunte paulus 

In siner lere sprikt aldus: 

Vormaldiget si de genne, 

De dar hebben den buk allene 

Vor enen god; werliken se sint 
.1925 Noch arger wen dat stumme rint. 
IV ^ 11. Wan du vrochtest alle dere, 

Dat se di scaden in ander bere 

Vnde dön di jamer vnde leit 

Mit erer harden grimmicheit, 
1930 So bede ik di tovom, 

Vruchte den min sehen vnde sinen torn; 

De minsche bringet, wol is he crank, 

Doch alle ding in sinen dwang. 

Se, dat deit sin redelicheit, 
1935 De em got heft angeleit. 

De gude sunte Augustinus 

In siner lere sprikt aldus: 

De minsche dat wesent mid den stenen 

Heft vnde mit anderen dyngen gemene ; 

1906/7. /. W — 1908. uorgheues schole D — gy] we W — gheuen D — 
1909. ghift D — vns W — god /. W — ewighe D — leuent W - 1910. hefst D 

— quaet D — 1911. ofte mit der daet D — 1912. schaltu D — sterke W — 
vlehn W — 1913. Vnde maneger W — 1914. dynghen D — lyf D — 1915. leghen 
D - kyf D — 1916. Dat lyf werd D ~ uorbolghen D — 1917. uolghen D — 
1918. vnkusche dynge Öuen D — 1919. Der sele sin I) — lyf D — bedrouen D — 
1920. gode sente W — 1921. syner D - spreket W — 1922. sy de jenne D — 
1923. dar] de W — eren buk D — 1924. eynen got W — werlik W — 1925. 
ergher D — wenne W — rynt W — 1926. vorchtcst W — deire W — 1927. dy 
schaden D — in /". W — 1928. don W — dy iammer D — 1929. grymmicheit D 

— 1930. dy 1) — touoren D tovome W — 1931. Dat du vorchtest W — mynschen 
D — sine W synen D — torne W — 1932. mynsche D — krank D — 1933. Doch 
/. W — dyngh D - synen dwank D — 1934. Su W — deyt syn D — 1935. an- 
geleyt D — 1936. sente W — 1937. syner D — spreket W - 1938. mynsche D 

— heft also em to voget W — 1939. Vnde alle des he behouet W — . 



22 



1940 Dat wassent vnde eyn groyende leuen 

Heft god em mit den bomen glieuen. 

De utwendigen synne mit den deren 

Heft lie van gode in groten eren. 

Mit den engelen in deme trone 
1945 Heft he de redelicheit vil schone. 

Neen ding in der naturen art 

So rechte vuUenkomen enwart; 

Hirvmme scaltu mit groten tuchten 

Den minschen eren vnde vruchten. 
1950 iF, 12. Is in der starke neen brake an di, 

Lat de wisheit sin darbi. 

Sterke ane wisheit 

De dot vil vakene dorheit. 

Salomon secht vns dat 
1955 In siner lere al sunder hat: 

Ik wille vor den starken man 

Den cranken wisen io vntfan: 

Betere is de wise man, 

Wen de borge breken kan. 
1960 De wise varet mit synne vort, 

Dar de starke werket mort. 
/r, 13, Hefstu arbeit ofte not 

Eder an deme liue suke grot, 

So scaltu io van dem bekanden 
1965 Hulpe bidden in allen landen. 

Beter arste wart ny gevunden 

Den eyn truwe vrunt in allen stunden. 

Truwe vrunt is gut in rade 

Beide vro vnde spade. 
1970 /F, 14. Na deme dat du eyn sunder bist 

Vnde sculdich in maneger list, 

Worvmme deistu also eyn ghek 

Vnde offerest gode dat stumme quek? 

Id is vil grot dorheit, 



1940—42 /. W — 1943. He heft dat wesent in W — 1944. enghelen D — 
dem D — 1945. vil] vullen D - 1946. Neyn W — dvngh I) — nature W — 
1947. en /•. D — 1948. Hyrvmme schaltu D — 1949. De W — mynschen D — 
1950. Sterke W — neen /. W — dy D — 1951. Laet D — wysheit syn D — 
darby D — 1952. wysheit D — 1953. De/. D — dot W Deyt D - dicke W — 1954. 
de secht W — 1955. syner D — 1956. wil W — uor D — Sterken W — 1957. 
guden wisen D — vntfaen D — 1958. Beter I) - 1959. Wenne W — borghe I> 

— 1960. wyse D — wol uord I) — 1961. Sterke W — mord I) — 1962. eder W 

— noed D — 1963. Ofte W - dem D dyme W — lyue D — groed D — 1964. 
schaltu D — von W — 1966. ward D - nu W — 1967. Denne W — vrund D — 
1968. vrund D — gud D — 1969. Beyde D — 1970. dem D — 1971. schuldich 
D — bist in W — mannigher D — 1972. Darvmme W — deystu D — 1973. 
offers t D — 1974. It W — dorheyt D — . 



23 



1975 Dat du dine salicheit 

Legest an eynes ryndes dot, 

Dat id vor di lide de not 

Der sunde, de du hefst gedan; 

Also machstu nicht vntgaen. 
1980 Dauid, de truwe godes knecht 

In dem saltere aldus secht: 

here god, de man scal beuen; 

Woldestu, ik hadde di geuen 

Ofte geofferet eynen ster 
1985 Eder eyn ander vnredelik deer. 

Des offeres enwoldestu nicht; 

Men eyn reyne herte mit lutter bicht 

Vnde wäre ruwe al darmede 

Vnde rechtuerdige bede, 
1990 Dat offer woldestu hebben, here. 

Wol em, de di dat to kere! 
/F, 15, Wultu soken eynen kumpan 

Vnde eynen vrunt also gedan, 

De truwe, sedich vnde gut 
1995 Sy vnde hebbe ok der eren mud, 

Sette nicht dat lucke in den köre 

Sunder de doghet io to uore; 

Wente wan dat lucke varet van danne, 

De doghet blift io by dem manne. 
2000 /F, 16. Bruke van deme gewunnen gude 

Vnde hebbe din ding doch in der hude! 

Des ghireghen namen nicht an dy holde; 

Wat scal dy suluer grot mit golde, 

Bistu darbi eyn arm man 
2005 Vnde darst nicht leuen darvan! 

Höre, wat de karge düt: 

In eynen hop gadert he dat gut; 

He geit wol vnde sut id an, 

Nicht endar he nemen darvan. 



1975. dyne salicheyt D — 1976. Legbst D - in W — doed D — 1977. 
Vnde vor W — uor D - dy lyde noed D — 1978. gedaen D — 1979. mochstu 
W — vntfan W — 1980. de gude D — 1981. sineme W - 1982. got W — schal 
D — 1983. Wuldestu W — dy D — gegeuen W gheuen D — 1984. Eder geeifert 
D — steer D -- 1986. offers D — here nicht W - 1987. Min W — eyn /. W — 
keyne D — lütterer D ~ 1989. rechuerdige DW — 1991. dy D — 1992. kumpaen 
D — 1993. vrund D - gedaen D — 1994. sedich] sy dik W — gud D — 1995. 
Sy /. W — ok /. W — mot W ~ 1996/97. /. W 1998. Wente /. W — uaret 
uan D — 1999. Dat si de doget de blift bi di stände W — 2000. Gebruke von W 
— dem D — 2001 . dyn dyngh D — in guder hoide W — 2002. De giricheit nicht 
sere an W — 2003. schal D — 2004. darby D — 2005. leuen nicht daruan D — 
2006. kargte D - döt W - 2007. gaddert D — he sin W — 2008. Vnde gheit 
D — 2009. en /. D — dar he dar nemen van D - . 



24 



2010 He heft io angest, dat em enbreke, 
Also de anet an deme beke 
Vlut vnde nicht drinken endar; 
Dat id vorga, des heft he var. 
Eyn poeta Oracius 

2015 In synem boke sprikt aldus: 

Wat scal mi lucke vnde gut belach. 
Des ik gebruken nicht enmach? 
Ik mach my to dem drecke keren, 
Holde ik myn gud uor myne eren. 

2020 IV, 17. Wan du leuest mit godes vruchte 
Vnde mit eren wult din ruchte 
Beholden in der werlde köre, 
So scaltu vlen der schänden höre 
Vnde de vroude desser werlt, 

2025 De mit lästere syn geperlt. 
/r, 18. Den du sust van aldere grys, 

Belache ene nicht, so bistu wys. 
Deme olden cranken sine synne; 
Vornumst der kyntheit heft he ynne. 

2030 Dat alder is van vns vorsmat, 

Doch krege wi gerne des alders grat. 
Wol eme, de de ioget clare 
Mit dogeden bringet in aide iare. 
iF, 19. Sone, du scalt iummer leren 

2035 Vnde dyne dynghe to dem besten keren. 
Wan dat gelucke van dy varet. 
So blift de kunst in erer aret, 
Se si cleyne ofte grot, 
Se blift bi di in aller not. 

2040 De kunst let dy nicht uordwelen, 
Neen deef kan se dy uorstelen. 
Wultu, wat de wysheit sy, 
Weten, kint, so höre my: 
De wisheit is, ik segge di dat, 

2045 Der sele eyn vil edele schat 



2010. anghest D — 2011. Alse W — in dem W — 2012. drynken daer D 

— 2013. it W — uorga D — se W — vaer D — 2015. sinen boiken spreket W 

— 2016. schal my D — gud D - 2018/19. /. W — 2020. vruchten W — 2021. 
ok mit W — wultu dyn D — 2022. Holden W — köre] sone W söne I) - 2023. 
schaltu vleen D — de" W — hone D — 2024. werld D — 2025. laster D — sint 
W — geperld D — 2026. von oldere W — ghrys D 2028. De olde kranke syne 
D — 2029. Vnvornumft is darinne W — 2030. von W — uorsmaed D — 2031. 

kreghe we gherne D — olders W — graed D — 2032. em D — ioghet D — 
2 033. dögheden bringhet D — olde W — 2034. schalt iumber D — 2035. Vnde dy to W 

— 2036. Wan dyn D — 2037 jo de W — nach D - art W — 2038. sv D — 
eder W — groet D — 2039. by dy D — in der W — noet D — 2040—43. /. W 
~ 2044. wysheit D ~ segghe dy D — 2045. vat schat D — . 



2^ 



Vnde wert geoket uan der gnade 

Godes vro vnde spade. 

Se socht ok nicht der gingen werd, 

Se eret weder, de se ert. 
2050 So snel se van deme minschen varet. 

De wert dicke opembaret; 

Also men se den dicke ouet, 

So wert se grot, also men wol prouet. 
IVy 20. Du scalt swigende alle dinge 

2055 Vore seen in dynes herten rynge. 

Vnde merke in der lüde rede, 

Darinne schulet de zede. 

De wort dicke de zede bedecket; 

De rede de zede ok dicke upwecket. 
2060 Seneca secht: wodan is de man. 

Also gan em de rede van. 
IV^ 21. AI hefstu wysheit vil geleret^ 

Vnde bist in der kunst vormeret, 

Doch scaltu ouen dyne lere, 
2065 Wultu bliuen in der ere. 

De sorge maket de sinne gut, 

Also de hant de wonheit dud. 

Eyn meister der nature den meister gift 

Eyn ding to donde, dat mogelik is. 
2070 De kunst de gift de lichticheit; 

De wonheit maket en bereit, 

Dat he mach syn arbeit 

Vil sachte don al sunder leit. 

Eyn ander meister secht aldus; 
2075 De is gebeten boecius: 

De kunst sunder wonheit is 

Seidene gut, des sit gewis. 

Sunder kunst de wonheit gut 

Gift vil mannighem minschen brod. 
2080 IV, 22. Du scalt ok vruchten nicht de tyt 



2046. von W — 2048. So DW — secht W — nicht de ghiricheit D — vieU, 
Se smoht ok nicht der geringen -— 2049. eret den de er ere deyt D — eret W — 
2050. von W — dem mynschen D — 2051. Se ne werden D — openbaret W — 
2052. dicke se denne W — 2053. werd B — alsemen W — wol /. W — 2054. 
schalt swyghende D — dynghe D — 2055. sehn W — rynghe D — 2057. Darynne 
D — dicke de zede bedecket W — 2058. Dar W — word D — dicke schulet de 
zede W - 2059. ok /. W — 2060. wodaan W — 2061. gaen D - 2062. Alleyne 
W — wysheit /. W — vele W — 2063. uormeret D — 2064. scholtu D — 2065. 
blyuen D — 2066. sorghe D — make W - synne gud D — 2067. Also dat werk 
D — dot W — 2068. meyster D — meyster ghift D - 2069. dyngh D - moghe- 
lik ist D — 2070. ghift D — 2071. maket de lerheit W — 2072/73 /. W - 2074. 
meyster D — 2077. Seiden W — gud D — syt D — 2078. Soken kunst vnde de 
W — 2079. De gift W ghift D — menegen W — mynschen D — vrot W — 
2080. schalt D — vnvorchten W — tyd D. 



26 



Des dodes vnde sinen strit. 
De dit leuent kan vorsman, 
De dar den dot wil wol angan; 
De sik suluen vnde de werlt, 

2085 De mit valscheit is geperlt, 

Kan vorsman vnde hebben den mut, 
Dat he do eyneme anderen gut: 
Den wil ik scriuen vor eynen man, 
De godes bulde irweruen kan. 

2090 IV ^ 23, Du scalt leren van den wisen, 
De vngelerden vort anwisen; 
Wenne de lere van guden dingen 
Seal men in de lüde bringen. 
Dicke vragen, de vrageden wort 

2095 Holden vnde leren vort, 

Desse dre de dun den iunghen 
Vorwynnen sines meister tungen. 
IV^ 24. Wultu bliuen in dem vloge 

Der Buntheit, drink na dyner möge; 

2100 Wante de ouervlodicheit 
Maket dicke de vnsuntheit. 
Van drunkenheit is mannich plage 
Gekomen vnde kumpt noch al dage. 
/F, 25. Wat du louest opembare, 

2105 In vil maneger lüde schare, 

Deme scaltu sodan lof anleggen, 
Dat du dar nicht endoruest seggen 
Van eme laster vnde schände. 
Ouergeit in ienigem lande 

2110 Lasteren na vnde louen vore. 
Dar is der bösen lüde köre. 
iF, 26, Hefstu gudes grote stucke, 
So vruchte io dat vngelucke. 
Is dat gut van di gelopen. 



2081. synen stryd D — 2082. uorsman D — 2083. daer D — doed vil D — 
wol /. W — angän D — 2084. vnde werket W — 2085. gemerket W — 2086. 
uorsman D — mot W — 2087. eynem D — gut W — 2088. schriuen uor D — 
2089, erweruen W — 2090. schalt D — leren /. W — von deme W 2091. 
vngelereden W — vord D 2092. Wan he leret W — dynghen D — 2093. Dat 
scal W Schal D — me W — brynghen D — 2094. vraghen D — vragede W 
vragheden D word D — 2095. Bolde W — vord D — 2096. de don vorwunnen 
W — 2097. Vorwynnen] Dicke W — synes D — meysters DW — tunghen D — 
2098. blyuen I) — in dineme W — vloghe D — 2099. so drink W — na dineme 
W — moghe I) — 2100. Wente W — ouervloidicheit W — 2101. vnsuchticheit 
W — 2102. Von drunken W — mennich W — plaghe D — 2103. Ghekomen D - 
alle daghe D — 2104. I>at W — openhare W — 2105. mannigher D manefrerhande 
W — 2106. Dem schaltu I) — alsodan W — anlegghen D — 2107. hir W — en 
/. D — 2108. em W — 2109. Wor he kome in ienighe D — 2111. Dat D - 
2113. vorchte W — 2114. gud D — dy D. 



27 



2115 Du scalt weder to dem besten liopen. 

Wat westu van der soticheit 

Ensmackestu nicht der bittericheit. 
IV, 27. Van dem auende to dem morgen 

Lere de wisheit vaste mit sorgen; 
2120 Van groteme arbeide gedreuen 

Wert di de stede kunst gegeuen. 

De gude meister Aristotiles 

In synem boke berichtet vns des 

Vnde sprikt mit sineme munde: 
2125 To wisheit höret lange stunde; 

Hirvmme dat kint, wol heft id doget, 

Wert seidene wys in siner ioget. 
/r, 2S. Du scalt ok sparliken louen. 

Wente he sit aldar enbouen, 
2130 Dede werlt sut oueral; 

He wet wol, wen men louen scal. 

Eyn dach bewiset dicke dat, 

We din vrunt is sunder hat. 

Eyn meister hetet ouidius, 
2135 De sprikt in synen boken aldus: 

Bistu rike, so hebben dyner künde 

Vele diner bösen vrunde; 

Werdestu auer eyn arm man, 

Se laten dy allene stan. 
2140 IV ^ 29, Dat men di leret, enscheme di nicht, 

De ding, der du bist vmbericht. 

De wat kan, is loues wert; 

He scal sik Schemen, de nicht enlert. 

Plato weren graw alle sine har, 
2145 Vnde hadde wol twie vertich iar; 

Nochtan he na der wisheit warf, 

Wente he al scriuende starf. 
IV, 30. Mit der leue vnde mit dem wine 



2115. schalt wedder D — 2116. Wan D — weistu W — soiticheit W — 
2117. En /. W — smeckestu D — surheit W — 2118. morghen D — 2119. sorghen 
D - 2120. groten arbeyde D — 2121. dy I) — gegheuen D — 2122. Eyn W — 
gude/. W — meyster D — 2123. sinen boiken W — 2124. sprekt W — synem 
1) - 2125. To der W — wysheit D - langhe D — 2126. Hyrvmme D — dat 
/. W — kynd D — it W — doghet D — 2127. Seidene wert eyn W — syner 
ioghet D — 2128. schalt D — 2129. zittet hyr D — 2130. De sut de W — al 
oueral W — 2131. De weit W - weme W - schal D — 2132. dagh D — 2133. 
dyn vrund D — 2134. meyster D — het W — 2135. sprekt W sineme hoike 
W - 2136. dyner /". W - 2137. dyner hosen D - 2138/39. /. W ~ 2140. dv D 
- en /. D - dy D — 2141. Dat W — dyngh D — des W t^ vnbericht W — 
2142. de is W — gewerd D — 2143. schal D - nicht/. W - lerd 1) ~ 2144. 
Piatoni W — alle grawe W — syne haer D — 2145. twige W — iaer D — 2146. 
Nochten W — werf W - 2147, schriuende D — 2148. leyue W. 



28 



Is kif uormenghet vnde pine; 
2150 Is dar wollust bewilen mede, 

De komen seiden in gudem vrede. 

Dine wollust machstu bewilen driuen, 

Mer beware di io vor kyuen. 

Van desser bösen dmnkenheit 
2155 Vnde des liues vnreynicheit 

Hebbe gi to uoren wol gelesen; 

Hirvmme lat ik van er wesen. 
iK, 31, De lüde, de dar sint so stille, 

Scaltu vleen, dat is min wille. 
2160 Wol is dat watier slicht van bouen, 

De gnind is dicke upgeclouen. 

Wol schinet dat antlat bewilen vrut, 

Dat herte is dicke mate gut. 

De pharisei vnde ypocriten, 
2165 Wan se sik darna wolden vliten, 

Dat se gude lüde wolden van: 

In eren worden weren se gedan 

Eynvaldich vnde slicht; 

Doch was van binnen valsch er bicht! 
2170 7F, 32. Is dat di dat lucke missehaget 

Vnde mannich man di sere claget, 

So see al vmme hir vnde dar; 

Wanne ik segge di dat vorwar: 

Du machst to eyneme manne komen, 
2175 Deme sin lucke is benomen 

An allen dingen mer wen di, 

De noch edeler is darbi 

Vnde wiser vele wen du; 

Merke, wat ik di segge nu. 
2180 /F, 33, Bewere di nicht mit neuen dingen, 

De du nicht machst vuUenbringen. 

£yn schip is betere bi deme strande 



2149. Is bewilen W — kyf D — gemenget W — pyne D — 2150. bewilen 
wollust W — 2151. Doch kumpt se seiden W — 2152. Dyne D — dryuen D — 
2153. Men W — uor D — kiue W — 2154. Van der D — 2155. lyues vnkuscheit 
D — 2156. ik to uoren D ~ 2157. Hyrvmme D — mach ik von iu W — 2158. 
synt D — 2159. De scaltu W Schaltu D — vlehn W — 2160. stille enhouen W 

— 2161. ghrund D — upgeklouen D — 2162. vrot W — 2163. mate] nicht al D 

— 2164. pharisey W — de ipocriten W — 2165. darna /. W — vlyten D — 2166. 
vahn W — 2167. oren W — gedaen D — 2168. Eyntfoldich W — 2169. van] en 
W — bynnen D — valscheit W — 2170. dy D — dyn D — gelucke W — misse- 
haghet D — 2171. menich W — man /. W — dy D — claghet D — 2172. hyr D 

— daer D — 2173. Wenne D — segge/. W — dy D — vorwär D — 2174. eynem D — 
2175. Dem syn D — 2176. In W — dyngen mer D •- dennc W — dy D — 2177. 
darby D — 2178. wenne W — 2179. dat D — dy D — 2180. dy D — neynen 
W — dyngen D — 2181. vulbringen W — 2182. dem D. 



29 



Den hundert mile van dem lande. 

Eyn ding beghunt vnde vngedan, 
2185 Dat were beter vngheheuen an. 
IV, 34. Du ne scalt nicht iegen den rechten man 

Mit worden kyuen ofte slan. 

Vnrechten torn den wreket god, 

Wente he is iegen sin gebot. 
2190 De wisen hebben aldus gesproken: 

De sunde blef ny vngewroken 

Noch de doget vnvorlonet; 

De doget wert van gode gekronet. 
JF, 35, Hefstu vorloren, kint, din güd, 
2195 Enhebbe nicht alto drouegen mud. 

Du scalt di vrowen deste bat, 

Dat du heft grot gut gehat, 

Dat di god gaf in groteme golde 

Vnde van di weder nemen wolde, 
2200 Eyn gud man was hir to vorn, 

De hadde sinen sone vorlom; 

Do quam to eme sin vrunt vil gut 

Vnde trostede do sinen mut. 

He sprak aldus deme vadere to: 
2205 Vrunt, du scalt mit my wesen vro. 

Bedroue di nicht, hefstu vorloren 

Eynen guden sone, uan di geboren; 

Mer vrowe di, dat du haddest enen sone, 

De aller dogede was bewone. 
2210 God heft gegeuen vnde nam 

Dat ding vorgeit, als id here quam. 
/F, ^%, Ok lidestu scaden in der not, 

Wol is he schedelik vnde grot, 

Is di de scade ouergan, 
2215 Van dynen vrunden ofte gedan, 

Den scaltu dregen duldichlike; 



2183. Denne W — myle D — von W — 2184. dyngh D — beghund D — 
2185. Dat machstu leuer laten stan W — 2186. ne /. D — scholt D — ieghen D 

- 2187. ofte dy D vnde W — slaen D — 2188. torne W — den /. W — got W 

- 2189. is /. W — yegen syn D — gebod D — 2191. blift W — 2192. doghet 
vngelonet D — 2193. doghet D — van gode /. W — 2194. kynd dyn D — - gut 
W — 2195. So hebbe W — drouighen D — mot W — 2196. schalt D — vrouwen 
D - 2197. hefst D — gud D — 2198. dy D — got W — grotem D — 2199. dy 
wedder D — 2200. It was eyn gut man W — hyr D — 2201. synen D — uorlorn 
D — 2202. to /. W •— em syn vrund D — gud D — 2203. synen mud D — 2205. 
Yrand D — schalt D — 2206. dy D — uorloren D — 2207. von W — dy D — 
2208. Men W — vrouwe D — dy D — dat /. W — eynen W — 2209. doghede 
D — gewone D — 2210. Got W — 2211. dyngh uorgheit D — alse it W — 2212. 
schaden D — nöd D — 2213. is/. DW — grod D — 2214. dy D — schade D — de scade 
di ^ — 2215. Von W - godaen D — 2216. schaltu draghen D — duldichliken W. 



30 



Bistu arm, du werst wo] rike. 

Van den vrunden, ik spreke mit hulden, 

Mut men bewilen wat vordulden. 

2220 VI 37. Vortmer, of id dy behage, 
So spreke ik, loue nicht lange dage 
Deme leuende, wor du bist. 
De dot kumpt di mit der list 
Vnde vordrift des lichames scheme, 

2225 Doch is he mannighem manne vnneme. 
/r, 38. Hefstu iegen god gedan, 

Dar bedenke dy suluen an; 

Wirok vnde dat herte gut 

Offer em, so sachtestu sinen müd. 

2230 Lat de kaluere to der pliich 
Wassen, dat is ere gevüch. 
Woldestu gode darmede behagen. 
Wen du dat deer hefst nederslagen: 
Neyn, nicht! To gode eyne reyne bet 

2235 Is beter den eyn bok vul vet. 
IV, 39. Ok scaltu vte deme wege gan 

Deme gennen, de di heft lede gedan. 
Der macht des luckes scaltu vntwiken; 
Deme moghaftigen vnde dem riken 

2240 Wes to tiden vnderdan. 
Also scaltu dat vorstan: 
He scal dy wesen vromelik lichte, 
De dy mochte maken to nichte. 
IV, 40. Hefstu grote sunde gedan, 

2245 Du scalt dar beteringe vor vntfan 
Vnde dy suluen darvan kastien. 
So machstu dyne zele vrien 
Wenne du helest vnder stunden 
Mit groten smerten dyne wunden, 

2250 Se, so is de sericheit 



2217. ryke D — 2218. spreke ik W — 2219. Men mot W — wot uordulden 
D — 2220. Vordmer D — spreke ik oft it W — behaghe D — 2221. Du scalt 
nicht louen W — daghe D — 2222. Dynem D — 2223. doed komet dy 1) — 2224. 
reuendes D — 2225. Vord is D — mennegeme W — 2226. ieghen D — godes bot 
W — gedaen D — 2227. So scaltu oiFeren gode daran W — 2228. Wyrok D - 
gud D — 2229. So machstu sachten W — mot W — 2230. Laet D — plugh D 
ploich W — 2231. gevügh D gevoich W — 2232. behaghen D — 2233. Weute W 

— dat rvnt W — nedder D — slaghen D geslagen W — 2234. mer i reyne bet 
W — 2235. Dat is W — wen W — rint W — vil D 2236. scholtu D — vt 
W dem weghe gaen D — 2237. Dem yennen D — leit W — gedaen D — 2238. 
schaltu entwiken D — 2239. Dem D dogenthaftigen W — ryken D — 2240. 
tyden D — vnderdan D — 2241. Ok W — schaltu D — dat also W — uorstän 
D — 2242. schal D — vromelik wesen W — 2243. wol to W — 2244. gedaen D 

— 2245. schalt darvore D — vntfaen D — 2246. uan kastyen D — 2247. sele W 

— vryen D — 2248. Wente D - 2250. Su W - serheit W. 



31 



Eyn arstedie der suntheit. 
De gude sunte Gregorius 
In siner lere secht aldus: 
Dat is der guden herten zede, 

2255 Dat se io de sunden vruchten mede, 
Darvan de sele mach werden blint. 
Horstu dat wol, myn leue kint? 
Hirvmme scaltu dicke suchten 
Vnde io de sunde sere vruchten. 

2260 /F, 41, Bistu dynem vrunde quat 
Dorch siner sunde missedat, 
Deme scaltu sin nicht alto strenge 
Vnde ene nicht vordomen up de lenge. 
Du machst wol wandelen sine sede; 

2265 Darby so scaltu denken mede 
Dynes vrundes erste doget. 
So deistu wol, wat dy to voget. 
Maket dy eyns de tom vorbolgen, 
Lat io den hat nicht mede volgen. 

2270 /F, 42. Deme werke scaltu dy to don, 
Dar di af mach werden Ion 
Vnde dar du bist to schicket bat. 
Dat mach dy iummer vromen wat, 
Vppe dat du nicht enkrigest den namen: 

2275 Her werk vorlees mit groten schämen, 
/r, 43, Oke dy wol, dat is myn rat, 
Dat du nicht ensist vorsmat 
Van den luden noch vruchtesan; 
Mer wes in dogeden io eyn man. 

2280 De aller wegene is vorsmat, 
Vnde nement louet syne dat, 
De mochte leuer wesen dot 
Wen leuen vnde wesen eren blot. 
JF, 44, Hefstu koft enen egenen knecht 



2251. Ey arsedie W — soticheit D — 2252. sente W — 2253. syner D — 
2254. herte sede D — 2255. io /. D - 2257. Also men levder dicke vind D — 
2258. Hyrvmme scholtu D, - 2259. yo D — 2260. dyme W — quaet D — 2261. 
syner D — missedaet D — 2262. Dem schaltu syn D — ^strenghe D — 2263. en 
D — nicht /. W •— uordomen D — lenghe I) — 2264. must D — dyne D - 
lede W — 2265. scholtu D • dencken W - 2266. doghet D - 2267. deystu D 

— dat W — uoghet D — 2268. Make in dy den torne W ■— uorbolghen D — 
2269. Laet D Vnde lat W — na dy uolghen D - 2270. Du schalt dy to dem 
werke don D 2271. dy D — af di W — 16n D — 2272. to bist geschicket W 

- 2273. It W - iumber D — 2274. en /. D -- krighest D - 2275. Viell. He 
werkt ~ vorlus W — in W — 2276. Ok do D — raed D — 2277. Vppe dat W - syst 
vorsmaed D — 2278. Vnde von den luden vrachtesam W — 2279. dogheden D — 
lam W — 2280. weghen D — uorsmaet D — 2281. neyman W - loued D — 
siner W — daet D — 2282. vil leuer W — doed D 2283. Wenne he von eren 
were W — bloet D — 2284. eynen W — egene W eghenen D. 



32 



2285 To diner band, dat is wol recht, 
Dat he din si vnde dy dene. 
Doch see vnde denk an dy allene: 
He is eyn minsche, also du bist, 
Vnde gebildet also crist. 

2290 Aldus sprikt dat keyser recht: 
We dodet sinen egenen knecht, 
De scal ene beteren, dat segge ik dy, 
Rechte also he were vri. 
Wes eme nicht alto vngehure, 

2295 God heft vns gekoft allike dure. 
/F, 45. Hefstu veile enen kop, 

Do also dy leret de mene lop. 
Nym des kopes ersten bäte, 
Wol si de wynninge in der mate. 

2300 Dat du nicht weder sunder rad 

En sokest, dat du heft uore vorsmat. 
7F, 46, Du scalt dy iummer vrowen node 
Van des bösen minschen dode, 
Wan he lesterliken steruet 

2305 Vnde sin sele mit em vorderuet. 
Wente men gude lüde vint, 
An bösen sunden geworden blint 
Sternen leider vmbericht 
Vnde vorscheden sunder bicht. 

2310 God is dar bouen vnde bekant 
Alle herte vnde alle laut. 
7F, 47. Bistu van groteme gude crank 

Vnde, heft dyn wif ok enen wank, 
Dat ere ruchte is nicht gut: 

2315 Darna so sette dynen müd, 
Dat du alle lüde to vrunde 
Holdest, der du heuest künde. 
Werstu luckich vnde rike. 
Mit gude machstu vore diken, 



2285. dyner D — behoif W — 2286. dyn sy D — 2287. Doch so denk D 

— denke W — alleine W — 2288. mynsche alse D — du eyn W — 2289. alse D 

— 2290. spreket W — 2291. synen eghenen D — 2292. He W — schal en 1) — 
segghe D — 2293. alse D — 2294. em D — 2295. Got W — allyke D — 2296. 
veyle D — eyn W — 2297. So do W — gemeyne W — loep D — 2298. erste D 

— 2299. wynninghe D — mathe D — 2300. wedder D — sunder] dynen W — 
raed D — 2301. seggest W — hefst D — uore /. W — uorsmaed D — 2302. 
schalt D — iumber D — vrouwen D — 2803. Von W — mynschen D — 2304. 
Wente W — hasteliken D — 2305. syn D — em gar W — uorderuet D — 2306. 
vind D — 2307. In W — vnuorblind "D — 2308. Steruer leyder D — vnbericht 
D — 2309. vorscheiden W — 2310. Got is is W — vmbouen W — 2312. Bystu 
D — von W — grotem D — krank D — 2313. wyf D — eynen W — 2314. er D 

— ok is W — gud D — 2315. mot W — 2317. hebbest W — 2318. vnde] mit 
dem D — ryken D — 2319. mostu uore dyken D. 



33 

2320 Dat dyn wif in quader verde 

Dy vorweten nicht enwerde. 

Dit mostu hebben nu mit hulden 

Vnde mannich bitter wort vordulden. 
IV, 48. Wan du vele heft gelert 
2325 Vnde guder ere bist gewert: 

Lere vele vnde weder lere; 

Wente vele leren is grot ere. 

De sik leren nicht wil laten. 

De ga mit den doren up der Straten. 
2330 ir, 49. Hir endet sik kathonis buk, 

De dar was eyn meister clük, 

De in dogeden vnde in seden 

Syn leuent künde henne leden. 

Also he suluen was gewone, 
2335 Also lerede he sinen sone 

Vnde heft in körte twier versehe 

Begrepen maneges synnes perse. 

Hirvmme bidde ik sunder var, 

Is hir ichtes wandelbar, 
2340 Dat scaltu maken sere recht; 

Su, so bliuestu godes knecht. 

Vnde bidde uor my, Stephan gebeten, 

Dat my mynes arbeydes late geneten 

Got in synem ouersten throne, 
2345 De my gheue des hymmels kröne. 

2320. wyf D — quaden worden W — 2321. uorweten D — 2322. moistu W 

- 2323. Word uordulden D — 2324. uele hefst D — 2326. Vele leren W — wed- 
der D — leren W — 2327. leren vele dat W — is eyn W — 2329. ghe W — 
vppe W — 2330. Hyr D — geyt vt W — boik W — 2331. meyster D — cloik 
W - 2332. In den W — dogheden D — in den zeden W — 2333. Vnde sin W 

- konde D — 2835. lerde W — synen D — 2336. twier] cloiger W — 2337. 
mannighes D — pse D parse W — 2338. Hyrvmme D — 2339. hyr D — 2340. 
schaltu D — 2341. bistu W — 2342—45 /. W. 

FRIEDENAU. P. Graffundcp. 



Niederdeutsehei Jahrbuch XXY. 



34 



Die HoDdarten im nordwestlicben Teile des Kreises 
Jericliow I (Provinz Saclisen).*) 

Es handelt sich um die Ortschaften Woltersdorf [Wo], Biederitz 



Bi], Gerwisch [Gw], Lostau 
Ni naijrip]^ Schartau [Scha 



Lo], Hohenwarte [Ho ho^nvkry]^ Niegripp 
, Parchau [Pa auf der 2. Silbe betont], 
hleburg [I], Hohenseden [Hs, im 2. Jerichowschen Kreise], Grabow 
[Gr], Rietzel [Ri], Theessen [Th], Reesdorf [Rä r^sdorp]^ Drewitz [Dr], 
Lübars [Lb, auf der 2. Silbe betont], Hohenziatz [Hi, die letzte Silbe 
betont] und Wörmlitz [Wr], Einige wenige Angaben wurden mir 
noch zu Teil über Körbelitz; dagegen blieben Detershagen, Schermen, 
Küsel und Wüstenjericho w unberücksichtigt, weil mir in den Nachbar- 
orten gesagt wurde, ich würde schwerlich dort Auskunft bekommen, 
in Gütter waren meine Bemühungen vergeblich. 

Die Darstellung schliesst sich der im Jahrbuche XXII Paragraph 
für Paragraph an. 

§ 1. a. Dehnung von Wörtern wie blat, fat u. s. w. findet 
nirgends statt. Umlaut zeigen überall dext^ enddr^ det^ Idetdrn^ smelhr 
(Komparativ zu ämal), netdr (dgl. zu nat)^ jentdr, eksd [WoBiGwLo(?) 
LbHiWr sonst eks9\ dgl. wohl ätreyk Zugstrick [nur notiert für Hs 
GrRanies]; hnepdrätorh s. § 20. Bald a, bald Umlaut weisen auf 
hakdrn s. §.32Cj hamdll s. § 32c; hazaln^atd heisst es überall, das 
Adjektiv aber lautet he^ell IHs, sonst wohl hazell; äalhr findet sich 
nirgends, dafür spaltdr Dr äpeltdr Lb und die Ableitungen afdspaltdrt 
DrHi und afdäpeltart Lb. Die Klette heisst überall klitsa. Auf- oder 
anprallen heisst prell Ho. 

Betreffs der Aussprache ist zu bemerken, dass der Umlaut im 
nördlichen Teile sehr offen zu sein scheint, besonders in RiHs. 

§ 2. e. Dehnung findet nicht statt in Wörtern wie vex Weg, 
stex Steg über einen Bach. Von der Aussprache gilt dasselbe wie 
beim Umlaut zu a, 

§ 3. i. . Im Norden erscheint ü statt i in düt SchaPal (HsRi ) 

und ümdr NiPaHsDr (Hi sagt imar), 

§ 4. 0. Hier ist eine Bemerkung über den Umlaut im all- 
gemeinen zu machen. Der gesamte Norden zeigt nämlich Lippen- 
rundung, kennt also Ö, ü u. s. w. Nur WoBiGw weisen die Entlabia- 
lisierung auf. Auffällig ist, dass Wr zu den Orten mit Lippenrundung 
gehört, da das weiter nördlich liegende Stegelitz sie nicht mehr kennt. 
Allerdings war die Rundung teilweise eine so schwache, dass ich in 
Zweifel war, welche Bezeichnung zu wählen sei. Andererseits klangen 



*) Vgl. Jahrbuch XXI und XXII. 



SS 

manche Worte in Bi und Gw schon einigermassen gerundet, während 
die Rundung in dem nächsten Orte Lo lange nicht so energisch war 
wie z. B. in Scha. 

Es heisst also in WoBiGw 7cep9^ stekdr^ leksr^ §les9r Schlosser, 
weiterhin köpd, ätökdr^ lok^r^ älösar. fodarn zeigt nirgends Umlaut, 
Uohll s. § 32c. 

§ 5. n. widf^ buh. Nur Umlaut zeigt mil Bi mül NiHsGrHi 
[das Wort ist wenig gebräuchlich]; tümm s. Anhang ttng, kuxdrn 
BiWoGwLo Itukdrn JcuxdU HsWr hat merkwürdigerweise daneben Jcixarn 
HoNiSchaGrRä kikorn DrHi kekdrn Dr, in Pa wollte man das auch 
sonst seltene Wort gar nicht kennen, hifo Bi hüfd LoHoNi hüftQ Pal 
hufd HsGrRiRäDrHiWr hat auch in der Form ohne t noch oft Bezug 
auf den Menschen. In einigen andern Wörtern ist es vorzugsweise 
der Norden, der den Umlaut aufweist: ums WoBiGwLoHoNiDrLbHiWr 
ümd (Scha)PalHsGrRiThRä [in Rä findet sich auch wiwa]; ebenso rwm-, 
besonders in Zusammensetzung mit Verben; mms [mok dox kenn 
züms Unsinn] IGrRiThRäDr, eums HiWr; änüpgrn Pal, sonst mit u; 
jükan PaIHs; mmintrn Scha, sonst mit u; vgl. oben düt und üm9r 
und § 31 c^ mcct. äurm und äürm s. § 35. 

§ 6. ä. Bei diesem Laute ist eine allgemeine Bemerkung über 
Diphthongisierung am Platze. Der grössere Teil unseres Gebietes 
entwickelt nämlich die Diphthonge äa, ^a, ie, Ü9, üe, die wir mit 
Ausnahme des letzten schon im Südosten des Kreises gefunden haben. 
Es ist dies der Fall in SchaPaIHsGrRiThRäDrLbHiWr und Körbelitz, 
doch vermag ich betreffs des letzteren Ortes nicht zu sagen, ob der 
fünfte Diphthong nicht etwa te, also ohne Lippenrundung lautet, äa 
ist in Wr fast zu ä vereinfacht, erscheint dagegen im Norden, be- 
sonders in I und Hs recht breit, so dass ich dort 6a hätte schreiben 
mögen. 

sw&r resp. äw&ar zeigt Umlaut in RäLb: äw^ar, Hi kennt beide 
Formen; der Komparativ hat ä LoHoNiGr(?), ^ BiGwRäDrLbHiWr 
0*) SchaPaIHsRiTh. triann kennt man noch ziemlich häufig BiGw 
HofNiPalHsGrRiDr, sonst mit ^ Lo ^a ThRäLbHiWr 09 Scha. f^ll 
LoHoNiSchaLbHi weist ai auf in BiGwPaIHsGrRiRäDr (jetzt auch ^) 
Wr. kna resp. kana heisst es z. T. noch in GwNiRä überwiegend in 
SchaPaIHsGrRiThDrLbHiWr, sonst ond, drkand habe ich gefunden 
in GrRiDrHi, in BiNiLbRä wurde drönd angegeben, mkana s. § 26l>, 
än9 Abend § 25d. 

Der Umlaut ist auf dem Gebiete, das Lippenrundung aufweist, 
0a: p&al — püah Pfahl — Pfähle. 

§ 7. e. 1) e^ > e WoBiGwLoHoNi, sonst ie^ also bref — brtef, 
kenn Kiefern heisst es nur in (Wo)BiGwLoHo, in LoHo aber nur z. 
T., Ho sagt meist dafür dann [diese Bezeichnung findet sich aus- 
schliesslich in einer Gemeinderechnung dieses Dorfes aus dem Jahre 
1794], Ni kennt nur dfatm, in Scha überwiegt dieses über ktenn^ welches 



'*') bezeichnet langen ofifenen Laut, d geschlossenen. 

8* 



36 

allein in allen übrigen Orten herrscht. In med^ hat der Ausfall des 
d die Vokalentwicklung gestört: medQ (Wo)BiGw fn€9 LoHoNi me 
SchaPaIHsßiWr mted9 GrThRäDr(Lb)Hi. 

2) e^ > e: bin, del, fleä u. s. w. 

leddr heisst es nur in ThRäDrLbHiWr, leddr in (Wo)Bi(Gw)Lo 
HoNiSchaPalHsGrRi. ler^kQ ist im südöstl. Teile ganz geschwunden: 
ler9B Bi(alt)GwtLo(alt)HoNialtSchaPaaltIHsGrßi larJc9 ThWr larx9 
RäDrLb. äef gesellt sich ganz zu e^: sef LoHoNi Mef SchaPaIHsGr 
RiDrHi. h^rd „Herr^ wird an einigen Orten noch gesagt: Bi(alt)Gw 
LotHoNi(8elten)SchaPatIHs(alt)Gr(alt)ThtßätDrtHit, in Wo und Ri 
wurde mir nur har9 angegeben; h^rndenst habe ich nur für Bi notiert, 
dafür hädienst Th hovddtenst ßäHiWr. 

3) Es heisst überall blaikd, äpaikB, vaitd u. s. w.; auch zaisd\ 
nirgends kennt man fraill; statt maist sagt man fast nur merät^ er- 
steres hat hochdeutschen Anstrich; et vaidrt eix §dn kommt auf dem 
ganzen Gebiete vor, der Form nach weichen ab HsThRäDr(Lb), welche 
v^drt sagen, was wohl auch für Ri und Hi gilt, obwohl ich für diese 
Orte vaidrt notiert habe. Statt Idain findet sich vereinzelt auch lütjd^ 
meist nur in Ausdrücken wie det is mann rextn lütjdn IHsThRäDrHi; 
Lütjdn ist der übliche Ortsname für Lüttgen-Ziatz in der näheren 
Umgebung wie ThRä. 

Zu der Aussprache der hier in Betracht kommenden Laute ist 
noch zu bemerken, dass e im Norden, z. B. in HsRiPa sehr lang er- 
scheint. Dasselbe gilt vom Diphthong ai, der einem dort manchmal 
2 silbig = äe zu sein deucht. 

§ 8. 1. Wiese und weiss zeigen überall Kürze: viäd imd vü. 
d%k bezeichnet nur den Dorfteich. pu9l ist ein Wasserloch ausserhalb 
ThRäDrLbHiWr, im Elbegebiet ist dieses Wort unbekannt; etwas 
Aehnliches bedeutet dort IcohTc^ womit man kleinere durch die Hoch- 
fluten des Stromes entstandene Wasserlöcher bezeichnet, z. B. PalScha; 
pudl ist unbekannt in GrPaNiHoBi. In der Elbegegend giebt es noch 
ein anderes dik in der Zusammensetzung dtkval (Schutzwall gegen die 
Hochfluten der Elbe, oberhalb Magdeburgs dam genannt) NiSchaPal, 
z. B. d^r boräa dtkval der Burger Deich; zuweilen heisst es auch ein- 
fach d^r val; dam bedeutet das Strassenpflaster IHsC vgl. § 32c. 

§ 9. 1) d^ > und üa, blot — UÜ9t^ blomd — blü^md u. s. w. 
fot — füdt erscheint fast nur in den Ausdrücken ;,Fussende^ des Bettes 
und ;,zu Fusse gehen^; NiScha und Dr gebrauchen es auch zuweilen 
selbständig; gewöhnlich heisst es ben; Fussende zeigt Umlaut fetend 
BiWoGw fUend LoHoNi füdtend PaIHs. jot s. § 27d. Die im vorigen 
Aufsatz als hochdeutsch beeinflusst verzeichnete Form rüll Ruder 
scheint doch Dialekteigentum zu sein, es heisst nämlich neben roll 
rill Bi, rill Gw, rüll LoHoNiScha, rüll I; dieses Gerät dient zur 
schiebenden Fortbewegung des Kahnes, zum eigentlichen Rudern 
nimmt man meist eine p^atäa Pal, dazu das Verb p^täell I, Ra sagt 
dafür pautädn [das Gerät heisst dort ätrtJcrdll]. Ln 6 Gebiet heisst 
es müt, sonst müdt; das alte ö hat sich umgelautet erhalten in 



37 

^übermütig ^ über das 6 Gebiet hinaus infolge Ausfall des intervoka- 
lischen d: evdrmedix BiGw övarmbdix LoHoNi övarmbix IWr ärmdix 
Hs övdrm^dix GrRiThRäDrLbHi (in gleicher Bedeutung övorj^amm 
DrHij aber nicht Lb). änür scheint sich im ganzen Gebiet durch- 
gesetzt zu haben, nur in HoNi wurde mir noch änor angegeben. 
Üeberall mit 6 erscheint plox, Dgl. hoftean; nur in Pal gab man 
mir hüßean an; das einfache Wort lautet Mf nur in HoNi, früher 
auch in BiLo, sonst hüf und hüdf; „Huf" steht übrigens fast auf 
einer Stufe mit „Fuss", es wird meist dafür hen gesagt, z. B. et p^rt 
het en Mim ben GrßiDrLbHiWr. hröx ist zum grössten Teil wenigstens 
noch bei dem älteren Geschlecht in Gebrauch; kredr — kriidr wird 
dagegen fast nirgends mehr gesagt, wenn man sich des Wortes auch 
noch erinnert, in DrTh wusste man gar nichts mehr davon. Knopf 
bewahrt im Singular wie im Plural langen Vokal: iwop, Tcnepo — 1cndp9^ 
ebenso Jcnep- und IcnbpnkdL jdnox ist überall wenigstens noch ge- 
bräuchlich, in BiWoGwLo nur noch selten. Bei fuddr zeigt nur Wo 
ausschliesslich hochdeutsche Form futor^ letzteres überwiegt in BiGw 
Ni, anderwärts heisst es fuddr. Das Huhn ist überall hind; der 
Plural lautet hbiddr BiWoGw sonst hünddr [also auch im Vokal ab- 
weichend]. Merkwürdig ist das Wort „Drossel" äwartdrÜBsd DrLb 
HiWr, in ßä drosdh 

2) 6^ > ö. hom^ bröt^ hoXy los u. s. w. ämokdn „künstlich 
räuchern" ist z. B. in Gr unbekannt, weil dort noch allgemein der 
alte Brauch im Schornstein zu räuchern herrscht; vom Tabakrauchen 
wird es nur selten gebraucht, z. B. BiLoHo, meist nur in bestimmten 
Verbindungen und in tadelndem Sinne en ohr ämohätok Gw, d^r ämokt 
d^n jansdn dax NiSchalPafHsGrThDr (in Hi nicht), en ämokbrüddor Pa 
en imbkar GrßiThRäDr; h^ is bdämokt betrunken Hi; et ämokt en 
hetxdn sagt man von einem leichten Regen NiRiThRäDrHiWr et ämbkt 
HoIGr; upsmokdn ist überall gebräuchlich, unodd s. § 27d. Die 
Himmelsrichtungen werden auch hier überwiegend nach den Tages- 
zeiten bezeichnet, daher nur in einem Orte ostn Ho ddr vint komt ostn^ 
sonst hd. ostn. jlomm BiGwLoHoNiPaGrRiRäDr(Lb)HiWr jlbmm Th 
tön Hs [ik Z8 det nix, A9 Ibt ahsj vgl. dazu J9vinn. 

ätrom zeigt alt ä BiGwHo, sonst nur 6. 

3) 6^ üeberall z6. ß heisst es jetzt in GwHoNi, sonst noch 
jo, wenngleich j§l gelegentlich überall vorkommt; von Prester und 
Krakau (dicht bei Magdeburg gelegen) wurde mir berichtet, dass sie 
ausschliesslich ji sagen, üeberall krönn [in ßä krSinix „Krahn"]. 
vö wie [wo ist vü und in PaHs vüa], §pekddiyk BiWoGw äpbkddiyk 
LoHoNi §p^dkddiyk SchaPaIHsGrRiThRäDrWr; et äpekt — et äpM — 
et §p^kt SchaWr sonst et äpükt. Ebenso verhalten sich äpön — äpudn^ 
spend—§pbnd — äpfi^nd, „Krume" und „krümeln" zeigen überall hd. 
Form ohne Diphthong krümd^ krlmül — kr^mdll» Zehen s. § 16. Gans 
überall jans, 

üeber den Lautwert des heutigen 6 ist zu bemerken, dass mir 
mehrfach im Norden ein sehr heller Klang aufgefallen ist, besonders 



3S 

in Pa und I, sodass ich manchmal fast geneigt war ä za schreiben; 
in ähnlicher Weise schien e in Pa nach 9 zu neigen. 

§ 10. Umlaut EU 6. Der Umlaut von 6^ ist e 8 üp, der von 
6^ ist e 8. 

1) jren jrbn jr^n, hUn bUn h^tn. 

müde, hüten, brüten bewahren 8 in dem Teil des diphthongischen 
Gebietes, der intervokalisches d ausstösst, s. § 7i Miete und § 27d. 
kühl zeigt Umlaut nur in Lb Äüafo; schwül auch in Th §whh. 
Ohne Diphthong erscheint auch hier fr^ fr6 früh. 

2) dremm drbmm^ kern A8rn u. s. w. 

§ 11. ü: brüty wZp, füstd überall. Iüd9 s. § 27d. Neben butn 
ist drütn wenig gebräuchlich in WoNiDrHi, in Lb etwas mehr, sonst 
gar nicht. Jcumg kaum zeigt Verkürzung des Vokals Gr. 

Der Umlaut ist natürlich t ü. brttxan (Wo)Bi(Gw) br^tx9n Lo 
LbWr brütjam HoNiSchaPalGrßi brüm IHsRiThRäDr. afrimm resp. 
afr^mm bedeutet überall einen Waldbestand kahl schlagen, ebenso 
den Tisch abräumen NiPaHsGrRiThRäDrLbWr, daneben gilt das in 
ßa allein gebräuchliche afkrkmm in NiWr. Der Kreisel heisst überall 
Mgdl Tc^bI; der Wirbel im Wasser TcUdl MiZdl BiWoGwLoHoNiPaHs 
HiWr Medl GrRiThRäDrLb; der Wirbel im Haar Uzdl hÜLZdl BiWo 
GwLoHoNiPaWr küßdl HsGrTh Tcuzdl RiRäHi lcrÜ0dl DrLb; daran 
schliesst sich als Bezeichnung für eine verkrüppelte Kiefer Tcugdl Ei 
ThRäDrLbWr z. B. oh hugdU RäLb det is oh eon oll Tcuzdl Dr. Wd 
bfih hat alte Nebenform ohne Umlaut buh in Gw. 

§ 12. au. dau(3)n, hau(9)n, drohen heisst drauan WoBiGw 
LoHo(Ni) droi9n PaGrRiRäDrLbHiWr ddrUt SchaPaIHs 9dr0Üt Th. 
streuen strausn BiWoGwLoHoNiScha ätraidn Gw alt ätroidn PaDrGrRi 
RäLbWr ätr'mt Th. Heu und heuen s. Anhang. Ueberall heisst es 
hetikailL 

Der eigentümliche für Th oben angegebene Diphthong öü findet 
sich in einigen andern Wörtern auch in RiRäHs. au wie ai und oi 
sind im Norden besonders von Pa an, z. T. auch schon von Lo an 
bis Hs und Ri sehr breit und klingen zweisilbig = ät, ke vgl. § 78. 

§ 13. scheuen ist §audn BiGwLoHoNiSchaGrRiThRäHiWr äoin 
PaL Ueberall heisst es trau(d)n^ bau, bau(d)n, fraud resp. frau. Das 
Mausern der Vögel besonders der Hühner ist rü(d)n WoBiGwLoHo 
NiSchaPalRiTh raun GrRäDrHiWr. saugen s. § 43. düdrn heisst es 
überall in dem Sinne leid thun oder zu lange dauern; vom Obst sagt 
man dd epl dü.9rn PalHsGrLb dü^r epl Rä, aber düdr epl HiWr. Ein 
Knäuel Garn ist ein Jclaudn BiWo Jclümm GwNi Müm LoHo iloi9n 
SchaGrDrLbHiWr Jd'mn PaIHsRä. Ueberall heisst es änai(d)n und 
sai(d)n; upsain PalHsGrRiThRäDrLb üteain HiWr Milch durch das 
Sieb oder Tuch giessen, eigentümlich ist de Mb is updeait Hi wofür 
es sonst heisst ^9 ätait drex z. B. WrRa, d. h. sie giebt keine Milch. 
äprai BiWoGwHoNi, früher in der Zusammensetzung havdrsprai (Futter 
für die Kälber) ThLbHiWr, sonst heisst es nur Jcaf PaIHsGr [det is 
man Jcaf das taugt nichts Pa]; bemerkenswert sind die Zusammen- 



39 

Setzungen rüdnkaf (RoggenkaiF) GrThRäDrLbHiWr rüyyJcafRi hemrn- 
kaf GrßiThßäDrfLbWr havdrnJcaf Hi. üeberall heisst es blai fblaifedar 
GrßiThRäDrHi blistift Ra], brai^ bai, — aig resp. ai [z. B. bumdlaid — 
bumdhi], nai resp. nait neu; fraidax Wr. Schreien, steigen, schweigen, 
kriegen s. § 42. Feierabend s. § 25d. 

Ueber die Aussprache des ai gilt das zu Ende von § 12 Gesagte. 

§ 14. io > 6 und %e: dep — diep, beza — Me^ia Binse u. s. w. fert 
ist alt in Gw, z. T. noch in Gebrauch in Ho, sonst heisst es überall 
ftrt, Uf—Uef ist meist noch mehr oder weniger gebräuchlich, Paf. 
dem — diern kennt das ganze Gebiet. M^ldef ist auf dem e Gebiet 
noch in Gebrauch, auf dem te Gebiet selten, denn Bi(alt)GwLoHoNi 
dtnn Wo, auf dem ie Gebiet dtenn. vean Unkraut pflücken s. § 27d. 
Und — hiend Biene, jrev?, jremm Grieben bewahrt überall e, nur in 
Scha zeigt es angeblich ic, vgl. § 25d. klemm spalten zeigt ein 8 
auf dem Lippenrundungsgebiete, vgl. § 25d. dirt Tier ist als altes 
Wort noch bekannt in LoNiRiWr, als Schimpfwort noch im Gebrauch 
HoPal; die anderen Orte kennen es gar nicht. Üeberall herrscht 
hd. Mr. 

§ 15. iu > * und ü. dtstor — düstsr, Ux — t^x, Mkdn — i(Ü9W, 
(W — ßidr^ hUd — Mitd. Niedlich scheint unter hd. Einfluss z. T. auf 
ü Gebiet t zu zeigen: nttlix LbHi n^tlix HsGrRiThDr (in letzterem 
Orte wenig gebräuchlich). Udd, ridd s. § 27d. JcUdfr^tä Gw Mzdfretä 
resp. ktesdfretä LoHoNiSchaPaIHsRiRä, ktezdfr^ats HiWr ktez^atd Dr 
LbHi; ähnliche Bedeutung hat das Wort Mem9 Äftawa: det is en rextn 
hemm Gr ÄHbmm RiHi A9 is tu k^ama ThRä en höUdn oll küemm hunt 
Rä; DrLbWr kennen das Wort nicht. Treu heisst trai NiScha troi 
LoHoPa; der Teufel daivdl^ daneben doivdl LoPa. 

§ 16. Unbetonte Vokale. 

a) Die im letzten Aufsatz aufgeführten Wörter auf d sind dieses 
Mal nur zum kleinen Teile gefragt worden, die meisten werden auf 
dem ganzen Gebiet wohl das d bewahren: didrd — dii;?ra, §end — iöna, 
umd — ümd — besonders in der Zusammensetzung mit leykdn^ iliyd^ 
spih, jaib; faixtd BiWoGwLoHoNiSchaRiThWr foixtd PalGrRäDr 
fiüxtd Hs, Bi kennt auch foixtd und fixtd, in Gw wurde fixtd als alt 
genannt; hetd heiss I; drayd vom Getreide, das dicht steht WoBiGw 
HoNiPaIHs(selten)GrRiThRäDrLb(selten)HiWr — LoScha kennen das 
Wort angeblich gar nicht — ; vom Eis, das dicht gedrängt den Fluss 
hinabtreibt BiHoNi — in Pal sagt man dafür einfach dikd; von der 
Thüre, die schwer zugeht ThRäDrHiWr; von einem Bolzen, der sich 
nar schwer durch ein Loch pressen lässt Pa. älötd vit W^oGwLoHo 
NiPal slöd9 Vit HsGrRiThRäDrLbHiWr. d^r is zo drba Lo. fird noing 
LoPa ts^n9 Lo. J9v6n9 BiGwLoHoNiGrDr jdv&nd Hof jdvent LoHoNi 
SchaPalHsGrRiThDrHiWr. küat I, sonst mit 9, swüdl resp. sw^dl 
IHsDrLbHiWr sonst mit 9, janaua WoRiThDrLbHiWr jBnau BiGwLo 
HoNiSchaPaIHsGr. det is fon vtnn ta ztena Scha. 

Von den Substantiven seien genannt zaldiatg^ fkvaHkg, b^ak9 
GrRiThDrRäKbLbHi — die anderen Orte haben keine, budr9 Bauer 



40 

PaIHs; rust9 Wo ? resta Gw röst9 LoHoNiSchaPalHsGrRiThRäDrLbHi; 
d9 muld das Maul Hs; or Wo(Bi)GwLoHo ord NiSchaPalHsGrKiThßä 
DrLbHiWr ; dakforätd WoBiLoHoGrRiThRäDrLbHi forät NiScha(PaI)Wr. 

Dieses letzte Beispiel führt uns auf einige Wortgruppen, die im 
Norden, z. T. nur im Nordwesten das End 9 aufgeben. Es sind das 
sämtlich Wörter, wo dem 9 ein Vokal voranging: Ä^ae Kleie Pa. puid 
Wiege lautet LoHoNiSchaPal pm oder pöe^ von Hs ab wieder pub. 
Die Endung ais: bumdlaid BiWoGwHsGrRiRäDrHi bumdlai LoNi, bekarai 
LoScha prüllai Pal heksdraid Th; das 9 lose Gebiet erstreckt sich 
also wohl über LoHoNiSchaPal. frau9 WoBiGwLoHoHsGrThRäDrHi 
frau SchaPal, Tdau9 BiGwLoHoHs Tdau NiPal; auch hier tritt also 
von Hs ab wieder 9 ein. In folgenden Wörtern ist ein g oder j ge- 
schwunden: dg9 WoBi 09 Gw, sonst d (yivT), dä9 Wo(BiGw) — da 
Tage, flä9 — flä^ lad — lä. ik ed ich säge GrRi. Ä8d Kühe GrHiWr— 
Ä8 LoHoNiPalRiThRäDrLb, ebenso 6r8a— 6r8 Brühe; tr^9 WoBi, trep 
Gw tröj9 Ni ^r8 LoHoNi M SchaPa tr^ HsThRäDr. sl^9 Gr sl^ Hs 
RäDrHiWr öv9rt^9 GrHiWr övdrt^ RäDr. v^9 Wege WoBiGwGrHi ^ 
RiThRäDrLb; halv^J9 WoBi halv^9 Gw hal(9)v^ LoHoNiSchaPaIHs. 
r^ Reihe PaHs. t^9 zähe BiGwWr t^ RiRäDrLbHi. kr^9 WoBiGw 
HsGrThWr kr^ LoHoNiRäDrLbHi. te9 Zehe BiGw te IHsGrRiThRä 
DrHL fle9 Fliege WoBiGwHiWr fle Lo etc. tswe dräe LoPa. Nach 
n, l, r und nach unbetonten Vokalen ist das ; vokalisiert und 9 ge- 
schwunden: kristant PaIHs Kastanie, pent PaIHs penj9 HoNiScha. 
bed9äpuni Pa. det is det rixU Pa. HU SchaPaIHs. en9 mort ein 
Morgen Acker PaIHs. pet9rtsiU SchaPa. Auch nach ausgefallenem i 
schwindet a: ?ü HoSchaIHsRi. ä^n9st^ Lo, bed9ät^ Pa. äm^ Schmiede 
IHsRi. me Miete SchaPalHsRiWr. rü Pal, sonst rüda. bld SchaPa 
IHsRi, z. T. auch in Ni. mb LoHoNiPaIHsRi. m Weidenstrauch Lo 
HoNiSchaPaIHsRi, ebendort v^ Weidenrute, ik U det nix ich leide 
das nicht Pal. bäe beide Pa baida Scha bai9 Ri. väe Viehweide Lo 
HoNiSchaPal vai9 HsRi. hüpäpräe SchaGa, hupst^ LoPaHs. Auch 
Formen wie sp&e, brke, jrke, jöe jü%^ rüt, s. § 27d, sind hierherzu- 
stellen; lüt Pal alt Hs, lüt LoNil laut Ho, sonst lüd9. Endlich schwindet 
9 bei Schwund oder Vokalisierung von v: jrä Graben Ho(alt)Scha(alt) 
PalHsRiTh(alt) jr&mm Ni jrdmm RäDr, du HsRi Taube (düv9 IThKä 
u. s. w.) stü IHsRi(alt). elü Hs ölü Paf twelü Hs tswolü Paf. 
swalü PaIHs äwahve Ri skpkarü Hs skpkarw I. Hü Reibeisen Pa rni 
eine Pflanze PaIHs. jreü Griebe PaIHs. ^ü PaIHs js;^av9 GrRi etc. 
(auch in WoBiGwLoHoNi(Sch) ohne 9: z^f), ät^ü Stäbe PaIHs st^avB Ri. 

Auf das Streben das End 9 zu beseitigen, ist wohl auch der 
Schwund des 9 am Ende des ersten Teils von Zusammensetzungen 
zurückzuführen: p^rrauf9 IHs, swtnstcd PaHsRiThDrLbRäWr, rtgytskah 
Th, ätnflä RäDr sonst sin9flä, blauvipstart und j^lvipstart PalHsGr, 
sonst blau9r und j^hr v. 

Ziemlich allgemein schwindet 9 in den Verbal-Endungen nach 
vokalischem Stammauslaut: 9draut WoGwLoHoScha u. s. w. traudt 
Bi traut WoGw etc. hau9t Bi haiU Wo etc. dau9t WoBi — daut. 



41 

gu9t WoBi — £iüt. hxudt WoBi — "kaut, haun LoHs. eain seihen LoHo 
etc. äoin scheuen Pa. Haun PaIHs. ftZö^n plb9n HiWr— W8w plbn 
Lo etc. m^9n^ w^an, W^an, Ji^^an WoBiGwGr(?) sonst m^n u. s. w. 
ja.9n jagen Lo, weiterhin jän. §tln LoHoPa. predU Hs predtn Pa 
bortn PaHs [mortn Plural zu Morgen Pal], fordarün verderben I. 
ton leiten BiGwGr etc. läen HoNiPa. p^9n WoBiGwLoRä p^n Ho 
NiSchaPaIHs sonst p^ann, vean BiWoGwWr ven LoHoNiSchaPaIHs 
GrRi vienn ThRäDrLbHi. brean BiWoGw brbn Lo etc. Auch nach y 
schwindet dieses a meist, jsiyt heisst es sicher von Lo ab, vorher ist 
es nicht festgestellt worden; kUyat Bi, sonst Jcliyt; tswiyy von Gw ab, 
ebenso friyy; r^yy SchaPa; breyy PaIHs etc.; älayyhlüamm RäDr. 
Weniger allgemein ist der Schwund nach anderen Konsonanten: voky 
PaIHs rayly I antreky Pal; ähnlich h^ daitt er thut es I, in Gw noch 
daneben h^ dait 9t; det hett 9v^t IHs; andtsaixt IHs anatsaijdt Ra. 

Wie weit sich der Schwund des 9 nach k erstreckt, vermag ich 
nicht anzugeben. Ich wurde zuerst in Pa darauf aufmerksam. Sicher 
ist, dass C noch trekon spricht. Es findet also nach Nordwesten zu 
eine allmähliche Steigerung im Schwund der Endungs 9 statt. 

b) Der zwischen l und folgendem Konsonanten erscheinende 
Vokal 9 ist am wenigsten deutlich im Süden BiGw; ich habe folgende 
Fälle notiert: vtdaka LoIPaGr, kobk HsDr, böhkan Rä, mehk Hs, vuhf 
LoPa, hahf Th hehft9 Pa, hehftar Wr, kahf PaHi, kel9V9r Th, el9V9 
Th, swal9V9 GrRiThRä, foldJ9 RiThRäDr, vgl. var9f Hs. 

c) Unbetonte Vokale in vortonigen Silben: mld§iat9; äpit§Lk9l; 
posirn Bi pustrn GwLoPaHsGrThRäDrHi [HoScha sagen dafür äten9 
slkan]; Jatsarn9 WoGwLoSchaHsRiLbHiWr lutsarna NiPalHs, Gr kennt 
angebhch das Wort nicht; äaze [überall bis auf Wo männlich] WoBi 
GwLoHoHsGrDrHiWr äarze NiSchaPalRiThRäLb. knstanij9 resp. 
histam WoBiGwLoSchaGrRiThRäDrLbHiWr kastaniJ9 Ho kurstaniJ9 
Ni; strapstrn; resktrn LoHoNiPaIHsRa; labendix RiTh, in Rä selten^, 
in DrLbHiWr Uhendix. 

d) Umstellung des 9 hat stattgefunden in prU9 Prügel DrLbWr. 
§ 17. w. c) friyy^ fraU; fraya^ daneben heisst es in Lb 

vray9. 

d) jrm = fürchten WoBiGwLoHoNiSchaPalGrLbWr jr'oull Hs 
RiThDr jroül Rä jraull Hi; jrüll = schlecht arbeiten, bes. pflügen 
WoBiGwLoHsGrThRäDrHiWr, in HoNiSchaPaIRi wollte man diese 
Bedeutung nicht kennen; eine dritte Bedeutung wurde in Hs ange- 
geben: et jrält sagt man, wenn bei der Heilung eines Schorfes sich 
Jucken einstellt; das Adjektiv zum ersten Worte lautet jraulix Hi 
jr^ülix Dr, das Substantiv zum zweiten jrüllaid WoBiLoGr. 

e) j^l und j^al. äne, Uai. brai^ in BiWo bri; Kartoffelbrei wird 
bezeichnet als jabrekta ^riüfell Hs(alt), ebenso arftn und bönn, jabrkak9n9 
^rtüfall ThtRä(selten)DrLbHiWralt (de brekt ^rtüf9lbrai heisst es hier). 

f) arft9; zu der Zusammensetzung arftbrai ThLbHiWr vgl. oben 
§ 16 äunnstal etc. kr^ft BiGw(alt)LoHoNi kr^afto Paf kreft HsGr 
RiThRäDrLb — in kreftn j&n GrRiDr wä kreftn jkn ThRä (es gab 



43 

früher viel Krebse in den Bächen jener Gegend) — Jcr^aft HiWr 
Jcr^ps WoIScha. 

g) p^9n — p^n-^p^ann s. § 16». p^rvina Wo p^vin9 BiGwLoNi 
SchaPaIHsGrRiWr p^rdvim LbHi pelvito KbHo p^addvind ThRäDrLb. 

§ 18. j. b) Intervok. j schwindet mit vereinzelten Ausnahmen 
durchweg: n^dr, kr^d — hr^^ z^dn — z^n, n^(d)n^ Jcl^(9)n WoBiGwLoNiPa 
klaun SchaPalHsGrRiThRäDrHi, m^(9)n^ t^d — t^. 

Ueberall zai9r Wanduhr. 

äpel, nur Bi äpejal. ielddk, in RäHi(Lb) nicht, in Dr selten; 
die einzelnen Ziegel heissen überall dakätem, in GwLo findet sich da- 
neben teh, in HoNi teUterid, Ua — te (Plural ten). 

Der Dreschflegel heisst fl^l^fl^al^ in Bi /?y'aZ, davor steht meist 
die Silbe droä WoBiGwLoHoNiSchaDr dröä PalHsGrTliRä droä oder 
dröä Lb droä^n HiWr; der Fensterflügel fl^l WoBiGwLoHiWr flöJ9l 
oder flejdl Ho fl^l Ni flejd Scha flCijal PaIHsGrRiThRäDrLb ; der 
Mühlenflügel fl^l WoGwLoSchaPaIHsGrRiThRäHiLbWr (Plural fl^h) 
flejal Bi flöJ9l Ho fl'ßl Ni, daneben rüi PaIHs rüj9 Ri rü^fdj ThDrLb 
HiWr (erst von Pa an gefragt) ; der Vogelflügel flitJ9 WoBiGwLoHoNi 
flütj9 Scha fl^al (PL fl^ab) PalHsGrRiThRäDrLbHiWr (W^r kennt auch 
flitj9), dll9rv^n9 WoGwLoHoNiPaGr; vex Plural v^9 — v^, in Bi meist 
v(09. j^n9ffirt GrRiThRä j^ndfkrn Lo ; j^nevar Wo j^n9CV9r Gw j^nöwr 
LoHoNiPa j^n9ÖV9r Dr u. Th selten, die meisten Orte von Hs an er- 
setzen diesen Ausdruck durch , gerade rüber" oder ;, drüben rüber": 
jr&eär Hs J9r§i}9 röv9r Ri drömm röv9r RiRä jdrM9 röv9r Dr j9rkdd 
öv9r Th. r^(a)l nur Bi reJ9l. d^(a)l WofNiSchaPalHsGrlRiThRät 
DrLbHiWr deJ9l BiGw döJ9l LoHo. hejdl WoBiGwScha höJ9l LoHo 
h^l u. höj9l Ni h^l PalHsGrRiThRäDrLbHiWr (zdbejdl, zais9nb, Scha 
zäb^l Hi zais9nh^l I). tömt^l WoBi alt PafHs, tejd Gw, töJ9l LoHo 
NiScha, t^l GrfRit, bloss tom Dr; nur „Zügel" kennen IThRäLbHi. 
k^J9l WoLoHo k^ll PaTh (Sg. k^h PaIHsGrTh) k^ah upMell GrRiRäDr 
LbfWr, Hi sagt k^jal ; et vart 9k^aU PaIHs. n^ldk9 s. Anhang tusn^hkd, 

Geminata: l^9n WoGw lepn LoHoNiThRäDr leyy PaIHsGrRi, 
ebenso z^9n zeJ9n zeyy. eyy eggen Hs. liyy PalGr. rijjn WoBiGw 
rüj9n LoHoNiScha rüJ9 PaIHsRi rÜ9 GrThRäDrLbHiWr; ebenso brija — 
brüJ9 — brÜ9, doch scheinen HiWr brüjy zu sprechen; das im vorigen 
Aufsatze für St notierte bulbr Chausseegrabenbrücke ist sonst nirgends 
bekannt. mik9 WoBiGw müka HoNiSchaPaHsRäDrHiWr in I nicht, 
mÜ9(n) ThDrLb; laykben9 heissen die grossen in PalHsGrRiRäHiWr, 
früher auch in Lo; in Gr giebt es jröta und klain9 jnitn Gr; sonst 
heissen nur die kleinen jnitn GwLoHoNiSchaPaIHsRiThRäDrLbHiWr; 
in PaHs kennt man auch den Ausdruck jnapm, in I nicht; die Be- 
zeichnung fiZ9n scheint nirgends vorzukommen. vaijarn s. § 7^. 
aintlix GrRiTh. 

c) penij9 WoBiGwLoThWr penJ9 HoNiSchaGrRi pent PalHs 
peniyk RäDrLb pen9k Hi (Plural penip). Wegen ähnlicher Fälle von 
Vokalisierung des j im Nordwesten vgl. § 16a (bedaspunt^ rixtt, 
mor% predm^ borin^ petartsiU), 



43 

d) Merkwürdig ist das Eintreten eines j im Anlaut in jaU Allee 
Ri(alt)Stre80wThRäDr(alt)LbWr, in Hi nicht. 

§ 19. P. Die Artikulation scheint intervokalisch z. B. in örd 
etwas energischer zu sein als in den bisher behandelten Gebieten. 

a) ocfor. foddrn, v^dsr Werder GwLoHoNiScha v^9r I, die land- 
einwärts gelegenen Orte kennen natürlich das Wort nicht, vipätart, 
hit9nstart WoBiIHsGrRiThRäDrLbHiWr katmstat GwLoHo hirtdnstart 
NiSchaPa. 

b) fratd. krix9 WoBiaUGwaltLofSchaaltlaltDraULbWr, Hi 
nicht; Mrx9 HoNiSchaGrRiThDr kirxa PaHs. hurätQ BiGwLoHoNiScha, 
in PaGrRi wollte man das Wort nicht kennen, kuräa Kirsche. 

c) balbtrn, in Scha meist barbirn. „Ruder^ s. § 9i. ätukdrn 
PaGrRiDrUi §tuMl IHs. 

d) schwerer: äw^ror BiRä ^w^ädr GwDr äw^rddr LbHiWr äwirar 
ßr äwkdar Lo äwkrdgr HoNi ätjcärdar SchaPaIHsRiTh. 

e) Statt l erscheint ein r in ät'edkdrn RäDr s. § 32c. Un- 
organisch ist es in §arze s. § 16c, gardl s. § 32, ornabus GwPaHsGr 
RiThRäDrHi onobus Pal omddbus LoHoNiScha. 

§ 20. 1. n wird oft geradezu zu Zd, besonders in LoHoScha 
PaIHs. Umgekehrt wird auslautendes aus dl entstandenes II bisweilen 
fast wie dl artikuliert rMl Ruder Ni, rtdl Pa Pflugreiniger, rkdl 
Kornraden Scha. 

a) mölhr, kelhr, f^lhr Fehler WoGwLoHo failhr BiPaIHsGrRiTh. 

c) nll WoBiGw tUI LoHoSchaPaGrRiThDr plöxät^akdr IHs. 

e) sumintrn resp. eümwtrn, äneil WoGwf äletl Bi älötl LoHo 
SiSchaPalGrRiHiWr ^Zäa« HsThRäDrLb. klapm WoBiGwLoHoNiScha 
PaIHsGrRiThLbHiWr knapm RäDr, daneben knall RäDrLbHiWr, 
hlitssn Ni Metsdn Scha Idetäan Gr knetäm PaIHsRiThRäDrLbHiWr, d. i. 
knallen in verächtlichem Sinne, kneparstork HiWrBü knepn^r DrLbHi 
Inepgrn^r HsGrRiThRä (erst von Hs an festgestellt). 

f) veka LoHoIGrWr veja ThRäDrLbHi. 

g) Die Form kumalt kommt auf diesem Gebiet nicht vor, es 
heisst kumt WoBiGwLoHoNiSchaPaGrThRäDrLbHiWr kumpm IHsRi 
(ein Plural kimtd und kümtd^ Pa kumtd und kumpms^ letzteres natür- 
lich auch in IHsRi). 

§ 21. m. b) bonn, ßm-^fkam. Das Verb lautet inf^mm Wo 
BiGw in/Swm LoHoNi inßamm SchaPaIHsGr etc. 

§ 22. n. a) äwainddr der Schweinehirte PaHsfGrfRiThRä 
DrLbHiWr, daxUnndr Gw daxlbnar Lo stennarvän PalWr Menvän Hs 
GrRiThRäDrHi. 

e)*Die Endung 9 weist durchweg noch kein n auf: kdka — küdke, 
Hfo — hSiaka z. B. Misthaken, äp&da — äpkadd, daneben früher, z. T. 
noch jetzt ein Holz Werkzeug mit Blechbeschlag ;, Gräber '^ HsRiThRä 
DrLbHiWr (erst von Hs an festgestellt), karpa. Schlitten: älenn 
WoLoHoNi sleda BiGw alt SchaPaIHsGrRiThRäDrWr. Ein ;, tüchtiges 
Stück Brot^ : knaxa WoBiLo knaxal Ri knaxan Scha knarn GwLoHoNi 
inamm IHsDr (Nominativ knava?) knavdl Rä knuval LbHi, daneben 



44 

raykdn NiSchaPalGrRiLbHiWr rarjkdl ThRä rampm HsRi; Tznagd ist 
in Th ein hakenförmiges Stück Holz zum Einhängen eines gleich 
einem Thor wegnehmbaren Stacketteils, dgl. in Dr (holsknagd)^ LbRä 
kennen den Ausdruck nicht; das wegnehmbare Teil selbst heisst heim 
DrLbHiWr; statt knagd heisst es hesphkka LbHiWr. brMd — brke. 
jarätd, §iykd. knkkd — knkakd Knochen, vaitd, morja — mort (vielfack 
in hd. Form morpn). midcfvoxa. tnpo WoBiGwaltTh istapd I, sonst 
wollte man nur tapm kennen LoHoNiSchaPaGrRi. takd WoBiGw(alt) 
LoHo takdfi NiSchaPa tdk IHsGrRiThRä. lüns- resp. lüntätkakd IHs 
RiThRäDrLbHi. jrä Graben Ho(alt)SchaPaIHs (das a ist mit dem v 
zugleich geschwunden), hansan WoBi, hansa GwLoHoNiSchaPaIHsGr 
RiThRäDrHiWr. lapa, drop?. r^yj Regen Hs. jsoka Dr. kima Wo 
BiGwLoHoNiPalHsGrRiThRäDr ktema SchaWr. elbä PatlHsRifTh 
elbdn Rä(alt)Wr sonst nur elböggn. Wie „Handschuh^ so hat auch 
„ Kindtaufe ^ teilweise die Endung vergrössert, merkwürdigerweise im 
Norden: kindepj Bi kindbpa LoNiThLbHiWr kindbpm IHsGr(Ri)RäDr. 
plak, hup s. haien im Anhang, klump Kloss zum Essen, sonst klumpm. 
vokdn. pans Wo(?) pans BiGwLoHiWr, pansdti BiGwLoHoPaIHs in 
der Bedeutung Magen, NiSchaGrRiTh =Leib der Kuh; ühQv^lUednpansdn. 

§ 23. ng. Pfennig s. § 18c. 

§ 24. p. krama. henap PaIHsRiThRä(alt)Dr, Äa«^/* GwSchaGr 
HiWr hamf LoHoNi; überall hemparliyk. vorpal fast überall, in Gw 
alt, Hi vürfal, pot ist nicht mehr in Gebrauch in Hi, gilt als alt in 
Lo und Dr. Der „Thorpfeiler^ dkrpilar GwLoNi dkrvexpilUr HoNi 
Scha faillar BiPaIHsGrRiThDrHi dkrfaihr RäWr; der hölzerne 
„Ständer^ ätU Pa dkrstil NiLo dkrvexstil I dkrvexstipl Hs (Ho u. Dr 
kennen ätU angeblich gar nicht), dkrvexMendar HoNi postn GrRiRäDr 
LbHiWr post Th; der mitten auf dem Hofe stehende Taubenturm 
heisst dümmfilar Gw -pUar LoHoNiWr -torm Hi -älax SchaPaIHs; 
in GrRiThRäDr giebt es keine solchen Türme, raufa (WoBiLb?), 
röfa Hi. 

§ 25. b. a) heva, kriva^ riva. 

b) bdlbirn^ arbait. 

c) u. d) „Knebel" s. § 35 varvel. bäna ist überall im Ver- 
schwinden begriffen oder schon verschwunden: Als selbständiges Wort 
Gwf Lof et hayt bäfi da döra NiScha Ovar da d'ira Gr, wenn es regnet, 
bleiben die Kröten nicht in den Maulwurfsgängen, isa krüpm band 1, 
upm b^nstan bonn SchaPalHsRäDr(alt) in GrLb nicht; fon bäna raf 
HofPa selten (meist rundar) HsRi(alt)ThRä fon bäna rundar RiThRä 
Drf; fon bäna dal Lof Ho teilweise, dafür fon bomm dkl GwNi (Pa 
u. I nicht) fon bomm raf u. rundar Ni fon 6mm raf u. rundar GrTh 
Hi, fon bomm rundar Dr; fon nun bei Mna Scha fon unn bes 6mm Gr; 
bänd^ra resp. -döra WotBitLotHofSchaPalHsGrRiThRätDrfLbtWr 
övardöra Ni evard^ra Gw dmmd0ra Hi (es giebt nur noch wenige solcher 
2 teiligen Thüren). äna kommt selbständig noch weniger vor hüta and 
Gr(alt)Ri, häufiger ist es noch in der Zusammensetzung ;, Abendbrot^: 
änabr6t HotSchaPa(alt)IGr(aJt)RiDrtLbtWr(alt) ämbrot LoThRäDrLb 



45 

HiWr ämbröt BiGwHoNi; in ;, Feierabend*^ klingt es nur an 2 Orten 
noch nach faiardnt HsRi faürämt PaGrThRäDrLbHi fiarämt Gw fai9r' 
kfnt BiLo /ti9räm/ Ni. ;,Ofen^ in den Zusammensetzungen ;, Kachel- 
ofen^, ^Backofen^: kax^län BitWotGwtLotHotSchaPaIHsRiTh(alt)Dr 
(alt)Wr haxdlom RäDrLbHiWr Jcaxdlomm HoNiGr ; bakän Wr alt haMm 
DrLbHiWr hahomm Rä; -dm ist Mittelstufe zwischen an und omm. 
Die Orte, die diese Form kennen, haben offenbar früher an gesagt. 
Aehnlich verhält sich ;, Schweinekoben ^: sw^nakän WotLofPa(selten) 
Wr ämnakom LbHi ätmndkömm BiGwNilGr(selten) ämndätal WoScha 
PaHsRiThRäDrWr — die meisten dieser Orte kennen keine besondern 
Gebäulichkeiten für die Schweine, die „Kofen^ heissen, sondern die 
Schweine sind dort stets in kleineren Räumen der übrigen Gebäude 
untergebracht worden; übrigens verschwinden jetzt überall die ;,Kofen^ 
Imms, Andere Fälle von Schwund eines intervokalischen v, gleich- 
viel welchen Ursprungs, sind: jrd Graben du Taube Mü Stube (vgl. 
zu diesen Wörtern § 16). jrdn graben HsPal (Scha sagt noch Ä^ 
jrävBt). rar HsRi (in Ri auch rövdr) — äpritfk mkl rär^ kumSJ, rar 
Hs; ndr hinüber Ri; drmöix übermütig Hs jrk^r grade(r)über Hs; 
Ri hat nur övdr^ auch Pa övBrhaupt^ ThRä övdr rövdr, hdr Hafer Hs 
(in I habe ich notiert hau9r, ebenso in Th, sonst havar, ebenso jaudl I). 
jr^9r ein Holzspaten Hs (§ 22e), sonst jr^dVBr. h^ het mi vat updh^t 
Ki aufgehoben, h^ äüt er schiebt SchaPa, 9äüt geschoben SchaPal 
dsrün geschoben HsRi, auch 9srdn Hs ; ütänün ausschnauben Hs ütdändn 
Hs ütgäniU Ri — A9 äuv9t Gr 9äüv9t Bi etc. Gr etc. ütdänüvdt Gr etc. 
Atön spalten IHsRi (nur von grossen Stücken gesagt, sonst holt haudn) 
Mvdt GrThRäDrHiWr ; Pa weist die Form klUn auf. Das führt 
uns zu einer Gruppe von Wörtern, wo das v zw. ü vokalisiert worden 
ist: riü Reibeisen Pa, riü Acker- oder Waldunkraut PaIHs, riün 
Rüben PaIHs, r^ün reiben PaIHs; hlvun bleiben (Pa)IHs (; ebenso 
wohl auch dr^ün und §nün treiben und schreiben); viür Weiber Hs; 
jreCi Griebe PalHs jrevd GrRiTh etc.; e^ü Sieb PaIHs is^avd GrRi etc.; 
st^u Stäbe PaIHs st^ava GrRi etc.; k^ür Käfer PaIHs; v^ür Weber 
PaIHs; l^ürvorst IHs, früher auch Pa; A9 v^üt PaIHs er webt; ik j^ 
ich gebe Pal(Hs); dj^ün PaIHs dj^amm Scha; ddr^ün SchaPaIHs; 
M^ün Scha(PaI)Hs; 9r^n Pa;.578ww, et ätm Pa — et stomt IHsRiRäDr 
— et ,§t&V9t LoNiGrThHi, dem entsprechen die Substantivformen ätof 
und stom, doch überwiegt in Dr ätof. In den bisher behandelten 
Wörtern ging ein Vokal voraus; aber auch nach 1 und r ist v voka- 
lisiert worden: zülüst PaIHs; itcaZw PaIHs swahvd Ri; olü tswolüVdi,^ 
ein Hs; harust Herbst PaIHs; varül Wirbel Hs varval SchaPal; äkp- 
hrü Hs -Jcarva I; tsarün Zerben (Ortsname) I, /"örrfarwn verderben Pa, 
et fordarüt PaIHs, et is fordorün Hs; ,^larün Pa(IHs), sonst älarmm, 

f) pindl resp. pündl. rustputd GwLoHoNiGrThHiWr rostptdd Ni 
IRi rustputd Rä rustbutd Dr rüsthutd 1^. pukal, parocdn, pakkid, 
pr^(a)ts9l pusirn s. § 18c. hikdn—pikdn DrLbHi(Th?Rä?). pofist 
(auf der 2. Silbe betont) Ra ein Staubpilz, pmopl Pre = binocle. 

§ 26. t. a) nait^ nur BiWo u. z. T. Ni sagen nai auch iu 



46 

Sätzen det is nox jans nai. most Moos, mdrai Nussmark. Üeberall 
ätaf Plural $t^v9, $t^Vd^ ät^ü — droädfiMafEi sonst meist droäfl^lstaf. 

b) taiksn, tit scheinen noch überall t zu bewahren, ttv^rn HsRif 
tstv^rn HoNiSchaPaThDrHiWr. tsimQrman Wo sonst noch timdrman, 
fap? resp. tapm^ aftapm. äumdtvxt Bi(alt)6wNiSchaPat -tsuxt WoIHs 
DrHi. bdtskll, meist bloss hBskll WoBiGwLoHoNiSchalHiWr bdtSjxU 
PatHsGrRi(alt)ThRäDr. forts^rn WoBiGw fdrt^rn Lo(alt)HotNi(alt) 
SchaPa(alt)IHsGrRiThßäDrHiWr. ütt^rn, vaitd, n^td — nöte — neatd. 
katd Wo (z. T.) Bi (alt) GwLoHoNiSchaPaIHsGrRiThRäDrHi(selten)Wr. 
dum vi jrüt9 ThRäDrLbHi(selten), in Wr nicht; sonst jrüta als Speise 
GrRiThRäDr; tap im jrüt» scheint nirgends bekannt zu sein. Be- 
sonders hervorzuheben sind betar PaIHs besdr Gr; äwetn schwitzen M 
(alt)SchaPa(alt)Gr(alt) äwtts9n IHsRiThRäDrLbHiWr ; das Substantiv 
ist ,^wet^ in BiDr alt, in WoDrRi daneben, in Th ausschliesslich äwits. 
üeberall noch holt, heltn — höltn. pletboltn, nur WoIHi(Lb?) zeigen 
hier bolsdn^ I sagt aber en boltn fdrst^aky, üeberall (Ikdd)plok^ nir- 
gends -äpis, ätortn das erste Pflügen, volta u. vals9 s. § 36. Die 
Sense schärfen ist Stnkdn; mit den Hosen aneinanderschlagen heisst 
vetsdn GwDr(Lb?) §lkn LoHoNiSchaPa piyTcdn GrRiThRäHiWr (dazu 
das Substantiv piykdr GrRi); einen veUtm kennt man WoBiGw, sonst 
nur eine ätr^ahd, Wetztillen nirgends, ütvaisgn WoGwLoHoNiSchaGr 
HiWr lUvün PaIHsRi(alt)ThRäDrt. et jUnldk das Gossenloch in der 
Küche GwHo jotlolc LoHofSchaPaf ßBÜok HsGrRiThRäLb jSitlok Ni 
jotlok I joslok DrHi j^atlok Wr. lüntät&aks RiThRäDrLbHi, das wäre 
also eine hyperniederdeutsche Form; lünsätkaka IHs lünsd LoHoNi 
SchaPa linsd GrWr. bHn — Uetn zeigt nirgends s. Slot Thürschloss 
(Plural älötdr ThDrHiWr), der Handwerker ist §les9r und älösar, fetar 
Plural zu fat von Lo ab (vorher nicht gefragt), nur Dr zeigt über- 
wiegend fes9r. jrosfSidar WoBiIHsRäDrLbHiWr jrötfkddr Gw(alt)LoHo 
NiSchaPaGrRi(alt)Th(alt) ; vielfach schon jrösfktdr. Im Norden er- 
scheint auch die Endung ds mit t: en frömdt m^kan I en frömddt m^ksn 
Hs. §malt s. § 36. barft GwLoHo etc. daneben barvdt GwHoNi. 
Zur Bezeichnung des Himmelskörpers dient meist hd. mönt; in Ver- 
bindungen wie Vollmond, Neumond ist mknd noch häufig: Gw(alt) 
SchaPaI(alt)HsRiThtDr(selten)LbtWr, zuweilen auch noch selbständig : 
d9 mkand is dl updjkn Wr, dd mkand nemt vedsr af nü Gr; ferner 
mkndax BiGw(alt)Ho(alt)Ni(alt)SchaPaI(alt)HsRäDrLbHiWr, mknäm Gw 
(alt)Ho(alt)Ni(alt)PaSchaI(alt)HsGrRiThRäDrLbtHiWr m6n§in Bi. 

distl überall, kndd WoBiHsGrRiThRäDrHi kritd Gw(alt)LotHo 
NiSchaPaIWr. 

Im Norden scheint auslautendes t zum Verstummen zu neigen, 
z. B. h^ fl^t zix I wurde fast ohne hörbares t gesprochen, ebenso 
tsikarit Pal; andere Beispiele sind leider nicht notiert worden. 

§ 27. d. a) leyd9, bredd wahrscheinlich überall, dgl. lextd, 
diktdy deptd — d^eptd, hextd Gw(alt) höxt9 LoHoNiSchaPalHsTh(selten) 
RätLb(selten)HiWr hSd WoBi Ä8a GrRiDrLbWr. n^9 überall, vaxtd 
(Bi)Lo(alt)HoSchaPat, Nil nicht, ebenso nicht in den übrigen Orten, 



41 

weil es dort keine grossen Wellen giebt. nokg^ HoNi haben daneben 
nSJcs, Beim Verbalsuffix ist mir aufgefallen tr^d9 trat PalHs, äraid9 
Pal, sonst lautet es — ta. 

c) en9 rkah Plural r&xill — en r&al RiTh, in Lo auch r&hkdfi, 
sill resp. äüll schütteln und schütten; äiljavdl Gw äülj. LoHoNiScha 
PalGrRiThßäWr äühjävdl LbHi §iddjavdl DrLb. hard hatte, p^rdvind 
s. § 17g. 

d) Intervokalisches d schwindet: Auf dem ganzen Gebiete in e^l 
leichtes Pferdegeschirr, daneben e^ll in Ho ; ebenso in laidn BiWoGw 
SchaHsGrRiThRäDrLbHiWr Wn LoHoNiPa. Auf dem grösseren 
westlichen Gebiete p^dn WoBiGwLoHoNiSchaPaIHsRiWr p^ann GrTh 
RäDrLb(Hi); bidn bieten WoBiGwLoSchaWr Menn Dr; hSan BiWoGw 
M(9)n LoHoNiSchaPaIHsGrRiWr Aft^ww ThRäDrLbHi; hrean^hrb(9)n 
BiWoGwLoHoNiSchaPaIHsGrRiWr hrüdnn RäDrHi; ve(9)n WoBi etc. 
GrRiWr; vienn ThRäDrLbHi; fdrmm Wr fsrmienn Rä. hUda WoBi 
Ue9 Gw(alt) bld(d) Lo etc.HsRi, Gr kennt W8 u. blbdd [h^ is en reoctn 
UoonJ, hmdd ThDr. meda WoBi mh Gw mb Lo etc.HsRi wüa* Gr 
ThRäDrHi; hrh bletdr HoHs Irrea rea; Breite Weg Ri iredar breiter Gr; 
meda BiGw me(9} Lo etc.HsRiWr mieda GrThRäDrHi; Ud9 WoBi Leute 
Ud Gw /ü HoSchaIHsRi iürfa GrThRäDrWr; s^naät^ Lo bedaät^ Pa 
hüpst^ äm§ Schmiede IHsRi; 9t Iht es läutet Gw lüt LoHoSchaPaHsRi 
lüt GrThDrHi n& lii9n jin LoHo 9Ud9t geläutet Bi. vid9 Weide BiWo 
(jw(alt w)GrThRäDr r* LoHoNiSchaPaIHsRi ebenso v^d? und v^; ik 
li ich leide PaIRi Uda Th; d^n^an geschnitten SchaPaIHs Bänenn und 
dsn^ann Wr; Bätr^an gestritten Schal dätr^ann Wr; tr^n treten SchaPa 
tr^ann GrRäDrHi, Ä^ tr^t Pa, dtr^an Scha dtr^t PaIHsRi 9tr^ann Wr; 
evdrmedix — övdrmödix BiGwLoHoNi övdrmbix IWr ärmbix Hs öv9rmÜ9dix 
GrRiThRäDrLbHi. nidix Gw wödio; LoPaRiGrRä w8w; Hs «8a; I. 
Mar HoNi *V Gw(alt) üar SchaPaIHsRi ürJar GrThRäDrHiWr; rida 
Räude BiGw rüd^ LoHoNiHsGrRiThRäDrWr rü Pal; v^pr Wetter 
SchaPaIHsRi; veräa marka Werdersche Mark Pa; Werder millv^(d)dr 
Ho möllv^ddr Scha^t^^^r L ^(a)dd Egge giebt im Singular nirgends 
sein d auf, wohl aber im Plural ^an Dr und in der Zusammensetzung 
^onfohp (Zugstrick an der Egge) RiRäDr ^antuxt HiWr sonst ^nnfol9j9 
Th ^nnfoU Hs ejantuxt HoNiSchaPalGr ejantox Lb; ^(a)dd heisst es 
noch in GwPa(alt)HsRiThRäDrLbHiWr sonst ejd ; ^(a)nn Gw(alt)LoHot 
Ni(alt)SchaPaIHsGr(selten)Ri sonst epn^ das Verb scheint überall ej9n 
zu lauten, sp^da gab angeblich früher in Gw sein d auf, bewahrt es 
aber überall sonst, wenigstens in LoHoNilPa. 

Nach ä, 6 und ü erscheint in dem Elbegebiet ein Vokal an 
Stelle des d, dessen Entstehung wohl so zu erklären ist, dass inter- 
vokalisches d zunächst in j übergegangen ist, das sich in Ri noch 
erhalten hat (vgl. auch p^avina^ brejat in Pe), und dass dieses j sich 
dann unter Schwund des Endungsvokals vokalisiert hat: ^p&da Spaten 
WoBiGwGrThRäDrHiWr äp&i LoHoNiSchaPal(Hs) äp&ja Ri, ebenso 
hrSida — br&e — brkj9^ Ikdaplok W- NiSchaPaHs Zä/a- Ri, jr&e Pa jrkeär 
Hs jarkjarövdr Ri, lM>9t Bi Ikjat Gw Wn Ho Ikjat NiSchaPa Ikä Hs, 



48 

hrkd9t Bi brket Gw brket LoNiSchaPaHs 6rä/af Ri, rkdQt Bi rken Lo 
HoPaHs, b&ddt BiGw b&en LoHoNiSchaPa hkjat Ri, äiddt BiGw saM 
HoSchaPa ; ütr6^n ausroden WoBiGwLoHoNi ütrk^n SchaPaIHs vtrkjdn 
Ri ütr&ann GrThRäDrWr vtdrkH SchaHs [von Scha an lauten also 
;,ausraten^ und ;,ausroden^ völlig gleich!), hlkm entblättern IHs; 
pkdd Pathe WoBiGw pke LoHoSchaPal p^atd HsRiThRä(alt) ; Uöddt Bi 
Gw hlöet LoHoNiScha hlüit PaIHs hlüJBt und hlut Ri blut Gr etc., rojd 
blbtn Lo röjan hinrik NiScha, jöJ9s vetdr Ni Joe sümd LoHo jüi Ut 
Schal jui vbr9 SchaPaIHs juJ9 Ri, undda BiGwLoHoGrTh etc. unöe Ni 
PaIHs unöjd Ri; rtd PaIHs (Mühlenflügel) rüj» Ri rw^rf^ ThDrLbHiWr, 
auch Stock zum Prügeln rüi SchaHs rüj9 Ri, lüdd Bi(alt)WoGwGrTh 
etc. lüt LoNi laut Ho lüi PaI(alt)Hs lüja Ri. Bruder bewahrt das d 
fast überall, nur in Gw wurde nur als alt angegeben brögr^ in Scha 
brügr^ auch in Körbelitz soll es so heissen. 

Aus ai -+- d entsteht de, aber nicht auf dem ganzen Gebiete: 
baids BiSchaGr etc. bäe Pa bai9 HsRi ahbaent I, vaida Viehweide Gw 
GrRäHi väe LoHoNiSchaPal vaia HsRi, oäaiat geschieden Lo dsäet Ho 
Scha; hupäprdi SchaPa; haida Ri. 

Durch Vokalisierung von d, j, v entstehen, wie die Beispiele 
zeigen, eine ganze Reihe von Diphthongen : m, cm, ^u, 8w, äc, 6e (fast 
= oi), ui, die sämtlich 2 silbigen Charakter aufweisen. Das ist wohl 
bestimmend für die gleiche Entwicklung der auf vokalischen Ursprung 
zurückgehenden Diphthonge ai, au und oi gewesen; diese sind ihnen 
angeglichen worden; vgl. §§ Ts, 12, 13. 

Geminata bleibt überall bestehen: beda, midd. Ebenso ist be- 
handelt äledd. 

e) Assimilation tritt ein in den Verbindungen nd, rd, Id: stunde 
p^r9, vkrd (warte) Hs, rotb^rd (Plural zu rötbkrt^ ein Vogel) WoHoNi 
SchaHs — rötb^rt9 Gw, oh alte; bei md unterbleibt sie im Norden: 
en frömddr HsRiThRäDrLb det is ena frömda GrTh — aber det is en 
jansar frömdr GrWr, en frömdt m^akan I eno fremd HoGw; hemdo Hs 
GrRiThRäDrLbHi, sonst hema und hima. 

f) Hochdeutsches t erscheint noch nicht in drida und bida^ wohl 
aber in fkdar^ noch häufiger in jrotfkdar. jarta Gerte Lo jü(r)tsd Lo 
jütsa HoNiGr jartsa (meist = Prügel) SchaPaIHsRiThRäDrLbHiWr, 
dazu das Verb jartsan; in I auch jetsa und jetäan; das den Stock be- 
zeichnende Substantiv ist in den Orten von Scha ab rm, rüaja, ruadd. 
Egge s. oben; das Wort bötn wurde mir in Bi als f, in Ho als selten 
bezeichnet, sonst schien es unbekannt zu sein. 

Ueberall heisst es kw^r und kwa^ell. Dgl. hartar und wohl auch 
tUn. Der Plural zu bunt ist bina und büna^ nur Hi u. Wr sagen bunt. 
Die Nadel: nk(a)tl NiPaHsLbHi nkadl oder nkall LoHoSchalGrRiThRä. 

g) Ueberall taxa^ tHa resp. tbla; dgl. tifa resp. tüfa mit Ausnahme 
von Scha u. Gr, in Rif, in Rä tüva. Daneben gilt als 4. Bezeichnung 
petsa SchaPaIHsGrRiRäDrLbHiWr (erst von Scha an gefragt), das 
allerdings häufiger nur Schimpfwort ist. tuxt (ein Kahn) GwLoHoNi, 
Pal kannten es nicht; wohl aber nennt man in Pa so einen Strick 



49 

zum Kahnziehen und in einer Reihe von Orten den Zugstrick an der 
Egge s. oben, hartd WoBiGwLoHoSchaPa, kühartd ThHiWr, aber 
kukirs HsGrRiRäDrLb (swainddr s. § 22a). 

h) tswedarlai BiGw(alt)LoNiSchaPaHsGrRiThDrHi, ohne d zeigen 
es Wo u. Ho. d^9r9r WoBi, von Gw an dierddr und d^dtddr, 

§ 28. s. a) Auch auf diesem ganzen Gebiet im Anlaut vor 
Vokalen > z^ vor 1, m, n, p, t > §. 

b) harid BiGrRiThRäDrHiWr hurid Wo, die anderen haben ab- 
weichende Form hezd LoHoNiSchaPaIHs, das in Ri auch im Flur- 
namen hezdharjd noch existiert. Ueberall hesdn. hisan WoBiGwWr 
sonst hitsjn. 

c) haheUots GwLoHoNiPa(8elten)GrThHiWr (zum Holzhacken), 
dafür hauUolc PaIHs hauklots DrLb ; der erstere Ausdruck gilt im 
Norden mehr für den ^Wurstblock" hdkdUots HsThRäDrLb haJcabloJc 
Ri vorstklots GrHiWrRa; Holz hacken = kleinmachen ist holt haudti 
BiHsDrLb, in Ra und Umgegend bedeutet das ;, Bäume im Walde 
fallen« ! 

d) In Scha wurde ich auf merkwürdige Formen aufmerksam 
gemacht, die man früher dort gesprochen: snaxtdns nachts, smorjans 
morgens snäms abends, Fälle von Inklination der Genitivform des 
Artikels; et naxtans Pal, et naxts Hs. 

§ 29. k. riyalahan kannte man nur in GwHoPa, in Lo nannte 
man sie tötanblöma, Ueberall dr§L(a)k als Schimpfwort, ät^ak kennt 
man nicht mehr in (Bi)W^oHi, f in DrRä. hak (z. T. fast mit ä 
gesprochen) überall (in Th nannte man mir 3 Arten: dtJmm-, hündar- 
und larkanhak). fax WoDrHi, sonst kommt überall noch fak vor 
oder herrscht, dax ist nur in Hi durchgedrungen. Ueberall aiküts, 
Jiüxa und koxan scheinen überall zu herrschen. „Lerche« s. § 72. 

§ 30. g, a) g wird überall unter denselben Bedingungen zu j 
wie auf dem bisher behandelten Gebiete. 

b) Intervokalisch schwindet es überall, nur Bi zeigt einige Formen 
mit g (Reibelaut): jkgan neben jän^ vkga neben väa^ nkgal^ vkgan (das 
auch sonst sich einbürgert), mkgan^ zkga Säge, fikga^ mkgar (auch in 
Wo), sonst van Wagen (Plural vdna)^ dd(9), frän, mät Magd, vä W^age, 
mar Schwager, ndl, äläfa); flä(e) vom Regen WoGwLoHoRiRäWr 
(nicht vom Regen DrLbHi), in der Zusammensetzung ä^naflä WoGw 
LoHoNiWr maflä SchaPaIHsGrRiThLbHi sinflä RäDr, auch ä^naät^ 
Lo (in Ho nicht), s^nasteh Ni, sinaätela SchaPa (I nicht) ; häl^ krä, Id, 
nid (in Ho alt), ^a, mär (z. B. vom Schinken), h^ vät zix nix WoGw 
LoHo(selten)NiSchaPaHs (weiterhin nicht gefragt), Idän, Die hierbei 
entstehenden ä sind an der Elbe von Gw bis Scha hin weniger hell 
als anderwärts und unterschieden sich oft wenig oder gar nicht von ä. 

dögan RiThDrHi scheint überall g zu bewahren, fogal BiWo 
GwLoHoNiScha fS (angebUch GwfHotjPalHsGrRiThRäDrLbHiWr 
(Plural f^al — föjal — f^la PalGrRiWr fäla ThRäDrLbHi). maxta- 
horx WoHi mkdaborx GwLoHoSchaDr; m^(a)da GwLoHoGrRiThDrHi. 

c) r(ya, in Lb findet sich daneben rova, in Dr überwiegt diese Form. 

Niederdentsohes Jahrbuch XXV. 4. 



50 

d) tax9 s. 0., knaxan s. § 22®, baxor LoHo. 

f) juykdr zeigt sich nirgends, lavlcor selten in WoGw. 

g) r^yan resp. r^yy Regen und regnen. 

h) kafan GwLoHoNi(Scha nicht)GrThRäDrHiWr, der Norden hat 
den Anlaut fallen lassen: afan PaIHsRi (afj dox nix z6 Pa). jmzd 

— oder §kpkarv9 resp. karü\ enn bain krips krtdn. 

§ 31. h. a) {zeksd^ daks.) fos schwindet als Pferdebezeichnung: 
spasshaft in Gw, allgemeiner noch in LoHo, gar nicht mehr in NiScha, 
alt in Pa, mit etwas geringschätzender Nebenbedeutung en oll fos 
IHsGrRiRäLbHiWr, f in ThDr; als Waldtiername noch alt in Ho, 
f in Lo, sonst fuks. (luks, laks, vaks zum Nähen.) vas = Wuchs 
überall, z. B. dar böm ätait ä8w9 upm vas Gr. Büchse zum Schiessen 
wohl überall biksd. dagegen knalbisa und -büsa überall, botdrbüsd Lo 
HoScha mmdlbüsd HoNi stritsbüsa SchaPalGrRiDrHiWr snurtsbüsa Hs, 
ena büsd sm^r GwLoHoPa aber biksa im^r WoBi. veksdlvägan Wo 
veksdlvänd DrHi vesdlväna GwfLoHoNiGrLbWr viisdlvdnd Scha(alt)PatI 
viselväna HsRiTh (Rä nicht), asa überall, Bif. Achsel ist hd. flas. 
Drechseln ist hd. Geld veksdll Wo vesdll GwfLof visdll Scha(alt); 
vom Zahnwechseln des Viehs (z. B. da f^r^an vezall Gr et p^rt het ök 
dl afavisalt Th) vesall LoHoNiGrLbHiWr vizall LoSchaPaIHs visell Ri 
ThRäDrf. osa, fleksa (in Gw angeblich nicht bekannt), heso. 
(Leuchse nicht gefragt). 

b) jsuftn WoBiLofHoNiScha {zuftix alt) (Pa nicht) et tsuft nox 
mextix IHs estsuft z6 Ni. zuftxx Gr züxtix RiRäDr et züxt ThRäLbHi 
(Dr nicht) et zuxt Wr. Halfter s. § 36. 

c) axel überall ohne h, alüne WoHsDrLbHi halüna GwLofHo 
NiSchaPatIGrRiTh(alt)Wr. 

§ 32. Yokaldehnnngen in offener Silbe, a) z§i(a)ne überall 
(melkafn^amm absahnen Dr) ; t^ana (Sg. ; Plural t^ann PaIHsRi, sonst 
t^(a)na); b^ra Birne; v^da — v^ Weidenrute; b^aka GrRiThRäDrLb 
Hi (die durch LbHiGr fliessende Ihle führt diesen Namen erst in 
Burg); z^f s. o. § 16; m^r — m0r\ m^(a)l\ v^,(e) Wege; ä^(a)nd- 
ben\ l^kon — l^aky WoBiGwLoHoNiSchaPal weiterhin lopm HsGrRi 
ThRäDrLbHi. 

Auf dem Lippenrundungsgebiete werden die ^, die auf Umlaut 
von o zurückgehen zu resp. öa : d^ra — dära — däara; §Z — 0I 

— öal; n^ta — mta — nöata Nass; dr^nn — dr0(e)nn', auch ^spielen^ 
hat sich den Wörtern zugesellt: äp^ll — sp0(a)ll. 

o scheint ursprünglich auf dem ganzen Gebiete ä* geworden zu 
sein, vgl. die Participien der starken Verben II. und IV. Klasse, doch 
ist in BiWo vielfach ö eingedrungen: böla WoBiNi bäh Lo(alt)Hot 
Scha etc. ovas WoBiGwNi övast SchaGrRiHiWr ät LofHoKJetzt övast) 
Paf oft PalHsRiThRäDrLbf. dörvex Wo sonst dk(a)rvex. Betontes 
„vor^ fdr WoBiGwHi for LoHoNiSchaPa f^r LoHofGrWr f^r Schal 
HsRiThRäDrLb auch ßr IHs. zdne Sohn BiWo zk(a)na GwfLotHof 
NifScha etc. höza BiWo M(a)za GwtLotHotNi(alt)Scha etc. vom 
WoNi vk(a)nn Bi(alt)Gw(alt)LotHotSchaI etc. zöla BiWo zk(a)h Gw 



51 

(alt)LotHo(alt)NiSchaPaIHs. höll Wo(?) sonst h&(a)lh ütpdll LoHo 
(in Ho früher ä, in Lo noch jetzt z. Teil) ütpk(a)ll WoBiGwNiScha 
PaHsGrRiThRäDrHi, mit Umlaut ütpidll Pal. Ausroden s. § 27d 
Knochen s. § 22e. up un k(a)pm PalGrRiThDrLbHiRa (erst von Pa 
an gefragt), prüljöxjn GrRiThRäDrLbHi, aber pruljkan Hs nustl- 
jknxdn Pal. üeberall jdpg, 

b) der Plural zu hof heisst hev9 BiGw höva LoHoPaGrLbHiWr 
iova Dr Ä0-9i;a NiSchaHs ; zu trox s. § 16a. Ä0Z3 WoBiGwLoHoNiScha 
GrWr k&ah PalRiThRäDrLbHi. üeberall Müvb resp. ätü. jän — 
jkg9n. lilijd WoGwNiGrRiThRäHi UU SchaPaIHs lilh LoHoDr. meh 
—möh, feil — foll, predijdn — predtn, fiU^ kedd^ honix, ledix, venix. 

c) kövar BiWoNiScha (selten, fast nur in der Redensart du mustt 

zo mkdkdn det et in%% Tcövdr jait) Pa(alt)I (in abweichender Bedeutung : 

kleiner Korb für ein Kind) Hs(selten)Gr(selten)ThDrLb, hkvdr Gw(alt) 

Hi ; tkvdl Gw(alt)LoHotNi t'mel SchatPaIHsGrRiThRäDr(8elten)LbWrt. 

vk(a)t9r, p^(a)p9r. ezel Wo sonst ^(a)edl (meist Schimpfwort), h^mell 

Scha hkmoll PaIHsGr {det is en hkindl so lange er noch klein ist, en 

Immdl wenn er gross ist Pa), AampK ThDrHi. /adar ^Gevatter", mtl- 

p^rt WoIHsGrRiThRäDrHi ziilp^rt Bi(alt)Gw(alt)HoNi ekrälp^rt Lo 

SchaPa. e^(a)l, düzdl = Betäubung überall, dgl. duedlt'h', flastar 

(auf der Strasse) WoBiGwLoHoNiSchaPal, von Hs an ausschliesslich 

dam (z. B. es hemm dam emokt Gr) ; Heilpflaster plkster Wo bis I und 

Wr, sonst plastdr, üeberall Stival (angeblich alt §tev9l Gw). jtvdl — 

dafür jevsl GwHoNi. levdr WoBiGwLoHoNi l^avdr SchaPaGrRi etc. 

Mr PaflHs. ev9l Gw aodl HofNiRäLbWr tvdl LoSchaPalHsGrRiTh 

RäDrHi. le^—löpl WoBiGwLoHoNiSchaPalGrHiWr l^apl HsRi(alt) 

ThRäDrLb (0 habe ich nur notiert für SchaGrHiWr, Pal etc. sagen 

Zfp2, wozu ja auch die Dehnung ^a stimmt, ö ist überhaupt wohl nur 

hd. Einfluss). sepl NiSchaPalHiWr .^^apl HsRiThRäDrLb. müedketl 

WoBiGw — kötl LoHoNiSchaHsWr — kMl PalGrRiThRäDrLbHi ; 

htl = Kessel überall. Kümmel zeigt gleichfalls überall Kürze : kemdl 

resp. kömsl (die Pflanze), HsRiThRäDr(Lb)HiWr sagen auch für die 

Pflanze kümdl. hletdf überall, nur in Gr wurde hl^dar als alt angegeben. 

^(a)ddr Wetter WoBiGwLoHoNiThRäDrLbWr v^dr SchaPaIHsRi vetsr 

GrHi. Kohlhobel: hüvdl WoGwPaIHsGrRiRäDrHi hovdl Wr hövdl Lo 

(alt)HoNiScha ; di§drhüvdl überall, nur Bi sagt hövdl, havar — hauar I 

hdr Hs. jäv9l — jau9l I. hamdr WoIGrRiThRäDrLbHiWr hk(a)mdr 

Gw(alt)LoHoNiSchaPaHs. karndt WoGrThDrLbHiWr kk(a)m9r Gw(alt) 

LoHoNiSchaPaI(alt)HsRitRä(alt). §tokdll BiGwLoHoNiSchaWr ,UökdU 

GrLbHi äteekdll HsRiTh Möakarn RäDr. hakdrn HsDrLbHiWr (nicht 

in BiGwHo) hekdrn GrRä h^(a)kdrn NiSchaL „Gosse*' s. § 26l>. Ml 

(Schüssel) — äötl, veddr (wieder), himdl, edelman, 

d) tarn (z. B. ik hemm tarn dmökt, ddr is rext tam I det ks is jkr 
nick tam tdkrwn Gw); statt tam im Sinne von „matt" heisst es auch 
mal IHsTh mdkd GrRiWr (nicht in RäDrLbHi) ; ähnliche Bedeutung 
hat r^x\ ik hemm r^x gmokt ein Pferd zugeritten LoHoNiHs rix I (Scha 
nicht). l&(a)m. j^(a)l, jram. klam^ f^rklk(a)mm. hol un hol, jrof. 

4* 



52 

§ 33. Yokaldehnung vor r 4- Alveolar. jMn WoSchaPalHs 
GrRiDrHi ßrn HoNi. mM9. hkrd Lo Wr, dafür Hl PalHsGrRiTh 
RäDrLbHiWr. st^rn Stern und Stirn (meist nur von Tieren), tsw^m 
resp. tw^rn. ^rnst Gegenteil von Spass; als Name heisst es arnst, 
nur in Hs auch ^rnst, f^ri9 WoGwLoHoNiSchal f^njs;e PafHs (weiter- 
hin nicht gefragt), k^rl Kerl Th. vort^ Plural ver9 und vtra; antvorn. 
dkm, ort Schusterahle, ort Platz, Stelle, hört Bord, hofpörtd Wo 
GwLoHoNiSchaPaGrRäDrHi. Getreide Tcorn WoGrHiWr Um LoHo 
NiSchaPaIHsGrRiThRäDrLb. Ein einzelnes Korn z. B. rogdkorn Wo 
GwHiWr sonst rogek'orn von Lo ab, nur in Lb rogak&rn (Plural 
komdr Wo Tc^rn Gw, sonst unverändert), nörnn HoNiPafHs sonst 
nornn^ vgl. ostn, § 62. forts, sortd LoHoNiSchaPalGrRi äörtd Hs. 
Äörw s. § 35. 

§ 34. Yokalverkfirzung. stuk^m PaGrRiDrHi §tukdll Hs. snwpdm 
WoGwLoHoNiSchaHsGrRiDrHi änüparn Pal. senndr — äönnar. jret9r 
— jrötdT. klennar, devart BiGwNi devdrik BiGwLoHoNi döv9rik 
SchaPalGrRäThDrLbHiWr diivarik Dr. stummd^n^ Bi. etar Eiter 
(namentlich im Auge) Rä(alt)DrLbHrWr (vorher nicht gefragt), dazu 
das Verb etdm. Im Norden habe ich auch das in der Altmark 
besonders übliche ens gefunden, meist mit mkl zusammen: jox mU 
blos ens hen Dr, löp mkl ens hen Dr, ähnlich in IHsRi (nicht in Gr 
ThRäLb); in Hs auch: ik heve ens dkrixt, dafür sonst nur ens. 

DÜSSELDORF. G. Krause. 



53 



Laurembergs Seherzgediehte, 
die Art und die Zeit ihrer Entstehung. 



Litteratur fiber Lauremberg. 

I. Ausgaben der Scherzgedichte. 

1.) lieber die alten Drucke s. Lappenbergs Ausgabe, S. 193—204 und Braunes 

Neudruck, S. X— XIII. 
2.) Scherzgedichte von Johann Lauremberg. Herausg. v. J. M. Lappenberg. 

Stuttgart 1861. Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart, Nr. 58. 

Näheres über diese Ausgabe in Braunes Neudruck, S. XV f. 
3.) Niederdeutsche Scherzgedichte von Johann Lauremberg. 1652. Mit Einleitung, 

Anmerkungen und Glossar von Wilhelm Braune. Halle 1879. 
4.) Laurembergs handschriftlicher Nachlass, veröifentl. im Ndd. Jb. XIII, S. 42—54 

von Johannes Bolte. 

IL üebersetzungen der Scherzgedichte. 

1.) Fire Skjcemte-Digte u. s. w. Udi god gammel Neddersaxisk rimed ved Hans 
Willmsen L. Bost og nu fardansket. Prentet i Aar MDCLII. 

la.) Neue Ausgabe dieser Uebersetzung von J. Paludan: Hans Willmsen Laurem- 
bergs Fire skjcemtedigte i dansk overseettelse fra 1652. Kj0benhavn 1889. 

2.) Dicr / SC£?<ES§»<5(ED3€£?Q:€ / 3U / lajitger §eitoertreibung / aus tlieber^: 
fdd^ftfd^er 2lbfaf[un9 / geljoc^beutfdjet / von / Z)er X)td}tfun{i £tebi|abern. / IM 
Ial|r aLs Ijler Die (ELbe fLojfe. (Verfasser Dedekind. Näheres s. Braune 
a. a. 0. S. XIII f.) 

III. Zur Textkritik und Texterklärung der Scherzgedichte. 

1.) Lappenberg und Braune in den Anmerkungen und Glossaren zu ihren 

Ausgaben. 
2.) E. Müller: Zu Johann Lauremberg, Cöthen 1870. Progr. 
3.) Fr. Latendorf: Zu Laurembergs Scherzgedichten. Ein kritischer Beitrag 

zu Lappenbergs Ausgabe. Rostock 1875. (Vgl. auch seine beiden Aufsätze 

in der Germania XIX, 351 und XXI, 53—66). 
4.) R. Sprenger: Zu Laurembergs Scherzgedichten. Ndd. Jb. V, S. 186. 

Ders. Zu J. Laurembergs Scherzgedichten. Ndd. Jb. XV, 84—91. 
5) Niederd. Korrespondenzblatt: XII, 3 S. 37 f. XIII, 1 S. 3 f. XV, 4 S. 53 

u. 84 ff. Beiträge von Schlüter, Sandvoss, Puls und Bernhardt. 
6.) Beiträge zur Kunde der indogermanischen Sprachen: XIX, S. 227 ff. 

(Burchardi.) 
7.) Zs. f. deutsche Ph. XXI, S. 256 (H. Gering). 

IV. Andere Schriften Laurembergs. 

1.) Das vollständigste Verzeichnis der übrigen poetischen wie der wissenschaft- 
lichen Werke des Dichters bringt Lappenberg a. a. 0. S. 183—193. Daselbst 
auch ein Abdruck der *Satyra' und 'Querimonia'. 

2.) Neudrucke der plattdeutschen Zwischenspiele finden sich im Ndd. Jb. Bd. III, 
S. 91—100, XI, S. 145-150 und XIII, S. 45 f. 

3.) Erneuter Abdruck der Satyra und eines lat. Trauergedichtes auf den Tod des 
1653 verstorbenen ehemaligen Leiters der Soröer Akademie Ramel bei L. Daae 
(s. bei V. 7). 



54 

V. Allgemeines über Lauremberg. 

1.) Daniel Georg Morhof: Unterricht von der teutschen Sprache und Poesie, 
Kiel 1682, S. 749 f. 

2.) J. G lassen: Ueber das Leben und die Schriften des Dichters Johann 
Lauremberg, Ijübeck 1841. 

3.) Jakob Grimm in Pfeiffers Germania II, 298—304 u. 445. (Kleine Schriften 
VII, 414—419). 

4.) J. M. Lappenberg a. a. 0. S. 153 — 182. 

5.) W. Braune: a. a. 0. S. V— IX. 

6.) Erich Schmidt: Allgem. deutsche Biographie, Bd. XVIII, S. 58. 

7.) L. Daae: Gm Humanisten og Satirikeren Johan Lauremberg ^ Christiania 1884, 

8.) Paul Schütze: Johann Lauremberg, ein plattdeutscher Satiriker des 17. Jahr- 
hunderts. Zs. f. allgem. Gesch. Bd. IV (1887) S. 62—72. 

9.) Max Koch: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. II. Sect. 

T. 42, S. 249 f. 
10.) Joh. Bolte in Zs. f. d. Ph. XXI, 464 ff. (Nachweis über Laurembergs Ver- 
heiratung mit Maria Lilie.) 

Die bisherigen Ansichten über Art nnd Zeit der Abfassung 

' der Seherzgedichte. 

Alb. Bartholin behauptet in De scriptis Danorum, Hafniae 1699, 
S. 75, dass das Hauptwerk unseres Dichters schon 1648 in Kopen- 
hagen erschienen sei. Ein Druck dieses Jahres hat sich bis heute 
nicht nachweisen lassen. Wir halten daher mit J. Grimm und den 
neueren Herausgebern der Schgg. an dem Jahre 1652 als Zeit der 
ersten Herausgabe der Satiren fest. Die ersten Untersuchungen über 
die Abfassungszeit gehen auf J. Grimm zurück. Sie bilden einen Teil 
jenes kurzen Aufsatzes über Johann Lauremberg, den er in Pfeiffers 
Germania Bd. II S. 298 — 304 veröffentlichte. Er kam dabei zu 
keinem bestimmten Ergebnis, sondern wagte sich nur bis zu der Ver- 
mutung, dass die Schgg. etwa zwischen 1640 und 1648 entstanden 
seien, ^als der Dichter schon in den funfzigen stand ^. Lappenberg 
Hess sich auf die Frage nach der Abfassungszeit gar nicht ein. 
E. Müller beantwortete sie auch nicht unmittelbar; aber er rückte 
ihr doch näher, indem er die grosse Wasserflut, worauf L. III, 419 f. 
anspielt, zeitlich festzulegen suchte. Er glaubte nach einem Epigramme 
Logaus ;,Von dem nassen Jahr 1649^ die Stelle auf dieses Jahr 
beziehen zu müssen^). Latendorf dagegen setzte das Naturereignis 
in das Jahr 1651 und stützte sich dabei auf eine Angabe des 
Theatrum Europaeum VII, 137 ff., wo ^von schädlicher Ergiessung 
der Wasser und dahero erfolgtem Schaden^ aus vielen Teilen Europas 
berichtet wird^). Wilhelm Braune zog diese Angabe der MüUerschen 
vor, weil nach seiner Ansicht auch alle anderen chronologischen 
Indizien für das Jahr 1651 als Entstehungszeit der Satiren sprechen^). 
Er meint mit diesen Indizien bes. I 128, wo L. seiner vierzigjährigen 
schriftstellerischen Thätigkeit Erwähnung thut, und I 307, wo er von 
seinen vor vierzig Jahren unternommenen grossen Keisen siDricht. 



*) E. Müller a. a. 0. S. 31. — ^ Latendorf a. a. 0. S. 5. — ») Brauue 
a. a. 0. S. VII und S. 80. 



55 

1610 hatte L. mit dem Drama „Pompejus^ seine erste poetische, 

1611 mit der Herausgabe der Schrift des Proklos ;,De Sphaera^ seine 
erste wissenschaftliche Arbeit der Oeffentlichkeit übergeben; 1612 
ging er auf Reisen. Jene Verse müssen also um 1651 geschrieben 
sein, und Braune schliesst daraus, dass das ganze Werk in jenem 
Jahre entstanden ist. Damit schien die Frage nach der Abfassungs- 
zeit der Schgg. erledigt. 

Da kam 8 Jahre später Johannes Bolte mit der Collation einer 
handschriftlichen Fassung der Schgg. im Ndd. Jb. XIII, S. 42 — 54. Sie 
ist im ^Mscr. Gamle kongelige Sämling 2069^ zu Kopenhagen 
erhalten, das — trotz Bolte! — als ein Autographon zu gelten hat. 
In ihr fehlt jeder Bericht von grossen Reisen des Dichters, nach ihr 
schriftstellerte L. nicht seit .^vertich'', sondern erst seit ^.veertein^' 
Jahren. Zwei Hauptargumente von Braunes Beweisführung waren 
also hinfällig geworden. Das dritte (Erwähnung der grossen Flut) 
war zu zweifelhafter Natur, um allein das Jahr 1651 als Entstehungs- 
zeit der Schgg. zu rechtfertigen. Braunes Hypothese war somit un- 
haltbar geworden. Bolte hat eine neue an ihre Stelle gesetzt, die 
sich in folgenden Sätzen zusammenfassen lässt: 
1.) Die Handschrift Gamle kongelige Sämling 2069 ist eine Vor- 
stufe, nicht etwa eine abgekürzte Kopie der 1652 im Druck 
erschienenen Satiren^). 
2.) Die Handschrift ist in den dreissiger Jahren des 17. Jhs. ent- 
standen^). 
3.) Die Handschrift ist die älteste nachweisbare Fassung der Schgg.^). 
Eine genaue Prüfung dieser drei Sätze wird die erste Aufgabe der 
vorliegenden Arbeit sein. Sie lässt uns wichtige Ergebnisse über die 
Art und die Zeit der Abfassung unserer Satire gewinnen. 

lieber das Verhältnis von H zu D.*) 

Suchen wir zunächst die unterschiede und das Gemeinsame der 
beiden Fassungen festzustellen. 

Der Titel lautet in H kürzer als in D: Skimpgedichte, / Van 
ethken Stücken, na der itz / gehrückliken Mode^ / Alse^ Kleder, Sprake, 
Poesie, &c. / In Nedderdiidisk gerimet. Der Verfasser bleibt ungenannt. 
Die Einteilung in vier Gedichte fehlt; die Satire ist in einem Zuge 
niedergeschrieben. Von V. *380 an hüllt L. seine Gedanken in die 
Form eines Briefes, den ein ungenannter Freund an Hans Wilmsen 
richtet. Der ^Inholf findet sich in beiden Rezensionen, die kleine 
Widmung an den Leser dagegen nur in D. 

Die Zahl der Verse ist in H viel geringer als in D. Die Druck- 
version umfasst im ganzen 2628 Verse (4 -+- 42 -f- 456 + 798 
494 + 696 4- 138)^), die handschriftliche dagegen nur 1752 (42 



: 1) Ndd. Jb. XIII, S. 48. — ^) a. a. 0. S. 49. - ^J a. a. 0. S. 47. — *) Mit 

II bezeichnet schon Bolte den Text der Handschrift, mit 1) den Druck von 1652. 

I Kill Stern vor den Versangaben verweist auf die Verse der Handschrift. — ^) Nach 
Bolte 2624; er hat die 4 einleitenden Verse an den Leser nicht mitgezählt. 



56 



1710), also 876 Verse weniger. Genauer gefasst hat D 950 Sonder- 
verse, denen 74 Sonderverse in H gegenüberstehen. Die nachstehende 
Tabelle diene zur Veranschaulichung. 



stellang 

der Sonderverse 

von D. 


•ss- 


Stellang 

der Sonderverse 

von H. 


Zahl 
derselb. 


SteUung 

der Sonderverse 

von D. 


Zahl 
derselb. 


Stellung 
der Sonderverse 
von H. 


Zahl 1 
derselb. | 


Dem Leser 


4 

64 

10 

5 

2 

• • 

2 
6 
2 
2 

55 
160 
2 
4 
8 
2 

28 








356 




38 


LGed. 231-294 

303-312 

315-319 

455 u. 456 

IL Gedicht . . 
57 u. 58 
169 174 


Nach I 302 
„ I 314 
. 1 454 
« II 20 
„ II 56 
„ II 168 


• • 

2 

1 
10 
6 
2 
2 


IL Ged. 593—594 
599 602 
611—798 

IIL Ged. 1—150 
189—196 
247—250 


2 

4 

188 

150 

8 

4 


Nach li 610 

„" III 246* 
„ III 356 

r, in 412 

„* *IV 486" 

„* IV 696* 
„ Beschl. 2 


• ■ 

• « 

6 

• • 
• 

2 

9, 


181—182*) 
189-190 






9. 






483-494 
IV. Ged. 1—30 
99-102 


12 

30 

4 




251—305 
339 498 


„ II 250 


9 


a • 


523—524 






4 


527-530 
535—542 


„ II 526 
„ II 534 


2 
2 


609—668 


60 


4 


545—546 


Beschl. 3—134 


132 


16 


563—590 


„ II 562 


2 




Summe 


356 


Summe 


38 


Summe 


950 


Summe 


74 



Die Thatsache, dass jede der beiden Fassungen gewisse nur ihr 
eigentümliche Verse hat, zeigt deutlich, dass sie sich als selbständige 
Redaktionen gegenüberstehen. Es fragt sich nur, welche von ihnen 
die frühere Fassung der Satire darstellt. 

Wunderlich wäre es, wenn D früher entstanden sein sollte. 
Schon Bolte meint mit Recht: „Ich wüsste keinen Grund, weshalb 
Lauremberg 'oder jemand anders die seit ihrem Erscheinen äusserst 
beliebten Schgg. hätte umarbeiten und verkürzen sollen. ^^) Dagegen 
lassen sich die 950 Sonderverse von D sehr wohl als spätere Zusätze 
erklären. Sie bringen wenig eigentlich neue Gesichtspunkte, selten 
einen Fortschritt in den Gang der Satire; sie kennzeichnen sich der 
Mehrzahl nach als weitere Ausführungen derselben Grundgedanken, 
wie sie durch neuauftauchende Moden u. s. w. bedingt waren ^). Man 
betrachte z. B. die Verse I 231—294. Schon I 221—230 (H *221— 230) 
hat 'sich der Dichter in Zornesausbrüchen über den allmächtigen 
Einfluss ergangen, den Frankreich auf die heranwachsende deutsche 
Jugend ausübe. Nach diesem kurzen, kräftigen Ausfall kehrt er in 
H wieder zu den mannigfachen Betrachtungen zurück, auf die ihn 
die pythagoräische Seelenwanderungslehre gebracht hat. In D dagegen 
wird der Angriff gegen die Franzosentümelei in zwei lang aus- 
gesponnenen Vergleichen (I 231 — 294) erneuert. Die Verse I 303 — 312 
und 315 — 319 sagen in umständlicherer und eindringlicherer Form 
dasselbe, was in H bereits in die Verse gefasst ist: 



*)• Diese beiden Sonderverse von D bat Bolte übersehen. — '-^j Ndd. Jb. XIII, 
S. 48. - 8) Ndd. Jb. XIII, S. 47. 



57 

*231 Wen ick also den loep der üjsgen Weld betrachte^ 
(Tgl. 1 295) 

*239 so feit my echter in etwaß dat noch iß slimmer, 

*240 wyl eine fantasie der andern folget immer, 

off ocJc eins Minsken lyff vam ölder einen sprunck 
kond in de Jöget dohn, vnd werden wedder junk, 
wen he skoen paßlyk wehr io sinen jähren kamen. 

Neue Trachten und Modeartikel, wie sie zur Zeit der Abfassung 
von H noch nicht vorhanden waren, bedingten die Sonderverse 
II 339—496; 563—590 und 611—798. Die Verse II 535—542 (für 
H *7 1 1 f.) sind nur eine Ausmalung des schon in H vorkommenden Bildes : 

wen my hegündt to rumlen de bueck, 
plecht my woll eine gelikenisse tho entkahmen, 
*710 als einem de Skaffönnie hefft ingenahmen. 

Auch die Einleitung des III. Gedichtes (1 — 150) ist nicht viel mehr 
als eine weitläufige Umschreibung der 6 überleitenden Verse von H: 

Dit alles hedde nicht vel tho hedüden, 
wen keine andere doerheit were by den lüden, 
de aller bedröveste und slimmeste sake 
*750 iß de nie almodiske sprake, u. s. w. 

Die Verse IV 609 — 668 endlich würde L. niemals in einer späteren 
Fassung seiner Satire ausgemerzt haben. Denn beredtere Fürsprecher 
für den Wert seiner Muttersprache als z. B. den Reinke Vos konnte 
er den Vertretern hochdeutscher Sprache und Dichtung nicht ent- 
gegenhalten. Diese und andere Erweiterungen, auf die ich ihres 
geringen ümfangs wegen nicht eingehe, machen auch die Abweichungen 
des ;,Beschluth" (D) vom Epilog (H) erklärlich. Denn bei so mannig- 
fachen Zusätzen liess sich der Bericht von H, dass ,,dat lumpenwer¥^ 
an drei freien Mittwochen entstanden sei, nicht mehr aufrecht erhalten. 
An seine Stelle mussten andere Schlussworte treten : wir lesen sie im 
;,Beschluth* der Druckausgabe. 

Gar manchmal stösst man auch in H auf stilistische und 
metrische Härten, die sich in D nicht wiederfinden^). So lautet 
der Vers II 127 in H *521: Mochte idt dar by syn gebleven, were idt 
gcedt, in D dagegen glatter: Mochte idt dar by bliven, were idt goedt. 
Man findet in H oft 5 und mehr einsilbige Wörter untereinander, 
die in D z. T. durch mehrsilbige ersetzt sind. 

Vgl. *203: dat geit so rund herum, alß ging idt in den skrencken H 

I 203 Dat geit so rundt her&m, gelick als in den Schrenken D; 



*) Auf eine Untersuchung der lautlichen Verschiedenheiten beider Versionen 
habe ich verzichtet, da es z. Z. der Abfassung dieser Arbeit noch ungewiss war, 
ob H ein Autograph des Dichters sei oder nicht. Mittlerweile hat Herr Prof. 
Edward Schröder durch genaue Vergleichung der Kopenhagener Hs. mit dem anderen 
handschriftlichen Nachlass Laurembergs festgestellt, dass H von des Dichters 
eigner Hand herrührt. Näheres darüber s. in Schröders Einleitung zu dem Abdruck 
der handschriftlichen Version, welcher als V. Bändchen der „Drucke des Vereins 
für niederdeutsche Sprachforschung" noch in diesem Jahr erscheinen wird. 



58 

*366 idt hülp doch nicht H: I 442 dat hülpe nicht D; 

*897 vnd leep hen na der "koken H: III 305 und ronde na der K. D. 

Manchmal begegnet man in H Pleonasmen, übertreibendem Ausdruck 
und tautologischen Zwillingsformeln, die in D keinen Platz gefunden 
haben : 

*375 damit he wurd so wiedt vnd dick alß ere kragen H 

I, 451 Damit hew^rd gelyck so wyt als ere kragen D; 

*422 dardörch Gottes stiffting werd spötlyck verachtet H 

II, 28 Dardörch GOttes Stiffting werd verachtet D; 

*596 so iß vor allen dingen hoch van nöden H 
II, 210 So is gewis vor allen dingen van nbden D; 

*1002 redet der Dichter nach H von einem groff buerknulle, an der 
entsprechenden Stelle in D III 408 genügt ihm ein buerkmdle. 

Auch sonst zeigen in D einzelne Verse Abweichungen von H, 
die man nur als Verbesserungen auffassen kann. Es trifft sich in H 
des öfteren, dass man nach einer ganzen Reihe von regelrechten 
Alexandrinern plötzlich auf einen Vers stösst, der den für jenes 
Versmass geltenden Gesetzen nur gewaltsam oder garnicht entspricht. 
In D jedoch sind solche Verse den übrigen jambischen Sechsfüsslern 
hübsch angeglichen. So: 

*91 dat Middel is dat best. Mine gdancken wil ick wenden H 
I, 91 Dat Middel is dat best, Myn uunschcnt wil ick wenden D; 

*937 f. juwe sprake tvas verplümpert, de wörde de gy spreken 

weren tho samen geskraept uth düdskland^ franckryck, greken II 

III, 345 f. Idt was jo althomahl verplumpert wat gy spreken^ 

Idt was tho Samen schrapt uth D., Fr., Gr. D. 

Weitere Belege s. III 330. 343. 406 = *922. *935. *1000. 

So macht D den Eindruck einer auch im Detail sorgfältigeren 
Ueberarbeitung von H, und wir können nach all diesen Belegen dem 
ersten der Bolteschen Sätze beistimmen und H als einen Vorläufer 
von D bezeichnen. 

Das Datum der Handschrift. 

Bolte beginnt seine Untersuchung über das Alter von H mit 
dem Geständnis, dass ihm zu einer genaueren chronologischen 
Bestimmung seines Fundstücks leider so gut wie jeglicher feste Anhalt 
fehle ^). Er versucht deshalb ihr Alter nur ungefähr zu bestimmen 
und stützt sich dabei hauptsächlich auf den Vers I 128, der in H 
lautet: 

*128 ick hebb in veertein jar vel bagen vul geskr'even. 

Als Schreibfehler will er veertein nicht gelten lassen ; es handelt 
sich also um die Frage, von wo ab die vierzehn Jahre zu rechnen 
sind. Bolte rät auf 1618 oder 1623. 1618 wurde L. Professor in 



Ndd. Jb. XIII, S. 48. 



59 

Rostock, 1623 in Soroe. Danach fiele die Entstehung von H in die 
dreissiger Jahre, in denen auch die den Schgg. in vielen Punkten ver- 
wandte ,Satyra" unseres Dichters und die ;,Acerra philologica^ seines 
Bruders Peter entstanden sind. Bezüglich der *1015 ff. (= III 419 ff.) 
erwähnten Wasserflut meint Bolte, es werde sich wohl auch in früheren 
Jahren ein derartiges Naturereignis nachweisen lassen.^) Ich will die 
Richtigkeit dieser Behauptung vorläufig dahingestellt sein lassen. Nur 
hätte man füglich verlangen können, dass Bolte wenigstens den Versuch 
gemacht hätte, seine Behauptung durch einen historischen Nachweis 
zu stützen. 

Ebenso scheint mir die Wahl der Jahre 1618 oder 1623 als 
Anfangspunkte der schriftstellerischen Thätigkeit Lauremhergs — denn 
nur darauf kann doch der Vers I 128 anspielen — jeder Begründung 
zu entbehren. Denn unser Dichter begann nicht erst als Professor 
in Rostock oder Soroe für die Oeffentlichkeit zu schreiben, sondern, 
wie Lappenberg nachweist, schon im Jahre 1610. Dieses Jahr nahm 
auch Braune als Ausgangspunkt seiner Berechnung über die Ent- 
stehungszeit der Scherzgedichte an; und man wird sehen, dass es 
ebenso zur Datierung von H sehr gut benutzt werden kann. 

Gewisse Berührungspunkte mit der Acerra philologica und der 
Satyra sind allerdings nicht abzuleugnen. Doch kann diese Thatsache 
allein uns nicht bestimmen, die dreissiger Jahre als Entstehungszeit 
der Handschrift anzusehen, zumal wenn man bedenkt, dass L. die 
Acerra jahrelang zu den Uebersetzungen seiner Schüler ins Lateinische 
brauchte.^) Die mythologischen Anspielungen in den Schgg. können 
also gerade so gut auch in späteren Jahren entlehnt sein. 

Die Schgg. geben übrigens viel zuverlässigere Anhaltspunkte zur 
chronologischen Bestimmung von H. Um gleich einen der sichersten 
von ihnen zu nennen, verweise ich auf (III 291 f. =) 

H*883f. : se bilden sich v'el in, vnd willen gröter syn^ 
alß am frantsiösken hoff cardinal Maisarin. 

Danach kann H auf keinen Fall vor dem Jahre 1643 
entstanden sein, denn der Erbe Richelieus spielte bekanntlich seine 
grosse Rolle erst, als er sich nach dem Tode Ludwigs XIII (1643) 
mit seiner früheren Gegnerin, der Königin Anna, ausgesöhnt hatte. 
Aber selbst das Jahr 1643 scheint mir noch zu früh gegriffen, denn 
damals war Mazarins Stellung noch lange nicht so gefestigt, sein 
Name im Auslande sicherlich noch nicht so bekannt, dass L. ihn 
schon um diese Zeit als jedermann verständliches Beispiel unum- 
schränkter Machtvollkommenheit hätte hinstellen können. Man hat 
also allen Grund, schon auf dieses Argument hin die Entstehungszeit 
von H. einige Jahre nach 1643 anzusetzen. 

Dafür sprechen auch die Anspielungen auf das Alter des Dichters, 
die — entgegen Boltes Meinung — bereits in II Platz gefunden haben. 
Man lese folgende Verse: 

a. a. 0. S. 49. — *^) Lappenberg, a. a. 0. S. 213. 



60 

*231 Wen ick also den loep der itzgen Weld betrachte^ 
(1 295) dar my de dulle lehr Pythagorae tho brachte^ 

*239 so feit my echter in etwaß dat noch iß slimmer^ 
*240 wyl eine fanta^ie der andern folget immer^ 

off ock eins Minsken lyff vam older einen sprunck 
kond in de Jöget dohn, vnd werden wedder junck, 
*243 wen he skoen pafslyck wehr tho sinen jähren kamen, 

und weiterhin (I 393 =) *317 ff.: 

Men wen sonst jemand wehr^ 

*321 de my off nehmen kond des Older s ungemack 
(I 397) vnd alles wat myn lyff vnd gleder maket swack^ 
dat ick würd wedderüm so frisk up mine vöte^ 
400 alß noch iß unverrückt min hert vnd min gemötc^ 
vnd dat ick reisen kond^ so als ick heff gcdahn 
do ick anfink de weld erst Um de Ohm tho slaen. 
wen einer my also ver jungen kond myn leven, 
dem tvold ick sülken lohn vnd recompense geven^ 
405 dat he skdd mit my syn tho freden u. s. w. 

Einen deutlicheren Hinweis auf das Alter des Dichters braucht man 
sich nicht zu wünschen. Eine solche Sprache kann L. unmöglich 
schon in den dreissiger Jahren des 17. Jhs., also in seinem kräftigsten 
Lebensalter, geführt haben. Nein, der Mann, der hier die goldene 
Jugendzeit zurückwünscht, ist ein schwacher, müder Greis, ein Greis, 
nicht viel jünger als jener, der in D so sehnsuchtsvoll ausruft: 

I 305 Och kond idt doch gescheen^ 

Dat ick noch einmal mocht dat wedderhmme sehn, 
Wat ick vor veertich Jar gesehn in fremden Landen. 



311 kond ick wedderüm an myn Junckdohm geraden! 

Deutlicher noch als diese Herzensergiessungen des Dichters lässt 
eine Anspielung auf einen damals erschienenen immerwährenden 
Kalender die Entstehungszeit von H ermitteln. Es heisst da in 
(I 407 ff. =) *331 ff.: 

Denn glyck alß nu dorch möy und arbeitt v'der stunden, 
ein Ewigwehrender Calender iß erfunden, 
de twintich dusent jähr ahn feil skal richtig gähn, 
wen skon de Weld nicht mehr alß vöfftig würde stahn; 
gelyker wise hebb ick eine Ewiguehrend Mode, 
van kledern uthgedacht, u. s. w. 

Die eigentliche Blütezeit der immerwährenden Kalender fällt zwar in 
das 16. Jh., doch kamen auch zu L.s Zeit noch viele dieser Prognostika 
heraus. Aber L.s Bemerkung erfunden dorch möy und arbeitt veler 
stunden scheint die landläufigen Erzeugnisse dieser Art auszuschliessen, 
sie lässt auf ein ausserge wohnlich fleissiges Werk schliessen, an dessen 



61 

Zustandekommen — wie L. wusste — jahrelang gearbeitet war. 
Ein solches ist nun in der That i. J. 1648 in Kopenhagen in 
dänischer Sprache erschienen. Es ist der immerwährende Kalender 
des Jens Lauritzs0n Wolf.^) Er umfasst auf 768 Seiten ausser 
dem eigentlichen Kalendarium und der zugehörigen Praktik ein 
biblisches Zeitregister von der Erschaffung der Welt bis zum Jahre 
100 n. Chr. und eine ebenso annalistisch gehaltene Geschichte Däne- 
marks von der Sintflut bis zum Tode Christians IV. (28. Febr. 1648). 
In der Widmung an den Bürgermeister und Eat von Kopenhagen 
sagt der Verfasser selbst, dass er Jahre lang und unter Benutzung 
einer reichen einschlägigen Litteratur an dem Werke gearbeitet habe, 
das bisher noch keinen Vorläufer in dänischer Sprache gehabt (som 
tüforn icke paa Danske vceret hafver^ S. 10 der Dedicatio). Es war 
schon seit dem 2. April 1639 z. T. beendet und bis zum 5. Okt. 1640 
von dem Mathematikprofessor Christian Longomontanus, dem Lehrer 
des Verfassers, nachgeprüft worden, doch wurde seine Herausgabe 
durch den dänisch-schwedischen Krieg verzögert; und erst im Jahre 
1648 gelang es dem 64jährigen Verfasser, sein Lebenswerk an die 
Oeffentlichkeit zu bringen (S. 14 der Ded.). In der Erklärung zur 
ersten Tafel des Kalenders, auf der die zur Berechnung des Jahres- 
kalenders notwendigen Sonnenzirkel, Sonntagsbuchstaben und Goldenen 
Zahlen bis zum Jahre 2128 aufgeführt sind, sagt der Verfasser stolz, 
dass man die Berechnung in der von ihm angegebenen Weise immer 
weiter fortsetzen könne, ;, falls es möglich wäre, dass die Welt so 
lange stehn könnte^. (Oc kand det videre udstrecke sig om det var 
mueligt, at Verden saa Icnge künde staa, S. 34). Die spöttische 
Bemerkung, die L. *333 f. (= I 409 f.) über die Unfehlbarkeit des 
Kalenders macht, ist zweifellos durch diese selbstbewusste Bemerkung 
des Verfassers veranlasst worden. 

Es gilt nun die Frage, ob der bereits erwähnte Bericht von 
der grossen Wasserflut *1015 flf. (= III 419) sich in Beziehung 
zu dem durch Wolfs Kalender ermittelten Datum bringen lässt. Dem 
Zeugnis Merlans zufolge, der das reichste Material in dieser Beziehung 
bietet, ist das allerdings der Fall. Er meldet zwar aus dem Jahre 
1648 keine besonders grossen Wasserschäden. Dagegen verzeichnet er 
für die Jahre 1649 — 1652 eine Fülle von Ueberschwemmungsberichten. 
Für das Jahr 1649, das auch Logau das ^nasse^ nennt, berichtet er 
allein von 14 grossen Wasserschäden, von denen die verschiedensten 
Teile Europas heimgesucht wurden (Deutschland, Dänemark, Oester- 

*) Der genaue Titel des sehr seltenen Werkes lautet: Diarium sive Calen- 
darium / ecclesiasticum, politicum / et osconomicum perpetuum, j Det er : j En evig- 
varende Kirche, Poh'ltisk oc Huufsholdings Galender, udi trende / Parter affdeelet. / 
Folgt Inhaltsangabe der 3 Teile, dann: Stjlet oc sammenskrefvet ved / Jens Lau- 
ritzsßn W, Boghandler i Ki0benhafn. Prentet i KiQbenhaffn, äff Peter Hake / 
Aar MDC. XL VIII. — Ich verdanke den Nachweis des Kalenders Herrn Professor 
Dr. Georg Hellmann in Berlin. Ihm sowie der Direktion der Kgl. Bibliothek zu 
Kopenhagen, die mir das Werk bereitwilligst zur Einsicht überliess, sage ich hiermit 
meinen herzlichen Dank. 



62 

reichj Holland, Brabant, das Etschgebiet, die lombardische Tiefebene 
u. s. w.) ^) Von den folgenden Jahren zeichnet sich besonders das Jahr 
1651 durch grosse, weit und breit auftretende Ueberschwemmungen 
aus (19 verschiedene Berichte.)^) Danach lässt sich die Anspielung 
des Dichters wohl auf das Jahr 1649 beziehen; sie konnte aber auch 
im Drucke noch stehen bleiben, da das Jahr 1651 dem genannten an 
Menge und Ausdehnung der Wasserschäden durchaus nicht nachstand. 
Und nun frage man sich noch einmal, ob in dem veertein jar 
der Handschrift gegenüber dem vertich des Drucks mehr als ein Schreib- 
fehler zu sehen ist. *128 ick hehb in veertein jar vel tagen vul 
geskreven — das muss falsch sein! Denn da die 14 Jahre, wie bereits 
erwähnt, nur von 1610 ab gerechnet werden können, so müssten die 
Anfänge unserer Satire auf das Jahr 1624 zurückgehen. Damals gab 
es aber noch gar keine Alamodesatire.^) Es bleibt also nur die 
Annahme eines Schreibfehlers übrig, und zwar eines Schreibfehlers 
für vertich ; denn keine der in Betracht kommenden Zahlen hätte ein 
solches Versehen eher ermöglicht als diese. Die Zahl vertich verträgt 
sich aber auch als allgemeine Zeitbestimmung mit dem Wasser- 
bericht von 1649 ebensowohl wie die Anspielungen auf den ein 
Jahr früher erschienenen Kalender, auf den damals noch allmäch- 
tigen Mazarin und auf das hohe Alter des Dichters. Somit wird 
Boltes einzige chronologische Stütze vielmehr zu einem letzten Beleg 
für meine Auffassung, nach der als Datum der handschrift- 
lichen Version der Scherzgedichte frühestens das Jahr 1649 
anzusetzen ist. 

Ist H die älteste Fassung der Scherzgedichte? 

L. sagt am Schlüsse seiner Satire in H *1691 ff., er habe dat lumpen- 
werk, sm drei freien Mittwochen zu seiner Erholung gedichtet. Doch 
wenn er das Werkchen thatsächlich in so kurzer Zeit verfasst hätte, 
dann wäre zu erwarten, dass er bei einem so einfachen Plane, wie 
ihn H aufweist, sich keine Widersprüche und Inkonsequenzen habe 
zu Schulden kommen lassen. Und doch finden sich deren in H mehrere, 
die dem aufmerksamen Leser sofort auffallen müssen. 

Man verfolge einmal diese Version von V. *380*) ab. Mit diesem 
Verse wird der Brief eingeführt, den ein ungenannter Freund an den 
Dichter richtet. Der Schreiber beginnt mit der formgemässen Einleitung : 

*389 Myn gode fründ, Hans Wilmsen, gy skolen weten u. s. w., 

erklärt dem Adressaten den Zweck des Briefes und geht dann an die 
Darlegung seiner Eeflexionen über die Missbräuche der Zeitgenossen. 
Das Ganze schliesst mit dem üblichen Gruss an den fernen Freund 
und dessen Angehörige. Insoweit wäre gegen die epistelartige Ein- 
kleidung nichts einzuwenden. Aber lässt man die Einleitung und den 



^) S. Merlan, Theatr. Europ. VI, S. 1017—1020. — ^) ibd. VII. S. 1037 ff. 
— 3) Vgl. unten S. 79, Anm. 2. — *) Ndd. Jb. XIII. S. 50. 



63 

Scliluss ausser acht und betrachtet den Kern des Schreibens, so wird 
es einem bald auffallen, dass nun der anonyme Briefschreiber mit 
keinem Wörtchen mehr seines Freundes gedenkt. Er scheint ihn 
vollständig vergessen zu haben und redet mit ganz anderen Menschen : 
er lässt sich in einen Disput mit einer fingierten Persönlichkeit, Matz 
Pump, ein, der sich über seine Vergleiche lustig zu machen wagte ^); 
er wendet sich an seine Landsmänninnen und giebt ihnen den guten 
Rat: wen juw einer dame heet^ slaet em an de ohrn^)] ja, er findet es 
sogar passend, mitten in seinem Schreiben an Hans Wilmsen ein 
Publikum, das gar nicht für ihn vorhanden sein sollte, um Vergebung 
zu bitten für seine mannigfachen Ausfälle gegen die Sprachmengerei 
seiner Zeitgenossen.^) Und nach diesen doch offenbar für die Oefi*entlich- 
keit berechneten Stellen scheut er sich nicht, von dem guten Freunde 
zu verlangen, er möge seine Worte doch ja nicht unter die Leute 
tragen.*) 

Aber der Widersprüche sind noch mehr. L. bezeichnet in der 
Einleitung zu dem Briefe seinen Freund als einen Dichter der alten 
Schule. Er sagt von ihm: 

*383 f. syn Stil iß nicht formeert alß nu de Nien poeten 
afftellen ere Bym.^ 

Der Unbekannte giebt zudem selber an, dass er von vielen für einen 
Poeten gehalten werde : twaer nicht vor almodisk^ men van der art der 
dden (*412). Die Verse der ^neuen Poeten^ kennzeichnen sich 
bekanntlich durch genaue Beobachtung der von Opitz aufgestellten 
metrischen Gesetze. Die ^Olden* jener Zeit dagegen sind Feinde 
jeglichen Zwangs im Versbau.^) Freie, auch nicht durch die Silbenzahl 
beschränkte Eeimzeilen geben die Form für ihre poetischen Ergüsse 
ab.®) Solche freien Verse sollte man allein in unserer Epistel erwarten. 
Gleichwohl begegnet man darin z. B. von *857 (= III 265) ab einem 
132 Verse umfassenden Abschnitt in reinen Alexandrinern. Wie 
sonderbar nimmt sich neben dieser Thatsache die wuchtige Ver- 
theidigung des alten Versmasses in *1499 fi*. (= IV 455 ff.) aus! 

Und nun der stärkste Widerspruch am Schlüsse der Satire. 
Soeben hat der fremde Schreiber seinen Brief mit dem üblichen Grusse 
an seinen Freund und dessen Familie abgeschlossen, da beginnt L. 
schon im nächsten Verse *1689 (= Beschl. 1): 

Wd disse mine Rym werd lesen edder hören ^ 

u. s. w. 

Der Dichter hätte an einer unglaublichen Vergessenheit leiden müssen, 
wenn er diese Verse in ein und demselben Entwürfe hinter einander 
niedergeschrieben hätte. Mochte er auch bei seinen Lesern voraus- 
setzen, dass sie ihn unter der Maske jenes Anonymus wohl erkannt 



») *707 ff. (= II 531). — «) *856 (= III 264). — ») *857 (= III 265). — 
*) *1686, Ndd. Jb. XIII, S. 53. — ») Man vgl. L.'s eigenes Urteil im IV. Ged. 
~ •) Ich denke dabei natürlich nur an die niederdeutschen Dichter; vgl. dazu 

unten S. 69. 



64 

hätten, er durfte darum doch nicht so plump aus seiner Rolle fallen. 
Der Epilog sagt da offenbar etwas aus, was auf die handschriftliche 
Version, wenigstens in der Form, in der sie uns vorliegt, nicht mehr 
passt. Es bleibt also nach den soeben festgestellten Thatsachen nur 
der Schluss übrig, dass H die Ueberarbeitung einer noch 
älteren Fassung der Scherzgedichte darstellt. Was sich 
etwa über den Umfang, die Form und das Alter dieser älteren Fassung 
nachweisen lässt, mögen die folgenden Untersuchungen zeigen. 

Das Metrum der Seherzgediehte. 

Das Metrum der Schgg. ist bis jetzt einer eingehenderen 
Betrachtung noch nicht gewürdigt worden. Man fand es ganz 
natürlich, dass ein Dichter, der über die Versdrechseleien der zeit- 
genössischen Modepoeten so ergötzlich zu scherzen wusste, sich hin- 
sichtlich der Form seiner Verse die grössten Freiheiten erlaubte. 
Und so lautete das Urteil — ich zitiere hier Braune — : „Laurembergs 
Vers ist zwar der Grundlage nach Alexandriner, aber erweicht 
je nach Belieben in kürzere Versformen, ja geradezu in die altvolks- 
mässigen vierhebigen Reimpaare aus.*^) Im Drucke nehmen die 
Alexandriner der Zahl nach allerdings den ersten Rang ein; denn 
dort sind ungefähr 1500 von 2628 Versen reine Alexandriner. In H 
dagegen gestaltet sich das Verhältnis ganz anders. Hier findet man 
noch keine 700 Alexandriner, denen über 1000 Verse anderer Art 
gegenüber stehen. Die Mehrzahl der Alexandriner (über 800) ist 
also erst auf dem Wege von H zu D hinzugekommen. 

Ganz besonders aber muss es auffallen, dass sowohl die 
Alexandriner von H wie diejenigen von D selten zwischen Versen von 
anderer Form zerstreut sind, in den allermeisten Fällen dagegen 
gruppenweise auftreten. 

So weisen in H die Verse *1— 388 (= D 1—230 -f- 295—302 
-H 313 f. 4- 320—454 + 13 Sonderverse v. H), *857— 988 (= D III 
265—394 -h 2 VV. v. H), *1689— 1710 (Epilog) nur alexandrinisches 
Versmass auf; ausserdem überwiegen die Alexandriner in *995 — 1014 
(III 401—418 + 2 VV. V. H), *1430— 1530 (IV 386—486), 
*1567— 1608 (IV 519—560) und *1657— 1680 (IV 669—692). 
Dass in den Interpolationen von D dieselbe Erscheinung zu Tage 
tritt, beweisen die Stellen: I 231—294; 302—312; 315—319; 
II 273—290; 343—496; 566—590; 641—798; III 11—150 (mit 
85 f. als Unterbrechung) ; 189—196; 491—494; IV 1—30; 645—668 
und der ganze Beschluss. Die wenigen Nichtalexandriner dieser 
Interpolationen gehen entweder den Alexandrinergruppen voraus oder 
folgen ihnen. Der Dichter scheint sich ihrer zu bedienen, um deni 
schroffen Gegensatz zwischen dem Rhythmus der bereits vorhandenen' 
und der neu hinzugetretenen Verse zu verwischen (II, 251 — 272 und 



^) Braune, a. a. 0. S. IX. 



65 

291—305. 563 ff. 611—640. III 483—490. IV 609—644; in all 
diesen Stellen brechen auch gelegentlich Alexandriner durch: II 257 f. 
297. 301 f. 618. 633 f. IV 613 f. 618). So wird es auch ver- 
ständlich, dass Zusätze von geringem Umfange sich dem gerade 
herrschenden Rhythmus vollständig anpassen. (Vgl. II 169 — 174. 
535—542. 545 f. u. aa.)^) 

Die eben festgestellte Erscheinung spricht wenig für Braunes 
Ansicht, dass der Dichter nach Belieben das Versmass wechsele. Aber 
noch weniger kann man an dieser Meinung festhalten, wenn man 
einmal das Augenmerk auf den Bau dieser Alexandriner gerichtet hat. 
L. verfährt dabei mit einer Gewissenhaftigkeit, die man bei ihm nicht 
vermuten sollte. Seine Alexandriner entsprechen fast durchweg den Forde- 
rungen, die man seit Opitz an dieses Versmass zu stellen gewohnt 
war. Der regelmässige Wechsel von Hebung und Senkung ist gewahrt, 
der männliche Reihenschluss nach der dritten Hebung ist vorhanden, 
die Zahl der Silben beträgt bei stumpfem Ausgang 12, bei klingendem 13. 

In den meisten Fällen hält L. auch den gleichmässigen Wechsel 
von männlichen und weiblichen Reimpaaren ein.^) Vgl. dazu in den 
Interpolationen von D sämtliche Zusätze im I. Ged., feiner II 343 — 498 
(mit Ausnahme von 447 f., 459 f. und 469—484). 651—798 (m. A. 
V. 703 f.). III 13—42 (m. A. v. 23 f. und 29 f.). 77—132 (m. A. 
V. 85—92). IV 1—30. 647—666 und den ganzen Beschluss; zu H 
*l-388. 

Die Elision des unbetonten e vor vokalischem Anlaut ist als Regel 
zu betrachten. Beispiele dafür finden sich massenhaft : 

D:^) I 232 Beerte all^ 240 Icene Arstedie^ 292 Halse uhtstorten^ 
310 tcaegde idt; II 190 honde ick, 275 sede einmahl, Mode w, 278 
xamme wwd, 279 stive um, 284 grotste'und^ 302 Mode ew, 349 segge 
ick, 425 dachte ick, 582 sete underm^ 583 wehre idt; III 29 olde 
antiqviteten ; IV 663 JReincke is; B. 54 Burenspyse en, 65 fohle ick, 
117 andere und u. a. m. 

H:*) I 38 Sweerd ersloeg, 51 disse opinion, 161 Nhe ein, 217 
grote Ambassadeurs, 220 sulke Ehr, 225 alle Adelicke, 228 moye und, 
230 Bat stlve in, 358 Stercke als, 400 Herte und, 406 mine olde, 
418 eine andre, 427 Bisse ewigwehrnde, 446 Mode einn; III 287 Huse 
und, 404 Sprake uth; IV 420 eine Vle, 443 Ryme und, 444. 445 
eine is, 448 Juwe eine, 456 wolde idt, 457 juwe edle, 478 Rede anhengt, 
686 antu:orde em; Epilog *1693 segge idt, *1694 möde ifs, gemote etwas. 



') Die Interpolationen des I. Gedichtes, die in rein alexandrinischer Umgebung 
stehen, haben keine Verse anderer Art aufzuweisen. — '^) Aus diesem Grunde 
durfte auch II 725 f. Klempeners : Hudelers als männliches Reimpaar festzuhalten 
nnd nicht, wie Sprenger im Ndd. Jb. XV 84—91 meint, in Sudelers : Hudelers 
umzuwandeln sein. IV 583 f. reimt L. Dnringen : bringen. Vgl. in Strickers 
Hüdesch. Schlömer: Prediger : Lehr (153 f.), Düvel : Hell (3341 f.), Minsche : weh 
(3472 f.). — 3) Mit D sind bei den folg. Belegen die neuen Alexandriner von D, 
mit H diejenigen gemeint, die bereits in der Hdschr. vorkommen. Ich zitiere der 
Einfachheit halber auch sie, soweit möglich, nach dem Druck. 

Niederdeutsches Jahrbuch XXY. ^ 



L. greift zu den mannigfachsten Mitteln, die ihm die Herstellung 
regelrechter Alexandriner ermöglichen müssen. Er thut oft den 
Worten Gewalt an, um den Forderungen des Metrums zu geniigen. 

Am häufigsten nimmt er seine Zuflucht zu Apokopen, Syn- 
kopen, Enklisen.^) So in den folgenden Fällen: 

D : I 242 u. ö. Edr (I 244 edder), 243 Püln (248 PiUen), 244 
u. ö. einr, 279 int\ II 264 woldt {= wolde idt), 305 findt (H findet^ 
345 figurn, 349. 484 gnoech (167 genogsahm), 352 gringen ('Dem Leser' 1. 
IV 518 geringen), 366. 430 u. ö. einn, 368 Angsicht, 382 sinn, 390 
welcks, 475 ungfehr, 587 sUks, 679 bejegnden, 695 Gfehrte, 701 Drund, 
760 u. ö. undr (I 179, 420; III 330 under), Kapp (759 Kappe), 782 
fte^re; III 46. 47. 48 u. ö. edr, 98 Samün (III 618 SammiUen), 134 
andrw; IV 12 14. 660 edr, 652 dcm^, 668 höldn; Beschl. 33 gsundheit, 
95 u. ö. einm, 116 besundr, 119 eins glehrden, 134 D«dr. 

Schon H: I 15 Sins, 19 Eins glehrden, 53 f. woldischold (143 f. 
^oZde : w;oZde), 67. 72. 82 kond (61. 83 u. ö. konde), 69 gnoch (190 
genoch), 98 äc^w, 102 Ordn, 103 Gdanken, 137 da^ andr, 170 da^ 66se 
— dat goed, 173 Zeidr, 174. 368 u. ö. einm, 190. 321 hehn (IV 330 
hebben), 199 gwisse, 323 verjungn (403 verjungen), 346 ;edr (*1710 
;eder), 375 gfallen (*1710 gefallen), 412 Gmenen (232 gemeene), 421 
fccAww (IV 454 kahmen), 439 S^ra/fw; III 266 Ļn^, 268 icfc^, 284 
u;i2{foimn, 289 dantzn, 318 weddr, 326 £a^M und Hunden, 374 ^^a^^ 
ZicÄw, 394 -Maw« (368 Mantel), 406 iJed (394 jRede); IV 405 w^m, 
533 -Em;^ jRede, 539 Go«s Wort (11 28 Go^e« Stiffting), 556 wyw5, 
*1704 w«dr, Maer (II 188 Mare) u. v. a. 

Es kam ihm hierbei allerdings die Beschaffenheit des mecklen- 
burgischen Dialekts jener Zeit sehr zustatten. Denn die Apokope 
und Synkope des schwachen e begann damals immer mehr Verbreitung 
zu finden.^) Doch kann man sicli schon durch Vergleichung mit den 
oben angeführten Parallelstellen leicht davon überzeugen, dass L. zu 
apokopierten und synkopierten Formen nur greift, wenn das Vers- 
mass vollere Formen nicht zulässt. 

Aehnlich verfährt der Dichter mit dem Part. Praet. Schlüter 
hat schon im Ndd. Kspbl. XIII 3. S. 37 f. nachgewiesen, dass die 
Formen mit der Vorsilbe ge- in den Schgg. die gebräuchlichsten sind. 
L. meidet nur in ganz wenigen Fällen diese Vorsilbe; so in D I 2G1 
hackt (273 gebacket); III 14 gleden, 346 schrapt (H noch geskraept\ 
Beschl. 4 bracht (H gebracht), 5. 10 kont', in H I 36 west, 63 saden und 
gebraden, 82 daen, 352 affjagen^), 359 lesen, 384 must', III 416 lopeM 
und gereden; IV 554 leert. Die betreffenden Stellen beweisen es klar, 
dass nur dem Metrum zu Gefallen die gewohnte Form verlassen wurde. 
Auch die Anwendung der lateinischen Genetivform Fythagorae 1 296, 



^) So auch J. Stricker im Düdeschen Schlemmer. Vgl. Boltes Ausgabe S. *57. 
Vgl. Nerger § 160. — »j Vgl. darüber Zs. f. d. Ph. 
d. idg. Spr. XIX S. 227 ff. u. Ndd. Kspbl. XIII S. 3 f. 



— 2) Vgl. Nerger § 160. — »j Vgl. darüber Zs. f. d. Ph. XXI, 256. Btr. z. Kunde 
1. idff. 



67 

des Dativs Metempsychosi II 316, der entstellte Nominativ Ovidi I 388, 
die verkürzte Form Tpocras für Hippocrates 1 388 lassen deutlich 
erkennen, dass sie nur des Versmasses wegen Verwendung gefunden. 
Ist der Dichter auf der einen Seite beflissen, überzählige Silben 
wegzuschaffen, so fügt er gelegentlich auch ein in den betr. Fällen 
für die Umgangssprache nicht mehr gebräuchliches schwaches e 
an oder ein, um das Zusammentreffen zweier betonter SUben zu 
vermeiden. Vgl. D I 204 nichtes, I 290 skMlick alse goet (sonst 
als in Vergleichen und nach Komparativen), 306 wedderhmme (sonst 
xvedderhn 311. 316), Beschl. 6. 17 erenstlykem (H *1696 ernstliche). 
— I. 104 weichere (s. Nerger a. a. 0. § 148, 2 und 246, 2) und 

III 290 henne (sonst hen). 

Die Form des Neutr. Sg. der Adjektiva ist in dieser Beziehung 
besonders lehrreich. Der Dichter schwankt immerfort zwischen der 
Anwendung der hd. Neutralendung -es und der der nd. „endungs- 
losen" Neutra. Die Entscheidung für die eine oder die andere Form 
hängt dabei jedesmal von dem Bedarf der Silben ab. Als Belege 
mögen folgende Stellen dienen: D II 650 geringes und ehrlich in 
demselben Verse; III 15 alles wat (I 225. II 147 All wat\ 103 
iMkes Kledt (130 sxdck nerrisch Dinch), 137 vel ander Volch, 191 
unfledig Wort; IV 6 eigenes geweten, 7 stlhes Loff\ Beschl. 68 Ein 
oldt Peerdt und ein junges im selb. Verse — Schon H: I 57 ein alvern 
dummes Beert ^ 202 jedes nies Kleedt, 336 ein junch und Meines Küken ^ 
398 alles wat u. a. m. 

Tautologische Zwillingsformeln und pleonastische Aus- 
drücke werden massenhaft angewandt, um den Vers auszufüllen^): 
D I 239 subtil und Uenlick, 276 offt und vel, dick und büket, II 372 
Mit durbar 6hl und Safft, mit kbsteliken Salven, 428 f. dat se dat Haer 
und Hovet mit Asche hofft bestrowt (ähnlich 416), 459 ordelen und 
richten, 472 ere Lust und grotste Frewde, 657 mit negen und mit 
hvLckeiiy 694 Dreck und Schmyt, 713 sick wol heelt hoch und breet, 739 
Ick heb wol althoveel geredet und geschreven; III 14 Verstand und Sinn; 

IV 8 quyt und fry, 15 £^weck und Richtemael etc. — H I 5 Sin Hus 
und Schoel erschal, 43 als junk und nie gebahren, 64 fetten Bueck und 
dicke Fantee, 173 so dorich und so geck, 332 Dat he tho keinem Ding 
mehr nht is noch kan dbgen, 333 dit Middel weeth und kent, 404 Lohn 
undrecompense; III, 288 van groet profit und bäte, 320 dum und dbsig, 
276. 365 Wyfsheit und Verstand, 416 lopen und gereden; IV 439 
yusi und even, 443 Byme und Vers, 445 scheef und krum (vgl. III 
175), lyck und even, 476 Commandement, befehl, 557 Argument und 
Gründe u. s. w. 

Scansions-Verstösse gegen den Accent der gesprochenen 
Rede sind nicht gerade selten. Vgl. D: I 243 edder Medicamente, 311 
Junckddhm; II 392 Van Fräntzbsischem Schorff, 407 anderswor, 479 
Wachtmeisters Knecht^ 666 einem jedem, 687 allervbrnemsten, 702 einer; 

Vgl. dazu Wackemagels Poetüc S. 386. 

5* 



68 



III 48 Hollendischen ^ 82 Kamerdoeck, 83 Engeland, 106 sinen u. s. w. 
— H: I 21 statlick, 25 Sundern, 26 Herberge, 33 Erstlich, SO Miner, 
96 prechtig, 104 Rickdöm, 122 Derer, 335 e«;o?rfi/:^wd6W, 365 JPew*icfoM, 
375 i?^M;d5, 402 aw/'fwi; III 269 bringen, 272 ^Wi>e«, 276 Franchriclc, 
303 Äefeien, 312 Nhnmer, 344 i?t'en, 355 ^«edi^, 361 Aöwdew, 367 
Dme gode, 379 wyfslyck u. s. w. Doch beachte man, dass in den 
meisten Fällen das falsch betonte Wort im ersten Versfuss einer 
Halbzeile steht, ein umstand, der den Scansionsfehler beim Lesen 
des Verses leicht verwischen lässt. Vergleicht man übrigens damit 
die Freiheiten, die sich ein Opitz , und selbst noch Lohenstein erlauben 
[Opitz : Italien ich meyne dich, ihr seeligen swey Liebe, Und ändere 
sind . . ., doch in der Grub ein ewiges Lob krieget (Probestücke aus 
der Prosodie); Lohenst. verursachet (Epich. IV 256), veranlasset 
(ib. IV 330), bewillkommnen (Agr. I 133), Sklavinnen fürstinnen (Ibr. 
Sult. II 630) u. a. m.], und bedenkt man, dass über die Betonung 
von zusammengesetzten Wörtern wie obsiegen, anrichten, wahrsagen, 
Hoffahrt (Schgg. II 402, 438), einnehmen (I 240) sich weder die 
Dichter noch die Verfasser der Poetiken einigen konnten, so wird 
man in dieser Beziehung den Verstössen Ls. nicht allzugrosses Gewicht 
beimessen.^) 

Im übrigen wagt L. selten die Bedingungen zu verletzen, die 
für den Bau des Alexandriners massgebend sind. Und was wichtiger 
ist : die Freiheiten, die er sich ab und zu gestattet, überschreiten nie 
das Mass dessen, was auch andere Dichter der Zeit gelegentlich für 
erlaubt hielten. Dahin gehört z. B. die Verwischung des Reihen- 
schlusses: D II 295 Wen ick dat liker scholde sehn, so wtrdickmy, 
305 Averst men findt wol oldern de sick sulvest romen, 341 Idt mochte 
doch gefunden werden, de dar wolde, 568 Geflochten an den krusen 
Locken by de Ohren.^) — Die Verwendung des weiblichen 
Reihenschlusses ist noch seltener: D III 192: Nu is idt, wen 
Soldaten / in Ordnung rücken fort; H III 297 Mach myr ein gut 
potage, 305 Begund uth allen winkeln . . ., 310 Eine Hand vull stUten 
Peper . . .; IV 474 Darmit ick und ein jeder / dat sUve konde weten. 
Ebenso vereinzelt ist das Vorkommen einer zweisilbigen Senkung 
D IV 645 Juwe Verstand is tho stumpf); H, III 312 eine solke, 358 
riken Gesellen, 394 ändern die Rede. 

Jedenfalls können die eben festgestellten Lizenzen die Thatsache 
nicht umstossen, dass L. in der weitaus überwiegenden Zahl seiner 
Alexandriner sich ziemlich streng nach den Regeln der von ihm so 
arg geschmähten Opitzianer richtet. Mit diesen Alexandrinern ver- 



^) Man vgl. zu dieser Frage Koberftein, Grundr. d. Gesch. d. deutsch. Natlitt. 
5. Aufl., II, S. 89 und Fr. Vogt: Von der Hebung des schwachen e. Forschungen 
z. deutsch. Phil. Festgabe für Rud. Hildebrand. Lpzg. 1894. S. 165 ff., der über- 
zeugend nachweist, dass man sich über die verschiedenen Tongrade der Neben- 
silben im 17. Jh. weder einig noch klar war. — '^) Beachte, dass alle diese Verse 
entweder am Anfang oder am Ende der Interpolationen stehen. Verwischung des 
Heihenschlusses habe ich in H nicht konstatieren können. 



69 

gleiche man nun die grosse Zahl der freien Verse.^) Hier huldigt 
allerdings der Dichter der weitgehendsten Freiheit, und im Hinblick 
auf sie lässt er einen seiner Gegner freilich mit Recht sagen : 

Juwe eine Bym is groet als shit Niclaus Karken^ 

De ander is so kleen als eines Beckers bode. (IV 448 (= *1492 f.). 

Verse von 7 bis zu solchen von 16 Silben sind vorhanden, und in 
buntem Gemisch reihen sich die verschiedenen Metra aneinander.^) 
An regelmässigen Wechsel von Hebung und Senkung ist nicht zu 
denken, ja man ist oft darüber im Zweifel, wie viel Hebungen man 
aus diesem oder jenem Verse herauszählen darf. L. schliesst sich 
mit diesen Versen eng an die älteren niederdeutschen Dichter an, die 
sich bezüglich der Silbenzahl viel weniger an eine bestimmte Regel 
hielten als ihre hochdeutschen Kollegen. So fand ich im Nieder- 
deutschen Narrenschiff von 1519*) innerhalb der ersten 600 Verse 
solche von 7 (V. 328) bis 17 (V. 552) Silben. Ein von Krause im 
Ndd. Jb. I 64 veröffentlichtes Rostocker historisches Lied aus dem 
Accisestreit 1566 hat Verse von 6 (Str. 2. V. 1) bis 15 (Str. 16. V. 5) 
Silben. In der 144 Verse zählenden Einleitung von Jochim Schlues 
'^Comedia Von dem frommen, Gottfrfichtigen, vnd gehorsamen Isaac"^) 
(1()06) kommen 2 Siebensilbler, 6 Achtsilbler, 24 Neunsilbler, 32 Zehn- 
silbler, 35 Elfsilbler, 19 Zwölfsilbler, 17 Dreizehnsilbler, 7 Vierzehn- 
silbler, 1 Fünfzehn- und 1 Sechzehnsilbler vor. 

Sprachliche Veränderungen zugunsten des Metrums sind natürlich 
in den freien Versen der Schgg. ausgeschlossen. Das schwache e in 
Präfixen und Endungen behauptet sich in den meisten Fällen; wo es 
fehlt, wird man seine Unterdrückung dem damaligen Zustand des 



^) Dieser Ausdruck diene als Gesamtbezeichnung der von L. gebrauchten 
nichtalexandrinischen Verse, soweit sie in H vorkommen. — *) Siebensilbler: II 515. 

- Achtsilbler: III 245. 448. 453. 463; IV 186 215. 242. 275. 331. 576. — Neun- 
silbler: n 9. 41. 61. 97. 103. 216. 225. 338. 501. 506. 512. 514. 532. 597. 610; 
III 164. 219. 230. 246. 445. 446. 454. 475—78. 481; IV 31. 50 f. 56. 61. 84. 88. 
98. 116 etc. — Zehnsilbler: II 1. 5. 7. 28. 42 f. 56. 68. 73. 91. 95. 98. 100. 117. 
119. 122. 130 f. 138. 149. 151. 215. 216. 222 ff. 229 etc.; III, 155. 157. 183. 187 f. 
208 f. 221. 229. 232 ff. 236. 240 etc.; IV 33 f. 39. 46. 49. 60. 75. 77 ff. 81 ff. 
85 f. 89. 103 etc. — Elfsilbler: II 3. 8. 15. 31. 37. 39. 47 f. 70. 96. 99. 107 f. 
110 ff. 116. 125. 129. 135 f. etc.; III 161. 163. 167. 181. 205. 214. 223. 225. 
227. 237 f. 242. 252. 258-63 etc.; IV 48. 62 f. 65. 69. 76. 87. 90. 94. 
105 f. 108. 110 etc. — Zwölfsilbler: II 12. 19 f. 28. 32. 34 f. 38. 44 f. 59. 
71 f. 74 f. 78 ff. 80. 83 f. 87. 93. 101. 109. 115 etc.; III 152 ff. 158. 162. 
165 f. 169. 172. 182. 186. 197. 201 etc.; IV 37. 42 f. 45. 47. 53. 55. 57. 64. 
67. 73 f. 95. 96 f. etc. — Dreizehnsilbler: II 6. 14. 16. 18. 21. 26. 29. 30. 40. 
49 ff. 57 (*451). 60. 62. 64 f. 67. 76. 77. 81 f. 85. 92. 94. 105. 146. 148 etc.; III 156. 
168. 170. 178 f. 185. 199. 200. 211 ff. 216. 220 etc.; IV 38. 41. 44. 52. 68. 
72. 111. 118. 134. 158. 178. 187. 199. 202 etc. — Vierzehnsilbler : II 13. 
33. 46. 54. 86. 88 f. 106. 114. 150. 156. 159. 178. 184 f. 240 etc.; III 173 f. 177. 
180. 203 f. 217 f. etc.; IV 35 f. 70. 112. 143. 222. 234. 273. 286. 301 etc. 

- Fünfzehnsilbler : II 17. 24. 52. 53. 55. 163; III 171, 184; IV 366. 410. 565. 

- Sechzehnsilbler : IV 399. 409. — ^) Dat nye fchip van Narragonien, hg. v. 
Carl Schröder, Schwerin 1892. — *) Mit Vorwort, Text und Abhandlung hg. v. 
Dr. Albert Freybe, Parchim 1890. 



70 

mecklenburgischen Dialekts zuschreiben müssen. Die Vorsilbe ge- im 
Part. Praet. vermisst man nirgends.^) Pleonasmen und tautologische 
Zwillingsformeln sind nur spärlich vertreten. Der Dichter nimmt 
gelegentlich des Reimes wegen seine Zuflucht dazu: II 123 f. 
gemaket : bloet und naket^ 245 f. hhsen : entfrien und erUs&ny III 217 f. 
gemeen : tho geringe und tho Meen, IV 43 f. gekamen und entsprungen : 
Tungen, 79 f. groet Spreken und Parieren : Ehren^ 223 f. weten : tite- 
leren und heten. 

Fassen wir nun das Ergebnis der vorausgehenden Untersuchungen 
zusammen. Es lautet: 

In den Schgg. stehen sich zwei dem Prinzip nach 
völlig verschiedene Versmasse gegenüber. Beide werden 
vom Dichter nicht unterschiedslos nebeneinander ge- 
braucht, sondern jedes von ihnen ist auf bestimmte 
Teile der Satire beschränkt. 

Die Bedeutung dieses Ergebnisses wird jedem Leser klar, wenn 
er es zu dem im vorigen Kapitel gewonnenen Resultate in Beziehung 
setzt. Es hatte sich dort der Schluss ergeben, dass H die Ueber- 
arbeitung einer noch älteren Fassung darstellt, über deren Umfang 
und Gestalt noch nichts ausgesagt werden konnte. Nun ist es er- 
wiesen, dass die Zusätze von D fast alle in Alexandrinern abgefasst 
sind (vgl. S. 64 dieser Arbeit): Liegt da nicht die Vermutung nahe, 
dass auch die metrisch entsprechenden Theile von H, wenigstens soweit 
sie sich aus dem Zusammenhange der Satire loslösen lassen, als Zusätze 
aus späterer Zeit, und die in freien Versen abgefassten Bestandteile somit 
als der Grundstock der Satire anzusehen sind? Wie begründet diese 
Vermutung ist, das mögen die folgenden Kapitel zeigen, in denen ich 
den Nachweis liefern werde, dass die in freien Versen abgefassten 
Bestandteile sich noch in manchen anderen Punkten scharf von den 
Alexandrinerpartieen von D wie von H absondern. Doch sei es gleich 
gesagt, dass ich von H nur die durchgängig in Alexandrinern ab- 
gefassten Stellen *1— 388, *857— 988, *1689— 1710 im Auge habe. 
Denn sie allein lassen sich ausscheiden, ohne den Zusammenhang der 
Satire zu stören, während die Abschnitte *995 — 1014, *1430 — 1530, 
*1567 — 1608 und *1657 — 1680, wo die Alexandriner mit anderen 
Massen vermischt sind, sich inhaltlich kaum von den umgebenden 
Partieen trennen lassen. Ueber diese letzteren Bestandteile muss ich 
mir daher ein besonderes Urteil am Schlüsse der Arbeit vorbehalten. 

Die Fremdwörter in den Scherzgedichten. 

Es mag auffallen, dass ich mich hinsichtlich der Sprache der 
Schgg. auf die Fremdwörter beschränke. Aber eine sprachliche 
Betrachtung der Satiren ist nur soweit gerechtfertigt, als sie die Zwecke 
der vorliegenden Arbeit fördert. Eine eingehende Untersuchung der 



1) In D IV 128 findet sich allerdings der Part. Praet. geven, in H *1172 
aber schreibt der Dichter dafür gegeveti. 



71 

mundartlichen Sprachform, in der die Schgg. abgefasst sind, dürfte 
uns indessen kaum einen Schritt weiter bringen. Denn die Sprache 
der Schgg. ist, soweit sie niederdeutsch ist, in den Alexandriner- 
partieen dieselbe wie in .den in freien Versen verfassten Bestandteilen. 

Diese Thatsache findet ihre Erklärung einmal in der auch vom 
Dichter gerühmten Stetigkeit des niederdeutschen Idioms^) und dann 
noch ganz besonders in den äusseren Lebensumständen des Ver- 
fassers. Lauremberg lebte seit 1623 auf dänischem Boden und lehrte 
z. T. in hochdeutscher, z. T. in lateinischer Sprache an einer Hoch- 
schule, wo das Dänische wie das Niederdeutsche in gleicher Weise 
verpönt waren.^) Wenn also überhaupt mit der Zeit eine Veränderung 
in L.'s Sprache eingetreten ist, so kann das nur unter dem Einfluss 
fremder Idiome geschehen sein. Ein solcher Einfluss lässt sich in 
der That nachweisen. Er beschränkt sich natürlich in erster Linie 
auf den Wortschatz. 

Die nachstehende Zusammenstellung mag zeigen, wie sich die 
Fremdwörter auf die verschiedenen Bestandteile der Schgg. verteilen. 
Das hochdeutsche Element konnte dabei nicht berücksichtigt werden, 
da sich der Einfluss desselben mehr in lautlicher Beziehung als im 
Hinblick auf den Wortschatz geltend macht: jedenfalls fehlen uns 
die Mittel, um überall mit Sicherheit zu constatieren, was L. aus 
hochdeutschem Sprachgebrauch seinem niederdeutschen Wortschatz 
zugeführt hat. Mit den dänischen Wörtern hat es seine besondere 
Bewandtnis.^) Ferner haben Wörter wie: Atlas^ Kalender, Sammit^ 
Papier. Faschen, Plüschy Fredigt, Titel u. s. w., die schon lange vor 
L. im Ndd. in Gebrauch waren und daher kaum noch als Fremd- 
wörter empfunden wurden, unten keine Berücksichtigung gefunden. 
Wie weit ich in der Auslassung solcher Wörter gehen durfte, musste 
natürlich meinem subjektiven Ennessen überlassen bleiben. Doch 
habe ich mich bemüht, möglichst wenige von der Betrachtung aus- 
zuschliessen. Die Fremdwörter, verteilen sich nun folgendermassen : 

A. In den freien Versen: Accademe IV 222. — Advocat III 244. 

— ageern II 6. — audientz IV 162. — ave Maria II 220. — 
Bahclaers IV 221. — baselmanus IV 158. — braveren II 242. — 
Dame (frz.) III 198 u. ö. — Dame (lat.) III 256. — Decanus IV 157. 

— Detnant III 400. — discours IV 339. — discurreren IV 96. — 



*) Schgg. IV 561 f. Vnse Sprake hlifft altidt bestendig und vest, 

Als 86 ersten was, even so is se ock lest. 
IV 575 f. Men de Sprake in gantz Nedder Saxen Land 
Blifft anverr^ckty und hefft bestand. 
*) Vgl. Lappenberg a. a. 0. S. 169 und Job. Heinr. Schlegel: Gesch. d. 
Könige v. Dänemark aus dem Oldenburg. Hause, Koph. 1777. II. S. 62: „Dem 
Theologen kam es zu, deutsch zu predigen und die Jugend in der deutschen Sprache 
zu unterweisen. Auch der Prof. der Historie sollte über seine Wissenschaften, der 
iu den Rechten über die Ethik und der Ingenieur über die Mathematik auf Deutsch 
lesen. Die übrigen Vorlesungen scheinen auf Lateinisch gehalten zu sein." — ^) Ich 
zähle deren in den freien Versen (unten A.) 4, in den Alexandrinern von H (unten 
B.) 2, in den Zusätzen von D (unten C.) 14, — die sich aber grossenteils auf 
einen längeren deutsch-dänischen Satz zusammendrängen (III 141 — 144), sodass hier 
von einer Zunahme kaum die Rede sein kann. 



72 

Doctor III 446 u. ö. — ExceüentB IV 155. — gaste III 180. • 
Gentelmen III 243. — Grammatica III 254. — generis duhij l\\ 257. 

— Hahit II 23 u. ö. — (hinder) quarteer III 482. — juweleren III 452. 

— Gamerade III 224. — Carmen IV IIB u. ö. — gekarmet IV 276. 

— Chirurgin III 454. — Comedie II 4. — Cammentarien IV 382. 

— Camplementen III 223. — Compaen II 138. 557. — Courtisane 
III 177. — Owr IV 518. — Creaturen IV 36. — Critid IV 513. - 
Äw^^rc III 181. — Licentiaten III 479. — ligaten IV 61. — Lord 
III 240 u. ö. — Magister IV 219. 273. — Mandaten II 503 u. ö. 

— Materie II 36 u. ö. — memorie IV 214. — Mendicanten IV 236. 

— JfewsMr IV 517. — Mons^r III 198 u. ö. — Musikant III 448. 

— öftereren IV 144. 211. — ordineret II 29. — Ordinantz II 501. 

— Par/b^^ IV 331. — Parieren IV 79. — PasielH 179. — Paäm 

III 445. — Pa^^c II 101. — Podagel II 326. — Poesie IV 228 u. ö. 

— poetisch IV 282. — Poeten IV 41 u. ö. — politisch IV 96. — 
Praeceptor III 443. — practiseret IV 335. — Professer IV 82. — 
profession IV 226. — Pro/« IV 376. — Prosen IV 61. — pro- 
spereren IV 91. — Putze I 182. — recommenderen IV 212. — 
recompense IV 121. — Rector IV 82. — Renoverer III 450. — 
residente IV 156. — resonantz IV 277. — respecteret II 30. — 
retireren III 188. — reverentze IV 199. — rodomontade IV 87. — 
Schafßnie II 534. — Secretarius III 444. — Servithr III 197. — 
si 6owa IV 267. — %wor III 198. — Statuten II 500. — S^wJe«^ 

IV 222. — studeren IV 78 u. ö. — Tahaxpipe IV 309. — Teater 

II 5. — Thrlhr III 215. — fantastisch IV 342. — JPa^^ow II 37 
u. ö. — Viaticum IV 145. — Figur II 37 u. ö. — form IV 572 
u. ö. — Frater II 219. 

Im Ganzen. 95 verschiedene Fremdwörter auf ca. 1100 Verse. 
Verhältnis 1 : 11,6. 

B. In den Alexandrinern von H: Adieu I 98. — Ambassadeurs 
I 217. — Amy I 197. — appertenance III 297. — Avisen I 359. 

— bizarre III 382. — BUmerand I 372. — bon I 197. — braveern 
I 94. — Dame III 385 u. ö. — deesse III 383. — desieuner 

III 296. — discours III 279 u. ö. — dremark 1 440. — dressen 
III 336. — dressiren III 298. — en effait III 301. — Escoute 
III 295. — Exemplar I 214. — experfex I 362. — -Ertoe III 
385. — genereux III 386. — Habit 1 185. — Histori III 271. 

— incontinent III 299. — inloseren I 45. — inventarium III 327. 

— Cameraden III 295. — Cardinal III 292. — caressc III 283. — 
Carmesyn III 369. — Castelen 1 437. — Cateder *1700. — Cavallier 
I 194. — cermoni III 283. — chamarrert III 382. — changeret III 
384. — Circkelmode I 200. — Climactersch I 199. — ctyow III 333. 

— Co?5r III 390. — companie III 312. — Commentarien IV 382. 

— Complementen I 279. — Complementisch I 159. — considerern 
III 386. — Coqvemarre III 381. — Cogriw III 333. — ä la Cour 
III 298. — Crerfo I 340. — Cuisinier III 295. — Cureren I 396. 

— maintien III 386. — Maqvereau III 340. — memori III 272. — 
Messieurs I 218. — Metempsychose I 11. 139. — Monsieur I 197 



73 

u. ö. — ä la nouvelle mode III 299. — opinion I 51 u. ö. — ordi- 
mntz I 431. — Original I 215. — ä la pareille III 301. — par 
nia foy III 319. — Part I 15. — Party I 351. — parterr III 384. 

— Passement III 372. — Pen I 129. — periode I 199. — pesle — 
mesle III 337. — Philosophy I 6. — plaisant III 384. — Poeten I 
375 u. ö. — potage III 297. — present III 300. — Profit I 126 
u. ö. — PuhUcan I 106. — recompense I 404. — respect III 293. 

— Reverents I 195. — Satin III 370. — Sermon I 321. — Signhrs 
III 385. — Skavot I 393. — studeren I 133. — in summa I 23. 

— les tailleurs I 218. — tracteren I 21 u. ö. — travail III 300. 

— tresse III 384. — fantasie *240. — Fantastery 15. — fatzon 
I 201 u. ö. — Velours III 383. — Vidase III 333. — fi diabl III 
319. — Figur I 418. — violet III 370. — fix l 138. — Floren 

I 425. — forme I 202. 414. — formeert *383. — m France III 298. 

— Fripperie I 183. 

Im Ganzen 105 verschiedene Fremdwörter auf 540 Verse. Ver- 
hältnis 1 : 5,1. 

C. In den Zusätzen von D: allon III 119. 190. — Äml^ra II 
473. — antiqviteten III 29. — balley II 773. — bdellion II 483. — 
Becasses I 265. — Belsoin II 378. 483. — helles I 271. — belocken 

II 751. — BiUiteken B. 114. — Blianten II 682. — Bresche II 584. 

— damoisellen II 322. — dehosTce III 119. — Demanten II 681. — 
dessert I 269. — devör III 194. — discwrs I 274. II 523. — donjons 
II 578. — dosis I 278. — dragees I 269. — excrement II 438. — 
Extraä I 280. — gelsemin II 377. — gentilesse I 262. — gniocchi I 
272. — ^ra« ("^rac^; III 117. — gratie III 433. — gravitet 1 268. 

— hyaene I 231. — Indianer II 293. — Ingenieur II 577. — iw- 
/ö5erew II 539. — inquarteert III 54. — invention II 782. — item 
(Adv.) II 787. — item (Subst.) I 254. — Cabaret I 260; III 118. — 
Cabinet III 41. — cachebastard II 754. — ZaZo^^c II 692. 697. — 
Canonen II 627. — Canonici II 627. — canoniseert II 634. — Car- 
mesin II 646. — Casteel II 767. — Cavalier III 71. — 
Ghappeloirs II 57. — Chappons I 263. — Charlatan II 375. — 
/e cAiewr II 388. — cocqs d'Inde I 263. — Cojon III 189. — CWor 
II 646. — Complemente I 264. — complementisch I 291. — comport 

I 270. — Conjoli I 271. — contenantz I 262. — courage I 268. — 
Courtisan II 751. — courtoisie I 291 u. ö. — cureren III 491. — 
/a])aw5 I 263. — lardeern I 265. — leurauts I 263. — Libery 
B. 128. — Zöc III 48. — lord (engl.) III 249. — Losament 

II 722. — loseeren II 654. III 42. — macarons I 272. — 
üfarfawe I 271 u. ö. — Mahaleb II 378. — Maistre II 399. — 
Makeltuer B. 96. — mars III 191. — marseren II 540. — Marzipan 
B. 62. — J!fa5«;r II 474. — Materie II 437 u. ö. — Maz III 47. — 
Medicatnente I 243. — metempsychosis II 716. — mon III 117. — 
Monsieur III 117 u. ö — Musch II 474. — oZ III 138. ~ Operation 
I 287. — opinion II 481. — original IV 633. — paa III 144. — 
Misaden II 576. — Parabel II 523. — parfumeert II 354 u. ö. — 
Pasteide I 261 u. ö. — paticiers I 260. — Penitentze II 427. — 



1 



74 

perdris I 265. — Perrucke II 390. — plaisir B. 55. — pochen II 752. 

— Poliüc I 274. — la pome III 119. — Pomerantzen II 379. — 
ponne III 117. — postur II 614. — potage I 267. — practiserenl 250 
u. ö. — principal III 60. — proces II 614. — Profit II 637 u. ö. 

— Puder II 412 u. ö. — pfi«% II 671. — qvaliteten I 280. II 359. 

— Qtmrteer II 719. 786. — qointessentz I 280. — recipe I 277. — 
Regiment B. 113. — remedie II 498. — residente IV 102. — respect 
II, 710. — respecteren II 745. — reverentz II 643 u. ö. — rocqviües 
I 272. — Schaffonie III 492. — schuweer III 119. — Beeret I 249 
u. ö. — sentinel B. 114. — Sermon B. 28. — So^ III 46. — studeren 
B. 28. 66 u. ö. — styrax calamite II 379. — subtil I 239 u. ö. — 
suUilitet B 12. — Tdbach II 471 u. ö. — Tabhyn II 683. — Tarie 
B. 62. I 268. — festament IV 613. — tracteren B 52 u. ö. — trou 
galeux II 773. — Fantaste B. 81. -— Fatzon II 345 u. ö. — Favoer 
il 564 u. ö. — Verdugadin II 753. — feson III 119. — fi;gurn II 345. 

— filles I 271. — Vide II 414. — Floer II 682. — fdiant B. 111. 

— Vbrcasteel II 767. — forme II 347 u. ö. — /b<re III 117. — frere 
III 117. — fu III 117. — Zibeth II 446. 473. — Ziper Puder II 443. 

Im Ganzen 158 verschiedene Fremdwörter auf 950 Verse. Ver- 
hältnis 1 : 6. 

Welch weite Kluft die freien Verse von den Alexandrinern von 
H und den Interpolationen von D hinsichtlich der Häufigkeit der 
Fremdwörter trennt, dürfte aus dieser Zusammenstellung klar sein. 
Während in den freien Versen erst auf 11 — 12 Verse ein Fremdwort 
kommt, erscheinen in den Alexandrinern von H und in den Inter- 
polationen von D deren schon zwei auf die gleiche Zahl von Versen; 
mit andern Worten: Die Zahl der Fremdwörter ist in den Alexandriner- 
partieen der Satire doppelt so gross als in den in freien Versen ver- 
fassten Bestandteilen.^) 

Der gelehrte Charakter der Alexandrinerpartieen von H und D. 

Es ist natürlich, dass die Alexandrinerpartieen mit ihrer grossen 
Zahl von Fremdwörtern an Gemeinverständlichkeit hinter den in freien 
Versen abgefassten Stücken zurückstehen. Wer sich die Mühe nimmt, 
die auf der Liste unter den freien Versen verzeichneten Fremdwörter 
mit denen in den Alexandrinerpartieen genauer zu vergleichen, wird 
auch finden, dass die ersteren in der Mehrzahl dem Fassungsvermögen 
des gewöhnlichen Mannes entsprechen, die letzteren aber zum grossen 
Teile der breiten Masse der Leser jener Zeit unverständlich sein 
mussten. Wer sollte z. B. die mit französischen Wörtern ge- 
spickten Stellen verstehen, die der Dichter in I 259 — 280; III 115 — 119. 
295—302. 381—386 dem Leser bietet? Oder wer kannte all die 
fremdländischen Parfüms : gelsemin^ Melde van Mahaleb^ Belzoin, Styrax 



^) Das Anwachsen der Fremdwörter in den Alexandrinerpartieen von H und 
D erscheint noch auffalliger, wenn man nur die aus dem Französischen über- 
nommenen Wörter in den Vergleich zieht. Näheres siehe darüber S. 77 f. dieser Arbeit. 



75 ^ 

calamite^ Ämbra^ Zibeth^ Mastix, Bdellion u. s. w., über die er sich 
II 343—496 lustig macht? 

Auch sonst sondern sich die Alexandrinerpartieen durch ihren 
gelehrten Charakter von den freien Versen ab. Wer sie ganz ver- 
stehen wollte, musste immerhin über ein gewisses Mass von Bildung 
verfügen: er musste einige Kenntnis des klassischen Altertums, 
Bekanntschaft mit allerlei ausländischen Verhältnissen, ja sogar etwas 
Verständnis auf philosophischem Gebiete besitzen. Ein Blick auf die 
Verteilung der in den Schgg. vorkommenden Eigennamen ist in 
dieser Beziehung besonders lehrreich. Da begegnen uns in den 
Alexandrinern von H Pythagoras mit seiner Metempsychosis, Ovid 
mit seiner Erzählung von Jason und Medea und von der Selbst- 
verjüngung des Vogels Phönix; ,,Flora de deesse^' wird genannt, und 
die grossen Pariser Schneider Montohan^ le Noir und Broisart werden 
als Muster aller Bekleidungskünstler hingestellt. Wer Euphorhus 
(I 37) war und was der Dichter mit dem Cuisivier de Houdan (III 335) 
sagen wollte, dürfte wohl nur ein kleiner Teil seiner Leser gewusst 
haben. Die Zusätze von D sind nicht minder reich an gelehrten 
Anspielungen. Ypocras (I 238), Proteus (II 348), Zetixis, Glycerius^ 
Pamphilus, Actaeon und Diana, Alquif und ürgande (vgl. III 18 — 26), 
Bolands Bajard (III 67) waren sicherlich der grossen Masse der Leser, 
für die die Satire geschrieben war, nicht viel mehr als blosse Namen. 

In den freien Versen dagegen wiegen die allbekannten heimat- 
lichen und nachbarlichen dänischen Namen vor; Jens Schnider (II 66), 
Karren (II 106), Viet (II 219), Matjsf Pump (II 521), AnnemeJcen und 
Grete (III 206), Niels, Laers, Hans und Peter (III 467—472) waren 
dem Volke ebenso verständlich wie die derben Schnurren, die der 
Dichter z. T. von den Trägern dieser Namen zu erzählen weiss. Gleich 
bei Beginn des II. Gedichtes werden allerdings auch einmal Heraklit 
und Demokrit, die ^weisen Narren**, erwähnt, und im IV. Gedichte 
prahlt der jammervolle Bettelpoet, dessen Ausdrucksweise der Dichter 
verspotten will, mit Apollo und dessen pimple'ischen Begleiterinnen, 
mit Parnass^ Helicon, Hippocrene, mit Mars, Pandora und Irus. Im 
übrigen aber werden keine grösseren Anforderungen an das Wissen 
der Leser gestellt. 

Dedekind, der bekanntlich die Schgg. ins Hochdeutsche über- 
tragen hat, hat seiner üebersetzung einen ziemlich umfangreichen 
Kommentar hinzugefügt, ein Beweis dafür, dass nach seiner Ansicht 
der Satire noch gar vieles an Gemeinverständlichkeit fehlte. Die 
meisten seiner Anmerkungen aber — und das ist für uns das Wichtigste 
— dienen der Erklärung gelehrter Anspielungen, die der Dichter in 
den Alexandrinerpartieen macht. ^) Wenn also L. IV 381 f. sagt: 



^) So bringt er erklärende Anmerkungen zu I 2 {Pythagoras), I 322 (über 
den Adler), I 329 f. {Fhönix\ 369 {Jason und Medea), II 346 u. 348 (Jan Potase, 
I^oteus), m 25 (Actaeon), III 71 f. (Trojas Fall), III 291 f. (Mazarin). Ebenso finden 
sich Erklärungen zu den Stellen III 117—119, 141—144, 295—302, 381—386 u. a. m. 



76 

.... Ick bringe up de Baen, 

Dat men kan ane Commentarien verstahn^ 

so trifft diese Behauptung nur für die in freien Versen abgefassten 
Teile seiner Schgg. zu. 

Rücksichtnahme auf die Leser der Satire. 

Ich habe schon oben S. 56 nachgewiesen, dass die Inter- 
polationen von D inhaltlich nicht viel neue Gesichtspunkte aufweisen, 
sondern sich meist als weitere Ausführungen bereits vorhandener 
Gedanken kennzeichnen. So zeichnen sich auch die Alexandriner- 
partieen von H nicht durch besonderen Reichtum an neuen Gedanken 
aus : sie ergehen sich, wie die Interpolationen von D, oft in zu behag- 
licher Breite über die Dinge, die der Dichter zum Zielpunkt seines 
Spottes macht. L. scheint das manchmal selbst herausgefühlt zu haben, 
denn mehrere dieser Stellen (in H wie in D) glaubt er mit einer ent- 
schuldigenden Bemerkung an den Leser einleiten zu müssen. So 
beginnt er die erste der in III 265—394 (*857— 988) erzählten Anek- 
doten mit den Worten: 

Vergevet my, dat ick so vel heb willen praten 

Van der vermengden Spraek: ick kant doch noch nicht laten. 

Die zweite leitet er mit der vorsichtigen Bemerkung ein: 

III 357 f. Noch einen körten schnack wil ick hyrvan verteilen^ 
Wen gy idt hören wilt^ u. s. w. 

II 739 f. gesteht er selbst: 

Ick heb wol althoveel geredet und geschreven 
Van Kledern, dartho my der Iver hefft gedreven. 

Diese entschuldigenden Bemerkungen sind überhaupt charakteristisch 
für die Alexandrinerpartieen. Glaubt z. B. der Dichter das ästhetische 
Feingefühl der Leser verletzt zu haben, so ist er gleich bereit, dafür 
um Verzeihung zu bitten. Vgl. dazu II 271 — 273: 

Holdet idt my tho gode, gy ehrliken LMe^ 
Keiner my minem Schnack thom ergesten uth dMe. 
Ick weet idt sUvest wol, dat sick dat nicht gebohret, 
Men wat ick segge, heb ick van Aalke Qtmcks gehöret. 

Und später macht er nochmals Aalke Quacks für die vorausgehenden 
cynischen Bemerkungen verantwortlich: 

II 297 f. Dat meende Aleke^ de olde Eteninne, 

Se mnste dulle grillen hebben in crem Sinne. 

Vgl. ferner II, 491—94: 

Holla^ holla, nu springt de Fedder alto wydt, 

Se is noch duller als de Lude in disser tydt. 

Se glischet uth dem weeg, und schrifft dat sick nicht schicket, 

Wor ick se sette hen, werd dat Fapier beklicket. 



77 

Befürchtet er, er könnte der Ehre eines Standes durch seine Ausfälle 
zu nahe treten, so sucht er durch ein gelegentliches Kompliment die 
Schärfe seines Angriffs zu mildern. So macht er den „Tölnern" seiner 
Zeit das Zugeständnis, dass sie der Mehrzahl nach ehrliche Leute 
seien (I 120 ff.); auch den Handwerkerstand, den er im I. Ged. so 
köstlich karikiert, versichert er am Eingang dieser Satire seiner Hoch- 
achtung (I 143 — 146). Bloss ironisch sind diese Versicherungen sicher 
nicht zu nehmen ; das beweisen die 4 Alexandriner, die er als General- 
entschuldigung unter dem Titel „Dem Leser" der ganzen Dichtung 
vorausschickt : An dit gering Gedicht sich wolle nemand ergern, u. s. w. 
Was sind endlich der lange 'Beschluth' von D wie der Epilog 
von H anders als weitläufige Entschuldigungen dem Leser gegenüber, 
den der Dichter in vorwurfsvollem Tone ausrufen lässt: 

.... wo hefft de Man sich laten so bed^ren, 

Dat he noch sinen Stand, noch Older nimt in acht, 

Vnd offentlych ant Licht hefft snlke Fratsen bracht}) 

Die freien Verse entbehren jeder derartigen Bemerkung, mag 
sie nun ernst oder scherzhaft zu nehmen sein. Derb und rücksichtslos 
geht da der Dichter den Schwächen seiner Zeitgenossen zu Leibe, 
unbekümmert darum, ob er das ästhetische Gefühl oder die Eigen- 
liebe oder die Langmut anderer verletzt. 

Der Kampf gegen das Franzosentum. 

Wenn man die auf der obigen Liste (S. 71 — 74) verzeichneten 
Fremdwörter auf ihre Herkunft untersucht, so wird man finden, dass 
die unter den Alexandrinern von H und die in den Interpolationen von 
D auftretenden Fremdwörter der Mehrzahl nach dem Französischen 
entstammen, üeberdies wird man die Bemerkung machen, dass diese 
Wörter, soweit sie der französischen Sprache angehören, zumeist in 
rein französischer Form auftreten^), während sie in den freien Versen 
zum weitaus überwiegenden Teil in einer der heimischen Mundart des 
Dichters angepassten Gestalt erscheinen.^) Diese Hervorkehrung des 
Französischen ist bezeichnend für alle Alexandriner der Satire. Wie 
da die Modepuppen, mit denen uns der Dichter bekannt macht, nur 
französische Worte im Munde führen^), so gelten ihnen auch nur die 
französischen Einrichtungen als Mustereinrichtungen, die französischen 

Aehnlich in H 1690* : 

.... wo hefft sich de geck laten bedöretif 

dat he dre gantzer daeg, dar tho twe halve nacht 

hefft mit dem lumpenwerck tho maken tho gebracht! 

^) Vgl. in H : adieu, Ambassadeurs, Amy, appartenance^ deesse, bon, desjeuner, 
discours, en effait, Escoute, genereux u. v. a., in D : ballet/ de trou galeux, Becasses, 
perdriSf helles filles, donjons, dragees, dessert, macarons, Madame Conjoli, Cabaret, 
(^^appons, leurants u. s. w. u. s. w. — ^) ageeren, braveeren, marseeren, gaste, 
mie,Kutze, Ordinantz, parfotz, fatzon u. s. w. — *) Vgl. III 117 u. 119, 295—302 
(= *887-894), 381—386 (= *975-980). 



78 

Gewohnheiten als vorbildliche Gewohnheiten. Die Schneider müssen 
Pariser Schneider sein^), die Gerichte müssen zubereitet sein, wie man 
sie „a la Cour dressiren pflegt en France^K^) 

All wat geschiklich is, alle Adelicke Bracht^ 
Alle H^ffligkeit moet syn uth Francirick hergebracht^ 
Maneer, sierlicke Red moet man uth Franckrick halen^ 
Vnd mit Gefahr, mit m^e^ und swarem Geld hetalen, 
Franckrick dat is de Schoel, dar men leert alle K^nst, 
Bat sUve in ander Land to leeren^ wer fumsfunst,^) 

Der reiche Bürgerssohn, der Karriere machen will, muss nach 
Paris gehen, und wenn er so gut wie ein Franzose sprechen kann, 
wird es ihm nicht schwer, in der Heimat zu hohen Aemtern zu 
gelangen.*) Alles Vertrackte und Unnatürliche in der Mode kommt, 
nach den Alexandrinern zu urteilen, aus dem verhassten Nachbar- 
lande; die dem Dichter so unleidlichen Parfüms, die gepuderte Perrücke 
sind Erfindungen eines Pariser Lebemannes^), der umfangreiche Ver- 
tugadin ist der Cachebastard der französischen Courtisane.^) Die Alamode- 
sprache ist gleich bedeutend mit dem Frantzhsischen Dudsch, dat vor 
gar wenig Jahren Erst upgekamen is.'') 

Aber wohlgemerkt, nur in den Alexandrinerpartieen ! Die Hand- 
schrift hat i^ns zufällig dieselbe Klage in freien Versen erhalten; da 
heisst es einfach: 

*749 : de aller bedröveste und slimmeste sake 
iß de nie alemodiske sprake, 
de nu vor etliken weinig jähren 
iß upgekamen vnd nie gebahren. 

Demgemäss werden auch in den Alexandrinern des HI. Gedichtes 
fast ausschliesslich Wörter französischen Ursprungs als alamodische 
bekämpft (vgl. UI 117. 119. 189—196. 295—302. 381—386), während 
die in den freien Versen desselben Gedichtes verspotteten Fremdwörter 
den verschiedensten Idiomen angehören (vgl. bes. 175 — 188). 

Auch sonst wird in den freien Versen allgemein gegen aus- 
ländisches Wesen geeifert: in HI 411 f. spottet L. z. B. darüber, 
dass alle Reden mit „uthlendische Wort^ zusammengeflickt sein 
müssten, und in II 23 klagt er über die Einführung ausländischer 
Trachten. Die Ausfälle gegen Frankreich allein sind dagegen in diesen 
Versen sehr selten (vgl. III 91 f., wo er das „Land Parys" der Völker 
„Vegetasche" nennt, und III 170, wo er behauptet, die französische 
Sprache habe der deutschen die Nase abgeschnitten). 

Welche Bedeutung gerade dieser Unterschied zwischen den freien 
Versen und den Alexandrinern für meine Untersuchungen hat, lässt 
sich erst ermessen, wenn man beachtet, wie in der Alamodesatire des 
17. Jhs. der Kampf gegen fremdländisches Wesen überhaupt sich erst 



1) I 188 (= *188). — 2) III 298 (= *890). — ^)l 225—230 (= *225-230). 
— *) ni 281-290 (= *873-892). — «) II 361-401. - «) II 751-754. — ') III 91 f. 



79 

mit der Zeit zum Kampfe gegen das Eindringen französischen Wesens 
zuspitzt. Ein Ausblick auf diese Seite der Entwicklung der Alamode- 
satire ist daher an dieser Stelle notwendig. 

Hans Wolff sagt in seiner Dissertation über den Purismus in der 
deutschen Litteratur des 17. Jahrhunderts (Strassburg 1888) S. 14, 
dass der französische Einfluss im Laufe des dreissigj ährigen Krieges 
die anderen (bes. die südromanischen) Einflüsse ganz in den Hinter- 
grund gedrängt habe. Diese Entwicklung ging besonders rasch von 
statten, seitdem Frankreich sich in den deutschen Bürgerkrieg ein- 
mischte und französische Truppen in unmittelbare Berührung mit dem 
deutschen Volke kamen: also um die Wende der dreissiger Jahre. 
Die folgenden Jahre kennzeichnen sich durch immer grössere Aus- 
breitung französischer Wörter, Trachten und Gewohnheiten. Mit dem 
Jahre 1648 ist der Sieg Frankreichs völlig gesichert: seit dem Osna- 
brücker Frieden war seinem Einfluss in Deutschland Thür und Thor 
geöffnet.^) 

Dieser geschichtlichen Entwicklung entspricht auch die Ent- 
wicklung der Alamodesatire. Für die Verfasser der ersten Schriften 
dieser Art ist alamodisch noch ein Schlagwort, mit dem sie jeden 
fremdländischen Einfluss bezeichnen. Der Arheiliger Kapellan Johann 
Ellinger, der einer der ersten Rufer im Streite gegen das Alamode- 
wesen war^), giebt für das Wort folgende Erklärung: ^So acht ich 
demnach, das Wort Ällmodi werde erstlich auff Teutsch vnd Latein 
zusammengeflicket, vnd heisst Allmodi, so viel alss allerley Weiss vnnd 

Gattung Da gibts Teutsche Spanier; Teutsche Franzosen; 

Teutsche Italiener; Teutsche Engelländer. Summa: Der Teutsche 
ManD, ein Allmodisch Mann." (Vorrede des Allmod. Kleyder Teuffels.) 

Nach Moscheroschs ;,Philander" besteht schon eines „new- 
siiehtigen Teutschlings Herz aus ^/s Frantzösisch, ^/s Spanisch, 
Vs Italiänisch, kaum ^/s Teutsch.''^) Seine Soldaten wettern „new- 
erfundene Frantzösisch-Belialische dlamode Flüche ; seine Frauen lassen 
sich neue Kleider und „alamodebekleidete Puppen" aus der französischen 
Hauptstadt kommen, und der Pariser Schneider ist nach ihm für 
einen Modenarren das Idealwesen der Zeit. Was gleichzeitig mit und 
nach dem Philander an satirischen Schriften herauskam, suchte immer 
einseitiger mit dem Alamodewesen zugleich französisches Wesen zu 
treffen.*) In Logaus Sinngedichten, die uns z. T. mit der Angabe 

*) Wolff a. a. 0. S. 110 führt dies weiter aus. — ^) Die ersten Alamode- 
satiren erscheinen in Gestalt von Flugblättern um 1628. Ellingers Werk: 
„Allmodischer Kleyder Teuffei" erschien 1629. Ein Exemplar des seltenen Werkes 
befindet sich in der Bibliothek des Freiherrn v. Lipperheide in Berlin. — ^) Ich 
zitiere nach der Leydener Ausgabe von 1646. Doch sind die für meine Unter- 
suchungen besonders wichtigen Kapitel: „Alamodekehrauss" und „Hanss hinüber, 
Ganss herüber" schon zwischen 1640 und 1642 entstanden. — *) So „Der Vnartig 
Teutscher Sprachverderber" von 1643 und seine zahlreichen Bearbeitungen (vgl. 
H. Graf: Der Sprachverderber von 1643 und die aus ihm hervorgegangenen Schriften, 
Jena 1892), unter ihnen besonders die Erweiterung von 1644; so ferner „Der 
Teutschen Sprache Ehren-Krantz" von 1644 mit fast nur französischen Modewörtern, 
so endlich die diesbezüglichen Schriften Zesens und Rists u. s. w. 



80 

ihres Entstehungsjahres erhalten sind^), tritt diese Entwicklung der 
Alamodesatire am klarsten zutage. Eines seiner ersten Alamode- 
epigramme vom J. 1638 lautet: 

Bas Deutsche Land ist arm; die Sprache Jean es sagen^ 
Die jetzt so mager ist, dafs ihr man zu mufs tragen 
Aufs Frankreich, was sie dar ff, und her vom Tiber- Strom, 
Wo vor Latein starb auch mit dir, Unrömisch Rom! 
Zum Theü schickts der Iber, Das andre wird genummen, 
So gut es wird gezeugt und au ff die Welt ist Jcummen, 
Durch einen Gerne- Klug, der, wenn der Geist ihn rürt, 
Jetzt dieses Prale-Wort, jetzt jenes aufsgebiert. 
Die Musen würcUen zwar durch Tduge Tichter- Sinnen, 
Das Deutschland solte Deutsch und artlich reden künnen; 
Mars aber schafft es ab und hat es so geschickt, 
Dafs Deutschland ist Blut-arm; drum geht es so geflickt.'^) 

In den Sinngedichten aber, die seit etwa 1648 entstanden sind, 
bezeichnet er, gerade wie L. in den Alexandrinerpartieen der Schgg., 
mit alamodisch und französisch dieselbe Sache. (Vgl. I 9,83: Fran- 
tzösische Kleidung, II 6,94: Frantzösische Sprache, II 8,59: Frank- 
reich, II 10,7: Frankreich, III 1,86: Auff frantzösisch, III 5,20: Fran- 
tzösische Geberde, III 5,43; III 5,63; III 6,18; III 6,36 u. a. m.) 

Der Kampf gegen den Trachtenwechsel. 

Auf keinem Gebiete hat das französische Wesen in jener Zeit 
einen so vollständigen Sieg errungen als auf dem der Mode. Die 
französische Hoftracht, wie sie sich unter Ludwig XIII. herausbildete, 
war um die Mitte des Jahrhunderts in ganz West- und Mitteleuropa 
vorbildlich geworden.^) Gegen sie haben sich alle Kleiderordnungen 
der Behörden, alle Donnerreden der Geistlichen, aller Spott der 
Satiriker als machtlos erwiesen. Vergegenwärtigen wir uns kurz das 
Bild, das diese Tracht bot.^) Die Männer trugen grosse, meist natur- 
farbene Reiterstiefel mit umgekrämpten abstehenden Stulpen und 
klirrenden Sporen, weite, bis zum Knie reichende Hosen, und ein 
Wamms von verschiedener Länge, das am Halse von einem grossen 
Spitzenkragen überdeckt wurde. Den Kopf umwallte langgelocktes, 
teils natürliches, teils künstliches Haar (Perrücke), welches ein weicher, 
meist breitrandiger Hut mit mannigfachem Federputz (Respondent 

*) Mit ihrer Hülfe hat Eitner auch alle übrigen chronologisch geordnet ; vgl. 
S. 741 seiner Ausgabe. — *) Friedrich von Logau : Sämtliche Sinngedichte, heraiisg. 
V. Gustav Eitner, Nr. 113 des Stuttgarter Litterar. Vereins 1872. S. 68. — 
3) H. Weiss, Kostümkunde II 2. Stuttgart 1872. S. 982. — *) Zu der folgenden 
Darstellung vgl. bes. Weiss a. a. 0. v. S. 983 ab. Auch die für die Trachten- 
geschichte wichtigen Werke v. Falk, Hottenroth, Hefner - Alteneck, J. Quicherats 
Ilistoire du costume en France, Lacroix's XVIIe si^cle, ferner die weltbekannten 
Porträts und Genrebilder der niederländischen Maler, die zeitgenössischen Stiche 
eines Abraham de Bosse, Merian u. v. aa. bieten reichliches Material zur Vergleichung. 



81 

genannt) bedeckte. Der Kinnbart wurde mehr und mehr zugestutzt, 
bis er schliesslich ganz wegfiel, während der nach oben gebogene 
Schnurrbart in allerdings sehr verkümmerter Gestalt sich noch manches 
Jahrzehnt erhielt. Bei der weiblichen Tracht fällt einem besonders 
das Leibchen mit vorwiegend weitem Halsausschnitt, hochgerückter 
Taille, sehr kurzen Schössen und meist kurzen Aermeln auf. Das 
Haar hatte nur eine sehr spärliche Bedeckung und fiel in zierlichen, 
wohl geordneten Locken bis zu den Schultern herab. Bei Männern 
und Frauen gleich beliebt waren die zahllosen Bänder und Nesteln, 
die man als ^Faveurs^ an den verschiedensten Teilen des Kleides 
anbrachte. 

Gegen diese Modestücke eifern die Satiriker jener Zeit am 
meisten. Lauremberg hat ihrer Bekämpfung das zweite Gedicht 
gewidmet. Es ist mit 798 Versen das längste seiner Gedichte. Zu 
diesem Umfange ist es aber erst durch starke Zusätze aus der Zeit 
der letzten Redaktion angewachsen. Die längsten dieser Interpolationen 
sind II 251—305, 339—498, 563—590, 611—798. Merkwürdigerweise 
sind es nun gerade diese Zusätze, wo sich der Dichter mit den eben 
erwähnten Modestücken beschäftigt. Ueber die grossen ßeiterstiefel 
und die Herkunft ihres Namens lässt er sich II 625 — 634 aus; die 
weiten, mit Favoren geschmückten Hosen geben ihm II 563 — 590 Ver- 
anlassung zu mancherlei Betrachtungen über die vielseitige Ver- 
wendbarkeit und den Zweck der beliebten Zierbänder; über die Ent- 
stehung der Perrücke und des dazu verwandten Puders weiss er 
II 389 — 452 ergötzlich zu scherzen. In II 271—305 lässt er Aalke 
Qmcks über die fortschreitende Verkümmerung des Bartes und der 
alten, ehrbaren Frauenhaube ^), über die kurzen Schösse und nicht 
minder kurzen Aermel der Damenleibchen klagen. 

Man verfolge nun, welche Trachten und Kleidungsstücke in den 
freien Versen den Spott des Dichters herausfordern. Er berichtet 
II 55—58 (vgl. H *449 ff.): 

De Adeliken Junfern hebben nu begunnen 
Sich tho Kleden als GeestUken Nunnen, 
In langen Chappeloirs und schwarten engen Suken^ 
Als de Gewyheden van Svinte Cläre hruken. 
(fiir 57. 58 in H *451 f.: 

mit langen Swedisken rhcken bet up de waden^ 
alß went de Sweden en also hedden gebaden). 

Dieser Bericht erinnert den Dichter an frühere Zeiten, wo sich 
adelige Damen wie schlichte Bürgermädchen mit bloten Brhsten^ mit 
Uotem Halse^ und Enggen halff naked zu zeigen pflegten. V. 333 ff. 
(*673 ff.) erfahren wir, dass die Damen seiner Zeit sich mit goldenen 

^) Dass die Franenhaube damals m Dänemark noch nicht so ganz verkümmert 
war, wie man nach dieser Stelle vermuten sollte, beweist die Thatsache, dass der 
Dichter sie an einer in D interpolierten Stelle (II 682) als Putzstück der Frauen 
erwähnt. 

Niedeideuisohes Jahrbuch XXY. fi 



82 

Ketten zu behängen, V. 591 f. (*733 f.), dass man Sko mit Hhme 
(erst nach D mit dubbelde Hhrne) und breitrandige Hüte zu tragen 
liebte. Aus den Aermeln liessen die Gecken das feingebügelte Hemd 
hervorsehen, während sie an den Aermelenden doppelt -gekräuselte 
Manschetten trugen (II 603 — 608). Damit ist das Verzeichnis der 
wichtigsten in den freien Versen erwähnten Kleidungsstücke erledigt. 
Welche davon sind nun als charakteristische Bestandteile' der neuen, 
der französischen Mode anzusehen? Bezeichnenderweise kein einziges. 
Die II 55 ff erwähnte Tracht, die nach des Dichters eigener 
Beschreibung dem Ordenskleide der Klarissinnen ähnlich ist, hat mit 
der aus Frankreich gekommenen Frauenkleidung nichts gemeinsam. 
Dass sich die Frauen goldene Ketten umzuhängen liebten, ist ebenso- 
wenig ein Charakteristikum der neuen wie der Mode früherer Tage. 
Der breitrandige Hut, in Frankreich schon seit Heinrich IV. bevorzugt 
(Weiss a. a. 0. S. 580), in Deutschland eine Fortsetzung des alten 
weichen Bauernhutes, hielt sich entgegen des Dichters Meinung {Men 
werd se doch ock hold werden mode) während der ganzen ersten Hälfte 
des Jahrhunderts als die beliebteste Kopfbedeckung (Weiss a. a. 0. 
S. 986 f.). Gekräuselte Manschetten waren schon im 16. Jh. ein 
beliebtes Zierstück; sie wurden übrigens im Laufe des dreissigj ährigen 
Krieges von den zurückgeschlagenen Spitzenmanschetten verdrängt 
(Weiss, a. a. 0. S. 983). Die Schlitzärmel verdanken nach Weiss 
S. 987 ihr Dasein nur der Wiederbelebung einer bereits veralteten 
Mode und wurden in Frankreich z. B. schon Ende der dreissiger 
Jahre von enganschliessenden, ungeschlitzten Aermeln verdrängt. Die 
spitzen Schuhe, von denen L. noch in H redet (Sko mit Hbrne) sind 
ebenfalls im Laufe der vierziger Jahre den Sko mit dubbelde Hhrne (D) 
d. h. vorn scharf abgekanteten, rechts und links mit Hörnern ver- 
sehenen Schuhen gewichen^), eine Wandlung, von der dieses Kleidungs- 
stück, wie des Dichters eigene Aenderung bezeugt, auch in Dänemark 
nicht verschont blieb. 

Aber warum thut der Dichter in den freien Versen der oben 
erwähnten Charakteristika der neuen Mode gar keine Erwähnung? 
Warum spricht er hier nicht von den grossen ßeiterstiefeln, die durch 
den Krieg wohl am schnellsten von allen Neuerungen in ganz West- 
und Mitteleuropa Verbreitung fanden?^) Warum schweigt er von der 
Perrücke, die sich im 17. Jh. trotz der schärfsten Anfeindungen einer 
immer grösseren Beliebtheit erfreute, warum von den Favoren, die 

*) Vgl. über die Form dieser Schuhe Hefner -Alteneck, B. X. Nr. 683 und 
G. Hirths Kulturhist. Bilderatlas IV, Titelblatt. Eine in der Freiherrlich v. Lipper- 
heideschen Sammlung für Kostüm Wissenschaft befindl. Hs. ^^ Poetisch Schertz- Gedicht, 
Auff die jetzigen närrischen Complementen und Französische Kleider- Tracht" vom 
J. 1643 verspottet ebenfalls diese Schuhe, „Welche so getheilet stehn, Dass sie in 
zwo Hörner gehn," — *) Wie rasch der Stiefel sich neben dem Schuh in jener 
Zeit Eingang verschaffte, kann man am besten aus den zeitgenössischen Werken 
eines Abraham de Bosse (für Frankreich), eines Merian (in Theatrum Europaeum 
bs. f. Deutschland) und der zahlreichen niederländischen Künstler ersehen. Vgl. 
auch Weiss a. a. 0. S. 990. 






83 

den andern Dichtern der Zeit so überreichen Stoff zur Satire gaben? 
Eine Antwort auf diese Frage finde ich nur in der Annahme, dass 
jene freien Verse des IL Gedichtes zu einer Zeit entstanden sind, wo 
die neue Tracht in Dänemark noch unbekannt war oder doch nur 
sehr geringe Verbreitung gefunden hatte. 

Es könnte allerdings widersinnig erscheinen, dass L. gewagt 
haben sollte, eine Tracht wie die II 55 erwähnte noch im Jahre 1652 
als neu zu bezeichnen, während sie vielleicht schon 15 bis 20 Jahre 
früher aufkam. Doch ein Blick in die Geschichte des Trachtenwandels 
jener Zeit belehrt uns eines andern. Die Tracht, die unter Ludwig XIII. 
zur Ausbildung kam, hat selbst in Frankreich längere Zeit gebraucht, 
bis sie sich von der früher herrschenden gänzlich losgelöst hatte 
(Weiss a. a. 0. S. 982). Ausserhalb Frankreichs ging diese Ent- 
wicklung noch langsamer vor sich. In Dänemark hat der Umwande- 
lungsprozess am längsten gedauert. Nach Weiss (S. 1061 f.) währte 
dort der Kampf der bestehenden Tracht mit den neuen französischen 
Formen ;,bis zu deren nachhaltigem Uebergewicht mindestens bis 
zur Mitte des Jahrhunderts.'' Und selbst diesen späten Sieg der 
französischen Mode giebt er zunächst nur für die höchsten und höheren 
Stände zu. ;,Was nicht zu ihnen zählte, wie denn das Volk im 
engeren Sinne samt der städtischen Bevölkerung der von der Haupt- 
stadt entfernteren Gebiete, verharrte in noch höherem Masse bei der 
gewohnten Gestaltung oder doch bei dem Bestreben, die einmal nicht 

mehr abzuwehrenden Neuerungen ihnen thunlichst anzupassen 

Erst bis zur Mitte der sechziger Jahre verdrängt sie bei den 
gebildeten Ständen der tonangebenden Städte durchweg, voraus beim 
weiblichen Geschlechte, von heimatlich überlieferten Formen ebenfalls 
nahezu jeden Rest'' (a. a. 0. S. 1062). Von diesem Standpunkte 
betrachtet, erklärt sich der oben angedeutete scheinbare Widerspruch 
sehr wohl. Wenn die französische Tracht weit über 30 Jahre brauchte, 
bis sie in Dänemark zu anerkannter Herrschaft gelangte, dann haben 
auch andere Modewandlungen, wie die II 55 erwähnte^), sicherlich 

*) Wie man sich übrigens grade diese Tracht vorzustellen hat, lässt sich 
nicht mehr genau feststellen. Aus Laurembergs Darstellung wird nur klar, dass 
sie Aehnlichkeit mit dem Ordensgewande der Klarissinnen hatte. Die Veränderung, 
die die Verse II 57 f. erfahren haben (vgl. H *451 f.), lässt vermuten, dass noch 
vor ihrer definitiven Einbürgerung eine Wandlung bei dieser Tracht stattgefunden 
bat. Nach II 720 war das Kleid bei adligen Damen aus schwarzem Sammet 
gefertigt. Am meisten entspricht de;r vom Dichter gegebenen Beschreibung die bei 
Weiss S. 1026 (vgl. Fig. 371 S. 1039) beschriebene, aus Holland stammende Frauen- 
tracht, die schon im Laufe des 2. Jahrzehnts in Westdeutschland und bald darauf 
in den nördlichen Handelsstädten, Bremen, Lübeck u. s w., Aufnahme fand. Der 
mantelartige üeberwurf, den die Frauen über den Kopf zu nehmen pflegten (huike), 
hat viel Aehnlichkeit mit dem ebenfalls über dem Kopf getragenen üeberwurf der 
Klarissinnen und Beguinen. Vgl. dazu d. Abbildungen bei Adrien Schoonebeck, 
Histoire des Ordres Religieux, Amsterd. 1695. II 77 u. II 19. — L'Abb^ Tiron, 
Hist. et Costumes des Ordres Religieux. Bruxelles 1845; I 179 und 1 259. — 
Eine von Wenzel HoUar in seiner Aula Veneris (1644) abgebildete Mulier Danica 
(S. 1) trägt ebenfalls einen mantelartigen üeberwurf, der jedoch nur bis zum Halse 
reicht. Der Kopf ist mit einer Haube bedeckt. 

6* 



84 

recht lange Zeit gebraucht, bis sie sich so eingebürgert hatten, dass 
sie nicht mehr als neu empfunden wurden. 

Zasammeiifassuiig der bisher gewonnenen Resultate. 

Wir sind im vorausgehenden (S. 64 — 84) zu folgenden Ergeb- 
nissen gelangt: 

1.) In den Schgg. stehen sich zwei grundverschiedene Versarten, 
freie Verse und Alexandriner, gegenüber. 

2.) Diese beiden Metra werden vom Dichter nicht nach Belieben 
nebeneinander gebraucht, sondern sie verteilen sich auf bestimmte 
grössere Versgruppen. 

3.) Die metrisch verschiedenen Teile weichen auch sonst in wesent- 
lichen Punkten von einander ab; und zwar: 

a.) die Alexandrinerpartieen weisen eine doppelt so grosse 
Zahl von Fremdwörtern auf, als die in freien Versen ab- 
gefassten Stellen; 

b.) die Alexandrinerpartieen sind von den übrigen Versen 
inhaltlich durch ihren gelehrten Charakter geschieden; 

c.) in den Alexandrinerstellen nimmt der Dichter auf die 
Oeffentlichkeit Rücksicht, in den freien Versen dagegen 
nicht ; 

d.) der in den freien Versen geführte Kampf gegen fremdes 
Wesen hat sich in den Alexandrinerstellen zum Kampfe 
gegen französisches Wesen zugespitzt; 

e.) der Kampf gegen die neue (d. h. französische) Mode kommt 
nicht in den freien Versen, sondern nur in den Alexandriner- 
partieen zur Geltung. 

Angesichts solcher Thatsachen kann man unmöglich noch an 
der Annahme festhalten, dass die in freien Versen und die in 
Alexandrinern abgefassten Bestandteile zur selben Zeit gedichtet seien. 
Die metrisch verschiedenen Teile sind vielmehr auch zeitlich 
von einander zu trennen, und zwar gehören die in freien 
Versen gedichteten Stücke einer früheren, die Alexandriner- 
partieen einer späteren Schaffensperiode des Dichters an. 
Jene bilden den Grundstock der Satire, diese sind Zuthaten 
aus späterer Zeit. 

Hier mag auch die Erklärung, die ich mir oben S. 70 in 
Betreff der vorwiegend in Alexandrinern abgefassten Stücke *995 — 1014, 
*1430— 1530, *1567-1608, *1657— 1680 vorbehalten habe, ihren 
Platz finden. Diese Stücke lassen sich, wie schon erwähnt, 
inhaltlich von den umgebenden Versen kaum trennen. Wie kommt 
der Dichter nun dazu, viele von jenen Versen in das Gewand des 
Alexandriners zu kleiden? Man darf wohl als Erklärung annehmen, 
dass die hochdeutschen Alexandriner, die er *1430 f. (IV 386 f.) und 



85 

*1444 f. (IV 400 f.) zitiert, sowie die umfangreicheren Reden der 
beiden fingierten Gegner des Dichters *1475— 1498 (IV 431—454) 
und *1575 — 1594 (IV 527 — 546), die natürlich im Lieblingsverse der 
Opitzianer abgefasst werden mussten, bis zu einem bestimmten Masse 
die umgebenden Verse in ihrem Metrum beeinflussten. Ebenso ist 
es wohl möglich, dass L. zur Zeit der Entstehung von H an diesen 
Stellen Verbesserungen und kleine Erweiterungen vorgenommen 
hat, die, wie die umfangreichen Interpolationen *1 — 388, *857 — 988 
u. s. w., die Form des damals so beliebten Alexandriners annahmen. 

Einiges Aber die mutmassliche Gestalt des Urtextes. 

Nach dem im vorigen Kapitel gewonnenen Resultate würde sich 
der Urtext hinsichtlich seines Umfangs auf die Gedichte II, III und IV 
des Druckes beschränken, also auf den Teil der Satire, den L. in H 
als den Brief eines alten Freundes darstellt. Nun sind aber auch die 
zum Briefe überleitenden Verse *379 — 388 (idt mach gähn dlfs idt 
geit^ alfs idt ifs mach idt w'esen, doch will ick jutv tho lest ein Breef- 
ken laten lesen u. s. w.) ihres Versmasses wegen als Zusätze aus 
späterer Zeit erwiesen. Daraus ergiebt sich, dass dem Urtexte die 
epistelartige Einkleidung überhaupt fehlte. Es ist auch gar nicht 
einzusehen, weshalb der Dichter schon von Beginn der Satire an 
diese als das Werk eines ungenannten Freundes habe ausgeben sollen. 
Aber man wird vielleicht die Gegenfrage stellen: warum soll L. erst 
später zu dieser Einkleidung gegriffen haben? Dafür liesse sich 
allerdings ein Grund anführen, der Wechsel des Metrums nämlich. 
Man stelle sich einmal die Hs. in einer Fassung vor, wo die znin 
Briefe überleitenden und die ihn abschliessenden Verse fehlen, wo 
also gleich auf den letzten Alexandriner des jetzigen I. Gedichtes 
(379) die lange Reihe von freien Versen und auf den letzten dieser 
auf einmal wieder 22 Alexandriner gefolgt wären. Hätte ein so schroffer 
Gegensatz im Rhythmus nicht jedem Leser auffallen müssen? Und 
hätte nicht jeder Leser herausgefunden, dass der Dichter doch 
eigentlich gar kein Recht hatte, gegen die metrischen Puristen seiner 
Zeit zu eifern, da er selber Hunderte seiner Verse nach ihren Gesetzen 
zustutzte? L. aber brauchte sicherlich nicht viel Selbstkritik zu 
üben, um den Widerspruch zu erkennen, in den er sich durch die 
neuhinzugedichteten Alexandriner verwickelt hatte. Doch er wusste 
sich zu helfen: er stellte die freien Verse mit ihren hahnebüchenen 
Ausfällen gegen die Anhänger der ^'dMschen Prosodie" als das 
dichterische Erzeugnis eines ^''van der Art der Olden" hin, dessen 
^'Stil noch nich formeerf ist, ^^alfs nu de nien Poeten afftellen ere 
Ilym'\ und alle Schwierigkeiten waren beseitigt. 

Warum verzichtete der Dichter aber später auf diesen Notbehelf? 
Um diese Frage zu beantworten, genügt wieder ein Blick auf das 
Metrum. Wir wissen, dass die Zusätze letzter Hand fast durchgängig 
in alexandrinischem Versmass abgefasst sind, wir wissen auch. 



86 

dass diese Zusätze sich der Mehrzahl nach auf die Gedichte II, III 
und IV, also grade auf den früheren Brief, erstrecken. L. konnte 
die Epistelform nicht mehr beibehalten, da sich nun in dem Briefe 
dieselben metrischen Widersprüche wiederholten, die den Dichter 
schon früher in Verlegenheit gebracht hatten. Dafür fand er aber 
zwei andere Auskunftsmittel. Er teilte zunächst die Satire in ver- 
schiedene Gedichte ein, und dadurch gelang es ihm, z, B. den Schroffen 
Gegensatz zwischen dem Metrum des jetzigen ersten und dem des 
zweiten Gedichtes abzuschwächen. Ferner suchte er die hinzu- 
gedichteten Alexandrinerstücke durch voraufgehende oder nachfolgende 
üebergangsverse möglichst unauflfällig in die ursprüngliche Satire 
einzuflechten (vgl. oben S. 64 f.). Wie gut ihm das gelungen ist, 
beweist die Thatsache, dass man bis heute den Zwiespalt, an dem 
die Schgg. in metrischer Hinsicht leiden, allgemein übersehen hat. 

Auch die Frage nach der Stellung des „iwAöZ^s" mag hier ihre 
Erledigung finden. Ich habe sie bisher absichtlich nicht berührt, da 
der „Inholt*^ ausser dem Metrum keine besonders hervortretenden 
Merkmale besitzt, auf die hin man die Entstehungszeit des Gedichtes 
festlegen könnte. Jetzt, wo sich das Metrum als der sicherste Weg- 
weiser für meine Untersuchungen erwiesen hat, kann man es un- 
bedenklich zur Beantwortung der vorliegenden Frage heranziehen. 

Der ;,Inholt^ ist in sechszeiligen trochäischen Strophen abgefasst. 
Sämmtliche Verse sind vierhebig, der erste und vierte haben klingenden, 
die übrigen stumpfen Reim. Die Reimordnung ist a'^b b a'^cc. Man 
hat es also mit regelmässig gebauten Versen und kunstmässigem 
Strophengefüge zu thun. Metrische Freiheiten finden sich nirgends; 
vielmehr greift der Dichter dem Versmasse zu Liebe zu grammatischen 
Lizenzen. Man vgl. V. 42 mins Vaders, V. 29 Schlichtes Völck und 
11 nie GesancJc, V. 2 die veraltete Form Werrelt, während L. sonst 
stets Welt gebraucht. Die Elision des unbetonten e ist in V. 36 
beobachtet: wisejunä schiele. — Alamode (V. 13) ist im ^ylnholf^ 
gleichbedeutend mit Französisch; vgl. V. 19: 

Solche doerheit tvert gehalet 
All uth Franckrick, darvor is 
Mennig Schilling, ja gewis 
Mennig tunne Gold betalet. 

Mit den freien Versen wird man danach den Inholt zeitlich 
nicht zusammenstellen dürfen; er muss vielmehr gleichzeitig mit den 
Alexandrinern entstanden sein. 

Einigen Aufschluss über die ursprüngliche Gestalt der Satire 
giebt uns endlich der handschriftlich überlieferte Titel. Er lautet: 

Skimpgedichte, 
Van etliken Stücken, na der itis 

gehrückliken Mode^ 
Alse^ Kleder, Sprake^ Poesie, &c. 

In Nedderdüdisk gerimet. 



87 

Merkwürdigerweise spricht dieser Titel nur von drei Dingen, die in 
der Satire gegeisselt werden sollen: Kleider, Sprache und Poesie. 
Und doch enthält schon H jene 379 Alexandriner, deren Inhalt in 
D durch die allgemein gehaltene Ueherschrift : "Fait der Minschen 
jtzigem Wandel und Maneeren" gekennzeichnet ist. Der hschr. Titel, 
der diese 379 Alexandriner noch ganz unberücksichtigt lässt, muss 
also schon vor ihnen existiert haben und wird aller Wahrscheinlichkeit 
nach aus der Zeit des ersten Entwurfs der Schgg. übernommen sein. 
In diesem Titel wird übrigens von Skimpgedickten gesprochen, 
gleichsam als ob es mehrere Gedichte gewesen wären, die er umfasste. 
Sollte unsere Satire wirklich schon von Anfang an die Teilung in 
verschiedene Gedichte gehabt haben, wie sie später der Druck auf- 
weist? Es scheint, ja! Man kann, ohne Gewalt zu gebrauchen, die 
Urfassung in drei kleinere Satiren zerlegen, von denen die erste die 
Verspottung der Mode, die zweite die Geisselung der Alamodesprache, 
die dritte den Kampf gegen die Vertreter der neuen hochdeutschen 
Kunstpoesie zum Gegenstand hat. Die Scheidung zwischen den ein- 
zelnen Gedichten ist noch in H gewahrt. Die Uebergänge sind kurz 
und zwanglos gehalten. Man vgl. z. B. V. *747 ff. (hinter II 610): 
der Dichter hat von den Modethorheiten seiner Zeitgenossen (van 
Kleäcrn) gesprochen und fährt nun fort: 

DU alles hedde nicht vel tho hedüden^ 
wen keine andere doerheit were hy den lüden, 
de aller bedröveste und slimmeste sake 
*750 ifs de nie almodiske sprake, 

de nu vor etliken weini^ jähren 
ifs upgekamen vnd niegehahren. 

Er schliesst dieses neue Gedicht {van der Sprake) mit der Verspottung 
der Titelsucht und meint dann zu Beginn des 3. Gedichtes {van der 
Poesie) (IV 31): 

*1079 Nu mochte ick doch wol weten geren, 

wat doch dat vor lüde gewesen wehren^ 
de am ersten sölke doerheidt bedacht, 
vnd de titel hebben so hoch gebracht. 

Die Antwort lautet: es sind die Poeten, Und diese werden nun im 
folgenden durchgehechelt. 

Damit wäre das Bild von dem Urtexte der Satire vollständig. 
Drei Spottgedichte von massigem Umfange, in freien Versen abgefasst 
und unter der schlichten Bezeichnung Skimpgedichte vereinigt: das 
dürfte jenes ursprüngliche Werkchen sein, das der Dichter nach seinem 
eigenen Geständnis an drei freien Mittwochnachmittagen zu seiner 
Erholung gedichtet hat. Wieviel Verse zu dieser Urfassung gehört 
haben, was davon später gestrichen oder umgeändert oder noch in 
freien Versen hinzugedichtet wurde, das lässt sich natürlich nicht 
mehr mit Sicherheit sagen. Es genügt uns, in allgemeinen Zügen 
die Gestalt jenes ersten Entwurfs festgelegt zu haben. 



88 



Die Entstehnngszeit des Urtextes. 

Wenn man sich vor Augen hält, wie scharf die Interpolationen 
von H und von D sich der Form wie ihrem ganzen Charakter nach 
von dem Urtext absondern, so wird man schon von vornherein geneigt 
sein, die Zeitspanne, die den Urtext von den beiden späteren Fassungen 
trennt, nicht nur auf wenige Jahre zu taxieren. Schon der Umstand, 
dass in der ersten Fassung noch nicht von überwiegendem Einfluss 
französischen Wesens die Rede ist, würde ihr Datum mindestens bis 
zum Ende der dreissiger Jahre hinaufrücken. ^) Und die Thatsache, 
dass der Kampf gegen die französische Tracht im Urtexte noch nicht 
zur Geltung kommt, spricht ebensowenig für ein zeitliches Zusammen- 
rücken der drei Versionen. Auch andere Argumente weisen auf einen 
ziemlichen Abstand zwischen dem Datum des Urtextes und dem der 
späteren Fassungen hin. Sehr lehrreich ist in dieser Hinsicht ein 
Vergleich der Schgg. mit der ;,Satyra^ des Dichters. Schon Lappen- 
berg hat auf mancherlei Punkte hingewiesen, in denen sich beide 
Spottgedichte berühren. Die wichtigsten von ihnen führe ich im 
folgenden an: 

Sat. 13 Cernitis ipsae, 

quanta cohors passim currat per compita, qui nee 
15. fönte Cahallino tinxerunt, labra nee unquam 
fatidica in bifido viderunt somnia eolle^ 
se magnos gaudent tarnen appellare poetas 
et sese immerito titillant nomine vatum. 

Vgl. damit Schgg. IV 255—58 (*1299— 1302): 

Dat Handwerck i$ jo so gar tho gemeen^ 
Versehe wil itzunder sehriven ider een.^) 
De jungen Bengels de kuem hont lesen^ 
De willen alle Poeten wesen. 

Sat. 27 f. Sine carmine nemo Magister 

nemo potest Doctor fieri. 

Aehnlich Schgg. IV 273 f. (*1315 f.): 

DesgeliJcen wen man wil frische Magisters backen^ 
So werden Carmen uthgedeelt mit ganteen Sacken, 

Sat. 34. Cum moritur dives, moestae sociata cupresso 
35. sportula chariarum properat: lugubre viritim 
pullata servus currens in sindone Carmen 
distrihuit populo: cantata haec ncenia pellit 
Eumenidas^ Stygii obturans tria guttura monstri^ 
nee sinit ut tristi .damnetur Spiritus Orco, 
40. tam longis numeris, tam crebro carmine tutus. 



*) Vgl. S. 79 dieser Arbeit. — *) In D allerdings ein. Doch dass dies ein 
Druckfehler ist beweist nicht nur der Reim, sondern auch H, das een hat. 



89 

Aehnlich Schgg. IV 263 ff. (*1307— 1316): 

Wen begraven schal werden ein Lyck^ 

Is idt gewesen jemand Vornehm und Ryck^ 

265. Strax moten uthgedeelet werden Carmen, 

Glyck als men Almissen uthdeelt den Armen, 
By si bona moet ein Carmen wesen, 
Bat eine wert gesungen^ dat ander wert gelesen: 
In bedrovet schwärt Papier is idt ingebunden^ 

370. Dat drifft de Trtiricheit weg thor stunden. 

De Seele wert glyck up nahm Hemmel geßhret^ 
Trotz einem Divel de er ein haer anrühret, 

Sat.44ff. Jam scanditur Oeta 

Doricus; epoto jam pridem Tibride^ docti 
turbantur latices Aganippidos Hippocrenes. 

Verwandt damit Schgg. IV 109 (*1153 ff.): 

Men de Poeten de dar hebben den Nahmen, 
110. Dat se n^wlick vam Parnass sind gekamen 
Vnd hebben den ganteen Helicon upgeschlaken^ 
De konen sick ere Versehe wol tho nttte maken 

115. Dat ^esapene Sap uth der Hippocrene 
Dat kan se selten up de Beene. 

Sat. 72 Jam denique taedet 

plectrorum citharaeque pudet^ si nulla laboris 
nuUaque nocturni referemus praemia olivi 
quam risum et sannam populi. Quin protinus artes 
expetis ignotaSy miser o Phoebe? Utque deinceps 
felix esse queas multoque superbus honore^ 
discito adulari Divis, effingere vultus 
Socraticos magnoque cliens palpare patrono. 
80. Deferre adsuescas mendacia^ teque magistro 
innocuos carpat furtiva calumnia mores, 
candorem lauda; sed cum te sancta loquutum 
audierit populus, mox solo teste salino, 
impleto dominas occultus proditor aures. 

Vgl. damit Schgg. IV 35—41 (*1083 ff.) : 

Ick hebbe wol ehr gehört u. s. w. 

Dar wer eine s^nderlicke arth van Creaturen, 

De mit Spitzhoden und den Vosschwante tho striken, 

In der gantisen Welt nicht hadden eres geliken, 

Mit Schmeicheln erwerven der Heren gunst, 

Dat wer er Meisterstück und grbteste Kunst, 

Ferner IV 73 ff. (*1121 ff.): 

De Orsake dat ick gah in stlken Lumpen, 

Is, detoyl ick nicht kan bringen grote grumpen: 



90 

Ick kan nicht pludern^ schnorcken noch prdlen, 

Noch andere over de Heckel holen. 

Denn nu is nicht vel daran gelegen^ 

Off einer Studeret hefft tho degen, 

Kan he man groet Spreken und Parleeren 

So kann he wol balde kahmen tho Ehren. 

Sat. 6. Jam conclamatum pene est: jam nostra^ sorores 
Aeoniae, e tenui dependet gloria filo, 
et per tot caste servatus secuta nobis 
praecipitem minitatur honos ac fama ruinam. 

Aehnlich Schgg. IV 361 f. (*1405 S.): 

Seet^ so hhnisch werden de Poeten verachtet^ 
Apollo mit sinen shstern schier gantz verschmachtet. 

Man sieht, zu allen diesen Stellen der Satyra lassen sich Anklänge 
nur in den dem Urtexte angehörigen freien Versen des IV. Gedichtes 
finden, das, wie ein grosser Teil der Satyra, der Verspottung der 
zeitgenössischen Poesie gewidmet ist. Wenn also ein Teil der Schgg. 
dem lateinischen Spottgedichte Ls. zeitlich nahe steht, so ist es gerade 
der Urtext. 

Nun finden sich in der Satyra allerdings auch Anspielungen und 
Gedanken, die nicht in dem Urtexte, wohl aber in den alexandrinischen 
Interpolationen der späteren Redaktionen wieder auftauchen. Aber 
gerade sie werfen ein helles Licht auf das zeitliche Verhältnis der 
beiden Satiren. In dem lateinischen Gedichte wird nämlich schon von 
gewissen Neuheiten gesprochen, die zu den hervorragendsten Kenn- 
zeichen der französischen Mode gehören. In V. 379 f. werden die 
grossen Reiterstiefel erwähnt: 

Aspice quam longo cupiant procurrere lapsu 
ingentes caligae; 

in V. 388 wird auf das Zustutzen des Bartes angespielt: 

hinc truncam ad barbam atque inde ad calcaria reptans; 

in V. 418 f. wird von der Sitte gesprochen, die Favoren ins Haar 
einzuflechten : 

intextaque (sc. coma) portat 
symbola secreti nimium pretiosa favoris. 

Diese Neuerungen waren also zur Zeit der Abfassung der 
Satyra, d, h. um d. J. 1636^), in Dänemark wenigstens bekannt. 
Da sie aber im Urtext noch nicht erwähnt werden, so bleibt nur die 
Annahme übrig, dass dieser bereits vor der "Satyra", also vor dem 



^) Dass die Satira nicht vor 1686 entstanden sein kann, beweist gerade die 
Erwähnung dieser Trachtenstücke, üebrigens legt auch Ludv. Daae, Anhang p. III, 
d. Jahr 1636 bestimmt als Jahr der ersten Ausgabe des Gedichtes fest, während 
er die Behauptung Langebeks, als habe eine Ausgabe von 1630 existiert, als einen 
blossen Lese- oder gar Druckfehler hinstellt. 



91 

Jahre 1636, entstanden ist. Diese Annahme wird zudem durch die 
Thatsache bestätigt, dass in der Satyra weniger gegen den Einfluss 
ausländischen Wesens im allgemeinen, als gegen denjenigen Frank- 
reichs geeifert wird, ein Zug, der bekanntlich dem Urtext auch noch 
fremd ist. Man vgl. dazu Sat. V. 444 — 457. 

Merkwürdigerweise muss man auch ein Argument zur chrono- 
logischen Bestimmung des Urtextes heranziehen, das schon einmal 
zur Datierung von H benutzt wurde. Es ist jener Bericht von der 
grossen Wasserflut III 419 ff. Dieser Bericht ist in freien Versen 
abgefasst^) und muss daher als ursprünglicher Bestandteil der Satire 
angesehen werden, wenn anders man nicht annehmen will, dass er 
später vom Dichter eingefügt wurde. Diese letztere Annahme lässt 
sich jedoch nicht mehr beweisen; während es sehr wohl möglich ist, 
dass die betr. Stelle schon von Anfang an der Satire angehörte und 
vom Dichter, da sie gerade für die Jahre 1649 und 1651 wieder gut 
zu gebrauchen war, unverändert beibehalten wurde. In der That passt 
die Stelle sehr gut auf eines der vor 1636 liegenden Jahre, nämlich 
auf 1634. Dieses Jahr ist durch eine der schrecklichsten Sturmfluten, 
die Europa in den letzten Jahrhunderten heimgesucht haben, bekannt 
geworden. Die Flut, übrigens die letzte, die auf die Gestaltung des 
nordischen Küstengebietes eine bedeutende Einwirkung äusserte, ergoss 
sich besonders über die Westküste von Schleswig -Holstein und die 
vorgelagerten Inseln (vgl. Daniel, Handbuch der Geographie, 1878 
III 6 und IV 397). Damals wurde die grosse Insel Nordstrand in 
das noch jetzt vorhandene Stück (2/3 Qmeile) und 15 kleinere Insel- 
fetzen zerrissen; der grösste Teil der ehemaligen Insel ist unter der 
Meeresflut verschwunden. Nach Merian, der ausführliche Angaben 
über das furchtbare Naturereignis bringt, wurden in Schleswig-Holstein 
24 Kirchspiele und Dorfschaften überschwemmt, 40 Deiche eingerissen, 
1336 Häuser, 28 Windmühlen und 6 Glockentürme vom Wasser 
gänzlich weggetrieben; 6123 Menschen und an 50 000 Stück Vieh 
wurden die Opfer der gewaltigen Flut. Nur 433 Menschenleben blieben 
erhalten^). Merian weiss übrigens aus dem Jahre 1634 nicht nur 
von dieser ^schröcklichen Straff Gottes^ zu berichten, wie er die 
üeberschwemmung in Uebereinstimmung mit unserem Dichter (III 419) 
nennt; auch aus England und Italien meldet er grosse Wasser- 
schäden. Danach würde auch die Behauptung Ls., dass Gott gante 
Baropa überschwemmen wollte, auf dieses Jahr passen. 

Somit dürfte der Urtext zwischen 1634 und 1636 entstanden sein. 



*) Die übrigen oben S. 58 ff. zur Bestimmung der Entstellungszeit von H 
herangezogenen Argumente finden sich alle in den Alexandrinerpartieen der Hand- 
schrift. — «) S. Theatr. Eur. ÜI, S. 374 f. Die Flut setzte die ganze Landschaft 
Eiderstedt unter Wasser. Anna Owena Hoyers, die Dichterin des „Dänischen Dörp- 
papen", schwebte damals drei Tage lang in Lebensgefahr. Vgl. den Bericht ihres 
Sohnes Kaspar bei Paul Schütze : Anna Owena Hoyers und ihre niederdeutsche Satire : 
Der dänische Dörppape. Zs. f. schlesw.-holst. Gesch. Bd. XV, S. 250. 



92 

Sehlassbemerkangen. 

Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit lassen sieb in folgende 
Sätze zusammenfassen: 

1.) Der von Bolte entdeckte handschriftliche Text der Scherzgedichte 
liegt der im Druck veröffentlichten Gestalt zeitlich ziemlich 
nahe. Er ist frühestens im J. 1649 entstanden, 

2.) Mehrfache Widersprüche in Inhalt und Form der handschrift- 
lichen Version lassen darauf schliessen, dass vor ihr bereits 
eine Fassung der Schgg. existierte, die wir kurz den Urtext 
nennen. 

3.) Dieser Urtext war in freien Versen abgefasst. Erst die Erweite- 
rungen und Verbesserungen aus späterer Zeit erscheinen der 
Mehrzahl nach im Gewände des Alexandriners. 

4.) Der ;, Inholt ^ sowie die epistelartige Einkleidung eines Teiles 
der handschriftlichen Version fehlten noch im Urtexte. 

5.) Der handschriftlich bewahrte Titel ist aller Wahrscheinlichkeit 
nach aus der ersten Fassung übernommen. Er lässt vermuten, 
dass drei Gedichte von massigem Umfange den Grundstock der 
Satire bildeten. 

6.) Diese Gedichte sind wahrscheinlich zwischen 1634 und 1636 
enstanden. 

Lauremberg hat also nachweislich in zwei verschiedenen Perioden 
an seiner niederdeutschen Satire gearbeitet, einmal in den Jahren 
1634 — 36 und dann wieder in der Zeit von 1649 — 52. Und gerade 
in diese Zeitabschnitte fallen auch seine übrigen nieder- 
deutschen Dichtungen. 1635 verfasste er die ndd. Zwischenspiele 
und liess sie drucken; — 1648 legte er sie neu auf; 1653 hat er 
zum Arion noch ein letztes derartiges Stück, diesmal in Versen, 
hinzugedichtet. 

Es ist natürlich, dass sich bei mir im Laufe der Zeit eine 
bestimmte Ansicht über die ursprüngliche Bestimmung und die spätere 
Entwicklung der Laurembergischen Satire ausgebildet hat. Ihre 
Wiedergabe mag den Schluss meiner Arbeit bilden. 

Als L. an den ersten Entwurf der Schgg. ging, stand er in der 
Blüte seines Lebens. Die Akademie, an der er lehrte, erfreute sich 
damals noch der reichlichsten Fürsorge ihres Gründers. L. war eine 
Zierde der Hochschule; seine wissenschaftlichen Leistungen hatten 
seinen Namen weit über die Grenzen Dänemarks hinausgetragen und 
manchen wissbegierigen Jüngling nach Soroe gelockt. Die meisten 
seiner Zuhörer gehörten dem Adel und den begüterten Ständen an, 
und so mag wohl durch sie manche Neuheit in Tracht und Sitte in 
dem dänischen Städtchen Eingang gefunden haben, die dem scharfen 
Blick des satirisch veranlagten Mathematikers nicht entging. Er war 
weit davon entfernt, mit dem heiligen Zorn des Moralpredigers gegen 
die mannigfachen Modethorheiten zu eifern, die er täglich zu beobachten 
Gelegenheit hatte. Er sagt selbst am Anfange der ursprünglichen 



93 

Satire (jetzt des IL Gedichtes), dass der lachende Demokrit mehr 
nach seinem Geschmack sei als der allzeit weinende Heraklit. 

16. Schold ick bewerten wat andre hehhen verbraken? 

Myn wenendt wurde belachet werden van allen LMen^ 
De my um mine Dorheit wtrden dichte brMen, 
Idt is beter, dat einer mit lachendem Mund 

20. In Kortwil apenbahre synes Hertens Grund, 

So griff er denn zur Feder, um in drei satirischen Gedichten die 
Schwächen der Zeitgenossen zu geissein. Für die Oeffentlichkeit waren 
diese Gedichte nicht bestimmt*) ; sie dienten nur dazu, den Freunden 
des Dichters bei passender Gelegenheit ein paar fröhliche Stunden 
zu bereiten. Der Dichter selbst sah sie auch keineswegs als eine 
bedeutende litterarische Leistung an, sonst hätte er nicht denselben 
Stoff bald darauf in einer stilgerechten, nach dem Muster seiner 
Lieblingsdichter Persius und Juvenal verfassten lateinischen Satire 
behandelt, die er der Oeffentlichkeit zu übergeben sich nicht scheute. 
Bald darauf (1639 — 42)» wurde er durch mehrjährige wissenschaftliche 
Reisen in Dänemark so in Anspruch genommen, dass er an poetische 
Arbeiten nicht denken konnte. Und kaum hatte er diese Reisen 
hinter sich, als eine Reihe von Schicksalsschlägen über ihn herein- 
brachen, die ihm die Freude an der heiteren Muse noch mehr ver- 
leiden mussten. 1643 brach der Krieg mit Schweden aus, der im 
Bromsebroer Frieden (1645) einen für Dänemark traurigen Abschluss 
erhielt. Die Akademie zu Soroe verlor dabei viele von ihren Ein- 
künften, so dass des Dichters materielle Lage sich verschlechterte. 
Langjähriges Siechtum kam hinzu, um ihm das Leben vollends zu 
verbittern. Er suchte Trost und Zerstreung in der Wissenschaft, wo 
sein Eifer schon so manches Werk zu Tage gefördert, wat mit kond 
in der Tal der guden Bhker gähn (Beschluth 84). Aber diese ge- 
lehrten Bücher halfen ihm nicht über die materiellen Sorgen hinweg, 
die für den alten Mann immer drückender wurden. 

85. Wöl is idt de sxdk Boeck tho lesen sick wurd schicken, 
Vndt idt tho kopen^ schold upschnbren sinen Ficken? 
Ein jeder seggen wfird, ^ßat Boeck is alto d&r" u. s. w. 

103. Wen averst jemand is de ein Scharteckschen schrifft^ 
Darmit men sine Lust und sine Kortzwyl drifft^ 
Bat is ein wacker Man, ein Man van groten Daden^ 
Van s?dkem Boeckschen hefft de Drhcker keinen schaden: 
He losst in einem Maend mehr Geld van s^lker Waer, 
Als vam gelehrden Boeck in sos off soven Jahr. 

und so kramt der Greis noch einmal das übermütige Jugendwerkehen 
hervor, um es der Oeffentlichkeit zu übergeben. Aber in der ur- 
sprünglichen Gestalt kann er es nicht mehr lassen: die veränderten 



*) Vgl. dazu S. 76 f. 



94 

Zeiten bedingen auch eine Aenderung seiner Satire. Der erste Um- 
arbeitungsversuch ist uns in der Handschrift erhalten geblieben: die 
kurze sachgemässe Einleitung genügt dem Dichter nicht mehr; er 
schreibt eine andere, die er bis zu 380 Versen ausspinnt. Er erwei- 
tert das Gedicht über die Alamodesprache durch die Einflechtung 
zweier Episoden (*857 — 988) und fügt endlich dem Ganzen ein paar 
Schlussworte an, die dem kritischen Leser den Glauben nehmen sollen, 
der hochberühmte Humanist und Mathematikprofessor lege besonderen 
Wert auf das „Lumpenwerk^, das er da ans Licht bringe. 

Aber das Werk war auch in dieser Gestalt noch nicht druckreif. 
Manche Neuheiten in Tracht und Sitte hatten sich im Laufe der 
Zeit eingebürgert: auch sie mussten berücksichtigt werden. Von 
Frankreich waren sie fast alle gekommen, und gegen Frankreich 
wendet sich denn auch ganz besonders der Eifer des Satirikers. Die 
in der ersten Umarbeitung versuchte epistelartige Einkleidung der 
ursprünglichen Satire liess sich infolge der zahl- und umfangreichen 
Erweiterungen nicht mehr beibehalten ; so wurde das Ganze in mehrere 
Gedichte geteilt, denen ein 138 Verse umfassender Beschluss an den 
Leser folgte. — So dürfte im grossen und ganzen die Entstehungs- 
geschichte unserer Satire zu denken sein. 

Es ist nur zu natürlich, dass die mannigfachen Interpolationen 
aus den späteren Jahren der Einheitlichkeit der Satire Abbruch thun 
mussten. Mit den Zeiten war auch der Dichter ein anderer geworden, 
und so konnte es nicht ausbleiben, dass die Zusätze der beiden 
letzten Fassungen manche Züge annahmen, die der ursprünglichen 
Dichtung noch nicht anhafteten. Ich habe oben S. 64 — 84 bereits 
Gelegenheit gehabt, eine Reihe von Sonderheiten dieser Erweitemngen 
nachzuweisen. Der schroffe Gegensatz zwischen dem Metrum der 
Interpolationen und dem des Urtextes fällt dabei am meisten auf. 
Mag nun der Dichter zu dem neuen Versmasse gegriffen haben, um 
seine Satire dem Geschmack der Zeit anzupassen, mag er damit haben 
beweisen wollen, dass er die neuen Formen gerade so sicher behersche, 
wie die, die sich über seine altfränkische Reimweise lustig zu machen 
pflegten: die Thatsache, dass die Einheitlichkeit in der Form der 
Dichtung gestört ist, wird durch diese Gründe nicht aus der Welt 
geschafft. 

Aber selbst in ihrem innersten Wesen trennen sich die Inter- 
polationen vom Urtexte. Die ursprüngliche Satire ist im wesentlichen 
episch gehalten, in den Zusätzen dagegen tritt das lyrische Element 
in den Vordergrund. Der Urtext setzt sich zum grossen Teil aus 
einer langen Reihe von Episoden zusammen, die die spottende Lehre 
entweder vorbereiten oder sie scheinbar verborgen und doch leicht 
erkennbar in sich selber tragen. So giebt die ganz kurz gehaltene 
Erwähnung einer neuen Tracht (II 55) dem Dichter Anlass zur Er- 
zählung von drei Episoden, die mit echt epischer Breite und genauer 
Darstellung aller Einzelheiten vorgetragen werden.^) Bald darauf folgt 

») II 77—86, 87—126, 127-244. 



95 

die Episode mit Matz Pump.^) Auch das folgende Gedicht über die 
Alamodesprache enthält eine Reihe epischer Situationen.*) In dem 
letzten Gedichte endlich ist der ganze Kampf gegen die zeitgenössische 
Poesie sowie die Verteidigung der niederdeutschen Sprache an zwei 
weit ausgesponnene Episoden geknüpft: den Besuch des Bettelpoeten 
und den Streit mit den beiden Modedichtern. Dabei liebt es der 
Verfasser, in echt epischer Weise selbst den Gang einer einmal ange- 
fangenen Erzählung zu unterbrechen und sich in der Darstellung einer 
anderen Episode zu ergehen, bis er plötzlich wieder mit einer leichten 
Wendung einbiegt und die alte Erzählung zu Ende führt. ^) 

In den Interpolationen fehlt zwar das epische Element nicht 
ganz (ich erinnere nur an die Einleitung I 1 — 50, die Erzählung von 
Philippe de Varan, die beiden Episoden in III 265 — 394), aber das 
Epische ist hier meistens nur anstossendes Motiv; im weiteren Ver- 
lauf der Dichtung kommt die Entwickelung individueller Stimmungen, 
also das lyrische Element, mehr und mehr zur Geltung. Nachdem 
L. z. B. in den ersten fünfzig Versen der Satire erzählt hat, welche 
Wandlungen Pythagoras nach seinem Tode durchgemacht, unterhält 
er den Leser in über 400 Versen mit einer Darlegung der mannig- 
fachen Wünsche, die er, der Dichter, über sein Fortleben nach dem 
Tode etwa haben könnte. Dabei hält er mit einer Offenbarung seiner 
jeweiligen Stimmung in keiner Weise zurück. Kaum hat er der 
Pariser Schneider Erwähnung gethan, als er in patriotischem Zorn 
auflodernd in die Worte ausbricht (I 221 ff.): 

Idt is gewifslick wdhr^ de Welt is sticken blindt^ 

Vnd hefft nicht mehr Verstand als ein drejahrig Kind. 

Wat is dat vor ein waen de nu is ingereten^ 

Kan wöl ein nerscher syn, det mocht ick gerne weten, * 

All wat geschiklich is, alle Adelike Bracht^ 

Alle Hoffligkeit moet syn uth Franckrick hergebracht, 

iiit einer Hyäne möchte er das verhasste Nachbarland vergleichen, 
das den thörichten Deutschen den letzten Tropfen Lebensblutes aus- 
saugt. Die modesüchtigen Weiber sähe er am liebsten in einer 
Tracht, die sich nie verändern könnte. Aber gleich darauf setzt er 
mit Bitterkeit hinzu (I 433 ff.) : 

Man wat bin ick en Geck, dat ick so reden kan? 
Wat is idt vor en Drohm de my khmt tvakend an? 
Wat ick gereedt dat sint Gastelen in der Lucht, 
Myn Anslag und myn Wunsch verswinden ahne Frucht, 

Und resigniert schliesst er mit den Worten (455 f.): 

Idt mach gähn als idt geil: wenn ick nicht hoge stige, 
Fracht ick nicht vor den Fall. Dartm ick numehr swige. 



^) II 521— 555. — «) Vgl. III 153-168. 199-234. 419-480. — ») Vgl. 
bes. IV 45-366. 



96 

Am leidenschaftlichsten wird er in den Versen I 305 — 314 und 
I 393 — 406, wo er seine Jugendzeit zurückwünscht. Eine unendliche 
Sehnsucht nach Gesundheit, Glück und Jugendfrische spricht aus 
diesen Zeilen, ein herzinniges Verlangen, alles das noch einmal wieder- 
zusehen, was er vor vielen Jahren geschaut, als er in frischer Jugend- 
kraft die weite Welt durchwanderte. An andern Stellen kommt die 
Seelenstimmung des Dichters oft in ähnlicher, wenn auch nicht so 
leidenschaftlicher Weise zum Ausdruck. Die Form des Ausrufs ist 
dabei besonders beliebt.*) 

Selbstverständlich sind in einer didaktischen Dichtung, wie es 
Ls. Satire ist, die meisten lyrischen Stellen in das Gebiet der Ge- 
dankenlyrik zu verweisen. So verraten denn auch die Interpolationen 
einen starken Hang zur Reflexion. Bemerkungen wie mi äünckt^ kan 
ick erachten^ feilt mi in, so geil idt in der Welt^ die gerade in den 
Zusätzen sehr häufig auftreten, legen Zeugnis dafür ab. Aber auch 
sonst fehlt es nicht an Belegen. Bei der Aufzählung der verschiedenen 
Stände und Berufsarten, die der Dichter nach seinem Tode wählen 
oder meiden möchte, wird stets fein säuberlich das Für und Wider 
erwogen. Kaum hat er mit Entrüstung den Einfluss Frankreichs 
auf seine Zeitgenossen festgestellt, so grübelt er schon darüber nach, 
woher wohl die starke Anziehungskraft kommen mag, die dieses Land 
auf die Fremden ausübt.^) 

Am deutlichsten kommt die Neigung des Dichters zur Reflexion 
im ^^Beschluth'* zur Geltung. Hier hält der Greis seine Abrechnung 
mit dem Leser und mit sich selbst. Warum hat der gelehrte Mann 
ein solch tolles Büchlein geschrieben? lässt er den erstaunten Leser 
fragen. Und er antwortet, dass ihn zwei Gründe vornehmlich dazu 
veranlasst haben: das Bedürfnis nach Abwechslung und das nach 
Anerkennung, nach greifbarer, materieller Anerkennung. Bücher 
werden geschrieben, um gelesen zu werden. Was ist aber das Schick- 
sal der gelehrten Werke, auf die er sein ganzes Leben hindurch all 
seinen Fleiss und sein bestes Können verwandt hat? Sie wandern 
als Makulatur in die Krämerbude, oder sie kommen in die Bibliothek 
des Gelehrten, wo sie unbenutzt und ungelesen Parade stehen müssen. 

Scheinbar gleichgültig und ohne jede Bitterkeit stellt der Dichter 
dieses traurige Ergebnis seiner Lebensarbeit fest. Nur ein wehmütiger 
Ton der Resignation klingt dem aufmerksamen Leser leise aus jenen 
Schlusszeilen entgegen, der aber den, der des Dichters Leben kennt, 
um so tiefer ergreifen muss. Denn er weiss, es ist die Resignation 
eines Greises, dem gerade der Abend seines Lebens so vieles ver- 
sagte, was er von ihm erhofft und ersehnt hatte. 

REMSCHEID. H. W^eimer. 



*) Vgl. u. a. II 435. 711. 777. — ") I 235 Idi moet doch etwas syn u. s. w. 



97 



Yerzeichnis der im ten Doornkaat Koolman'schen Wörterbach 

fehlenden ostfriesischen Wörter. 



In dem ostfriesischeii Wörterbuch von ten Doornkaat Koolman 
fehlen verhältnismässig wenige Wö^-ter. Abgesehen davon, dass bereits 
das Stürenburg'sche Wörterbuch vorhanden war, hat auch der Ver- 
fasser mit solchem Fleisse und solcher Umsicht gearbeitet, dass ihm 
nur wenige Ausdrücke entgangen sind. Dass ten Doornkaat auch die 
in Ostfriesland vorkommenden Volkslieder, Kinderreime und Sprich- 
wörter auf ihren Wortvorrat geprüft und das Ergebnis seiner Forschung 
für das Wörterbuch verwertet hat, davon legt letzteres überall be- 
redtes Zeugnis ab. Ich glaube, dass bei einer Nachprüfung gerade 
der Lieder, Sprichwörter u. s. w. sich nur noch wenig brauchbares 
Material für einen Nachtrag zum Wörterbuch finden lassen wird. 
Was die Schreibung der von mir mitgeteilten, meist der gewöhnlichen 
Umgangssprache entnommenen Wörter betrifft, so richte ich mich 
streng nach dem ten Doornkaat Koolman'schen Wörterbuche; nur 
lasse ich die Vokale am Schluss einer Silbe oder eines Wortes, weil 
sie von vornherein lang sind, unbezeichnet. Es giebt nur fünf oder 
sechs Ausnahmen von dieser Regel, die nötigenfalls leicht bezeichnet 
werden könnten. Kommerzienrat ten Doornkaat schrieb mir unterm 
6. Novbr. 1888: 'Ich bin ganz damit einverstanden, dass Sie die 
Vokale so bezeichnen, wie Sie es in Ihrem Schreiben angegeben 
haben, zumal da es der Aussprache wegen ja auch durchaus nicht 
nötig ist, um z. B. in dem Comparativ von Mg das o mit einem 
Circumflex zu versehen.' 

Wo geringe Unterschiede in der Aussprache zwischen dem süd- 
lichen und nördlichen Teile Ostfrieslands obwalten, habe ich durch 
Hinzufügen einer neuen Seitenzahl angezeigt, wo das betr. Wort nach 
ten Doornkaat einzureihen wäre. 



Adam an £va — zwei glänzendweisse, 
segmentförmige Knöchelchen im Kopf 
des Schellfisches von etwa 15 mm 
Länge und 8 mm Breite. 

adammen — arbeiten im Schweisse des 
Angesichts, wie Adam (Gen. 3, 19). 

afkät — Rechtsanwalt. 

afkatenbaddel — ein aus Eiern, Rahm, 
ZucJcer, Zimt und gutem Branntwein 
hereitetes Getränk, 

Niederdenisches Jahrbaoh XXV. 



Aken — Aachen. Redensart: fan Aken 
na Köln lopen. Holl. Aken. 

älwe — Aloe. Dat smekd so bitter as 
älwe. 

anderthalf — anderthalb. Rätsel: An- 
derthalf un anderthalf, twe un dre un 
dardehalf. Wof 81 is dat ? Mnd. : an- 
derhalf, holl. anderhalf, schwed. half- 
annan. 

andnsig — aufdringlich. He is so an- 

7 



98 



dusig. man kan hum hast net w§r 
kwid worden. 

säk anegen — sich aneignen^ z, B.: 
sük annermans göd anegen. 

antlaten-pappe — Puppe mit Antlitz, 
also mit wirklichem Kopf, welche an 
Stelle der bloss atis Lappen verfertig- 
ten tritt, antlät := Antlitz nur noch 
in obiger Zusammensetzung, sonst stets 
gesigt. 

antttlen — gleichbedeutend mit antrekken 
= ziehen. Redensart: Tül an, Jan, 
't is gin bulkalfl 

't ärdige, subst. das Schöne. Redens- 
art : in 't ärdige dejen. 

arfgod — ererbtes Gut. Sprichwörter: 
Arfgöd is ferdarfgöd. Gltik is beter 
as arfgöd. 

bargerlon — Lohn für die Aufbewah- 
rung eines gefundenen Gegenstandes. 

barkhon, plur, barkhoner — Birkhuhn, 
Bedensart: He singt as de barkhoner 
f8r ferdr^t. 

sük bedanken = danken. Ik bedank 
mi ök. Hest du di 6k bedankd? 

sük bedanken don — seine Entlassung 
nehmen, z. B. : De pastör wil sük be- 
danken dön, hed sük bedanken dän. 

bedrif — Geschäft, Betrieb. He hed 'n 
gröt bedrif. 

befröten, z. B. : He befröt sük darin — 
gleichbed. mit : He bemuselt sük darin* 

begogeln — überlisten, betrügen, täu- 
schen. Es ist gleichbed. mit ostfr. 
ferblindrüsken. ; 

behartigen — beherzigen. Du sulst dat 
man behartigen, wat din olle moder 
segd hed. 

belannen — ans Land treiben, irgendwo 
landen^ z. B.: Wel wet, war de be- 
landt isl Auch von Sachen: War 
mag de bössei nu wer belandt wesen ? 

belloike — Schellenschlitten. 

sük beninsein, beispielsweise.in der häus- 
lichen Arbeit. De arme frau bemuselt 
sük darin; se mus 'n dügtige maid 
hebben = sie kann die ihr obliegende 



Arbeit nicht bewältigen, weil es ihr an 
der erforderlichen Hülfe gebricht. 

beringen — mit einem Ringe versehen. 
Sprichw.: Wen de finger beringd, is 
de jüffer bedingd. 

besmit — beschmutzt. Sprichwort: Wit 
is ligt besmit. 

bestreden — rittlings, mit gespreizten 
Beinen, z. B. : bestreden up de stol 
Sitten. 

biplichten aus Pflichtgefühl sich zu- 
stimmend zu eines andern Ansicht 
äussern. 

blindallarm — Lärm um nichts; eine 
Uhr ohne Räderwerk für kleine Kin- 
der. Wen ik na de Auerker markt ga, 
wil ik di 'n blindallarm mitbrengen. 

blodballen — aus Roggenmehl und 
Schweineblut geformte faustdicke Bal- 
len, worin auch Speck und Grieben 
kommen. 

blnbbelke — Seerose (Nymphaea alba). 

bokentafel — hölzerner Kasten mit 
Handgriff und verschiebbarem Deckel 
zum Aufbewahren der Schulbücher, 
an dessen Stelle nunmehr Mappe und 
Tornister getreten sind. Die Bücher- 
tafeln wurden zu Anfang der Ferien 
von den Kindern mit nach Hause ge- 
nommen, blieben sonst aber in der 
Schule. Der Deckel einer solchen 
Büchertafel war in der Regel mit einer 
Mühle, einem Schiff, einem Tiere und 
dergleichen Dingen bemalt. — tafel 
für „bemalter Kasten*^ nur in obiger 
Zusammensetzung. 

bokspred — Bugspriet eines Schiffes. 

botterblöme — Scharfer Hahnenfuss 
(Eanunculus acer). Der knoüge Hah- 
nenfuss (Ran. bulbosus) wächst wohl 
nur auf der Insel Baltrum, In einigen 
Gegenden Ostfrieslands wird auch der 
kriechende Hahnenfuss (Ran. repens) 
botterblöme genannt. 
bräms — Gemeiner Besenginster (Spar- 
tium scoparium). 

brandemmer — lederner Brandeimer; 



99 



der Cylinderhut, wegen seiner Äehn- 
lichkeit mit ersterem. 

brebuk — Dicktoanst Bierbäuche 
kannte man damals in Ostfriesland 
noch nicht 

brengerlon — Lohn für den Wieder- 
bringer eines verlornen Gegenstandes. 

bresse — Bresche, Eedensart: sük f8r 
annem in de bresse stellen. Aber 
auch: Ik 16p hum'ltk in de bresse 
= begegnete ihm, während ich ihn zu 
meiden trachtete. 

bnlbred — Eedensart: 'n bulbred för 
de kop hebben ^ dummdreist sein. 

bnlkalf — männliches Kalb, besonders 
schweres Kalb. Um in bestimmten Fäl- 
len das Geschlecht hervorzuheben, ge- 
schieht dies durch Verbindung mit 
einem dasselbe bestimmenden Worte: 
kokalf, bulkalf. 

bnsjöde — gleichbedeutend mit büsbeller 
(ten Doornk. Koolm, S. 262). 

därbi, d'r bi krigen. Man beachte den 
Unterschied von: He hed dat wigt 
d'r bi kregen und: He hed dat wigt 
d'rbi kregen. 

degspa — Teigspaten. 

degtrog — Teigmulde. 

dikdön — Sprichwort: Dikdön is min 
lefen : Moder, g6f mi 'n örtje ! 

dat ding — Sprichwort: Dat pasd as 
't ding in Grötje. 

dodenblöme Abendlichtnelke (Lychnis 
vespertina). 

dofhörig — taub in geringem Grade, 
schwerhörig. 

doktep — der Arzt. Sprichwort: Holt 
jo p6rt fan agtern open, dan brük ji 
net na de dokter lopen. 

sük doren — thöricht handeln, sich selbst 
zum Nachteil etwas unternehmen. De 
hed sük dörd, dat he fan Emden weg- 
trukken is. 

drekkare — Dreckkarren, Sprichwort: 
Man word ßrder fan 'n drekkare ofer- 
faren, as fan 'n küts wagen oferjagd. 
drelilje — Schwertlilie, 



dretal — Dreizahl, Vom Pastor oder 
Lehrer : He is mit up de dretal komen, 
d, h, er gehört zu der aus den Stel- 
lenbewerbern gebildeten Dreizahl. — 
Die Gemeinden in Ostfriesland be- 
sitzen das absolute Wahlrecht, Bei 
einer Prediger- oder Lehrerwahl wäh- 
len sämtliche stimmberechtigte Ge- 
meindeglieder, Die Dreizahl wird bei 
Predigerwahlen vom Kirchenvorstande 
oder Kirchenrate, bei Lehrerwahlen 
vom Schulvorstande festgesetzt, jedoch 
steht der Gemeinde das Recht zu, noch 
einen vierten Kandidaten aufzustellen, 
der dann aus leicht begreiflichen Grün- 
den in der Regel ,mit grosser Stim- 
menmehrheit gewählt wird, — In den 
Aemtern Esens und Wittmund aber 
werden die Kirchen- und Schulstellen 
vom Konsistorium zu Aurich besetzt; 
dort giebt es ausschliesslich s. g, set- 
stellen, zu welchen in erster Linie die 
aus dem Harlingerlande gebürtigen 
Lehrer und Pastoren zugelassen wer- 
den. Letztere rücken bei eintretenden 
Vakanzen von selbst in besser dotierte 
Stellen auf, 

driakel, driakelgam, gel-driakel, gel- 
driakel-gumsalfe — Theriak. Du 
must dar 'n pläster fan g^l-driakel- 
gumsalfe upieggen, dan trekd dat 
gau ddr. 

drammelkater — kleiner Taugenichts. 

dnfkebonen — gleichbed, mit feldbonen 
(ten Doornk. Koolm, S, 435). 

dnmbred — Daumenbreite, Dat kan 
nog 'n dümbr^d liden. 

dfttje — Kuss. He hed h8r 'n dütje gefen. 

dntjen — küssen, 

endeldarm, enneldarm — Mastdarm, 
Enddarm. Holl. endeldarm, schw, 
ändtarm. 

entlopen — entlaufen. Sprichwort: 
Man kan stn ollen wal entlopen, man 
net entraden. 

enfandig — einfach, schlicht, z, B,: 
'n ^nfaudige minsk. Holl, eenvoudig. 



7* 



100 



erdflek — dunkler, van der Feuchtigkeit 
herrührender Flecken in der Wasche, 

Srdflekkerg — fleckig. Wen dat tüg 
lange ligd, word 't drdflekkerg. 

felweken — böses Wochenbett. Se hed 
'n felweken hollen. 

ferkerde-halsgat — die Luftröhre Ik 
heb wat in de ferkSrde-halsgat kregen. 

fernöken — anführen, betrügen. 

sük femöken laten — sich anführen 
lassen. 

fernöker — Betrüger. Dat is 'n fer- 
nöker, n^m di fdr de in agt. Mund- 
artlich auch im Kreise Ruhr ort. 

fine-grete — feinblättr. Bauke (Sisym- 
brium Sophia). 

Firrel — Ort in Ostfriesland. Firrelkep 
— Mann aus diesem Orte. Sprich- 
wort: „Junkfolk is darten", se de 
Firrelker, do tilde he sin pSrd bi de 
stßrt up. — 'n Firrelker för törf — 
ein kleines Fuder Torf, das die vor- 
geschriebene Anzahl Körbe (tein m6t- 
körfen) nicht zu enthalten braucht. 

freepsfoten — Bedensart : up frßersfoten 
gän = freien. „Harm up freersfoten" 
lautet der Titel einer niederd. Schrift 
von Enno Hektor. 

fandgeld — Finderlohn. He hed hum 
negen stüfer fundgeld gefen. 

füroge — Sommer- Flammenauge (Adonis 
aestivala). 

gabeis an mesten — die Früchte des 
Hirtentäschel ; auch die ganze Pflanze. 

garfwinde — Acker-Spergel (Spergula 
aryensis). 

gasthüsmester — Lehrer der Gasthaus- 
oder Armenhausschule. In Aurich, 
Esens und Norden führte derselbe den 
Titel Präceptor, 

gasthüsschole — Armenhausschule. Letz- 
tere wurde nicht nur von den im 
Armenhause untergebrachten Kindern, 
sondern auch von solchen besucht, 
welche das Schulgeld nicht zu ent- 
richten vermochten. In Aurich, Esens 
und Norden: precepter-schole. 



'n gemäkde kerl — ein selbstgerechter 
Mensch, ein Pharisäer; 'n gemäkde 
man — ein vermögender man. 

gilkerse — Opferkerze, der Kirche aus 
besonderm Anlass geschenkte Kerze. 
Bedensart: He steid dar hen as 'n 
gilkerse = so steif und unbeweglich 
wie eine Opferkerze. 

gläksten — die sonst auch Adam und 
Eva genannten Knöchelchen im Kopf 
des Schellfisches. 

gogler — Gaukler, Taschenspieler, Be- 
trüger. NSm di fdr de in agt, dat is 
'n gögler. 

gollen-laken — Goldlack (Cheirantas 
Cheiri). 

gOseblSm — Gänse- Fingerkraut (Voi^n- 
tilla anserina). 

granbolle — Brötchen von grobem, mit 
s. g. Grand untermischten Mehl. Zu- 
sammengesetzt aus: grand und bolle. 

habbernbske — rechthaberische Frauens- 
person. 

häl-ofep 't hfis = rebdi (Wörterb. III 
S. 18). 

häspot — Hasenfuss; fig. Narr (nicht: 
Feigling). Sprichwort: De mesters 
hebben 'n häspöt in de taske. 

hefetaske — Eidechse; freche Weibs- 
person. 

hemel, himmel — Himmel, Sprichwort: 
Wen de hemel brekd, blift ginpispot 
mör hol. 

hemelslötel — Bote Fetthenne oder 
Donnerlauch. 

hetkellig — sehr empfindlich gegen aUes, 
was Schmerzen macht. Das Wort ist 
gleichbedeutend mit sSrkrenig. 

hilge — Bild; urspr. Heiligenbüdcheti. 

hofärdi — Hochmut, Hoffart. Sprich- 
wort: hofärdi, wat kwßlst du mi! 
Ik sal de rok üttrekken, dat sw8r ik di. 

hojemeier — Heumaher aus dem Lip- 
pischen. 

hoUans-spreken — grob sein, unanstän- 
dige Bedensarten führen. He sprekt 
hollans. 



101 



hösföddel — FüssUng eines Strumpfes. 
hürbäs — Mann, der dem Schiffsvolk 

Stellen besorgt. 
inful — durch und durch schmutzig. 

Dat tüg (Zeug, Wäsche) is so infül, 

man kan 't hast (beinahe) n6t wör 

schön krigen. 
ingäpsk = inkiksk (Wärterb. S. 130). 

Ein Haus ist ingäpsk, wenn leicht in 

dasselbe hineingegafft werden kann. 
jiffern — weinerlich sprechen. Es ist 

gleichbedeutend mit jöseln. 
Jadica — die am Sonntag Judica in den 

Kirchen Ostfrieslands stattfindende 

öffentliche Prüfung der Volksschüler. 

In Ortschaften, wo keine Kirche ist, 

findet die Prüfung in der Schule statt. 
j äffer ke — 1. schlehengrosse Pflaume, 

2. keilblättr. Steinbrech (Saxifraga 

cuneifolia). 
kantstenen-mür — dünne Innenmauer, 

welche aus Ziegelsteinen aufgeführt 

wird, die mit der Kante aufeinander 

gestellt werden. 
karkbrüd — wirkliche Braut, mit welcher 

man vor den AUar zu treten gedenkt. 

Sprichwort: Marktbrüd is nog gin 

karkbrüd. 
karkensöndägs — Bedensart: He is up 

sin karkensöndägs — er hat seine 

Sonntagskleider an. Letztere wurden 

nach dem Kirchenbesuch in der Regel 

sofort wieder ausgezogen. 
kasappel — Apfel, von der Grösse einer 

Kirsche, mit etwa 8 cm langem Stiele. 
katstert — Weiderich (JLyihxwm salicaria). 
kik-in-de-wind -- junger, unerfahrener 

Mensch. Dat is nog 'n kik-in-de-wind 

tegen mi. 
kik-in-de-welt — hat dieselbe Bedeutung. 
kivitsblöme — Wiesenschaumkraut (Car- 

damine pratensis), 
klafer-dre — dreiblättriges Kleeblatt. 
kindskop — kindischer Mensch, z. B.: 

'n kindskop fan kerel. 
kleikebeen — die Früchte vom gemeinen 

Flieder. 



kleiklütje — Brötchen, das nicht gar 
gebacken ist, oder zu welchem nicht 
die erforderlichen Zuthaten verwendet 
wurden. 

klep — Gemeine Hirtentasche (Capsella 
bursa pastoris). 

kK^tjehogtid, klotjehogtid — lustiges 
Gelage, 

klnntjekniper — Zange zum Zerkleinern 
des Zuckers; Colonialwarenhändler. 

knapperkes — die Früchte des zur 
Zierde in unsern Gärten gezogenen 
Perlstrauches oder der Schneebeere. 

knOpke — Krähenfussblättrige Laugen- 
blume (Cotula coronopifolia). 

knarhän — mürrischer Mensch. 

knnrpot = knarhän. Dat is so 'n 
knurpot, dar is hei gin hüs mit to 
hoUen. 

kodrist — dummdreist, dreist wie eine 
Kuh. Se is kodrist. 'n kodriste minsk. 

kophanger — Frömmler. 

kophangere — Frömmelei. 

kopals — Person, welche alles kaufen 
möchte und nicht an das Sprichwort 
denkt: Wer alles kauft, muss zuletzt 
auch verkaufen, was ihm unentbehr- 
lich ist. 

kopsftt — gern etwas kaufend. Vergl. 
sp8lsöt, nerensdt. 

körsig — fieberhaft. Dat kind is fan- 
dage w^r so körsig, dat ik l8f, dat wi 
't nßt hoUen. Holland, koortsig. 

köteldümke — der kleine Däumling im 
Märchen ; dann auch : jedes im Wachs- 
tum zurückgebliebene Kind. 

kötelketrekken — versuchen, wer den 
kürzeren zieht. Bei dem mit verschiede- 
nen Spielen verbundenen köteükQirok- 
ken stellen zwei Beihen Kinder sich 
in Flankenstellung gegen einander auf. 
Sie versuchen, ihre Gegner über einen 
auf dem Boden gezeichneten Strich zu 
ziehen. Die Kinder, welche verloren 
haben, werden kötelketrekkers genannt 
und durch den Ausruf: „slipüt, kötelke- 
trekkers!" ofl so lange geärgert, bis 



102 



das Spiel in eine regelrechte Keilerei 
ausartet, 

krallenblöme — Gemeine Malve (Malva 
vulgaris). 

kransfögelbeen — Beeren der Eberesche, 

kradstatjes oder oranjeboUen — die 
nur am Niklasabend (5. December) er- 
hältlichen Brötchen von goldgelber 
Farbe und süsslichem Geschmack, von 
welchen man den Kindern sagt: De 
hed sünnerkläs sin p^rd püpd. Es 
sind die „appelkes fan oranje", von 
welchen in einem anscheinend sehr 
alten Niklasliede die Bede ist. 

krap-d$r-de-hege — Henne. Eätsel: 
Wat best du lefer: 'n krüp-d8r-de- 
hege, of 'n sta-in-de-wege ? 

krüskopd — krausköpfig. Dat is 'n moi 
krüskopde junge. 

kraskopde-ka — das kleine gedruckte k. 

kwäddOm — Macht oder Folge des 
Bösen. „Dat is kwäddöm, dat ferwast 
w^r", sagt man beispielsweise zu einem 
Kinde, wenn es über ein Geschwür am 
Finger klagt. 

kwartel — Wachtel (Perdix coturnix). 
Sprichwort: In mei (Monat Mai) legt 
elk fögel 'n ei; de kwartel un de 
gr^t, de leggen in de meimänd net. 

kwetelmorse — Schwätzer. Dat is 'n 
oir kwetelmorse. Dasselbe bedeutet: 
kwetelgat, kwetelbükse. 

lastermül — Lästermaul. 

lastertunge Lästerzunge. Sprichwort: 
En lastertunge kan mer kwäd maken, 
as tein annern w^r g6d maken könen. 

lefestik — Gebräuchlicher Liebstöckel 
(Levisticum officinale.) Die Wurzel 
der Pflanze wird gegen Krankheiten 
des Viehes gebraucht. 

lik-lak-lnne — eine im Eise losge- 
schlagene Scholle. Die Kinder machen 
sich das Vergnügen, dieselbe zu über- 
schreiten, wobei die Scholle, welche 
die Kinder nur eben zu tragen ver- 
mag, jedesmal unter Wasser geht. 

likso — ebenso. Ik m^n 't likso. 



lögenmul — Lügner (pars pro toto). 
Dat is so 'n oU' lögenmül, man kan 
hum gin wörd löfen. 

lögenpüt — Lügner, dem ein ganzer Beu- 
tel voll Lügen zur Verfügung steht. 

lök = ZvHebel hat sich nur in Zusam- 
mensetzungen erhalten: hüslök, knuf- 
lök) snidtlök. Mundartlich noch jetzt 
in Meiderich und im ganzen Kreise 
Buhrort: 16k = Zwiebel. Ebenda- 
selbst ausser obigen Zusammensetzungen 
noch: br^dlök = Porree und kreien- 
16k = Krähenlauch. Schwed. lök = 
Zwiebel. In Ostfriesland meines 
Wissens jetzt ausschliesslich: zipel. 
Dass aber früher auch dort lök statt 
zipel gebraucht wurde, wird ausser 
durch obige Zusammensetzungen, die 
ein lök ails Grundwort zur Voraus- 
setzung haben, und die denselben bei- 
gefügten Nachweise aus der hiesigen 
Gegend, noch besonders durch den 
Umstand dargethan, dass anlatäendes 
z dem ostfr. Dialekte fremd ist, mithin 
das Wort entlehnt sein muss. Zipel 
ist entstanden aus Zwiebel. In dem 
Bestreben, das entlehnte Wort dem 
Ostfriesischen möglichst anzugleichen^ 
wurde b zu p. 

Ifisdüm — kleines Stück. Göf hum 'n 
lüsdüm fan! 

't lätje-bftntje — der oft nur durch 
eiuen einfachen Bretterverschlag vum 
Söller abgetrennte Baum, der ds 
Schlafstube diente. Im Lied an den 
Storch: Hest min fader un moder ök 
sen up dat lütje böntje ? — Breng mi 
'n lütje s8ntje ! 

mageminken — elender, durch schlechte 
Nahrung abgeschwächter Magen. Min 
moder kun fror koken, wat se wul, 
ik at gin ^n middag wat. Dan se min 
fader altid, sobold min süsters un 
brOrs üt de rök wassen : Gef de arme 
junge man 'n dröge metwurst un 'n 
pille bröd, dat he wat in sin mage- 
minken krigt. 



103 



maiafend — Abend im Mai, Redensart : 
't is net altid maiafend^ dat de ko 
botter schit = das Glück ist einem 
nicht immer hold. 

medliden — Mitleid. He hed gär gin 
medliden mit anner lü. 

mesterkneeht — der erste Knecht oder 
Geselle, der die Stelie eines Meisters 
versieht. He was dar mesterkneeht 
up de mölen. 

mette — Metzc, nur noch, in der Zu- 
sammensetzung sluddermette. 

middeweke — Mittwoch. 

middelsehSt — Scheidewand. In der 
Bedensart : gin middelschöt in de nöse 
hebben = kein richtiges Urteil besitzen. 

minselk — menschlich, Dat is nSt mer 
minselk, so as de sin lü behandelt. 

mitnemen — übervorteilen. De hed mi 
gehörig mitnomen. 

rnuke — Mütterchen (Nur in Emden). 

mürker — Maurer, 

rnürman — Mauermeister. 

mürtike Kellerassel (Onicus murarius). 

masesterd — Knieiges Fuchsschwanz- 
gras (Alopecurus geniculatus). 

maseklafer — 1. Hopfen-Schneckenklee 
(Medicago lupulina); 2. Fadenklee 
(Trifolium filiforme). 

mtske — kleine Wurst, sonst auch 
pinkel genannt. 

naraggen, narachen — afterreden. Dat 
wif ragd elk un en na. 

negenklök — neunklug, überklug, 'n 
negenkloke kerel. 

negenwekstep — weisse Kartoffel. Ik 
heb nog tein sak negenweksters, k6n 
ji de bruken? Wi hebben fan 't jär 
(d. h. in diesem Jahre) blöt negen- 
weksters updän, Emderblanken (eine 
feinere Sorte Kartoffeln) kunnen wi 
net krigen. „negenw^kster", weil diese 
Kartoffel angeblich neun Wochen zu 
ihrer Entwicklung gebraucht, 

neland — Neuland. Bunder neland = 
das Bunder Neuland, das im Jahre 
1605 , unter der Regierung Enno III, , 
eingedeicht wurde. 



netütsk — neugierig. Sprichwort: De 
is so netütsk as 'n honemers. Im 
südlichen Teile Ostfrieslands steht es 
oft für: mit .lüsten wesen. Ik bün 
altid so netütsk, ik l6f, bi mi is wat 
an de hand. (Ich glaube, ich befinde 
mich in anderen Umständen, denn ich 
empfinde fortgesetzt Verlangen nach 
einer andern Speise), 

nerensÖt — ist derjenige Kaufmann, 
der seinen Kunden durch eine auf- 
merksame Bedienung zu erkennen giebt, 
dass er gern etwas verkauft. Vergl. 
spdlsdt und köpsdt. s8t = süss, 

neschirig — neugierig. De is so ne- 
schirig, de mut alPs weten. 

netso — ebenso. Ik m^n dat netso. 

nodslag — Sprichwort: Nödslag is gin 
dödslag, d. K der in der Notwehr 
begangene Totschlag ist nicht mit dem 
Mord zu identifideren, 

nödsehet — Notschiss; eine in der Ver- 
legenheit abgegebene unpassende Ant- 
wort. 

BÖrdOst — nordöstlich. Wen wi man 
gin hoge water krigen, wi hebben de 
hele dag nördöste wind had. Holl. 
noordoost* 

nöselank — Augenblick. De is alF 
nöselank wer to hüs. 

nttf — Schnäpschen. Gewöhnlich: sluk 
oder 'n snaps. 

Odjepap — Grossvater. Beim odjepap- 
Spielen singen die Kinder in Leer: 
ddjepap mit de bessenstok, ödjepap 
mit de sluren, kan mi regt beduren. 

säk ofarbeiden — sich abarbeiten. He 
hed sük hei un dal ofarbeidt. 

ofbiten — abbeissen, 

ofdanken don — die Leichenrede halten, 
Dömni Trip hed de ofdanken dän. 

offerdenen — abverdienen, Ik wil di 
dat offerdenen laten. 

ofkärtjen — verabreden. De beiden 
hebben dat mitnanner ofkärtjet. 

oflegger oder ofsetter — Zweig einer 
Blume. 

ofraden — abraten. Dar wil ik di net 



104 



fan ofraden. Sprichwart: „Räd mi 
göd, man räd mi net of', se de meid. 

ofkölen — abkühlen, 't w^r is ofkdld. 

of seilen — absegeln; einschlafen, Dat 
schip is fandage ofseilt. He is ofseild 
SS er ist eingeschlafen. 

ofrössen — abnutzen : sin kl^r ofrössen. 

ofstnbben — stäupen, zurückstosseny 
unfreundlich behandeln. Dat kiud 
Word altid ofstubd. 

ogenferktkler — - Gaukler, Zauberer. 

olle-mei — der zehnte Mai, an welchem 
Tage früher die Kühe auf die Ge- 
meindeweide getrieben umrden. Die 
Weidezeit dauerte vom 10. Mai bis 
zum 10. November. 

oranjeboUen = krüdstütjes. 

ortjekniper — Geizhals. 

palut — unverblümt. He segt hum dat 
palüt in 't gesigt. 

pärske Gem. Pfirsich (Persica vulgaris). 

patschiter, auch: sitter up de oge — 
Geschwür auf dem Augenlide. In 
Meiderich : Wegedrieter. 

pastorske — Pastorin. 

paterskappe — Gem. Spindelbaum (Eyo- 
nymus europaeus). 

perd-nn-wagen — Blüte des gem. Eisen- 
hutes. 

perdeföt — Pferdefuss; verkrüppelter 
Fuss eines Menschen. 

pikpanne — Pechpfanne; grosse Ver- 
legenheit. Redensart : in de pikpanne 
Sitten. 

pinkel — identisch mit müske: kleines 
Würstchen, das beim Schlachten für 
die eigenen Kinder oder die der näch- 
sten Nachbarschaft angefertigt wird. 

pilsternak — Gemeiner Pastinak (Pasti- 
naca sativa). 

pinkefei — Wursthaut. Redensart: 
He handeld mit pinkelfeilen un k\- 
huden. 

pipendreier — Pfeifendrechsler. 

plakkerman ~ Mann, der sich hart 
plagen muss. Sprichwort: Akkerman 
is 'n plakkerman; göd is dog, wel 'n 
handwark kan. 



pleis, pleister — Faden, eigentlich 
lederner Schnürriemen. Sprichwort: 
Leie neisters (träge Näherinnen) neien 
mit lange pleisters. Mnd. pleise. 

plumenapteker — CdonialwarenhändUr. 

pölmaker Mützenmaeher, Kappmacher. 

posje Pfennig, Heller. Beim Knicker- 
spiel wird oft um ein pösje gespielt. 

potkese — Topfkäse, d, i. der am 
frackem Käse und Milch hergestellte 
Käse, den von armen Leuten anstatt 
der teuren Butter aufs Brot geschmiert 
wird. 

potütslikker — Zeigefinger der rechten 
Hand. Die Fingernamen sind: Lütje- 
finger, goldentinger, langelei, pot- 
ütslikker, lüsdödknipper. langelei = 
der lange und träge Finger, weil er 
scheinbar keine Beschäftigung hat 

pottuffel — Pfianzkartoffel 

prötsak — Schwätzer. Dat is 'n lütje 
prötsak. 

ppöt — Menge, Haufe. He hed 'n hei 
pröt kinner. 

pnddenfiller — schlechtes Messer, mit 
welchem man kaum einer Kröte das 
Fell abziehen kann. 

pülker Säufer. 

pülesel — Sklave für andere Personen, 
Aschenbrödel. Dat is so regt deptl- 
esel för annem. 

reitpüskes sind die Rispen vom gemei- 
nen Schilfrohr (Phragmites communis). 
Die grosse, sehr ästige Rispe ist nach 
dem Blühen dnrch Wachsen der Spin- 
delhaare in wollige, graue Wedel um- 
gewandelt. Reitpüskes standen früher 
vielfach, jetzt wohl weniger, als Zim- 
merschmuck in Vasen auf Kommoden 
und Schränken. 

pitse — Flucht. Vom Drachen: He is 
up de ritse, wenn derselbe den Bind- 
faden (dat seilgäm) durchgerissen hat. 
ritse gehört zu riten, ütriten = reissen, 
ausreissen. 

poms — römisch-katholisch. He is röms = 
er ist katholisch. Ik hdr n^t to de romse 
kark = ich bin nicht kathiMsch. 



105 



röpente — Lockente; weibl, Person, 

welche sehr laut spricht. 
rötel — der Mastdarm. Redensart: De 

hangd de rötel = er schwatzt Unsinn. 
rotelgat ~ Schwätzer, Schwätzerin. Dat 

is 'n.oir rötelgat. 
rötelmopse — Schwätzer, Schwätzerin, 
rötelkntte — Schwätzerin. 
rügrim — Beif, Bauhfrost. Engl. rime. 
rli^röst — Bauhfrost; Person, welche 

nicht nach Wind und Wetter fragt. 
sehapkeblöme — der weisse Klee. 
sehendelSs — schändlich, ärgerlich. 
sitter np de oge — gleichbed. mit: 

'n stiger up de oge = Geschwür auf 

dem Augenlide. Auch : patschiter. 
8ehit-bi-de-]iakken — Kind, das sich 

noch verunreinigt. Min lütje schit-bi- 

de-hakken, nu w^s man stille, mama 

wil di 'n titje gefen. 
sehit-ofer-de-bdrd — Schiffer. „Schip- 
per, Schipper, schit-ofer-de-b6rd, hed 

sin egen wlf fermördl" rufen die 

Jungen den Schiffern nach. 
sehofblad — Schulterblatt eines Tieres. 

Auch einfach schof, z. B. 'n stük fan 

de schof. HoU. schoft. 
schuldige — der Schuldige, Schuld- 

hewusste. Sprichwort: De schuldige 

schod. {Infin. schöen = scheuen). 
sehirdSr — Scheunentf^or ; Hosenlatze. 

„Du best de schürdör open!" erinnert 

man. 
seperg seifig, Dat smekd so seperg. 
sla^lmänd — der Monat November, 

weil in ihm das Schlachten der 

Schweine beginnt. 
slakkensiröp — Schneckensirup (Syrupus 

Althaeae). 
sledrifer — Schlittentreiber, Fuhrmann 

einer Schlittenkutsche (ostfr. slekütse) ; 

nachlässiger Mensch, 
siefen-detert — gleichbedeutend mit slöm 

und sW — dummer einfaU. Mensch. 
slötgrafer — Erdarbeiter; dummer 

Mensch. „Wen du niks Ißrst, kanst 

da anners niks worden as slötgrafer", 

dröfU man dem faulen Kinde. 



slndderbüksen, slndderkaassel — Per- 
son, der man die Nachlässigkeit schon 
an der Kleidung ansieht, büksen = 
Hose; kaus, kaussel = Strumpf. Höll. 
kons = Strumpf. 

smetfast — wurffest. In de mänd August 
kan man nog gtn tuffeis upddn, dan 
sünd 86 nog n^t smetfast. Auch von 
einem kleinen Kinde sagt man wohl, 
dass es noch nicht smetfast sei. 

sniggensirdp == slakkensiröp (Syr. Alth.) 

snojesnnte — Leckermuul. Dat is 'n 
regte snojesnute, dat wigt. 

snoisk — naschhaft. 

snüfke — Priese Schnupftabak; Jig. 
Stichelei, Verweis. De hed 'n ge- 
hörige snüfke kregen. He gaf hum 
'n gehörige snüfke. 

söfenjärskrüd —- Bote Fetthenne oder 
Donnerlauch. 

sör^stoi — Sorgenstuhl, der Lehnstuhl 
des Vaters oder der Mutter, der von 
den Kindern oder dem Gesinde nicht 
benutzt werden darf. Gleichaltrige 
Freunde oder Nachbarn werden wohl 
ausnahmsweise gebeten, im Sorgen- 
stuhl Platz zu nehmen, was dann nach 
wiederholter Weigerung unter der Be- 
merkung geschieht: Dan wil ik f8r 
körte ttd man de sorge ofememen. 

spardöse — Spardose. 

spärpot Spartopf. Dar best du achtein 
stuf er (eine Mark), de must du aber 
in dln spärpot dön. 

spej'-kind — kleines Kind, das die ge- 
nossene Milch nach kurzer Zeit wieder 
ausspeit. Sprichwort: Spej- kinner 
sünd dejekinner = Kinder, die gut 
gedeihen. 

spekslnker, plur. spekslukers — die 
essbaren Teile des an Teichen und 
Gräben wachsenden Schilfes; auch: 
Name der ganzen Pflanze. 

spikerkare — angeblich ein mit spitzen 
Nägeln versehener Karren, in welchem 
der Lehrer diejenigen Kinder zur 
Schule bringt, welche am liebsten da- 
heim bei der Mutter bleiben. Wen 



106 



du net na de schole geist, dan kumt de 
mester un häld di mit de spikerkare ! 

splitterrigter — SpUtterrichter, der die 
kleinen Gebrechen anderer sieht und 
der eigenen Fehler nicht gedenkt. 

spftlkrad — Sonnenthau (Drosera). 

8p$l8$t — gern apielend. Dat wigt is 
nog so spdls6t. 

sprilben — Person mit dünnen, waden- 
losen Beinen. 

sprilbSnd — dünnbeinig. 

sprntkol — die zu Ende des Winters 
an den Strünken des Braun- und 
Grünkohls entstehenden Sprossen. 

sta-in-de-weg — Person, die andern 
bei der Arbeit im Wege steht ; Dreck- 
haufen. 

stadslasten — die städt. Abgaben. Ik 
mut min stadslasten net so göd be- 
talen, as anner lü. 

stafesäd — Mittel gegen Läuse; viel- 
leicht Staphis agria. 

stekröfe — Steckrübe; Stichelei. Hum 
Word fan sin wif niks upschepd, as 
st^kröfen, stikelstaggen un schelfis. 

stenbörg — Burg. st^nbörgsgange 
heisst noch heute die von der Süder- 
kreuzstrasse in Leer zur Hahnenburg 
führende Strasse. Die Hahnenburg 
wurde sehr viel später an derselben 
Stelle erbaut, wo die am 7. Oktober 
1431 von Hamburgern und Ostfriesen 
zerstörte stenbörg des Fokko ükena 
gestanden hatte. Mittelniedd. stenhüs. 

Stengen — würgen. 

stertnakke — grosse Kapuzinerkresse 
(Trop. majus). 

stip in 't gfttje — Polizeidiener, weil 
diesem die Aufsicht über die Strassen- 
rinnen obliegt. Noch in meinen 
Jugendjahren trugen die Polizeidiener 
in Leer keine Uniform und statt des 
Säbels waren sie mit einem Rohrstock 
bewaffnet. Mittelniederd. stockdreger 
= Polizeidiener. 

stratengas — Leuchtgas, Wi braunen 
al lange gtn gas (Petroleum) mßr, wi 
hebben stratengas in hüs. 



stännen — Menstruation. Se hed de 
stünnen. 

stätterbnk — Stotterer; vermutlich, weil 
ein solcher die Worte nur stossweise 
hervorbringt. Mnd. stoterbok. 

sükkerei — Cichorie; das aus derselben 
hergestellte Kaffeesurrogat 'n paktje 
sükkerei. Holl. suikery, engl, suc- 
cory. 

sännerklä^gOd — Spekulatius, das sonst 
sükkergöd genannte Backwerk. Im 
Niklasliede: Ik wil sünnerkläsgod 
kopen fdr de lütje kinnerkes, de so 
möi na bedje gän un so moi wer 
upstän. 

sttnnerküken — Sonnenkäfer (Coccinella 
septempunctata). Sünnerküken, fleg 
up, breng mi morgen moi werl 

swarte-gras — der Acker-Fuchsschwanz. 
(Alopecurus agrestis). 

swerdbone — lange, weichschalige Stock- 
bohne, die besonders zum Einmachen 
dient. 

swil — Tod; ein auf die völlige Ver- 
nichtung eines andern gerichteter 
Widerstand. Die Redensart : „Dat hed 
hum de swil andän" ist gleichbedeu- 
tend mit : Dat hed hum de d6d andän. 
Ferner in der Redensart: 6n de swil 
beden. Got. swiltan = sterben. 

taprok = tapperd : langer Mantel, Chor- 
rock. Im Niklasliede : Sünnerkläs, de 
heilig man, trekd sin beste taprok an. 

taterharbarge — Zigeuner - Herberge. 
Sprichwort : 't geid d'r her as in 'n 
taterharbarge. 

telSrstellen — in Verlegenheit bringen. 
Du must mi net telörstellen. Holl. 
teleurstellen = täuschen. 

tj antern — winseln, wimmern, weiner- 
lich sprechen. 

tik-tak-tnl — das b. t. Doornk. unter tik- 
tak-tuk beschrieb, ünterhaltungsspiel. 

tikel-takel — Schnecke mit Häuschen. 
Tikeltakel, hold-fan-de-wakel, stßk din 
twe pär hörntjes üt u. s. w. 

tilholten — zwei Untergestelle in den 
alten ostfr. Betten, auf welchen die 



107 



Planken, das Stroh und das Bettzeug 

ruhten, tillen = heben. 
timmermansbdd — der Cyltnderhut. 
timpdok — dreieckiges wollenes oder 

leinenes Tuch. 
timpe — Spitze, Ecke. Set de« lampe 

D^t up de timpe fan de tafel, anners 

fald he herrunner. 
tirrad — weisser, mit bunten^ Linien 

versierter Knicker, tirräd = Zierat. 

Vergl. hierzu: sük tirren. 
toferlatig — zuverlässig. De is n^t 

toferlatig. 
töferhekse — Zauberin, Hexe, 
tolke — gleichbed. mit tobbe (Ostfr. 

Wörterh. III S. 418). 
tolstok — Zollstock. Jk körn fanafend 

wer un met h8r de scho an, ik heb 

de tolstok fergeten. 
törnseheter — Bing aus Weidenschale, 

mit welchem sich die Jungen im Hoch- 

werfen üben. 
toDd rager — Uferarbeiter. Die vom 

Ufer zur Süderkreuzstrasse führende 

Königstrasse in Leer mrd ausschliess- 
lich tündrager - strate genannt. De 

hege schole (das Gymnasium) ligd 

an de tündragerstrate. Bas bei ten 

Doornkaat vorkommende tünschojor, 

das wir auch in Leer gebrauchen, 

hat einen beleidigenden Charakter. 

schojer = Umher Streicher, Spitzbube, 

Betrüger etc. 
tankerbone — Tonkabohne (Faba de 

Tonco). 
türkse-weite -— Mais, türk. Weizen. 
tutjefleltep — Tändler. 
twe-fitersten. Bedensart: to 't twe- 

ütersten slän = ins Extrem fallen. 

Himmelhochjauchzen — zum Tode 

betrübt. 
unnödig — unnötig, sük unnödig sorge 

un last maken. 
öpgedansen — aufgeschwollen, 'n up- 

gedunsen gesigt. 

MEIDERICH. 



sük nptoien — sich zieren, schmücken, 
auffällig kleiden. 

nptakeln — ein Schiff mit Takelwerk 
versehen, was zu Anfang des Früh- 
jahrs geschieht, wenn die kleineren 
Kavffarteischiffe, die den Winter über 
im Hafen liegen, wieder ausfahren 
wollen. Das Gegenteil ist: oftakeln. 

ttegen — ausgleichen. Sprichwort: 
Bedregen let sük altid w^r ütegen. 

fitgelaten — ausgelassen. De junge is 
gans ütgelaten för freide. Bas Gegen- 
teil ist: gelaten = ruhig. 

ütrakkern — ausschelten, wörtlich : je- 
manden ,,rakker^ nennen, 

walbehagen — Wohlbehagen. Sprich- 
wort: Anfank is 'n walbehagen, man 
't endje mut de lasten dragen. 

wallSr — früher, in früherer Zeit. 
Bedensart: wall^r, as ödje nog 
l^fde. 

wandersknp — Wanderschaft, üp de 
wanderskup gän. 

wannering — das Trottoir, der Bürger- 
steig. Im ostfr. Wörterb. B. III S. 
507: Wanderung. 

wänwis — wahnwitzig. 

waterpokken — Wasserpocken. 

wenenschille — Weidenschale. Üt 
wenenschille maken de jungse sük 
tömscheters. 

wisemör — Hebamme, Franz. sage- 
femme. mör = moder. 

widmorst — hochmütig. Dat wif is so 
widmorst, dat is hei net to löfen. 

wilde-grftnte — Hundspetersilie oder 
Garten- Gleisse (Aethusa Cynapium). 

wilde-wilge — schmalbl. Weidenröschen 
(Epilobium angustifolium). 

windgeld — Becognitionsgeld, das der 
Müller vor Einführung der Gewerbe- 
freiheit an den Staat zu entrichten hatte. 

windhakke — • Windbeutel. 



Carl Dirksen. 



108 



Zu Fritz Reuters „Kein Hüsung". 

Sämmtliche Werke, Volksausgabe, Bd. 2 S. 345 wird der 12. 
Abschnitt ;,De Klag"^ durch folgende Verse beschlossen: 

»De Nachtigal, dat Water singt, 
De Ird, de ganze Hewen klingt, 
Wat lewt an wewt, dat bögt de Enei 
Un stimmet in de Melodei: 
„Un heilig, heilig is de Städ^, 
Wo*n Minschenhart eins breken dedM*' 

^^Dat Water singp^ sagt man im Niederdeutschen vom Wasser, wenn 
es nicht recht mehr kocht, was durch einen eigentümlich singenden 
Ton angezeigt wird (vgl. ten Doornkaat Koolmans Ostfries. Wb. III, 
S. 184). In anderer Bedeutung wird der Ausdruck nicht gebraucht; 
wir haben daher Anlass, zu vermuten, dass hier ein Schreib- oder 
Druckfehler vorliegt. Dass dieser sich nicht erst in die Volksausgabe 
eingeschlichen hat, ergibt die Vergleichung mit der 6. Auflage der 
Oktavausgabe vom Jahre 1872, S. 197. Möglich, dass wir es mit 
einem Schreibfehler des Dichters zu thun haben. Es ist unschwer 
zu vermuten, dass neben Nachtigal statt des fälschlich gedruckten 
Water der Name eines anderen Vogels einzusetzen ist, und zwar der 
neben dieser oft genannten Lerche. Diese Vermutung findet ihre 
Bestätigung durch den Dichter selbst. Am Schlüsse der Erzählung 
„Haunefiken" im „Schurr Murr*^ (Sämmtl. Werke, Volksausg. Bd. G, 
S. 29 zitiert nämlich Reuter die obigen Verse in etwas abweichender 
Form. Es heisst dort: 

De Nachtigal, de Lewark singt, 

De ganze klore Hewen klingt, 

De Born nn Blaum, de bogt dat Knei 

Un stimmet in de Melodei: 

Ja heilig, heilig is de Städ^ 

Wo'n Minschenhart eins breken ded'! 

Es ist unzweifelhaft, dass auch im ^Kein Hüsung^ de Lewark statt 
dat Water einzusetzen ist. Der Fehler ist vielleicht durch einen hoch- 
deutschen Setzer veranlasst, dem Lewark nicht geläufig war, und der 
meinte, dass hier neben Erde und Himmel auch das Wasser nicht 
vergessen werden durfte. 

Zu Reuters Stromtid. 

Kapittel 3 (Volksausgabe der Werke Bd. 6 S. 237) heisst es: 

(Moses) Was hab ich gesagt? Ich werd mich doch nich melden bei die 
prenfsschen Gerichten; Herr Hawermann is en ehrlicher Mann. Ich hab' mich 
einmal gemellt, es war in *ner Sach* mit en prenfsschen Eannedaten, as ich hab' 
gemahnt den Kerl, hat er mir Brief geschrieben ich soll nachlesen en Vers 



109 

ans'm christlichen Gesangbuch. — David, wie heisst noch?" — ,,Es war ein 
ganz entfamter Vers,"* säd David: 

„„Hain Qewüssen beufst mich nicht, 

Moses kann mich nicht verklagen, 

Der mich frai und ledig spricht, 

Wttrd aach maine Schulden tragen."" 

Die meisten Leser Reuters werden meinen, dass sich der Dichter hier 
einen Spass erlaubt hat, indem er eigene für den Zweck verfasste 
Verse als die eines alten Kirchenliedes ausgibt, oder dass diese zu 
den bekannten apokryphen Gesangbuchsversen gehören. Allerdings 
haben wir es hier mit einer Travestie zu thun, die sich aber an den 
7. Vers eines in den meisten Gesangbüchern zu findenden Liedes von 
Erdmann Neumeister (1671 — 1756): „Jesus nimmt die Sünder an", 
eng anschliesst. Er lautet nach dem Evangelisch-lutherischen Gesang- 
buch der Hannoverschen Landeskirche, Hannover, Schlütersche Buch- 
druckerei 1891 Nr. 278, S. 169 folgendermassen : 

Mein Gewissen schreckt mich nicht; 
Will mich das Gesetz verklagen, 
Der mich frei und ledig spricht. 
Hat die Schulden abgetragen, 
Dass mich nichts verdammen kann: 
Jesus nimmt die Sünder an. 

Bekanntlich wurden die Kirchenlieder im Laufe der Zeit vielfachen 
Veränderungen unterworfen. Ich halte es daher für nicht unwahr- 
scheinlich, dass sich die mir nicht zugängliche ursprüngliche Form 
des Liedes noch enger an das Reutersche Citat anschliesst. So steht 
;,Moses* fiir ;,das Gesetz^ auch in anderen Kirchenliedern des 16. 
u. 17. Jahrhunderts öfter. 

NORTHEIM. R. Sprenger. 



HO 



Jacob Seraez. 



I. Handschrift. 

Trotz der zwischen Braunschweigern und Hildesheimern be- 
stehenden Spannung fand Hermen Bote auf Hildesheimer Gebiet ein 
Menschenalter nach der Stiftsfehde einen Nachahmer, der seine Ver- 
suche in eigentümlicher Weise mit Botes Werken verknüpfte. Zunächst 
überarbeitete er Botes Gedicht Van veleme rade und suchte sodann 
selbst in Botes Weise zu Schriftstellern. Wir haben es zum Teil mit 
wirklichen Plagiaten zu thun, wobei allerdings zu beachten ist, wie 
unbekümmert das Mittelalter bei der Erneuerung älterer Dichtungen 
im allgemeinen verfuhr. Den rein dichterischen Wert solcher Er- 
zeugnisse kann man kaum zu niedrig schätzen; dennoch bieten sie 
einiges für die Literaturgeschichte, für Sprache und Kulturgeschichte 
Bemerkenswerte. 

Unter dem Titel: „Ein niedersächsisches Gedicht über die Ge- 
schichte aller Ketzereien" enthält die Handschrift 740 der Beverin- 
schen Bibliothek zu Hildesheim die Werke dieses Nachahmers. Er 
nennt sich an verschiedenen Stellen der offenbar von ihm selbst an- 
gelegten Handschrift: Bl. 192» Jacohus Scracis de Indagine phisicus, 
meist Jacohus Scrac^, aber auch Scracis Bl. 60»; siehe die nachher 
angegebenen Unterschriften seiner Verse. Zum Namen sind etwa die 
Formen Scra^^ srais^ Schratt^ Scratmann^ Scrassmann zu vergleichen. 
Wenn er sich in dem Gedichte Van veleme rade Bl. 153h auch hogreve 
nennt, so ist diese Bezeichnung ohne weiteres aus dem älteren Ge- 
dichte übernommen. Funktionen des Hogreven (Brandes, Nd. Jahr- 
buch 16, 39 zu I, 44) erhellen aus dem Archiv des historischen 
Vereins für Niedersachsen 1881, S. 191. Spangenbergs Archiv 1831, 
S. 164. Für Hermen Bote ergiebt sich Näheres aus dem Liede 
Liliencron Nr. 165, 163; 327, 17, 5. Der Ortsnamen Indago = Hagen 
ist im Hildesheimschen häufig, wie das Register zu Lüntzels Beschrei- 
bung der älteren Diöcese Hildesheim ausweist. Auf das Hildesheimsche 
als Heimat des Verfassers lassen Bezugnahme auf Hildesheims be- 
sondere Verhältnisse in der Reformationszeit sowie der Umstand 
schliessen, dass Bl. 152h der Handschrift die beiden dort gezeichneten 
Boten rote und gelbe Hosen Hildesheimer Farbe tragen und auch 
eine rotgelbe Leiste das Bild umgibt. Die Stadt hatte nach dem 
Urkundenbuche I S. 297 (c. 1300) drei Boten zu kleiden. Hildes- 
heim wird Bl. 135a genannt. Jacob Scracz de Indagine aus Ur- 
kunden nachzuweisen, ist bis jetzt nicht gelungen. 

Datiert sind die Gedichte von 1550 und 1551; so wird Bl. 
117a 1550, Bl. 76l> und am Ende 1551 angegeben. 



111 

Der Boteschen Handschrift des Schichtbuches ist unsere insofern 
sehr ähnlich, als auch in dieser viele rohe, augenscheinlich gleich mit 
der Schreibfeder entworfene Bilder sich finden, die dann ebenso kunst- 
los mit Wasserfarben ausgemalt sind. (Hänselmann, Städtechroniken 
16, 290.) Die Schrift zeugt von grosser Eilfertigkeit und ist oft 
übel lesbar. 

Ich berichte zunächst über den Inhalt. 

1) Bl. 1^ Bild, Adam und Eva nnd den Sündenfall darstellend; darunter 
die Hexameter: 

Adrnn primtis homo damnavit secula pomo, 
Gonjuge vipperio donee suadente veneno 
Haitsit ergo cunctis gustando pocula mortis, 
Sentit adkuc proles, que commisere parentes. 

Bl. 2* Sprachgedicht: De mensche vnder edlen creaturen de edelste yß, 
Schluss Bl. 6* : Jhesus Christiis. Amen, amen, amen. 

2) Bl. 7^ Bild: Oben eine Ereuzigang, unten Papst und zwei Könige. 

Bl. 8* : Mensche mercke vnde s^, loue vnde we de misse ingesettet is 
vnde vme se hergekomen yß, Prosa. — Schluss Bl. 11* : Alm^chtige god, ich 
liabe guden willen, myne sunde to bichten, Oeloicet de almechtige eivige 
stercke godt, hir vnd to allen tiden in ewicheit, Amen, 

3) Bl. 13^ Bild: Oben Moses empfängt die Gesetzestafeln, unten Anbetung 
des goldenen Kalbes. Bl. 14* Beimgedicht über die zehn Gebote. De iheyn 
gebade mx)te vry holden, Schluss Bl. 15* : Wil he geuen in duss&nt lede syne 

gnade, 

4) Bl. 15^ Spruchgedicht: O mynsche, leue na gades gebod. Schluss Bl. 
17*: In Abrahannes (lies Abrahamss) schoeie, dar Pilatus vnd Judas rawen. 

5) Bl. 17^ Spruchgedicht: JEJrdom vnd grod misgelotie van ambegyn 
gewest, Schluss Bl. 18^ : Mit dem vader, xone vnd hilgen geste rawen, 

6) Bl. 19^ Bild. Unter einem Kruzifixe Papst, Kardinal und zwei Bischöfe. 
Bl. 20* Spruchgedicht: Ardom vnde twipardt. De synt nu in der werlt hardt, 
Vnd eck von ambegyfine gewest, Vomyet sich nn vpt alderlest, Anfangs finden 
sich Stellen wörtlich aus dem vorhergehenden Gedichte wiederholt. Schluss 
Bl. 44* : So isset ene jo noch fuste all gegan, Sunder ore ou^richeit aen- 
Jmvm, ich vorstae, Telos huius per me Jacöbum Scracz, anno L in hanc 
formam ratificavi, Scripsi manu mea propria teste. 

7) Bl. 44^ Bild: die Dreieinigkeit. Bl. 45* Spruchgedicht: Ein hmcet 
alkr ketterie ys Antecrist. Schluss Bl. 53^ : We dem duuel so denet gar, 
Loenet er so gatis apenbar. 

8) Bl. 54^ Bild. Zwei Teufel führen einen Mönch ab, ein Engel mit 
Schwert und Kreuz treibt sie vor sich her. Bl. 55* Eine Prosaabhandlung über 
Ketzer-Konzilien. Schluss Bl. 60* Wus noch de ende sali wesen, mach de all- 
meehtige god wetten, dede Uuet in der hilger dreuoldicheit ewichliecken sonder 
€nde. Amen. Telos huius per me Jacobum Scracz de Indagine, 

9) Bl. 62* Bild. Oben: Ein Zauberer wird von einem Engel gestürzt, 
beide schweben in der Luft. Unten: Ein König, rechts daneben ein Teufel, 
links wahrscheinlich ein Priester mit Hörnern. Bl. 63* Spruchgedicht: Vincen- 



112 

Utes in dem Speigel der Historien ÄUigert, noch ml mer doctoren darüon 
sehriven. Schluss Bl. 65* : Dat sint de sduigen, dar de duud vt werket, De 
holt ene dat Uff vp, oere sinne ßtercket, 

10) Bl. 66* Bild : Vor einem Altare ein Priester, tretend auf einen Teufel; 
hinter ihm ein anderer Teufel. Könige, Papst, Mönche zu beiden Seiten. Bl. 
67* Sprachgedicht: God hebhe des pris vnde ere, Dat Äirius aenvanck md 
valsche lere To nichte ys gegaen. Schluss Bl. 71* : Make vns van alle vnsm 
sorgen quid, Dat wy sin rieche mögen schawen, Mit dem vader, sone vnd 
hilgen geste rawen, Telos huius per ms Jacobu/m Scracx de Indagine. Anno 
L in vigilia assumptionis Marie virginis, 

11) Bl. 72^ Bild. Ein Weib schleift ein Kruzifix durch die Strassen einer 
Stadt. Bl. 73* Spruchgedicht : Na Christi geburt dusent twehundert jar Vor- 
hoff sich eine uninderlicke secte gar, AJhigenses worden se genant. Schluss Bl. 
74^ : Mennlich werden se geschent, geslagen dod, Mit für, swerde so vmme 
bracht Mit gades toraecke, mit groter macht, Hir endet sich de ketterie 
Monachii, Anno LI. 

12) Bl. 76^ Bild, Die Dreieinigkeit. Bl. 77* Prosa: De ketters wiM 
gemeinlich etcangelisch genomet syn. Schluss Bl, 86^ : Finis per me Jacobum 
Scracx de Indagine Anno LI mense Junii. 

13) Bl. 88^ Bild. Christus, rings herum die Abzeichen der Evangelisten, 

des Papstes und der Bischöfe. Bl. 89* Spruchgedicht: Anno MCCC und LXI 

jar Joannes Wiclew in Engelant eyne keterie aenrichtede all dar. Schluss Bl. 

91* : Vnd dat beschere vns alle samsn In gades namsn amsn, amen, amm! 

Telos hujus per me Jacobum Scracz de Indagine anno DLL (?) 

14) Bl. 92bBild: Johannes Ziaka zu Pferde. Bl. 93* Spruchgedicht: Hi/r 
heust aen der Husiten krich vnd vpror. Schluss Bl. 104* : Hir endet siek der 
Husiten krig, ury de Behmer gehandelt haben, dorch mi Jacobum Scracx de 
Indagine vth der kroeneke ratificert. 

15) Bl. 104^ Nachwort über Wikleff und die böhmischen Ketzerei, auf 
die auch Luthers Lehre zurückgeführt wird. Mercke vnde s^e dut wunderlkh 
spei. Schluss Bl. 105^ : Hir endet sich dut gesaet dorch mi Jacobum Scracz 
de Indagine. 

16) Bl. 106^ Bild: In der Mitte ein Kruzifix; darunter rechts 4 Mönche 
mit Teufel, links ein Mönch mit Madonna. Bl. 107* Spruchgedicht: De ireflicke, 
lo flicke, warafftige historie van den veer ketter monnecke, der Berner Ketzer- 
Skandal; einer der Mönche was ein swartkunstener dar. Schluss Bl. 117*: 
Dat hdp ons god all tosamen In gades namen amen, amen, amen. Ge- 
schreusn dorch my Jacob Scracx in dtisser forma ratificert anno L den dach 
Jacobi apostoli. 

17) Bl. 118^ Bild: Kaiser Friedrich III, König Maximilian und Matthias 
von Ungarn; im Hintergrunde ein Haus, darüber 7 Wappen und ein Kruzifix. 
Bl. 119* Spruchgedicht: Anno M^ veerhondert sesvndtachtenich jar Fredericus 
keiser mit synem sone Maodmiliano dar. Inhalt: Auf dem Beichstag zu Nürn- 
berg 1490 wird der Kampf gegen die Türken beschlossen und nachher siegreich 
durchgeführt. Schluss Bl. 119^ : Oiff deme keiser, wat deme keiser hoei't; 
Ood giff, dat oeme all gebort. 

18) Bl. 120^ Bild: Den Kaiser Maximilian bitten zwei Edellente um Hilfe, 
deren Schlösser von den Bauern zerstört sind; Bl. 121* Spruchgedicht: Vproer 
der bueren by keiser Maximiliany tyd In dem wendeschen lande mit grotem 



113 

sirUt Anno MD vnde s&oentein jar, Schlass Bl. 122* : l)e mit den bm'en 
wil krigen, De muchte huer to heyme hlyven; Alse de hose by synem broder 
steit, So is de buer gans vml gemeyt. 

19) Bl. 123^ Bild: Das Schiff der Kirche auf dem Meere, gesteuert von 
Christus; unten kleine Fahrzeuge, bezeichnet als Zwingel, Machomet, Arrianer, 
Wickieff, Hues, Mertinus Luther, die alle der Hölle zutreiben. Bl. 124<>' Spruch- 
gedicht: Anno, do men screff dusent DXXV jar, Scher in gans Europa 
aj)enbar De grote bursche vproer faste hergecomen, Schluss Bl. 126* : Se 
weren vorsaget doch gans vnd gar; Se vorlopen vnd vp de vlucht alle dar, 
De so ereftich to hope gesworen hadden apenbar, 

20) Bl. 126^ Bild: Markgraf Casimirus. Bl. 127^ Spruchgedi^ht : Mar- 
graue Casimirus haet vil buren vmme gebracht In deme groten vproer vnde 
yn der jacht, Schluss Bl. 128^ : So bleff nicht eyn by deme anderen stan. Per 
im Jacobum Scracx de Indagine anno saluiis L, 

21) Bl. 130^ Bild: Luther und Zwingli suchen mit einer Zange eine an 
einem Pfeiler befestigte Bibel zu entfernen; hinter Luther der Teufel, auf 
dem Dach Störche. Bl. 131* Spruchgedicht: A7ino MD vnd XX jar Mertino 
Lütter kam in deme drome voer. Schluss Bl. 141* : Beware ons here to aller 
tyd; De hemmelsche vader aldermeist, Darto de sone vnde hillige gest, 
Amen, Finis huitts per me Jacobu^n Scracz de Indagine anno salutis LI 
tnense Martio caJendis feria quurta post festum Pasc, 

22) Bl. 142^ Bild: Münster; am Lamberti-Kirchturme der Käfig mit Johann 
Bockel von Leyden. Bl. 143* Spruchgedicht: Anno dusent D und XXXIII 
jar Eyn ser schedelicke secte vorhoeff sich gar, Schluss Bl. 148* : Ein dener 
(kr gerechticheit alle tyd bereit. Per me Jacobum Scracx, in hanc fm'mam 
fieri feci, (?) 

23) Bl. 148^ Bild: Es regnet Kröten vom Himmel. Vergl. Buch Weins- 
berg I 327. Bl. 149* Spruchgedicht: Gy menschen intgemeyne. Edel, vnedel 
grot vnde eleyne, Thein plage den Egipteren becant, Schluss Bl. 150^ : Vnde 
hMe god hff, hoelt syne gebade. So vorwerfftu gud, ere, syne gnade, Finis 
liuius per me Jacobum Scracz, anno 1549 (?) die Eme}'ani in Jmnc fwmam 
ralificavi, 

24) Bl. 152^—192* Botes Radbuch. Kollation folgt in der Fortsetzung 
dieses Aufsatzes. 

25) Bl. 192^ bis 195* Prosa; und zwar Bl. 192^ bis 194* Historia von 
Machomet, seine Titel, Herkunft, sein Grab. 

26) Bl. 195* Prophezeiung über Karl von Burgund. 

27) Bl. 196* Bild: Kaiser und Landsknecht. Bl. 197* bis 199^ Volks- 
lieder, die ich gleich mitteile. Bl. 200* leer. 

28) Bl. 200^ bis 204* das weiter unten S. 117 beschriebene Bild und 
der S. 117 ff. abgedruckte Schluss. 

II. Lieder nnd Sprnchgedichte am Schlnss der Handschrift. 

(Bl, 197^ ff,). In hochdeutscher Fassung bei Liliencron 4 Nr. 537. Ton 
wie Liliencron 4, 256; zur Sache das. S. 351. 

Karolus keyser in deme ses vnde vertigesten jar 
Brachte er to samende eine grote schaer 
Van ruteren vnde landesknechten 

NlederdeutBohea Jahrbuch XXV. S 



114 

Vor Ingelstat in Bayerlant. 

Dar wart er gedrungen toe vechten. 

Philippus landgraue to Hessen genant 

Iß disses speis wesen aenfang becant. 

Iß waer vnde nicht irlogen. 

He hefft to deme ersten weder alle billicheit 

De Biisceppen oeuertogen. 

Ock hefft er to Spier all dargestelt 

To jagen die wulüe jn deme vrien velt^) 

An deme stillen vridage to trosse gedreüen, 

Dar toe ock mennigen vor letz, 

Dede de passe nicht scülden hören. 

Dar by haet he daß nicht bliüen laten, 
Im ricke ein ander vpror gefangen aen, 
Der keiserlicken maestet to trossen 
Haet he den hertzug von wertenberg 
Weder jn syn laut don setten. 

Dar by sin ouermod nicht haet gewant, 
So mennigen redelicken wol yß becant, 
In deme keiserlicken vreden 
Haet er den lofflicken forsten van Brunswick 
Van lüde vnde lande vordretten. 

Dar van so wer dar wol mer von to scryüen. 

Dat wil ick op dütmal laten blyöen 

Vmme ande (!) lüde hülde, 

De yd den ock bedrepen müchte. 

Will doch dar annehebben neyne scülde. 

(Bl. 197^) Dusses dines vrefidß des noch vill mer 

Wart to deme latesten straffen god din her 
Deme keiser die roede geuen. 
De dy dar vmme straffen wert, 
Werstu komen to funde gar euen. 

Lantgrave, wat heuestu gedan, 

Dat du dussen vpror hast gefangen aen? 

Dat wert dy gar wißlich rwen. 

Giff güde achtunge vppe din spell, 

Din vngelucke wert sick irüuUen. 



^) Bibliothek des Literarischea Vereins zu Stuttgart 190, 238, 27. 



115 

I)at spei hastu in den grauen geuoret, 
Wo mennich redeliecker heflft gespoert. 
Wo dat de almechtige nicht wert vphauen, 
So wert id doch noch mennigen man 
Kosten sin gud vnd ock sin letien. 

Do heddest jo dy billich beth bedacht, 
Wo du dissen vpror heddest gemacht, 
Vnde gedacht an de swerten buren. 
In oeren orden du itzund getreden bist, 
Onde menst den keiser toe luren. 

Warliecken, du heuest dat oüel bedacht. 
Dinethaluen vel armer lüde werden gemacht, 
De doch itzund gar all vorderüen, 
Mod doch menich dussen winter lanck 
Des bitteren hongers steruen. 

Gy Buntgenoten vil wurt hebbet gespilt, 
Dat gy dem gemeyne manne hat ingebilt, 
De keiser wil groten mort bedryüen. 
Dat kone gy jo nummer maecken war 
Vnde mote so in logen steecken blyuen. 

(Bl. 198^) Lantgraue, we gaff dy den rad, 

Dattu dy soldest setten jegens keiserlicker maiestat 
Vndfe soldest oeme weder streuen? 
Dat haben die bemuerden Buer gedan, 
Haben dy dat gelt gegeuen. 

Den hertzug von Gulich brachtestu an den danß, 
Loue an oene to wynnen eine gude schancz. 
Wue hie aen den rey mede sprunge, 
Lestestu den guden heren stan. 
Als die hase syne jungen. 

Sve, lantgraue, idt kan dy ock so gan. 

Wen die pepersacke gelt to geuen affstan, 

Vnde wen se den vnrecht vornemen 

Dan bliuestu dan alleyne stan, 

Dess landess toe Hessen mostu dy Schemen. 

Lantgraue, woldestu volgen my, 
Getrwelich wolde ich raden dy. 
Du vellest deme keiser noch toe voete; 
So iss sin trwe herte noch ßo gud. 
He neme van dich die Boete, 



8* 



116 

Wultu den nicht volgen my, 
Berwet dy dat, so hebbe ich dy, 
Bedencke, dat ick dy hebbe gewernet. 
Vnd dan iss jo dan nein redelicker man, 
De sick diner dan erbermet. 

Dv steldest deme keiser eynen handel vor, 
Mendest villichte der hertzug van Brunswick wer. 
Den du vor nortem Scantlich haest Bedragen. 
Overst karolus kennet sulcke vögele wol, 
Wente hie iß doch mennigem entflogen. 

(Bl. 198^) Die anslag hevet dy wyt gefeilet, 

Men wet, wu du mit deme loflicken fursten heft gespelt, 

Mit dinen dagelesten; 

Vnde die dar by gewesen sin, 

Weten dat an deme besten. 

Sve, lantgraue, wu wert yd dy irgan. 
Wen du most vor gades richte stan, 
Van dissen saekken antwurt geuen, 
Sv were diner armen zele bed. 
Du heddest nicht geforet ßodane leuent. 

Dv vornemest mit deme keyser einen frede to maken, 
Den wuldestu nemen vor dy disse sake 
Den fransozen vnd torcken ir wecken. 
Also kondefs du duste bed 
Dinen modwillen weder strecken. 

Dv heuest int laut to Sassen geschreuen, 

Wu du vor engelstad den keiser vth dem leger gedreuen. 

Vor war id ifs ser gelogen. 

Du bist to Bruggen vor der Stadt 

Schentlick vth deme velde vlogen. 

Dv loflicke keiser, volge my. 
Vorwar ick meine yd gut myt dy. 
Lact dy neinen stilstant maken. 
Yd gescut vt lutter ar gelist. 
Giff achtinge vp dyne saecke. 

Werstu ouerst nicht waren dine sacke. 

De hesse maket dy franzozen vnde turken waken. 

Wat kanstu den Begynnen? 

So werstu dencken aen mine wurt 

Vnd werst yd wislick Befinden. 



117 

(Bl 199^) Dvt gedichte deme lofflicken keiser to den eren. 

Wel sick der lantgraue nicht aen keren, 

Dar by wil ick dat laten bliuen. 

Dan wyl wi vp dat toe kumpstige sommer tid 

Ein Beter gec&chte schriuen. 

Bunt ketzlyn. 

Ick hadde gesworn vp dusse maten, 

Du adeler werst doch ganfs vorlathen. 

So hengt dy noch die werlt halff aen, 

Scolden ße sunte Veltins liden han. 

Hertzug hinrick von Brunswick sin aenhanck 

De seinen hebben my den scaden daen, 

Dar vmme mod ick nu flegen dar van. 

Adeler. 

Ketzelin, du heuest vaecken gehört, 

Dat is jo ein olt spracken wort, 

We toe hoege wil stigen, 

De mod vpt lateste ein bedler bliuen. 

Id scal dy to deme lesten ock ßo gan. 

Ick weth eynen ort, dar ick dy vinden kan. 

Kettzelyn. 

Dv vorlaten adeler, late dy behagen. 

Du most my dine krönen geuen to dragen, 

Eder min aenhangk vnde ick saegen, 

Willen dy nae hispanyen jagen. 
(Bl. 199^) Her vrisch aen my, wo ick an dy. 

Klemestu my, so cleye ick dy. 

Die vorlathen arnt. 

Ketlin, ick sage dy vnvorhalen. 

De kröne is my van gade bevolen, 

Dat Swert my to der straffe henget an. 

Dar by wil ick liff vnde levent lan. 

Wul her in gadeß namen vnvorßaget. 

We weth, wer noch den anderen jaget? 

Telos. 

(200^) Bild. Oben: ein Glücksrad, von einem Teufel gedreht. Zwei 
andre Teufel blasen dazu auf einer oboenähnlichen Langflöte. Oben auf dem 
Bade ein König; unten, rechts und links auf- und abschwebende Männer. Untere 
Hälfte: Vier Männer werfen Kugeln und fangen sie wieder; Kugeln auf der 
Erde, auf dem Kopfe, der Nase, der Schulter der Männer. 

(BL 201^) Alle fuUencoemen gaüe komet van hotten, 

Vnde dat licht von deme vader, prisen vnd lauen, 

By deme is neyne voranderinge. 

Wer dttsternüsse noch wesselinge. 

Heuet ons na synem willen erret nicht (!) 

Dorch dat wurt der warheit getelet, dat is wifs, 

Vppe dat wy die erstlinge weren, 



118 

Syne creaturen vppe desser erden. 
Dencket, bwet nicht vppe wertlich gtit. 
Stelt vp den vader alle jwe herte vnd mod. 
Vtli deme ersten sacke gifft he noch genoech, 
Alle creaturen syn uerunge vnd gevoeg. 
Darumme oek nein creatur godloes yß, 
Nein dinck in der werlt, dat yss wyß; 
De doch sine saecke an god stelde, 
He gene ohme vele gewelde; 
Dat riecke gades to deme ersten sochte, 
God eme to hueß sende vnde brochte. 
Nu geuet er deme eynen bürge lüde vnd lant, 
Deme anderen eynen staff in syne hant. 
Darumme mensche Betrwe in god; 
Syne gaue de synt oüerülod. 
Wattu von oeme Biddest, kanstu krigen; 
Johannes in dem 1. ca. dy nicht vorswigen. 
Wat dy in vngelucke wil ouergaen, 
Wu snellicken rend er dat van der baen. 
Die an eme loüet, nicht vorgeit; 
De hemmel eme all tid apen steit. 
Mercke gar euen rund ist dat gelucke: 
(BL 20P) Deme eynen vpt hoeüet, dem andern vp den rucke, 
Deme dridden vallet yd in synen mvnd, 
Deme verden neder in den grund. 
Sych deme jennen yd so slümpt,^) 
Deme dat vngelucke vp den nacken kümpt 
Vnde den (!) dat vor eynen tuchtmester kricht, 
De mach Sprecken: here, Behoüestu myner nicht? 
Ock sue, wüe die profete David segt, 
De hillige gades frunt vnde knecht: 
We des morgens vro vpsteit 
Vnde mit honger slaperi geit 
Vnde eeth syn Brod mitt vngemaecke, 
Denne yd god gunt, gifiPt he yd oeme in dem slape. 
Alle gut hir vp erden gift er gar, 
Den ossen by deme hörne apenbar. 
Alle wat du biddest, kanstu van eme erlangen. 
Cloppe, du werst in den hemel gangen. 
GifF du, dy sal .werden weder geüen 
Nae dissem leüende dat ewige leuen. 

Telos Huius. Anno 51. 

(Bl 202^.) Bild : Zwei Männer schlagen mit Schwertern auf einander los. 
Der Eine hat ein zerbrochenes Schwert. Darüber geschrieben von einer Hand 
des vorigen Jahrhunderts: „Diese beyde mit einander streitende Männer sollen 



^) Radbuch 9, 21 ff. 



119 

yorstellen die grosse Uneinigkeit, darin diese Stadt Hildesheim, durch die evan- 
gelische Lehre und deren Lehrer gesetzet worden/ (BL 203^) Unten anf der 
Seite steht von derselben Hand: „Dieses ist eine Beschreibung der Unruhe, die 
dahmahls hier in der Stadt gewesen, als die evangelische Religion ist ange- 
nommen worden. Und beschleusst der Autor dieses Buchs mit den Worten diese 
Verse, dass, wenn er glaubte, dass der Lutherischen Predicanten ihr Vornehmen 
Bestandt hätte, so solle ihm ein Auge ausfallen und man ihn nennen einen 
Bösewicht, so lauten die Worte: 

Löeve ick dat, so valle my vth ein oge schlicht, 
Vnd sprecke, ick sy ein Böesewicht." 

(Bl. 203^) Nu hoeret doch van wunder vnde etienture.^) 
Gud rad yfs deme genslich düere, 
De sick samelt mit quader selschüp. 
Dat gelt oeme meinlich hit, har, hals vnd cop. 
Darumme rade ick Bouen alle, 

Dat sick eyn yder vor quader selschüp sick waren sali, 
He sy van synnen scaff, hert offte weeck. 
Van quader selschüp wert eyner hoüetseeck. 
Nement iss dar gehetert van, 
Svnder eyner, de to deme galgen kam. 

Wat ein man vor arbeit deit, 

Ock mit weme he menclich vmmegeit, 

Dat plicht eme gerne aentohangen. 

De seck mit eynem koedrecke wil wrangen. 

De Bosoelet gerne de knoüel, 

De varet oek gans ser oetiel. 

So yss de man licht vortLertt,^) 
De in syner Schede hat ein vorbracken swert. 
Ick rade deme, dat he dat late stecken, 
Will he anders syne schände Bedecken. 

Hoedet jw vor deme oere aen der krucken. 
De deüe liggen vnde dfiecken 
In dorperen, Steden, wue mallck lyt. 
De Schuldige de schult doch alle tyd. 

Ein deff de schodert nicht sonder saecke;^) 
Dar syt villichte rede wol ein oer an dem kake. 
Kan he dat mit deme anderen nicht vorboethen, 
Dan mod he id vorbeteren mit hande, halse, voeten. 

Deues rad, wür de ock yß,*) 
Alle tyd mit syner groten argelist 
(Bl, 203^) De ene den anderen toe sick tuet, 

*) Radbuch XI 1 flf. «) Radb. XI 27 ff. ») Radb. XI 51 ff. *) lUdb. XI 61 ff. 



120 

Dat ene to samende nein güd enschuet. 

Boeuynnen vnde delies hande^) 

Bringet mennige in laster^) vnde schände. 

Men Sprickt: trwe giflft beer vnd broet,^) 

Vntrwe bringet anxst vnd nod. 

Wede olde schoe läppet vnde vlicket,*) 

Jo men jn ein Braken rad mer kile sticket,^) 

Jo men oelde hüse mer roeget, 

Jo se mer kneteren vnde kroeget. 

De olde htiude wil bendisch maken, 

Jo se mer Bellen vnde kracken. 

Wede eynen deff von dem galgen loeset gar, 

Konde he oene dar weder anbrengen®) vorwar, 

Vnde sin gelt aen hören leit, 

My düncket iß al vorloren arbeit. 

Wwer de Burgermester de ece nicht leff hat') 

De kemer jn Boesen stucken eme nae gaet, 

De ratsheren dabelt vnde drincket, 

De Statknecht ene ser na hincket, 

De olderman jegens de meinheit yß, 

De Burgers vorvoert bedragen, dut yß wiß, 

Dar lopen de Burger jm sueze®) 

Vnde de duuel geit mede to radhuse: 

Ein Burger weder den anderen yß, 

De Stad iß vorloren, datt is wiß. 

Wue god de stat nicht had in syner acht,®) 

Vor geves ysset all des wechters wacht. 

Twidracht ist grot vorhanden, 
Sint mertinus ifs vp gestanden. 
Mennich roemet sick deß evangeliums grot, 
(BL 204:^) In deme herten had yd weynich nod. 
Dat euangelium socht allen vrede, 
Neyne twidracht, liefte hoelt stede. 
Na grotem vpror vnd twidracht 
Itlicke predicanten ist al oer jacht, 
Vppe papisten vnd vp godloessen 
Ifs or beslutinge vnde oer glosen. 
Alle ingemeyne hoverdich dunkelgud, 



1) Radbuch XI 171 f. ^) Hs. last in vnde. «) Eulenspiegel (Knust) S. 27. 
*) Koker S. 349. Hoffmann, Findlinge I 70. 71. ^) Radbuch 175 ff. Scracz 191^. 
®) Scracz 191^: Konde he en dar weder anbringen, he nicht letet. ^) Radbuch 
XI 149 ff. 8) Koker 322. «) Ps. 127, 1. 



121 

Mit der vnkuscheit leuen in ouerulot. 

Offt ore vomement vp de dure kan blyuen, 

So wyl wy se inde kroenecke wider schriuen 

Und willen gade getlen loff ynde danck, 

Dat. se de werlt gebracht haben in den rechten swanck. 

Loeve ick dat, so valle my vth ein oge slicht 

Vnd Sprick, ick sy ein Boesewicht. 

ffinis Hüiüs Anno Salutis LI. (?) 

ni. Kollation des Radbnehes. 

Von einem der Drucke ist, ihre Uebereinstimmung vorausgesetzt, 
Jakob Scracz unabhängig, da er ihre Fehler nicht teüt und an meh- 
reren Stellen (z. B. VII 12, VIII 53, X 86) selbständig verfährt. 
Stellt man die Frage, ob Scracz überhaupt einen Druck oder eine 
Handschrift vor sich gehabt habe, so sprechen die zahlreichen ziem- 
lich regellosen Willkürlichkeiten in der Textüberlieferung und der 
Dialekt für eine Handschrift als Vorlage. 

Manche Abweichungen des Textes sind sinnlos und flüchtiger 
Arbeit zuzuschreiben. Ans Ende des X. und des XL Abschnittes 
sind einige nichtssagende Schreiberverse angehängt, das verräterische 
Akrostichon beibehalten, gegen Schluss des ganzen Gedichtes aber 
mit Vorbedacht der Name des Ueberarbeiters eingeschwärzt. Was 
von den in der Handschrift enthaltenen Bildern, die den Holzschnitten 
des Druckes nahestehen, auf Bote zurückgehen mag, lässt sich nicht 
feststellen. Der Vollständigkeit wegen und um spätere Nachforschungen 
zu erleichtem, habe ich sie kurz beschrieben. 

Jedenfalls legt unsere handschriftliche Bearbeitung für die Ver- 
breitung imd Beliebtheit des Badbuches Zeugnis ab. 

Die Zusätze fallen, wie viele Aenderungen im einzelnen, wohl 
dem Bearbeiter zur Last und sind für die Erkenntnis der Boteschen 
Dichtung ohne Belang; im allgemeinen stehen die Drucke dem Ori- 
ginale Botes näher; jedoch kommt der Bearbeitung auch eigener 
Wert für die Textgeschichte des Radbuches zu. Zunächst sind bis- 
weilen die wahrscheinlich ursprünglichen Lesarten erhalten z. B. I 12, 
I 78. Im ganzen aber steht der Text der Handschrift Botes Mund- 
art näher als der Druck. Schon Brandes erkannte S. 5 wohl, dass 
einige Eigentümlichkeiten des Druckes, wie die Gleichmässigkeit in 
der Verwendung des gh und in der Bezeichnung der Vokallänge durch 
nachgesetztes e der Thätigkeit des Setzers beigemessen werden könnten, 
und dass der Drucker im Innern der Verse häufig die ihm eigenen 
Formen desse, disse, dyt eingesetzt habe, während I 16 die der Mund- 
art Botes entsprechende Form dut als Reimwort unangetastet blieb 
(S. 39 zu I 16). Regelmässig, wenn auch nicht ausnahmslos, vertritt 
nun hier g^ dut, dat, id, dussem^ ome, one, orem usw. der Handschrift 
das gh, dyt, dissem, eme, ene, erem usw. des Druckes. Ebenso bestätigt 
sich im ganzen Brandes' Bemerkung über das zur Bezeichnung der 



122 

Vokallänge nachgesetzte e. Ferner vermerke ich, ohne aher damit 
alle diese Formen der Handschrift ohne weiteres Bote zuzuschreiben 
— hei einigen wäre das sicher unrichtig — als regelmässig, wenn 
auch nicht ausschliesslich in der Handschrift wiederkehrend: nein 
(dein, gesein, sein^ tein^ stein, overein, deinste) für neen (den^ geseen^ 
Seen, teen, steen, overeen, deenste) des Druckes; doit (doist) {ür deü (deist); 
brengen (wendet, met menschen, letmate) für bringen (windet, mü, min- 
schen, litmate); unde der gewöhnlichen Aussprache gemäss för uwk 
de (V 32 unde für unde de mit Sprenger Jahrh. XVII, 96 zu nehmen, 
sehe ich keinen zwingenden Grund); gade für gode; twypart fiir tioe- 
pari; werlde (beschermen) für warlde (beschämten) ; wul, vursten, burge^ 
künde für wol, vorsten, borge, Jconde; toan für wen; men für me; geboren 
(gebrocken, boven) für ghebaren (tobraken, baven); iwelick für iewelh; 
sehest für sulves; nicht selten ist für is; sc für seh im Anlaut; wert 
für umrt; vruwe für vrouwe; nement für nemant; ojfte für effte; ontfan 
für entfan; hevet für hefft; ons für uns. Aber auch an Spuren des 
Hochdeutschen, wie in uff, fehlt es nicht. Das von Brandes S. 39 zu 
III 37 erwähnte Asyndeton ist bei Scracz noch weiter ausgedehnt. 

Ueberschriften, wie sie der Druck bietet, fehlen. Das auf Blatt 
152* befindliche Bild stellt zwei Männer dar, von denen jeder in der 
erhobenen Rechten eine Rolle hält. 

Ich verzeichne die Abweichungen von Brandes' Text und füge 
gelegentlich hinzu, was ich an Erläuterungen vor der Hand bieten kann. 

J. J2 Dat sy avendefs, morgens, vro, spade. Vgl. Konemanns 
Kalandsgedicht^) nach Handschrift B 78L Nd. Jb. XVIII, 44. — 
4 oueruallt — 5 Mit houerde vnd vnrechte — 6 Here, latet vorswinde 
de quade siechte — 8 muchte in deme lande — 9 wue boese valsch 
vnd quat — 1J2 Dan de jenne, de met one ummegeyt. one ist hier 
offenbar mit Bezug auf den luden V. 10 das Richtige — 17 homod 
houard (!) — 18 gestoet — J21 de fehlt — J9J2 ore gewalt — J25 wi 
de werlde steyt — J26 Me denket nicht gudes, den — 27 De der 
meynthe scolen vorwesen — (BL 153^) 30 nu so fehlt — 31 de 



^) Da durch Boethe, Die Reimvorreden des Sachsenspiegels S. 35. 52 ff. die 
Hs. A des Kaland wieder in den Vordergrund des Interesses gezogen ist, ver- 
bessere ich hier zu gunsten der Benutzer des Seüoschen Abdruckes vorläufig die 
wichtigeren Fehler: V. 51 hat die Hs. seuenzich, nicht svenzich (Sello). — 61 
mozen, nicht mögen. — 73 vnder, nicht unter. — 86, 182 van, nicht von. — HO 
est, nicht ist. — 185 mach, nicht nach. — 351 wlbort (vulbort), nicht volbort. — 
355 willst, nicht will' ec. — 378 manich, nicht manch. — 389 sine, nicht sin. — 
410 irmant, nicht ermant. — 4i4, 1029, 1059, 1066, 1320 sal, nicht sol. — 566 
missen, nicht messen. — 597 sterven, nicht sterben. — 646 vwer, nicht juwer. — 
674 er, nicht e. — 713 sprickt, nicht spricht. — 858 auch do nicht. — 1020 echt, 
nicht recht. — 1099 im lat. Text horrendum, nicht horrendus. — 1153 des, nicht 
de. — 1283 ir, nicht in. — 1311 af, nicht von. 

Hs. B hat V. 5, 9, 18 dut, nicht dit (Sello S. 167 f.). — 10 orer, nicht oer. 

— 176 wel, nicht wol. — 195 iummer, nicht ummer. — 218 stunden, nicht stund. 

— 319 bereyden, nicht bereyten. — 411, 443 (vgl. 795) wettet, nicht wetet. — 
421 myti nicht met. 



123 

werlde acht — 35 Men; nu fehlt — 36 eder rechte henthein — 37 
Oflfte ick scal don, moet — 39 iegens gades — 42 De vp alle böse 
vordenck der vndersaten geit — 43 Sus fehlt — 44 hogreuen — 45 
jwelich vorstae — 46 hir voerswicht — 47 vorbliuet — 48 synne — 
i9 viuerleye rade — 51 rade dar maket — 52 men gud ynd quad 
mede kan — (Bh 154^) 53 ridere — 55 gebrocklik holt vint men in — 56 
kolstruncke — 58 stamme. Zum Sprichwort vgl. Koker 319 — 59 
draghen — 65 gronen fehlt — 68 hawet äff tohant vnde styl — 
70 in deme drecke unde moere — 72 wil wider von dissen vif räderen 

— 73 Vnde uil van deme — 74 Eyn jwelick vorstae dat gans gar 
even — 75 arme, groed noch — 76 Woe ick myn gedichte van 
herten — 77 in dat — 78 ]o eyne. manck den luden richtig — 79 
Wan. wulde wie 80 — (Bl. 154^) 81 vngelerde — 82 jwelk mach 

— 83 Wur. herscup — 84 halde — 87 boüeüen (!) — 89 rede in 
oerem — 90 jwelk mede to rade. 

IL El, 155^ Bild, Unten ein Bad, Ueber demselben steht der Papst 
mit der Tiara, den Kreuxstab in der Rechten. Bechts vom Papste ein Kar- 
dinal, links ein Bischof, 

Bl. 156^ 2 gestlicke acht moege — 7 raede oeck nicht — 8 
vnde werdlicke eer — 9 vnde keyser — 10 deme — 11 steit id gans 
ser wol — 12 vrede aen steit — 14 de hoghe mestere — 16 gront 

— 17 Tybur sal — 18 Unde fehlt — 19 gansse kerholt wesen — 21 
Se to, deme rade nicht kome brockelich hoelt — 22 wederspüt — 
28 hilge. mede wert beswert — 24 cristengeloff vaken van ovel vert 

— 25 gadesloff, recht vnde eere — (Bl, 156^) 26 bösen rade vor- 
krencket ganss seere — 28 Den nene — 29 vnd dem keyser — 31 
vterwelt — 33 einicheit — 34 ansteit — 57 de uloet — 38 holt dat — 
S9 hilge — 40 dat — 41 nemende — 42 sagt in der bicht — 43 de 
vaste paell — 44 dorchwrecht. ysere — 45 Sy in dy, eyn — 46 
So synt. beide, bogen, ock al rechte — 48 al rechte her wol. 
J/ttn wird eingeschoben: Hebbe bouen alle god leff! Alle din werck 
scal vort gan nicht scheff. Dar to sine bade den euenmenschen dyn 

— 50 de cirkel syn — - (Bl, 157^) 54 nicht enholt — 55 bisscupf vnde pape 

— 56 nagan sues in ywen staete — 57 allick — 58 mynsclycke — 
o9 vrede, eindrechticheit, leue — 60 den geistlicken — 62 gerichte 

— 66 Dencket, dat gy muchten mit gade leren — 67 mer upf 
werltlicke ere — 68 Wen vff godes gebod — 69 nacht hir scole. 
vp dencken — 70 willen krencken — 71 unde fehlt — 72 ontfan — 
76 an leet — (Bl. 157^) 78 Vnde dar mede alle quat vordriüen; unde 
myden fehlt — 79 olde. nye — 82 dan. dat rad — 83 Wuewal dat rad 
den — 84 Suste bet de steyn — 85 sta — 86 sue. dynen — 87 
rechter — 88 dar doch loefsheit — 89 scholen — 90 dye. ^o\ fehlt, 
komen — 92 scholen. consilium — 93 So lange gy de vorvarenheit 

— 95 twydracht — 96 werden gruwel vnde wueste van. Nun folgt 
ein Einschiebsel: Dar mede lästern, sehenden vpf den predestolen, 
De duvel heuet one dut bevolen. Dat ifs jo nu de uthlegynge vnde 
oer vornemen. (Bl, 158*) (Mercket, dat moten se syck Schemen;) 



124 

Bringet twydracht vnde uffroer Vnd ifs nycht der apostell voer — 
97 wert fehlt — 98 vorherdet — 99 Wur ock missewant dat hams 

— 101 burger vnde buer — 102 vorjaget — 103 dar feUt 

— 104 Sueder de sprengell wurt — 106 Dar vor nestelt ratten vnde 
müse — 107 du pawest, mensche, sue an dissen gewall — lOS 
Waer men de kerken ock so rygeren scall — 109 wigewater — IIB 
bischops — 115 werck — 116 gehalden. sterck — Bl. 158^ 117 
geystlich raed — 120 wul. volgen jw nae — 121 vorweit — 125 vter 

— 127 hirneder — 128 dyne gnade vnde gaue is groet — 130 salt 

— 132 in deme grade. 

///. BL 159^ Bild. Unten ein Bad, lieber demselben der Kaiser mit 
der Krone auf dem Haupte und dem Schwert in der Eechten. Beehts ein 
weltlicher, links ein geistlicher Kurfürst, 

Bl, 160^ 1 de fehlt, syn — 2 vnrecht — 3 ist wat güdes to 
laden — 4 Wüe. to fehlt — 5 lant eder lute; dorp eder stadt — 
6 vpgericht du hoge kroenede rad — 8 daraen — 10 arsebiiscoppe. 
Triere — ü, 13 hogeboren — 12 palsgraüe. hertzig. Sassenlant 

— 13 Unde fehlt, margraue. Brandenburch — 14 irluchtet. dor- 
geden — 15 Slaet tohope dat kamrad vaste vnde dicht — 16 Unde 
fehlt, neyne ghebrecke nicht — 17 geboeren: vterkoren — 19 sal. 
vast droge eckenholt wesen — 20 Unde fehlt, vterlessen — 21 vor- 
wart, herden — 23 heel. sehen — 24 Wente id — 25 disseme — 
26 De hogwerdige irluchtede — 27 Wen he sick mit d. w. voreiniget 

— 28 albeide. denet — (Bl. 160^) 29 wue wul — 30 denne fehlt. 
wul to steit — 31 haghedorn — 32 Vnde scal — 33 stenten — 31 
doer de ganse werlt — 35 Karolüs — 36 hefFt fehlt — 57 syn — 
38 Wert — 41 eyndrechticheit. in fehlt, vrede vnd leue — 42 mit 
tongen, winckelwege scheue — 44 is er. keyser in deme — 45 mit 
deme romeschen stole sullen wesen — 48 behort — 50 mit deme 
swerde — 51 keyservrie — 52 temet sick — 53 riksteden — 51 
vordrucket vnd voracht — 56 sturen ore. (Bl, 161^) 57 de keiser- 
liecke stede — 58 De keyser sie to beschermen — 59 Dat one — 
60 doistu. genoch — 61 denen — 62 truwe — 67 paweste vnde 
keysers — 68 wol fehlt, dar twisschen — 69 Dat. wert — 70 recht 
fehlt, twyepert — 72 kome — 73 cirkel rund vnde recht — 7i 
deme — 75 ome. gude fehlt — 76 mechticheit aller — 77 ho ge- 
achtett: gewrachtett — 80 darvan n. b. — (Bl, 16P) 83 ontfaen 

— 87 Seet an wue gy adel hebbet jw fryheit vth — 88 Herscuff, 
manscuff — 89 edel — 90 sulues fehlt — 91 selvest — 92 y^ — 
96 Wente — 97 Doistu. zele wert wul — 99 raet warafFticheit dorch 

— 100 Vnd dynes — 101 Unde fehlt, disseme — 102 dat fehlt, 

IV. Bl. 162^ Bild, Unten ein Bad, Ueber demselben steht der König 
mit der Krone auf dem Haupte^ das Scepter in der Linken haltend, Hechts 
ein Fürst, links zwei Fürsten, 

Bl. 162^ 3 eren doegeden — 4 sin — 5 graven fehlt, hogeboeren 

— 7 eerliken, woldedigen dat jw olden — 11 aengeerüet: vorwerüet 
'— 12 unde fehlt — 13 hirinne — 14 Vnde sick — 15 fehlt ganz — 



m 

16 edder fehlt nestelt — 17 ünde fehlt — 18 werden — 30 vmme* 
treden — J21 pherdt — J23 noch wenden — J24 sterke mans voete 
mit oren banden — J25 Dar — J^6 lüde vnde lant. regeren holden meren 

— 27 vursten vnde heren nicht willen — (Bl. 163^) 28 We kan den 
den vnfrede stillen — 31 koninck de — 32 Darumme syn name so 
besteit — 33 fehlt ganz — 34 he mit crem konheit rechtlich bestan 

— 35 Ende in konheit de warheit hebben vnde lere — 36 sy recht 

— uerdich eyn koene — 37 deverye mit konheit sali — 40 holden, 
straffen — 41 Karolüs — 42 vte. gebracht — 43 He hefft fehlt, 
kerken, clüse, dat lant bekert — 44 des — 45 wendelrad — 46 yd 

— 47 Unde fehlt, boes. en fehlt — 48 wepdornen fehlt — 49 en- 
docht to docbt (!) to — 50 yd. also — 52 Wy seent fehlt — 53 
watere, holte, veelde vnd weide — 54 is mit jamers — (Bh 164^) 
Menschen — 56 de id — 58 De. brenget — 59 koningynnen dencket 
aen de begangen dingen — 60 Pharo. over. Zur Sache vgl. die oben 
verzeichnete Reimerei von Jacob Scracz Bl. 150^ — 61 eyn — 63 men. 
noch fehlt, wul — 64 scuet — 65 hogeborn. seet to. rygeren — 67 
sulvest. unde fehlt, luden — 68 scole — 70 ock dat — 71, 76, 77 
u, ö. hertogen. reyn — 72 Othmodichlicken, truwe, stridbar darby — 
74 ok fehlt, leret — 76 stede vnde land — 78 sal nicht eyn — 80 
ok fehlt, sinen landen, unde steden fehlt — 81 he sick matlich — 
(Bl 164^) 83 Doit nicht eyn hertzuge dusse d. — 84 De fehlt — 87 
mensch, formert — 88 boven. rygeret — 90 gades gerichte — 91 vff 
desser — 92 schuUen. recht vff mitt — 94 unde nicht fehlt — 95 
muret — 98 beschermen — 99 de stad. vnde tuclit — 100 disser 

— 101 daraen — 102 syn. unde fehlt — 103 ist — 104 wintwurp 

— (Bl. 165^). Hinter 106 ist eingeschoben: He mach nicht wesen ein 
edel hetzug vnd here Dar vinde gy vor dan niiwe meere — 107 
De hochgreve sprekt fehlt, daraen — 108 vile mere. seggene — 109 
eddel fehlt, doit — 110 namen eer — 111 vnd here — 112 göt — 
113 graven vnd heren, gy fryen — 116 overlast — 121 cristengeloven 
— ■ 122 gemeyne — 123 wesen alletidt — 124 wesen fehlt, vnde ock 
gans ser — 125 hoegeboren — 126 Unde fehlt — 127 brengen — 
128 rennevolt — 129 dussem — 131, 132 unde fehlt — (Bl. 165^) 
133 toene — 134 den boesen synnen — 135 Seit — 137 met — 
139 geboren, riddere: vorbiddere — 143 iwelick — 146 juw fehlt, 
alljünck — 147 hirine — 150 unde fehlt an beiden Stellen — 152 
ünde fehlt, giffte noch gave — 153 hawe — 154 Noch fehlt, bast- 
rode, swopenstocke, hesselen, bessemeryes — 156 gerigeret — 157 
gevoget. unde fehlt — 158 anset dut vnd mercket — (Bl. 166"^) 160 
holt gy sollen brengen in den vursten staedt — 161 gude manne ju 
name de het gut — 162 wan gy darnae doit — 164 nicht wol be- 
steit — 166 Eecke recht menlich ter haut (!) — 167 Erlik — 169 
verwüstet — 170 gestyfft — 171 denselven — 173 Vnd synt jwes 

— 174 Unde fehlt — 175 koningen. vorsten fehlt — 178 brengen 
scal — 181 Uppe fehlt, snyde to der — 183 Bespreygel dy an dissem 
wendelrade — 184 edele. syn. 



1^^ 

V, BL 167^ Bild. Unten ein Rad, Über demselben stehen sechs Ver- 
treter der Hansastädte, 

Bl, 168^ 3, 11 viuerley — 5 selver. syn (!) — 6 scholde 
fehlt — 7 disses — 8 Wue. wol vorsteit — 9 enen — 10 Wue. sal 

— 12 sonder — 13 Wys wit dat cluüiiet nicht lichte: lyste — li 
doerbaret — i? hie — 18 Wen. das — 22 alderleye, en fehlt — 
23 vasten — 25 glut — -28 al so — (Bl, 168^) 30 gans seer - 
31 wyl : snyll — 54 recht — 36 weddersprenich holt vnde w. — il 
ewich rad — 46 ene — 48 sturet — 53 ist — 54 am — 
(Bl, 169^) 58 boeke dar to leset — 61 liden groten wederstoet — 
62 dat — 63 Dar — 65 kerren herden — 69 synen — 71 wal dan 
dat rad dubbelt — 72 Vnde wol gefriet vnde hoeuelt — 73 dat yd 

— 75 eschen — 76 Vnde van deme joe nicht quades vrescheten — 
82 Hedde. treden — 83 hensesteden — 85 henck (86) wohl Botes Form; 
vgl, Brandes eu d. St, 86 doch fehlt, weder — (Bl. 169^) 
87 bracht — 89 vpt leste. bedinge seyn : theyn — 90 wedderstant — 
91 wue — 93 dencket alle stunde jw quaet vnd or gewin — 94 or 
vornement, vpsate vnde ore sin — 95, 96 fehlen ganz — 100 
Nemment — 101 unde fehlt — 104 all — 106 Vnde komit. de h. — 
HO gy hir bedacht mede — 111 doit : muth — 113 Unde fehlt, byeyn : 
theyn — 114 nicht wider — 116 jw hebben — 118 liecke wal — 
(Bl. 170^) 121 bekomen : vornomen — 125 leue, vruntscop — 
130 Vor vprichtige manne dar werde gy voer angesein — 132 Unde 
fehlt, ok desgl, sulvest — 133 recht jwe saege — 136 neuen wegen 
137 unde fehlt — 138 komet — 144 vngeliecke — 145 Wue vnge- 
liecke vnde scheue de wage gynge denne — 146 gy erbaren burger 
(Bl, 170^) i47 rieht — 151 one — 152 hongerge — 155, 156 sind umgestellt 

— 155 eynen — 161 armen clawen — 162 so vare gy felüt. scote. 
rawen — 164 David — 165 qualiken — 166 geboren — 167 Dan. 
wol fehlt — 170 alze fehlt, gy quade beide —171 des — 172 ploch- 
rad dat. hangen an — 173 vordroten : genoten — (Bl, 171^) 176 
van — 177 eyndrechtich — (178) vmme eyne stad — 181 vnder 
andern — 182 Dat jwer eyn — 184 hoch swar — 185 lichtuardigen 
denne de wagen — 186 to swack — 188 apostolen — 192 vakea 
nyt haet ynbrenget — 193 Eyn luttink. eyn weynich — 194 Bedroch 
doch seer. Pilatus, vgl, Brandes 8, 4, 

VI, Bl, 172^ Bild, Unten ein Bad; über demselben stehen 4 BauerUj 
von denen einer ein Beil, ein anderer einen Spaten trägt, 

Bl. 173^, Zum Anfang vgl. Koker 337 — 2 n\xe — 3 Wat 
eyn ment, dat ome — 4 oene to allenthaluen — 6 neynen — 7 Wente 
de ploch dat — 8 aerd — 9 krupet. deme — 11 holtes dar men 
scal to haven — 12 spekellen — 13 Stickdorn, branberenkrud — 
15 vromen — 1? eddelheid — 18 he mede — 22 apellen — 23 dus- 
seme ploge — 25, 26 umgestellt — (Bl, 173^) 27 plograde — 29 
gutvruchtich. dorpen vnde steden — 30 du scalt. hoger — 31 an 
synem — 32 knecht. zwoperen — 33 Dye — .94 scalt — 37 evene 
fehlt — 40 socht — 42 mit eeren — 45 wy — 49 Doch synt. rade 



12^ 

Voreynyget — 55 stadigen — 54 vnvornufiftich — (JBL 174^) 
55 vroinen : komen — 56 vnvornuff. unde fehlt, vnwettenheit — 57 
dar sik dat nicht enhortt — 58 dar wert gespurt — 59 komen — 
60 unde fehlt — 61 in deme h — 63 gemeyne. mede vorn, wert — 
65 forme de is — 68 burgermestere — 70 kyvyt — 71 edebeer — 
73 gy — 74 Swyne. unde fehlt, discanteren — 75 vrawe scuflfkare 

— 76 Hoger is ock nicht dyn aert vnde grad — 80 dorperen — 
83 ontbaven — (Bl. 174^) 84 vthbescouen — 86 holt — 87 baven 
fehlt — 89 quaden — 90 So kanstu. unde fehlt — 91 dyn hoflf — 
92 recht — 96 Wente dye vorbeden dy met eren — 100 graven 
ezel slemmen to hues — 104 den. vorgonnen — 105 ret — 107 Jd. 
neyen : dreyen — 111 spegele — 11J2 Wue sith, wue hoch syttest ym grade. 

VII. Bl. 175^ Bild. Unten ein kastenartiges Qestell, darüber zwei Trieb- 
räder, Treibriemen, ein Krahn und ein Trichter. Oben stehen drei FVausn, 
von denen zwei Kronen tragen. 

Bl. 175^ 1 wert — J^ Dat vngelucke, hat, nyd vnde — 3, 4 
umgestellt — 3 Darvan wunder, äff fehlt — 4 guden fehlt, namen — 
Wente fehlt, werlde. ter — 6 make — 11 pluckrad — 1J2 und 13 
fehlen — 16 Dar — 19 beide — J<i3 selves — J24 lickewol. natur — 
25 Heet — J36 weck — 30 dat fehlt, enttegen — (Bl. 176^) 
33 mochte, hören van or — 35 ore — 36 deme. wurde — 37 
Vppe (39. 46). ander — 38^ 39 so fehlt, isset. schyd — 40 averl. 

— 41 raed de (42, 43) — 43 derde — 44 yo für zo — 45 off 
4l6 unde fehlt — 48 wüste — 52 stonden — 53 degedingen nich. 
geuunden — 55 se nicht in r. nocht richte — 57 Unde fehlt — 
68 wimpell, boven — 59 heuet yd — (Bl. 177^) 63 krige noch to 
stride — 65 lichtuerdigen — 70 wetten — 71 eddele — 72 vroem. 
ist: myst — 73 Des heuet de h. — 74 hoff kan — 75 dinste in 
Yrede vnde lieffte — 78 unde fehlt an zweiter Stelle, uthcleyt — 81 
sodanes. mach hören — 82 De fehlt, unde fehlt — 83 love — (Bl. 
177^) 86 dar. unde fehlt — 87 Warafftich. poliert rad — 88 sik 
sueuerlicken polleren, beste : leste — 90 vrawen : scawen — 91 Unde 
fehlt — 92 desgl. — 94 eyn vrawe : vnrawe — 97 komet averval. ge- 
walt — 98 gemeyne — 99 wert — 102 unde fehlt — 103 werven 
-— 105 Werkes — 106 Bespeighel. 

VIII. Bl. 178^ Büd: Oben drei Manne?-, von denen einer einen Falken 
auf der linken Hand hält, ein zweiter ein Hom bläst. Tinten ein Schumng- 
rad mit Treibriemen; dieser verbindet ein kleineres Bad, das an einem Sitz 
befestigt ist; darauf sitzt ein Mann. 

Bl. 179* 7 Dede — 8 weer. noch eyer — 9 vnge- 
togen — 11 edele — 13 Dat hevet. vuUenkomen — 15 steerken — 
16 de stercke last — 17 noch für wedder. to der fehlt — 18 fehlt 
ganz — 19 mer — 20 lichtuerdige. to beginnen — 21 brede. vgl. 
Sprenger, Jb. XVII 96 — 22 Dat fehlt, thuet lichtlich eyn kint wöl 
vmme — 23 lichtuerdigen — 28 lüde lande, unde fMt — (Bl. 
179^) Vers 29 doppelt. 29 lichtuerdich — 32 dat an zweiter Stelle 
felüt — 34 de fehlt, is doch — 36 anbegine noch ende — 38 man — 



128 

4:2 elueren. doch fehlt — 45 murenschutte — 46 nergen — 48 denne 
fehlt — 50 vmmewermede. leth — 51 siede vnde lant — 52 men 
sulke in richte rade vint st. — 53 lüde lant dye. unde fehlt, ane lith.^) 

— (Bl. 180^) het — 56 darvan — 57 Vorthen vnde im rade holden 

— 59, 60 fehlen gane — 61 rade vnde r. — 66 Or vernufft ist nicht 
ser dar — 69 junge, leret — 72 olde grawe — 73 de für se — 
74 Eyn j welick man — 76 Vortegenheit — (Bl, 180^) 85 dusse. dat feUt — 
86 den — 87 raden : graden — 88 dat fehlt, an den für in dyneme. 

IX, Bl, 18P Bild: Unten ein Bad, das durch den Teufel gedreht wird. 
Die Personen auf und unter dem Bade wie im Drucke, Darüber drei Mänmr: 
Der in der Mitte hält einen Apfel in der Bechten und ist mit langer Schaube 
bekleidet, der rechts Stehende trägt ein Schwert, der links Dargestellte eine 
Bolle, wie beim ersten Bilde. 

Bl, 182^ 4 Vorwar. nicht ser laue — 6 nauel — 7 Egener vp- 
saete vnde toevall — 8 We ohme, dem dat entegen sali — 10 erden, 
vnde plan — 11 Dat. swertekunst vnde part — 12 werld. yn. wert 

— 15 hir fehlt — 16 gebetert — 18 grote. Nach 18 ist eingeschoben: 

Als men schryuet van Pharo. 
Myt synen duuelschen mesteren do 
Voruolgede scherplich de kinder van Israhel, 
Wente dat god leth vffstan Moysen snel. 
De mensten (Z. Den mester) Symon magus leth er vellen 
Myt crem aenhange vnde gesellen. 
19 Hoeret vormiddelst. haet vnd raet — 20 vngeluckyge raet — 
(Bl, 182^) 23 Dat — 24 o here — 25 We vff dufsem rade 1. — 
29 swertekunstener — 30 afFgunstener — 34 Unde fehlt, vnde segge 

— 36 kunste — 38 arme — 39 Unde fehlt — 40 deme — 43 zo 
fehlt, synt — 44 de se alle vorschunt — 45 Se rouen, maken nye 
funde, vpsate — 46 Stelen, morden, twidracht, schinden de strate — 
(Bl. 183^) 50 yd — 51 suluen — 54 Dat fehlt — 61 Dat — 62 sitten 

— 63 De wat. denne fehlt — 64 Her god, wu komen de mynschen 
yn den scaden — 68 voert men dat stroe in sadeltaschen — 75 noch 
für effte (77), vromen — (Bl, 183^) 76 Men wer wunder scande. 
komen — 78 enem = malkem — 80 in dissem grade. 



*) Sprengers Vermutung (Jb, XVII 96) trifft demgetnäss für 53 ungefähr 
das Rechte, seine Konjektur für 54 ist ebenso unnötig, wie die für IX 31, oder 
wie seine Bemerkungen über einige Stellen aus historischen Volksliedern (Korre- 
spondensblatt XVII 34, 31)). Ordel (VIII 54) hat eine von den Wörterbüchern 
noch nicht verzeichnete Bedeutung, in der es etwa mit veide synonym ist, Botes 
Koker S. 302 Ordele unde krych, dat is eyn wrych. Oldecop 6, 23 Von dussem 
jegenwerdigen jare an bet an dat jar, do men schref dusent vif hundert sostiene, 
was to water und to lande krich, ordel und feide. 15, 10 ümme dusse tid horden 
sunderlich nicht von groten ordel eder veiden u. Ö. Zu Tojegher (IX 31) vgl. z. 
B. Oldecop 328, 36. 176, 26 und 129, 8. Von den drei Bemexkungen zu den Volks- 
liedern erledigt sich die zweite, als von Liliencron längst gemacht, die erste und 
die dritte durch Hinweis auf die Handschriften bei Liliencron, der übrigens nicht 
alle vorhandenen benutzt zu haben scheint, me denn die Braunschweiger und 
Hildesheimer Lieder einer ' gründlichen Neubearbeitung bedürfen, Vergl. auch die 
Anmerkung zu Oldecop 71, 18. 



129 

X BL 184^ Büd: Unten ein sternförmiges Bad, Hinter demselben 
schwebt ein Mann, oben zwei andere Männer, die Narrenkappen tragen. Ein 
anderer Narr trägt eine Krone. 

Bl. 185^ 1 meer aisein — ^ in den laegen — 4 Vnde maken. 
vromen — 6 Vppe — 8 Vnde einen yderen scheten eyne gerne in 
den rock — 9 Deme — 10 eynen vpganck — 14 stapeldoer — 15 
Dan staemert. unde fehlt, lachett — 16 vthe — 17 schelt ist trach, 
suluest ist er vnlust — 18 vret vnde — 20 Dat ses offte achte 
scherpe — 21 Sesgerleye doren. synt — 23 Als fehlt, alffdoren vnde 
walkdoren — 24 Haelffdome — 25 Vorwar dat — 27 stormecloek — 
28 Severmüle — 29 vuldoer. kroghe nummer h. — 30 ünde fehlt — 
(Bl. 185^) 31 dor : oer — 32 slapet — 54 he = de. rad — 35 
Nawe — 36 He sit alle tit als — 39 Se maecket. secht — 40 Alle 
tyd sit he vnd lacht — 41 er. doer. he fehlt — 42 doren rad. he 
fehlt — 44 docken hangen — 45 deme — 46 were wol — 47 wol 
walken — 49 Ore seer helen to — 50 donre de — 55 Vnde den dat. 
Hinter 55 folgen: Vnde driuet yd all in synen hart, Nacht 
noch dach nummer nicht enspartt. Liliencron 165^ 16. — (Bl. 186^) 
56 Vorwar — 57 dat syn — 58 Dede. utwerfs. red fehlt — 59 kin- 
deren vnde wiue — 60 Mit sinem gesinde vnde egen lyve — 67 nicht 
heten. vorbeiden — 69 bernet : wernet — 70 on oer — 80 lästere. 
2U bult (Sprenger, Jh. XVII 96) s. Schichtbuch 394, 6 so dat hirna 
Tithbulde und daeu Hänselmann, Glossar 625"" — (Bl. 186^) 86 dar 
is ore wifsheit — 87 yd = des — 88 se nicht in orer heren — 89 
eyn fehlt an etceiter Stelle — 90 syn — 92 dornekappyn — 96 dat 
fehlt. Hinzugefügt sind: Doren de willen doren blyuen, Darumme 
wil ich dar nicht mer von scriuen. 

XI. Bl. 187^ Bild: oben rechts ist ein Mann aufs Bad geflochten und 
auf einem Baume aufgerichtet. Links macht sich ein Dieb an die Tasche 
eines Mannes. Daneben steht ein Galgen, woran ein Erhängter befindlich, 
und ein Mann und ein Weib, die sich anfassen. Unten ein zerbrochenes Rad 
und ein Mann, der einen andern beim Haar Gefassten mit dem Schwerte bedroht. 

Bl. 188'^ 1 Euenthuer — 4 gelt, gut, hut, remen — 5 juw 
fthU — 6 eyn yderman seluest — 8 kome — 9 hertt vnde 
weeck — 10 selscuff — 11 doit : geit — 13 plicht. oeme — 14 
Wede wil mit — 16 Och varet de gans ser oeuell — 18 einundtwin- 
tich — 19 scolen. em fehlt, vthe — 20 de fehlt — 21 ane fehlt, 
ebenso unde sunder — 25 vnde noet — (Bl. 188^) 26 herte dat — 

50 eghen fehlt — 31 bedecken — 35 dorperen. in fehlt — 36 scul- 
dige schulet — 40 Scaet bringet, had unde fehlt — 43 en fehlt — 
i7 toknickt — 49 denne fehlt — 50 knyd vnde knad — (Bl. 189^) 

51 de fehlt, sonder — 52 Wente yd. rede, oer — 54 yd für dat. 
mit den fehlt — 55 loze — 57 Wer — 64 ene. enschuett — 66 yo 
ton — 67 eyne fehlt — 72 Enem dat ouer syn hut und hals — 73 
getrocken — 74 mensche gedenck du dat — (Bl. 189^) 77 Arm rick. 
offte — 78 Wente fehlt — 81 hir fehlt, darby — 84 deme — 85 
leider vnde vaken seh. — 87 böse rad — 89 boer — 90 alder — 

Niederdeutsches Jahrbuch XXV. Q 



130 

91 also — 9J2 ünde feJdt, riecke — 93 Du grodmoegenste alderhogeste 
wolgeboren : koren — 95 yS — (Bl, 190^) 100 scheff —107 gebro- 
ken — 108 geit gelick vthe — 111 Wiltu — 112 alle dinck fehlt — 
113 koningen — 115 yN — 117 ersten fehlt — 122 kerken — 121 
unnütlicken — 124: bist gar vnweert — (Bl. 190^) 126 nu fehlt — 
128 to vorende fehlt, eyn kamrad — 129 irkent — 132 plaget — 
134 juwem lande — 135 nicht tobrecke — 136 enwrecke^) — 

V Vers 140 ergibt die Besserung für eine bisher nicht erledigte Stelle der 
Oldecopschen Chronik 221, 21: So konde one nein negel to na stan. Bestätigt 
wird diese Lesung durch Handschrift B, welche Regell bietet, wahrscheinlich aus 
einer Vorlage, die jene Stelle schon richtig aufgefasst hatte; nur las der Abschreiber 
Regell /ör Negell. In betreff der Handschrift B (Nr. 81 der Beverinschen Bibliothek zu 
Hildesheim) behauptet Frensdorff in den Göttinger gelehrten Anzeigen 1892, S. 970, sie 
sei vollständig. Das ist aber nicht der Fall, da, abgesehen von mehreren Stellen, 
wo in B und in A Lucken nur zu vermuten sind (wie nach 608, 35, wo die Aus- 
führung über das vierte Wort horsam fehlt, und an andern Stellen, wo Blätter in 
A herausgerissen sind), B beim Jahre 1503 offenbar dieselbe Lücke hat, wie das 
Original. Der Beginn des Landshuter Erbfolgekrieges, worauf sich Oldecop 23, 1 
mit den Worten : wo in dem vorvergangen jare gelesen bezieht, fehlt in beiden Hand- 
schriften. Es ist im Gegenteil auf die ünvoUständigkeit der Handschriften A und 
B umsomehr aufmerksam zu machen, als sich dadurch vielleicht erreichen liesse^ 
dass man in bisher unbekannten Abschriften des ziemlich verbreiteten Werkes das 
' Verlorene entdeckt. (Inzwischen ist auch die Originalhandschrift uneder entwendet; 
der Dieb gab vor Gericht an, er hätte sie verbrannt). Ebenso unbegründet ist es, 
wenn Frensdorff S. 970 versichert, die Handschrift B sei nur benutzt, um einige 
Lücken des Originales auszufüllen. Trotzdem das Vorhandensein des Originales 
die Abschriften als im allgemeinen fast wertlos erscheinen Hess, so ist doch die Ab- 
schrift B an manchen Stellen, wo die Lesung z. B. durch Wurmfrass und der- 
gleichen unsicher wurde, nichi ohne alle Bedeutung und in meiner Ausgabe z. B. 
221, 21. 310, 12. 14. 322, 16. 327, 27. 401, 5. 409, 12. 554, 2. 559, 9. 598, 13 ver- 
zeichnet. Vgl. die Einleitung S. VIII. Auch an der Stelle, von der hier ausge- 
gangen ist, führte B auf das Richtige, (üebrigens zeigt der S. 678 meiner Aus- 
gabe erwähnte Stempel in A das Jahr 1667, nicht 1567 ; ein Druckfehler, der leider 
stehen geblieben ist). Von der Entstehung und dem dadurch bedingten Charakter 
der Oldecopschen Aufzeichnungen macht sich F. wohl unrichtige Vorstellungen, 
wenn er S. 971 die allmähliche Entstehung des Werkes zu verkennen scheint. 
Schliesslich noch ein Wort über Frensdorffs sprachliche Bemerkungen. S. 432, 22 
erzählt der Chronist, wie Hermann Byckelinck, Sekretär der Stadt Hildesheim, 
nicht inmitten der Lutheraner auf dem Kirchhofe, sondern abgesondert (seorsom) 
bei einem nördlichen Pfeiler dicht vor der Kirche (ror buten an de kerken) be- 
graben sei. Zu „ror an" vergl. nur Lübben- Walther, Handwörterbuch 306. Frens- 
dorff aber fragt S. 986, nachdem er trotz S. 694 der Ausgabe gerügt, es sei manches er- 
klärungsbedürftige Wort unerläutert gebliehen : „ Was bedeutet 432, 22 seorsum ror ?" 
Inbetreff des unzähligemal vorkommenden velscheir vermutet Frensdorff, es sei wohl 
„aufzulösend^ in „vel schir, nahezu^'. Mit schir hat unser Wort nichts zu thun, sondern 
die zugehörige Form ist schüre, das an sich schon die durch „vil" gesteigerte Be- 
deutung ,JasV' besitzt. Das Wort velscheir ist auch nicht, wie F. will, in zwei 
Wörter aufzulösen, ebensowenig das dem velscheir entsprechende „vilna". Ebenso 
geht „scher" mit einem folgenden Worte eine enge Verbindung ein, z. B. scher- 
komende = proximus. Vergl. in einer bei Lünlzel, Stiftsfehde S. 32 A abgedruckten 
Urkunde von 1519 (vp scherkomenden Mandag). S. 98314 versucht F. an der Stelle 
334, 21 ff. zu zeigen, dass Oldecop wirksam zu schreiben versteht. Vorher hatte 
der Chronist erzählt, welche hildesheimische Junker 1552 den Scharen des Kur- 
fürsten Moritz und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg zugezogen seien, 
um das Konzil zu Trient zu sprengen. Se pucheden dar ok over, dat se dat don 
wolden, eger se ut Hildensem na Ausborch togen, und wen se de borgere und 



131 

142 rad dar — 143 Latet den losen bouen bouynnen -- 
144 biteken vnde gnade — 145 am wagen — 146 wage, entwie — 
147 deme — 150 kemers in deme quade ome — (Bl. 191^) 151 de 
dobbelt — 152 stadtknechte one so. Diese Priamel (V. 149 ff,) war 
schon von Hoff mann in den Findlingen I S, 71 mitgeteilt. — 157 vp- 
richtig eerlic — 158 juw. nicht treden vnde kn. — 161 state Stadt 

— 162 Dat nicht gebroken werde jw. pl. — 163 eere, zele — 164 
sonde — 165 dat eme dat. nicht scade — 166 id noch käme — 170 to 
dussem plochrade kert — 172 mennigen laster vnde schände; darauf 
wird eingeschoben: Men sprikt trwe gifft ber vnd win vnde brodt 
Yntrewe geuet anxst vnde noet. Vergl. Till Eulenspiegel S. 27 des 
Knustschen Neudrucks : Trüw gibt brot — 174 Unde fehlt — 175 
meer holt kyle uffstickt — (Bl, 19P); dann wird fortgefahren: 

Vnde olde scoe mer läppen vnd vlyckt, 
■ Vnd olde hunde wil bandech macken, 

Jo se mer kneteren vnde kraken. 

Jo men sodaner vnd olde huse roeget, 

Jo se mer knesteren vnde kroget. 

Wede eynen deff von deme galgen loeset, 

Konde he en dar weder anbringen, he nicht letet. 
ISO altomall. worloren — 181 itlick — 183 und 184 umgestellt — 
ISS yd für dat — 184 Dat sy eyn effte — 186 id für dat an zweiter 
Stelle — 187 men doch alher vmme — 189 gebroeken. meyst fe?dt 

— 190 laten. vnsaligen — 191 Bespeigele dy — 194 wol habe — 
195 Yst dach neyn clarete noch wyn — 196 Nu dan so moet yd wul 
gut vgl Koker S. 339E. — (Bl. 192^) 197 iwelk drincke. er hat — 
198 Vnd wünsche Scracz Jacob oek wat — 199 gedichte wil haben 
evn — 200 synen vrede vnde gnade sende — 202 allesamen. Hin- 
zugefügt wird dann: 

0, wue wyfs, vornufftich is de man, 
De to allem beschede amen sprecken kan, 
In Jesus namen amen, 
Vnde to syner gnade mögen kamen. 
Explicit per me Jacobüm Scracz de Indagine phisicum. Telos huiüs. 

buren in dem sticht Hildensem und brunswickschen lande under den ho et der fri- 
heit gebracht und hertoge Hinrick noch einmal vordreven were, so wolden se malk 
einen papen in Hildensem freten und der kerken gut, hoven und tegende emen. 
Nun fährt Oldecop mit der wirksamen üblichen Litotes fort: Und dar feilde one 
in orer wedderkumpst mer wen de helfte ane; (aber daran, ihr Ziel erreicht zu 
haben, fehlte ihnen bei ihrer Bückkehr mehr aU die Hälfte, d. h. sie hatten gar 
nichts erreicht), dat warde nicht lange darna, de hunde lickeden ore blot up dem 
anger vor Syvershusen, Geitlynge und Swynfurt anno 1553. Bei F. steht: „Da 
fehlte ihrer mehr als die Hälfte*^; also „one" wäre „ihrer**; der Sinn der bei 
Oldecop sehr häufig vorkommenden Litotes (z. B. 366, 19. vgl. 204, 29. 450, 1. 
657, 5. 675, 1) ist nicht geahnt. 

MÜNSTER. K. Euling. 



9* 



132 



Bruder Nigels dänische Reim- 
Chronik niederdeutsch. 



Gegen das Ende der Regierung des Königs Christian I. von 
Dänemark (1448 — 1481) verfasste ein Mönch des Klosters zu Soröe 
in Seeland, Bruder Nigels (Nicolaus), eine Reimchronik über die Ge- 
schichte der dänischen Könige von dem fabelhaften Gründer Dan bis 
auf seine Zeit. Sie ist im 16. Jahrhundert in Dänemark ein viel 
gelesenes Volksbuch gewesen und auch in unserem Jahrhundert öfter 
gedruckt. Der erste erhaltene Druck stammt aus dem Jahre 1495, 
aus der ersten dänischen Buchdruckerei Gotfrid af Ghemens, der 
älteste wahrscheinlich aus 1493 und war das erste in dänischer 
Sprache gedruckte Buch. Die Reimchronik ist nach Saxo Grammaticus 
oder dessen Excerptoren und Fortsetzern bearbeitet; eigenartig ist, 
dass jeder König kurz seine Lebensgeschichte selbst erzählt und 
meistens mit einer allgemeinen Sentenz oder seiner Charakteristik 
beginnt. Am ausführlichsten sind die Sagen über Hamlet (Amblet) 
und Torkild wiedergegeben. 

Im Druck von 1495 schliesst die Reimchronik mit Christians 
Tode 1481; die ursprüngliche Bearbeitung, die Christian I. gewidmet 
war, endete mit der Verlobung des Kronprinzen Johannes 1478. 
Dieses Original ist wohl bald nach seiner Vollendung ins Niederdeutsche 
übersetzt, vielleicht für ein Mitglied des bekanntlich aus Oldenburg 
stammenden Königshauses. Ein Exemplar dieser Uebersetzung, wenn 
nicht das Original selbst, fiel in der Schlacht bei Hemmingstedt (17. 
Februar 1500) in die Hände der Dithmarscher und muss längere Zeit 
von den Siegern aufbewahrt sein. Um 1550 hat nun ein angesehener 
Dithmarscher, Johan Russe aus Lunden, der eifrig alles Mögliche 
für dithmarsische Geschichte sammelte^), die Uebersetzung abge- 
schrieben. Sein Sammelband, ein dicker Foliant, dessen 96 erste 
Blätter Nigels Chronik enthalten, wurde 1559 bei der Unterwerfung 
Dithmarschens eine Beute der Sieger, kam 1559 zunächst in die Got- 
torper Bibliothek und findet sich jetzt in der Kopenhagener Grossen 
Königl. Bibliothek Nr. 820 fol. Der Einband von gelbem Leder, in 
dem sich am Rande figürliche Darstellungen mit den Unterschriften 
Ecce agnus Dei, Data est mihi omnis. De fructu (Ps. 104, 13), Sub 
solium dat . . , nach der Mitte die Köpfe von Hus, Erasmus, Luther, 
Melanchthon wiederholen, ist ein Prachtband, wie man ihn mehr- 



^) Eine Monographie über Kusse und seine erhaltenen Notizen erscheint 
von mir im nächsten (29.) Bande der Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig- 
Holstein-Lauenburgische Geschichte. 



133 

fach aus jener Zeit in Holstein findet (so im Museum zu Meldorf, 
im Heespenschen Archiv zu Deutsch-Nienhof, vgl. Ztschr. f. Schlesw.- 
Holst. Gesch. 20, S. 387); mit ehemals goldenen Buchstaben einge- 
presst war: Witte Johan Busse 1550. Ob die Chronik erst in das 
gebundene Exemplar eingetragen ist (jedenfalls vor 1556, wo Busse 
wahrscheinlich gestorben ist), oder Busse seine Sammlungen 1550 
binden liess, ist nicht zu entscheiden. Dass Busse nicht der Ueber- 
setzer ist, sei noch ausdrücklich bemerkt; an einer Stelle deutet er 
an, dass sie wohl anders zu lesen sei; wahrscheinlich verstand er 
auch kein Dänisch. 

Der Bussesche Sammelband ist zum Teil abgeschrieben in der 
Hamburger Hss. cod. Germ. 22, doch fehlt hier die Chronik Nigels. 
Zwei andere auf Busse zurückgehende Handschriften haben auch Teile 
von Nigels in verhochdeutschtem Texte, cod. XXXI 1693 in Hannover^) 
und cod. D. 1 in Lüneburg. 

Die niederdeutsche üebersetzung ist bisher noch ungedruckt; 
nur ein kleiner Teil, die ersten 255 Verse, ist von Michelsen (der 
falsch 250 zählt,) in Falcks Staatsbürgerlichem Magazin Band VI 
(1826), S. 603 ff. veröffentlicht, ausserdem einige Bruchstücke in 
Molbechs Ausgabe des dänischen ersten Drucks (Den danfke Biim- 
krönike efter Gotfrid af Ghemens Udgave, Kiöbenhavn 1825). Sprach- 
lich ist die Veröffentlichung aber wünschenswert, da eine Schrift von 
5043 Versen aus dem 15. Jahrhundert, wenn sie auch nur eine üeber- 
setzung ist, manches Interessante bietet. 

Die Üebersetzung steht poetisch noch tiefer als das dänische 
Original. Während dieses ziemlich regelmässigen Versbau, Verse mit 
4 Hebungen, hat, geht die üebersetzung, um den Sinn wiederzugeben, 
besonders aber, um Beime zu bekommen, oft über 4 Hebungen hinaus. 
Die Beime sind vielfach höchst mangelhaft. Die Sprache enthält 
manche Danismen; entweder war die Muttersprache des üebersetzers 
dänisch oder er verwandte manche im Dänischen geläufige, im Nieder- 
deutschen ungewöhnliche Wörter mit Bücksicht auf Vers und Beim; 
einige auch im Original schwer verständliche Ausdrücke lässt er 
unverändert. 

Die Vorlage der üebersetzung war, wie erwähnt, nicht die ge- 
druckte, sondern die mit 1478 schliessende erste Bearbeitung. Busses 
Abschrift enthält eine Lücke von 55 Versen, v. 4349 — 4403 der Mol- 
bechschen Ausgabe, so dass König Erich Menved und Christoph II. 
zusammengeworfen werden. Falls kein Versehen Busses vorliegt, der 
den Mangel nicht bemerkt, so ist der Verlust etwa eines Blattes aus 
seiner Vorlage anzunehmen. Die üebersetzung enthält an mehreren 
Stellen einige Verse mehr als der Druck von 1495, anderswo fehlen 
wieder einige. 

Der folgende Abdruck beruht auf der Abschrift Busses. Diese 
ist im ganzen deutlich und sorgfältig geschrieben, so dass erhebliche 



*) Vgl. Pertz, Archiv VHI, S. 635. 



L. 



134 

Zweifel über die Lesung selten obwalten. Zu bemerken ist, dass 
Russe das lange deutsche f oft ähnlich schreibt wie ß und daher 
scheinbar f und ß willkürlich neben einander gebraucht. Ich habe 
dort, wo er auch f schreibt, nur ein s in den betreffenden Wörtern 
gesetzt, wie in se, so. Molbech liest das verschnörkelte f als fh, 
doch ist daran nicht zu denken. 

Die Abschrift Kusses bezeichne ich mit R, den dänischen Text 
von 1495 in der Molbechschen Ausgabe mit D. 

Die sprachliche Ausbeute des Stoffes überlasse ich kundigeren 
Händen. Mich haben historische Studien mit dem ineditum bekannt 
gemacht ; ich glaube mit der editio princeps den Forschern auf dem 
Gebiete des Niederdeutschen einen Dienst zu thun. 

Denscbe Cronick Broder Nidels van Sore 
aller konninge tho Dennemarken leuen handei vnde kriges dade van Dan bet 

vp Karsten den ersten des namens inholdende. 
Dnsse Cronica is in der Dietmerschen slacht vnde nederlage Koninck Hauses 
van Dennemarken vor Hemmingstede am XVil Febrnarii Anno MD van den 

Dithmarseben eronert vnde anerkamen wurden. 

Fol. 2. Hoghgeborne furste van dogentlichkeme siecht, 

In den wercken vrome vnde klar van macht, 

Cristern van Godes gnaden, 

Dennemarken, Sweden vnde Norwegen mede, 
5 Der Gotten vnde Wenden, van oldeme sede, 

Werdich to sturen vnde to raden, 

Tho Sleswik hertoch mit godes vorworde, 

In Holsten greue vnde Delmenhorst, also ick hörde, 

Tho Stormaren vnde Oldenborch mede, 
10 Otmodige gräte vnde gotlicke bede 

To deme, de alle gude wercke lonet na sinen sede 

Vnde bowaret vor alleme quaden mede, 

Broder Nigels to Sore mit desseme dicht, 

Also he heft gemaket van koninklike siecht 
15 Mit groteme arbeide na dichters sede. 

Dat secht Beda, de hillige man, 

Dat is wol gedan, we de kan 

Der vorolderen werke bescriuen; 

Sint se quaet, men mach se vleen, 
20 Men sint se gut, men mach sick der an teen 

Vnde vaste dar bi blyuen. 

Dat olden ere werke wol dot, 
Fol. 2». Dat is den jungen ein exempel gud, 

Dat se oc so mögen don vort; 
25 Men hebben se gedan, dat lasterlick sij, 

Se laten dat wesen vnde kamen dar nicht bj, 

Ofte se des vore nij en hebben gehört. 

Dat is vp vns brodere van Sore gesecht, 

Dat vns scholde wesen rente to gelecht, 
30 Dat wij scholden de Chroniken beschriuen. 

Dat en is doch nicht in der warheit so, 

Men leuer neme wi vns dat tho. 

Den wi it laten vnboschreuen bliuen. 

Darvmme schroff ick, doch bin ick nicht kloek, 
35 Juwer gnaden to eren dit sulue boek; 



135 

Gi en scholen des nicht tho ynwillen nemen. 

Grote Inst mögen gi dar vinden inne, 

Wanner gi sint leddich vnde vrij van sinne 

Vor anderhande stucken bequeme. 
40 De erste manheide stan hir inne wide, 

De de Denschen koninge hebben gedan im stride 

Van den, dar ick äff kan vinden ; 

Man is dar wat vorgeten manck, 

Dat sette ick in to erer hant, 
45 Den dat bet kan komen^) sinnen; 

Deit hir ock wes inne behoff, 

Dat schrijff men Juwen gnaden to prise vnde loff, 

So men van rechte wol scholde. 

Men is dar wat, dat nicht wol en steit, 
50 Juwe gnade vorgeuet mi, dat is mi leit, D (Molbech) 20 

Mine vnwetenheit dat wolde. 

Ich en hebbe nycht gedruncken van dem frankisscheu wine, 

Ock nicht van deme, de dar wasset vppe deme Rine, 

Dat mach ick hochlicken klagen. 
55 Ick moet mi nu tho vreden geuen 

Vnde dichten vnde schriuen vp dit mal euen, 
Fol. 3. Also mi vader vnde moder geleret hauen. 

Juwe gnade vnde alle juwe werdicheit 

Bovele ick der drevaldicheit, 
60 De eyn Godt is allene van rechte. 

He jw beware beide na vnde veme, 

Vnde alle de gj hebben leff vnde gudes gunnen gerne, 

Hussvruwe, kinder, ridder vnde knechte. 

Wor äff de Denschen ersten quemen. 
Hamble Dans Vader. 

Ick Humble wil dat nicht hebben vorgeten noch vp geset, 
65 Dat de Denschen syn komen ersten van Japhet, 

De Noes sone de drudde was; 

He behude sinen vader, do he vnscbemel lach, 

Darvmme he ock benediet bleff 

Mit Sem, sinen broder, ock wert vnde leeff, 
70 Do Noe sinen söne mit gade hadde benediet 

Vnde bat eyn biddent vmme laut vnde wart getwijt, 

Vnde Cam syn broder wart vormaladiet do. 

Also he heft gewesen vnde is noch also; 

De benedijnge hebben de Denschen geeruet, 
75 De Japhet er vader kreech vnde vorweruede. 

De beholden se to ewiger tijt also. 

Dar vmme mögen se leuen sunder sorg vnde wesen vro. 

He telede enen sone, het Magog, to haut; 

Sin volck quam ersten') in desse laut. 
80 In Sconen vnde in Gotlande setten sick de, 
Fol. 3». Gotinge van Gog so beten se; 

Sommelicke de spreiden sick in desse laut 

Vnde sommelicke bleuen in Gotinger laut. 

In Sarughs, Abrahams oldervader, tijt, 
85 Do quemen se ersten tho dessen profijt. 

Das was bj dusent achtehundert XLIX Jar, 

Na dat de werlt geschapen was, dat is war. 

Hyr seten se lange vnde mannich Jar, 

Vnde nemant manck ene koninck vorwar; 



>) Es fehlt: in. >) Miohelsen falsch: erstlich. 



136 

90 Men richtere Yüde houetlude hadden se, 

De CD de lande scholden vorseen. 

Se en hadden ock nicht in Gotinger lant 

Koninck, dat segge ick jw vorwär tho hant, 

Men richtere vnde houetlude hadden se ok, 
95 De en ok de lant in vreden helden tho hope, 

So lange dat Gedeon, de richter geue,*) 

Vor Israels volck vorstander bleeff 

Vnde hadde wol XX Jar vor se gesturet vnde geraden, 

Vnde ock vele van eren vianden geslagen. 
100 Do was myn sone, de hete Dan, D 5| 

Schicket to koninge vnde tho houetmanne 

In Seelant, Lalant, Falster vnde Moen is vorgeten vnde vorset, 

Welcke lant de se do heten Witteslet, 

Bi twedusent souenhundert vnde vertich Jar, 
105 Na dat de werlt gheschapen was apenbar. 

So quemen do de Dudeschen tho Jutlande in, 

Vp rouen vnde bernen setten se eren syn. 

Vp de Suder-Juten slogen se do 

Vnde hadden gedacht ere lant to krigende also. 
110 Do sanden se bot to Dan, mynen sone, 

Wente he was eyn kempe^) fo köne. 
Fol. 4. He vor mit en den Dudeschen entegen 

Vnde slogen se alle, dat se vor eren voten legen. 

So helden se ene vor enen houetman 
115 Vnde nomeden do alle ere lant na Dan, 

Also is Jutlande, beide Fresen vnde Fune, 

Selant, Schone, Hallant vnde Mone, 

Lalant, Lawend vnde Falster mede 

Vnde mannige klene lant, de dar bi liggen torstede; 
120 Vnde he scholde sodder syn vorstander allene 

Der vorschreuene lant, beide grot vnde klene, 

Do Thola wol achtein Jar 

Israhels volck hadde gehat in bewar. 

Sodder do halp he do Angul dem broder syn 
125 To kamen ock so to Engelaut in. 

Ick wil dat seggen sunder valsch vnde swick, 

Deme rijke gaff he den namen na sick. 

Do ick do de vrowde hadde geseen, 

De dessen mynen sönen was bescheen, 
130 In Seelant dar bleff ick doet, 

Dar ick hadde gewont in lust vnde noet 

In mynen houe, den ick hadde gebuwet mi to vromen 

Vnde heet ene na minen egenen namen. 

Dan de erste koninck in Dannemarcken. 

Dat genck also als myn vader heft gerort, 
135 Dat hebbe ick suluen beide geseen vnde gehört. 
Do Thola was domer auer Israhels siecht 
Vnde XVIIl Jar hadde gehat in siner macht. 
Ick mundich koninck in Dennemarken byn bleuen 
Vnde nomede mi na deme rijke geue; 
Fol. 4a. 140 Bi UM VIIC vnde IUI stige vnde dre Jar, 
Na dat de werlt gheschapen was vorwar, 
Vnde XIII vnde dar tho XL jar. 
Er Troyeborch gewunnen wart apenbar; 
Dat vint men in der warheit sunder straff, 

*) D. geff, ansehnlich. ^) Michelsen falsch: konige. 



137 

145 Also de Jodeschen meistere schriuen dar äff. 

Men Eusebius schrift doch so vort an, 

Dat ick Dennemarcken scholde eer vntfan, 

In Sarughs dagen, de gude man, 

Vnde heten mi Dan ock nicht mer Dan^), / 
150 Vnde dat rik dat nedderste Scitiam, D 105 

Vnde nicht mit alle Datiam. 

Men wo dat öuer is boseten, 

Dat hebbe ick nu althomale vorgeten. 

Men ick sturde Dennemarken so lange tijt sunder not, 
155 Bit dat ick bleeff van older doet. 

II. flamble Dans sone. 

Hir mach men hören, dat de Densche mans fyn 

Weren klok, alse se noch syn; 

Eer rijke wolden se hebben so vrj, 

Dat dat nemant scholde eruen to sick, al we he sy, 
160 Sander he en were in sinen wercken so vrome, 

Dat he dat krege vor sine manheit kone, 

Vnde bleue dar tho koren van den besten mannen 

Vnde to deme State mit eren vp rönnen. 

Do Dan, min vader, was afgegan vnde vorswunden 
165 Van deme rechten dode vnde van neynen wunden, 

Do setten mi de Denschen vp eynen steyn, 

Se negeden vnde bugeden mi wedder algemein, 

Se geuen mi de kröne vnde koninges namen, 

Dat schal men weten althosamen. 
170 Do ick kreech Dannemarkes kröne dan, 
iFol. 5. Vel luttick*) dachte ick dar an, 

Tho brukende orloch vnde luckes spei, 

Also de Densche menne hadden gelouet wol, 

Vnde schicken idermanne lijk vnde recht 
175 Vnde alle dinck maken to guder eindracht. 

Darvmme neme de Denschen minen broder to sick. 

Van deme konincklikem State setten se mick. 

Do se mick van deme rijke hadden gescheiden 

Vnde minen broder vor enen koninck heilde"), 
180 He sick do nicht nogen let. 

Er he krech to seende myn herten blot. 

111. Lother Hambles broder. 

Den man mach men wol heten vndogentlick. 

De den is vndancknamelick, 

De em don ere vnde doget 
185 Dar tho hulpe vnde trost, wanner he des behouet. 

Ich scheide minen broder van lijff vnde lant. 

Ick sloch ene mit myner eigenen haut. 

Sodder krech ick de kröne vnde koninges name. 

Den Denschen mer tho schaden wen tho vrame. 
190 Wolbome mans sloch ick dot mit macht 

Sunder raet vnde sunder recht. 

Van sommige nam ick ock ere gudt. 

Summige let ick to howen vnde to slaen mit der spoet^); 

Darvmm en genck id mi nycht beter to haut, 
195 Se nemen van mi beyde lijff vnde lant. 



*) D: Tan oc icke Dan. *) Michelsen falsch: Intenk. ') Lies: heilden. *) mit der spoet 

bUigst. 



138 

IUI. Skyold Loderss. 

Fol. 5». Dat bort eneme jeweliken koninge hebben to sede, 

Tho boschermen syn lant vnde holdent in vrede 

Vnde weten vnde don der meinheit vramen, 

Vor welcke he drecht sinen konincklicken namen. n i»;f; 

200 Ick hadde leff mynes rijkes gudeman ^ ^^^ 

Vnde halp en vnde tröste se altosamen; 

Der armen meenheit ick ok also dede, 

Darvmme moste it mi wol gan in aller stede. 

De arm vnde vnselich weren, 
205 Den gaff ick gunst vnde gude rede. 

De ere schult nycht künden bothalen, 

De botalde ick vor se vte mynen vatebur alle. 

Alle bosse wonheit vnde vnrecht mede, 

Dat schickede ick al tho betereme sede. 
210 Ick en was nycht alt men XV jar, 

Do ick eerst na wilde in de jacht vor; 

Do quam mi entegen eyn bare so grot, 

Den sloch ick nedder vor minen vot; 

Ick bant ene vil wol mit minen gordel 
215 Vnde dede ene mynen stalbroder, dat he ene dode. 

Ick starff van suke vnde nicht van swerde, 

So genck it mi in minen leuendes verde. 

y. Gram Skyoldssone. 

De wil leuen sunder straff, 

De holde sick dar na he is komen af; 
220 Besunderlicken oft dat is dogenthlich, 

So bliuet eme dat prisselich. 

De tijt, do ick Dennemarkes rike vntfinck, 

Ick in mynes vaders votspor ginck; 
Fol. 6. Ick ouede mi vaken in orloge vnde in krich, 
225 Dat duchte mi wesen manlich. 

Ein koninck so kone was in Sweden; 

Van sine affgode hadde he de bede, 

Dat nemant konde em in den strijde bestan 

Edder in jeniger maten eme to dode slaen, 
230 Sunder mit deme klaren roden golde; 

Dar tho was em syn affgodt holde. 

Darvmme leet ick mi vorgulden eyn kulue grot, 

De vorde ick mit mi in Sweden dor de not. 

De sulue koninck de hete Sichtragh, 
235 Deme gaff ick enen groten knien slach ; 

Ick sloch ene dot vndo krech syn lant 

Vnde Groo syn dochter mi thor haut. 

Der Gotinge koninck ick ock sloch 

Vnde wol sostein siner sons dartho. 
240 Ick sloch dar ock mannigen kempen meer, 

Also dat vaken in deme orlog is gescheen eer. 

Swibdager myn sone sloch mi in dem strijde, 

So dane bleeff myn ende to der tijde. 

VI. Oatborm Oramsson. 

Min herte konde nicht vro gewesen, 
245 Dat ick scheide denen vnde schat gheuen 
Min broder, de dar sloch mynen vader dot 
Sunder recht vnde rede mit mordt. 



139 

VII. Swibdager Oatborms baluebroder. 

Fol. 6». Ick Gram, minen vader, van Norwegen dreeff 

Vnde in siner stede dar koninck bleef. D 205 

250 Sint let ick mi noch nicht genogen, 

Eer ick ene dotsloch vor minen ogen 

Vnde kreech do alle sine rijke dre 

Mit alle eren landen vnde al eren steden darbi. 

Haddinge minem baluebroder dat vordrot, 
255 Min bloet he vth vp de erde goet. 

Vill. Uadding. 

Vriheit is beter wen goldes vele; 

Dat ock de werlt al vul daraff were, 

So en konde dat dar to liken nicht mit al; 

Darvmme bort em allen to gunnen woL 
260 Ick dancke den Denschen, dat se deden also; 

Se leten mi Dennemarkes kröne werden do. 

De Swibdager mins vader dot schuldig was, 

Deme gaff ick vort enen slach, dat he ny en genas. 

Ock vruchten de Denschen vor den suluen schat, 
265 Den he ene do hadde vorgesat. 

Asmund, sinen sone, vp de sulue stunt 

Vnde*) eme nam ick ock beide liff vnde gesunt, 

Vnde Offe, Asmundes sone, 

De in Swedenrijke droch de kröne, 
270 Den sloch ick mit myner rechteren hant 

Vnde sette koninck Uunding in syn lant. 

Ick den koninck van Helleponten^) lant 

In dem velde greep vnde auerwant. 

Damegest wan ick ok mennige lant 
275 In osterlanden to Dennemarkes hant. 

Vul leff hadde mi de vorbenomde koninck Hunding, 

Dat he bewisede in sinem lesten, do he äff ginck. 
Fol. 7. Wi hadden vns beide beswaren also, 

Welkere deme anderen affstorue jo, 
280 He en scholde leuen nicht meer jar, 

Men ock stracken liggen doet vp der baer. 

He kreech so tidinge dat ick were doet, 

Des bat he mannigen to beer vnde to broet; 

He dranck mine wolvart mit guden mannen recht 
285 Vnde suluen schenkede he also ein knecht; 

Vp de dele sette he eyn kuuen grot, 

Gevullet mit söter meae goet, 

Dar warp he sick in mit willen vri 

Vmme minen willen vnde sanck to gründe alse bli. 
290 He gaf vp sinen gheest in der mede, 

Vmme minen willen he dat dede. 

Do ick de tidinge to hörende kreech. 

Ick let mi hengen recht also ein deef. 

IX. Frotho Haddingssone de geae milde. 

Eyn islick forste, dede kröne drecht, 
295 Bort to geuende den, de es behouen mit recht. 
De gut sint vnde gud vordenen 
Vnde de rente vorslan vth eren lenen, 
AI öfte he wil de Geue Milden namen 



1) Ynde ist zu streichen. *) So B. 



140 

Vorweruen sick to eren vnde vramen. 
300 In miner tijt hadde ick de sede, D 255 

Dar vmme heten se mi den Geuen Milden darmede. 

Des deden mi de Denschen de ere vnde den prijs, 

Wente ick was dartho klock vnde wijs; 

Se geuen mi de kröne vnde koninges namen, 
305 Dat quam en suluen to lucke vnde to vramen. 
Fol. 7a. Ick nam dat alle tijt in mynen syn vnde acht, 

Tho vorvullen vnde to vormeren ere macht. 

Des wan ick Kurlant vnde Ruslant, 

Engelaut, Schotland vnde Vreslant, 
310 Sint alle de laut, de dar scheten vp den R^n, 

Beide vp desser siden vnde vp gen, 

Vnde den koninck van Hellesponte laut 

Mit der Denen hulpe ick auerwant. 

Ich hadde einen dener, de hete Schot, 
315 Deme gunde ick wol vnde dede eme ghroet; 

Deme gaff ick Vluild, de suster min. 

Mit gunst vnde eren to hussvruwen syn. 

Ick gaf eme Schotland mit der suluen Vluild 

Tho konincker*) gunst vnde gaue mild. 
320 Van eme kreech Schotland eerst den namen, 

Dat wil ick jw vorware sagen. 

Sint ick hadde gedan mine walt vnde macht so wide, 

So hleef ick dot in Sweden in eneme strijde. 

X. Ualdan Frottesson. 

Quade hegeringe to der weide macht 
325 Hadde ick beide in sinne vnde in acht. 

Do Frotho, min vader, was gelecht in de erde, 

Do bedref ick so quaden mort al mit der verde; 

Ick sloch twe miner broder doet, 

Vp dat ick allene behilde dat rike gut, 
330 Vnde alle de mit ene weren. 

Den dede ick schaden vnde vnrecht sere. 

Ick starff vppe stro vnde in neinen strijt, 

Do ick kreech mines olders tijt. 

Fol. 8. XI. Roo Ualdans sone. 

Dat bort elliken forsten vnde elliken houetmauj 
335 Tho vorbeteren sine rijke, wor he kan, 

Vnde schicken sine dinck na legelicheide 

Vnde meist, wanner he kan leuen mit vrede. 

Ick leuede min lijff al sunder strijt; 

Dar vmme dachte ick vp neuen anderen vlijt. 
340 Den Seelandes vareren dede ick dat to nutte. 

Ick Hogekopinge to Isefordes hauene flutte, 

Wente it en lach nicht to make^) wol, 

Tho schepen ere gud vnde segelen also men schal. 

Ick it Roskilde sedder nomen leet 
345 Na mi vnde der kilden, de dar vth vleet. 

Höchbrod van Sweden sloech mi doet, 

Dat wrack Helge, min broder gut. 

Xil. flelghe Roes broder. 

Vnkuscheit is eine vndoget snode. 

De ein koninck node scholde hebben to sede; 



^) lies: konincklicker. >) Bequemlichkeit; D: til max. 



141 

350 Eines mannes suntheit, sterke vnde l^ff D 805 

Kan se vorkorten sunder swert vnde kngf. 

Dar inne ick mi leider also vorsach, 

Bat ick mit miner eigen dochter lach. 

Sint nam ick mi to eine anderen sede, 
355 Ick brukede krijch vnde makede vrede. 

Der Wenden koninck, de dar heet Schalck, 

Den sloch ick erst mit alle sinen volck. 
Fol. 8a. Van deme lande tho Sassen des hertogen sone 

Sloch ick bi Staden, nicht was he so kone. 
360 Ick sloch ock den koninck van Sweden lant, 

De minen broder sloch, den guden man; 

Ick gaf it den Sweden so vor ein recht, 

Dat se en scholden hebben noch bod noch recht, 

Offte ein Densch man dede en vulik vnde nicht vul; 
365 Ick let, of se dat hadden vordent wil wol. 

De wile dat ick leuede, so geuen se mi schat; 

Ick hadde se do so wol besät. 

Dat blef mi doche sodder worpen in de nese, 

Dat ick so bi miner dochter hadde gelegen; 
370 Darvmme gaff ick auer beide rike vnde lant, 

Vnde morde mi mit myner egen handt. 

XIII. Rooleff Helges sone. 

Mildicheit is eine konincklicke doget; 

We erer wol bruket, se maket eme vrowde vnde joeget. 

In der suluen doget hadde ick de sede, 
375 Ick gaff iderman mit der ersten bede. 

Darvmme sochten mi kempen vnde drepelike manne; 

Ick gaff vnde lonede en altosamen. 

Darvmme bleuen se mi so truwe, 

Dat se vor mi storuen in eren schoen. 
380 Dar tho scholde seen ein jderman gud, 

Tho holden welken guden man vor spee edder spot, 

Wente spot kumpt eme to hus gheme, 
Fol. 9. Des wert he war beide na vnde veme. 

De Sweden seggen dat mit valscher vunt, 
385 Dat se sanden den Denschen tho koninge enen hunt, 

Vnde dat scholde bij der tijt scheen, 

Do ick scholde Dennemarkes rijke vorseen. 

Men hadden se dan so dar sent den hunt, 

Ick en scholde des hebben gelaten nicht ene stunt; 
890 Ick scholde en so tho en hebben laten bellen, 

Dat ere nacken scholden hebben blot sere mit allen. 

Se waren sick noch, dat de sulue hunt 

Nicht vp ene thee ene vil quade grünt; 

Kamen se noch wedder vor sinen taut, 
895 Also se eer hebben gewest, se blyuen geschant. 

Sweden rijke dat gaff mi schat vnde gut. 

So lange alse ick Dennemarkes kröne droch. 

Sodder makede ick minen vrunt to enen mechtigen man 

Vnde koninck vnde here in Sweden lant. 
400 Dat betalde he mi wedder mit valsch vnde swich; D 355 

In Lethere mineme haue sloch he mich. 

He leet, oft he mi scholde voren schat; 

Do vorde he hämisch in tonnen befat; 

Dat en quam eme nicht to gude, allene sodder 
405 He en quam ock mi*) tho Sweden wedder. 






') lies: nij. 



142 

XIIII. Hiartwar. 

Bo ick koninck Roleff in Lethere hadde gemord, 

Do hadde ick gedacht to hebhe Dennemarken gesturdt; 

Ick sette mi do nedder vnde at; 

So let ick Tragen manck deme volke dat, 
Fol. 9a. 410 Ofte dar ock welcke weren wedder in dem leuen 

Van des koninges man vnde deneren gebleuen. 

Ick wolde se nemen in den denst myn, 

Wente se hart stonden bi ereme heren fyn. 

Do quam dar vort ein degelick man, 
415 Vnde stond vor mi, Haky het he dan. 

Ick bat ene, dat he scholae beraden sich 

Ynde varen in tho denste to mich. 

Dar vp gaff ick em stracken ein swert 

Tho voren bi mi in der hervart. 
420 He en wolde des nicht annemen vmme den ort; 

Dar vmme dede ick it em bi dem knope vort. 

He sede, koninck Roleff en plege also to don nicht 

Tho antworden swert sinen ridderen vnde gudemans, des sit bericht. 

So vro alse he kreech dat swert in de hant, 
425 He Stack mi dor, dat ick lach vp dat sant. 

Darvmme blef ick nicht lenk der Denen koninck so nye, 

Dan van deme morgen bet wente de klocke sloch drie. 

XV. Haky. 

Min here koninck Roloff, de mi gaf brot, 
Deme hadde ick gelauet to wrekende sinen dot, 
430 Of dat so were, dat he mistede sin lijf 
Van jemans hant, van swerde edder knijf. 
Dar vmme sloch ick dot der Sweden koninck, 
De ene hadde gemordet sunder rechte dinck. 

XVI. Pridlef. 

Fol. 10. Koninck Roleffs dochter beide houesch vnde fin, 
435 De kreech ick to husfrowen min. 
So sloch ick koninck Haky dot, 
Wente ick en gunde em nicht dat rijke gut. 

XVII. Hother. 

Mi duncket, dat de man en is nicht wijs, 

De dar is begerende lof vnde prijs 
440 Vor dat, dar he nicht vul vor donen kan. 

He s\j sick ok knecht öfte man. 

Do ick scholde Denmarkes rike vorstan. 

Dar weren dre vil trersche*) kumpane. 

De ene het Thord, de ander het Othen, 
445 De drudde het Balder, ein kempe grote; 

De seden, dat se hadden godes macht; 

Vil luttick gaf ick dar vp acht. 

Vor gokel spil, dar se voren mede. 

So wolden se sitten in koninges stede. 
450 Bi Roschilde helt ick mit en enen krijch, D 405 

Dar störte so mennich kempe vrigh ; 

Ere volck sloch ick bi Balder brunde 

Vnde gaf en dar ere dodes wunde. 

Se vlogen dar ock suluen schamelich. 



1) D. threerskae, wohl Island, treiskr kampflustig. 



143 

455 Ick mein, se en hadden nene gotheit in sich. 
Sint Bloch ick Balder in Balders Sunde 
Ynde senkede ene dar so nedder to gründe. 
Sedder sturde ick mit miner konincklicken walt 
Dennemarken, Swen ynde Dudesche laut. 
Fol.lQa. 460 In alle miner tijt hadde ick se also, 
Wente dat ick em blef afgeslagen do. 

XVUl. Balder. 

De eddelen maus, de Seelandes vadere, 

Den dancke ick, ok allen gadere. 

Se menden so van alle erer acht, 
465 Dat ick hadde gehat welke gades macht; 

Dar ymme hilden se mi vor enen vorman 

Ynde koninck tho bliuen in er laut. 

Do Höther koninck hadde dat vorvaren, 

Dat se mi hadden tho koninge gekaren, 
470 Do sloch he mi dot in Balder ssunde 

Ynde senckede mi dar nedder tho gründe. 

Yan mi kreech de Sunt do sinen namen. 

Dat segge ick jw in warheit altosamen. 

XIX. Öthen. 

In gokel spei was ick so klock 
475 Ynde in der swarten kunsten bok, 

Dat ick mannich behende dinck dede; 

Darvmme hilden se mi wide in der werlt mede, 

Dat ick scholde wesen ein mechtich got; 

Dar vmme hilden vele min wort vnde min bot,*) 
480 Nicht allene in dessen Norden laut, 

Men ok so wol in Rome vnde in Grekenlandt. 

Darvmme senden mi de Greken ein bilde van golde, 

Dat ick ene scholde wesen truwe vnde holde. 
Fol. 11. Dat makede ick to mit kunsten vaste, 
485 Wanner dat de lüde dar vp tasten. 

So sprack dat vnde gaf en rede 

Alse ein minsche, de leuede, vp der stede. 

Do de Denschen segen, dat ick was so wijs 

Ynde sodan kreech van vremden landen prijs, 
490 Do deden se mi de ere vnde den vromen 

Ynde geuen mi de kröne vnde koninges namen, 

Ynde nomeden enen dach in der weken na mich 

Ynde heten den Odensdagh ellek bi sich. 

Sint blefF ick in Fune geslagen doet; 
495 Mine gotheit en halp mi nicht ein grutte kom in der not. 

Dar leden se mi in enen berch bi ene aa ofte vlet. 

Dar de Stadt tho Odens nu steit. 

XX. Rorick Hotherssone. 

Ick hebbe gemercket, dat grote macht 
De en blift nicht lange bi ener acht; 
500 Dat kreech ick to weten vp de suluen tyt, D 453 

Do Hother myn vader wardt geslagen in strijt. 
De Swedeschen vnde de Dudeschen, de emc plegen schat to geuen. 
De Villen mi vort äff, dat mercke ick euen; 
Men de Dudeschen bestride ick wedder haut 



^) 479 u. 480 fehlen in D. 



144 

505 Mit Vbbe dem starcken, min gude vrunt. 
Ick starfif van suke vnde nicht van siegen; 
So ginck min vtherste dages leuen. 

Fol. 11». XXL Orwendel. 

Ick dancke den eddelingen, de in Jutlande hebben gewont; 
Se hadden ml to ereme koninge belouet to hant. 
510 Fenge, minen broder, dat vordrot; 
Min hartenblot dar vor vth goet. 
So nam he Geruth, de koninginne min, 
Ynde hadde se sodder to der husvruwen syn. 

XXII. Fenge. 

Do ick hadde geslagen minen broder dot, 
515 Do ginck mi dat lucke to banden so grot, 
Dat ick blef koninck in alle Dannemark, 
Wente Amblet, myns broders sone, blef mi to starck 
Ynde sloch mi in minen egene haue dot. 
Dar Wiborges Stadt in Jutlande nu staet. 

XXIII. Amblet Rories dochter sone. 

520 Ick loue vnde weet dat vor wäre wist, 

Dat dat is klockheit aller meist, 

Dat ein auersee vnde gaa vil sacht, 

Wor man nicht kan kamen vort mit macht. 

Dat künde wesen vngelick vnde vnrecht grot, 
525 Dat mines vader broder sloch minen vader dot. 
Fol. 12. So en hadde he mi ock nicht gedacht to sparen-, 

Hadde ick so nicht mit speie gevaren 

Vnde gelaten, oft ick nicht hadde wesen wijs van sinne. 

He hadde mi gemordet also ein swyne. 
530 Do nam he sick de moder myn 

Vnde hadde se sodder to ener husvruwen syn. 

Do sat ick al naket vnde slim 

In der aschen vp alle minen leden vnde bein; 

Dar makede ick haken beide nacht vnde dach 
535 Vnde lede se en wech vnde hude*) se doch. 

AI wol mi vragede vm de haken, 

Wat se don scholden, de ick makede. 

Ick sede, ick scholde mines vader dot 

Wreken dar mede, er ick ete brodes vele vnde grot. 
540 Darvmme droch he to mi louen los,*) 

He louede mi erger wen enen vos; 

Darvmme prouede he mi mit menniger list, 

Dat he scholde krigen tho wetende wys, 

Ofte ick were dorafftich alse ick mi helt 
545 Edder ofte ick it dede mit wetenheit. 

Erst leet he mi setten vp ein pert. 

Min sadel vnde tuge wol getzirt; 

He mi to woldewart vt voren let 

Vnde wisede dar ein wijf, de mi entegen leep; 
550 Men do ick quam al vp dat pert, D 503 

Ick kerde mine nese to rugge to den stert 

Vnde: hoho, min gude pertl^) 

De do bi mi weren vnde de dat segen. 



1) „versteckte" ; huden = to hithe, griecli. XSuOo). *) loyen los, D : iaeff, Misstrauen. 
3) 550—552 sind in D 4 Verse. 



t45 

De begunden do so hertlicken to lachen; 
555 Men ick helt mi allike stille, 

AI wat ick sprak edder dede to speie. 
Fol. 12a. Do wi quemen in den walt vort an, 

Vil grote ein wulf vns in de mote quam; 

Do seden se to mi, de bi mi waren: 
560 Se welck ein pert geit al darl 

Nicht, sede ick, heft min vader mit alle 

Sodane perde vp sineme stalle. 

Do quemen wi henne tho deme strande, 

Dar Yunden wi ein roder liggen vp deme lande. 
565 Se seden, dat were dat grotest mest, 

Dat se hadden geseen ere leuedage best. 

Ick gaf ene dar to antworde gut: 

Dar bort to ene flicke*) grot. 

Do wi quemen hart nedder bi den strant, 
570 Do nam ick van dat witte sant; 

Ick vragede minen stalbroderen, wat dat were. 

AI mel, mel, antworden se mir. 

Ick antworde en wedder do: 

Ein wedder mole heft dat gemalen, ick mene also. 
575 So volgeden se mi hen tho euer bodt, 

Bi welcker dat vorbenomde wijf stod. 

So gengen se en wech vnde stunden vppe lur, 

De ene im husche, de ander im stubbe aldar, * 

Ynde seen, oft ick ock mit deme wiue to don dart. 
580 Also ick er ok nicht hadde gespart, 

Hadde do nicht ein min gude vrunt 

Mi gegeuen ein teken an der stunt, 

Dat ick scholde seen wol vmme mick 

Ynde laten mi nicht kennen an ein luttick; 
585 Vmme ene broms baut he ein stro 
Fol. 13. Vnde let se vlegen, dar ick stot do; 

Ick konde dar mede marken tho haut, 

Dat dat was al valskheit manck; 

Des nam ick dat wijf vnde ledde se wech mit mich 
590 In holt vnde mose, se wisten nicht, war ick blef, 

So lange dat wi quemen bet van en 

Vnde deden dar vnser beiden willen. 

Ick bat se swigen vnde wesen thus, 

Also se ok dede, do wi quemen to hus. 
595 Do ick quam heim mit der vart. 

Min steflader vragede mi to haut al vngespart, 

Ofte ick ock deme wiue wat hadde gedan, 

Also he van minen stalbroderen hadde vorstaen. 

Do sede ick da vor to : ja I 
600 Worvp lege gi dan? sede he do. D 554 

Wi legen vp der versten van enen hus; 

Wi en hadden neue andere kledere bi vns; 

Wi legen ok vp enen hauen kam 

Vnde vp enen houe van enem perde wol vrom. 
605 Des lacheden se alle vnde de ene vp den anderen sach; 

Dat was doch de warheit dat ick sprach. 

So vragede he dat wijf besunderliken dat, 

Oft ick hedde mit er geseten to fat. 

Se antworde: dat hadde nicht gewesen dan last, 
610 Dat to bedriuen mit sulken dorden gast. 

^) Fleischstflck, Speckseite. 
Niederdeutsches Jahrbuch XXV. IQ 



146 

Sodder prouede he mi ander lunt, 

Dat he scholde weten mines harten grünt. 

He beslot mi mit miner moder int hus 

Vnde lede darin enen kerl vnder stro vnde duys*), 
615 Dat he scholde leggen dar bi der erden 

Ynde hören ofte ick hadde wise worde. 
Fol. 13^. Do wi quemen beide tho deme huse in, 

Do wart ick dar noch so to sin, 

Ick spranck dar vp ein stol 
620 Ynde sloch mine hende to samen mit rop vnde schrol ; 

So trat ick hen in dat stro 

Vnde vant vort, dat de kerle lach dar. 

Dar trat ick vppe ene also'), 

Dat he stracken blef dot vnder deme stro. 
625 Do begunde myn moder to weinen, 

Dat ick so dorde was van sinnen. 

Ick sede to er: weine vor di soluen vor dy, 

Dat du liehst also in ketterye 

Mit deme, de dinen man also heft dotgeslagen, 
630 Minen leuen vader sunder recht brachte van dagen; 

Hadde ick mi nicht geholden so roloes vnde dumme, 

Ick en hadde nu nicht geseen de sunne. 

De nicht en sparde sinen egen broder kone. 

Wo scholde de sparen sines broders sone? 
635 Sinen dot ick nicht vorgeten wil. 

Wanner ick dar kan krigen lempe to vnde tijt so vil. 

So nam ick den kerle, de in deme halme lach, 

Vnde to huwe ene in kleinen stucken also eyn kaf; 

So warp ick ene mit den banden myn 
640 Nedder dorch ein huseken vor de swin; 

Dar eten se ene altomale vp 

Mit bene vnde brusschen, hut vnde kropp. 

Do min stef vader do to hus quam, 

He vragede, wor dat were de man. 
645 He vragede ok mi, oft ick en hadde geseen. 

Ick sede: ick sach ene wol tom huseken geen; 
Fol. 14. Dar vil he dorch mit hut vnde krop. 

So quemen de swyn vnde eten ene vp. 

De begunde do to lachen alle se 
650 Vnde bilden dat vor spot vnde spee. D 602 

Dar na he mi tho Fngelant vorschref 

Vnde bat den koninck mit bot vnde breff, 

Dat he mi scholde laten slan to dode 

Vnde entfangen wol de baden vnde don en to gude. 
655 Men ene nacht, also se slepen vil hart, 

Do ginck it to mit sneller vart 

Vnde nam van ene de breue do 

Vnde schreeff se vnmie mit behendicheit also, 

Vnde schrefft, dat de koning scholde hengen de baden gut 
660 Vnde geuen mi sine dochter to euer brut. 

Do wi do quemen mit deme koninge tho worden wol, 

Do bat he vns mit sick tor taffeien al. 

Dar sat ick vnde dranck noch en at, 

Wente spiese vnde ber en was nicht gudt. 
665 Des auendes, do wi scholden tho bedde gaen. 

In der herberge hadde he hemelicken enen jungen stan, 

De scholde liggen vnde hören dar tho 



>) D dwfs, wohl = du8t, Spreu. *) 623 n. 624 fehlen in D. 



147 

Wat wi tho samende spreken do. 

Done vrageden mine stalbrodere äff, 
670 Worvmme ick nicht en dranck noch en at. 

Na mannesblode smeckede dat brot al meist, 

Des geliken dede ock dat vleisch; 

Na rosterden iseren smeckede dat beer 

Vnde rok dar vaii beide na vnde veme. 
675 Ick segge jw dat al Sünder logen : 

De koninck sat vth twen trels^) ogen; 
Fol. 14a. Dre grote Tntüchtige teken 

Mochte men van der koninginne merken. 

Do de iunge do hadde vor dem koninge gesecht 
680 De wort, de wi hadden to samende gelecht, 

He sede, ick were gantz w^s vnde klock 

Edder ick vor ock dorheit grot. 

Des let he do vragen auer alle sinen hoff, 

Wor dat körn vp gewassen was, 
685 Dar dat sulue brot was gebacken af, 

Vnde wor vp dat vleisch stonde in straf; 

He vragede ock, wor se dat water kregen, 

Dat to dem beer quam, vnde vp wat jegene. 

Do vanden se dat also vmme dat kom, 
690 Dat dat velt lach al doden mans bein vul, 

Wente dar hadde gewesen in vortat 

Eyn grot slach vnde ein mechtich strijt, 

Vnde de swine, dar dat vleisch was aue. 

De hadden gegeten van enen doden manne vte deme graue; 
695 In deme sode, dar se dat water haleden af. 

So mennich rosterich swert lach. 

Do de koninck hadde vunden dit also vorwar, 

Do louede he dat ander al apenbar. 

Do nodede he sine moder mit drowe vnde list, 
700 Dat se eme vnderwise van sin vader to wisse. D 652 

Se bekande, dat he was ein knecht vil arm, 

Doch was he degelick genoch vor enen man. 

So vragede he mi vm de teken euen, 

De ick hadde gemerket van der koninginnen wegen. 
705 Dat erste, sede ick van der wisheit mvn, 

Dat was, dat se behudde er houet vnder dem grawerk syn 

Eecht also ene denst maget vale, 
Fol. 15. Vnde sat so dar vnder vnde schulede; 

Dat ander dat was, dat se sick gordede also an 
710 Also de megede, dede plegen in de koken to gaen; 

Dat drudde was, dat se stokede ere tenen mit stro 

Vnde senckede dat nedderwart, se dar vthstakede so. 

Do he alle wort in warheit vant, 

Do helt he mi vor enen w\jsen man. 
715 He gaff mi vort de dochter syn 

Vnde let vphengen den stalbroder min. 

Do let ick, ofte ick were dar vor quadt vnde wreet, 

Dat mi was sodane schade scheet. 

Dar vor gaf he mi goldes so vele, 
720 Dat ick vul stoppede steue twe. 

In mine hande nam ick se beide do 

Vnde vor hen to Dennemarck also. 

Do ick quam int hus to minen steefvader, 

Se druncken min erue vnde weren vro alle gader, 

^) trael, Knecht. 

10* 



148 

725 Also min moder vnde ick to samen hadden wordt, 

Er ick vt vor to Engelant vort. 

Do vragede min stefvader vnde sede to mi: 

Wor sint dine stalbroder, de ick sande mit di? 

So reckede ick vort myne steue mit dat golt; 
730 Hir sint se beide, so werde mi holt 

Thor myn godt, sede ick, vnde Othen'mede 

In wilker stunde, in wilker stede. 

Do ick dat to wetende kreech, 

Dat dat geste bot was gemaket vor mich, 
735 So bort mi dat volck to maken vro, 

Sede ick, wente to middernacht to. 

Des bant ick vp min sweert so gud 
Fol. 15». Vnde mi vp der stede to schenkende bot. 

Do ick dar ginck vnde schenkede den wijn, 
740 Do vil dat sweert vte der scheiden myn, 

Vnde snet mi wat in mine hant; 

Des sette ick dat wedder vp der stant 

Vnde sloch dar so enen nagel dor, 

Dat ick mi nicht scheide don so meer. 
745 So makede ick dat volck so druncken van wine, 

Dar lach de ene vppe deme anderen alse swine. 

So nam ick alle de sper laken nedder 

Vnde spreide se auer de dar legen^sedder ; 

So halede ick do mine haken in, 
750 De ick to voren hadde gemaket na minen syn, D 702 

Dar koppelde ick se altosamen in, 

Dat de ene van deme anderen nicht konde vleen. 

So stickede ick an dat hus mit vuer 

Vnde makede em alle vrowde dur. 
755 So genck ick vp, dar min steffvader lach in, 

Vnde nam dar dat swert syn 

Vnde sette min swert in de stede wedder, 

Dat ick den nagel dor hadde geslagen sedder. 

Wake vp, sede ick, dat is nu tyt, 
760 Eekenschup to holden vm den olden nijt; 

Dine gudemans liggen nu gebraut in glot ; 

Ick wil nu wreken mines vaders dot. 

Do spranck he vp vnde nam min swert so gut, 

Dat to enden sinen houeden stot. 
765 De wile he vaste vp dem swerde toch, 

Vil drade ick em to dode sloch. 

Dar na en quam ick nicht vor ogen to seen, 

Eer ick to wetende krech, wo it dar vmme scheide scheen. 
Fol. 16. Do ick to wetende krech, dat se klageden mine not 
770 Vnde weren meisten del vro, dat he was dot. 

Ick vor mit minen vrunden to dinge vnde to steuen 

Vnde klagede mine not allerwegen. 

Dat volck was mi tho hant so wol mede 

Vnde koren mi tho koninge vppe der stede. 
775 So let ick do schriuen in minen schilt alt 

De vorbenomede mine werke mennichvalt. 

So segelde ick do to Engelant wedder 

Tho miner hussvruwen minen guden vrunden sodder. 

Do ick auer eres vaders taffeien sat, 
780 He do vomam van welken minen worden dat, 

Dat ick minen stefvader hadde geslagen dot; 

Dat en nicht wol duchte wesen gudt, 

Wente se hadden gemaket aisulke eyndracht, 



149 

Welcker van en bleue geslagen mit macht, 
785 De scholde wreken des anderen dot 

Ynde laten des nicht vor schaden edder vor not. 

Do was in Schotlande eyne köninginne stolt, 

Se dede eren bedelers*) so grot wolt, 

Weren se nicht sodan, dat se er wol behageden dan, 
790 So let se en vort dat houet affslaen. 

Tho er bat he mi wesen syn bodt, 

Dat se wolde wesen sine leue brut, 

Yp dat se mi scholde laten slaen; 

Doch let he sick dat nicht ane gan. 
795 Do ick quam buten eren hof vnde grünt 

Do lede ick mi to slapen ene stundt; 

De wile sande se mi ere volck entegen 

Ynde let mi vnde mine selschup vorspeen. 
Fol. 16». Do se segen, dat^) slep so hart, 

800 Se nemen minen schilt en wech mit der vart; 

Se drogen ene wech to der koninginnen in; 

Vp de Schrift, de dar vp stunt, gaf se wol syn. 

So let se ene leggen bi mi wedder 

Mit erer boden eyn vil snelle sedder. 
805 So ginck ick do to er in eren hoff 

Ynde sprack mit er vnde kreech gut antwordt vnde loff, 

Se sprack, dat vorwunderde er al sunder wan, 

Dat ick wolde vor em bodenschup gan 

Ynde hebben tho hussvruwe syn dochter vngenot^), 
810 Na dem, dat he nicht en was van echte gevot. 

Beter wert*) ick wert sodanen man, 

De aisulke manheit heft gedan. 

Also in dinen schüde steit geschreuen. 

Den ick hebbe geseen vnde merket euen; 
815 So konde ich di maken to eneme koninge mit mi 

Ynde du mi tho euer koninginnen mit di. 

So nam se mi in eren arm; 

Wi makeden brutlacht, ick sette se in enen karm^) 

Ynde vorde se mit mi tho Engelaut. 
820 Des wolde mi de koning hebben gedan valscheit to haut; 

He bat mi mit sick heim to gast; 

Men vor myn argeste dede he dat mest; 

He wolde mi dar dan hebben geslagen dot. 

De bet he en krech nein lucke dar to; 
825 He mannige vele doch van minen deneren sloch, 

Do ick van eme to rugge toch. 

Des anderen dages bot he mi echters stryde, 

Des redde ick mi dar vp bi tyt, 
Fol. 17. Ick richtede vp de doden vnde sette se bi stocke vnde stein, 
830 Dat men vnser vele scholden seen, 

Do he do quam vnde sach min beer, 

Do vormode he sick vil quade meer; 

Des vloech he to rugge wedder. 

Ick volgede eme na mit ringe sodder, 
835 Ick sloch ene dar vnde Engelaut wan; 

Mit der koninginnen min wan ick Schotland. 

So vor ick alle de laut vmme krinck 

Ynde sette vol to punten min dinck. 

So nam ick do mine husvruwen twe, 
840 Mit mi to lande vorde ick se. 



*) D bedlae, Freier. «) Es fehlt ick. ») D vnöd ungern. *) 1. wer. ») Kutsche. 



150 

Do ick quam heim to lande, 

Do hadde min moder enen anderen man; 

He Bloch mi sodder ynde lede mi in Igck, 

Wente he bogerde to hebbende dat rijck. 
845 Mine koninginne lauede to stan hart mit mi, 

Men se vor al mit valscheit dar bi; 

Se nam den man vnde dede em gut. 

De mi hadde geslagen in deme vechte dot. 

Also plegen vndogentlicke vruwen tho lauen 
850 Ynde holdent mit valscher logene. D B02 

XXUII. Wikhlee de ander Ambletz steffader. 

Men secht, dat steefkint s^j nummer so gud, 
Men seget jo leuer dot; 
Amblet, minen steefsone, sloch ick dot, 
Wente ick en gunde em nicht dat rijke gud. 
855 Sodder starf ick van olders not 

Ynde wart gelecht vp dat yelt ynder enen stein grot. 

Fol. 17». XXV. Wermand Wiehles son. 

Doch ein koninck heft in siner macht 
Do^) donde vele, dat eme kumt in acht; 

Doch en bort eme, nemande to don vnrecht 
860 Tege dat recht, dat reddelicken is geset. 

Atisel koninck in Sweden lant, 

Altiyt was he myn riandes man; 

Na Dennemarcken hatte he grot beger, 

He dede mi schaden beide na vnde verne. 
865 Des sende ick vth twe kempen kön, 

Dat se scholden em geuen dar vor Ion. 

Se slogen ene dar bi enen wolde allene 

Ynde deden iegen recht kempen sede. 

Dar kregen alle de Densche schände äff, 
870 Wente dat stont er ser to straffen, 

Dat twe scholden gan tegen enen in vecht, 

Wente dat was vngelick vnde vnrecht. 

Do ick was olt vnde ginck vp vallende vot, 

Do wolden mi vele entegen Uggen tegen Spot. 
875 De vamme lande to Sassen deden ock also 

Ynde wolden van mi nemen dat rijke jo, 

Wente se vomemen, dat ick was blint, 

Ynde Offe myn sone was dul van sinnen also ein kiut. 

Ick scholde do striden mit em vmme recht 
880 Edder don en dat rijke vnde wescn alse en knecht. 

Des vragede ick mine kempen, eyn islick bi sick, 

Ofte welcke van en wolden vechten vor mich. 

Do stunt vp min sone vnde schudde sick 

Ynde sede, he wolde vechten vor mick. 
Fol. 18. 885 Do vragede ick vort, we dat were, 

De mi antworde so manlicke rede. 

Dat is, seden se, jwr egne sone; 

He wil nu don grote manheit kone. 

Ick sede, ick hebbe doch genoch angst vnde wee, 
890 Dat gi mi nicht dornen driuen to minen schaden spee; 

Ick weet, myn sone nicht spreken kan 

Ynde nicht kan don vul vor enen man. 

Do antworden se mi wedder echter also: 

Das is jwr sone vorware jo. 

1) Liee: To. 



151 

895 Do vragede ick, worvmme he nicht en spreke to voren. 

Do antworde he: dat mach mi nu hören; 

Gi hehben wol gespraken vor mi wente herto, 

Nu wil ick wedder spreken vor jw also; 

Ick wil na kempen twe bestan, 
900 De YTomeste twe in Sasse vp scho kamen gan. D 852 

Do leet ick ene ropen vort vor mich, 

Dat ick ene volede, öfte he were karsch vnde stark an sick. 

So en konde ick nene bronye krigen, 

De eme to mate was to sinem lyue, 
905 Er he sneyt ene in der siden yp 

Vnde swepede se also vmme sinen krop; 

Neen swert was ock so starck vnde gudt, 

He en schuddet en twey mit der ersten reisen, 

Dat it lach vor sinen vot*), 
91Ö Eer ick eme do wisede min egen swert, 

Mi duchte, he was des vil wol weert. 

Dat hadde ick in de erden begraaen so, 

Dat nemant en waste, wor dat lach do. 

So voren wi den kempen entegen 
915 Vppe koninges kamp auer de flod van Eyder; 
Fol. 18^. Dar vechte he mit den kempen twen; 

Ynser beider volck mucht dar to seen. 

Ick was doch in vare, dat erer was twe, 

Des sette ick mi vp ene brugge in de see; 
920 Ick hadde mi worpen nedder in des waters vlot, 

Ofte se minen sone hadden geslagen dot; 

Men do ick horde, dat he sloch. 

Ick flutte mi vp, ick was so vroch. 

XXVI. Offe Wermnndsson. 

Dat is eneme koninge ene ere vil grot, 
925 Dat he sick holde van vele wort, 

Dat sin volck des leuer begeren, 

Tho hören sine wort vnde sine rede. 

Min vader blef olt vnde vil van den vot. 

Des wolden eme vele liggen in weddermot. 
930 De van deme lande in Sassen deden ock also; 

Se wolden van eme hebben dat rijke do. 

Do en hadde ick gespraken edder gelachet eer, 

Men do sprak ick vnde hilt dat vor spee so ser; 

Ick sede, ick wolde mit twen tho vechten kamen, 
935 De vromeste kempen, de in Sassen mögen wanen, 

Darvmme myn vader dede den Denschen mannen 

Grote schände, dat he sande twe vp enen; 

Den Sweden koning in eynen holte, 

Sunder recht kempen recht slogen en de twe kempen stolte. 
940 Dar vor ginck ick mit twen in den kreytz 

Vnde sloch se beide in erer spitzen; 
Fol. 19. Ick fleckede den enen van deme houede bet to der te, 

Den anderen how ick, dat he lach in dem kle. 

Ick streick dat ruchte van den Denschen mannen, 

Dat nemen se sodder vor vul altosamen. 

(Fortsetzung folgt.) 

OLDESLOE. Reimer Hansen. 



907—909 Bind in D nur 2 Verse, auoh bei B wohl so zu fassen. 



152 



Zur altsäehsisehen Grammatik. 

(Anzeige.) 

F. Holthansen, Altsächsiscbes Elementarbach. Heidelberg 1899. (= Sammlang 
von Elementarbüchern der altgermau. Dialekte, hg. v. W. Streitberg 5.) 
XX, 283 S. 

Das lange Zeit angebührlich vernachlässigte Gebiet der altsäcbsiscben 
Sprache ist in den letzten Jahren mit erfreulichem Eifer von verschiedenen Seiten 
in Bearbeitung genommen. Nachdem die an Zahl and meist auch an Umfang so 
beschränkten Denkmäler dieses Dialektes durch den unerwarteten Fund der 
Vaticanischen Bruchstücke der alttestamentlichen Bibeldichtung sowie durch die Auf- 
findung und Veröffentlichung einiger früher unbekannten Glossensammiungen einen 
nicht unbedeutenden Zuwachs gewonnen hatten, schien es an der Zeit, den D6nen 
Gewinn durch zusammenfassende Sammlung der Forschung bequemer zugänglich 
zu machen. Für die altsächsische Bibeldichtung liegt in P. Pipers Ausgabe des 
Heliand und der Genesis (Stuttgart 1897) eine neue mit Commentar versehene 
Textausgabe vor, der ein zweiter Band, das dazugehörige Glossar enthaltend, 
folgen soll. Die sogenannten kleineren Denkmäler, von M. Heyne (in zwei 
Auflagen, Paderb. 1867 u. 1877) in einem handlichen, mit einem brauchbaren 
Glossar versehenen Bande zusammengefasst, sind, durch die vollständige Samm- 
lung aller bisher bekannt gewordenen as. Glossen und die Beigabe von 19 vor- 
trefflichen Facsimiletafeln vermehrt, von J. H. Gall6e herausgegeben unter dem 
Titel: Altsächsische Sprachdenkmäler, Leiden 1894, zu denen ein vollständiges 
Lexikon unter der Presse ist und in allernächster Zeit veröffentlicht werden 
wird. Gleichzeitig ist E. Wadstein in Upsala mit einer neuen Ausgabe dieser 
kleineu Sprachdenkmäler beschäftigt, aus dessen Händen gleichfalls ein Wörter- 
buch zu erwarten steht. Wir werden also in kurzem das gesammte as. Sprach- 
material in bequemen Sammlungen vereinigt haben, die dem Studium der as., 
aber mittelbar auch dem des mnd. und der und. Dialekte die beste Förderang 
zu gewähren berufen sind. Monographien aller Art, grammatische, metrische, 
literaturhistorische und antiquarische, über die Piper in seiner Ausgabe S. 
LXXIII ff. eine bis 1896 incl. reichende, fast lückenlose üebersicht giebt, be- 
stätigen das für den Heliand erwachte Interesse. Auch Hand- und Lehrbücher 
zur Erlernung der as. Sprache sind in letzter Zeit mehrere veröffentlicht, die 
aber alle nicht den gesammten Inhalt der Grammatik umfassen. Im J. 1891 
erschien als erste Hälfte einer „Altsächsischen Grammatik" von Behaghel und 
Gallee die von letzterem bearbeitete Laut- und Flexionslehre; 1893 Roedigers 
Paradigmata zur as. Grammatik. 2. Aufl. Berl. 1893; 1898 der erste Halb- 
band der ,Laut- und Formenlehre der altgerm. Dialekte', hg. von F. Dieter, in 
der die as. Lautlehre von dem Unterzeichneten bearbeitet ist, während der die 
Formenlehre behandelnde Band noch unter der Presse ist. 

So begrüssen wir in Holthausens soeben erschienenem Elementarbach die 
erste vollständige Grammatik des Altsächsischen, d^r ich als handlichstem Mittel 
zur Einführung in das Specialstudiuiu der Sprache des Heliand nicht austebe 
den Preis zuzusprechen. Bei nicht zu starkem Umfange (sie bleibt hinter 
Streitbergs urgerm. Grammatik um beinahe 100 Seiten zurück, übertrifft dessen 
got Elementarbuch um 83 S.)^ erschöpft sie in knapper Darstellung, aber mit 
Berücksichtigung aller Einzelnheiten die Literatur, die Schrift, die Laut- und 



153 

Formenlehre und die Syntax der as. Sprache, gieht ausserdem Frohen der wich- 
tigsten Denkmäler mit einer metrischen Einleitung und Anmerkungen und ein 
Lexikon nicht nur zu den Lesestücken, sondern auch zu fast allen in der 
Grammatik vorkommenden sprachlichen Erscheinungen. Von besonderer Be- 
deutung ist es, das H/s Arbeit auf dem vollständigsten und zuverlässigsten 
Materiaie beruht, indem er ausser den früheren Stoffsammlungen auch Wad- 
steins auf neuer Nachprüfung der Handschriften basirende Ausgabe der Denk- 
mäler vor ihrer Veröffentlichung noch benutzen konnte. Gegen Gallee weist 
sein Quellen Verzeichnis (S. 9 ff.) ein Plus von zwei freilich nicht sehr umfang- 
reichen Glossensammlungen (Leidener Vegetius- und Wiener Vergilglossen) auf; 
dagegen hat er die Abrenuntiatio , den Indiculus superstitionum , das Abece- 
darium Nordm. und den Glauben (MSD* Nr. 98), der auch von Gall6e's Samm- 
lung ausgeschlossen blieb, unberücksichtigt gelassen. Die Durcharbeitung dieses 
vielfach ungleichen Stoffes zu einer einheitlichen grammatischen Darstellung 
gründet sich aber überall, wie ich das bei genauer Vergleichung mit den Er- 
gebnissen meiner Arbeit in vielen Fällen feststellen konnte, auf eigenen Samm- 
lungen und so besitzt die Grammatik H.'s durchweg den Charakter einer auf 
selbständiger Forschung beruhenden Leistung. 

Erhöht wird dieser Wert durch die trefäiche Anordnung des gesammten 
Stoffes und die Behandlung aller einzelnen Thatsachen. Im Aeusseren schliesst 
sich H.'s Elementarbuch ganz an die übrigen bereits erschienenen Teile der 
Streitbergschen Sammlung an, die ja in erster Linie für Studenten bestimmt, 
durch Uebersichtlichktit der Gruppirung, Klarheit und Bestimmtheit des Aus- 
druckes bei aller Knappheit sich als durchaus zuverlässige Führer erweisen. 
Die Einteilung folgt dem gewöhnlichen Schema der Grammatik. Als besonders 
nützlich, weil sonst meist unberücksicht gelassen oder dürftig behandelt, erweisen 
sich die der Lautlehre eingegliederten Paragraphen über Schrift, Wort- und 
Satzaccent, ferner die durchgehende für die Lautlehre so wertvolle Heran- 
ziehnng der fremden Elemente, sowohl der aussersächsischen (§§ 28 — 31), als 
der aassergermanischen. Durch die Seitenüberschriften, von denen leider in 
unserer wissenschaftlichen Literatur noch viel zu wenig Gebrauch gemacht wird, 
ist die Auffindung von Einzelheiten sehr erleichtert; doch könnten die rechts- 
seitigen für meinen Geschmack noch specieller gefasst sein, um den vollen 
Nutzen zu haben und das lästige Nachschlagen im Judex ganz unnötig zu 
machen. Warum z. B. S. 47 nicht „Lange Vocale. Diphthonge", S. 49 
jSyncope' statt der nichtssagenden Ueberschrift: „Die Ent Wickelung der west- 
germanischen Vokale im Altsächs.''? oder warum statt der durch viele Seiten 
durchgehenden Ueberschrift ,Substantivdeklination^ nicht lieber: Deklination: 
a-stämme, -i-stämme u. s. w.? Ebenso nützlich sind auch die beständigen 
Rück- und Vorwärtsverweisungen, die bei der Verteilung des Stoffes auf durch- 
laufende Paragraphen rasch zum Auffinden des Gesuchten führen. So erhalten 
alle auffallenden Erscheinungen der Formenlehre ihre Stütze durch Hinweise auf 
die Lautlehre, und auch das reichhaltige Glossar fügt fast jedem Worte einen 
Grammatikparagraphen als Wegweiser hinzu. Die Genauigkeit und Zuverlässig- 
keit der Einzelangaben — bei keinem altgerm. Dialekte freilich so leicht zu 
erreichen und zu controlliren wie beim As. wegen der Beschränktheit des 
Denkmälervorrats — zeigt sich in den statistischen Angaben über die Häufigkeit 
bestimmter Lauterscheinungen in den einzelneu Handschriften. Schade, dass 
hier die Eücksicht auf den Kaum oder wohl auch auf das zunächt ins Auge 
gefasste Publikum genauere Citate nicht gestattete. Doch hätte, glaub ich, in 
den Fällen einmaligen Vorkommens die Angabe der Verszahl des Heliand 
oder der Hinweis auf Wadsteins zu erwartende Ausgabe nicht mehr Platz 
beansprucht als das „1 mal C oder M" (vgl. z. B. 33, Anm. 2; 85, Anm.; 171, 



154 

Anm.; 383, Anm. 1; 388, Anm. 2; 405, Anm. 4; 406, Anm. 2; 413, Anm. 1; 
473, Anm. Gerade die einzelnen Fälle sind oft die wichtigsten für Textkritik 
und Textgeschichte. Wie hedeutnngsvoll diese statischen Angaben für die immer 
noch ungelöste Frage nach dem Verhältnis der Heliandhss. untereinander und 
im weiteren Ausblick für die Frage nach dem Verfasser sind, verrät der Ver- 
fasser selbst, wenn er auf die dem Heliand im Gegensatz zu anderen Denkmälern 
eigentümlichen sprachlichen Besonderheiten nachdrücklich hinweist (z. B. 354, 2, 
4; 308, 3; 265, 8; vgl. auch S. 25. 26) oder die nur in einem Teile der 
Hss. vorkommenden Besonderheiten gebührend hervorhebt (z. B. 205, Anm.; 
248, Anm.; 336, 5; 479, 1 u. ö.). 

In der sprachwissenschaftlichen Beurteilung der Einzelthatsachen bewährt 
H. eine sichere Handhabung der herrschenden Methode, mit Benutzung aller 
bisher ausgesprochenen Ansichten, ohne jedoch in doctrinäre Einseitigkeit zu 
verfallen. Mit Befriedigung habe ich wenigstens bemerkt, dass nicht selten 
(z. B. § 128; 150; 308, 5; 354, 2. 9 u. ö.) bei der Erklärung von Ausnahmen 
auch dem sporadischen Lautwandel vor der Herbeirufung einer unwahrschein- 
lichen Hülfe durch die Analogie der Vorzug gegeben wird. Aber überhaupt 
bleibt wohl nirgends die Erklärung einer Thatsache von auffallender Eigen- 
tümlichkeit unversucht. Dem Kenner entgeht dabei H.'s Vertrautheit auch mit 
dem unbedeutendsten Zeitschriftenartikel nicht, und doch wahrt sich der Ver- 
fasser überall sein selbständiges Urteil. Angenehm berührt auch die Vorsicht 
in der schwierigen Frage nach der Heimat des Helianddichters and der as. 
Denkmäler überhaupt (vgl. S. IX, § 24; 26, Anm.; 28) im Gegensatz zu den 
vorschnellen Behauptungen, die auf diesem Gebiete aufgestellt sind und die zu 
keinem befriedigenden Ergebnisse geführt haben. 

Hebe ich zum Schluss noch hervor, dass mir bei sorgföltigster Lectttre 
auf den beinahe 300 Seiten kaum ein Druckfehler begegnet ist — die ich 
bemerkte, fand ich später in dem auch sonst viele beachtenswerte Nachträge 
und Verbesserungen bietenden Verzeichnisse am Schlüsse des Buches bereits 
berichtigt — , so glaube ich mein Urteil^ dass uns in Holthausens Buch die 
handlichste und beste Special-Grammatik des As. beschert ist, allseitig begründet 
zu haben. Möchte Holthausens Mühe in reichen Früchten, die sie auf dem 
Felde des Heliandstudiums zu zeitigen verspricht, ihre Belohnung finden! 

Ich füge als Beweis meiner aufmerksamen und dankbaren Durchsicht 
seines Buches einige Wünsche und Ausstellungen hinzu, die als Fingerzeige 
gelten wollen, in welcher Richtung das Gegebene noch vervollständigt und ver- 
bessert werden kann. Was den Stoff und seine Behandlung im Allgemeinen 
betrifft, so scheint es wohl überflüssig, Desiderien auszusprechen, die wegen der 
Zugehörigkeit des Buches zu einer nach bestimmtem Plane angelegten ,Sammlung' 
keinen Anspruch auf Erfüllung erheben können. Aber sollte nicht doch für 
einen kurzen Abriss der Wortbildungslehre Baum gewonnen werden können? 
Auch eine übersichtliche Zusammenstellung der Fremdwörter nach ihren Laut- 
verhältnissen — ein alphabetisches Verzeichnis ist nicht vergessen (S. 239 ff.) 
— wäre erwünscht. Wichtiger aber wäre bei der vorwaltenden Rücksicht auf 
Anfänger eine zusammenfassende Darstellung der as. Lautverhältnisse auf 
Grund des urgermanischen oder westgermanischen Lautsystems. Das sechste 
Kapitel nennt sich zwar ,Die Entwickelung der westgerm. Vokale im As.', aber 
dem mit der allgemeinen german. Grammatik noch nicht Vertrauten würde 
durch fortlaufenden Hinweis auf Streitbergs urgerm. Grammatik, besser noch 
durch eine Voranstellung des westgerm. Lautgerüstes ein grosser Dienst geleistet. 
Hier setzt m. E. H. zu viel von seinen Studenten voraus, während er sie 



155 

andrerseits unterschätzt) wenn er es beispielsweise für nötig hält (§ 258, Anm. 2) 
zu bemerken, dass „nicht von jedem Namen alle Kasus gebildet werden", oder 
(§ 422, 2ter Absatz) ein Averbo zusammenzustellen lehrt. Es fehlte nur noch, 
dass H. im guten Eifer uns die Beispiele der Syntax in Uebersetzung gegeben 
hätte (vgl. S. XI)! Durch eine etwas weniger elementare Behandlung hätte 
sich dann doch wohl der Platz schaffen lassen für genauere Citirung, wenn 
nicht in der Laut- und Formenlehre, so doch in der Syntax, deren Beispiele 
man doch häufig lieber noch einmal im Zusammenhang des Textes nachlesen 
möchte. In Zukunft wird freilich mit einfacher Verweisung auf Gall6es oder 
Wadsteins Lexikon sich manches kürzer erledigen lassen. Eine Ungleichheit in 
der Behandlung ist mir aufgefallen zwischen der ersten und zweiten Klasse der 
schw. Verba, indem die der ö-Klasse folgenden Verba nicht aufgezählt werden. 
Mit grösserer Consequenz hätten alle nicht in den Texten belegten Formen 
(z. B. forsvnpan, meiom, bösom, fregnan, timan, swekan u. a.) durch den 
Stern kenntlich gemacht werden sollen. Bei der Aufzählung der den einzelnen 
Paradigmen zugeteilten Wörter (z. B. § 429, 457, 458, 459, 460; vgl. auch 
§191) wäre ein Hinweis auf das Frincip der Anordnung (Stammauslaut) er- 
wünscht, sonst aber die alphabetische Ordnung doch bei weitem vorzuziehen. 

Hinsichtlich der Auswahl der Texte bedauere ich, dass H. aus der Genesis 
nicht den ersten Abschnitt genommen hat, der durch die Vergleichung mit dem 
entsprechenden ae. Stücke so lehrreich ist, und aus dem Heiland nicht das auch 
in P überlieferte Stück des Textes. — Gegen die Anordnung der Syntax will ich 
principiell nichts geltend machen; doch bleibt es — besonders für Lernende — 
unbequem, dass man z. B. die verschiedenen Verwendungsarten des Instrumen- 
tals nicht beisammen hat, oder dass die Conjunktionen nirgends, wenn auch nur 
in alphabetischer Ordnung, alle übersichtlich zusammengestellt sind. — Der 
fremdsprachliche Judex (S. 239 — 242) giebt in dankenswerter alphabetischer 
Uebersicht u. a. die lateinisch-romanischen Wörter; auch die Verzeichnisse der 
gotischen und altenglischen Wörter lassen wir uns noch gefallen; wozu aber 
die übrigen? die allzu vereinzelten mnd., und., nhd. u. s. w. sucht keiner hier, 
nnd dem ganz vereinsamten, zufällig hierher verschlagenen ital. ,tavola* gegen- 
über ist man versucht zu fragen: Was hat man dir, du armes Kind, getan ?^ 
Aach ,quin^ in der lat. Abteilung ist überflüssig. Der dafür verwendete Raum 
konnte besser verwertet werden, z. B. zur Aufnahme der zweiten Bestandteile 
der Composita in das Glossar. 

Wende ich mich nun zu Einzelheiten, so habe ich es für unnötig ge- 
halten, alle statistischen Angaben über das Vorkommen einzelner Laute oder 
Formen nachzuprüfen; wo eine grössere Verschiedenheit zwischen H.'s und 
meinen Bemerkungen besteht (z. B. § 479, 8, wo H. für wolda C 26, ich 
dagegen 36 Belegstellen kenne), werden die hoffentlich bald erscheinenden 
Lexica entscheiden, wem von uns das wahrlich nicht grosse Unglück passirt ist 
sich zu verzählen oder eine Kleinigkeit zu übersehen. Meine Sammlungen 
bemhen übrigens, wie ich hier bemerken möchte, nur für die von Gall6e zum 
ersten Male veröffentlichten Gregorius- und einen Teil der Essener Glossen auf 
dessen Ausgabe der Kl. Denkm., im übrigen auf den sonst als zuverlässig 
bekannten Hülfsmitteln. (Vgl. Holthausens Bemerkung S. VIII.) 

S. X. V ist. doch nicht stets für den Konsonanten f oder b gesetzt? — 
S. 1. Heyne' s Grammatik zu nennen ist Pflicht der Dankbarkeit; auch Gallee, 
As. Laut- und Flexionslehre 1. Leipz., 1878. hätte genannt werden sollen und 
neben Jellinek's Eecenslon von Eoedigers Paradigmata die des Hecensenten im 
Jahrb. XVIII, 160 ff. — § 7. Hasselfelde liegt nicht am, sondern im Harz; 
die Sprachgrenze durchschneidet das Gebirge; Gummersbach in Westfalen dürfte 
etwas genauer bestimmt sein; von Friesoythe nach Brake geht es hinab; die 



156 

Strecke von der Wesermttndung bis zur Schlei lässt H. offen und somit die 
Friesen der Weser- und Eibmarschen unberücksichtigt. — § 8. Das um Corvey 
Jngwäonen' gewohnt hätten, scheint mir unbewiesen. — § 26. An anderer 
Stelle (308, 3) erwähnt H. als ein weiteres wichtiges Charakteristicum für die 
Sprache der Bibeldichtung die Endung des g. d. sg. der schw. m. und n. auf 
-en. — § 27. Auch die Vervielfältigung von Hss. nach Diktat ist bei der 
Herkunftsfrage nicht ausser Acht zu lassen. — § 29. In der Ansetzung ,ing- 
wäonischer^ Eigentümlichkeiten ist m. E. grössere Vorsicht geboten; -a statt -o 
in Endungen findet sich in Eigennamen auch in Gegenden, wo von »Ingwäonen' 
nicht die Eede sein kann. Hier wird die Namensuntersuchung hoffentlich noch 
manches zur besseren Erkenntnis der as. Mundarten beitragen. — In den §§ 29 
und 30 wäre eine Angabe über das numerische Verhältnis der fremden Elemente 
sehr erwünscht gewesen; auch das Vorkommen von Frisonismen hätte stärker 
hervorgehoben werden müssen. Zu den fräuk. Einflüssen gehört das -in des 
d. pl. (vgl. 296, 3). — § 33. Dass neben d« das doch wesentlich nur auf den 
Inlaut beschränkt bleibt, auch in grossem Umfange und für die Kl. Denkm. 
ausschliesslich th die deutsche Spirans bezeichnet, wird aus der Fassung des § 
nicht klar. — In dem übrigens trefflichen 4. Capitel über die Schrift, das aach 
die Interpunktion berücksichtigt, vermisse ich eine Bemerkung über gg = ng 
(vgl. § 53). — § 40. Für i in der Bedeutung des Konsonanten j hätte ein 
Beispiel mehr Wert als die Zufügung von »(engl. y)". Ebenso würden die in 
§ 41 ff. gegebenen Regeln für die Aussprache durch Anführung von je einem 
Worte an Deutlichkeit gewinnen. — § 50. ch ist ,im Allgemeinen' so selten, dass 
es sich verlohnt hätte die wenigen Wörter anzuführen; ebenso möchte gewiss 
mancher wissen, wann es gelegentlich statt k steht. — § 52. Dass g in lang 
wie k gesprochen ist, bezweifele ich; auch scheint es mir nicht ausgemacht, ob 
schon im As. auslautendes g wie nhd. ch klang; warum sollte man vor der 
Schreibung ch zurückgeschreckt sein, da man doch im Auslaute auch f statt b 
oder V schrieb? die tastenden Versuche der Fr. Heb. (twentihc, thritigh, thritiCf 
Burchr) verweisen den Uebergang in die stimmlose got. Spirans in jüngere 
Zeit. — Nicht nur gi, auch g allein steht für j (jger), — § 54. H. schreibt 
hier und immer thoh mit kurzem o; legt er der Form thiwh (Gen.) keinen 
Wert bei? dann hätte es § 108 eine Bemerkung verdient. — § 54, 3. Sollte 
h vor Consonanten nicht noch mehr bezeichnet haben als ,Stimmlosigkeit der 
folgenden Laute*? — § 56. Beispiele! — § 57. Warum in die Ferne schweifen? 
m. W. wird qu im Deutschen geradeso gesprochen. — § 58. Können wir 
schwerlich wissen. — § 59. Allgemein nhd, ist die Aussprache seht und schp 
doch nicht; ich denke, die nhd. sprechenden Nachkommen der Altsachsen bleiben 
einstweilen noch beim altererbten st und sp, — § 64. z in den Eigennamen 
bleibt unerörtert. — Die § 65 und 66 halte ich für ziemlich überflüssig, da- 
gegen sind die §§ über Wortakzent (sie!) und Satzakzent neu und gut; nur 
wäre in § 74, 3 bei dem Gebrauche von ,lang* in quantitativer Bedeutung der 
Hinweis auf S. 216 von Nutzen gewesen. — § 78, Anm. Kann nicht in twelif 
6 ohne die Mittelstufe des i zu u geworden sein? In biri, miri, giriwan spielte 
beim Uebergang von e zu i ohne Zweifel auch das r eine Eolle. — § 80. Ob 
in hahdi wie in ahdiska nicht doch lautliche Gründe den Umlaut hinderten? 
ebenso in kraftig neben einem *krahtig? — § 84, Anm. 2. Auch qttem und 
werd kann man zu den von H. aufgezählten Wörtern stellen. — § 86, Anm. 2. 
Mir ist nicht zweifelhaft (L. u. Form. S. 103, Anm. 4), dass die in C so häufige 
Schreibung guod für god mit dem in der Vorlage geübten Brauche, den Namen 
Gottes vor dem Adj. göd auszuzeichnen, zusammenhängt. — § 91. In den Nach- 
trägen nimmt H. giwegi, einer Conjektur Wadsteins folgend, als entstanden ans 
giiüögi zu *wahan; die Bedeutung ,suggerat' hindert aber nicht, giwegi als conj. 



157 

pract. zu dem auch in den Prud. Gl. (giwegana) belegten Verbum wegan 
,wägen', mnd. wegen ^erwägen, achten^ zu stellen. — § 92. 93. H. setzt für 
die verschiedenen Formen, in denen nhd. ,hier* im as. auftritt, zwei Grandformen 
hhfy hier und hlr an ; ich möchte doch in allen Schreibungen nur graphische Un- 
sicherheit in der Wiedergabe des germ. e sehen, das auch in ür (=» ahd. ziar) 
durch i {y) wiedergegeben ist; freilich nimmt H. auch in diesem Worte altes i 
an. Das von H. auch mit e angesetzte lef hat aber schon wegen der ae. und 
fries. Formen sicherlich kurzes e; G hat in diesem Worte niemals ie, auch der 
acc. sg. lefna spricht gegen lange Stammsilbe. — § 96. Darf man früa von 
ahd. frouwa trennen und das ü als germ. ansprechen? ich verweise auf das 
parallele Verhältnis von sknen (Glauben MSD.) zu ahd. schouwen, — § 103, 
Anm. sucht H. den auffallenden Plur. liodi durch Anlehnung an liod ,yolk' oder an 
liodan , wachsen' zu erklären. Was ,Leute' mit dem Begriff , wachsen' zu thun 
haben könnten, ist mir rätselhaft; einen sg. liod giebts nicht, wo ein sg. vorkommt 
(Prnd.) heisst er als i-stamm natürlich immer, nicht ,meist' liud, — § 135. Einen 
vermutlichen acc. lat. Gaestyrem als Grundform für kesur anzusetzen, hat H. sich 
scheinbar von Kluge (Grdr. I^ 335) verleiten lassen; um das u in kesur neben 
kesar zu erklären, läge es näher an Analogiebildung nach anderen, lat. Nomi- 
nativen auf 'Or entsprechenden Lehnwörtern zu denken, wie H. selbst in *meiur 
,Meier' § 269 (neben meiar § 138, 2) eins ansetzt. Mir scheint aber schon die 
Nachbarschaft des r genügend, um der schillernden Schreibung das Auffallende 
zu nehmen (vgl. ohor, mödor, dohtor; undor Gen., die Comparativadv. auf 
-ar und ähnl.). Von der geschlossenen Silbe des nom. acc. sg. ging der dumpfere 
Vogal dann auch in die offenen der übrigen Casus über. — § 139. slutilas 
ist accpL, nicht gen. sg. — Anm. Einer vagen Ableitung zu liebe tolna von 
mlat. toloneum, neben dem noch andere volkstümliche Formen existirt haben 
mögen, zu trennen, halte ich für unnötig. — § 147. iupana bedeutet ,von 
oben\ — § 164, Anm. 1. Mir scheint umgekehrt der seltene nom. se nach den 
obliquen Casus sees, see sich gerichtet zu haben. — § 166. Aus der Schreibung 
des Gott, thuog, suoti, huo, gisuor ist nicht mit Sicherheit zu schliessen, dass 
für den Schreiber dieser Hs. w vor lU) unhörbar verschwunden sei; hier handelt 
es sich doch nur um eine graphische Eigentümlichkeit (vgl. § 94, Anm. 1); 
dem Schreiber von C war eben in diesen Fällen uo = uuo (= umo oder wo). 
Denn es ist doch mehr als unwahrscheinlich, dass die eine Hs. im Gegensatz 
zu M gerade vor uo, in dem der ö-laut doch noch überwog, das w hätte aus- 
stossen sollen, während sie es vor u (bithuungan, suulti, huurhun) bestehen 
Hess. Jedenfalls käme der Systemzwang, durch den H. in diesen Verbalformen 
die Bewahrung des w vor u erklärt, doch auch thuog zu gute. Ich stelle auch 
noch zur Erwägung, ob nicht in der Schreibung uo die mechanische Wieder- 
gabe der Vorlage, in der wie in M (thuog, suoti, gesuor, huo neben huuo) in 
solchen Fällen t^ = wo war, zu sehen ist, wodurch die Fälle für Bewahrung 
des ö in C um ein beträchtliches vermehrt würden. Es ist sehr schade, dass 
weder in V und P noch in irgend einem der Kl. Dkm. entsprechende Formen 
überliefert sind; denn was für C gilt, müsste auch für diese gelten. Erwähnt 
mag noch sein, dass neben der Form mit Ausfall des w thungun sich in den 
Prud. Gl. auch bethuunganussi findet. — § 166. b) net ist als eine durch 
Accentverlust entstandene ganz singulare Erscheinung von den übrigen Fällen 
zu trennen ; für diese empföhle sich mehr eine positive als negative Fassung der 
Eegel. — § 168. C schreibt niuuian, niuuon, thiuun (5027), ja sogar thiui, 
dagegen nur einmal thiuuu^ (285); ich möchte aus dieser einen Form nicht 
schliessen, dass im as. w vor j wirklich geminirt ist. — 170. ^f für j auch in 
getheswes Ess. Gl. — § 173, Anm. 2. Ausser in C zeigt sich eine solche 
falsche Setzung von i auch z. B. in hlüttarWcio (Beichte). — § 177, Anm. 1. 



158 

Bei der verhältnismässig häufigen Schreibung siu3ca u. s. w. scheint die 
Annahme eines Schreibfehlers ausgeschlossen. — § 179, Anm. Bei giwerthirid 
liegt es doch näher an mnd. werderen zu denken, als an eine Ableitung von 
witkar mit ,Einschub eines r der folgenden Silbe'. — § 191 (vgl. 131 und 116. 
Anm., wo aber fälschlich ohost statt ohast steht). Die Form ofsttico macht mir 
H.'s angedeutete Ableitung von anst fraglich. — § 193. In penniggo ist gg 
die auch sonst vielfach bezeugte Schreibung für ng; vgl. die oben zu Capitel 4 
gemachte Bemerkung. — 199, Anm. Die von H. vermutete Form *seffian findet 
sich in hiseffe (Mers. GL), also freilich in einem Denkmal, das zu den ,ing- 
wäonischen' zu rechnen ist. — § 200, Anm. 1. Zu den Schreibfehlern rechnet 
H. (s. Nachträge) auch thomda (Prud. Gl.) für dömda; ich vermute mit Aus- 
lassung eines anlautenden a athomda ,vaporat halitumV — Anlautendes T für 
Th in Eigenamen beschränkt sich — und nicht nur in Freck. H. — fast aas- 
schliesslich auf Koseformen, was mit der conservativen Behandlung der urkund- 
lichen Form der Namen zusammenhängt. — § 200, Anm. 2. Wegen des 
auslautenden t an Stelle von th verweise ich nochmals nachdrücklich auf Behag- 
hels Aufsatz in Germ. 31, 384, aus dem hervorgeht, dass wir es hierbei nicht 
mit Nachlässig&eit des Schreibers zu thun haben. — Zu § 201, Anm. ist das t 
in mnd. natd, schetel, vielleicht in -buttü (in Ortsnamen) zu erwägen; vgl. 
auch ensetlio Ess. Gl. Auch der Schreibung mUtno (0 3292) und ähnl. möchte 
ich nicht alle Bedeutung für die Aussprache absprechen. — Zu den in § 206 
und Anm. gegebenen Thatsachen wären genauere Belege erwünscht. — § 210, 
Anm. 2. Die Assimilation in wirrista erinnert an friea. wirra. — § 220, 
Anm. 1. In den Eigennamen vertritt das nicht nur in der Fr. H. vorkommende 
b den aus der Gemination, wie sie in Koseformen beliebt ist, stammenden Yer- 
schlusslaut; oder liegt etwa Anlehnung an obd. Schreibgebrauch vor? Uebrigens 
haben die Werdener Urkunden b oder u nur in den Vollnamen (z. B. JEhiur-), 
in den Koseformen b oder bb: Ebbi, Ebo, Ebbuko, Oebba, Oeboko u. a. — 
§ 220, Anm. 2. H. ist im Irrtume, wenn er behauptet, dass ^ in M b (b) 
überwiege; absolut gezählt hat C sogar mehr u als M, aber in beiden Hss. ist 
b (b) bei weitem in der Mehrzahl. — § 224. Die eigentliche Bedeutung von 
lubbian ist nicht ,heilen\ — § 227, Anm. obult verdankt sein o- der Anlehnung 
an a-belgan. — § 229. Für die Alliteration zwischen g und j wären Beispiele 
erwünscht. — § 234. In der Schreibung -* für -ig verrät sich ags. oder fries. 
Einflass; in der ,umgekehrten Schreibung' vielleicht Nachwirkung des Schreibens 
nach Diktat. — § 237. Die Hs. der Petr. Gl. hat nappas. — § 240. Für 
snottar habe ich in meinen Sammlungen keinen Beleg; sollte es aus Braune's 
ahd. Gramm. (1886), § 96, b) stammen, dann müsste ich an der Zuverlässigkeit 
von H.'s Material irre werden. — § 247, Anm. 1. Inwiefern das th in den 
part. praes. auf -anthi (Prud.) auf falscher Wiedergabe des / der hd. Vorlage 
beruhen könnte, verstehe ich nicht. — § 248. Von einer ,Menge* von t statt d 
kann — wenn man von der 3. sg. und dem ppp. der schw. Verba absieht — 
nicht die Bede sein, durchaus auch nicht in ,fast allen Denkmälern\ — § 253, 
Anm. 1. Wie kann in herrosto das rr aus dem Auslaut übertragen sein, wenn 
her niemals mit doppeltem r geschrieben ist? Sollte hier nicht vielmehr An- 
lehnung an herro vorliegen und überhaupt die Gleichheit der Aussprache von r 
und rr mitspielen, die wiederum die im selben § unter 4. behandelte Schreibung 
hero, herino verursacht hat? — § 257. f ist im Inlaut nicht nur ,oft\ sondern 
fast immer zu b geworden. — Da so überaus häufig d statt d geschrieben 
wird, so können Formen wie gilidan, tvurdun u. a. nicht für das Fortbestehn 
des germ. ,Wechsels^ benutzt werden; der zwischen egithassa und eividehsa an- 
genommene Wechsel reiht sich nicht in die Gruppe hw — w ein und scheint 
mir überhaupt nur auf einem Schreibfehler zu beruhen. — § 258, Anm. 3. 
Wie gibeddeo als Adj. verwendet werden könnte, ist mir unklar. — § 259. 



159 

Zn beachten ist die häufige Verwendung der Abstracto im Plural. — § 261. 
Dass gibenheon nur in Piur. vorkommt, ist doch nur Zufall; lieber hätten 
ml^mos, fratoüy sinhiun erwähnt werden können. — § 264. Warum wählte 
H nur gerade diuhcU zum Paradigma, von dem im 8g. zufällig nur der Gen. 
in nnsynkopirter Form belegt ist (cf. 138, 1)? das muss den Anfänger ver- 
wirren. — § 265, 1. Der von H. aufgestellte Unterschied in der Verwendung 
der beiden Genitivendungen -es und -eis in der Freck. Heb. beruht nicht auf 
den Thatsachen : neben maltes kommt maltas mehrfach vor. Das Zahlenverhältnis 
von -e^ zu -as in C und M ist derart, dass die -as nicht den 20sten Teil der 
-es bilden. — § 265, 4. Beispiele für Locative stecken auch in den mit van 
oder an verbundenen Ortsnamen Vehüs, Nianhüs, Bekehem, Hupelesunk (Ess. H.), 
Berghem, Panemk, West&nmk, Vhhüs (Fr. H.); an dag wird von H. für 
Analogiebildung erklärt; dazu gab es doch zu wenig Vorbilder, da ja umgekehrt 
neben te und at hüs, wenn nur noch ein Wort zwischen Praep. und Subst. stand, 
der dat. huse eingetreten ist: after, an, fan, ohar, ie themu Mse; aber an 
wird in temporaler Bedeutung häufiger mit dem acc. als mit dem lat. verbunden. 

— Nach § 185, Anm. 2 ist ü in V ,meist^ in um aufzulösen, nach § 265, 8 
ist die Auflösung zweifelhaft. Da der Abkürzungsstrich nur einmal für n ge- 
braucht ist {sciäun 232), in vielen Fällen aber sicher für m {warn 215, 257; 
quam 239; umbi 266; gum- 266; tkem als d. sg. 329. 333. 334; them als 
d. pl. 238. 304, so ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch in den zweifel- 
haften Fällen, im dat. sg. m. der pronominalen Adjektivdeclination, im dat. pl. 
nnd in bium der Strich in m aufzulösen ist. — § 276. ,Zahlreich^ sind die 
Nomina actoris auf -ari u. s. w. nicht. — § 283, 4. Bei der Seltenheit des für 
-a im g. sg. der ä-decl. eintretenden -e kann man es hier wie im dt. sg. kaum 
als ,ingwäonisch' bezeichnen. — § 283, 6. thiadono Ess. Gl. hätte gegenüber 
dem ausschliesslichen Gebrauch von thiodo im Hei. bemerkt werden sollen. — 
§ 306, Anm. 2. Verdienen die wenigen auf -hed ausgehenden Wörter ,zahl- 
reich* genannt zu werden? — § 311. wathan hä^te als a. pl. bezeichnet 
werden sollen. — § 314. Es ist für die Handschriftenverhältnisse nicht gleich- 
^Itig, dass -on in P nur einmal (988) vorkommt. — § 321, Anm. 1. dat. 
waldand auch in CM zweimal; die gleiche Form in Gen. 57 wird von Braune 
für acc. sg. gehalten, daneben hat Gen. 93 waldanda, — § 326. Die Bevor- 
zugung von mik und thik im Paradigma vor mi und thi ist irreführend; das 
gleiche gilt von eu vor iu, — § 334, 3. Sollte mähte nicht ebenso ein Schreib- 
fehler sein wie gisahe für gisah he M 1245? — § 336, 4. Zu der Schreibung 
thas statt thes erinnere ich an trasa (Prud.) statt tresa und gles statt glas. — 
§ 350, Anm. Wegen managon erlaube ich mir auf Jahrb. 20, 117 zu ver- 
weisen; die schw. Feminindecl. zeigt in den obliquen Casus in V fast immer 
-un. — § 360, Anm. Da j nach h meist ausfällt (firiho, giscicohe, giwihat), 
so schiebe ich das Fehlen des h in den obliquen Casus von sphki (mit Aus- 
nahme von spsJdon C 2719) lautlichem Einfiuss zu. — § 364, 6. Die von H. 
als schw. dat. in Anspruch genommene Form diapun (Gen. 29) ist ein weiterer 
Beleg (vgl. Unters. S. 40 u. Jellinek, AfdA. 24, 220) für die Verwendung der 
starken Form nach unbestimmtem Artikel. Eine auf dies Verhältnis sich be- 
ziehende Bemerkung wird § 350 vermisst. — § 376. Hat hwar nicht langes a? 

— § 376, Anm. Zur Berufung auf Jellinek fehlt das Citat. — § 391, Anm. 
Die Form öäer in öder sidu sucht der Schüler gewiss zuerst unter § 387, wo 
dann ein Hinweis auf 391 zu geben war. — § 392, 5. muss es heissen: mit 
passiver und bei neutralen Verben activer Bedeutung vgl. § 397). — § 402. 
Tgl. § 153, Anm. 4. — § 405. Das t kann ebensogut aus th entstanden sein 

— § 411. Eine Erklärung für das d im dat. te g&nde wird vermisst. — 
§ 412, Anm. 4. Für die Uebertragung der Endung des n. sg. der part. praes. -i 
auf den n. acc. pl. bedarf es schwerlich das Hinweises auf die doch im Ganzen 



160 

sehr seltene Schwächung des auslautenden -i zu -e; auch bei den adjectivischen 
jia-stämmeu findet sich der n. pl. m. auf -i G 4397. Die Verwendung des nom. 
sg. aller Geschlechter und des n. a. pl. n. auf i in attributiver und praedicativer 
Stellung zog die gleiche Behandlung des genannten Pluralcasus nach sich. — 
§ 421. ödan und ökan kommen doch gerade nur als Adjectiva vor. — § 429. 
Vollständigkeit der Verba ist hier wie bei den folgenden Klassen wohl nicht 
beabsichtigt, obwohl man sie nach dem ,so gehen :^ erwartet; die Verteilung auf 
zwei §§ schädigt die Uebersichtlichkeit. klidan bedeutet zunächst ^decken' ; slgan 
^sinken, sich niederlassen^; skntan kenne ich nur aus Hild., dessen Wortschatz 
sonst von H. nicht berücksichtigt ist, wie es auch unter den Quellen nicht 
genannt ist. — § 431. Die nur in den Gl. von St. Pet. vorkommende Form 
sugo berechtigt doch nur zu vorsichtiger Annahme eines *sügan. — § 432. 
Für grammatischen Wechsel lässt sich, da jedes b im Auslaut f geschrieben 
wird, die ausserdem unbelegte Form höf nicht verwenden vgl. auch § 437. — 
§ 434. hithwindan übersetzt lat. ,secum contendere'. — § 436. Warum benutzt 
H. nicht wirklich belegte Formen wie sivultun, sumlti? — § 438. niman! 
für ein anzusetzendes *timan fehlen überhaupt Belege. — § 439. *swekan 
beruht nur auf einer freilich durchaus plausibeln Conjectur; von drepan, plegan, 
tregan sind die für die Zugehörigkeit zur 4. Ablautsreihe entscheidenden Formen 
nicht belegt. — § 441. *ligi kann nur nach sweri, neri erschlossen werden. 

— § 444. Zu suor vgl. das oben zu § 166 bemerkte. — § 447. Gerade die 
von haldan belegten Formen zeigen niemals Umlaut. — § 448, Anm. 1. Ich 
zähle in C 11 Belege für fieng. — Zu Anm. 2 vgl. PBB I, 506. 

Zu dem Paradigma auf S. 158 ist noch zu bemerken, dass wenn die 
Formen nach der Häufigkeit ihres Vorkommens geordnet sein sollten, im Conj. 
praes. dnhan vor dnben gestellt werden musste. — § 457. Warum wählte 
H. gerade -swebbian als Paradigma, von dem nur swehidi und -swehit belegt 
sind? — § 458, Anm. 1. In dem citirten § finde ich über hugda nichts. — 
§ 459 a) füge hinzu: tögda, wihda, b): kierta, umbette. — § 460 b) hmchian 
verdiente einen Stern. — § 473. Die seltene Form bis steht irreführend voran. 

— § 480. in fon Östan thesaro erdu (566) halte ich th. e. für den Dativ. — 
§ 486. Es verdient Beachtung, dass besonders in negativen Sätzen der Geuiti? 
partitivus vor dem Acc. bevorzugt wird, z. B. 1 26. 4565. 5653. — § 507, Anm. 
Ausser Äno noch andere? — § 541, Anm. Hier und im Glossar schreibt H. 
newan, nowan, dagegen § 125 nevan^ neven; m. E. ist die Schreibung mit w 
unberechtigt. — § 546. Für Anakoluthe und Ellipsen vermisst man den Hin- 
weis auf wenigstens ein Beispiel, — S. 217 wird bei der Alliteration von g: 
j auf § 229 verwiesen, wo aber, wie schon oben bedauernd bemerkt, nichts 
näheres zu finden ist. — Bei den Heiland- und Genisistexten hätte sich die 
Beibehaltung der Originalverszahlen empfohlen zu bequemerer Vergleichung. 
In den Anmerkungen sucht man vergebens nach einer Erklärung der emeudirten 
Genesisstellen. — Im Glossar ist unter Ämutha auf § 106 verwiesen, wo aber 
nichts darüber steht; bei Aningeralo u. a. Ortsnamen fehlt die Quellenangabe, 
ohne die kaum eine Veranlassung zur Aufnahme in das Register vorlag, da ja 
auch die Personennamen nicht berücksichtigt sind. Dass nicht alle in der 
Grammatik behandelten Wörter aufgenommen sind, ist schade; gerade durch 
Oonjektur gewonnene wie dömian, hmchian^ swekan sollten nicht fehlen. 

DORPAT. W, Schlüter. 



Berichtigungen zu ^Laurembergs Scherzgedichte': 

S. 53: unter III 6.) ist bei Korrespondenzbl. XV 'u. 84 fE.' zn streichen, dafür 'XVI, 2 S. 28 
und 3, S. 89' einzufügen; weiter hinter Puls: »Sprenger». — S. 54 unter V 7) lies •62—72 u. 139—148'. 



Jahrbuch 



des 



Vereins für niederdentsche SpracMorschang. 



Jahrgang 1900. 



XXVI. 



NORDEN DDd LEIPZIG. 

Diedr. Soltau's Verlag. 
1900. 



Druck von Diedr. Soltau in Norden. 



Inhalt. 



Seite. 

Die niederdeutschen Lieder des IG. Jahrhunderts. Von A. Kopp .... 1 

Verzeichnis der Lieder 52 

Die Mundarten im nordwestlichen Teile des Kreises Jerichow I (Schluss). 

Von G. Krause 5G 

Anhang. Wörterverzeichnis. Von 6. Krause 64 

Idiotismen des Flensburger Plattdeutsch. Von H. Hansen 81 

Friedrich Wilhelm Albrecht, der Verfasser der Plattdeutschen Gedichte von 

einem altmärkischen Landmann. Von F. Wen /.lau 85 

Volkstümlichkeit Bornemanns. Von W. Seelmann 113 

Der Weg, *die Wand'. Von C. Walther 116 

Kinderspiele aus Schleswig-Holstein. Von Heinr. Carstens 124 

Zum Berliner Totentanz. Von R. Sprenger 142 

Zu Reuters Läuschen 'De Sokratische Method'. Von R. Sprenger . . . .142 
Niederdeutsche Glückwunschgedichte des 18. Jahrhunderts. Von II. Deiter 143 

De etymologie van nederlandsch ooit. Von Hj. Psilander 146 

Anzeigen : Wadstein, Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler. Von W. Schlüter 148 

Maurmann, Grammatik der Mundart von Mülheim a, d. Ruhr. Von 

J. Bernhardt 154 



Die niederdeutschen Lieder des 

16. Jahrhunderts. 



^<^^^k^^«^^^^^^^^w% 



Seitdem Uhland in sein musterhaftes Werk 'Alte hoch- und 
niederdeutsche Volkslieder' aus einer ihm gehörigen (nunmehr der 
Tübinger Universitäts-Bibliothek einverleibten), leider gerade vorn und 
am Schluss beschädigten, mithin dem Titel, Ort und Jahr nach 
unbestimmten Sammlung niederdeutscher Lieder zahlreiche Proben 
aufgenommen hatte, welche die Aufmerksamkeit in besonders hohem 
Grade zu fesseln geeignet sind, schien es fast, als ob dies nieder- 
deutsche Liederbuch einzig in seiner Art und unsre Kenntnis der 
niederdeutschen Lieder abgesehn von manchen Einzeldrucken auf 
diese Hauptquelle allein beschränkt bleiben solle. Aber wenigstens 
noch von einem zweiten, freilich viel stärker als das Uhland'sche 
verstümmelten niederdeutschen Liederbuche ward inzwischen der 
Oeffentlichkeit Kunde zu Teil. In seinem 18. Jahrgange, 1857 S. 
262 ff., brachte das 'Serapeum' eine wichtige Abhandlung, die sich 
folgendermassen einführt: 'Fragment eines alten Nieder-deutschen 
Liederbuches im Besitz der Hamburgischen Stadtbibliothek, auf- 
gefunden und mitgetheilt von Joseph Ludewig de Bouck. Das Frag- 
ment dieses Liederbuches besteht aus sechs Kleinoktav-Bogen, die, 
vom Buchbinder zusammengeklebt, seiner Zeit die Pappen zu einem 
Büchereinbande bildeten, in welchem sie bis jetzt erhalten und in 
dessen abgängigem Umschlage der Zufall sie mich kürzlich auf der 
hiesigen Stadtbibliothek entdecken liess. Titel, Anfang — die ersten 
neun und vierzig Lieder — so wie das Ende, auch Druckort und 
Jahrzahl fehlen, ferner ist unten von den Bogen etwa ein Zoll breit 
abgeschnitten, wodurch manche kleine Lücken entstehen. Wenn schon 
die Einzeldrucke älterer Platt-deutscher Lieder zu den Seltenheiten 
zu zählen sind, so werden doch besonders die grösseren derartigen 
Sammlungen, die eigentlichen Liederbücher, vorzugsweise als solche 
zu betrachten sein . . . Unser Fragment enthält in einer Reihen- 
folge neun und fünfzig mit der fortlaufenden doppelten Bezeichnung 
'L. 50' bis 'CIX. 109' versehene Lieder. Die Nummer 'GVL 106' und 
'CVIIL 108' ist ausgelassen, dagegen sind zwei Lieder mit 'CVIL 107' 
bezeichnet. Es ist nicht paginirt und die erste vorhandene Seite 
beginnt mit nachstehendem Schluss von Nr. 49: Beschlut. Myn 
Hertleef ewich an endt' . . . 

Niederdeutsches Jahrbach XXVI. 1 



De Bouck gibt nun die Liederanfange von Nr. 50 — 109 (rich- 
tiger 108) und fährt S. 265 fort: 'Eine grosse Zahl (24) von diesen 
Liedern habe ich in den neueren Sammlungen alter Volkslieder und 
andern Schriften nur in hochdeutschem Text, so wie zwei in nieder- 
ländischer Mundart abgedruckt gefunden, es würde jedoch zu weit 
führen, auch von diesen den Niederdeutschen Text abzudrucken; es 
folgen daher hier nur diejenigen Lieder, welche ich in den genannten 
Sammlungen überhaupt nicht finde, die also vielleicht nur Wenigen 
oder noch gar nicht bekannt sind'. Demnach druckt de Bouck 
folgende Lieder ab: 

S. 265: Nr. 64 Im schimp bin ick belagen 

S. 266: Nr. 65 Groth leeff helft my vmuangen 

S. 267: Nr. 66 Ach Godt wat schal ick maken nu 

S. 273: Nr. 75 Ick weth wol eine der was ick leeff vnde werdt 

S. 274: Nr. 79 . . . Anfang fehlt . . . Ogekens schon, | stahn my tho dohn . . . 

S. 275: Nr. 83 Hapen vnd harren ys myn begehr 

S. 279: Nr. 86 Schöns leeff wo heffstu my so gar vorgeten 

S. 290: Nr. 88 Ick weth my ein zartes Leuekin 

S. 292: Nr. 90 Myn Fynsleeff stundt in sorgen 

S. 293: Nr. 94 valsche Hert o roder Hundt 

S. 294: Nr. 99 So gantz vnd gar allein 

S. 297: Nr. 101 Her Godt wem schal ickt klagen 

S. 305: Nr. 104 Wy drincken alle gerne 

S. 307: Nr. 107 Entlouet wern vns de Wölde 

S. 310: Nr. 58 Ick hadde my vnderwunden 

S. 311: Nr. 71 Van edler Art . . . 

'Dieses Lied ist zwar hochdeutsch mit geringen Abweichungen 
einzelner Wörter und Ausdrücke in Wackernagels Kirchenlied S. 851 
Nr. 20 und im Ambraser Liederbuch S. 12 Nr. XV abgedruckt, es 
fehlt dort jedoch der hier folgende Anhang oder Schluss: Harpen, 
Gigen, Lutenschlagen ... (10 Zeilen) . . . Ein Orgel, Klock vnd Wullen- 
bagen . . . (5 Z.) . . . das übrige — vielleicht 5 Zeilen — ist ab- 
geschnitten. Die übrigen Lieder sind theils in Hochdeutscher, theils 
in Niederdeutscher und Niederländischer Mundart bekannt.' 

Diese schöne Bereicherung des niederdeutschen Liederschatzes 
übte keine Wirkung dahin aus, den Eifer der Gelehrten wesentlich 
anzuregen, vielleicht weil de Bouck's Veröffentlichung zu sehr ver- 
steckt war in dem nicht sonderlich angesehenen Serapeum; indes auch 
Uhland's niederdeutsches Liederbuch blieb fast ganz unbeachtet. 
Erst nach Ablauf einiger Jahrzehnte trat ein Buch hervor, dessen 
Umschlagtitel also lautet: 'Niederdeutsche Volkslieder. Gesammelt 
u. hrsg. vom Vereine f. niederd. Sprachforschg. Heft L Die nieder- 
deutschen Liederbücher von Uhland und de Bouck. Hrsg. v. d. ger- 
manist. Section d. Vereins f. Kunst u. Wiss. in Hambg. Hamburg 
1883'. Hinten auf dem Umschlag liest man: 'Herrn Joseph Ludewig 
de Bouck zur Feier seiner vierzigjährigen Amtstätigkeit an der 
Stadtbibliothek zu Hamburg in Hochachtung gewidmet'. (So die 
Vorderseite der hintern Umschlaghälfte, die Rs.:) 'Hannover. Schrift 
u. Druck V. Fr. Culemann'. Dem Heft I scheint kein andres gefolgt 



8 

zu sein; es muss doch wohl ursprünglich in der Absicht der Heraus- 
geber*) gelegen haben, zu den Liedern später Nachweisungen und 
Erläuterungen zu bieten, doch ist das aus unbekannten Gründen 
unterblieben. Man hat also in dem ersten solchermassen einen etwas 
unfertigen Eindruck machenden Hefte auf 112 doppelspaltigen Seiten 
153 niederdeutsche Lieder vor sich, dann folgt noch Nr. 154 auf 
S. 113, 114 und der Vorderseite eines ungezählten Blattes, endlich 
noch ein ungezähltes Blatt, dessen Vorderseite folgende Bemerkung 
trägt: 'Wegen des unsaubern Inhalts der Nr. 109 des Uhland'schen 
Liederbuches wurde dies Lied nicht in die Reihenfolge aufgenommen, 
sondern an's Ende verwiesen. Es folgt auf einem besonderen Blatte 
nach, damit die verehrl. Vereinsmitglieder dasselbe nach ihrem Be- 
lieben vernichten oder in die Sammlung aufnehmen können'. Es handelt 
sich eben um das Lied Nr. 154. Ob es überhaupt empfehlenswert 
war, dem Hamburger Bruchstück zu Liebe die Zählung des voll- 
ständigeren Uhland'schen Liederbuches aufzugeben, mag dahingestellt 
bleiben; auch soll mit den Herausgebern nicht deswegen gerechtet 
werden, dass sie die Lieder ganz nackt und kahl — ohne Nach- 
weisungen, ohne Lesarten, ohne Unterscheidung und Kenntlichmachung 
der Stellen, wo zu den in beiden Quellen gemeinsamen Liedern die 
Lücken des ärger verstümmelten Liederbuchs aus dem vollständigeren 
ergänzt sind, ohne Verwertung niederdeutscher Einzeldrucke und 
sonstiger Hilfsmittel**) — veröflfentlicht haben; Hauptsache muss 
bleiben, dass man in dieser höchstwillkommenen, auch bei so be- 
wandten Umständen sehr dankenswerten Veröffentlichung endlich die 
niederdeutschen Lieder des sechszehnten Jahrhunderts in ihren beiden 
bekannt gewordenen Hauptsammlungen bequem beisammen findet. 
Das ganz ansehnlich und sauber wiederhergestellte Bruchstück des 
de Bouck'schen Liederbüchleins enthält nunmehr im Original der 
Hamburger Stadtbibliothek folgende handschriftliche Eintragung: 
Als Herr Dr. W. H. Mielck im Februar 1882 das niederdeutsche 
Liederbuch Uhlands (Geschenk Nyerups an Gräter, dann in Uhlands 
Besitz und von ihm der Tübinger Universitätsbibliothek geschenkt) 



*) Herr Dr. C. H. F. Walther in Hamburg macht mich aufmerksam, dass 
eigentlich nur der verstorbene Dr. W. H. Mielck als alleiniger Herausgeber zu 
gelten habe; auch sonst hat mich Herr Dr. Walther durch freundlichen Rat und 
Nachweisung einiger mir entgangener Belegstellen in dankenswerter Weise gefördert. 
**) [Die Nachweisungen usw., welche hier vermisst werden, würden nebst 
Abdrücken der sonst noch erhaltenen Lieder des 16. Jahrh. die beabsichtigten 
ferneren Hefte gebracht haben, wenn Dr. W. H. Mielck zu ihrer Herausgabe 
gekommen wäre. Er hatte bereits tüchtig vorgearbeitet und u. a. die sämmtlichen 
Berliner Liederdrucke vergleichen lassen oder selbst verglichen, und wollte, hier- 
mit sich nicht begnügend, sammeln was in den übrigen Bibliotheken sich fände. 
Aber der vielthätige und vielschaffende Mann, der neben seiner grossartigen 
fieschäftsthätigkeit vordem im Stande gewesen war auf mehr als einem Gebiete 
der Wissenschaft und fn mehr als einem Ehrenamte mit anerkanntem Erfolge zu 
wirken, musste später auf die Verwirklichung seiner Absicht Verzicht leisten, da 
er durch langjährigen Diabetes gezwungen wurde, seine übergrosse Thätigkeit 
wesentlich zu verringern. W. S.] 

1* 



auf der Hamburger Stadtbibliothek benutzte, fand ich durch Ver- 
gleichung jenes mit diesem, de Bouck'schen, Liederbuch, dass letzteres 
nur eine neue vermehrte Auflage des Uhland'schen ist. Eine genauere 
Collationierung beider Bücher durch Dr. Mielck bestätigte diese Ent- 
deckung. Auch die Ausstattung und Einrichtung der beiden Bücher 
ist ziemlich übereinstimmend. Wahrscheinlich sind beide aus derselben 
Officin und zwar einer Hamburger hervorgegangen. Hamburg, 24. 
Febr. 1882. Dr. C. H. F. Walther.' Diese Sätze treffen, v^ie man 
sich nun auf Grund des Neudrucks vom Jahre 1883 überzeugen kann, 
den richtigen Sachverhalt. Von da, wo das Hamburger Bruchstück 
beginnt, bis da, wo es aufhört, Nr. 50 (bezw. 49) bis 108, enthält 
es alle Lieder des Tübinger Liederbuchs Nr. 50 (bezw. 49) bis 92 
in derselben Reihenfolge, nur mit davor und dazwischen verteilter 
Einschiebung von 16 Nummern. Ueber dem Schicksal der beiden 
Liederbücher hat in mehr als einer Beziehung ein seltsamer Zufall 
gewaltet. Uhland's Nr. 50 entspricht de Boucks Nr. 53, die Nummern 
50 — 52, gerade die drei ersten Nummern des Hamburger Bruchstücks 
fehlen dem Uhland'schen Liederbuch. Da nun anzunehmen ist, dass 
alle Lieder des früheren (Uhland'schen) in das spätere (de Bouck'sche) 
Liederbuch in derselben Reihenfolge nur mit Einschaltung neuer 
Nummern übergegangen sind, so müssen die ersten 49 Nummern der 
beiden Liederbücher sich Stück für Stück entsprochen haben, wie 
Nr. 49, dessen Schlussstrophe das Hamburger Bruchstück schon auf- 
weist, sich beiderseits wirklich deckt. Somit setzt das Bruchstück 
merkwürdigerweise gerade an einer Stelle ein, wo es drei Lieder 
mehr bietet als das besser erhaltene Werk, während der vorher- 
gehende Teil wie berechnet und abgemessen genau so weit verloren 
gegangen ist, als das andre Liederbuch dafür vollkommen Ersatz zu 
bieten vermag. Wenn das de Bouck'sche Liederbuch in dem zweiten 
allein erhaltenen Drittel des ursprünglichen Umfanges von Nr. 50 — 86 
auf 37 Lieder 14 neu hinzugefügte bietet, sodann von Nr. 87 — 108 
auf 22 Lieder nur 2, Nr. 96 und Nr. 107, dabei letzteres noch iden- 
tisch mit Nr. 16 bei Uhland, also wahrscheinlich nur durch Nach- 
lässigkeit doppelt aufgenommen, zufügt, so gewinnt es den Anschein, 
als ob der alte Sammler seinen Vorrat neuer Lieder fast ganz in 
dem Teil von Nr. 50 — 86 erschöpft habe; und wenn er demnach 
im letzten gleichfalls verlorenen Drittel mit den Einschaltungen 
wahrscheinlich sehr nachliess, wo nicht ganz aufhörte, gleichwie 
nachgewiesenermassen im ersten Drittel gar nichts eingeschaltet war, 
so würde vermöge eines in der That ganz merkwürdigen Zufalls der 
durch Vernichtung von zwei Dritteln der erweiterten Liedersammlung 
verursachte Schaden nicht so hoch anzuschlagen sein, als es beim 
ersten Anblick scheinen mochte. 

Da nun eine lange Reihe von Jahren vergangen ist, ohne dass 
irgend woher die Absicht kund geworden wäre, die niederdeutschen 
Lieder in den allgemeinen Zusammenhang des herrlichen Liedervorrats 
aus dem sechszehnten Jahrhundert einzuordnen, darin aber unleugbar 



ein Versäumnis liegt, so wird man es hoflfentlich als unbefugte Vor- 
wegnähme nicht auslegen wollen, wenn jemand, dem die Schätze der 
für dieses Gebiet besonders reich ausgestatteten, im Verhältnis zu 
andern mit geringern Hilfsmitteln versehenen und weniger mitteilsamen 
Anstalten bei weitem nicht genügend ausgenutzten Königlichen Bib- 
liothek zu Berlin zur Verfügung stehn, sich daran macht, das Ver- 
säumte nachzuholen. Freilich handelt es sich dabei fast nur um 
Zusammenstellung entsprechender, bald gleicher, bald ähnlicher 
Fassungen, aber derartige Nachweisungen sind für minder wichtige 
Liedersammlungen eigens angestellt und für nützlich befunden und 
können deshalb für diese ungleich bedeutsameren, ganz unschätzbaren 
Denkmäler niederdeutscher Mundart erst recht nicht als überflüssig 
betrachtet werden. 

Nachdem im Laufe des 16. Jahrhunderts unzählige grössere und 
kleinere Liederhefte mit und ohne Noten durch ganz Deutschland bis 
zu den entlegensten Enden eine Menge von allgemein ansprechenden 
volkstümlichen Gesängen verbreitet hatten, erschienen im letzten 
Viertel des Jahrhunderts, als jener zu unvergleichlicher Blüte ge- 
diehene Volksgesang bereits in Verfall zu geraten begann, kaum 
noch rechtzeitig mehrere zusammenfassende Sammlungen von Lieder- 
texten ohne Noten. Unter diesen Liederbüchern aus dem letzten 
Viertel des 16. Jahrhunderts zeichnen sich als zusammengehörige 
Gruppe aus jene Frankfurter Ausgaben v. J. 1578, 1582, 1584, 1599. 
(Dazu kommt Wolkan's im Euphorien 6,651 flf. v. ihm beschr. Sammig. 
0. J.) Aus dem Jahre 1582 besitzt die Berliner Bibliothek einen von 
dem nach seinem Aufbewahrungsort sogenannten Ambraser mutmasslich 
auch aus Frankfurt a. M. als Druckort stammenden (neu hrsg. v. 
J. Bergmann: Bibl. d. lit. V. 12. 1845) Liederbuche ganz verschiedenen, 
aber doch mit jener Gruppe dem Inhalt nach unverkennbar ähnlichen 
und nah verwandten Druck (s. Hoffmann v. Fallersl. Findlinge 1, 371 ff.): 

*Lieder Büchlin, | Zwey Hundert, | ausserlesene Newe Lieder, | allen Jungen 
Gesellen vnd Züchtigen | Jungfrawen, zum newen Jar getruckt, | mit jhren Melo- 
deyen, sampt einem | Register. | Vormals nie inn Truck auss- | gangen. | (Bild e. 
Pärchen darst.) Anno M.D.LXXXIF. 

Schon wenn man die niederdeutschen Lieder allein mit denjenigen 
dieser beiden Sammlungen v. J. 1582 vergleicht, ergeben sich für 
überraschend viele Lieder hochdeutsche Vorlagen, die zu der Ver- 
mutung führen, dass auch die niederdeutschen Sammlungen im letzten 
Viertel des 16. Jahrhunderts wenn auch allerdings mehr gegen das 
allerletzte Ende hin erschienen sind, als erst einmal hochdeutsche 
Sammlungen vorhanden waren, die dem niederdeutschen Drucker Vor- 
schub leisteten und sein Unternehmen wesentlich erleichterten. Dies 
Ergebnis bietet nichts neues und besonders; eher wird man als er- 
wünschte Bereicherung der bisherigen Kenntnisse vielleicht die zahl- 
reichen Nachweise zu den niederdeutschen Liedern aus mehreren bis- 
lier noch sehr wenig beachteten Handschriften der Berliner Bibliothek 
auzusehn geneigt sein. Nur die Nr. 51 der nd. Lieder bietet die 



Handschrift des Martin Ebenreutter von Würzpur g aus d. J. 1530 
(Ms. germ. fol. 488. Inhaltsangabe m. Auszügen d. Frh. v. Meusebacli 
4^. 714). — Mehr bietet eine wahrscheinlich noch etwas frühere, 
nach Ort und Zeit nicht ausdrücklich bestimmte Hs.: Ms. germ. 41 
718 (Abschrift v. Meusebachs 4^ 731), woselbst 5 von den nd. Liedern 
zu bemerken sind. — Sehr wichtig an sich und für die Vergleichung 
mit den niederdeutschen Liedern sind mehrere Handschriften aus der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Ms. germ. fol. 752, Einband v. 
J. 1568, m. 127 Liedern, wovon 24 den niederdeutschen entsprechen; 
Ms. g. 4^ 402 (Inhaltsang. u. Abschr. v. Meusebachs 4^. 715) mit 
Eintragung Georg von Helmstorflfs 1569, Hanß Fridrich von Helm- 
storffs 1575, woselbst im dritten Teil unter 44 Liedern 10 zu den 
niederdeutschen stimmen; Ms. g. 4^ 612 (Abschrift Hoffmann's 4^. 
716), Einband v. J. 1574, sogenannte niederrheinische Liederhand- 
schrift, worin von etwa 75 (nicht gezählten) Liedern etwa 30 anzu- 
führen sein werden; Ms. g. fol. 753 (Geschenk Prof. Yxems an Frh. 
V. Meusebach), Einband v. J. 1575, zwar eine hochd. Hs., aber wie 
man aus den zahlreichen dem Schreiber unwillkürlich entschlüpften 
niederd. Wortformen ersieht, aus überwiegend plattdeutscher Gegend, 
jedenfalls aus dem nordwestlichen Deutschland, stammend, eine mit 
grosser Sorgfalt und Sauberkeit geschriebene, ganz ausgezeichnete, 
wol auch inhaltlich sehr wertvolle Hs., von deren 150 Liedern 47 
sich unter den niederdeutschen wiederfinden. Von geringerer Be- 
deutung sind manche handschriftlichen und gedruckten Liedersamm- 
lungen aus späterer Zeit oder geringeren Umfangs wie die Liederhs. 
des Seb. Eber v. Nürnberg (1592/6. Berlin, Ms. germ. 4^ 733), 
diejenige für Ottilia Fenchlerin v. Strassburg (1592. Birlinger: Ale- 
mannia, 1. 1873 S. 1 — 59) u. a. m. Dagegen soll mit besonderm 
Nachdruck auf die nahen Beziehungen hingewiesen werden, in denen 
die handschriftliche Liedersammlung des Freiherrn von Eeiflfenberg 
(1588. Nouv. Souvenirs d'Allemagne . . . Par M. le Baron de Reiffen- 
berg, I 1843 S. 207 — 87) zu dem niederdeutschen Liedervorrat steht. 
Mit letzterem auffallend viele Berührungspunkte weist auf die bereits 
in's folgende Jahrhundert gehörige Handschrift des Rostocker Stu- 
denten Petrus Fabricius (1603/8. Kopenh. Ms. Thott, 4«. 841. 
Bolte^): Nd. Jahrbuch 13, S. 55 — 68), sowie das wenig früher gedruckte 
nicht sehr lobenswerte Liederbuch des Druckers und Reimschmiedes 
Paul van . der Aelst ('Blum vnd Außbund Allerhandt Außerlesener . . . 
Lieder vnd Rheymen ... so wol auß Frantzösischen, als Hoch- n\i 
Nider-Teutschen Gesang- vnd Liederbüchlein' Deuenter 1602); jedocli 
diese beiden Sammlungen kommen als Quellen für die niederdeutschen 
Lieder, deren Druck zwar gewöhnlich in den Anfang des 17. Jahr- 



*) Der um die deutsche Liederforschung hochverdiente, stets in selbstloser 
Weise hilfsbereite Herr hat mir seine handschriftlichen Auszüge und gedruckten 
Abhandlungen über mehrere Liederbücher freundwilligst zur Verfügung gestellt, 
wofür den schuldigen Dank auszusprechen mir eine angenehme Pflicht ist. 



hunderts gesetzt wird, aber wahrsclieinlich in das Ende des 16. gehört, 
nicht mehr in Betracht. Es wird ohnehin für die meisten dieser 
Lieder, sofern dieselben nicht schon von Anbeginn an niederdeutsch 
waren und nicht ausschliesslich innerhalb der niederdeutschen Mund- 
art geblieben sind, aus Handschriften und Drucken der früheren Zeit 
mehr als genügender Stoff zur Vergleichung und Quellenkunde bei- 
gebracht werden, und es liegt kein Anlass vor, ängstlich darauf be- 
dacht zu sein, dass möglichst viele Sammlungen früherer und späterer 
Zeit durchforscht werden, um für jedes Lied alle irgend erreichbaren 
Nachweise zusammen zu suchen. Sobald einmal der Zusammenhang 
eines niederdeutschen Liedes mit einem sonst aus den allgemein und 
leicht zugänglichen Sammlungen bekannten hergestellt ist, kann es 
nicht darauf ankommen, Angaben von Parallelstellen zu häufen. 
Wenn auch Liederbücher wie diejenigen Forsters, fernA dasjenige des 
Arnt von Aich, ferner die Bergreihen, die Gassenhauer, Gras- und 
Reuter-Liedlein sorgsam durchverglichen sind, so gilt das nicht für 
alle die zahlreichen im folgenden angeführten Schriften; die meisten 
andern Sammlungen und Hefte von Liedern sind vielmehr nur ge- 
legentlich und sorglos herangezogen worden, wo sich eine Nachweisung 
ohne weiteres anbot und gewissermassen von selbst in's Gehege lief; 
auch ist kein Gewicht darauf gelegt worden in solchen Fällen stets 
auf das Original oder die Editio princeps zurückzugehn, sondern oft 
genug ist um der grösseren Bequemlichkeit willen nur auf Goedeke's 
Grundriss verwiesen, woselbst man (H^ 1886 S. 25 ff. § 109 ff.) zahl- 
reiche Liederbücher jener Zeit und bei vielen zugleich Fundort, In- 
haltsangabe, Liederanfänge sowie sonst wünschenswerte Auskunft findet. 
Freilich könnte dabei bisweilen ein Hinweis auf ein Lied mit unter- 
gelaufen sein, das ausser gleichem Anfang sonst nichts mit einem 
niederdeutschen gemein hat; denn es gibt aus damaliger Zeit eine 
ganze Reihe von Liederanfängen, die sich grosser Beliebtheit erfreuten 
und mehrfach für ganz verschiedene Lieder verwandt wurden. Auch 
findet sich, was bei der UeberfüUe des einschlägigen Stoffes nicht 
grade verwunderlich ist, mancherlei Verwirrung in jenem Abschnitte 
des Goedeke'schen Grundrisses, und überall, wo man sich zur Nach- 
prüfung veranlasst sieht, stösst man auf zahlreiche Versehn, die be- 
fürchten lassen, dass, wo diese Nachprüfung nicht vorgenommen ist, 
man vielleicht allzu vertrauensselig sich auf unzuverlässige Angaben 
und zweifelhafte Thatsachen stützt. 

So handelt es sich z. B. bei Goedeke IP S. 32 Abschn. 13. 
'Gassenhawer' . . . um einige noch in die erste Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts gehörige, ausser den Musiknoten immer nur eine Strophe 
des Textes enthaltende Liederhefte, die nur auf der Königlichen 
Bibliothek zu Berlin vollständig anzutreffen und hierselbst in einem 
Bande vereinigt sind, dessen erstes Titelblatt ankündigt 'Gassenhawer 
vnd Reutterliedlin. Altus. bb' (o. 0. u. J.). Von den 88 Liedern 
dieses Heftchens stimmen zu den niederdeutschen folgende; 



8 

6. Lieblich hat sich gesellet 26. Zart schöne fraw, gedenck vnd 

12. Ich weiss ein feins brauns mey- schaw 

delin 29. Jetz scheyden bringt mir schwer 

15 Ich wevss ein stoltze Müllerin ^^' ^ngnad beger ich nicht von jr 
lö. icü weyss em stoitze Muiienn ^^ ^^^ ^^^^^ ^^ ^^^^ morgen heym- 

20. Tröstlicher lieb ich mich stäts üb i[q\^ qj^ einem ort 

21. Von edler art, auch reyn vnd 53. Es het ein Schwab ein töchterlin 
zart, bist du ein krön 61. Hertz eynigs lieb, dich nit betrüb. 

Dies Heftchen ist an jener Stelle von Goedeke's Grundriss 
irrtiimlicli verquickt mit dem im Berliner Bande sich unmittelbar 
daran scliliessenden, an dessen Titelstelle nichts als 'Altus R' zu lesen 
steht und welches nur 56 Lieder enthält (darunter denjenigen der 
niederdeutschen Liederbücher entsprechend: 6. Ich stund an einem 
morgen 16. Nach lust hab ich mir ausserwelt 24. Ich stund an 
einem morgen 25 u. 26. Ich weyss mir ein feins brauns meydelein 
4L Mir ist ein feins junckfrewelin gefallen in meifi sinn). Daran 
befindet sich sodann ein drittes Heftchen, wieder gänzlich ohne Titel, 
an dessen Stelle nur ein Monogramm und am untern Rande X zu 
finden ist, 65 Lieder enthaltend, wovon keines zu den niederdeutschen 
in Beziehung steht. Als viertes und letztes Heftchen findet man in 
dem Berliner Bande 'Grassliedlin. Altus. G' 28 Lieder, deren fol- 
gende sechs mit den niederdeutschen zusammengehören: 1. Es hett 
ein Schwab ein töchterlin 3. Nun schürtz dich gretlin schürtz dich 
4. Ich weyss ein stoltze müllerin 9. Ich bin durch frewlins willen 
geritten so manchen tag 11. Es reyt ein reitter wolgemut 13. 'Mann 
legt den Brandenburger auff einn tisch, zerschnitten wie ein Reinisch 
fisch, sein junges leben entwichen, sein roter mundt verblichen'. 

Wollte man ausser den musikalischen und literarischen Lieder- 
büchern und Handschriften auch noch in möglichst weitem Umfange 
die schier unzählige Menge von kleinen Einzeldrucken planmässig 
ausnutzen, welche, dichtgesät wie zu keiner andern Zeit, alle deutschen 
Lande Mückenschwärmen gleich durchschwirrten, so würde man 
gegenüber der Fülle des allein schon in der Berliner Bibliothek vor- 
liegenden und sich herandrängenden Stoffes sich in's Weite verlieren 
und in Verlegenheit geraten, wie man beginnen, wo man ein Ende 
finden solle. Es wird zweckmässig sein, sich zu beschränken und, 
wo bereits genügende Nachweisungen zu Gebote stehn, sich vorzugs- 
weise mit solchen Heftchen zu befassen, die gruppenweise zugleich 
für mehrere Lieder Seitenstücke liefern. Es ist bemerkenswert und 
auffallend genug, dass es fliegende Blätter gibt, die von den nieder- 
deutschen Liedern mehrere hintereinander noch dazu in derselben 
Reihenfolge bieten, wie z. B. der Einzeldruck Yd 7850. 3 'Zehen 
Schöne Weltliche Lieder' die nd. Nummern 9 — 13 enthält. 

Von neueren Sammlungen sind überall zur Hand gewesen die 
trefflichen Werke von Uhland (Volkslieder 1844, 2. Aufl. 1881), 
Hoffmann (Gesellschaftslieder 1844, 2. Aufl. 1860), Goedeke-Tittmann 
(Liederbuch aus d. 16. Jhdt. 1876), Böhme (Altd. Liederbuch 1877, Lieder- 
hort I — III 1893). Auf dem Gebiete der Liederforschung bleibt noch 



\ 



immer genug zu thun, wenn auch allerdings, seitdem die grossartigen 
Monumentalwerke Böhmes mit ihren umfassenden Sammlungen vor- 
liegen, alle spätem Forscher nur Ergänzungen und Nachträge dazu 
liefern können und keinen höhern Zweck noch edlern Ehrgeiz an- 
zustreben haben, als den, auf dem unerschöpflichen Fruchtgelände 
des deutschen Volksgesanges zu dem reichen, in vollen Garben da- 
stehenden Erntesegen rüstiger Schnitter bescheidentlich nachzuharken 
und nachzulesen. Im nordwestlichen, niederdeutschen Teile dieses 
Fruchtgeländes nachzuarbeiten ist weder die am wenigsten lohnende, 
noch die verächtlichste Aufgabe für einen deutschen Gelehrten. 

Schliesslich ist der Aufzählung der einzelnen 1883 heraus- 
gegebenen niederdeutschen Lieder noch vorauszuschicken, dass als 
Abkürzungszeichen für die beiden in erster Reihe herangezogenen 
Liederbücher v. J. 1582 gewählt worden ist 1582 A für das Ambraser, 
1582 B für das Berliner Liederbuch. 



1. 3cf I|ebbs geipaget, | bu fd?öne IHaget, | tn red^ter leeff cnb trümen . . . 
3 zwölfz. Str. = 1582 A Nr. 14, B Nr. 66 in ebf. je 3 Str. Niederd. Str. I Z. 1 
u. 2 1. *Ick hebbs gewagt, | du schöne Magt' . . . entsprechend dem Metrum in 
den beiden andern Strophen d. nd. u. allen Strophen d. hd. Fassg. — Fl. Bl. Yd 
9946 Zwey Schöner newer Lieder, Das erst. Weiss mir ein zartes Junckfrewelein, 
Inn dem Thon, Vor zeiten was ich lieb vnd werdt, etc. Das ander Liedt, Ich habs 
gewagt, frisch vnuerzagt. (Bildchen) (Aüi Schluss: Gedruckt zu Nürnberg durch 
Val. Newber. 4 Bl. 8<> o. J.) *Ich habs gewagt' in 3 entspr. Str. — Ye 821 Vier 
Schöne Newe Lieder, Das Erste, Ach Hertziges Hertz, etc. Das Ander, Ich habs 
gewagt, du schöne Magd, Das Dritte, Weis mir ein feines Jungfrewlein, Im Thon, 
Vorzeiten war ich lieb vnd wert. Das Vierde, Mein Hertz mit Lieb verwundet ist, 
Auff die Melodey des Wittenbergschen Galliarts. (Bildchen) Gedruckt zu Mag- 
deburgk. (Am Schluss : Zu Magdeburgk, bey Wilh. Ross. 4 Bl. 8^ o. J.) 'Ich habs 
gewagt' ebf. in 3 d. and. Fassgn. entspr. Str. Vgl. noch für diesen Einzeldruck 
unten Nr. (59) 142 u. vor allem sogleich Nr. 2. — Handschriftlich: Ms. germ. 
fol. 752 (Einband v. J. 1568) zweimal: Nr. 18 Frisch unverzagt, hab ichs gewagt 
... (3 Str.) u. Nr. 20 Ich habs gewagt, frisch unverzagt ... (3 Str.) ; Ms. germ. 
40. 402 (Abschr. 4°. 715) aus d. J. 1569/75, v. HelmstorflPsche Hs. Nr. 19 Ich habs 
gewagt, frisch unverzagt, in recht vnd treuen . . (3 Str.) ; Ms. germ. fol. 753 (Einband 
V. J. 1575) Nr. 40 Ich habs gewagt, du schöne Magd ... (3 Str.) — Anders ver- 
läuft ein von vorstehendem ganz verschiedenes, ebenfalls recht verbreitetes Lied 
mit dem ähnlichen Anfange *Ich bin versagt gen einer magt'. — Böhme Altd. Lb. 
Nr. 203, Lh. H S. 318 Nr. 496. — 

2. lÜYn fjert nttt leefft üoripunbet ^s, \ vnnb trefft men tonw ilio aller 
frijl ... 4 achtzehnz. Str. = Fl. Bl. Ye 821 (s. soeben Nr. 1) *Vier Schöne Newe 
Lieder' 4tes Lied *Mein Hertz' in 4 d. nd. Fassg. entspr. Str. — *Blumm vnd 
Aussbund' (P. v. d. Aelst) Deuenter 1602 S. 71 (Nr. 79; vgl. Goed. Grundr. Il'* 
S. 43) in 4 d. nd. Fassg. entspr. Str. — Mel. in d. Lhs. d. Seb. Eber von Nürn- 
berg (Ms. germ. 49, 733, 1592/96 Bl. 39 Rs). 

3. Pc Sünne ftevtli am l^ögfien, | be man trefft flrf oor!et|rt ... 4 siebenz. 
Str. = Forster 'Der dritte teyl, schöner, lieblicher, Teutscher Liedlein' 1552 Nr. 
19 'Der mon der stet am höchsten, dson hat sich vnterthon' in 4 Str. (vgl. Goed. 11^ 
S. 36) — Fl. Bl. Yd 9570 Vier schöner lieder, Das erst. Kein freud an leyd, mag 
mir widerfaren, Das ander, Kein lieb an leyd, schwer ichs ein eyd. Das dryt. Die 
Sun die stet am höchsten, der Mond hat sich verkert. Das vierd, Es wolt ein 



10 

Reyger fischen. (Bildchen) 4 Bl. 8^ o. 0. u. J. *Die Sunn' in 4 d. nd. Fassg. 
recht genau (genauer als Forsters Liedlein) entspr. Str. Für die beiden ersten 
Lieder des Einzeldrucks vgl. noch unten Nr. 50 u. 109. — Ye 429 Vyff lede volgen, 
Dat erste, Idt daget vor dem Osten. Dat ander, Id is my ein kleins woltfögelin 
geflagen vth miner handt. Dat drüdde, Ach Godt wat moth ick liden, vngunst tho 
desser stund. Dat veerde, De Sünn de steit am högsten, ym tone, Ick moth van 
hinnen scheiden. Dat vöffte, Dat troren ys vorgangen, ym tone, Frisch vp yn Gades 
Namen, etc. (Bildchen, Venus u. Cupido darst. Beischr. *Men höde sick vor den 
Katzen, De vor licken vnd achter kratzen.' *Ach wo wee dem syn herte doth, De 
gerne bleue vnd doch scheyden moth.' 4 Bl. 8*^ o. 0. u. J.) *De Sünn' in 4 entspr. 
Str. Vgl. noch f. d. beiden ersten Lieder Nr. 12 und 118. — In der sogenannten 
niederrheinischen Liederhandschrift (Einband v. J. 1574 Bl. 10) *Der maenet stehet 
an der hogestenn, Die Sonne hatt sich nieder gethaenn' 5 Strophen, wovon nur 
die beiden ersten der nd. Fassg. entsprechen. — • Uhland Nr. 86 hd. nach Forster; 
dsgl. Böhme Altd. Lb. Nr. 263 *Der mon der stet am höchsten, dsonn hat sich 
unterton'; vgl. Erk-Böhme, Liederhort II S. 553 Nr. 748. — Die Schlussstrophe 
*0 scheiden auer scheiden, | wol hefft dy nu erdacht' findet sich in mehreren 
Liedern verwandt, wie z. B. sogleich in d. nd. Nr. 5 u. weiter unten auch Nr. 69, 
70 u. dgl. Für sich besonders steht dieses formelhafte Stück in dem Liederbuch 

f. Ottilia Fenchlerin v. J. 1592 Nr. 4 (Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 10); vgl. 
ferner Lhs. d. Herzogin Amalia v. Cleve *Ach got, wat sali ich syngen' Str. 6 u. 
Schlussstr. (Bolte: Zs. f. dtsche. Philol. 22, 417/8 u. 404); vgl. unten bei Nr. 59 
den Einzeldr. Yd 9661 u. a. m. 

4. (Erft l^euet ftcf nobt vnb vamcr an, | fynt bat v^t motl^ gefd?etben fv« • • • 

3 neunz. (7 z. abget.) Str. = 1582 A Nr. 195, B Nr. 152 in je 3 entspr. Str. 
Vgl. P. Schöffer 1513 b. Goed. IP S. 26, S. 40 Nürnberger Druck von 68 Liedern, 
S. 41 Bicinia u. s. w. Fl. Bl. Ye 514 Vier schöne Lieder das erste. Es wonet 
lieb bey liebe, etc. Das Ander, Erst hebt sich noth vnd jamer an. Das Dritte, 
Wolan fahr hin, aus meinem sinn. Das Vierdte, Ehren werbt, auff erdt, etc. 
(Bildchen). (Am Schluss: Getruckt zu Wulffenbüttel durch Cunradt Hörn. o. J. 

4 Bl. S% *Erst hebt sich' in 3 d. nd. Fassg. entspr. Str. Wegen des ersten 
Liedes in diesem Einzeldruck s. unten Nr. 73. — In e. namenlosen Hs. v. J. 1568 
(Ms. germ. fol. 752 Nr. 81) gleichf. m. 3 entspr. Str. Dsgl. in d. Hs. der beiden 
V. Helmstorff, Georg v. H. 1569 bezw. Hanss Frdr. v. H. 1575 (Ms. g. 4P. 402 
Abschr. 4P. 715 Nr. 18). 

5. 3^ fö^ ^V ^0^ einem VOoihe, \ ein fynes i7ertltn jial^n ... 6 achtz. Str. 
1582 A 64, B 111 in je 7 Str. Der niederd. Fassg. fehlt von d. hochd. d. 4. 
Strophe: Sag mir du stoltzer Jäger... Bergr. 1574. II. Nr. 3 in 4 Strophen, 
wovon 1 = nd. I, 2 = III, 3 = II, 4 = IV. — Fl. Bl. Yd 9425 *Drey newer 
Lieder, Das erst, Ich erschell mein Hom ins Jammerthal. Das ander, Dort ferne 
vor j ebnem Walde, sach ich mir ein Hirschlein stan. Das dritt. Mein feins Lieb 
ist mir hingeflogen. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. 
Newber. 4 Bl. 8^ o. J.). *Dort ferne' 6 Str. sehr entstellt (1 = nd. I, 2 für sich, 
3 = III, 4 für sich, 5 = IV, 6 =V). Wegen d. ersten Liedes in diesem Einzel- 
druck s. unten Nr. 10. — Yd 9672 Ein schön new Lied, Ich sähe mir für einem 
Walde, ein feines Hirschlein stan, etc. Ein ander schön Lied . . . Entlaubet ist 
vns der Walde, etc. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, duich 
Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8^ o. J.). *Ich sach mir' in 6 d. nd. Fassg. nach 
Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. — Yd 9676 Ein Schön new Liedt, Ich sach mir 
für einem Walde, ein feines Hirschlein stan. Ein ander Schön Liedt . . . Ent- 
laubet ist vns der Walde etc. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürmberg, 
durch Val. Neuber. 4 Bl. S^ o. J.). — *Ich sach mir' in 6 d. nd. Fassg. entspr. 
Str. — Handschriftlich Ms. germ. 4P. 612 (Abschr. 4^. 716; sog. nrh. Lhs.; Bl. 89 
Rs.) *Ich sähe mir vur einem walde Ein feines hertzlein stahn' ... in 7 Str. Ms. 

g. fol. 753, Einband v. J. 1575, Nr. 58 in 7 Str. — Die 5. nd. Strophe *Dat Megtlin 
an der Tinnen lach' findet sich als 4. des Liedes *Wolauf, gut gsell, von hinnen', 



11 

s. Ühland Nr. 64 u. ü. Die 6. Strophe *Ach scheiden jümmer scheiden' als Schluss- 
formel beliebt, vgl. z. B. oben Nr. 3. — *Ein feines Hertzlein' oder wie noch öfter 
zu lesen steht *Hirtzlein' ist nichts anders als *Hirschlein'. Hirscbjagd und Herzen- 
jagd werden in den Liedern der damaligen Zeit mehrfach als vollkommen gleich 
behandelt, die Jagd auf ein Herz wird oft unter dem Bilde der Jagd auf ein Tier, 
am häufigsten auf einen Hirsch dargestellt, wozu wol die Aehnlichkeit der dem 
Buchstabenbestand wie dem Laute nach damals leichter als jetzt zu verwechselnden 
Wortformen den nächsten Anlass geboten haben mag. — Böhme Altd. Lb. Nr. 445. — 

6. 2Idj (Sobt, loes fdjal xd my fröuipen, | ntyn Qert in trurent ^e^ik . ♦ . 
5 siebenz. Str. Die 4. Strophe, nur fünfzeilig, fällt aus dem sonst siebenzeiligen 
Strophenschema heraus. Fl. Bl. Ye 533 Drei schöne neüwe Lieder Das erst, Ach 
Gott was sol ich mich fröwen, mein hertz in trauren staht. Das ander, der ver- 
loren dienst vnd der seind vil, etc. Das dritte Lied, Mir ist verkündt meins hertzen 
ein krön, etc. (Bildchen; o. 0. u. J. — Schluss: T. B. d. i. Thiebolt Berger, 
Strassburg. 4 Bl. 8^) *Ach Gott' in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Die 4te Strophe 
lautet: ^Mein feins lieb hat ein brinnlein kalt, es spring in einen stein, Es steht 
so ferr im grünen waldt, wer ich bey jr allein, Grün ist der waldt, das brinnlein 
das ist kalt, mein lieb ist wol gestalt.' Hiernach ist der nd. Wortlaut zu ergänzen. 
— Dies Lied ist nur e. verdorbene Fassg. v. Nr. 54 *Myn fyns Leeff ys van Flan- 
dern' ; die 4 Strophen ausser d. Anfangsstr. entspr. genau Nr. 54 Str. II — IV u. VI, 
u. d. erste Str. wieder ausser den beiden Anfangszeilen ist nichts als e. Wiederholg. 
d. Schlussstr. — 

7. Qert einiges £eeff, | wts ntdjt bebröuet ... 3 neunz. Str. = 1582 A 36, 
B 89 in ebf. je 3 Str. Akrostichon *He— le— na'. Vgl. P. Schöffer 1513 b. Goed. 
IP S. 27; *Gassenhawer vnd Reutterliedlin. Altus. bb' (o. 0. u. J. 88 Ldr.) 
Nr. 61, vgl. Goed. IP S. 31 ^Reutterliedlin' 1535, vgl. auch Goed. 11'^ S. 32 
'Gassenhawer vnd Reutterliedlin', wo das Lied ebenfalls zu nennen gewesen wäre, 
wenn dort in Goedeke's Grundriss irrtümlicherweise nicht die beabsichtigte 
Aufzählung der Liederanfänge fehlen würde. Berl. Hs. 1568 Nr. 33 in 3 entspr. 
Str. Berl. Hs. 1575 Nr. 90 in 4 Str. Schlussstr. mehr als in d. nd. Fassg. 

8. Wo mödjt tcf frölycf »erben, | neen fröurobe nod? leue loert my ntel^r tljo 
beel ... 3 achtz. Str. = 1582 A 80 in 3 entspr. Str. Fl. Bl. Ye 29 Drey schöne 
Lieder, Das erst, Auff gnad so will ichs heben an. Das ander. Ich stundt an 
einem morgen . . . Das dritt. Wie möcht ich frölich werden. (Bildchen). (Am 
Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Newber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Wie müclit' 
in 3 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Wegen d. 2. Tiiedes in 
diesem Einzeldruck s. unten Nr. 102. Handschriftlich in Ms. germ. fol. 753, Ein- 
band V. J. 1575, Nr. 134 ebf. mit 3 entspr. Str. 

9. XOai my ntd^t brenbt, bat löfdj tcf ntc^t, | fyns leeff bu fdjalt ntd?t 
fd^elben ... 8 fünfz. Str. 

Dies und die folgenden 4 Lieder bis einschliesslich Nr. 13 entsprechen den 
Liedern 2 — 4, 6, 7 eines zehn Lieder umfassenden Einzeldrucks, der mit Berück- 
sichtigung der unten folgenden nd. Nr. 67, 82 u. 88 nicht weniger als 8, demnach 
mit Ausnahme der beiden Lieder an 8. und 9. Stelle lauter Seitenstückc zu den 
uiederdeutschen Liedern bietet. Auch folgen sich die nächsten nd. Nummern 
genau nach der Reihe des Einzeldrucks. Dieser merkwürdige Druck steht in dem 
Sammelbande Yd 7850 an dritter Stelle : 

Zehen Schöne | Weltliche Lieder. | Das erste. Ach Winter kalt, wie | manig- 
falt, etc. I Das ander, Was mich nicht brendt | das lesche ich nicht. | Das dritt, 
Ich erschell mein Hörn | ins Jammerthal. | Das vierdt, Hertz einiger trost auff | 
Krdeu, etc. | Das fünffte, Es war ein wacker | Meidlein wolgethan. | Das sechste, 
Ist mir ein kleins wald | Vögelein geflogen, etc. | Das siebend, Vntrew du thust 
mich I meiden, etc. | Das acht, Elendt du hast deine | weile, im jungen hertzen 



12 

mein. | Das neundte, Man singt von schö- | neu Jungfrawen vil. | Das zehende, 
Ich reit ein mal zu | Buschwart an, etc. | (8 Bl. 8® o. 0. u. J.) *Das ander Lied. 
Was mich nicht brent' . . . in 8 d. nd. Fassg. nach WortL u. Reihenf. entspr. Str. 

10. 3cf fc^aöe myn Bfotn tnt ^amerbäl, | myn fröuipb ys tny corfc^rounben . . • 
3 zehnz. Str. = 1582 A 8, B 17 u. noch einmal 60; *LXXV hubscher lieder' Cöln, 
Arnt V. Aich (erstes Viertel d. 16. Jahrhdts.) Nr. 44 *Ich schell mein hörn in 
jamers thon' [!so richtig statt des in vielen spätem Drucken eingeschlichenen thal!] 
3 Str. 1 = nd. I, 2 = III, 3 = II; vgl. Goed. IP S. 27, S. 29 Ochsenkhun, 
S. 36 Forster (III 1549, 1552 ff. Nr. 9 *Ich schwing mein hörn ins jamerthal') 
S. 37 Forster noch einmal (IV 1556 Nr. 12 *Ich schell mein hörn in Jammers thon' 
sonst = III Nr. 9 in 3 Str. entspr. d. nd. ausser dass 2. u. 3. Str. Plätze mit 
einander vertauscht zeigen), S. 38 Ott, S. 40 Daubmann, S. 40 Nürnberger Druck 
V. 68 Liedern (19 *Ich schell mein hom in jamerthon' 67 *Ich schwing mein hom 
ins jamertaF) u. s. w. Fl. Bl. Yd 7850. 3 *Zehen Schöne Weltliche Lieder' an 3. 
Stelle m. 3 d. nd. entspr. Str. In dem ebf. schon beschriebenen Einzeldruck 
(s. oben Nr. 5) Yd 9425 *Drey newer Lieder' an 3. Stelle gleichf. in 3 d. nd. 
entspr. Str. Yd 9421 Zwey newer lieder, Das erst. Ich erschell mein hom ins jamer 
thal. Das ander, Wolauff jr guten gesellen, die Buler wollen sein. Wer der Bul- 
schafft wil pflegen Muss nichts spam sunder aussgeben. (Bildchen). (Am Schluss: 
Gedruckt zu Nürmberg durch Christoff Gutknecht. 4 Bl. 8® o. J.) *Ich erschell' 
3 Str. entspr. d. nd. Fassg. — Handschriftlich 1568 Nr. 21 *Ich schall mein Hom 
in Jamers thon' 3 Str. (1 = nd. I, 2 = III, 3 = II); 1575 Nr. 94 *Ich schwingh 
mein hom ins Jamerthall' 3 Str. (1 = nd. I, 2 = III, 3 = II). Uhld. VI. Nr. 
179 m. zahlr. Nachweisgn. Goedeke-Tittm. Lb. S. 272. Böhme Altd. Lb. Nr. 443, 
Lh. II S. 51 Nr. 258. 

11. Qer^ entge troß vp exben, \ norlangen bu betfi ntynem >^\xnc^en ({erten 
»ce . ♦ . 4 siebenz. Str. = 1582 A 86, B 124; Fl. Bl. Yd 7850. 3 'Zehen Schöne 
Weltliche Lieder' an 4ter Stelle m. 4 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. 
Str. Ye 64 Vier schöne liebliche Lieder. Das erst : Der verlornen dienst vnd der 
sind vil . . . Das vierde: Hertz einiger trost auff erden. (Bildchen). (Am Schluss: 
Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Neuber. 4 Bl. 8° o. J.) *Hertz einiger trost' 
3 Str. = nd. I— III (IV fehlt). Aehnlich in e. Hs. 1568 (Ms. germ. fol. 752) Nr. 13 
m. 3 Str. In e. and. Hs. 1575 (fol. 753) Nr. 69 m. 4 d. nd. Fassg. entspr. Str. 

12. 3s tny ein Hein tPalbtoögelin, | geflagen otl| myner Bfanht ... 8 sie- 
benz. Str. (2 Strophen mit 6 bezeichnet, so dass letzte fälschlich 7 wie vorletzte 
fälschlich 6 zeigt) = 1582 A 214; Fl. Bl. Yd 7850. 3 *Zehen Seh. W. Lieder' an 
6ter Stelle. Sonst entsprechen sich diese 3 Fassungen nach Wortlaut und Reihen- 
folge der je 8 Strophen genau ; nur in den ersten Zeilen der 5ten Strophe weicht 
die niederdeutsche Fassg. im Einklang mit dem fliegenden Blatt vom Ambraser 
Liederbuch ab ; dies giebt : Und wenn ich dich eingelassen hett, das wer mir jmmer 
ein schand . . . dagegen *Zehen Seh. W. Lieder' : Wer ist nun der da klopffet an, 
ich lass jn doch nicht herein . . . u. niederd. Fassg. : Wol ys nu de dar kloppet an, 
ick lath en doch nicht herin ... In dem oben (s. Nr. 3) auch schon beschriebenen 
Einzeldruck Ye 429 *Vyff lede' an 2ter Stelle m. 8 Str. niederd. Hochd. z. B. 
noch im fl. Bl. Yd 8998 Ein schön new Lied. Ist mir ein kleines Waldtvögelein, 
geflogen auss meiner handt, etc. Mehr ein ander schön Liedt. Wol auff wir 
wöllens wecken. (Bildchen). (Am Schluss : Gedruckt zu Nürnberg, Durch Val. 
Newber. o. J. 4 Bl. 8**) *Ist mir ein kleins Waldvögelein' in 8 d. nd. Fassg. (auch 
in Str. 5) entspr. Str. ühld. VI. Nr. 83 B d. ersten 5 Strophen nd. 83 A als nah 
verwandtes Seitensttick *Es fleugt ein kleines waldvögelein' 2 Str. vgl. unten Nr. 119. 
Böhme Lh. II S. 231 Nr. 416. 

13. Vnixüvo bu bevii mv n^ben, \ \o galjr nnnb aueraü ... 6 siebenz. Str. 
Fl. Bl. Yd 7850. 3 *Zehen Seh. W. Lieder' an 7. Stelle m. 6 d. nd. Fassg. nach 
Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Akrostichon *Ursula'. 



13 

14. Xtn vaü bu Hvp bu folbe Sdjnee, | vrib faü cp mynen Doet . ♦ . 6 vierz. 
Str. = 1582 A 62, B 180. Uhland Nr. 47 A—C teilt dazu noch aus einer Heidelbgr. 
Hs. e. Fassg. in 5 vierz. Str. mit, die beginnt: Ich sass und was ein mal allein 
in einem stübelein ... In der niederrh. Hs. (Einband v. J. 1574 Bl. 65) *Nu fal 
du reiff du kalter sehne' in 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. (*Reif ab reif ab du kalter 
sehne' in 6 Str. Ebenda Bl. 118 Rs. ganz anders). Berliner Hs. 1575 Nr. 57 *Nu 
fall du reiff, du kalter schnee' in 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. Weise nebst An- 
fangsworten in der spätem Lhs. d. P. Fabricius, s. Bolte: Jahrb. d. V. f. nd. 
Sprachforschg. 13. Jg. 1887 S. 61. — Böhme, Altd. Lb. Nr. 155 A—C, Liederhort 
II S. 265 Nr. 447 »-c. — Sehr ähnlich der nd. Fassg. e. fl. Bl. Yd 9862 u. 63 Ein 
schön new Lied, So reyf so reyff du küler taw, reyffst mir auff meinen fuss. Ein 
ander Lied, Cupidus kra£% hat mich verwundt. Im Thon, Eosina wo war dein 
gestalt. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg durch Val. Neuber. 4 
Bl. &* 0. J.). *Nun Reuff nun reyff du küler taw' 10 Str. wovon 1 = nd. I, 2 fehlt 
d. nd. Fassg. 3—5 = II— IV, V fehlt im Einzeldr. 6 in d. nd. Fassg. 7 = VI. 
Auch dieses u. zwar vollst, m. gleichf. 10 Str. in d. Lhs, d. Fabricius, Bolte a. a. 0. 
Vgl. auch Uhland u. Böhme a. a. 0. 

15. (Sebulbt Ys ttpar ein fel^am Krubt, | toaffet ntdjt in aUemans (Sarben . « . 
4 fünfz. Str. 

16 (vgl. 107). Jrölvtf vnb fry, | ntdjt fröumbic^ barby ... 3 zehnz. Str. 
1582 A 124, B 132 in 4 Strophen, wovon die letzte der nd. Fassg. fehlt. Beginn : 
Frisch frölich vnd frey, nicht frech darbey . . . Vgl. Finck b. Goed. 11^ S. 33, S. 
40 Nürnbgr. Druck v. 68 Liedern. Aus e. westfäl. Hs. m. 3 entspr. Str. b. Mone, 
Anz. f. Kunde d. teutschen Vorzt. 7. 1838 Sp. 78. Berliner Hs. 1575 Nr. 11 in 
6 Str. wovon d. 3 ersten d. nd. Fassg. entspr. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 391 in 3 
d. nd. Fassg. entspr. Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 178 dsgl. 

17. ^ertlycf beytli my erfröuroen | be fröly!e Sommertybt ... 7 achtz Str. 
= 1582 A 20, B 72; Goed. IP S. 40 Bicinia 1545; S. 43 P. v. d. Aelst, Blumm 
vnd Aussbund, Dev. 1602 S. 146 (Nr. 155) ebf. in 7 d. nd. Fassg. entspr. Str. 
Fl. Bl. Ye 1141 Veer schöne Leder volgen, Dat Erste, Van dem Wulue vnd der 
Gans. Im Thone, Idt ghert ein frischer Sommer darher. Dat Ander, Hertlyck 
deih my erfröuwen. Dat Drüdde, De Heger ys ein speger Vagel. Dat Veerde, 
Ick weth wol ein der was ick leeff vnd werdt. (Bildchen, Wolf u. Gans darst.) 
Gedrückt im Jahr. 1611. (4 Bl. S^ o. 0.) *Dat Ander Ledt. Hertlick deith my er- 
fröuwen' in 7 d. obigen nd. Fassg. entspr. Str. Wegen dos ersten u. 4. Liedes in 
diesem Einzeldruck vgl. unten Nr. 75 u. 121. — Yd 9691 Zwey Schöne Bergkreyen. 
Der Erste, Hertzlich thut mich erfrewen, die liebe Summer zeit, etc. Der ander, 
Junckfrewlein sol ich mit euch gan, in ewern Rosen garten. (Bildchen). (Am 
Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8^ o. J.) 
'Hertzlich thut' in 7 entspr. Str. — Yd 9695 Ein newer frölicher Bergreyen, Hertz- 
lich thut mich erfrewen, die frölich Sommer zeit. Ein ander schön Lieblich Lied, 
Nichts freundlichers denn liebe, etc. (Bildchen). (Am Schluss : Gedruckt zu Nürn- 
berg durch Val. Newber. 4 Bl. 8° o. J.). *Hertzlich thut' in 7 entspr. Str. — 
Berliner Hs. 1568 Nr. 10 Hertzlich thut mich erfrewen ... in 7 d. sonstigen Fassgn. 
entspr. Str. In d. spätem Lhs. d. P. Fabricius m. Mel. nach Meiland 1569, s. 
Bolte; Jahrb. d. V. f. nd. Sprf. 13. 1887 S. 60 (viele wichtige Nachweisgn.). — 
Uhld. VI. Nr. 57, HoflEm. Gesellschl. Nr. 160 (vgl. auch Nr. 62), Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 159, Böhme, Altd. Lb. Nr. 142, Lh. II S. 191 Nr. 379. 

18. (D Sore IPtnter bu biji folbt, | bu l^efffl: norforet ben leuen grorten 
rOoIbt.., 6 dreiz. Str. = 1582 A 37, B 175; 'Liedekens-Boeck' Antw. 1544 
Nr. 10 (Hoffin. Hör. Belg. XI S. 15) *Arghe winter ghy zijt cout' 7 Str. Uhland 
Nr. 42 A u. B, die nd. Fassg. u. aus e. Heidelbgr. Hs. 'Wann ich des morgens 
frü uf ste' vgl. nd. Str. V. Böhme Altd. Lb. Nr. 154, Lh. II S. 305 Nr. 485 (vgl. 
auch Nr. 466). 



14 

19. (D bat trf !onbe van Vietien \ fingen ein Dagewyg ... 19 siebenz. 
Str. = 1582 A 253 ^Kund ich von hertzen singen ein hübsche tage weis'. Der Ein- 
gang der niederdeutschen Fassung verdient den Vorzug vor dem hochdeutschen; 
nd. Z. 1 Herten im Reim auf Z. 3 Schmerten, hd. Z. 1/3 singen | schmertzen. — 
Später 'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 157 (Nr. 166) ebf. 
iu 19 Str. Vgl. Goed. IP S. 43. Noch später im Venusgärtlein, 1659 S. 122 
(1656 hrsg. v. Frh. v. Waldberg: Neudrucke 86—89 S. 87) ebf. in 19 Str. — Sehr oft 
in Einzeldrucken z. B. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 58 für sich auf bes. Bl. in 19 Str. 
Yd 9016 Eyn schöne Tagweys von eynes Künigs tochter, In dem thon, Es wonet 
lieb bey liebe etc. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürmberg durch Küui- 
gund Hergotin. 4 Bl. 8° o. J.) *0 das jch künt von hertzen' in 19 Str. Yd 9021 
Ein Schöne Tageweiss, Von eines Königs Tochter, In dem thon, Es wonet lieb bey 
liebe, etc. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gut 
knecht. 4 Bl. Q^ o. J.) *0 das ich kündt von hertzen' in 19 Str. Yd 9029 Ein 
schöne Tageweiss, von eines Königs Tochter. Im Thon: Es wohnet Lieb bey 
Liebe, etc. (Bildchen). Getruckt zu Bern, bey Jacob Stuber 1626. (4 Bl. 8") 
*0 das ich könd von Hertzen' in 19 Str. Handschriftlich: Ms. germ. 4*^. 718 
(dazu 4**. 731 Frh. v. Meusebachs Inhaltsverz.) Bl. 26 Vs. *Mit lust so will ich 
singen' in 17 Strophen, indem die 17. und 19. d. sonstigen Fassgn. in Wegfall 
gekommen sind. In d. nrh. Lhs. (Einb. v. J. 1574 Bl. 35) beginnend 'Kundt ich 
von Hertzen singen' m. 19 der nd. Fassg. entspr. Str. Hs. 1575 Nr. 115 '0 dass 
ich konde von Hertzen singen ein Dageweyss' in 19 ebf. d. nd. Fassg. nach Wortl. 
u. Reihenf. entspr. Str. In d. handschriftl. Liederheft f. Ottilia Fenchlerin Nr. 7 
(Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 13) e. Bruchstück = Str. VI, VII, XIII— XIX d. 
sonstigen Fassgn. — Hervorzuheben ist ein nd. Einzeldruck, worin dies Lied mit 
dem nur aus Mgq 718 erwähnten Eingang sich findet: Yd 9908 Twe lede volgen, 
dath I Erste, Frölick bin ick | vth herten grünt. Dat | ander. Mit lust so | wil ick 
singen. | (4 Bl. 8^ o. 0. u. J.) Wegen des ersten Liedes s. unten Nr. 96; d. 
schöne Tageweis v. Pyramus u. Thisbe m. 19 d. sonstigen Fassgn. entspr. Str. — 
Böhme Altd. Lb. Nr. 20, Lh. I S. 307 Nr. 87. 

20. 3^ o)^*^ "^V ^i" fvnes brunes Hlegtltn, | Ijefft my myn Qcrte befctcn . . . 
3 achtz. Str. = 1582 A 33, B 85; Gassenhawer vnd Reutterl. (I, 88 Ldr., Nr. 12; 
II, 56 Ldr., Nr. 25 u. 26 s. oben Einl. vgl. Goed. IPS. 32) Bicinia 1545 b. Goed. 
11^ S. 40, S. 40 noch einmal in einem Nürnberger Druck v. 68 Liedern. Fl. Bl. 
Yd 7850. 20 Vier schöne newe Lieder, Das Erst, So wolte Gott das es geschech, 
etc. Das ander. Ich weiss mir ein feins brauns Mägetlin. Das dritte, Hab lebens 
acht . . . Das vierde, Wo gehn die Bomberger Meidlein hin . . . (Schluss : Getruckt 
zu Strasburg bey Thiebolt Berger. 4 Bl. 8^ o. J.) Berliner Hs. 1568 Nr. 24 'Ich 
weiss mir ein fein bruns megdelein' immer in 3 d. nd. Fassg. entspr. Str. Böhme 
Altd. Lb. Nr. 197, Lh. II S. 264 Nr. 446. 

21. ^ö^ niober leuejie ITTober ntyn, | fpracf flcf ein jarte Juncffrout» fvn . . . 
10 sechsz. Str. = 1582 A 65. In d. sog. niederrh. Liederhandschrift, Einband 
V. J. 1574 (Ms. germ. 4«. 612 Abschr. 4^. 716) steht dies selbe Lied offenbar der 
Auszeichnung halber an erster Stelle m. ebf. 10 Str. Es beginnt daselbst 'Hoerdt 
moeder liebste moeder mein, Sprach sich ein zartz Jungkfrewlein fein' und bildet 
mit den 10 Anfangsbuchstaben der Strophen das Akrostichon 'Herrmannus'. Die 
Reihenfolge der Strophen weicht von den andern Fassungen ab : Nrh. 1—4 = nd. 
u hd. I— IV, 5 = VII, 6 = V, 7 = VI, 8 = IX, 9 = VHI; nrh. Str. 10 beginnt: 
Sei ist die vns dies liedtlein sangh, Ein zartes Jungkfrewlein woU genant . . . Nd. 
Str. X: De vns dyt Leedlin nye sanck, eins Goltschmedes Dochter ys se genandt 
. . . 1582 A: Die uns dis liedlein new gesang, eines goldschmids tochter ist sie 
genandt . . . Aus den gezwungenen Worten d. nrh. Hs., die allein das Akrostichon 
bietet, ergibt sich, dass in diesem Falle ursprünglich kein Namenlied vorlag; viel 
häufiger kommt es vor, dass ursprünglich angelegte Akrosticha später in Vergessen- 
heit gerieten und so durch Unachtsamkeit entstellt wo nicht ganz verwischt wurden. 
In einer d. gewöhnl. Fassg. entspr. Gestalt findet sich das Lied noch z. B. in der 



15 

Berliner Hs. 1575 Nr. 59 *Ach Mutter liebste Mutter mein' m. 10 d. nd. Fassg. 
nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Auch in der Lhs. d. P. Fabricius, s. Bolte 
a. a. 0. S. 57. 'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 171 (Nr. 175) 
in 10 Str. unterz. M. von D. (vgl. Goed. TP S. 42); Franck, Opusculum Etlicher 
Newer vnd alter Reuterliedlein, 1603 Nr. 8 in 9 Str. — Hoffin. Gesellschldr. Nr. 
294 in 10 d. nd. Fassg. entspr. Str. (nach Staricius 1609); *Bonner Burschenlieder' 
(Hrsg. ebf. Hoffm.) 1819 S. 253 Nr. 112 ^Hördt, Mutter' nach d. nrh. Hs. abgedr. 
Jahrb. d. d. Univ. v. Hnr. Wuttke I 1842 S. 396 das Lied auch v. Hoffmann 
abgedr. nach P. v. d. Aelst. 

22. IHy ys ein fyns bruns Hlegbeltn | gefallen in mynen jtnn ... 5 achtz. 
Str. = 1582 A 24, B 76; Gassenh. v. Reutterl. (II, 56 Ldr., Nr. 41) vgl. Goed. IP 
S. 32, S. 36 u. 37 Forster III (1552 Nr. 68 in 5 d. nd, Fassg. entspr. Str.), S. 40 Bicinia, 
S. 43 Blumm v. Aussbund (P. v. d. Aelst, Dev. 1602 S. 70 Nr. 78 in 5 entspr. 
Str.). Fl. Bl. Yd 7831 (Einband v. J. 1566) an 63. Stelle: Drey schöne newe lieder, 
Das erst. Mir ist ein feins brauns megetlein gefallen in meinen sin. Das ander, 
Auff gnad so wil ichs heben an. Das dritt. Ach Meydlein reyn etc. (Bildchen. 
4 Bl. 8° 0. 0. u. J.) *Mir ist' in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Ye 15 Drey hübsche 
Lieder, Das erste, Lieblich hat sich gesellet. Das ander. Dein lieb durchdringt 
meyn junges hertz. Das drit Liede, Mir ist ein feins brauns Meydelein gefallen 
in meinen sin. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. 
Neuber. 4 Bl. 8® o. J.) *Mir ist' in 4 Str. 1—3 = nd. I-III, 4. Str. verschieden 
V. d. beiden letzten d. nd. Fassg. Wegen d. ersten Liedes in diesem Einzeldr. 
s. unten Nr. 46. — Ye 476 Veer lede volgen, Dat erste, Ick stundt an einem 
morgen. Dat ander, Mir is ein fyn bruns medelin, gefallen yn mynen syn. Dat 
drüdde, Wol vp gi Christen alle. Im tone, Wol vp gi Lantzknecht alle. Dat veerde, 
Ick armer Boss, bin gantz vorert, etc. (Bildchen, ümschr. *Och wolde Godt vnd 
eyn, So weer alle myn sorge klein. 4 Bl. 8^ o. 0. u. J.) *My ys', in 6 Strophen, 
hat einen andern Verlauf als vorstehendes Lied, d. 2. Str. beginnt wie d. gleiche 
Str. d. Nr. 20 oben, aber auch davon weicht das Lied d. Einzeldrucks im weitem 
Verlauf ganz ab. Wegen des ersten Liedes in diesem Einzeldr. s. unten Nr. 102, 
wegen des letzten Nr. 55. Wegen des dem Bilde beigesetzten Sprüchleins vgl. 
'De Arte Amandi' (P. v. d. Aelst) 1602 S. 180, 1644 S. 386 u. ö. *Wolt Gott vnd 
ein, Wer mein Leid klein'. — Handschriftl. in d. Liederheft der beiden v. Helm- 
storff, 1569 bezw. 1575 als Nr. 25 d. 3. Teils m. 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. 
Nrh. Hs. 1574 (Bl. 95 b) u. Hs. 1575, Geschenk Prof. Yxems an Frh. v. Meuse- 
bach, Nr. 43 ebf. in je 5 entspr. Str. — Böhme Altd. Lb. Nr. 196, Lh. II S. 270 
Nr. 450. 

23. IJbbt I|cfft ficf tl)o my gefeHet | ein fynes fröumitn ... 6 achtz. Str. 
= Bergr. 1574 Nr. 52; Bergr. hrsg. v. Schade 1854 S. 125, hrsg. v. J. Meier 
(Neudrucke 99/100) S. 108 in je 6 entspr. Str. Fl. Bl. Yd 7852. 10 Acht Schöne 
Newe Lieder. 1. Nach leid kömpt frewt, tröst ich etc. 2. Frölich in allen ehren, 
bin ich so etc. 3. Es giengen sich zwo Gespiele. 4. Wolauff gut Gesell von 
hinnen, 5. Der Mond scheind so helle. (Bildchen) 6. Es sassen drey Landsknechte 
bey etc. 7. Es hat sich zu mir gesellet, 8. Du hast dich gegen mir gantz freund- 
lich wol erzeigt, GG (6 v. urspr. 8 Bl. o. 0. u. J. Es fehlen d. beiden mittelsten 
Blätter 4 u. 5, wodurch von den Liedern das 3. u. 4. ganz und vom 5. d. Anfg. 
weggefallen sind). *Es hat sich' in 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. Von d. 8 Liedern 
dieses Einzeldrucks finden auch das 1. u. 2., das 5. u. 6. Seitenstücke unter den 
niederdeutschen, s. unten Nr. 151, 128, 153, 97. Uhld. VI. 38 gibt nur hd. 
3 Str. = I, II, V d. sonstigen Fassgn. Böhme Lh. II S. 279 Nr. 457 gibt d. 
Lied ebf. auf 3 Str. verkürzt u. nennt als einzige Fundstelle Bergr. 1536 Nr. 52, 
währd. d. Bergr. von 1536 nur bis Nr. 60 reichen. 

24. Dngnabe begel^r icf nid?t van er, | l^ape bat od my | fülcfs ntd?t loerbt 
ttjogemcten ... 4 vierzehnz. Str. 1582 AI, B 53 nur je 3 Strophen; es fehlt d. 
Schlussstr. d. nd. Fassg. ; Dyth Leedtlin hefft by my ein endt, | kort vnd behendt . . . 
worauf noch zwei Anhängsel folgen: An Godt de Eua getwyuelt hat, | Vndvolgede 



16 

na des Düuels rädt ... (10 Z.). Ein anders. Büse Frouwen geuen böse rede, | 
Alse ock Ochosias Moder dede ... (6 Z.). Vgl. noch zu dem Liede : Ott b. Goed. 
II* S. 39. Franck, Opusculum Etlicher Newer vnd alter Reuterliedlein, 1603 Nr. 1 
in 3 Str. Fl. Bl. Yd 9476 Zwey schöne Lieder, Das Erst, Vnguad beger ich nit 
von jr. Das ander, Eynsmals ritt jch des Winters kalt. (Nürnberg, Wächter) 
Tngnad' in 3 Str. Berliner Hs. v. J. 1568 Nr. 80 in 4 d. nd. Fassg. nach Wortl. 
u. Reihenf. entspr. Str. Berliner Hs. 1575 Nr. 9 ebenso. Weimarer Hs. v. J. 
1537 Nr. 25 (Hoflfmann: Weim. Jahrb. 1. 1854 S. 100—133) ebf. in 4 entspr. Str. 
Erk-Böhme, Liederhort III S. 475 Nr. 1673. Die Sprüche bietet *Die jüngere 
Glosse zum Reinke de Vos hrsg. v. Herman Brandes' (1539, Brandes 1891) S. 82 
u. S. 102 (vgl. S. 266 u. S. 272) nach Brandts *Narrenschyp' und *Teutsch Cicero'; 
den zweiten Spruch s. auch *Werldtspröke' 1601 Bl. IIa, Reimbchl. hrsg. v. W. 
Seelmann S. 31 Z. 849—54 u. a. 

25. irTotli henn ntYtt itüvo \ fo gan^ cor Iahten fyn ♦ . . 8 siebenz. Str. 
*Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Deventer 1602 S. 84 (Nr. 91) in 8 Strophen, 
deren Anfangsbuchstaben als Akrostichon den Namen ^Margaret' ergeben; vgl. 
Goed. IP S. 43. Durch die Versetzung in's Niederdeutsche ist das ursprüngliche 
Akrostichon unmerklich verschwunden : nd. I Moth, II *Och' für *Ach', III Tröuwde' 
für die richtigere hochdeutsche Lesart *Rhu', IV Geduldt, V *Och' f. *Ach', VI 
*Heimlyck' sehr schlecht f. d. hd. ^Reichlich', VII Eins, VIII 'Deystu' f. Thustu'. 

t 

26. Dcel glücf vnb lieyl | ys nemanös reti ... 4 dreizehnz. Str. = Bergr. 
1574, II Nr. 6; vgl. Goed. IP S. 31 Nümbgr. Druck v. 10 Liedern, S. 41 Bergk- 
reyen (Rotenbucher 1551). Fl. Bl. Ye 505 Drey Schöner Lieder, Das Erst, Ich 
eifrew mich eins, Das Ander Viel Glück vnd heil, ist niemand feil, etc. Das Dritt, 
Wolauflf jr Narren ziehet all mit mir. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu 
Magdeburgk durch Joachim Waiden. 4 Bl. 8° o. J.). *Viel glück' in 4 d. nd. Fassg. 
entspr. Str. Ye 437 Sös lede volgen, Dat erste. Wat wert ydt doch, des wunders 
noch . . . Dat veerde, Vel glucks vnd heil, is nemande veil . . . Dat Süste, Min 
gemöte vnde blot. (Bildchen) 4 Bl. 8*^ o. 0. u. J. *Dat Veerde Ledt. Vell gelücks 
vnd heil' in 4 der andern nd. Fassg. entspr. Str. 

27. (Dd^ IHeYbebordj, l|6It by oejie, | bu ipol gebuioebe Ejug ... 22 vierz. 
Str. Fl. Bl. Yd 7831. 68 (vor 1566, der Jahreszahl, die der Einband dieses 
Sammelbandes trägt) : Fünff newe Lieder, von der Löwlichen vnnd KeyserlicheD 
freyen Statt Magdeburgk, vnd jrer schweren Belagerung ... (8 Bl. o. 0. u. J.) 
*Das Erste. Ach Magdeburg halt dich veste . . . 21 Str. 1—10 = nd. I-X, 
11 = XII, 12 = XI, 13-16 = XIII— XVI, 17 *Zu Magdeburg auff der Mauren, 
da ligen zwey Fass mit Wein' besser nd. XVIII *Tho Meydeborch vp dem Marekede, 
dar liggen twe Vathe mit Wyn.' XVII fehlt im fl. Bl. 18—21 = XIX— XXII. - 
*Venu8-Gärtlein' 1659 S. 55 (1656 hrsg. v. Frh. v. Waldberg ; Neudrucke 86/89 
S. 40) in 22 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. — Uhld. VI. Nr. 
202, Böhme Altd. Lb. Nr. 405, Lh. II S. 103 Nr. 293. — 

28. IPolbe (Sobt bat tcf f^olbe fingen | mit luft ein n^e £eebt ... 7 Str. 

29. Hy^er <5obt, wo madj ybt locfen, | bat tcf fo trurtd? bin . . . 8 achtz. 
Str. *Blumm vnd Aussbund' Deventer 1602 (P. v. d. Aelst) S. 150 (Nr. 159) 'In 
seinem eygen thon. Reich Gott wie mag das wesen' ... 16 Str. u. noch einmal 
dasselbe Lied ausser dem Anfang wörtlich S. 176 (Nr. 179) *Im thon: Reich Got 
wem sol ichs etc. Ach Gott wie mag es kommen' ... 16 Str., wovon d. nd. 
Fassg. 1—3, 8, 7, 6, 9, 14 wiedergibt (vgl. Goed. II* S. 43 u. 44). Im *8choon 
liedekens. Boeck' Tantwerpen 1544 Nr. 41 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 210) Rijck 
god hoe mach dat wesen | Dat ic dus droeuich ben ... in 15 m. P. v. d. Aelst, 
ausser dass dessen Schlussstr. hier fehlt, nach Wortlaut u. Reihenfolge überein- 
stimmdn. Str. Das *Liedekens-Boeck' v. J. 1544 enthält unter Nr. 131 (Hoffm. XI 
S. 197) ein Lied von ähnlichem Anfang in gleichem Strophenbau: Lacen hoe 
macht wezen | Dat ic so truerich ben ... 6 Str. Berl. IIs. 1575 Nr. 17 *Ach Godt 



17 

wem schall ichs klagen, dass ich so trourigh bin' 5 Str. 1 u. 2 entspr. nd. I u. II. 
Auf die Aehnlichkeit der beiden ersten Zeilen mit dem Anfang des jetzigen *Ich 
weiss nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin' ist es kaum nötig, 
eigens hinzuweisen. 

30. St^a icf aUfyft corborgcn | be büjler lange Hadjt ... 18 vierz. Str. = 
1582 A 114, B 12. *Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 110 (Nr. 
119 vgl. Goed. IP S. 44) in 16 Str. 1—9 = nd. I-IX, 10 = XIV, 11 = XIII, 
12-14 = XV-XVII; 15 u. 16, X— XII u. XVIII beiderseits fallen aus. *Im 
thon: Mit Lieb bin ich vmbfangen, etc. wenn zwey gesetz zusammen gethan werden.' 
Vgl. dazu unten Nr. 123. *Venus-Gärtlein' 1659 S. 67 (hrsg. v. Frh. v. Waldberg: 
Neudrucke 86/89 S. 49) in 18 d. nd. Fassg. entspr. Str. Fl. Bl. Yd 9644 Zwey 
schöne newe lieder. Das Erste, Stehe ich allhie verborgen, die finstere lange nacht. 
Das ander. Ich hab ein stetten bulen zwar. (Bildchen). (Am Schluss: Gedrückt 
zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8^ o. J.). *Stehe ich allhie' in 
19 Str. sonst d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. auf d. genaueste entsprechend, 
doch unter Einschiebung einer Strophe hinter d. 16.: (17) 'Sey dir feins lieb ge- 
sungen, Zu Tausent guter nacht. Zu tratz allen falschen zungen, hab ich das 
Lied gemacht.' (18 = nd. XVII) *Sey dir schons lieb gesungen, hertz aller liebste 
mein, Gott behüt dich für falschen zungen, solst mir stets die liebste sein.' Die 
Strophe 17 d. fl. Bl. ist entbehrlich und zeigt ganz das Wesen einer spätem Ein- 
schiebung. 

31 . Xteen grötcr JrSuiobe op (Erben ys, | ben be by fyner 2IIIerIeuejien ys . . . 
7 sechsz. Str. = 1582 A 42, B 176; handschriftl. im Ms. germ. fol. 752, Einband 
V. J. 1568, Nr. 122 *Kein besser freud auf erden nit ist' ebf. in 7 Str. doch m. 
sehr starken Abweichgn. ühld. VI. Nr. 60, Goedeke-Tittm. Lb. S. 12, Böhme Ijh. 
II S. 213 Nr. 401. 

32. 2Ic^ <5obt ment fdjal icf Flagen myn letbt, | bat my myn yunge ^erte 
gefangen Itd?t ... 7 fünfz. Str. = 1582 A 79, B 183 ; in d. sog. nrh. Lhs., Einbd. 
V. J. 1574 (Bl. 91 Rs.) m. ebf. 7 Str. Berl. Hs. 1575 Nr. 99 *Ach Gott wem soll 
ich klagen mein leidt' in 7 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Nr. 
145 'Ach Godt ich klag dir all mein Leidt' dasselbe Lied noch einmal in ebf. 7 
Str. Hs. Str. 3 einerseits, nd. IV andrerseits für sich, dadurch 4 = III, sonst 
keine wesentlichen Verschiedenheiten. Böhme Altd. Lb. Nr. 216. 

33. 3^ ^»" *^o lang geroefen, | myn fynes £eeff trefft ein anbern cttjerlefen . . . 
5 neunz. Str. = 1582 A 258. M. Franck, Opusculum 1603 Nr. 5 ebf. in 5 Str. 
Fl. Bl. Yd 7852. 14 Drey Schöne Newe Lieder. Das erste. Ich bin zu lang ge- 
wesen, etc. Das ander. Es steht ein Bawm in Osterreich, der tregt Muscaten 
Blumen. (Bildchen) Das dritte, Es liegt ein Schlösslein in Osterreich, ist vns 
gantz wol erbawet. Im Jahr, 1606. (4 Bl. 8° o. 0.). Zu d. and. Liedern vgl. 
unten Nr. 84 u. 98. *Ich bin' in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Dahinter die be- 
kannten, schönen Spruchzeilen: Falschheit, betrug erzeiget sich, | List, meyterey 
gewaltiglich, | Gegen Studenten vberall, | Ihnen es doch nicht schaden sol, | Denn 
frisch, frey, frölich vnd auch fromb, | Bleibt wol der Studenten Reichthumb . . . 
(im ganzen 14 Z.). Zur Bezeichng. d. Weise findet sich das Lied in d. handschriftl. 
Lb. d. Seb. Eber v. Nürnberg (1592 bezw. 1596 Ms. germ. 4^ 733 Mel. in Zahlen 
Bl 6 b Nr. 5). 

34. Denus bu vnh byn Kinbt, | fynt beibe blinbt ... 11 sechsz. Str. 1582 
B Nr. 27 in 8 Strophen, wovon nur die 3 ersten m. d. entspr. u. d. 4. m. d. X. 
d. nd. Fassg. übereinstimmen; die 4 letzten Strophen d. hd. Liederbuchs haben 
einen andern Kehrreim als die 4 ersten und bilden je nach Ansicht entweder e. 
besonderes Lied oder e. zweiten Teil desselben Liedes. *Blumm vnd Aussbund' 
1C02 S. 76 (Nr. 85 vgl. Goed. IP S. 44) in 11 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. 
Reihenf. entspr. Str. Ebenda mehrfach zur Bezeichng. d. Gesangweise, S. 29 
(Nr. 43), S. 36 (Nr. 49) u. ö. Auch sonst oft z. Bez. d. Weise, z. B. in e. fl. Bl. 

Niederdentsclies Jahrbuch XXVI. 2 



18 

Yd 7850. 26 *Drey schöner, Newe weltlicher Lieder' Cöln 1603. Handschriftlich 
im Lb. f. 0. Fenchlerin v. J. 1592 m. 3 Str. (Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 40, 
s. auch S. 28; vgl. Goed. IP S. 42). Aus e. westf. Hs. m. 4 Str. (== nd. l-III 
u. X) b. Mone: Anz. f. Kunde d. teutschen Vorzt. 7. 1838 Sp. 77. Berliner 
Hs. 1575 Nr. 150 m. 4 Str. entspr. nd. I— HI u. X. Hoffin. Gesellschldr. Nr. 83. 
Böhme Altd. Lb. Nr. 219, Lh. HI S. 478 Nr. 1676. 

35. (Sar lufltd? ys fpa^eren ^aiin, \ leefflycf be Sünne fd/ynt ... 8 elfz. Str. 
1582 A 108 dieselben 8 Strophen, doch in andrer Folge: Hd. 1—3 = nd. I— III, 
4 = VI, 5 = IV, 6 = VII, 7 = V, 8 = VHI. 'Blumm vnd Aussbund' 1602 S. 
64 (Nr. 72 vgl. Goed. IP S. 43) m. 8 d. nd. Fassg. auch in d. Reihenf. entspr. Str. 
Fl. Bl. Yd 7850. 38 Drey schöne Lieder. Das erste, Gar lustig ist spatzieren gehn. 
Das ander, Gross Lieb hat mich vmbfangen. Das dritte, Selig ist der Tag . . . 
(Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Fuhrmann. 4 Bl. 8® o. J.). 'Gar 
lustig' in 8 d. Reihenf. nach m. 1582 A übereinstimmenden Str. Wegen d. 2. 
Liedes in diesem Einzeldr. s. unten Nr. 65. In e. Einzeldr. Ye 447 *Zwey Schöne 
newe Lieder' (s. unten Nr. 110) z. Bez. d. Weise f. d. Lied ^Möcht ich vor trawrcn 
heben an'. In d. nrh. Lhs., Einbd. v. J. 1574 (Bl. 128), sind, von späterer Hand 
eingetragen, die beiden ersten Strophen anzutreffen. 

36. 3cf liehhe boxdf JrÖuioIins lotüen | gcrcben \o manntgen bad^ ... 5 neunz. 
Str. = 1582 A 184, B 140; Bergr. 1536 Nr. 45, hrsg. v. Schade S. 111 Nr. 45, 
1574 Nr. 45, in je 5 Str. deren 3. im Zwickauer Druck d. Bergr. v. J. 1533/34, 
hrsg. V. J. Meier (Neudr. 99/100) S. 97 fehlt. Fl.- Bl. Yd 7850. 16 Drey schöne 
Lieder, Das Erst, Von deinet wegen bin ich hie. Das ander, Ich bin durch P'rew- 
leins willen, etc. Das dritte, Ich hört ein Fräwlein klagen. (Bildchen) Gedruckt 
zu Strassburg, bey Jost Martin am Kornmarckt. (4 Bl. S^ o. J.). *Ein ander 
Lied. Ich bin durch Frewleins willen' in 5 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. 
entspr. Str. Bemerkt zu werden verdient, dass von den 3 Liedern dieses Einzel- 
drucks keines unter den niederdeutschen fehlt; wegen d. beiden andern s. unten 
Nr. 70 u. 76. Grade diese drei Lieder stehn mehrfach in fliegenden Blättern zu- 
sammengedruckt: Yd 9565 *Drey schöne lieder' o. 0. u. J. Yd 9566 *Drey hübsche 
Lieder' Nürnberg, Gutknecht, o. J. Yd 9568 *Drey hübsche Lieder' Nürnberg, 
Neuber, o. J. *Ich bin durch Fräuleins willen' in je 5 Str. Ferner 'Grassliedlin' 
Nr. 9, vgl. Goed. IP S. 31, S. 40 Nürnbgr. Druck v. 68 Liedern u. s. w. In d. 
Liederhs. d. Herzogin Amalia v. Cleve (s. Bolte: Zs. f. dtsche. Philol. 22 S. 404) 
ebf. in 5 Str. Im Antw. Lb. v. J. 1544 (hrsg. v. HoiFmann, Hör. Belg. XI S. 154) 
Nr. 102 in 6 Str., wovon d. 4 ersten entspr. I, II, IV, V d. and. Fassgn., 5 u. 
einerseits, III andersts. für sich laufen. Berliner Hs. 1575 Nr. 129 in 5 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Bolte, Augsburger Lb. v. J. 1454 : Alemannia 18. 1890 S. 227. 
Uhld. VI. Nr. 81 (vgl. 89). Böhme, Altd. Lb. Nr. 121, Lh. II S. 612 Nr. 811. 

37. UlYn ögelin wenen, ntyn Qerte motl) füd/ten, | füg motl| tcf flagcn myn 
fd^mar voxbxettli ... 14 vierz. Str. Aus d. niederld. übersetzt. Bolte weist in 
seiner trefflichen Abhandlung über *Das Liederbuch des P. Fabricius' im Jahrbuch 

d. V. f. niederd. Sprachforschg. 13. Jg. 1887 S. 61 f. aus d. bez. Liederbuch 

e. hochd. u. ausserdem aus e. 1609 angelegten Hs. d. Hamburger Stadtbibl. e. 
niederld. Fassg. in je 14 d. nd. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. nach. Erk- 
Böhme, Liederhort III S. 469 Nr. 1664. 

38. 3bt was ein yunger Qelbt | fvn Qerte was em gejicit, | pp ein ^md- 
fröumltn fdjone ... 12 sechsz. Str. *Blumm vnd Aussbund' 1602 S. 183 (Nr. 188, 
vgl. Goed. IP S. 43) in 11 Str. 1—4 = nd. I-IV, 5 = VI, 6 = VH, 7-9 = 
IX — XI, 10 u. 11 einers. V VIII u. XII anders, weichen ab. Genauer entspricht 
d. nd. Fassg. diejenige des *Amsterdamse Liedboeck' S. 32 *Een oudt Liedeken . . ■ 
Het was een jonger Helt' ... m. 11 Str. wobei nur die 5. der nd. Fassg. weg- 
gefallen ist. In d. Lhs. d. Fabricius, Bolte a. a. 0. S. 60, nur 2 Str. Erk-Böhme, 
Liederhort III S. 462 Nr. 1654. 



19 

39. 3cf gtncf mv gt^ern ITTorgcn | fpa^eren bord? ben ipolbt ... 7 fünfz. 
Str. Unter Weglassg. d. nd. Anfangsstr. findet sich d. Lied in e. viel spätem 
niederld. Sammig: Thirsis Minnewit 111 1726 5. 99 *Ik klom 'er den Boom al op' 
entspr. d. 2. Str. d. nd. Fassg. 'Ick steech vp einen Boem' in 6 d. Str. II — VII 
(1. nd. Fassg. entspr. Str. Uhld. VI. 22 A u. B, Böhme Altd. Lb. 190, Lh. II 
S. 262 Nr. 443 a u. b. 

40. 3cf gtncf cor einer loerbtnnen fjug, | men fraget my vool irf n?cre . . . 
8 vierz. Str. = 1582A 238, B 182; Forster III 1552 Nr. 29 in ebf. 8 nach Wortl. 
u. Reihenf. d. nd. Fassg. entspr. Str. (vgl. Goed. IP S. 36 Forster III 1549 Nr. 29); 
Franck Opusc. 1603 Nr. 18 in 7 Str. Uhld. VI. Nr. 196 A u. B, Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 118, Böhme Altd. Lb. Nr. 421, Lh. III S. 174 Nr. 1288. 

41. ruinier bu mofl orloff t|an, | bat t|ebbe icf ipoI üornamen ... 6 vierz. 
Str. = 1582 A 120, B 50; Uhland VI. Nr. 48 A u. B gibt noch e. ähnliches 
Lied aus e. Heidelbgr. Hs. *Ach sorge! du must zu rucke stan' ... in 6 vierz. Str. 
Böhme Altd. Lb. Nr. 152 u. 153, Lh. II S. 207 Nr. 395 a u. b. 

42. (D Suiprmans Sön, Iatl| Höfeltrt jial^n, | fe fynt nid?t byn ... 3 vierz. 
Str. = 1582 A 9, B 61; Ochsenkhun 1558 b. Goed. IP S. 30, S. 39 Ott 1564; 
Uhld. VI. Nr. 252 A u. B, Hoffm. Gesellschldr. Nr. 150, Goedeke-Tittm. Lb. S. 70, 
Böhme Altd. Lb. Nr. 222, Lh. II S. 280 Nr. 459. 

43. 3cf weili ein IHegtltn van ad^ttev« ^a^ten, \ mit brunen (Dgen onb 
(SoIMf amen Qarn ... 8 achtz. Str. = 1 582 A 246. 

44. 3^ ^ebbe geipafet eine IPtnter lange Xtadjt, | bartt|o trefft my ein 
jdjön 3unrffröuiDlin gcbradjt ... 12 vierz. Str. Antw. Lb. 1544 Nr. 81 (Hoifm. 
ilor. Belg. XI S. 120) Het is gheleden iaer ende dach ... 6 vierz. Str. *Grass- 
liedlin' Nr. 13 nur die 4 Zeilen 'Mann legt den Brandenburger auif ein tisch, 
zerschnitten wie ein Reinisch fisch, sein junges leben entwichen, sein roter mundt 
verblichen'. (Goed. IP S. 31.) Diese 3 Fassgn. gibt Uhld. VI. 75 A-C. In d. 
Lhs. d. Fabricius (vgl. oben Nr. 37 u. 38, Bolte a. a. 0. S. 59) m. 12 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Fl. Bl. Yd 9748 Eyn schöner Brember- | ger. Ich hab gewacht 
die liebe | lange nacht. | Ein ander Lied, Gut Reytter | bey dem weyne sass, etc. | 
(Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ 
0. J.) *Ich hab gewacht' 10 Str. 1 u. 2 = nd. I u. II, III u. IV fehlen im Ein- 
zeldr. 3 ähnlich V, 4 u. 5 = VI u. VII, 6 = X, VIII u. IX XI u. XII anders als 
7—10. Andern Inhalt bei gleichfalls verschiedener Strophenform hat das in jener 
Zeit auch diesseits des Kanals bekannte T have waked the winters nights'. Der- 
selbe Stoff in Form eines Meisterliedes z. B. Yd 8586 Ein hübsch lied von des 
Brembergers end vnd tod, In des Brembergers thon. (Bildchen). (Gedr. zu Nürn- 
berg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8<*,o. J.) Anfang: 'Mit vrlaub Fraw vmb ewren 
werden dienstman, geheyssen was er Bremb erger, ein edler Riter weyse' 5 lange 
Meistergesangstr. Diese Strophenform, gewöhnlich ohne weitem Zusatz als 'Brem- 
berger' bezeichnet, war bei den Meistersingern beliebt und lässt sich mehrfach 
antreffen, besonders oft in dem Sammelbande Yd 7801 (v. Nagler's), z. B. an 21. 
Stelle: *Ain Brenberger. Es iagt ain fraw ain hirss über ain grüne haid' . . . 
3 Gesätze, an 25. Stelle: *Brenberger. Got griess mein lieb, der ich mich hon zu 
dienst verpfiicht' ... 3 Gesätze, an 36 Stelle: 'Ich sich an die, die meines leybes 
hatt gewalt' ... 3 Gesätze, an 43. Stelle: 'Ist yemandt hie der sich frey der 
wintter lange nacht' ... 3 Gesätze, an 46. Stelle: 'Mich bat ain fraw, ich solt 
jr dienen manigfalt' ... 3 Gesätze, an 47. Stelle: 'Mich fragt armut, wa ich 
ir wer hin entrunnen' ... 3 Gesätze, an 50. Stelle : 'Mit vrlaub fraw, vmb eüwern 
werden dienestman' . . 5 Gesätze (= Yd 8586), an 65. Stelle: 'Brenberger Wach 
auff feins lieb auss deinem schlaff das bit ich dich' ... 3 Gesätze, an 70. Stelle : 
'Ein hübsches lied in des Brembergers thon. Wie wol dem tag der mir aller- 
minst ist worden kuudt' ... 3 Gesätze. Yd 8306 'Zwen new Brenberger' 
fNürnbg. Jobst Gutknecht) 'Ich danck dir Fraw das du so trewlich liebest mich' . . . 

2* 



20 



3 Gesätze, u. *0 wee der angst o wee des iamers vnd der not' ... 3 Gesätze; 
Yd 8311 *Zwen hübsch Bremberger' (Nürnbg. J. Gutknecht) dieselben Lieder wie 
Yd 7801 an 36. u. 70. Stelle; Yd 8581 'Ein Schöner Bremberger, Wach autf hertz 
lieb, auss deynem schlaflf, das bitt ich dich' ... 8 Gesätze (Nürnbg. Val. Neuber), 
vgl. Yd 7801. 65 u. s. w. Das Schema stimmt nicht genau für alle diese Lieder, 
doch sind die Abweichungen von der Grundform der Strophe immer derartig, dass 
eine Veränderung der Melodie dadurch nicht bedingt ist. Als Grundform mag 
dienen Yd 7801. 20: 

Ain hübsches lied in des brembergers thon. 

Es ist nit lanng das mich ainn hübsche Junckfraw bat, 
ich solt nit vnder wegen lan, 
ain lied solt ich ir singen; 

so bin ich hie, von mir soll sy geweret sein, 
mein leib sollt yr sein vnder than, 
seyd ichs mit treuen finnde; 

got grüss dieselbig frawe zart, 
die ich doch main in steter treu, 
sy hat mein hertz besessen, 
denn mir kain mensch nye lieber wardt, 
yr lieb die ist mir allzeyt neu, 
ich kan yr nit vergessen; 

wolt sy mich meinner stetter treu gemessen lan, 
die weil ich leb do will ich sein ir vnnderthan, 
inn meinem hertzen ward nye ir geleich, 
ach got wer sol ir pfleger seinn, 
dir zart got von himelreich ... 3 siebenzehnz. Str. 

Obschon die Verszeilen hier ebensowenig wie sonst abgesetzt sind und Ver- 
derbnisse des Wortlauts nicht fehlen, tritt in dieser Strophe das zu Grunde liegende 
Schema doch unzweifelhaft und mit einer für jene Zeit seltenen Sauberkeit hervor : 
w — ^ — , w — w — , w — ^ — Z. 1 u. 4 11. a a 





w — 


— 




— 










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2 




5 




b b 






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3 




6 




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— 










Z. 7 


u. 


10 


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w 


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17 








h 




z. 


1 2 


3 


4 5 6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 




13 


14 


15 


16 17 


Z. 


R. 


a b 


c 


a b c 


d 


e 


f 


d 


e 


f 




g 


g 


h 


X h 


R. 


H. 


6 4 


3 


6 4 3 


4 


4 


3 


4 


4 


3 




6 


6 


6 


4 4 


IL 


E. 


m m 


w 


m m w 


m 


m 


w 


m 


m 


w 




m 


m 


m 


m m 


E. 



(Z. == Zeile, R. = Reimstellung, H. = Hebungen, E. = Endung d. Z.). In vor- 
gezeichneter Strophe müsste nach diesem Schema Z. 1 m. 4, 3 m. 6 sich reimen, 
was nicht der Fall ist, femer fehlen in der 15. u. 17. Z. Silben; das ergibt sich 
aus den andern Strophen desselben Liedes; in diesen andern Strophen finden sieb 
aber dafür andre Abweichgn. v. d. Grundschema. Dass es meist nicht möglich 
sein wird, bei diesen vielgliedrigen Strophen ein genaues in jeder Silbe und jedem 
Reim bestimmtes Schema vorzuzeichnen, liegt vor allem an der Nachlässigkeit der 
damaligen Drucke; aber es mag wol auch in jeder Zeit, selbst als man diese ver- 
wickelten Reimgebäude mit Vorliebe herausarbeitete und solcher schwierigen Kunst- 
übung sorgsam beflissen war, nur wenige gegeben haben, die derartige Schemata 
sicher im Kopfe hatten, so dass sie dieselben sowol anzuwenden als auch jeden 
geringfügigen Verstoss augenblicklich zu bemerken im Stande waren. So wird sich 
nur selten eine Strophe finden, die nicht in Kleinigkeiten vom Schema abwiche. 



21 

Manche Veränderungen desselben sind auch mit bewusster künstlerischer Absicht 
vorgenommen und müssen als dichterische berechtigte Freiheiten gelten wo nicht 
als gleichwertige metrische Schemata. Dahin gehört es, wenn die 2. u. 5., d. 8. 
u. 11. Zeile reimlos bleibt, oder wenn die sechs Zeilen 7 — 12 statt d. Reimstellung 
def def vielmehr dde fFe aufweisen, wodurch die Melodie freilich nicht im geringsten 
berührt wird; oder wenn die Silbenzahl Veränderungen erfährt, wie namentlich in 
der 15. Zeile mehrere Gedichte die Zahl der Füsse von 6 auf 7 erhöhn, wobei 
der Ton ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird und dementsprechend zu dehnen 
ist. Böhme, Altd. Lb. Nr. 23, schematisirt auch die Strophe des Meisterliedes, 
doch nicht ganz zutreffend; seine Ausfuhrungen sind im übrigen sehr gehaltvoll 
und fast erschöpfend. Er wiederholt das meiste im erweiterten Erk'schen Lieder- 
hort I S. 356—59 Nr. 100 a— e. 

45. Deel (Slficfs tnen fprtcft, trefft Hybers Peel, | bat Xlvbent ber Klaffer 
f^eft mtn teel ... 17 sechsz. Str. In der schönen Berliner Lhs., Einband v. J. 
1575, Nr. 116 Tiel glück man spricht hat Neider viel' m. 19 Str. 1—9 = nd. 
I-IX, 10 = XI, 11 = X, 12-14 ganz verschieden v. XII, 15—19 = XIII— XVII. 
In d. sog. nrh. Lhs. Einband v. J. 1574. Bl. 148 Vs. : *Vyll glucks spricht man 
haedt nyder vyll' unterz. 1580 Anton Wolffskeell, nur 7 Str. In d. Lhs. d. Frh. 
V. Reiffenberg (1588) s. Reiffenberg, Nouv. Souv. d' Allem. I S. 226 m. 18 Strophen, 
wovon d. ersten 16 nach Wortl. u. Eeihenf. d. nd. Fassg. entspr. u. nur d. beiden 
letzten v. d. nd. Schlussstrophe abweichen. Mit 17 genau d. nd. Fassg. entspr. 
Str. findet man später das Lied im Venusg. 1659 S. 65 (1656 hrsg. v. Frh. v. 
Waldberg, Neudr. 86/89_S. 48) Fl. BI. Yd 9665 Ein Schön New Lied, Gott helflf 
mir vberwinden, mein jemerliche klag. Im Thon, Gar lustig ist spacieren gan, etc. 
Ein ander Lied, Vil glück Man spricht hat Neider vil. Im Thon, Ob ich gleich 
arm vnd Elend bin. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch 
Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8° o. J.) m. 18 genau d. Reiffenberg'schen Fassg. 
entspr. Str. Wegen der z. Bez. d. Weise gebrauchten Lieder s. Nr. 35 u. 52. 

46. £eefflYcf Ijcfft jlcf gefettet | ntyn ^ert in fortcr fryfl | na einer be my 
gefcüet... 4 siebenz. Str. = 1582 A 19, B 71; Bergr. 1531 (hrsg. v. J. 
Meier, Neudr. 99/100 S. 38 Nr. 18), 1536 Nr. 27, hrsg. v. Schade S. 68 Nr. 27, 
1574 Nr. 27 in je 4 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. 'Gassenh. 
vnd Reutterl.' Nr. 6, vgl. Goed. IV S. 31, S. 35 Forster II 1540 (1553 Nr. 14 nur 
d. erste Str. wie d. Gassenh.), S. 40 Nürnberger Druck v. 68 Liedern. Fl. Bl. 
Yd 9126 Ein hübsch lied. Mein eynigs A . . . Noch ein liedlein. Lieblich hat sicli 
gesellet, mein. Item noch ein anders liedlein, Ker wider glück mit freüden. (Am 
Schluss: Gedrückt zu Nürenberg durch Jobst Gutknecht. 4 Bl. S^ o. J.) Dieser 
Einzeldruck enthält im ganzen 5 Lieder, an 4ter Stelle 'Lieblich hat sich gesellet' 
in 4 V. d. and. Fassgn. wesentlich abweichenden Str. (Str. II u. III Plätze getauscht). 
— In dem oben Nr. 22 schon beschriebenen Einzeldruck Ye 15 *I)rey hübsche 
Lieder' findet man an erster Stelle 'Lieblich hat sich gesellet' m. 5 Str. (d. 2te 
davon fehlt d. and. Fassgn.) — Ye 16 Drey hübsche Lieder, das erst. Lieblich hat 
sich gesellet, mein hertz in kurtzer frist. Das ander, Dein lieb durch dringt mein 
junges hertz. Das dritte. Ich muss von hin, darumb ich bin. (Bildchen). (Am 
Schluss: Gedruckt zu Nürnberg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) ^Lieblich hat 
sich gesellet' m. 5 Str. entspr. Ye 15. — Berl. Hs. 1568 Nr. 73, sog. nrh. 1574 
Bl. 28 Rs. mit je 4 in Wortl. u. Reihenf. dem Einzeldr. Yd 9126 entspr. Str. 
(2 = nd. III, 3 = II); Berl. Hs; 1575 Nr. 92 m. 4 d. nd. Fassg. auch in d. 
Reihenf. entspr. Str. — Hoflfm. Gesschldr. Nr. 41 nur d. erste Str. Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 25 m. 4 Str. Böhme Ad. Lb. Nr. 131 m. 4 Str. Lh. II S. 278 Nr. 456. 

47. HTyn £jert t>e>^i[i ficf erfröumen | yegen be J^ertaüerleuefte mvn . . . 
11 achtz. Str. 1582 A 219 nur 10 Str. 1 = nd. I, 2 = II, 3 = V, 4 = VIII, 
5 = IX, 6 -= VII, 7-10 fehlen in d. nd. III IV VI X XI in d. hd. Fassg. — 
H. Bl. Ye 541 Ein schön new- | es Lied, Mein Hertz tliut | erfrewen, etc. Ge- 
mehrt vnd gebes- | sert, mit sechs gesetzen. | Hat seinen eygen Thon. (Bildchen) 
Gedruckt zu Nürmberg, durch | Hans Kholer. 4 Bl. 8^ o. J. *Meiu Hertz thut 



22 

sich erfrewen' 13 Str. 1 u. 2 = nd. I u. II, 3 == V, 4 == VIII, 5 = IX, 6 = VII, 
7 — 10 fehlen in d. nd. I^assg.; soweit entspr. 1582 A, 11—13 aber sind im Einzeldr. 
dem ganzen überflüssig und störend angehängt: 11. Also wil Ichs auch singen, 
dem schönen Truserlein ... 12. Aide ich fahr von hinnen, du schöne Keyserin . . . 
13. Darmit will ich beschliessen, diss Liedtlein also klein . . . Dahinter noch: 
Einen stetten Bulen haben, | Demselben auff der Lauten schlagn, | Solchs sind 
eytel Gottes gabn. | G. Grünwald. | Der Name Grünwald, der sich mehr als 
einmal von dem gleichförmigen Hintergrund scharf abhebt, ist wol zu beachten; 
vgl. Wunderhom III 1808 S. 146; Uhlands Schriften z. Gesch. d. Dichtg. u. Sage 
III 1866 Schluss (S. 454-56 u. Anm. S. 549). — Berl. Hs. 1569 bezw. 1575 
(Georg V. Helmstorff u. Hanss Frdr. v. H. Ms. germ. 4^. 402 Abschr. 4P. 715) 
Nr. 39 : *Mein Herz thuet sich erfreyen' in 7 Str. 1 u. 2 = nd. I u. II, 3 = V, 
4 = IX, 5 = VIII, 6 u. 7 abweichend. — In dem handschriftl. Lb. d. Frh. v. 
Reiffenbg, a. a. 0. S. 215: *Hertzlich dhutt mich erfrewenn, die hertzallerliebste 
mein' 12 achtz. Str. 1-5 = nd. I— V, 6 = VIII, 7 = IX, 8 = VII, 9—12 
(= 1582 A 7—10) fehlen in d. nd. Fassg , wie von dieser VI, X, XI bei Reiffbg. 
fehlen. 1582 A = Fl. Bl. Str. 1 — 10; Reiffenbg. hat gegen diese 10 Strophen an 
3. u. 4. Stelle zwei mehr. Böhme Lh. II S. 196 Nr. 384 gibt nur nach 1582 A 
6 Strophen, anscheinend ohne die sonstigen Fassgn. zu kennen; merkwürdiger- 
weise setzt er das Lied unmittelbar hinter das Grünwald'sche *Mir g'liebt im 
grünen Maien' (s. unten Nr. 91); die Aehnlichkeit in Ausdruck u. Gesinng. muss 
also doch wol unverkennbar sein. 

48. 3cf weili ein Hlegtlin ys l^übfd? r>nbe tyn, | fe trefft ein robes IHün- 
beltn ... 5 sechsz. Str. = 1582 A 99, B 4; *Blumm vnd Aussbund' 1602 S. 129 
(Nr. 135) ebenf. in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Vgl. Goed. 11^ S. 43, S. 40 Nürn- 
berger Druck V. 68 Liedern u. ö. Fl. Bl. Ye 57 Drey schöne Newe Lieder, Das 
erste. Ich weiss mir ein Mägdlein hübsch vnd fein. Es hat ein rohtes Mündelein. 
Das ander. Ich weiss ein Fräwlein hübsch vnd fein, wolt Gott ich solt heut bey 
jhr sein. Das dritte. Ich hab so lang gestanden, Ich stund in sorgen gross. Im 
Thon, Stehe ich allhie verborgen, etc. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu 
Nürnberg, durch Val. Newber, Wonhafft im obern Wehr. 4 Bl. 8° o. J.) 'Ich 
weiss mir ein Megdlein' in 5 d. nd. Fassg. nach Wortlaut und Reihenf. entspr. 
Str. Wegen d. 3. Liedes in diesem Einzeldruck s. unten Nr. 90 u. Bez. d. Weise 
dazu s. oben Nr. 30. Berl. Hs. 1575 (Ms. germ. fol. 753) Nr. 76 *Ich weiss mir 
ein Megdlein ist hübsch und fein' ebf. in 5 entspr. Str. Lieder m. ähnl. Anfgn. 
gibt es mehrere, z. B. ausser dem 2. im fl. Bl. Ye 57 noch *Ich weiss mir ein 
meydlein hübsch vnd fein, hüt du dich, es kann wol falsch vnd freundlich sein, 
hüt du dich' . . . u. a. Hoffm. Gesellschi dr. Nr. 124. 

49. IJbt ys r>p (Erben neen fd^ioarer lyben, | benn roenn ftcf tioe fjcrtleejf 
möttjen fd^eiben ... 14 sechsz. Str. u. *Beschluth' v. 6 (eig. nur 4) Zeilen. 1582 
A 118 hat nur 13 Str. u. Beschluss (ohne besondre üeberschrift) v. 4 Z. Ilochd. 
Str. 1—5 = nd. I— V, 6 = VIII, 7 = IX, 8 = VI, 9 = VII, 10 = X, 11 = XI, 
XII fehlt in d. hd. Fassg., 12 = XIII, 13 = XIV. 1582 B 2 hat 13 Str. entspr. 
1582 A, nur ohne die Schlusszeilen. Fl. Bl. Yd 7850. 2 Zehen Schöner Lieder. 
Das erste: Es hett ein Meidlein ein Reutter hold. . . Das neundt: Es ist auff 
erden kein schwerer leyden. Das zehendt: Als wider mich ist mir nit new . . . 
(Schluss: Gedruckt zu Augspurg, bey Michael Manger. 7 bezw. 8 Bl. 8^ o. J.). 
*Es ist auff Erden' 11 Str. Von d. nd. Fassg. fehlen ausser d. XII. hier auch 
noch die VI. u. VII. Strophe, die in 1582 A u. B hinter d. VIII. u. IX. d. ud. 
Fassg. stehn. — Vgl. noch d. handschriftl. Lb. f. Ottilia Fenchlerin v. Strassburg 
1592 Nr. 47 (Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 52; Goed. IP S. 42) in 11 Str. 
'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 65 (Nr. 73; vgl. Goed. IF 
S. 43) in 11 Str. entspr. d. fl. Bl. Yd 7850. 2. 'Im thon: Ich hab dich lieb wie 
du wol etc.' (s. unten Nr. 126) *Es ist auf Erden' seinerseits z. Bez. d. Weise 
noch ausserdem b. P. v. d. Aelst S. 103 (Nr. 111). -— In d. Berl. Hs. Ms. germ. 
fol. 753, Einband v. J. 1575, Nr. 142 m. 11 Str. u. Beschluss ohne bes. Uebersclir. 



23 

Es fehlen VI, VU u. XII d. nd. Fassg. Böhme Nr. 266 nach 1582 A unter Weg- 
lassg. V. 3 Str. Lh. II S. 558 Nr. 755. 



Mit dem *Beschliith' vorstehenden Liedes beginnt das Hamburger Bruchstück ; 
die nächsten 3 Nummern fehlen dem früher Uhland'schen Liederbuche; da die 
nächste Nummer des Hamburger Bruchstücks 50 lautet, so scheinen sich die ersten 
49 Nummern der beiden Liederbücher vollkommen gedeckt zu haben. 



50. nyn (eue an leybi, | fd^iper tcf ein ^'^bt, \ ys nu gefunben tporben^ | De 
£cuc ys blinbt ... 2 zwölfz. Str. u. v. d. 3. *Leue bringt leidt, | na groter fröuwdt, | 
wol sick' . . . damit bricht das Lied, welches wahrscheinlich nur aus diesen 3 
Strophen bestand, ab. In dem oben (s. Nr. 3) beschriebenen Einzeldruck Yd 9570 
'Vier schöner lieder' steht e. hd. Fassg. in 3 d. nd. entspr. Str. an 2. Stelle. In 
d. nrh. Lhs., Einband v. J. 1574, befindet sich Bl. 21 ein Stück, welches beginnt 
'Ein stediger beger Ein Jungkfrewlein rein' in 3 scheinbar zusammenhängenden 
Strophen, wovon die 3. nach ihrer metrischen Gliederung von den beiden ersten 
abweichende lautet: *Vmb liebte noch vmb leidt Schwer ich keinenn Eidt Sev 
ist mir wund wordenn Die liebte ist blind' . . . 

51. Xla luft ^ehb \d my otl^eripelt, | Dy mynes £)crten ein Cröfterin . . . 

3 achtz. Str. = 1582 A 4, B 173; A. v. Aich's Lb. Nr. 26 ebf. in 3 entspr. Str. 
vgl. oben Nr. 10, Goed. 11'^ S. 28; 8. 32 Gassenh. Berliner Heftchen, 56 Ldr., 
Nr. 16; S. 36 Forster III 1549 (1552 Nr. 55 m. 3 d. nd. Fassg. entspr. Str.). 
Handschriftl. in Martin Ebenreu tters von Würzburg Lb. 1530 Ms. germ. fol. 488 
(Abschrift v. Meusebachs 4«. 714; Bl. 330 Nr. 150, Berl. Hs. 1568 Nr. 72 in je 3 
d. nd. Fassg. entspr. Str. 

52. (Im Hamburger Bruchstück fehlt der Anfang des Liedes) . . . ydt schal 
eu helpen nicht, | Godt ys voll grother Güde . . . Diese Worte fallen in die 2te 
Strophe von 1582 A Nr. 227 Wterool ic^ arm onb elenb bin, fo Ijab td? boc^ ein 
flcten pnn' ... 20 sechsz. Str. Ebensoviele hatte d. nd. Fassung, in welcher ausser 
der ersten auch noch 2 andere Strophen (nach d. Zählg. der Herausgeber 7 u. 14, 
nach d. Ambraser Lb. 8 u. 15) fehlen, die sonst aber nach Wortlaut und Strophen- 
folge ganz d. hd. Fassg. entspricht. Eine kürzere Fassg. desselben Liedes triift 
man 1582 A 27, 1582 B 79 und noch einmal 174 in je 5 d. ersten 5 d. längern 
Fassg. entspr. Str. an. Goed. IP S. 37 Forster (V 1556 Nr. 49); S. 42 Ottilia 
Feiichlerin (Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 49 Nr. 44 in 3 Abschnitten, wovon 
d. beiden ersten den 4 ersten Strophen d. andern Fassgn. entsprechen, der dritte 
jedoch zu e. and. Liede gehört); S. 43 P. v. d. Aelst. ('Blumm vnd Aussbund' 
S. 160 Nr. 167 in 20 Str. d. nd. Fassg. entspr.) Fl. Bl. Yd 7831 (Einband v. J. 
1566) 60tes Heftchen: Ein schön New | lied. Ob ich schon arm vnd | Elend 
bin, so trag ich doch | einen steten sin, etc. Gemehret | vnd gebessert mit dreytze- 

hen gesetzen. | (Bildchen). (Am Schluss : Gedruckt zu Straubing, durch Ilannseu 
Bürger. 4 Bl. 8^ o. J.) *0b ich schon' für sich allein m. 20 d. nd. Fassg. entspr. 
Str. Yd 9823 Ein schön new Lied, Ob | ich schon arm vnnd ellendt bin, noch | 
trag ich einen statten sinn. Ge- | mehrt vnd gebessert, mit | dreytzehen gese- 
tzen. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Newber. 

4 Bl. 8^ 0. J.) Hier ist das Lied ebf. für sich besonders mit 20 entspr. Str. 
gedr. Zur Bez. d. Weise Yd 7831. 72 *Hertzog moritzen, des Churfürsten zu 
Sachsen Lied.' — Handschriftl. 1568 Nr. 66 * Wiewohl ich arm vnd ellendt bin' 

5 Str. Nrh. Lhs. 1574 *Wiewol ich ietz im ellendt bin' 5 Str. Hs. 1575 Nr. 45 
Das ich so arm vnd elend bin' 5 Str. u. noch einmal Nr. 146 *Nu wende nu wende 
vngeUicke von myr' 6 Str. = nd. Nr. 52 Str. V— X, 1582 A Nr. 227 Str. 6-11. 
lu e. westfäl. Hs. m. 5 Str. b. Mone, Anzeiger 7. 1838 Sp. 80. Ebenda Sp. 81 
u. 238 an d. vorige (Nr. 51) u. d. folgende (Nr. 53) d. nd. Lieder anklingende 
Stücke. — Uhld. VI. Nr. 72 in 5 Str. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 101 ebf. in 5 Str. 
Böhme Altd. Lb. Nr. 431 dsgl. Lh. II S. 552 Nr. 747. 



24 

53 (bezw. 50). 3ngbrügg tcf motlj by laten, | tcf vafyc barljcn myit Straten 
... 4 sechsz. Str. = 1582 A 188, B 145 ; Forster, Ein aussbund schöner Teiitscher 
Liedlein, T. 1. 1552 Nr. 36 in 3 Str. (III fehlt), vgl. Goed. IP S. 35. Fl. Bl. Yd 
9681 Drey Schöne Lieder, Das erst. Ich armer Poss etc. Das ander Issbruck ich 
muss dich lassen. Das drit. Ich klag den tag vnd alle stund. (Bildchen). (Schluss: 
Gedrückt zu Nürnberg durch Friderich, Gutknecht. 4 Bl. 8** o. J.) *Isbruck' in 
4 d. nd. Fassg. entspr. Str. Yd 9685 Zwey Schöne Lieder. Das Erst: Ich armer 
Boss. Das ander, Issbruck ich muss dich lassen, etc. (Bildchen). (Schluss : Gedruckt 
zu Nürmberg durch Val. Newber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Isbruck' in 3 Str. III d. voll- 
ständigeren Fassgn. fehlt, wie bei Forster. Wegen d. ersten Liedes in diesen 
beiden Einzeldrucken s. sogleich die nächstfolgende Nr. 55. — Uhld. VI. Nr. 69, 
Hofim. Gesellschldr. Nr. 86, Goedeke-Tittm. Lb. S. 66, Böhme Ad. Lb. Nr. 254, 
Lh. II S. 546 Nr. 743. 

54 (bezw. 51). ntyn fyns £eeff ys van flanbern, | vnbe trefft einen wan- 
dehn mobt ... 7 siebenz. Str. = 1582 A 77, B 121. Fl. Bl. Yd 9630 Ein 
schön New Lied, So wünsch ich jr ein gute nacht, bey der ich was alleine, etc. 
Ein ander Lied, Mein feines lieb ist von Flandern, vnd hat ein wancklen muth, 
etc. Noch ein Lied, Ich bin versagt, «gegen einer Magd, etc. (Bildchen). (Schluss: 
Gedruckt zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8^ o. J.) *Mein feyns 
Lieb' in 8 Str. 1 — 7 d. sonstigen Fassgn. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Schlussstr. 
mehr, aus formelhaften Wendungen bestehend: Er singt vns das vnd noch vil 
mer ... Ye 71 Fünff Schöner newer Lieder. 1. Auss argem won so heb ich an, etc. 
2. Mein feins Lieb ist von Flandern ... 5. Wer ich ein wilder Falcke, etc. 
(Bildchen). (Schluss: Gedruckt zu Nürnberg, durch Val. Newber. 4 Bl. 8^ o. J.) 
*Mein feins lieb' in 8 Str. entspr. d. vorigen Einzeldr. Berl. Hs. 1575 Nr. 64 in 7 
d. nd. Fassg. entspr. Str. ühld. VI. Nr. 49, Goedeke-Tittm. Lb. S. 47, Böhme Ad. 
Lb. Nr. 217, Lh. II S. 294 Nr. 474. — Nr. 6 (s. oben) ist nichts als eine ver- 
dorbene u. abgekürzte Fassg. dieser Nr. 54. — Dies Lied war eins der wenigen, 
welche als kümmerliche Reste jener früheren gewaltigen Liederfülle die Zeiten des 
grossen deutschen Krieges überdauerten und sich mitten unter Erzeugnissen eines 
ganz veränderten Geschmacks behaupteten. *TugendhaflFter Jungfrauen und Jungen- 
gesellen Zeit -Vertreiber . . . Durch Hilarium Lustig von Freuden-Thal' . . . 'Das 
190. Lied': 

Mein feins Lieb ist von Flandern, und trägt ein freyen Muth, gibt einen 
umb den andern, das thut die Läng kein gut, doch bin ich stets ihr wohl ge- 
muth, ich wünsch ihr alles gut. 

Wer mein Leib ein Brünnlein kalt, und sprüng aus einem Stein, und wer 
ich den ein grüner Wald, mein Trauren das war klein, grün ist der Wald, das 
Brünnlein kalt, mein Leib ist wohl gestalt. 

Mein feines Lieb hat ein Mündelein, das ist roth und weiss, darzu zwey 
schwartz-braun Eugelein, sie hat allzeit den Preiss, das Mündelein ist roth, bewahr 
sie der liebe Gott, und uns vor aller Noth. 

55. 3cf armer Burg, bin ganfe voxweevt, \ wov fdjal tc! my i^enfctirett . . . 
6 achtz. Str. = 1582 A 18, B 70; Forster, Der dritte teyl, schöner, lieblicher, 
Teutscher Liedlein, 1552 Nr. 75 ebf. in 6 Str. vgl. Goed. IF S. 36, S. 40 Nürn- 
berger Druck V. 68 Liedern. Fl. Bl. Yd 7821. 37 Ein hübsch new Lied, Mein 
fleiss vnd mhü jch nie hab gespart. Eyn ander Liede, Ich armer Boss, bin gantz 
verirt, etc. (Bildchen). (Am Schluss: Getruckt zu Nürnberg durch K. Hergotin. 
4 Bl. 8^ 0. J.) 'Ich armer Boss' 6 entspr. Str. In den beiden so eben bei Nr. 
53 beschriebenen Einzeldrucken Yd 9681 'Drey Schöne Lieder' u. Yd 9685 'Zwey 
Schöne Lieder' das Lied au erster Stelle m. ebf. je 6 entspr. Str. In dem oben 
zu Nr. 22 beschr. Einzeldruck Ye 476 'Veer lede' steht d. Lied an 4. Stelle nd. 
m. ebf. 6 entspr. Str. Z. Bez. d. Weise z. B. Ye 36 'Schöner newer Lieder drey 
Nürnbg. Neuber) 'Wo soll ich hin, wo soll ich her'. Berl. Hs. 1568 Nr. 75 m. 
3 Str. = nd. I— 111. Erk-Böhme, Liederhort 111 S. 464 Nr. 1657. 



25 

Nr. 56 (bezw. 52). 3rf loetlj my eins (grauen Dödjterltn, | fe walint tl^o 
5tra§bordj op bem Hyn ... 13 fiinfz. Str. 1582 A 255 hat 15 Strophen, wovon 
d. 3. u. 4. d. nd. Fassg. fehlen. 

57 (bezw. 53). De ITtorgenpern l^efft pcf cpgebrungen, | gar fd?ön l^ebben 
uns be fletnen IDalbtcögeltn gefunden ... 7 vierz. Str. Ausserdem nur noch 
bisher nachgewiesen aus d. Liederhs. d. Herzogin Amalia v. Cleve (Bolte: Zs. f. 
deutsche Philol. 22, 401) 9 Str. Uhland, VI. Nr. 79 A u. B, druckt diese beiden 
Fassgn. ab. Vgl. Böhme Ad. Lb. Nr. 108 u. Lh. II S. 609 Nr. 808. Eine hd. 
Fassg. ist bisher nicht bekannt geworden, d. Lied ist wol von Ursprung an in 
der Mundart verfasst und nicht erst in dieselbe aus d. hd. Schriftsprache übs. 
Die verhältnismässige Sauberkeit der Reime pflegt in Fällen der Uebertragung 
nicht bestehn zu bleiben. — In e. fl. Bl. v. J. 1564 Yd 7831. 32 dient d. Lied 
z. Bez. d. Gesangweise. — 

58 (bezw. 54). 3^ ^abbt my cnberiDunben; | iDoIb beenen einer ^fröurnlin 
fyn . . . 5 achtz. Str. = Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 32 (vgl. auch Yd 7801. 
60 z. Bez. d. Weise, s. unten Nr. 76); Yd 7821. 34 Zwey hübsche Lieder, Das 
Erst, Tröstlicher lieb, ich mich stets yeb. Das ander, Ich hett mich vndter- 
wunden, wolt dienen eim Frewlein fein. (Bildchen). (Schluss: Gedruckt zu Nürm- 
berg durch K. Hergotin. 4 Bl. 8° o. J.); Yd 9552 Ein new lied, von einem alteu 
man, wie er ein weyb nam. Mer ein lied von einem liederlichen man vnd seinem 
weyb. Auch ein tagweyss, wie man die bösen weyber schlahen sol. Ein ander 
lied, In dem thon. Ich het mir fürgenumen. (4 Bl. 8° o. 0. u. J.) 'Ich het mich 
vnterwunden' an letzter Stelle; in diesen 3 Einzeldrucken hat d. Lied 5 d. nd. 
Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Zum Liede 'Tröstlicher lieb' in Yd 
7821. 34 s. unten Nr. 81. — In d. Ldrhs. [d. Herzogin Amalia v. Cleve (Bolte: 
Zs. f. dtsche Philol. 22, 403) ebf. m. 5 Str. In d. sogen, niederrh. Lhs., Einband 
V. J. 1574, Bl. 78 Rs. ebf. m. 5 Str. Dsgl. in d. Berl. Hs. 1575 Nr. 77. — Von 
d. 4 Strophen d. Antw. Lb. ('Een schoon liedekens. Boeck' Tantw. 1544, s. Hoffm. 
Hör. Belg. XI 1855 S. 155) Nr. 103 stimmt nur d. Anfgsstr. zu d. sonstigen 
Fassgn. Erk-Böhme Lh. II S. 252 Nr. 431. 

59 (bezw. 55). Vov tyben was \d leeff onbe wevbt, \ be tcf Ijabbe ott^erfarcn 
... 5 achtz. Str. = 1582 A 28, B 80; (Forster III 1552 Nr. 28 in 3 Str. e. ausser 
d. Anfg. ganz davon verschiedenes Lied, vgl. Goed. IP S. 36, S. 41 Nürubger 
Druck V. 68 Liedern.) 'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 124 
iXr. 129, vgl. Goed. IP S. 44) m. 5 entspr. Str. In d. Lhs. f. Ottilia Feuchleriu 
m. 5 Str. (Birlingcr: Alemannia 1. 1873 S. 40; vgl. Goed. IP S. 42). In d. v. 
HelmstorflT sehen Lhs., 1569 bezw. 1575, Nr. 26, in d. sog. nrh. Lhs., Einband v. J. 
1574, Bl. 62 Rs., in d. namenlosen Lhs., Einbd. v. J. 1575, Nr. 46 m. je 5 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Fl. Bl. Yd 9661 Ein Schön New Lied, Ach Gott wie wee thut 
scheiden. Ein ander Lied, Gross lieb hat mich vmbfangen. Noch ein ander Lied, 
Vor Zeiten was ich lieb vnd werd. (Bildchen). (Gedruckt zu Nürnberg, durch 
Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8° o. J.) 'Vor zeiten' in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. 
'Gross lieb' anders als nd. Nr. 60, 65, 123 dgl. 'Gross Lieb hat mich umfangen' 
'Mit Lieb bin ich umfangen' und ähnlich beginnen mehrere von einander durchaus 
verschiedene Lieder des 16ten Jahrhunderts. In dem Liede d. Einzeldrucks lautet 
d. Schlussstr. ähnlich wie nd. Nr. 3, 5 u. ö. 'Scheiden du bitters scheiden, wer 
hat doch dein erdacht' ... Yd 9953 Zwey schöne Lieder, das erste, Vor zeyten 
was ich lieb vnd wert. Das ander. Mich hat erfrewt des Sommers zeit. Im Thon, 
Es het ein meidlein, etc. (Gedr. zu Nürnberg, durch Val. Newber. 4 Bl. 8° o. J.) 
'Vor zeyten' in 5 entspr. Str. Zur Bezeichnung d. Gesaugweise z. B. im Einzel- 
dmck Ye 821 (s. oben Nr. 1) 'Vier Schöne Newe Lieder' ; darin 'Weis mir ein 
feines Jungfrewlein, Im Thon, Vorzeiten war ich lieb vnd wert.' Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 39, Böhme Altd. Lb. Nr. 210, Lh. II S. 284 Nr. 462. 



26 

60 (bezw. 56). (5roti^ leefft Ijcfft my ommfangen, | tljo betten etttetn f röuiolin 
fytt ... 5 neunz. Str. = 1582 A 200, B 157; Bergr. hrsg. v. J. Meier (Neudrucke 
99/100) S. 19, hrsg. v. Schade S. 37 Nr. 15, 1536 Nr. 15, 1574 Nr. 15 in je 5 
entspr. Str. *Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 116 (Nr. 123, 
vgl. Goed. IP S. 43) ebf. in 5 entspr. Str. Ebenda S. 173 (Nr. 177) z. B. d. Weise 
f. d. Lied *Gross Lieb hat mich vmbfangen, gegen einem Junglein gut' . . . 

61 (bezw. 57). Wat wiH iDy fingeti r>nbe t^euett att, | bat befte bat toy gelerct 
Ijan, I ettt ttye £eebt tl^o fittgett; | toy pngett oatt einem (Ebelman, | be Ijetfj Sdjmibt 
van ber £tnben. | . . . 13 fünfz. Str. = 1582 A 116, B. 9. Fl. Bl. Ye 441 Zwei- 
schöne Newe Lieder, Das Erste, Von dem Edlen .Lindenschmidt. Das Ander, 
Trawt Hensichen vber die Hey de reit, etc. (Bildchen) Ein Ander Schön Lied, 
Freud vnde mut fehrt gar dahin. In seinem eignen Thon. (4 Bl. 8^ o. 0. u. J.) 
Hier beginnt das Lied ^Es ist nicht lang da es geschach, das man den Lindeu- 
schmid reiten sah' in 14 Strophen, wovon nur wenige zu der andern Fassg. stimmen: 
Str. 5 u. 6 = nd. III u. IV, 8 = II, 10 = V, 12 u. 13 = XI u. XII. In d. nd. 
Fassg. ist der Gang der Ereignisse lückenhaft und findet seine Ergänzung und Er- 
klärung in dem besser abgerundeten Seitenstück. Ye 671 Zwey Schöne newe 
Lieder. Das Erste. Mit lieb bin ich vmbfangen hertz allerliebste mein. (Bildchen) 
Das Ander. Vonn einem jungen Edelman, oder vom Linden-Schmidt. (Gedr. zu 
Collen bey Hnr. Nettessem in Marien garden gassen. 4 Bl. 8^ o. J.). 'Was wollen 
wir singen vn heben an' in 13 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. 
Wegen d. ersten Liedes s. unten Nr. 123. Ye 1644 Zwey Weltliche Lieder. Das 
Erste, Es ist nicht lang da es geschah, das man den Lindenschmidt Reiten sab, 
(Bildchen) Das Ander, Wilhelmus von Nassawen, bin ich von Teutschem Blut. 
Im Jahr, 1646. *Es ist nicht lang' in 14 Str. wie Ye 441. Wegen des berühmten 
Namenliedes „Wilhelmus" s. unten Nr. 103. — Venusg. 1659 S. 225 (v. Waldbg.: 
Neudr. 86/89 S. 164) *Es ist nicht lang' 14 Str. Uhld. VI. Nr. 139 A u. B. 
Böhme, Ad. Lb. Nr. 375 u. 376, Lh. II^S. 36 Nr. 246 u. 247 mit reichen Nachweisgn. 

62 (bezw. 58). VOad pp myn Biotht, \ oornym myti IPorbt ... 3 zehnz. 
Str. = 1582 A 23; 1582 A 202 noch einmal u. B [163! richtiger:] 161 in 9 Str., 
wovon d. 1., 3. u. 4. d. kürzern Fassg. entspr. Bergr. hrsg. v. J. Meier (Neudr. 
99/100) S. 59 e. Fassg. v. 7 u. e. andre v. 9 Str. Bergr. hrsg. v. Schade S. 94 
Nr. 38, 1536 Nr. 38, 1574 Nr. 38 in je 9 Str. Goed. IP S. 27 Schöffer, S. 36 
Forster III 1549 Nr. 6 (1552 Nr. 6 in 9 Str., wovon 1—3, 6, 9 in d. sonstigen 
neunstr. Fassgn. anzutreffen, 4, 5, 7, 8 aber ganz verschieden davon sind), S. 44 
P. V. d. Aelst (*Blumm vnd Aussbund' 1602 S. 141 (Nr. 150) in 9 Str. = 1582 A 
u. d. and.). In d. Lhs. d. Herzogin Amalia v. Cleve (Bolte: Zs. f. deutsche Philo!. 
22, 404) m. 7 Str. Am frühesten wol in e. Berl. Hs. aus d. Anfge. d. 16. Jahrhdts.: 
Ms. germ. 4®. 718 (vgl. 4^. 731) Bl. 19: auf e. gedruckten Blatt, woselbst 'Wach 
auff mein hört' 9 strophig (1, 3, 6 d. nd. Fassg. entspr.) unterz. Hanns Westermayr. 
Berl. Hs. 1575 Nr. 97 in 3 d. nd. Fassg. entspr. Str. Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) 
Nr. 67 m. 9 Str. 1—3 den ersten 3 d. gewöhnl. Fassg. entspr. 4 = Forster IV, 
5 = V, 6 = Forster III (gewöhnl. 4), 7 - - F. VI (gew. 5), 8 unter starken Ah- 
weichgn. entspr. F. VII, 9 =^ F. (u. gew.) IX. Yd 9004 Eine schöne Tageweyss, 
Wach auff mein hört, vernimm meyn wort. Ein hübsch Frawen lob, In dem Thon, 
Es wolt ein Meydlein wasser holen etc. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg durch 
Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.). 'Wach auff* m. 9 Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 77. 
Böhme Ad. Lb. Nr. 105 zahlr. Nachweisgn. Lh. II S. 602 Nr. 802. 

63 (bezw. 59). 3bt molbc ein gabt 3egcr jagen, | bre ortjen oor bem Va^e . . . 
16 dreiz. Str. Uhld. VI. 104 unter Weglassg. d. beiden letzten auf 14 Str. gekürzt. 
Böhme Lb. 437 ebenso, Lh. III S. 299 Nr. 1438 dsgl. 

64 (bezw. 60). 3"^ fd^imp bin \d Belagen, Belagen, | ye^en be ^ertallcrleucftc 
myn ... 4 fünfz. Str. Mone: Anzeiger f. Kunde d. teutschen Vorzt. 7. 1838 Sp. 
77 *Im schimpf bin ich belogen' m. 6 Str. wovon die ersten 4 d. nd. Fassg. entspr. 
ausser dass d. 3. m. d. 4. den Platz getauscht hat. 



27 

65 (bezw. 61). (5voil( lecff tjefft my ommfangcn, | vegcn etm Jw^icffröuipltn . . . 
7 neunz. Str. Es gibt mehrere Lieder, die beginnen *Gross Lieb hat mich um- 
fangen' oder 'Mit Lieb bin ich umfangen' und die mehrfach unter sich oder mit 
andern Liedern ähnlichen Inhalts durcheinandergehn. Verhältnismässig am besten 
stimmt zu d. nd. Fassg. diejenige des oben schon (s. Nr. 85) beschr. Einzeldrucks 
Yd 7850. 38 *Drey schöne Lieder'; darin findet sich an 2. Stelle *Gross lieb hat 
mich vmbfangen' m. 8 Str. 1 = nd. I, 2 = III, 3 = II, 4 fehlt in d. nd. Fassg., 
5-8 = IV— VII. In d. sog. nrh. Lhs., Einband v. J. 1574, steht Bl. 136 Rs.: 
'Auno 1582 den 27 Decembris. Groess liebt hat mhir vmbfangen, hertz alderliebste 
mein' ... 5 Str. unterz. *Jost Degenhartt Blanckartt zu Odenhausen'. Hier stimmen 
d. Strophen 1, 2 u. 4 zu den entsprechenden d. nd. Fassg., während d. 3. m. d. 
4. d. Einzeldrucks geht u. d. letzte nur in eine andre von den damals üblichen 
Schlussformeln einlenkt. In d. Lhs. d. Frh. v. Reiffenberg, s. d. gleichnamigen 
Verfassers Nouv. Souvenirs d' Allem. I 1843 S. 219 'Gross lieb hatt mich vmbfangen, 

allerliebste mein' 7 Str. 1, 2, 4 = I, II, IV d. nd. Fassg., d. 3. Str. stimmt m. 
d. 4. d. Einzeldrucks, d. 3. d. nrh. Lhs. überein, d. beiden letzten Strophen sind 
aus formelhaften Wendungen verwandter Lieder zusammengestoppelt. In d. Lhs. 
d. Heb. Eber von Nürnberg, 1592 bezw. 1596 an 5. Stelle e. v. diesen Fassgn. nach 
Inhalt u. metr. Form ganz versch. Lied: 'Gross Lieb hatt mich vmbfangen Gegn 
eim Jungfreuelein' ... 7 neunz. Str. Mel. ebenda Bl. 10 b Nr. 22, u. f. Harfen- 
begleitung Bl. 28b. Hoffin. Gesellschldr. Nr. 104 'Gross Lieb hat mich umfangen 

Gegen einem Jungfräulein zart' ... 5 neunz. Str. 'Gross Lb. Getr. zu Franck- 
furt . . . 1599' (Str. 1, 2 u. 4 denjnd. entspr., 3. entspr. d. 4. d. Einzeldrucks, 5. 
besonders; vgl. nrh. Lhs.). 

66. 2Id; <5obt mat fc^al \d mahn nu, | wo fd;al tcft van^en an . . . 10 
achtz. Str. Nur im Hambgr. Fragment sehr lückenh. erhalten, abgedr. im Serapeum 
18. 1857 S. 267. 

67 (bezw. 62). 3^ ^^^^ ^^m "^«W ^ko Sufdjmert an, | bar ©anbt id gc- 
(d/rcuen auermaljl ... 8 fünfz. Str. = 1582 A 69; A 148, B 13 in je 10 Str. 

1 = nd. I, 2 — 4 = III— V, 5—10 ganz versch. v. d. nd. Fassg., welche d. 
Strophen II u. VI — VIII für sich besonders hat. Ganz genau nach Wortl. u. 
Strophenfolge entspr. der nd. Fassg. mit 1582 A 69 auch d. oben (s. Nr. 9) schon 
beschriebene Einzeldr. Yd 7850. 3 'Zehen Schöne Weltliche Lieder', worin zuletzt 
'Ich reit einmal zu Busch war an' 8 Str. Yd 9876 Ein Schön New Liedt, Ich reytt 
ein mal zu Braunschweyg auss. Ein ander Schön Ijied, Worein sol ich mich 
kleyden, gegen disem Sommer warm, etc. Im Thon, Wo sol ich mich hin keren, 
ich thummes Brüderlein. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, durch Val. Newber. 

4 Bl. 8« 0. J.) 'Ich reyt' 10 Str. entspr. 1582 A 148 u. B 13. In d. nrh. Hs. 1574 
Bl. 97 'Ich reid einmall zu Braunschweigh aus' ... 10 Str. Berl. Hs. 1575 Nr. 36 
'Ich reitt ein mael zu Buschwert an' . . . 8 d. nd. Fassg. entspr. Str. Im Antw. 
Lb. v. J. 1544 Nr. 84 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 127) Ic rede een mael in een 
bossche dal . . . 6 Str. 1—4 = nd. I— IV. Vgl. auch Weim. Jahrb. 1. 1854. 'Weim. 
Lhs. V. J. 1537' Nr. 21 ebf. 6 Str. Das Gedicht ist wol niederld. Ursprunges; 
aus 'ten Bosschewaert in' (vgl. z. B. Starter 'Friesche Lusthof 1621 ff., neu hrsg. 
1864 S. 274) machten d. hochd. Sänger 'Braunschweig'. Uhld. VI. 154 A-C gibt 
d. hd. nd. u. nid. Fassg. Böhme Lb. 429, Lh. III S. 193 Nr. 1307 u. 08. 

68 (bezw. 63). Wo fc^ön blöyct vns beJXle^e, \ be Sommer vafy:i l^erin . . . 

5 siebenz. Str. 1582 A 30, B 32 in je 4 Str. wobei d. formelh. Schlussstr. d. nd. 
Fassg. fehlt; 1582 B 82 noch einmal in denselben 4 Str. Forster III Nr. 20 in 

6 Str. 1 u. 2 = nd. 1 u. II, 3 fehlt in d. nd. Fassg., 4 = IV, 5 = III, Schlussstr. 6 
bezw. V sind von einander verschieden. Str. 3 Forster's lautet: 'Bey jr da wer 
ich gern, bey jr da wer mir wol. Sie ist mein morgen sterne, gfelt mir im hertzen 
wol. Sie hat ein roten mund, solt ich sie darauff küssen, mein hertz wirdt mir 
gesund.' Vgl. Goed. 11*-^ S. 36, S. 41 Nürnbgr. Druck v. 68 Liedern, S. 44 P. v. d. 
Aelst ('Blumm vnd Aussbund' S. 95 Nr. 102 m 5 d. nd. Fassg. entspr. Str.) — 
Fl. BL Yd 7821. 7 Drey schöne Lieder, Das Erst, Die weyber mit den Flöhen . . . 



28 

Das Ander, Wie schön blüt vns der Maye. Das Dritt, Mein fleyss vnd müh, ich 
nie etc. (Bildchen). (Gedrückt durch Hans Guldenmundt. < Nürnberg > 4 Bl. 8° 
0. J.) *Wie schön' 5 Str. Yd 9575 Vier schöner Lieder, Das erst, Elendt bringt 
peyn dem jungen hertzen mein. Das ander, Elend bin ich biss das sie mich. Das 
dritt, Wie schon plüet vnns der Meye. Das vierdt, Ich muss vonn hinnen scheidenn. 
(Bildchen). (3 bezw. 4 Bl. — eins leer — o. 0. u. J.) *Ein ander new lied. Wie 
schön plüt vns der Meye' 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Berl. Hs. 1568 Nr. 118 m. 
3 Str. entspr. nd. I— III, 1574 (sog. nrh.) Bl. 69 m. 4, 1575 Nr. 47 m. 4 Str. (oliiie 

d. formelh. Schlussstr. d. nd. Fassg). — Uhld. VI. Nr. 58 in 4 Str. m. vielen 
Nachweisgn. Danach Hoffm. Gesellschldr. Nr. 139 in 4 Str. Goedeke-Tittm. Lb. 
S. 163 in 4 Str. entspr. 1582 A bzw. B. Böhme Nr. 264 A nach Forster, B nach 

e. fl. Bl. Lh. II S. 201 Nr. 390 m. e. Fülle v. Nachweisgn. 

69 (bezw. 64). Sdjörte by (5rebtUn fc^örte by, | tooü up mit my baruan . . . 
15 vierz. Str. Forster UI 1552 Nr. 66, IV 1556 Nr. 16 in je 9 Str., wovon d. 7 
ersten m. den entspr. d. nd. Fassg. übereinstimmen, während von d. 8. Strophe 
an d. beiden Fassgn. ganz auseinandergehn; vgl. Goed. IP S. 36 u. 37, S. 31 
*Grassliedlin' Nr. 3. Fl. Bl. Yd 7821. 11 u. 24 (derselbe Druck zweimal) Ein hübsch 
new Lied, Schürtz dich Gredlein schürtz dich. Ein ander lied, Feinslieb jch muss 
dich meiden, ist als der klaffer schuld. (Bildchen). (Gedr. zu Nürmbg. durch 
Kunegund Hergotin. 4 Bl. 8*^ o. J.) *Schurz dich, Gredlein' in 15 d. nd. Fassg. 
entspr. Str. Yd 9372 Ein hübsch new Lied, Schürtz dich Gredlein schürtz dich. 
Ein ander lied, Feins lieb jch muss dich meyden, ist als der klaffer schlud. [!] 
(Bildchen). (Schluss: Gedr. zu Nürnbg. durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) 
'Schürz dich Gredlein' 15 entspr. Str. — Sehr ähnlich auch e. nid. Lied: 'Eeu 
schoon liedekens. Boeck' Tantw. 1544 Nr. 23 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 30) Daer 
soude haer een maget vermeyden | Vermeyden so woude si gaen ... 13 vierz. 
Str. — Uhld. VI. Nr. 256, Hoffm. Gesellschldr. Nr. 34, Böhme Ad. Lb. Nr. 53, 
Lh. I S. 412 Nr. 113. — 

70. 3c! tjörbt ein ^röurolin Flagen | oornjal^r ein tovffHcf 53tlbt ... 6 siebenz. 
Str. (Dies Lied fehlt in d. vollständigeren Sammig. ; im Hambgr. Bruchst. lückenh. 
Schluss d. 1. u. d. ganze 2. Strophe fehlt.) 1582 A 31 u. B 83 in je 3 Str. entspr. 
d. 3 ersten d. nd. Fassg. — Bergr. hrsg. v. J. Meier (Neudr. 99/100) S. 109, hrsg. 
v. Schade S. 127, 1574 Nr. 53 in je 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. Forster III 1552 
Nr. 61 d. 4 ersten Str. Goed. IP S. 36. Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 31 ohne 
Titel oder Aufschrift m. 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. Yd 7850. 16 (s. oben Nr. 36) 
*Drey schöne Lieder' an letzter Stelle m. 6 entspr. Str. Zus. m. Nr. 36 (u. 76) 
ausserdem in fl. Bl. Yd 9565. 66. 68 *Drey schöne Lieder' *Drey hübsche Lieder' 
Nürnbg. Gutknecht, Neuber u. s. w. Hs. 1574 (sog. nrh.) Bl. 70 Rs. nur 3 Str. 
Hs. 1575 Nr. 28 *Ich horde ein Kummer klagen, von einem Weibsgebiltt' 4 Str. 
1 = nd. I, 2 für sich, 3 = III, 4 = V. Uhld. VI. Nr. 87, Goedeke-Tittm. Lb. 
S. 81 vgl. S. 91 *Ich hört ein Jungfrau klagen', Böhme Altd. Lb. Nr. 117, Lh. II 
S. 605 Nr. 805. 

71 (bezw. 65). Van ebler Tlxbt, \ ein (fröumltn 3art, | bljiu ein Krön . . . 
3 elfz. Str. = 1582 A 15, B 67. Im nd. Lb. Anhg.: Harpen, Gygen, Luteu- 
schlageu ... (10 Z.) Ein Orgel, Klocke vnd Wullenbagen ... (6 Z.) Goed. II- 
S. 27 P. Schöffer zweimal, S. 29 Gerle u. zweimal Neusidler, S. 30 Ott, S. 31 
Gassenhawerlin (Gassenh. u. Reutterl. Nr. 21 s. Einl.) (Forster I 1552 Nr. 35 in 3 
entspr. Str.), S. 37 Forster (V 1556 Nr. 20), S. 40 Bicinia, S. 41 Nürnbgr. Druck 
v. 68 Liedern, S. 41 Bicinia. Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 61 in 3 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Yd 9755 Ein new Liedt, von einem Burgers knecht, vnd ein 
Bettlerin . . . Ein ander Lied, Von Edler art, ein Frewlein zart. (Bildcheu). 
(Gedr. zu Nürnberg, durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Von edler art' in 3 
entspr. Str. Berl. Hs. 1568 Nr. 22, 1575 Nr. 26 m. je 3 entspr. Str. Vgl. auch 
Weim. Jahrb. 1. 1854 S. 100-133, ^Weimarische Lhs. v. J. 1537' Nr. 27. — Goedeke- 



29 

Tittm. Lb. S. 20, Böhme Ad. Lb. Nr. 130, Lh. III S 479 Nr. 1677. — Zum zweiten 
der angehängten Sprüche vgl. Jahrb. f. nd. Sprf. 10. 1884 S. 66 (*Leberreime d. 
Job. Junior v. J. 1601'); vom ersten Z. 1 u. 2, 7 — 10 aus e. westf. Hs. (1579) b. 
Mone: Anzeiger 7. 1838 Sp. 87. — 

72 (bezw. 66). Dar Itd?t ein Stabt in (D^tttyd, \ be is fo wol gesyret . . . 
10 vierz. Str. Antw. Lb. 1544 Nr. 221 (letztes Lied. Hoflfm. Hör. Belg. XI S. 343) 
'Daar staet een clooster in oostenrijc' m. 11 Str. Diese beiden Fassgn. s. Uhld. 
VI. Nr. 17 A u. B. Böhme Altd. Lb. Nr. 158, Lh. I S. 530 Nr. 173. 

73. 3bt walinet £ecff by feue, | bartljo grottj fjerteletbt ... 17 siebenz. 
Str. (Im ühld.'schen bezw. Tübgr. Lb. ist dies Lied nicht anzutreffen ; in d. Ausg. 
V. J. 1883 sind fälschlich 19 Strophen gezählt, indem bei der Lücke hinter d. 
2teQ Z. d. Yten Strophe ausser den 5 letzten Zeilen dieser u. den 3 ersten d. 
folgenden Strophe noch das Fehlen von zwei ganzen Strophen vorausgesetzt worden 
ist.) = 1582 A 223 (17 Str.) *Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 
S. 113 (Nr. 121, vgl. Goed. II* S. 43) ebf. in 17 d. nd. Fassg. entspr. Str. Ebenda 
S. 157 (Nr. 166) z. Bez. d. Weise f. *Kund ich von hertzen singen' (s. oben Nr. 19). 
Fl. Bl. Yd 7821. 20 Ein schöne Tagweys, Es wonet lieb bey liebe, etc. von eyner 
jungen Hertzogin vnd von eynem Ritter. (Bildchen. 4 Bl. 8° o. 0. u. J.) ebf. in 
17 Str. Yd 8968 Ein schöne Tage weiss. Es wohnet lieb bey liebe, etc. Von 
einer jungen Hertzogin, vnd von einem Ritter. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, 
durch Val. Newber. 4 Bl. 8° o. J.) ebf. in 17 Str. In dem oben (s. Nr. 4) schon 
beschriebenen Einzeldruck Ye 514 *Vier schöne Lieder' an erster Stelle 'Es wohnet 
Lieb bey Liebe' gleichf. m. 17 d. sonstigen Fassgn. nach Wortl. und Reihenf. 
entspr. Str. Sehr oft z. Bez d. Weise, so f. d. Lied oben Nr. 19 ausser b. 
P. v. d. Aelst noch z. B. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 58 : *Ein schone tagweyss . . . 
In dem thon. Es wonet lieb bey lieb. das ich köndt von hertzen, singen ein 
tagweyss', u. f. e. ebenso häufiges andres Lied z. B. Yd 7850 vom *Ein schöne 
Tagweyss ... Im Thon. Es wohnet Lieb bey Liebe' . . . ('Dieweyl mein Hertz 
thut lieben, ein edle Junckfraw zart' in 33 Str. Augspurg, Val. Schönigk. 8 Bl. 8° 
0. J.) Derselbe Stoff in e. teilweise genau entspr. Fassg. im *Amsterdamse Lied- 
boeck' S. 49 *Sy gingh den Bogaert omme' 15 siebenz. Str. u. im Antw. Lb. 1544 
Nr. 158 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 234) *Van liefden coemt groot lyden' 12 Str. 
ühland VI. Nr. 90 A e. hd. Fassg. v. 18 Str. (an 4. Stelle d. Strophe mehr als in 
d. sonstigen Fassgn.) m. zahlr. Belegen namentlich aus fliegenden Drucken. Goedeke- 
Tittm. Lb. S. 83 m. 17 Str. Böhme Altd. Lb. Nr. 19, Lh. I S. 304 Nr. 86 u. S. 
311 Nr. 88 (vgl. oben nd. Nr 19). 

74. gart fdjönc ^rou» | gcbenrf vnh fdjoun) ... 3 sechszehnz. Str. (Schluss 
fehlt im Hambgr. Bruchstück, ohne aus der vollständigeren Sammlung ergänzt 
werden zu können, da in dieser d. ganze Lied fehlt.) = 1582 A 2, B 54; Goed. 
IP S. 27 P. Schöffer, S. 29 Neusidler, S. 31 Gassenhawerlin (Gassenh. u. Reutterl. 
Nr. 26), S. 44 P. v. d. Aelst (Bl. u. Aussb. S. 27 Nr. 41 *Zart schön Jungfraw' 
m. 3 entspr. Str.) P. v. d. Aelst auch in seinem, ebenfalls wie 'Blumm u. Aussb.' 
1G02 zu Deventer gedruckten Buche *De Arte Amandi: Das ist, Von Kunst der 
Lieb' 1602 S. 112 (1610 m. d. meisten andern Liedern ausgefallen, 1629 S. 112, 
1644 weggefallen) *De Arte Amandi, Dat ys, Van Kunst der Leeu^' Hamborch 
1610 Bogen J. Bl. v. m. je 3 Str. Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 71 gleichf. 
m. 3 entspr. Str. Ye 8 Drey hübsche Lieder, Das erste. Zart schöne fraw, gedenck 
yn sqhaw. Das ander. Ich hat mir fürgenumen, zu dienen stätigklich. Das dritte, 
Meyn junge zeyt, ficht stäts. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg durch Val. Neuber. 
4 Bl. 8° o. J.) *Zart schöne fraw' in 3 entspr. Str. Berl. Hs. aus d. ersten Hälfte 
d. loten Jahrhdts. Ms. germ. 4«. 718 (Frh. v. Meusebachs Inhverz. 4^ 731) Bl. 27 
Rs. ebf. in 3 entspr. Str. Berl. Hs. 1568 Nr. 14, 1575 Nr. 29 ebf. in je 3 entspr. 
Str. Vgl. auch Weim. Jahrb. 1. 1854 S. 100—133 »Weim. Lhs. v. J. 1537' Nr. 26. 
Erk-Böhme, Liederhort III S. 483 Nr. 1681. 



30 

75 (bezw. 67). 3cF toetl^ wol eine bcr loas tcf leeff onbe mert, | ber becnbe 
icf na eres Herten beger ... 5 ftinfz. Str. In dem oben (s. Nr. 17) beschr. 
Einzeldr. Ye 1141 *Veer schöne Leder' 1611 *Dat Veerde Ledt. Ick weth wol 
ein' in 5 obiger Fassg. entspr. Str. 

76 (bezw. 68). t)mm bynent roillen bin tcf l^yr, | fjertleeff oornym myn 
IDorbt ... 8 achtz. Str. = 1582 A 56; B 108 hat nur 7 Str. (Schlussstr. fehlt.) 
Bergr. hrsg. v. J. Meier (Neudr. 99/100) S. 98 in 7 Str. (5. fehlt); hrsg. v. Schade 
S. 113 Nr. 46, 1536 Nr. 46, 1574 Nr. 46 in je 8 Str. Forster IV 1556 Nr. 15 d. 
ersten 3 Strophen; vgl. Goed. 11^ S. 37; S. 40 Daubmann, S. 40 Nürnbgr. Druck 
V. 68 Liedern, S. 44 P. v. d. Aelst (Bl. u. Aussb. S. 76 Nr. 84 in 8 entspr. Str.) 
Fl. Bl. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 60 *Ain hibsch lied in der weyss ich het mich 
vnder wunden wolt denen aim frewlin fein. Von deinet wegen bin ich hie' . . . 
9 achtz. Strophen, wovon nur die 1., 3. u. letzte der 1., 2. u. letzten d. gewöhnl. 
Fassg. entspr. In dem oben (s. Nr. 36) beschr. Einzeldr. Yd 7850. 16 *Drey schone 
Lieder' an erster Stelle *Von deinet wegen bin ich hie' in 8 der gewöhnl. Fassg. 
entspr. Str. Ausserdem m. Nr. 36 (u. Nr. 70) zus. in fl. Bl. Yd 9565. 66. 68. Berl. 
Hs. 1574 (sog. nrh.) Bl. 106 m. 8 Str. 1575 Nr. 51 m. 7 Str. (Schlussstr. fehlt), ühld. 
in s. Volksliedern Nr. 29 u. 30 gibt einigermassen willkürlich zusammengesetzte 
Bruchstücke aus vorstehendem Liede; zu d. beiden letzten Strophen v. Nr. 29, 
beginnend: 6. Bei meines liebsten bette da stond drei beumelein ... 7. In meines 
bulen kemmerlein da stat ein guldner schrein . . . sind aus vorstehendem Liede 
Str. 3 u. 6 zu vergleichen. Die 4 Strophen der Uhland'schen Nr. 30 entsprechen 
den Strophen 3, 4, 6, 8 der gewöhnlichen Fassung. Goedeke-Tittm. Lb. S. 56, 
Böhme Altd. Lb. Nr. 135, Lh. II S. 245 Nr. 428 u. nach d. Einzeldr. Yd 7801.60 
S. 283 Nr. 461. — 

77 (bezw. 69). (Eljom Sunbe bar n>änbe ein Koepman rycf, | be liabbe ein 
^röurolin was füucrlycf ... 11 sechsz. Str. Uhland VI. Nr. 287. Das Lied war 
wol von Anbeginn nd. u. ist vielleicht nie hd. übertragen. 

78. 3^ o'iJ i^^ <^^^^ fingert; | fingen jum ein fdjöne £ebt, | van ber (Jrourocn 
van ber ll^eiffenbordj, | be eren Bjexen oorrebt ... 30 vierz. Str. (lückenhaft; Str. 
5, 14, 23 ganz ausgefallen; d. Lied überhaupt nicht vorhanden in U.'s Lb.) —Fl. 
Bl. Yd 8763 Ein schönes Liede Von, | der Frawen von Weissen- | bürg. | (Bildchen). 
(Am Schluss: Gedruckt zu Nürmberg, Durch Val. Newber. 4 Bl. 8*^ o. J.) 'Ich wil 
euch aber singen' in 30 d. nd. Fassg. entspr. Str. — Yd 8764 Ein schönes Liedt, 
Vou [! st. n] der Frawen von Weis- | senburg. | (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt 
zu Nürnberg, durch Val. Newber. 4 Bl. 8<> o. J.) 30 Str. — Yd 7850. 39 Ein hübsch 
lied, I Von der Frawen von | der Weissenburg. | (Bildchen). (Am Schluss : Gedruckt 
zu Nürnberg, durch Val. Fuhrmann. 4 Bl. 8^ o. J.) 30 Str. — Im Antwerpener 
'Liedekens-Boeck' v. J. 1544 (Hofim. Hör. Belg. XI S. 32) Nr. 23 'Van Vrou van 
Lutsenborch 1. Die mi te drincken gaue Ic songhe hem een nieuwe lief ... in 
(25 richtiger) 24 (von 20 ist auf 22 gesprungen!) sich meist recht genau vorbe- 
nannten Fassungen anschliessenden Strophen: Antw. 1 = I, 2 = II, 3 — 6 = IV 
— VII, 7 unnötige Wiederholung des bereits in 6 Erzählten ohne Fortschritt der 
Handlung, 8—13 = VIII— XIII, 14 sehr entfernte Aehnlichkeit mit XIV (wie auch 
schon 13 mit XIII in den beiden hintern Zeilen schlecht zusammenstimmt), 15 
XVI, 16 -= XVII, 17—21 - - XIX— XXIII, die drei letzten Str. d. Antw. Lieder- 
l)uchs verschieden von den 7 letzten d. and. Fassgn. — E. Brotuff in der zweiten 
Ausgabe seiner 'Chronica Vnd Antiquitates des alten Keiserl. Stiffts, d. Rom. Burg, 
Colonia vnd Stadt Marsburg', Lpz. 1557 Folioausgabe (Quartausgabe 1556 Budissin 
noch ohne den ganzen Abschnitt über d. Gedicht u. d. demselben zu Grunde lie- 
gende Begebnis) erzählt im 12. Kapitel des zweiten Buchs ausführlich den bösen 
Handel, wie 'dieser Graff Ludouicus vnd Adelheidis des Pfaltzgrauen weih wurden 
in bösen sachen einig, beschlussen mit einander, den Löblichen Fürsten herm 
Friderichen den Pfaltzgrauen vmbzubringen', dann auf d. Rs. d. Bl. LXXI gibt 
Brotuff den Wortlaut der zu seiner Zeit zwar schon unleserlich gewordenen aber 
von ihm selbst gesehenen und noch entzifferten Inschrift an der Mordstelle wieder: 
'Anno Domini 1065. Hie Comes cecidit Palatinus Fridericus Hunc prostrauit [enim] 



31 

Comes Ludouicus' [adiilter]. (2 Hexam.) Sodann liest man; *Von dieser Historia 
singet man noch heute im Ampte Friburg, vnd an andern viel enden des orts 
ein öffentlich Lied, in dem Thon der Proporcion Triple, mit einem Suspirio anzufahen, 
des Liedes von der Frawen zur Weissenburg, wie volget. Was woln wir aber singen, 
was woln wir heben an, ein Lied von der Frawen zur Weissenburg, wie sie jren 
herrn verrieth ... 21 Str. m. z. T. höchst bemerkenswerten Verschiedenheiten v. d. 
and. Fassgn. Nach Brotuff wieder abgedruckt in der von Georg Hahn, Leipzig 
1606, herausgegebenen Historia Martisburgica, S. 595 f. -- Vgl. Uhland, VI. Nr. 123 
A-C; Böhme Altd. Lb. Nr. 34 u. 35, Lh. I S. 360-370 Nr. 102 a— g m. ausführl. 
Abhdlg. u. reichen Nachweisgn. — 

79 (bezw. 70). Sdjön Blömelin jent | int ^erte geprenbt I geprefen, | in 
YUtD Ictl| tormciit ... 3 fünfzehnz. Str. Anhg. : Nete vnde Lüse in yuwe Haare 
geseyet ... (5 Z.) In d. sog. niederrh. Liederhandschr. (Berl. Ms. germ. 4°. 612 
Abschr. 4^. 716), Einband v. J. 1574, Bl. 100 *Schoen blomgen gent, Ins Hertz 
geprent, vmb in (1. iu) leidt ich torment' 4 Str. Vgl. Serapeum 18. 1857 S. 274. 

80. (Im Hamburger Bruchstück fehlt d. Anfg. d. Liedes, im Uhld. 'sehen 
bezw. Tübinger Buch d. ganze Lied) . . . fröuwt, | erst werde ick kranck van 
Herten ... 3 achtz. Str. = 1582 A 12, B 64 ^efet fd?etben bas bringt mir fd^iner' 
in 3 Str. *Lxxv hubscher lieder' (Cöln A. v. Aich) Nr. 2 ebf. in 3 d. nd. Fassg. 
entspr. Str. Goed. IP S. 28; S. 29 Neusidler, S. 39 Ott, S. 40 Nürnbgr. Druck v. 
68 Liedern, S. 41 Bicmia u. s. w. Fl. Bl. Yd 7821. 29 Drey hübsche Lieder, 
das Erste, Jetz scheyden bringt mir schwer. Das ander, Ich bin schabab macht 
mich nit graw. Das dritt, So hab ich all meyn tag gehört. (Bildchen). (Gedr. zu 
Xüraberg durch Kunegund Hergotin 4 Bl. 8*^ o. J.) *Jetz scheyden' 3 Str. Andrer 
Druck derselben drei Lieder Yd 9385 Drey hübscher Lieder, Das Erste, Yetzt 
scheyden bringt mir schwer. Das ander, Ich bin schabab, macht mich nit graw. 
Das dritte. So hab ich all mein tag gehört. (Bildchen). (Schluss: Gedr. zu Nürn- 
berg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8<> o. J.) 'Jetzt scheyden' 3 Str. — Yd 9166 Ein 
schön new Lied, Yetz scheyden bringt mir schwer, das ich mich yetz. Im thon, 
Yetz scheyden bringt. Mer ein ander lied, Yetz scheyden bringt mir schwer, vnd 
macht gantz trawrig mich. (Bildchen). (Schluss: Gedrückt durch Hans Gulden- 
mundt. <Nümberg> o. J. 4 bezw. 3 Bl. 8^) 'Ein Ander Lied Jetz scheide bringt 
mir schwer' 3 Str. — Yd 8719 Veer hübsche lede, Dat Erste, Vam Danhüser. 
Dat Ander, Der werlt pracht, ys hoch geacht. Dat Drüdde, Nu scheiden bringet 
my swer. Dat Veerde, Elend byn ick, beth dat se mick, ect. (!) (Gedrückt tho 
Wulffenbüttel by Conrad Hörn. 4 Bl. 8^ o. J.) 'Nu scheiden' 3 Str. — In e. 
westfäl. Lhs. m. 3 entspr. Str. b. Mone, Anz. f. Kunde d. teutschen Vorzt. 7. 1838 
Sp. 78. In dem handschriftl. Lb. d. Herzogin Amalia v. Cleve (lebte 1517—86) 
'Och scheyden brengt myr swer' 3 Str. (Bolte: Zs. f. dtsche. Philol. 22, 403). Berl. 
Hs. 1568 Nr. 16 'Och scheiden du brenges mir schwer', 1569 bezw. 1575 (v. Helm- 
storff'sche Hs.) Nr. 2 'Jetz scheyden bringt mir schwer' (m. Melodie), 1575 Nr. 8 
'Itz scheiden bringtt schwer', 1592 bezw. 1596 (Seb. Eber v. Nürnberg) Bl. 148 
|Das Ein vnd Dreysigst Liedtt in seinem Thon. 1. Itz scheiden bringt mir pein' 
immer m. je 3 d. nd. Fassg. entspr. Str. — 

81. CröfüyFer iem I \d my jiebcs öue . . . (im Hambgr. Bruchst. lücken- 
haft, im ühld'schen bzw. Tübgr. Lb. nicht vorhdn.) ... 3 zwölfz. Str. = 1582 
A44, B 96; Goed. IP S. 26, 27, 29: Öglin 1512, Schöffer 1513, Gerle 1532, 
Neusidler 1536, Ochsenkhun 1558; Forster I 1552 Nr. 123 in 3 d. nd. Fassg. 
entspr. Str. 'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 180 (Nr. 184; 
vgl. Goed. IP S. 44) ebf. in 3 entspr. Str. Fl. Bl. Yd 7821. 34 'Zwey hübsche 
Lieder' (oben Nr. 58 beschr.) an erster Stelle m. 3 Str. Ye 536 Drey schöne 
neüwe Lieder Das erst, Ein hüpsche Tagweiss, von einem trauweu Wächter. Das 
ander. Tröstlicher lieb, ich mich stets üb. Das dritte. Ich bin versagt, gegen einer 
Magd, etc. (Bildchen). (Schluss : 'T. B. S.' d. i. 'Thiebolt Berger Strassburg' 4 Bl. 
8° 0. J.) «Tröstlicher lieb' in 3 entspr. Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 53, Erk-Böhme, 
Liederhort III S. 474 Nr. 1672. 



32 

82 (bezw. 71). 2lc^ VOxniet folbt, | wo manntc^folbt, | frenfeflu J|ert, 
lUobt pnb Sinne ... 6 neunz. Str. -^- 1582 A 25, B 77. In d. schon beschr. 
(s. oben Nr. 9) Einzeldr. Yd 7850. 3 *Zehen Schöne Weltliche Lieder. Das erste, 
Ach Winter kalt' ... 6 d. nd. Fassg. entspr. Str. Berl. Hs. 1568 Nr. 61, 1574 
(sog. nrh.) Bl. 86 b, 1575 Nr. 44 in je 6 entspr. Str. In d. spätem Lhs. d. 
P. Fabricius (Bolte: Jahrb. f. nd. Sprf. 13. 1887 S. 61 m. ausgibigen Nachweisgn.) ebf. 
in 6 entspr. Str. Ein andres Lied mit gleichem Anfange s. z. B. Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 101 aus Harnisch, Hortulus. Vgl. noch Erk-Böhme, Ldrh. III S. 456 Nr. 
1645. Im Jahrb. f. nd. Sprf. 2. 1876 S. 26 Bruchstück d. Liedes, im J. 1666 v. 
e. Bauer auf d. letzte Seite s. Hauschronik (Oldenb. Bibl.) geschrieben. 

I 

83. Blasen vnb Ijarren ^s myn htqefyc, \ bcs (ßelürfs bin tcF crnjartcn . . . 
(lückenh. u. im vollst. Lb. nicht vorhdn.) ... 16 elfz. Str. Anfangsbuchst. 
HVNSWA <> GUT <> JNG <> Nd. i. *Hans von Gottingen.' 
tiber diesen plattdeutschen Dichter s. Goed. IP S. 204, 292. Dies Lied ist bisher nicht 
als Eigentum desselben erkannt worden. Von ihm ist auch das ebf. durch ein 
Akrostichon gekennzeichnete Lied Nr. 101 verfasst, das bisher nur in hd. Fassg. 
bekannt war. Serapeum 18. 1857 S. 275. 

84 (bezw. 72). 3bt lic^t ein Sd?Iot in (Dfterryc!, | ys gan^ wol Qehntoit . . . 
17 vierz. Str. Fl. Bl. Yd 7852. 14 (Beschr. oben Nr. 33) *Drey Schöne Newe 
Lieder' an letzter Stelle m. 17 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. 
Ye 1081 Drey Schöne newe Weltliche Lieder, Das erste. Es ligt ein Schlösslcin 
inn Oesterreich, das ist etc. Das ander, Wach auflf mein Schatz mein edler Hort. 
Das dritte. Ha ha ha ha Silvander, etc. (4 Bl. 8^ o. 0. u. J.) *Es ligt' 17 entspr. 
Str. Ye 1677 Drey Weltliche | Newe Lieder, | Das Erste, | Als ich vor 
kurtzer weile, ein schönes Jung- | Das Ande | Es ligt ein Schloss in Oesterreich, 
das ist I (Bildchen) | Das Dritte. | Von der schönen Floria. | Im Jahr, 1647. \ 
(4 Bl. S^ 0. 0.) Die beiden Seiten hinter der Titelseite füllt *Das Erste', die 
beiden folgenden Seiten *Das Dritte', die drei letzten *Das Ander' Lied, dieses 
m. 17 entspr. Str. Ye 5544 Twe schöne nye | Lede, Dat Erste, | Van emem I 
Mönnicke vnd van eines Schny- | ders Frouwen. Im Thone, alse men | 
vam Lindenschmit singet. Dat | Ander, Idt licht ein Sloth | yn Osterrick, dat 
ys I gantz woU ge- | buwet. | (Bildchen o. 0. u. J.) Von dem ursprünglich 
aus 4 Blättern 8^ bestehenden Einzeldruck sind in diesem Exemplar nur das erste 
und das letzte Blatt erhalten, auch diese beiden am obern Rande beschädigt, 
besonders das letzte Blatt, das mit der 2ten Z. d. 4ten Str. vorstehenden Liedes 
einsetzt und von da bis zum Schluss bei geringen Abweichungen des Wortlauts 
ebenso verläuft. Uhld. in s. Volksliedern gibt Nr. 125 nur d. hd. Fassg. m. 17 
entspr. Str. u. führt dazu nur abgeleitete Quellen an. Böhme Ad. Lb. Nr. 27 gibt 
den Wortlaut ebendaher, doch zählt er viele Fundstellen und Seitenstücke auf; 
mit noch reichhaltigeren Nachweisungen hat er das Lied im I. Bande d. Lieder- 
horts Nr. 61a — g versehn. Sehr ausführlich behandelt auch Bolte in seiner 
gediegenen Abhandlung über *Das Liederbuch d. P. Fabricius' Jahrb. d. V. f. nd. 
Sprachforschg. 13. 1887 S. 59 dieses Lied und seine Verwandten. Uebrigens kommt 
dasselbe noch in Volksdrucken d. 19. Jahrhunderts vor, z. B. Yd 7911. 33 'Fünf 
schöne Weltliche Lieder' gedruckt 1806 : an 4. Stelle *Es liegt ein Schloss in Oster- 
reich' m. 17 d. alten Fassgn. entspr. Str. dsgl. Yd 7917. 29 *Sechs schöne Neue 
Lieder' o. J. an erster Stelle, Yd 7919. 18, Yd 7919. 75, Yd 7924. 22 *Arien . . . 
1804' u. s. w. 

85. So vexn in jcnnem ^rancFrvfcn, | bar roänt ein Könincf ys molgemobt, | 
be molbc ^en Berner porbrtuen ... 24 achtz. Str. Dieses ausgezeichnete Helden- 
lied aus dem Sagenkreis Dietrichs von Bern, eins der schönsten aus der gesamten 
deutschen Heldensage, liegt im Hamburger Bruchstück nur verstümmelt vor und 
fehlt in der vollständigeren Sammlung überhaupt. Doch ist eine vollständige 
Fassung davon in folgendem Einzeldruck d. kgl. Bibl. zu Berlin erhalten: Yf 80G1: 
Twe lede volgen, | Dat Erste, Van Dirick | van dem Börne, wo he sülif twölffte, 



33 

den Köninck van Armentriken, mit veerde | halff Hundert Man, vp synem e- | gen 
Slatc, vmmegebracht | hcfft. Dat ander, Van | Juncker Baltzer | .(Bildchen. Rechts 
davon beigeschrieben: An eyns Mans werken erschint wol, | Wat men em vordan 
vortniwn schal. | ) (4 Bl. 8®; gez. F, Fy, Fiij, letztes Bl. unten zu stark abge- 
schnitten; o. 0. u. J.). *So vem yn yennen Franckriken, dar wänth eyn Köninck 
ys wolgemeit. Den wil de Berner vordriuen' ... 24 obiger Fassg. nach Wortl. u. 
Keihenf. bei manchen Abweichgn. in Einzelhtn. entspr. Str. Diesen Einzeldruck 
hat Goedeke für sich besonders m. e. Begleitschreiben v. Jak. Grimm unter dem 
Titel 'Koninc Ermenrikes Döt' im J. 1851 herausgegeben; danach Oesterley, Nieder- 
deutsche Dichtg. im Mittelalter, 1871 S. 19; Böhme, Altd. Lb. 1877 Nr. 2, Lh. I 
1893 S. 73 Nr. 23. 

86. Sc^öns leeff wo tjeffflu my fo gar porgeten, | vnb by van my getoanbt . . . 

5 achtz. Str. Berl. Ms. germ. fol. 753, Einband v. J. 1576, Nr. 82 *Schons leiflf 
wo heffstu mich so ghar vorlathen' m. starken niederd. Anklängen 5 entspr. Str. 
(Serapeum 18. 1857 S. 279). 

87 (bezw. 73). 3bt was ein macfer ITtegtltn iPoIgebSn, | fe gtncf vov eres 
Vabtxs tinnen ^a}:in ... 8 fünfz. Str. = 1582 A 89. Fl. Bl. Yd 7850. 3 (Beschr. 
oben Nr. 9) *Zehen Schöne Weltliche Lieder' an 5. Stelle gleichf. in 8 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Ye 36 Schöner newer Lieder drey. Das erste. Es was ein 
wacker Meydlein wol gethan, etc. Das ander. Wo sol ich hin. Wo sol ich her. 
Im thon. Ich armer Boss, bin gantz verirrt. Das dritt, Die grosse liebe zwinget 
mich, etc. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, durch Val. Newber. 4 Bl. 8^ o. J.). 
Es was' 8 entspr. Str. Uhld. VI. Nr. 88, Böhme Lh. I S. 424 Nr. 118. 

88 (bezw. 74). 3^ ^^^^ nty ein sartes leuefin, | neen fd^dner weeili xd bat 
Iccuet ... 16 siebenz. Str. (Serapeum 18. 1857 S. 290). 

89 (bezw. 75). IDorfimm fd^ol tcf ntc^t frölycf \yn, \ vnb i|ebben ein guben 
mobt ... 5 achtz. Str. ^-- 1582 A 251 (nur in d. 3. Str. d. beiden Fassgn. ent- 
spricht Z. 1 u. 2 einerseits der Z. 3 u. 4 andrerseits u. umgekehrt; d. hd. Fassg. 
ist mehrfach nach d. nd. zu berichtigen). Arg entstellt in d. Berl. IIs. 1575 Nr. 6 
mit 5 Str. Vgl. noch *Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 43 (Nr. 
58 Goed. IF S. 44). 

90 (bezw. 76). Xti^n f ynsleeff fiunbt in forgen, | in forgen alfo grotlj . . . 
11 vierz. Str. (Serapeum 18. 1857 S. 292). 1582 A 90, B 5 *Ich bin so lang ge- 
standen' 13 Str. In dem oben (s. Nr. 48) schon beschriebenen Einzeldr. Ye 57 
'Drey schöne Newe Lieder' ist an 3. Stelle ein Lied enthalten: *Ich hab so lang 
gestanden, ich stund in sorgen gross' 13 Str. entspr. 1582: 1—3 -—^ nd. I— III, 
4 'Do ich sie erst erkandte, drucket ich sie an meine Brust' . . ., 5 -^ IV, 6 -^ 
IX, 7 — X, 8 = V, 9 = VII, 10 -= VIII, 11 = VI, 12 *Wenn ich an sie ge- 
dencke, mein Hertz das thut mir weh' ... 13 = XL Berl. Hs. 1575 Nr. 83 *Mein 
feinss leib stund in sorgen, in sorgen also gross' 12 Str. 1 u. 2 == nd. I u. II, 
3 u. III beiderseits verschieden (Hs. ^Do ich sie zum ersten ansach, truckede ich 
sie ahn meine Brust' . . . entspr. der 4. Str. d. and. Fassgn.), 4 = VIII, 5 = X, 

6 - V, 7 = VI, 8 -- IV, 9 = IX, 10 :-- m, 11 = XI, 3 u. 12 d. Hs., VH nd. 
ganz abweichend, Hs. Str. 12: Tnd komme ich dan nicht widder, so befeie ich 
beiden vnss Gott, der neme vnser beiden Seele, in seinen Gottleichen schütz'. 
In derselben Hs. noch einmal Nr. 70 'Ich habe so lange gestanden, in sorgen 
stundt ich gross' 11 Str. 1 u. 2 — ^ nd. I u. II, 3 'Da ich dich zum ersten mall 
drucket, freundlich ahn meine Brust' . . . entspr. d. 3. Str. v. Nr. 83 d. Hs., d. 4. 
Y. 1582 u. Ye 57, 4 = X, 5 = IV, 6 = HI, 7 = V, 8 = VI, 9 = VIII, 10 für 
sich, 11 = XI; 3 u. 10 einerseits, VII u. IX andrerseits ganz verschieden, Hs. 
Str. 10: *Gott hatt sie mir ausserkoren, zu leib und leben allein, darumb will ich 
Ciott loben, vnd allzeitt bey ihr sein.' 

Niederdeutsohes Jahrbuch XXYI. 3 



34 

91 (bezw. 77). irty Icuet im grönen Vfteyen, | ber frolyfen SommertYbt . , . 
14 sechsz. Str. Die 8 letzten Strophen ergeben das Akrostichon *Grunwald'; Str. 
12 nd. *Vpgeith se my im Herten' f. hd. *Auf . Es ist das derselbe Schuster und 
Volksdichter Georg Grünwald, von dem schon die Rede gewesen ist, s. oben Nr. 47. 
— Baron de Reiffenberg, Nouv. Souv. d'Allemagne, I S. 252: 1588. Mir geliebt 
der grüne meyen, die fröliche sommertzeitt ... 6 siebenz. Str. 1 --^ nd. I, 2 = III, 
3 = IV, 4—6 = XII— XIV. Die siebente Zeile der Strophen muss als ein 
späteres, überflüssiges Anhängsel gelten, das ohne weiteres ausser Acht gelassen 
werden kann. Fl. Bl. Yd 7850. 27 Zwey schöne ne- | we Lieder, Das erst, | Mir 
liebt I im grünen Mayn etc. Hat seine eygen | Melodey. Das ander, Vil vn- , 
trew ist auff Erden, Im | Thon, Wie möcht ich | frölich werde. | (Bildchen, 
darauf links oben die Buchstaben: LMAI | DNMB | I. | rechts unten: T. W) (Zum 
Schluss: Gedr. zu Nürnberg, durch Val. Fuhrmann. 4 Bl. 8° o. J.) Wegen des 
z. Bez. d. Weise herangezogenen 'Wie möcht ich' ist vielleicht oben Nr. 8 zu ver- 
gleichen. 'Mir liebt' 14 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Uhland 
VI. Nr. 59, Hoffm. Gesellschldr. Nr. 165, Böhme Altd. Lb. Nr. 143, Lh. II S. 195 
Nr. 383. lieber d. Beziehungen des Liedes zu einem ebenso beginnenden Namen- 
liede von Hans Sachs vgl. Kopp, Hans Sachs u. d. Volkslied: Zeitschrift f. d. dtschn. 
Unterr. 14. 1900. Andre Namenlieder desselben *Grunwald' z. B. in e. fl. Bl. 
Yd 7850. 11 *Dantz maydlein dantz' u. im Lb. d. Fenchlerin: Birlinger, Alemannia 
1, 1873 S. 47 'Glaub nicht herzlieb, sagt man viel arges von mir'. 

92 (bezw. 78). IJbt wölbe ein gubt Dtffd^er, | otlj otffd^en vp einen Dycf . . . 
9 vierz. Str. Antw. Lb. Nr. 71 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 106) in 10 Str. Uhld. 
VI. Nr. 283 A u. B nd. u. nid. Böhme Lh. I S. 488 Nr. 151. 

93 (bezw. 79). ^ennicFe Knedjt wat wxUu boi^n, | iptit bu porbenen bat olbe 
ioljn ... 14 fünfz. Str. Fl. Bl. Ye 1614 Een old Leed | Vam | Henneke 
Knecht | (Bildchen) | Gedrückt im Jahre 1645. | (4 Bl. 8^ o. 0. u. J. Rs. d. 
1. u. 4. Bl. leer.) 'Henneke Knecht wat wultu don, wultu verdeinen dat ohle 
Lohn' 14 Str. Schlussstr. obiger Fassg. fehlt, dafür an zehnter Stelle 'He lende 
syn Hövt an Schepes Bort' zugesetzt, eine Strophe, die den Ausbruch der See- 
krankheit bei dem angehenden Seefahrer schildert u. nicht wol fehlen darf — 
Des Edelen Henneken von Lauensteine kurtze umbständliche Relation, Der wider 
den Erbfeind den Türeken, des 1663 und 64. Jahres angetretenen u. numehro ab- 
gelegten Krieges - Expedition ; Vorgestelt In einem Gespräche, gehalten m. s. 
Vettern Chimme vom Deister, etc. Anno 1665. (263 S. 12^ o. 0. Berl. Yz 4488) 
S. 253: Chim . . . bliefet nu to Huse, un nöhmet en Wieff, wie Frünne wilt jök 
alle tor Hochtiet folgen. — Henneke. Ich wils beschlaffen, zu guter Nacht: — 
Chim. No Vedder Henneke, schlapet jy ohk woll, un lahtich wat gaues dröhmen; 
Höhr Trineke, wie wilt usem Vedder to Ehren, den Henneken Knecht singen, denn 
will wie ohk schlapen gähn, un dann asse du wol weist; Hört Vedder, dat schuht 
jök to Ehren: 

1. Och Heneke Knecht, wat wultu dohn, | Wultu verdeinen dat ohle Lohn . . . 
14 Str. entspr. d. Einzeldr. v. J. 1645. — In demselben Tonfall gibt es ein eng 
damit verwandtes nid. Lied, das in eine viel frühere Zeit hinaufreicht, s Antw. Lb. 
(1544) Nr. 15 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 18) Een oudt liedeken. 1. Bistu een crijgher 
oft bistu een boer ... 7 fünfz. Str. Die nd. Fassg. ist folgerichtiger als die nid., 
da es sich bei jener nur um Seeabenteuer, bei dieser erst in der zweiten Hälfte 
darum handelt. Uhld. gibt in s. Volksliedern Nr. 171 A— C (vgl. auch Nachtr.) d. 
nd. Fassg. nach d. fl. Bl. u. d. nid. nach d. Lb. Oesterley, Niederdeutsche Dichtg. im 
Mittela. 1871 S. 39 ff. bietet auch manches. Ein besondres Werk über dies 
treffliche Lied schrieb Hoffmann v. F. 'Henneke Knecht. Ein altes nd. VI. Hrsg. 
m. Anmkgn' Berlin 1872 (24 S. 4^). Ausführlich handelt darüber auch Böhme Ad. 
Lb. Nr. 463 u. Lh. III S. 384 Nr. 1539. — 

94 (bezw. 80). (D oaIfd?e ^ert, o rober IHunbt; | wo Ijeffftu my bebragen . . . 
7 vierz. Str. Fl. Fl. Ye 433 Veer lede volgen, | Dat Erste, Van dem löfliken 
Barger vissche, etc. Dat Vögelken syn- | get synen sanck. Dat ander. Mit einem 



35 

bedröueden sänge. Dat drüdde, Och val- | sehe hert vnd rotermimdt, wo heffstu 
mi bedragen. Dat veerde, Ick | hehb lang nicht gesungen. | (Bildchen) M (4 Bl. 
8° 0. 0. u. J.) *Och V. Hert' 7 entspr. Str. Wegen d. ersten Liedes vgl. unten 
Nr. 117. Viel später hd. im Venus-Gärtlein, 1659 S. 54 (Frh. v. Waldberg: Neudr. 
86/89 S. 39) m. 7 d. nd. Fassg. entspr. Str. Berl. IIs. 1568 Nr. 27 falsches 
Herz, o roter Mund ... 4 Str. 1—3 ---^ nd. I— III, 4 versch. v. IV etc. (Serapeum 
18. 1857 S. 293). 

95 (hezw. 81). tXw, bin icf ein maljl fry, | oan feucs banben ... 4 sechsz. 
Str. Fl. Bl. Yd 7850. 8 Fünff Schöne lustige vn kurtzweylige newe Lieder zusingen, 
vormals im Truck nye vil gesehen noch aussgangen. Das Erste: Gross Lieb hat 
mich vmbfangen hart etc. Das Ander: Nu bin ich einmal frey, von Liebesbanden. 
Das dritt: Ach hertziges Hertz, mit schmertz, erkenen, etc. Das vierdt: Ach Gott 
was soll ich singen, was soll ich, etc. Das fünfft: Ohn dich muss ich mich aller 
frewden massen, etc. Jedes in seiner aignen Melodey zusingen. Getruckt zu 
Aiigspurg, durch Val. Schönigk ... (4 Bl. 8^ o. J.) *Nun bin ich' in 4 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Wegen d. 3. Liedes vgl. unten Nr. 142. Venusg. 1659 S. 53 
(Frh. v. Waldbg. : Neudr. 86/89 S. 39) in 4 entspr. Str. Hoflm. Gesellscbldr. Nr. 120 
(nach Regnart 1578) in 4 entspr. Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 40 (nach Gr. Lang) 
ebf. in 4 entspr. Str. 

96. ifrölirf bin icf x>i\ Qerten grunbt, | fo bu fvnes £eeff btji frtfc^ x)Vi\>t q,t* 
funbt ... 12 fünfz. Str. = 1582 A 81, B 125; Blumm u. Aussb. (P. v. d. Aelst) 
1602 doppelt in je 12 Str. S. 60 u. S. 80 (Nr. 68 u. 87; vgl. Goed. IP S. 43). 
Fl. Bl. Yd 9904 Zwey schöne newe Lieder, Das erste, Frölich bin ich auss hertzen 
gnindt. Das ander, Dein gsundt mein frewdt du mein eyniger trost, Wie oift, etc. • 
(Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg durch Val. Newber. 4 Bl. 8** o. J.). Trölich bin 
ich' ebf. in 12 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Yd 9908 *Twe 
lede' (s. oben Nr. 19) *Frölick bin ick' 12 entspr. Str. — Handschriftlich im Lb. 
f. 0. Fenchlerin Nr. 10 (Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 17) m. 10 Str. 1—7 = 
nd. I— VII, 8 u. 9 = IX u. X, 10 entspr. XI (im nd. Druck ausgefallen), VIII u. 
XII fehlen b. d. Fenchlerin. Berl. Hs. 1569 bzw. 1575 (v. HelmstorfFsche) Nr. 32, 
1575 Nr. 67 m. je 12 d. nd. Fassg. entspr. Str. 

97 (bezw. 82). 3^* f^*^" ^*^^ £anbsfned?te by bßm folben VO^Xi, I fe xz\it\itxi 
Dan einer flenen forternyl ... 9 sechsz. Str. Fl. Bl. Yd 7852. 10 (Beschr. oben Nr. 
23) 'Acht Schöne Newe Lieder' an 6. Stelle m. 8 d. nd. Fassg. entspr. Strophen, 
ausser dass d. 7. v. d. 9 Strophen fehlt. Uhld. VI. Nr. 197. 

98 (bezw. 83). IJbt Pevttj ein Soem in 0flcrrYcf, | be bred?t IHufcaten 
Blomen ... 14 vierz. Str. 1582 A 159, B 30 in je 12 Strophen, wovon d. 10 ersten, 
allerdgs. m. erhebl. Verschiedenhtn., den 10 ersten d. nd. Fassg. entsprechen; hd. 
Str. 11 Z. 1 u. 2 = nd. Str. XI 1 u. 2, hd. 11 Z. 3 u. 4 in d. nd. Fassg. nicht 
vorlianden, hd. 12 Z. 1 u. 2 -- nd. XIII 1 u. 2, hd. 12 Z. 3 u. 4 = nd. XI 3 u. 4. 
Blumm u. Ausb. (P. v. d. Aelst) 1602 S. 108 (Nr. 116; vgl. Goed. IP S. 43) in 12 
d. hd. Fassg. d. beiden Liederbücher v. J. 1582 entspr. Str. Fl. Bl. Yd 7852. 14 
(Beschr. oben Nr. 33) *Drey Schöne Newe Lieder' an 2. Stelle m. 15 Strophen, 
wobei nur hinter d. 7. Str. d. nd. Fassg. eine besondre zugekommen ist, sonst 
Wortlaut u. Reihenf. d. nd. Fassg. entspr. Uhld. VI. Nr. 99 A u. B gibt unter B 
d. nd. Fassg. auch auf 12 Str. gekürzt; Goedeke-Tittm. Lb. S. 101 m. 12 Str. 
entspr. 1582 A bzw. B; Böhme, Altd. Lb. Nr. 50 dsgl. u. ebenso Lh. I S. 471 Nr. 141. 

99 (bezw. 84). So gan^ onb gar aüetn | fing icf \><xi £ebtltn ... 16 achtz. 
Str. (Serapeum 18. 1857 S. 294). Fl. Bl. Yd 9658 Ein schön New Lied, So gantz 
vnd gar allein, Sing ich das Liedelein, Im thon, Auss frischem freyem mut. Ein 
ander Schön Lied, Ein Weiblich Bild mein Hertz bezwungen hat. (Bildchen). 
(fiedr. zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht. 4 Bl. 8^ o. J.). *So gantz vnd 
gar allein' 16 d. nd. Fassg. entspr. Str. 

3* 



36 

100 (bezw. 85). 3cf roettj my ein eble Kcyferin, | fe Itd?t my Dadj vn'be 
Xladii im Sinn ... 14 fünfz. Str. = 1582 A 117, B 48. 

101 (bezw. 86). ^err (Sot>t wem fd?al irft Flagen, | mvn lybent ys fd^roar 
Diibe örolli ... 16 achtz. Str. (Serapeum 18. 1857 S. 297 vgl. 19. 1858 S. 256). 
Wenn man im Beginn der 4ten Str. statt *Godt helft süluest gespraken' liest 'So 
Godt' . . . und im Beginn d. 9ten Str. statt *Ach möcht ick trost erweruen' viel- 
mehr *Och möcht ick', so ergeben die Anfangsbuchstaben der 16 Strophen als 
Akrostichon den Namen *Hans van Gottingen'. Demselben plattdeutschen Dichter 
konnte bereits oben ein Schlemmerlied, Nr. 83, ebenfalls auf Grund des vorgefloch- 
tenen Akrostichons zugewiesen werden. Goed. IP S. 204 *Sein Lied ist im ur- 
sprünglichen Texte noch nicht wiederaufgefunden.' Vorbezeichneter Text in nd. 
Fassg. ist der lang und vergeblich gesuchte ursprüngliche. Das launige Schlemmer- 
lied Nr. 83 war bisher nicht als dieses Dichters Eigentum erkannt. Goed. IP S. 
292 e. Ged. auf d. Seeräuber Kniphof, 1525 enthauptet, u. e. and. auf d. See- 
räuber Pechlin, 1526 im Kampf gefallen, ebf. in niederd. Mundart v. demselben 
Dichter, ebf. m. voran bezw. nach gestelltem Akrostichon. 

102 (bezw. 87). 3^ iiunbt an einem Iltorgen, | t^etmlyc! an einem 0ri)t . . . 
7 siebenz. Str. = 1582 A 176, B 129; Goed. IP S. 29 Neusidler, S. 30 Ott, S. 33 
Finck, S. 38 Ott, S. 40 Bicinia, S. 41 Bergkreyen (Rotenbucher) 1551. Bergr. 
hrsg. V. J. Meier (Neudr. 99/100) S. 85, hrsg. v. Schade S. 62 Nr. 25, 1536 Nr. 25, 
1574 Nr. 25 in je 7 d. nd. Fassg. entspr. Str. Gassenh, u. Reutterl. Nr. 49, vgl. 
Goed. IP S. 31. Fl. Bl. Ms. germ. 4^. 718 (Abschr. 4^. 731) Bl. 24 Es. (Nr. 21) 

•eingehefteter Druck, e. offenes Bl. m. 7 entspr. Str. Yd 7801 (v. Nagler) Nr. 38 
m. 7 entspr. Str. Yd 9335 Zwei schöne lieder. Das Erste, Ich stund an eynem 
morgen, heymlich an eynem ort, weltlich. Das ander. Im muscatblüt thon. Eyn 
hübsch Frawen lob. (Bildchen). (Getruckt zu Nürmberg durch Künigund Hergotin. 

4 Bl. S^ 0. J.) *Ich stund' 7 entspr. Str. Yd 9339 (sehr ähnlich m. 9335) Zwey 
schöne lieder. Das Erste, Ich stund an einem morgen, heimlich an einem ort, 
weltlich. Das ander liedt, Im muscatblüt thon, Ein hübsch Frawen lob. (Bildchen, 
sehr ähnlich Yd 9335). (Gedruckt zu Nürmberg, durch Val. Newber. 4 Bl. S^ o. J.) 
*Ich stund' 7 entspr. Str. In dem oben (s. Nr. 8) schon beschr. Einzeldr. Ye 29 
*Drey schöne Lieder' (ebf. Neuber) an 2ter Stelle *Ich stundt an einem morgen, 
Heymlich an einem ort' 7 entspr. Str. Ye 476 (Beschr. oben Nr. 22) *Veer lede' 
an erster Stelle eine von jenen zahlreichen Nachbildgn., die sich an dies Lied 
anschlössen. Aus e. Pfälzer Hs. Fassg. v. 7 Str. b. Mone: Anz. f. Kunde d. 
teutschen Vorzt. 7. 1838 Sp. 71. — Uhld. VI. Nr. 70, Goedeke-Tittm. Lb. S. 91, 
Böhme Altd. Lb. Nr. 269, Lh. II S. 544 Nr. 742. 

103 (bezw. 88). IPill^elmus van Xla^onwe, \ bin ic! van bübefd^em blobt . . . 
15 achtz. Str. ^- 1582 A 146, B 1; Akrostichon 'Willem van Nassov'. Fl. Bl. Ye 
1644 (Beschr. oben Nr. 61) *Zwey Weltliche Lieder' 1646 an 2. Stelle m. 15 
entspr. Str. Böhme Altd. Lb. Nr. 409—11, Lh. II S. 106 Nr. 298. 

104 (bezw. 89). Wy brinrf en alle gerne, | onbe t^ebben meinid? (Seit . . . 
7 achtz. Str. (Serapeum. 18. 1857 S. 305.) Sehr viel später hd. im Venusg. 1659 
S. 52 (hrsg. V. Frh. v. Waldberg: Neudrucke 86/89 S. 38) in 7 d. nd. Fassg. 
entspr. Str. Zur Bezeichng. d. Gesangweise nd. in e. fl. Bl. Yd 7853. 11 'Dre 
nye Geistl. Leder' 1613. 

105 (bezw. 90). Duo vnbe börtd?t, | »nb niimmer tloecf ... 5 elfz. Str. = 
1582 A 125, B 3. Berl. Hs. 1575 Nr. 18 *Dull vnd töricht nimmermehr klugh' 

5 Str. 1 = nd. I, 2 u. 3 = III u. IV, 4 = II, 5 = V. Fl. Bl. Ye 453 'Drey 
Schöner Lieder, Das Erste, Toll vnd Törricht nimmer-mehr klug' (4 Bl. 8^ o. 0. 
u. J.) m. 5 Str. 



37 

106 (bezw. 91). (Entlouet n>eren vns be Wölbe, \ be frifd^e Illey tritt tjcitn . , . 
17 siebenz. Str. (Serapeum 18. 1857 S. 307) Baron de Reiifenberg, Nouv, Souv. 
d' Allem. I S. 264—08: Entlaubt waren vnss die weiden, der fiissche Mey tratt 
ein . . . 16 Str. (13. fehlt, sonst entspr.). 

107 (vgl. 16). frölyc! vnbe fry, | nidjt jlolt barby ... 4 zehnz. Str. = 1582 
A 124, B 132 in je 4 Strophen, wovon in dieser nd. Fassg. d. 3. durch die Lücke 
weggefallen ist. 

108 (bezw. 92). Xta gröncr Vaxm myrt £Jert ©orlangct, | bo icF elcitbe 
was ... 8 neunz. Str. Das Hamburger Bruchstück hört hinter der 3. Strophe 
auf, und in der vollständigeren Sammlung ist ein Blatt ausgerissen, wodurch der 
Schluss dieses Liedes von der 5. Zeile d. 8 Strophe ab und ferner das ganze 
folgende Lied (Nr. 93) in Wegfall kommt. 1582 A 57, B 10 nur 7 Strophen, 
wobei die vorletzte d. nd. Fassg. fehlt. In d. sog. uiederrh. Lhs., Einband v. J. 
1574, Blatt 17 m. 7 Str. wobei die Farben in andrer Ordng. u. auch sonst die 
Sätze in andrer Verteilung auftreten als bei d. nd. Fassg., deren 6. Strophe d. 
lis. ganz fehlt; in d. Berl. Hs. 1575 Nr. 52 m. 7 Str. stimmt die Fassg. besser zu 
d. ud. ausser dass d. vorletzte Str. fehlt. Böhme Altd. Lb. Nr. 206, Lh. II S. 321 
Nr. 502. Jahrb. f. nd. Sprf. 15. 1889 S. 18. 



109 (bezw. 94). Iteen leue in leibt, mad? my ntd?t ipebbcrfarcn, | bctnyl icf 
pleg ber leue arbt ... 3 zehnz. Str. ^^ 1582 A 39, B 91. Ausser in d. oben (s. 
Nr. 3) schon beschriebenen Einzeldr. Yd 9570 *Vier schöner lieder', wo d. Lied 
au erster Stelle m. 3 entspr. Str. zu finden ist, sind noch zu nennen fl. Bl. Yd 
7850. 5 Drey schöne newe Lieder, Das Erste, Nun grüss dich Gott, mein Mündlein 
rot. Das ander. Kein Lieb ohn Leyd, mag mirs nicht widerfahren. Das dritte, 
Schönes Lieb möcht ich bey dir geseyn. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, durch 
Val. Fuhrmann. 4 Bl. 8^) *Kein Lieb ohn Leyd' m. 3 entspr. Str. Dieselben 3 
Lieder in Ye 43 Drey schöne Newe Lieder. Das erste, Nun grüss dich Gott, mein 
müüdlein rot. Das ander. Kein lieb ohn leyd, mag mir nicht widerfaren. Das 
dritte, Schönes lieb möcht ich bey dir gesein. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, 
durch Val. Newber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Kein lieb ohn leyd' in 3 entspr. Str. Berl. 
Hs. 1568 Nr. 83 'Kein freudt ohn leid mag mir widerfaren', 1574 (sog. nrh.) Bl. 
88 Rs. *Keiu lieb ohne leid magh mich nicht wederfharen', 1575 Nr. 48 *Kein Lieb 
ohne Leid magh mir nicht widerfaren' in je 3 entspr. Str. Erk-Böhme, Liederhort 
III S. 468 Nr. 1663. 

110 (bezw. 95). Vmt ybel Dücr, | brenbt my myn Qert im £yue ... 9 achtz. 
Str. = 1582 A 70, B 24. Fl. Bl. Yd 7850. 14 Drey Schöner Weltlicher Lieder. 
Das Erst. Ach Gott wem soll ichs klagen, etc. Das Ander, Fewr eytel Fewr, etc. 
Das Dritt. Von dem Edlen Danhäuser, etc. (Bildchen) Zu Colin, bey Ilur. Net- 
tessem. In Martengarden Gassen. Anno. 1596. (4 Bl. 8*^) 'Fewr eytel Fewr' ebf. 
in 9 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Berl. IIs. 1569 bzw. 1575 
(V. llelmstorft"'sche) Nr. 41 *0 Fewre in dem Fewre' 7 ähnl. aber stark abweichende 
Str. 1574 (nrh.) Bl. 53 'Fewr eitel Fewr' 9 d. nd. Fassg. entspr. Str. 1575 Nr. 
H2 'Fewr eitel Fewr' ebf. 9 entspr. Str. Eine sehr verwahrloste Fassg. enthält 
der Einzeldr. Ye 447 Zwey Schöne newe Lieder, Das Erste, Das Engelein genant. 
Möcht ich vor trawren heben an. Im Thon, Gar lustig ich spacicren gieng, etc. 
Das ander, Von falscher Lieb vnd Trew. Ach Fewer vber Fewer. Hat sein eigne 
Melodey zu singen. (Bildchen m. Buchst. 'LMAI | DNMB | I. | — | T.W.' | 4 Bl. 8« 
0. 0. u. J.) 'Ach Fewer' 5 Str. 1—4 ^^ nd. I— IV, Schlussstr. abweichd. Zu diesem 
Kiuzeldr. vgl. oben Nr. 91 Yd 7850. 27. LMAID steht für die nicht seltene Formel : 
'Lieb mich als ich dich'. 

111 (bezw. 96). 3^t geytlj yegen bijfe Sommertybt, | adi (Sobt wai fd^al icf 
my crfröuroen ... 12 siebenz. Str. Aus e. westfäl. lls. d. erste Str. dieses Liedes 
u. v. d. 2. Str. die ersten Worte b. Mone: Anz. f. Kunde d. teutschen Vorzt. 7. 
1838 Sp. 74. Was Mone darauf als besondres Lied zählt, entspricht den letzten 
6 Strophen des vorgezeichneten nd. Liedes. 



38 

112 (bezw. 97). 3n be £cue hin id geraben, | (ßobt ipolbe my Welpen barutlj . . . 

7 zwölfz. Str. In d. spätem Lhs. d. Fabricius Nr. 108 hd. in ebf. 7 Str. 

113 (bezw. 98). Wo fan onbe mad? tcF fröly^ fvn, | tn ntYnem Qerten | brage 
icF grotlj Sd^merten ... 5 neunz. Str. Fl. Bl, Yd 7850. 15 Zwey Schöne Newe 
Lieder. Das Erst: Ich hab mir ein Mädelein ausserwühlt . . . Das ander: Wie 
kan vnnd mag ich frölich sein, in meinem Hertzen, etc. (Bildchen). (Getruckt 
zu Augspurg, durch Val. Schönigk, auff vnser Frawen Thor. 4 Bl. 8® o. J.) 'Wie 
kann' 9 Str. 1 — 8 b. sehr starken Verschiedenhtn. entspr. nd. I — III, 4 ähnlich nd. V, 
sonst alles verschieden. Das andre Lied ist v. G. Grünwald (vgl. oben Nr. 47, 91) 
der sich zum Schluss desselben nennt *Jörg Grünen walde'. Das Lied 'Wie kanu' 
trifft man sehr viel später im Venusg. 1659 S. 89 (Frh. v. Waldbg.: Neudr. 86/89 
S. 29) in 5 d. nd. Fassg. entspr. Str. Auch in d. Lhs. d. P. Fabricius (Bolle a. 
a. 0. S. 61) m. 5 Str. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 146 m. Berufg. auf e. *Rehdigersche 
Hs. v. J. 1608' in 4 Str. (IV. nd. fehlt ganz, d. 2. u. 8. Str. sind in allen Fassgn. 
mehr oder weniger durcheinandergegangen) Nr. 147 aus d. Venusg. in 5 Str. Erk- 
Böhme, Liederhort III S. 481 Nr. 1679 nach d. Rehd. Hs. b. Hoffm. 

114 (bezw. 99). ^ebh tcf be | föuen IDünfdje in myner geiralbt, | fcgg my 
Ijebb trf red?t, | fo ipolbe tcf my iDÜnfdjen junrf pnbe nümmer olbt ... 9 fünfz. 
Str. Berl. Hs. 1568 Nr. 25 *Hett ich sieben wünschen in meiner gewaldt' 7 Str. 
1 u. 2 = nd. I u. II, 3 = VI, 4 fehlt in d. nd. Fassg., 5 -= VII, 6 = V, 7 =- III 
(nd. IV, VIII, IX fehlen in d. Hs.). Berl. Hs. 1575 Nr. 109 *Hett ich sieben 
wünsche in meiner gewalt' 7 Str. 1 u. 2 = nd. I u. II, 8 ^ IV, 4 = VII, 5 = VI, 
6 = III, 7 = V (d. beiden letzten Strophen d. nd. Fassg. fehlen). 'Blumm u. 
Aussb.' (P. v. d. Aelst) 1602 S. 26 (Nr. 39; vgl. Goed. IP S. 43) 7 Strophen, 
wobei durchaus in Einklang m. d. Hs. 1575 die beiden letzten Strophen d. nd. 
Fassg. fehlen u. d. andern sich folgendermassen entsprechen : 1 u. 2 ^= nd. I u. II, 

8 = IV, 4 = VH, 5 = VI, 6 = III, 7 =- V. Lhs. d. P. Fabricius 9 Str. (Bolte 
a. a. 0. S. 63) Uhld. VI. Nr. 5 A u. B gibt d. nd. Fassg. u. diej. d. P. v. d. Aelst; 
Böhme Altd. Lb. Nr. 276' (nach P. v. d. Aelst), Lh. III S. 80 Nr. 1081. 

115 (bezw. 100). De IDed^ter ©orfünbtget pns ben Dad?, | op Ijoger Cinnen, 
bar Ije lad? ... 6 sechsz. Str. 1582 A 60 nur 5 Str. 1—4 = nd. I— IV, 5 einersts. 
V u. VI andrers. verschieden. Fl. Bl. Yd 9655 Zwey schöne lieder. Das Erste, 
Der Wechter verkündigt vns den tag. Ein ander schön Lied, Von den siben 
Planeten. In dem thon, Ich bin entzünd, mein hertz brindt. (Bildchen). (Gedr. 
zu Nürnberg durch Friderich Gutknecht. 4 bezw. 3 Bl. — d. letzte leer — o. J.) 
*Der Wechter' 5 Str. entspr. 1582 A 60. Berl. Hs. 1575 Nr. 54 ebf. 5 Str. entspr. 
1582 A 60. Dem Strophenschema sowie dem Stoff nach vollkommen gleich, dem Wort- 
laut nach in starken Anklängen ähnlich, gehört mit vorigem das Lied zusammen 
1582 A 155 *Der wechter der blies an den tag' 7 Str. (1 vgl. d. Str. I d. sonstigen 
Fassgn. 2 *Fraw nachtigal singt jhren thon' s. d. Schlussstr. d. 5strophigen Fassg. 
1582 A 60, Fl. Bl. Yd 9655, Hs. 1575; 5 = II d. sonstigen Fassgn.; 7 vgl. 111). 
Ebenso m. 7 Str. in d. nrh. Lhs. 1574 Bl. 74 Rs. ; vgl. auch P. v. d. Aelst 'Bl. 
u. Aussb.' S. 101 (Nr. 109; Goed. IP S. 43), handschriftl. Lb. d. Herzogin Amalia 
V. Cleve b. Bolte : Zs. f. dtsche. Philol. 22, 402. Uhld. VI. Nr. 80. Goedeke-Tittm. 
Lb. S. 74 nach e. fl. Bl. (= Yd 9655) m. 5 Str. Böhme Altd. Lb. Nr. 102 beide 
Fassgn. Lh. II S. 599 Nr. 799 *I)er Wächter der blies an den Tag' 6 Str. 

116 (bezw. 101). ^d njetlj my ein ftolte lüeuerin, | fc molbe Peel leucr ein 
moflerin fyn ... 17 fünfz. Str. 1582 A 173 sehr abweichende Fassg. in 11 Str. 
1—3 =- nd. I— III, 4 = IX, 5 ohne entspr. Str. 6—8 -- V— VII, 9 fehlt ebf, in 
d. nd. Fassg. 10 - XVII, 11 = XVI; nd. IV, VHI, X— XV fallen in d. hd. 
Fassg. aus. Fl. Bl. Yd 9769 Ein hübsch New Lied Von dem Mülner. Zwey ander 
Lieder, Das Erst, Von einer stoltzen Müllerin, wie sie jre Hüner, Gens, Enden vnd 
Schwein verkauift. Das ander. Von eines Burgers knecht vnd einer Betlerin, Im 
thon, zu Constantz sass ein Kauffman. (Bildchen). (8 Bl. 8^ o. 0. u. J.) 'Von dem 



39 

Mülner' beginnt *Ich weiss mir ein stoltze Weberin' 9 Str. Bei sehr starken Ab- 
weichungen 1 — 7 = nd. I— VII, 8 ^^ IX, Schlussstr. besonders. Wegen d. 2. 
Liedes s. unten Nr. 154. — Uhld. VI. Nr. 266 A u. B. — 

117 (bezw. 102). Dat Dögelfen finget finen Sand, | be Sommcrnad?t be ys 
ttid}t lancf ... 15 fünfz. Str. Dies Lied war sicher v. Anbeginn ud. so auch in d. 
oben schon (Nr. 94) beschr. Einzeldr. Ye 433 *Veer lede', woselbst das Lied *Van 
dem löfliken Barger vissche' an erster Stelle m. 15 vorstehender Fassg. entspr. 
Str. anzutreffen ist. Uhld. VI. 172. 

118 (bezw. 103). 3^* baget cor bem (Djlen, | be Vfl&n fd^y"* aueratt , . . 
10 vierz. Str. = 1582 A 41, B 93; in dem oben (s Nr. 3) schon beschriebenen 
Eiuzeldr. Ye 429 *Vyff Lede' m. 10 entspr. Str. Beri. Hs. 1568 Nr. 112 ebf. 10 
8tr. 1— 6 = nd. I-VI b. starken Abweichgn., d. letzten Strophen ganz verschieden. 
'Liedekens-Boeck' Tautwerpen 1544 Nr. 75 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 112) 9 Strophen, 
wovon d. 5 ersten d. andern Fassgn. entspr. Aus e. Pfälzer Hs. m. 7 Strophen, 
wovon d. 5 ersten d. sonstigen Fassgn. entspr. b. Mone: Anz. 7. 1838 Sp. 241 
'Es taget an dem höchsten, es taget an der Hardt' . . . Böhme Altd. Lb. Nr. 104 
d. Fassg. nach Mone, Lh. I S. 336 Nr. 94 a- d u. II S. 600 Nr. 800. 

119 (bezw. 104). 3^* P^ed? ein f leine IDalbtoögeltn, | bcr ieuejieu lljom 
DinPcr in ... 7 siebenz. Str. = 1582 A 201, B 160; Goed. 11^ S. 40 Nürnbgr. 
Druck V. 68 Liedern, S. 43 P. v. d. Aelst (Bl. u. Aussb. S. 104 u. noch einmal 
S. 128, Nr. 112 u. 133 iü je 7 Str.) Fl. Bl. Yd 8986 Ein hübsch Liede, Es fleugt 
ein kleyns waldfögelein. Ein schöne Tagweyss, Mit gantzem eilenden hertzen, 
klag ich. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8° o. J,) 
'Es fleugt' ebf. 7 entspr. Str. Antw. Lb. 1544 Nr. 77 (lloff'm. Hör. Belg. XI S. 115) 
ebf. in 7 den sonstigen Fassgn. entspr. Str. — Uhld. VI. Nr. 83 A nur 2 Str. 
(B. s. oben Nr. 12), Goedeke-Tittm. Lb. S. 82, Böhme Altd. Lb. Nr. 115, Lh. II 
S. 231 Nr. 415. 

120 (bezw. 105). Sd^yn ons be leue Sünn, I gyff ^"^ ben gellen fd^yn . . . 
7 vierz. Str. 1582 A 66, B 112 zwar ebf. in 7 Strophen, doch m. starken Ab- 
weichgn. 1 — 3 ^^ nd. 1— III, 4 allenfalls entspr. IV, 5 fällt in d. nd. Fassg. aus, 
6 u 7 ^^ V u. VI, VII fällt in d. hd. Fassg. aus. In d. sog. niederrh. Lhs., Ein- 
band V. J. 1574, Bl. 81 *Nü schein du liebe sonne' m. 8 Str. IIs. 1575 Nr. 60 im 
ganzen übereinstimmend m. d. beiden Liederbüchern v. J. 1582, nämlich 1 — 4 — 
ud. I-IV, 5 besonders, 6 u. 7 = V u. VI, VII besonders. Uhld. VI. 31 A u B 
V. d. nd. u. hd. Fassg. nur je 3 Str. 32 A v. d. hd. d. übr. 4, B v. d. nd. Fassg. 
d. 3 folgenden Str. 4—6 (Schlussstr. weggelassen). Hoff'm. Gesellschldr. Nr. 93 
ebf. nur 3 Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 11 m. 7 Str. entspr. 1582 A bzw. B. 
Böhme zerlegt gleich Uhld. das Ganze in 2 Lieder: Nr. 181 u. 182 d. Altd. Lb. 
Erk-ßühme Lh. II S. 239 Nr. 422, 

121 (bezw. 106). 3"^ IDtnter ys eine folbe tybt, | bat men ntd?t neel im Delbe 
lybt... 13 fünfz, Str. Fl. Bl. Ye 1141 (Beschr. Nr. 17) *Veer schöne Leder' 1611 
an erster Stelle m. 13 obiger Fassg. entspr. Str. Yd 7831 (Einband v. J. 1566) 
an 78. Stelle: Ein News frischgebachen Lied, von ainem Wolff" vnd aiuer Gauss. 
Im Thon: Es geht ein frischer Sommer daher mit schalle etc. (Bildchen, e. Wolf 
m. lüstern ausgestreckter Zunge u. e. davon fliegende Gans, nach der jener mit 
umgedrehtem Halse sehnsuchtsvolle Blicke wirft, darst.). (Zum Schluss: Getruckt 
zu Augspurg durch Mattheum Francken. 4 Bl. 8^ o. J.). *Im Winter ist ein kalten 
zeyt, das man nit vil zu Felde leyt' in 13 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. 
entspr. Str. Eine davon versch. hd. Fassg., auch m. versch. Anfangsworten, gibt 
ein leider verstümmelter Einzeldruck d. Kgl. Bibliothek zu Berlin Yd 8891. 8*^ 
'Ich reyt einsmals zur Winters zeit, wol vber ain beiden die was breit' ... 12 Str. 
u. V. d. 13. d. Worte *Der riet das ich ein gschefi't solt thun', worauf d. Schluss 
fehlt; 1 — 3 = nd. 1 — III, 4. Str. fehlt in d. nd. Fassg., ist aber für den Gedanken- 



40 

gang unentbehrlich, Str. 5—13 = nd. IV— XII, mindestens also noch eine Schlussstr. 
ausser d. 13. ist in diesem Einzeldr. weggefallen. Nicht für sich besonders wie 
in diesem verstümmelten Flugblatt, aber vollständig trifft man eine dieser letztge- 
nannten, so weit dieselbe noch erhalten ist, recht genau nach Wortlaut und Strophen- 
ordnung entsprechende Fassung des Liedes in einem andern Einzeldruck Yh2355: 
Die Tugent der Burekarts vnd Martini Gans. Ich bin ein Gans secht mich recht 
an ... (4 Z.). Ein ander lied. Von einem Wolff vnd einer Gans, Im thon, Es 
gehet ein frischer Sommer daher, etc. (Bildchen, e. Gans u. e. Wolf m. e. and. 
Gans darst.). (Am Schluss: Gedr. zu Nürnberg, durch Friderich Gutknecht. 7 
bezw. 8 Bl. — 1 leer — o. J.). 'Ich reyt eins mals zur winters zeit, wol vber ein 
beiden die was breyt' ... 15 Strophen, wovon d. 4. sich in d. nd. Fassg. nicht 
findet, die 12 ersten dem Einzeldr. Yd 8891 entsprechen, die 3 letzten aber fol- 
gendermassen lauten: 

Der ried das ich ein gschefft solt thon, ich volget dem vil heiligen Mau, 
Ynnd was jhn des geweren, Alweg wol an Sanct Mertes tag, isst man vns Gensslein gereu. 

Wol zu dem trüben newen wein, den beschert Got vnd Sanct Mertein, ist 
die Gans darzu geben, dem selben jsst man vns zu ehr, Got im ewigen leben. 

Vnd wer vns dises Liedlein sang, ein freyer Wolff ist er genant. Er hats so 
frey gesungen. Er hett die Gans beim Kragen erwüscht, so ists jm wider enttrunnen. 

Uhland druckt in s. Volksliedern Nr. 205 A u. B die nd. Fassg. nach vor- 
stehendem Liede d. Sammig. u. die hd. Fassg. (entspr. Yd 8891 u. 7831. 78) nach 
e. *F1. Bl. Hans Guldenmundt'. Böhme, Altd. Lb. Nr. 354, Lh. I S. 508 Nr. 162. 

122 (bezw. 107). 3bt t)abbe ein Sd^wah ein Död^terltn; | fe molbe ntd^t 
lenger benen ... 11 fünfz. Str. Fl. Bl. Yd 9531 'Ein news Lied, Es het ein , 
Schwab ein töchterlein,' (Bildchen. 4 Bl. 8^ o. 0. u. J.) Hier ist d. Lied ganz 
allein für sich m. 15 Str. gedruckt. 1-3 -- nd. I-III, 4 = VI, 5 -= IV, 6 — V, 

7 u. 8 fehlen in d. nd. Fassg., 9—12 = VII— X, 13 u. 14 fehlen, 15 == XI. 
'Grassliedlin' Nr. 1, 'Gassenh. vnd ReutterUedlin' Nr. 53, vgl. Goed. IP S. 31. 
Im Antw. Lb. 1544 (Hofl&n. Hör. Belg. XI S. 42) Nr. 29 m. (12 bzw.) 11 Str. Uhld. 
VI. 257, Böhme Ad. Lb. 51, Lh. I S. 425 Nr. 119. 

123 (bezw. 108). IITtt £eue bin icf ommfangen, | ^ertaöerfeuejie myn . . . 

8 achtz. Str. 1582 A 88 in 7 Str. ohne d. Schlussstr. d. nd. Fassg. B 8 in 8 
d. nd. Fassg. entspr. Str. *B1. u. Aussb.' (P. v. d. Aelst) 1602 S. 68 (Nr. 76; vgl. 
Goed. IP S. 43) ebf. in 8 entspr. Str. Ebenda z. Bez. d. Gesangweise S. 110 
(Nr. 119), s. oben Nr. 30, S. 116 (Nr. 123), s. oben Nr. 60 u. ö. In d. oben 
(s. Nr. 61 Lindenschmidt) schon beschr. Einzeldr. Ye 671 *Zwey Schöne newe 
Lieder' als erstes Lied ebf. m. 8 entspr. Str. Berl. Hs. 1569 bzw. 1575 (v. Helm- 
storff'sche) Nr. 6 m. 6 Str. 1 u. 2 -- nd. I u. II, 3 = IV, 4 = III, 5 = VII; 
d. 6te Str. findet m. d. ersten 4 Zeilen nichts entsprechendes in der nd. Fassg., 
d. 2te Hälfte dieser Strophe verläuft entsprechend nd. V Z. 5 — 8: *Mein threw 
hett ich ir geschworen, zu dienen ir fürwar, so ist es alls verloren, das red ich 
offenbar, kum ich ir auss den äugen . . . Berl. Hs. 1574 (nrh.) Bl. 47, 1575 Nr. 93 
in je 8 entspr. Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 58, Böhme Lh. II S. 212 Nr. 400. 

124 (bezw. 110). Wot fd^al irf my Ijen feren, | tcF bummes örobcrlin ... 
11 achtz. Str. = 1582 A 97. Bergr. 1531 (Meier: Neudr. 99/100 S. 53) Nr. 27, 
hrsg. V. Schade S. 91 Nr. 37, 1536 Nr. 37, 1574 Nr. 37 in je 11 entspr. Str. Vgl. 
Goed. 112 s 29 Gerle, S. 35 Forster (II 1553 Nr. 57 nur d. erste Str.) u. ö. Fl. 
Bl. Yd 9496 Ein hübsches liede. Wo soll ich mich hin keren. Ich thummes brüe- 
derlein. Ein ander lied, Venite jr lieben gesellen oue sorgen. (Bildchen. 4 Bl. 
8« o. 0. u. J.) *Wo soir ebf. 11 entspr. Str. Yd 9503 Zwey schöne Lieder, Das 
Erst, Wo sol ich mich hinkeren, ich thummes Brüderlein. Das ander, Der 
Schlemmer geistlich. Wo sol ich mich hinkeren, ich thummes Brüderlein. (Bildchen). 
(Gedr. zu Nürnberg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) Wo soll' ebf. 11 entspr. 
Str. Yd 9509 Veer schöne lede, Vam Slömer. Dat ander, Venite gy leuen Gesellen 
ane sorgen. Dat drüdde. Van söuen Stalbrödern. Dat veerde, Van den achtem 
eigendömmen der Drenckers. Dat is ein Narr in Lyff vnd blodt, De einem armen 



41 

Minschen vurecht doth. (Bildchen, e. Narren darst.) Ick wil freien, supen vnd 
störten, Minnem myn gudt vnd leuendt körten. (4 Bl. 8® o. 0. u. J.) *Wor schall' 
1 1 entspr. Str. — In d. oben (Nr. 67) schon beschr. £inzeldr. Yd 9876 'Ein Schön 
New Liedt, Ich reytt ein mal zu Braunschweyg auss. £in ander Schön Lied, 
Worein sol ich mich kleyden' f. dieses zweite Lied z. Bez. d. Tons 'Wo sol ich 
mich hin keren.' — Ein älteres Lied 'Wo sol ich mich hinkeren, ich armes walt- 
pruderlein' z. B. Ms. germ. 4^. 718 (vgl. 4^ 781) Bl. 21 Rs. Nid. im 'Liedekens- 
Boeck' Antw. 1544 Nr. 166 (Hoffm. Hör. Belg. XI S. 249) m. 12 Str. wovon d. 
letzte den sonstigen Fassgn. fehlt, die 11 übrigen in der Ordnung abweichen: 
uld. 1-5 = nd. 1— V, 6 = X, 7 = VIII, 8 = VI, 9 = VII, 10 = IX, 11 - XI. 
— ühld. VI. Nr. 213, Hoffm. Gesellschldr. Nr. 345, Goedeke-Tittm. Lb. S. 125, 
Böhme Altd. Lb. Nr. 858, Lh. III S. 91 Nr. 1170. — Jahrb. f. nd. Sprf. 16. 
1890 S. 77. — 

125 (bezw. 111). 2Idj (ßobt n?em fd?al tcft flagen, | bat Ijetmlyc! iybent 
mvn . . . 6 neunz. Str. = 1582 A 109, B 25; Bergr. hrsg. v. J. Meier (Neudr. 
99/100) S. 102, hrsg. v. Schade S. 118 Nr. 48, 1536 Nr. 48, 1574 Nr. 48 in je 6 
entspr. Str. Goed. IP S. 29 Neusidler, S. 36 u. 37 Forster III 1549 u. V 1556, S. 40 
Neuber u. ö. FI. Bl. Yd 7850. 14 (Beschr. oben Nr. 110) 'Drey Schöner Welt- 
licher Lieder', Colin 1596, an erster Stelle 'Ach Gott wem soll ichs klagen' m. 6 
den übr. Fassgn. entspr. Str. Berl. Hs. 1574 (nrh.) Bl. 93 Rs. 1575 Nr. 66 m. 6 
entspr. Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 60 nur e. Str. e. ähnl. Liedes m. gleichem 
Anfang nach Scandellus. Böhme Altd. Lb. Nr. 242 (vgl. Nr. 208 Lieder m. ähnl. 
Anfgn.) Lh. II S. 703 Nr. 918 (vgl. Nr. 478). 

126 (bezw. 112). 3cf Ijebbe by lecff wo bu i»oI roetjl, | (ßobt metlj wo bn 
mit Hamen Ijetjl ... 12 sechsz. Str. 'Blumm vnd Aussbund' (P. v. d, Aelst) Dev. 
1602 S. 66 (Nr. 74; vgl. Goed. IP S. 43) in 11 Str. 1 = nd. I, 2 = VII, 3 = 
IV, 4 == VIII, 5 = III, 6 = X, 7 = IX, 8 = V, 9 = VI, 10 = XI, 11 = XII 
(od. II fehlt in d. hd. Fassg.). Wechselseitig dient das Lied z. Bez. d. Gesang- 
weise mit 'Es ist auf Erden kein schwerer leyden' (s. oben Nr. 49); wie dieses in 
'Blumm u. Aussb.' S. 66 für 'Ich habe dich lieb' angegeben ist als Ton, so steht 
S. 65 für 'Es ist auf Erden' als Ton 'Ich habe dich lieb' ; die beiden Lieder folgen 
bei P. V. d. Aelst unmittelbar (Nr. 73 u, 74) auf einander. 

127 (bezw. 113). Panfe OTegbeltn banfe, | banfe bu ntyn ebles ölobt, | fpring 
frölYcf an ben Heye, | mit bynem fd^enrflin gubt ... 11 achtz. Str. In dem v. 
Reiffenberg'schen handschriftl. Lb. Nouv. Souv. d' Allem. I S. 234 'Auss frischem 
freyem mut, | frew dich du edles blut, | spring frölich an den reyen | mit deinem 
schenkleiu gut ... 9 achtz. Str. Hier fehlen v. d. nd. Fassg. d. 9. u. 11. Strophe, 
die andern entspr. sich beiderseits wie wol in andrer Ordng. 1 u. 2 = nd. I u. 
II, 3 = V, 4 = III, 5 = IV, 6 = VII, 7 -- VI, 8 = VIII, 9 -- X. In e. unten 
(Nr. 140) anzuführenden Einzeldr. Ye 1604 'Zwey Weltliche Newe Lieder' v. J. 
1644 findet sich an erster Stelle das Lied 'Aus frischem freyen Muth, frew dich 
du junges Blut' in 18 dem metrischen Schema nach zu vorstehendem Liede genau 
stimmenden, dem Inhalte nach aber ganz davon verschiedenen Strophen. Dass im 
Stropheubau gleiche Lieder, die sonst nichts mit einander gemein haben, durch- 
eiaander geraten, kommt im Volksgesaug nicht selten vor und ist nichts auifalliges. 
'Dantz Mäydlein dantz' beginnt auch e. nach d. metr. Form wie d. Inhalt nach 
von vorstehendem ganz abweichendes Lied, . das, wie das Akrostichon ausweist, 
den schon mehrfach genannten Schuster Grünwald zum Verfasser hat : Yd 7850. 1 1 
'Zwey Schöne newe Tantzlieder. Das erst: Tantz Mäydlein tantz' . . . (Augspurg, 
Schönigk o. J.). 

128 (bezw. 114). JröIycF in allen (Eljren, | bin xd jo mand^e jlunb ... 8 achtz. 
Str. Reiffbg. Nouv. Souv. I S. 248 in 11 vierz. abget. Str. 1 u. 2 == nd. I, 3 u. 
4 = nd. III, 5 = II Z. 5—8, 6 u. 7 -- V, 8 u. 9 fehlen in d. nd. Fassg., 10 =- 
VI Z. 1-4, 11 für sich. Fl. Bl. Yd 7852. 10 (Beschr, oben Nr. 23) 'Acht Schöne 
Newe Lieder' in 9 achtz. Str. (5. fehlt in d. nd. Fassg.). Am genauesten entspricht 



42 

der nd. Fassg. diejenige vom *Venus-Gärtleiii' 1659 S. 29 (Frh. v. Waldberg: 
Neudr. 86/89 S. 23) in 8 nach Wortl. u. Reihenf. m. obiger Fassg. übereinstim- 
menden Str. Z. Bez. d. Gesangweise mehrfach bei P. v. d. Aelst, z. B. Blumm u. 
Aussb. S. 85 (Nr. 93), S. 88 (Nr. 96), S. 112 (Nr. 120); ebenso in d. Lhs. d. Seb. 
Eber Bl. 110 A Nr. 11, Bl. 111 A Nr. 12, Bl. 122 B Nr. 17, Bl, 124 B Nr. 18, 
Bl. 140 B Nr. 26, Bl. 149 A Nr. 32, Bl. 151 A Nr. 33, Bl. 154 B Nr. 34, Bl. 
157 A Nr, 35. 

129 (bezw. 115). Van (Sobt ys my na Herten begcljr | ein 3uncffröun?Iin 
otljerFaren ... 3 zwölfz. Str. Dahinter : Troportio. Denn du bist myn, | vnde ick 
bin dyn' ... 2 dreizehnz. Str. Sehr verdorbener Wortlaut. Proportio ist ein Fach- 
ausdruck, der, jetzt für Troportionalität der Notenwerte' üblich, früher ein Nach- 
spiel zu Tänzen, und auch ein Seitenstück oder einen Anhang bezeichnen konnte. 

130 (bezw. 116). 3rf wetli bre ölömltn in einem (Sarben, | be Ijcbbe ic! my 
erftlycf ott^erfarn ... 8 siebenz. Strophen, deren Anfangsbuchstaben ein in dieser 
Fassung nicht mehr ganz unverändertes Akrostichon gebildet haben *Johan DNN'. 
Bisher ist d. Lied nur aus d. spätem Lhs. d. Fabricius in ebf. 8 Str. nachgewiesen, 
s. Bolte: Jahrb. f. nd. Sprf. 13. Jg. 1887 S. 60. Erk-Böhme, Liederhort III S. 
466 Nr. 1660. 

131 (bezw. 117). ^bt rebt ein Hüter molgemobt, | Ije oörbe ein Vebet pp 
fynem fjobt . .. 15 zweiz. (bezw. dreiz.) Str. *Grassliedlin' Nr. 11, vgl. Goed. II- 
S. 30. Fl. Bl. Yd 9918 Zwey hübsche Lieder, Das erst. Es ritt ein Reutter wol- 
gemut. Das ander. Mein eynigs A. mein höchster schätz. (Bildchen). (Gedr. zu 
Nürmberg durch Val. Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Es ritt' 15 d. nd. Fassg. entspr. Str. 
Uhld. VI. Nr. 108 nur d. nd. Fassg. Böhme Lh. I S. 262 Nr. 74. 

132 (bezw. 118). (Ein Irfime Qert tn (Eljrcn | Ijebbe irf my olljcrtpelbt . . . 
7 zehnz. Strophen, deren Anfangsbuchstaben *ELSBVCE' unzweifelhaft das frühere 
Vorhandensein eines Akrostichons darthun. Fl. Bl. Ye 786 Zwey Schöne Newe 
Lieder. Das Erste, Ach es wil schöns Lieb das Hertz in mir, für schmertzen 
gross zuspringen . . . Das Ander, Ein getrewes Hertz in Ehren, hab ich ausserwelt. 
(Bildchen) Gedruckt zu Magdeburgk. (4 Bl. 8^ o. J.) *Ein getrewes Hertz' 7 d. nd. 
Fassg. entspr. Str. Anfgsbuchstbn. *ELSBOCO'. Dass e. Akrost. vorliegt, beweist 
auch d. andre Lied d. Einzeldrucks ^Ach es wil'; auch dies ist e. Akrost. 'Anna 
ZJGKS'. *Gar ein newes Liederbüchleiu' Nürnberg 1607 Nr. 30 ^Getreues Hertz 
in ehren, hab ich dich ausserwelt' Namenlied auf Gertrud, hat mit nd. Nr. 132 
ausser dem Anfang nichts gemein. 

133 (bezw. 119). 3bt n?eren ncgen Solbaten I bes ITTorgens fro ©pgeftalin . . . 
22 fünfz. Str. Z. Bez. d. *Stemme. Het waren neghen Soldaten' im 'Amsterdamse 
Liedboeck' S. 109. Fl. Bl. Ye 1331 Drey newe, lustige, vnd kurtzweilige Lieder: 
Das erst. Von Ehrlichen Rittern vnd Soldaten, wie sie sich im Krieg, Streit, vnd 
Sturm verhalten, auch was sie aussstehn müssen, etc. Das ander. Von dreyen 
jungen Soldaten zu Duhren im Niderland, welche sich etwas vbel vorgesehen, vnd 
wie es jhnen ist ergangen, etc. Das dritt, Es nahet sich gegen der Summer zeit, 
mein höchster Schatz auff Erden, etc. Getruckt im Jahr, 1620. (4 Bl. 8^ o. 0.) 
'Das ander Lied. Es waren drey Soldaten, sie waren gar junge Blut' 17 Str. 1 
vgl. nd. I u. II, 2 vgl. III, 3 findet in d. nd. Fassg. nichts entsprechendes, 4 vgl. 
VIII m, 5—9 vgl. XI— XV, 10 u. 11, entbehrliche Wiederholung v. 8 u. 9, fehlen 
in d. nd. Fassg., 12 vgl. XVI, 13 u. 14 vgl. XVII u. XVIII, 15 vgl. XIX u. XX, 
d. beiden letzten Strophen beiderseits verschieden. — Yd 1752 Vier schöne Neue 
Soldatenlieder, Das Erst. Es waren drey Soldaten gut, von Ambsterdamm geboren, 
etc. Das Ander, Es waren drey Soldaten, es waren drey junger Blut, etc. (Bild- 
chen) Das dritte. Es geht wol gegen der Sommerzeit, der Winter fährt dahin. 
Das vierdte. Von der Fortuna, werd ich getrieben vmb. (4 Bl. 8° o. 0. u. J ) 
'Es waren drey Soldaten' v. beiden vorigen wieder sehr abweichende Fassg. — 
Uhld. VI. Nr. 199, Böhme Lh. I S. 227 Nr. 65a— f m. gründlichen Erläutergn. u. 
reichen Nachweisgn. 



43 

134 (bezw. 120). 3bt baget in bat (D^en, \ be IlTän \diyni anetaU ... 13 
vierz. Str. Amsterd. Lb. S. 70 m. 15 Str. Antw. Lb. Nr. 73 m. 14 Str. (Hoffm. 
Hör. Belg. XI S. 108). Zur Bezeichng. d. Gesangweise f. e. geistl. Lied in e. fl. 
Bl. Yd 7831 (Einband v. J. 1566) an 20. Stelle. Uhld. VI. 95 A u. B nd. u. nid. 
Fassg. Böhme Ad. Lb. 16—18. 

135 (bezw. 121). 3bt ys ein Boy^en famen in £anbt; | bat roolbe fo gerne 
benen ... 8 vierz. Str. In d. spätem Lhs. d. P. Fabricius, unter Einschaltung 
zweier Strophen hinter der 7. d. nd. Fassg., m. 10 Str. (Bolte; Jahrb. f. nd. Sprf. 
13. 1887 S. 59) ühld. VI. 255, Böhme Lb. 191, Lh. I S. 438 Nr. 124. 

136 (bezw. 122). 3ebröfft ys my myn Qert, | ©nbe lybc od grote fd^mert * • . 
7 vierz. Str. Lhs. d. Herz. Joachim Karl v. Braunschw. 1601 (Bolte: Zs. f. dtsche. 
Philol. 25. 1892/3 S. 30) in ebf. 7 Str. In e. fl. Bl. v. J. 1600 (vgl. unten Nr. 
143) Yd 7850. 30 *Zwey gar schön newe Lieder' z. Bez. d. Gesangweise *Im Thon: 
Betrübt ist mir mein Hertz, etc.' 

137 (bezw. 123). (Einiges £eeff bu trüipe fjert, | by ys oorborgen nid?t myn 
fd/mert ... 7 fünfz. Str. Fl. Bl. Yd 7850. 37 Drey Schöne newe Lieder. Das 
Erste: So scheyd ich nun mit schmertz . . . Das ander: Einiges Lieb getrewes 
Hertz . . . Das dritt: Muss dann die trewe mein, so gar mit falschem Hertzen, etc. 
(Bildchen). (Getruckt zu Augspurg, durch Val. Schönigk . . . 1603. 4 Bl. 8^). 
'Einiges Lieb' in 7 d. nd, Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. Ye 1005 
Yier Schöne Newe Lieder. Das Erste, Ade ich mus mich scheiden, wie ist das 
80 schwere pein, etc. Das Aiider, Einiges Lieb getrewes hertz . . . Das Dritte, 
Allein hab ich dich ausserwelt . . . Das Vierde, Ach Amor wie gantz widerwertig 
sein, etc. Gedruckt im Jahr, 1601. (4 Bl. 8^ o. 0.) ^Einiges Lieb' in 7 entspr. Str. 
In des Seb. Eber v. Nürnberg Lhs. (1592 bzw. 1596), die für die folgenden nd. 
Lieder von Wichtigkeit ist, findet sich auf d. Rs. v. Bl. 146 unter Nr. 30 ein vor- 
stehendem sehr ähnliches Lied ^Mein einigs Lieb getrewes Hertz' m. 6 achtz. 
Strophen, deren Anfangsbuchstaben d. Akrost. ^Martha' bilden. Hs. d. Herzogs 
Joachim Karl v. Braunschw. (Bolte a. a. 0. S. 31) m. 7 Str. Hs. d. Fabricius 
(Bolte a. a. 0. S. 61) m. 7 d. nd. Fassg. entspr. Str. Böhme Lh. III S. 460 Nr. 1651. 

138 (bezw. 124). Jrycn ys mol gebaljn, | menn oange ybt red?t an . . . 7 
sechsz. Str. Fl. Bl. Ye 781 Zwey Schöne Newe Lieder. Das Erste, Wie wird 
mir denn geschehen, wenn ich dich meiden sol. Das Ander, Freyen ist wol gethau, 
man fah es nur recht an, Im Thon, Venus du vnd dein Kind, etc. (Bildchen) 
Gedruckt zu Magdeburgk, (Zum Schluss: Zu Magdeburgk, bey Wilh. Ross. 4 Bl. 
8" 0. J.) *Freyen ist wolgethan' in 7 d. nd. Fassg. entspr. Str. Wegen d. ersten 
Liedes s. unten Nr. 146, wegen d. z. Bez. d. Tons angeführten oben Nr. 34. Lhs. 
d. Frh. v. Reiflfenberg, Nouv. Souv. d' Allem. I S. 262 m. 7 entspr. Str. Lhs. d. 
Seb. Eber, Bl. 166 Rs. *Das Neun vnd Dreisigst Liedtt. Im Thon holdsehliges 
bildtt. 1. Freyen ist wohlgethan' ebf. m. 7 entspr. Str. 

139 (bezw. 125). Hed?t feljr Ijefft my ©ormunbet | myn Ijert ein ^vnid- 
frouiplin ... 7 achtz. Str. Anfgsbuchst. *ROSJNVD' urspr. Akrost. 'Rosina'. Aus 
d. hd. Schriftsprache übertragen, 6. Str. beginnt *Vp en' hd. *Auf ihn', Str. 1—6 
U. ergibt *Rosina'. Lhs. d. Seb. Eber, Bl. 103 Rs. *Das dritte Liedtt' in 6 der 
nd. Fassg. ohne die Schlussstr. entspr. Str. Ebenda noch z. Bez. d. Weise Bl. 10 
A u. 28 B, Bl. 115 B Nr. 14, Bl. 117 B Nr. 15, Bl. 162 B Nr. 37. 

140 (bezw. 126). 3unrffroum tcf bljo yum fragen, | frünbtlyrf Ijolbt my tljo 
#t ... 7 achtz. Str. Ebf. in d. Seb. Eber Lhs. u. zwar Bl. 106 B *Das Siebende 
Liedtt In seinem Thon. 1. Jungfraw ich thu euch fragen' 6 Str. 1— 4 — nd. I— IV, 
5 fehlt in d. nd. Fassg., 6 — V, VI u. VII fehlen in d. Us.; ebenda z. Bez. d. 
\yeise Bl. 10 B, 29 A, Bl. 136 B Nr. 24. — Fl. Bl. Ye 801 Drey Schöne Newe 
Lieder. Das Erste, Mein Uertz ist mir verwundet, etc. Das Ander, Das Megdleiu 
var allein . . . Das Dritte, Feins Megdlein ich thu dich fraget . . . Gedr. zu 



44 

Magdeburgk. (4 Bl. 8° o. J.) Teins Megdlein' m. 8 Str. 1-6 der Hs. Ebers ent- 
sprechend, 7 u. 8 versch. v. nd. VI u. VII. Ye 1604 Zwey Weltliche | Newe 
Lieder. | Das Erste. | Aus frischem freyen Muth, frew dich du | Im Thon, | Ach 
zartes Jungfräwelein, were ich bey | Das Ander, | Jungfraw ich thue euch fragen, 
halt mirs | Im Jahr, 1644. | (4 Bl. 8« o. 0.), *Das Ander' m. 8 d. Einzeldr. Ye 
801 entspr. Str. 

141 (bezw. 127). tOolup tuyn yunge JJert; | by bringet y^fet grotlje fdjmert . . . 
10 achtz. Str. P. v. d. Aelst, Bl. u. Aussb. 1602 S. 89 (Nr. 97; Goed. IP S. 44) 
in 10 d. nd. Fassg. entspr. Str. Fl. Bl. Ye 791 Drey Schöne Newe Lieder. Das 
Erste, WoUauflf mein Junges Hertz . . . Das Ander, Ach Jammer Pein vnd 
scbmertzen . . . Das Dritte, Wach auff meines Hertzen schone, etc. Gedruckt zu 
Magdeburgk. (Schluss: Zu Magdeburgk, bey W. Boss. 4 Bl. 8« o. J.) ^Wollauif 
in 10 entspr. Str. Wegen d. 3. Liedes in diesem Einzeldr. s. Nr. 144. — Ye 1551 
Drey Weltliche | Newe Lieder, | Das Erste, | Schwing dich auflf Fraw Nachtigal 
ge- I Das Ander, | Elendiglich mein blühende Zeit, ich verzehren | Das Dritte, I 
Wollauflf mein junges Hertz, dir bringt | Gedruckt Im Jahr 1639. | (4 Bl. 8® o. 0.) 
*Wollauir in 10 entspr. Str. — Zur Bezeichng. d. Gesangweise z. B. in e. fl. Bl Yd 
7850. 22 Tier schöne vnd Kurtzweilige newe Lieder'. — Im handschriftl. Lb. f. 
0. Fenchlerin Nr. 22 *Merck auf mein junges Hertz' m. 8 Str. (Birlinger: Ale- 
mannia 1. 1873 S. 28, zieht zur Vergleichung * Venus du und dein Kind' heran) 
1—5 = nd. I — V, 6 = IX, 7 = VIII, 8 dieser Fassg. eigentümlich, wie die letzteu 
Strophen oft nach einer andern von den damals in beschränkter Zahl üblichen, 
stehenden Schlussformeln hinüberschwanken. Die 4 letzten Zeilen, die Birliuger 
als 9. Strophe gibt, gehören nicht mehr zum Lied, sondern zu jenen spruchartigen 
Anhängseln, die man damals den Liedern beizufügen pflegte, wie solche bei manchen 
Sammlungen fast zu jedem Liede vorhanden sind, z. B. in d. niederrh. Lhs. u. in 
d. gedruckten Sammlung d. P. v. d. Aelst. Mel. in d. Lhs. d. Seb. Eber Bl. 6 B. 

142 (bezw. 128). Tldj Ijerttges Qert, | mit Sd^mert, erfcnnen bljo ... 8 siebenz. 
Str. Nur im Tenus-Gärtlein' 1659 S. 224 (1656 hrsg. v. Frh. v. Waldberg: Neu- 
drucke 86/89 S. 163) m. 8 nach Wortl. u. Reihenf. d. nd. Fassg. entspr. Str. In 
dem oben (s. Nr. 95) schon beschr. Einzeldr. Yd 7850. 8 Tünif Schöne . . . Lieder' 
an 3. Stelle m. 9 Str. 1—3 = nd. I— III, 4 u. 5 einerseits V anderseits ohne Ent- 
sprechung, 6 u. 7 = VI u. VII, 8 = IV, 9 = VIII. Bei P. v. d. Aelst 'Blumm 
vnd Aussbund' Dev. 1602 S. 134 (Nr. 140; vgl. Goed. IP S. 42) m. 7 Str. (1-4 
Akrost. *Anna') wovon nur 1 mit nd. I u. 2 m. V sich entsprechen, alle sonstigen 
Strophen beiderseits ganz verschieden sind. Häufiger findet sich das Lied 3 strophig: 
Forster, Aussbund schöner Teutscher Liedlein, I 1552 Nr. 7; vgl. Goed. IP S. 34; 
S. 33 Fiuck; Einzeldr. Ye 821 (Beschr. oben Nr. 1) *Vier Schöne Newe Lieder' 
an erster Stelle; Lhs. d. Ilcrz. Joachim Karl v. Braunschw. 1601 (Bolte: Zs. f. 
dtsche. Philol. 25. S. 30) u. ö. Z. Bez. d. Weise z. B. Yd 7850. 12 *Drev schön 
newe Buhllieder' 1603, in d. Lhs. d. Seb. Eber l692 Bl. 38 Rs. u. ö. Böhme Ad. 
Lb. Nr. 132, Lh. III S. 454 Nr. 1642. 

143 (bezw. 129). (frölyc! fo mtl tcf fingen, | irf Fan, | tcf fant nid?t bart^o 
bringen ... 7 achtz. Str. Fl. Bl. Yd 7850. 30 Zwey gar schön newe Lieder. Das 
erste: Eiu schönes Scheidliedlein, vor nie in Druck gesehen worden, welchs ein 
Jungfraw jhrem Bulen auss hertzlicher Lieb zu guter letzt gedieht vnd gemacht. 
Im Thon: Betrübt ist mir mein Hertz, etc. Das ander: Frölich wolt in singen 
ich kan, etc. In seinem eignen Thon: Im Jahr: M.DC. (4 Bl. 8° o. 0.) 'Frölich 
wolt ich singen' in 7 Str. entspr. d. nd. Fassg., ausser dass 5. u. 6. Str. ihre Plätze 
vertauscht haben. Die Anfangsbuchstaben des Einzeldrucks ergeben d. Akrost. 
'Frawlob'. Das nd. Lied ist aus dem hd. übertragen, wodurch das unbemerkt und 
unbeachtet bleibende Akrostichon sich verwischt hat. Es ist lehrreich, in einem 
Falle den Hergang zu beobachten. Str. 1: nd. *Frölyck' — F; Str. 2 *Leefflyck 
bistu gezyret mit tucht'; ebenso gut passt in den Sinn ^Reichlich' — R; Str. 3 nd. 
u. hd. *An' — A; Str. 4 *Dewyl my denn dyn Leue so dwingt' statt d. hd. 'Weil' 
— W bezw. U; Str. 6 (bzw. hd. 5) 'Lath bzw. hd. 'Lass' — L; Str. 5 (hd. Ü) 



45 

*Ahn vnderlath' entspr. hd. *Ohii auflThören' 1. *Ohn Untorlass' — 0; Str. 7 *Schöns 
Leeff bcdenck dat Ledtlin' hd. *Bedenck Hertzlieb das Liedlein' — B. — Ye 731 
Zwey Schöne Newe Lieder. Das Erste. Nachbar Rupert, mein Hertz ist voller 
Pein, etc. Im Thon. Mein Hertz ist mir verwundet, etc. Das Ander. Frölich 
wil ichs singen, Ich kans darzu nicht bringen, etc. In seiner eigen Melodey. Ge- 
druckt zu Magdeburgk. (4 BI. 8^ o. J.) ^Frölich' in 7 Str. Wegen d. 'Nachbar 
Rupert' s. unten Nr. 148. — Handschriftl. im Lb. d. Herz. Joachim Karl v. Braun- 
schw. (Bolte: Zs, f. dtsche. Philol. 25. S. 29), im Lb. d. Fabricius (Bolte: Jahrb. 
f. nd. Sprf. 13. S. 57). — 

144 (bezw. 130). Wad vp mynes Qerten fd^öne, | 3art aderleuefie myn . . . 
3 siebenz. Str. In dem an d. beiden Teile d. Bergreihen v. J. 1574 angehefteten, 
seines Titelblattes leider beraubten Liederheftchen von 15 Bergreihen (Berl. Yd 
5008) findet man d. Lied m. 9 Strophen, wovon d. 7. gegen d. nd. Fassg. mehr 
vorhanden ist, während die andern nach Wortl. u. Reihcnf. damit übereinstimmen. 
Fl. Bl. Yd 78101 (v. Nagler) 66, Stück: Ein schone tagweyss. Wach auff meines 
bertzen ein schone, zart aller liebste mein ... 9 Str. entspr. d. Bergr. Yd 9994 
Drey Hübsche Lieder, Das erste. Wach auff meins hertzen ein schöne, zart aller 
liebste mein. Das Ander, Mein M. Ich hab dich auss erweit. Das dritt. Ich weiss 
mir ein meydlein hübsch vnd fein, etc. (Bildchen). (Gedr. zu Nürnberg, durch Val. 
Neuber. 4 Bl. 8^ o. J.) *Wach auff m. 9 Str. entspr. d. Bergr. Ye 791 (Beschr. 
oben Nr. 141) *Drey Schöne Newe Lieder' an 3. Stelle m. ebf. 9 Strophen, v. d. 
sonstigen 9str. Fassgn. nur dadurch unterschieden, dass die gegen d. nd. über- 
schüssige Strophe hier an 6ter (st. Bergr. 7ter) Stelle zu finden ist. Lhs. aus d. 
Anfge. d. 16. Jahrhdts., Berl. Ms. germ. 4^ 718 (vgl. 4^ 731) Bl. 11 ebf in 9 Str. 
entspr. d. Bergr. Mgf 752, Einband v. J. 1568, Bl. 59 (Nr. 100) in 8 Strophen 
entsprechend d. Bergreihen ohne d. Schlussstr. (1—6 = nd. I— VI, 7 *Mein herz 
das leidet schmerzen', 8 = nd. VII, VIII gew. 9 fällt aus). Lhs. d. Frh. v. Reiffen- 
berg, Nouv. Souv. d' Allem. I S. 224 in 6 Str. Goedeke-Tittm. Lb. S. 75, Böhme 
Altd. Lb. Nr. 118, Lh. II S. 603 Nr. 804. 

145 (bezw. 131). Btfiu bes (Solbtfd^mebes Död^terÜH; | bin td bes Buren S5n . . . 
9 fänfz. Str. Nur in d. Lhs. d. Rostocker Studenten Fabricius aus d. Anfg. d. 17. 
Jahrhdts. m. 9 d. nd. Fassg. entspr. Str. (Bolte: Jahrb. f. nd. Sprf. 13. S. 59). 
Uhld. VI. Nr. 253, Hoffm. Gesellschldr. Nr. 149, Böhme Altd. Lb. Nr. 194, Lh. II 
S. 306 Nr. 487. 

146 (bezw. 132). Wo meti my benn gefdjeljen, | wenn \d by myben fdjal . . . 
11 achtz. Str. *Blumm vnd Aussbund' (P. v. d. Aelst) Dev. 1602 S. 61 (Nr. 69; 
vgl. Goed. II* S. 44) m. 9 Str. 1 = nd. I, II fällt aus, 2 = III, 3 = IV, V fällt 
aus, 4 = VI, 5 fehlt in d. nd. Fassg., VII u. VIII in d. hd., 6 = IX, 7 = X, 8 
u. 9 fehlen in d. nd. Fassg., XI in d. hd. Fl. Bl. Yd 7850. 33 Zwey Schöne Newe 
Lieder. Das erste: Wie soll mir dann geschehen, etc. Das ander: Seyd jhr des 
Fischers Töchterlein ... Im Jar 1603. (Zum Schluss : Gedr. zu Nürnberg, durch 
Val. Fuhrmann. 4 Bl. 8°) 'Wie soll' in 11 d. nd. Fassg. entspr. Strophen, ausser 
dass 6. u. 7. Str. Plätze getauscht haben. Die nd. Fassg. bietet mehrfach bessere 
Lesarten als d. hd. Einzeldruck, z. B. nd. Str. 4 beginnt 'Ick lese schryue edder 
dichte', d. letzte Wort im Reim auf 'Angesichte', hd. vermöge Abirrung nach e. 
stehenden Redeschnörkel 'Ich schlaff gleich oder wache'. Ye 781 (Beschr. s. oben 
Nr. 138) 'Zwey Schöne Newe Lieder' zuerst 'Wie wird' in 11 d. nd. Fassg. nach 
Wortl. u. Reihenf. besser als d. andre Einzeldr. entspr. Str. In d. Lhs. d. P. 
Fabricius (Bolte a. a. 0. S. 61) m. 11 Str. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 13 m. 11 
entspr. Str. nach e. 'Fl. Bl. Magdeburg 1601.' Böhme Lh. III S. 482 Nr. 1680. 

147 (bezw. 133). Hu grdtt^e by <5obi; | myn IHünbeltn robt ... 16 sechsz. 
Str. Nicht zu verwechseln m. e. ebenso beginnenden Liede, das übrigens mit vor- 
stehendem nichts gemein hat: 1582B Nr. 168 'Nun grüss dich Gott, mein Mündtlein 
rot' 5 neunz. Str. Fl. Bl. Yd 7850. 5 (s. oben Nr. 109) 'Drey schöne newe Lieder' 
an erster Stelle 'Nun grüss dich Gott' 5 neunz. Str. Ye 43 (s. oben ebf. Nr. 109) 



46 

*Drey schöne Newe Lieder' ebenso 5 neunz. Str. Vgl. auch Hofifm. Gesellschldr. 
Nr. 157. 

148 (bezw. 134). Holanbt. © Haber Hubbert . . . lHytt f?erle ys uuUer pyn. 
Kubbert, ö) Haber Holanbt . . . IDorümme fd?al bat fo fyn . . . 9 achtz. Str. Fl. Bl. 
Yd 7850. 17 Zwey Schone newe Lieder, genanndt der Rolandt, von der Männer 
vnd Weyber vntrew. (Bildchen. 4 Bl. 8® o. 0. u. J.) Das erste. Von den 
Männern, etc. 1. Agnes. Ein weyl last vns beysamen bleybn ... (27 vierz. Str.) 
Das ander Lied. Von den Weybern, etc. 1. Rolandt. Nachbar Robert, mein 
hertz ist voller pein ... (9 achtz. Str. entspr. d. nd. Fassg.) Ye 726 Roland ge- 
nandt. Ein Fewr new Lied, der Engellendisch Tantz genandt, zu gebrauchen auff 
allerley Instrumenten, etc. Gar kurtzweilig zu singen vnd zu Dantzen : In seiner 
eignen Melodey. (Bildchen) 1599. (4 Bl. S^ o. 0.) ^0 Nachbar Robert' 9 Str. 
Ye 731 (Beschr. oben Nr. 143) *Zwey Schöne Newe Lieder' an erster Stelle m. 9 
Str. Sehr eingehend handelt von diesem Liede Bolte, Das Lb. d. P. Fabricius: 
Jahrb. d. V. f. nd. Sprf. 13. Jg. 1887 S. 64—68. Böhme Ad. Lb. Nr. 85, Lh. II 
S. 308 Nr. 488. 

149 (bezw. 135). Sy my mvn fjerte, | ganfe fümmerlvcf, | fel^r quelet fic! . , . 5 
siebenz. Str. Akrost. ^Beata'. Proportio. Mit Fröuwden do ick yetzt rennen vnde lopen, I 
by dissen hupen, | de leue tho lopen ... 3 vierzehnz. Str. — Fl. Bl. Yd 7850. 29 
Drey Schöne Newe Lieder, vor niemals in Druck aussgangen, alle drey jedes auff 
ein Namen gemacht . . . M.DCI. (4 Bl. 8^ o. 0.) *Das erste Lied. 1. Bey mir mein 
Hertz' ... 5 Str. entspr. d. nd. Fassg. *Beata'. — Yd 7850. 32 Vier schöne Newe 
kurtzweilige Lieder, das erste: Ein Liedelein, hertzliebste mein . . . Das vierdte: 
Bey mir mein Hertz, gantz kümmerlich, etc. (Bildchen). (4 Bl. 8** o. 0. u. J.) 'Bey 
mir' 5 Str. entspr. d. and. Fassgn. — *Gar ein newes Liederbüchlein' Nürnberg 
1607. *Das 8. Lied' in 5 d. and. Fassgn. entspr. Str. — Handschriftlich im Lb. 
d. Herz. Joachim Karl zu Braunschweig (s. Bolte: Zs. f. dtsche. Philol. 25. Bd. 
S. 29), im Lb. d. Fabricius (s. Bolte: Niederd. Jahrb. 13. Bd. S. 55). — Ganz be- 
sonders hervorzuheben ist ein fliegender Druck, der vorstehendes und ausserdem 
die beiden nächstfolgenden Lieder (Nr. 150 u. 151) enthält: Ye 1001 Vier schöne 
newe Lieder. Das erste, Bey mir mein Hertz, etc. Das Ander, Adeliches Bild. 
Das Dritte, Nach trawren kömpt bald Frewde. Das Vierde, Ouidius beschreibet 
von Atthela zart, etc. (Bildchen) Gedruckt zu Magdeburgk. (Am Schluss: Ge- 
druckt zu Magdeburgk, bey Wilh. Ross, 1601. 4 Bl. 8«) 'Bey mir' 5 Str. Bez. 
Troportio' vgl. Nr. 129. 

150 (bezw. 136). © abelyfes Silbt, ertöge by frünbtivcf tJttb mtlbt ... 4 
sechsz. Str. Fl. Bl. Ye 1001 *Vier schöne newe Lieder' Magd. 1601. *Das Ander 
Lied. adeliches Bild' 4 Str. *De Arte Amandi : Das ist. Von Kunst der Lieb' 
(P. V. d. Aelst, derselbe, der ebf. 1602 zu Deventer d. Liedersammlg. *Blumin u. 
Aussb.' herausgab) Dev. 1602 S. 45 (1610 weggefallen, 1629 S. 45, 1644 weggefallen) 
in 4 entspr. Str. *De Arte Amandi, Dat ys, Van Kunst der Leeue' Hamborch 1610 
Bl. Diij Rs. m. 3 Str. (3te fortgefallen). In d. Seb. Eber v. Nürnbg. Hs. v. J. 
1592 bezw. 1596 (vgl. oben besonders Nr. 138 ff.) mehrfach z. Bezeichng. d. Ge- 
sangweise; d. Melodie selbst ist aufgezeichnet Bl. 29 Vs., vgl. dazu ferner Bl, 127 
Vs. Nr. 19, Bl. 166 Rs. Nr. 39. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 109 *0 holdseliges Bild' 
mit Berufung auf die *Kunst der Lieb'. Im Nürnberger Liederbüchlein 1607 Nr. 27 
erweitert auf 11 Str. 

151 (bezw. 137). 2Xa truren fümpt balbt fröumbe, | bes tröji irf my aütybt . . . 
9 fünfz. Str. = Fl. Bl. Ye 1001 *Vier schöne newe Lieder' Magd. 1601 *Das Dritte 
Lied. Nach trawren kömpt bald frewd' ... 9 d. nd. Fassg. nach Wortlaut u. 
Reihenfolge entspr. Str. — In dem weiter oben (s. Nr. 23) beschriebenen Einzel- 
druck Yd 7852. 10 *Acht Schöne Newe Lieder' an erster Stelle *Nach leidt kömpt 
frewdt' in 13 Str. 1 = nd. I, 2 == II, 3 = VII, 4 = IV, 5 = VI, 6 = III, 7 = 
V, 8—10 fehlen in d. nd. Fassg., 11 = VIII, 12 fehlt nd., 13 = IX. Die nd. 
Fassg. ist durchweg stark verdorben u. richtet sich auf das genaueste nach dem 



47 

Einzeldruck Ye 1001, der demnach die 3 vorstehenden Lieder in derselben Reihen- 
tolge vollkommen d. ud. Fassgn. entsprechend aufbewahrt. 

152 (bezw. 138). Hu grölljc by (Sobt im Qerten, | bu ©tljermeljlbe myn . . . 
4 sechszehnz. Str. Hoffm. Gesellschldr. Nr. 23 : Nun grüss dich Gott im Herzen, | 
du Auserwählte mein ... 4 d. nd. Fassg. nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. 
'Handschriftlich aus d. Ende d. 16. Jahrhdts., in d. Brieger Bibliothek. Minder 
gut in: Gross Liederbuch. Getruckt zu Frankfurt am Mayn . , . 1599 Nr. 273'. 
Ausserdem im handschriftl. Lb. f. Ottilia Fenchlerin v. Strassburg, 1592 ff. Nr. 24 
(Birlinger: Alemannia 1. 1873 S. 32) in 4 den andern Fassgn. entspr. Str. m. e. 
Anhg. V. 4 Zeilen: ^Schüns lieb halt dich feste, | wie der bäum sein äste! | ich 
lass von der liebe nicht ab; | man trag mich dann hin zum Grab'. Dieselben 4 
Zeilen in d. Lb. d. Fenchlerin Nr. 27 noch einmal (Str. 14 Birlgr. a. a. 0. S. 38). 
Auch an derartigen Sprüchen von 2 oder 4 Zeilen besass die damalige Minne- 
dichtung einen unerschöpflich reichen eisernen Bestand ; dieser selbe Spruch findet 
sich auch in d. sog. niederrh. Lhs. Bl. 80 Rs. in folgender Form: *Ich pitt Hertz- 
liebe halt faste | Gleich der boum seine aeste, i Vnd laes nicht ab | Mahn lege dan 
mich oder dich ins grab.' | Ebenda noch einmal Bl. 141 Ys. etwas abweichend 
von andrer Hand. 1582 A hinter Nr. 89: *Schönst lieb halt veste, | wie der bäum 
sein este, | ich las von der liebe nicht abe, | man trag mich denn hin zum grabe'. 

153 (bezw. 139). De Vfiaen be fd^ynt fo Ijeflc, 1 ttjo £eues ftnjier in ... 11 
vierz. Str. (d. beiden letzten Zeilen fehlen, da das Tübinger, früher Uhland'sche 
Lb. am Schluss verstümmelt ist). — 1582A 78 in 13 Strophen, die sonst d. nd. 
Fassg. entsprechen, ausser dass d. 6. u. 7. Strophe d. Ambr. Liederbuchs dort 
fehlt; da Str. 6 u. 8 mit derselben Zeile beginnen, war die Abirrung von der 6. 
zur 8. Strophe leicht. In d. oben (s. Nr. 23) schon beschr. Einzeldr. Yd 7852. 10 
'Acht Schöne Newe Lieder' trifft man d. Lied an 5. Stelle m. fehlendem Anfang. 
Berl. Hs. 1575 Nr. 65 m. 13 Str. entspr. 1582 A, 1— 5 = nd. I— V, 6 u. 7 fehlen 
in d. nd. Fassg., 8—13 = nd. VI— XI. Im Antw. Lb. v. J. 1544 Nr. 164 (Hoffm. 
Hör. Belg. XI S. 246) Tan den Timmerman. Wie wil hooren singhen | Van eenen 
Timmerman ... 12 vierz. Str. Derselbe Stoff in teilweise genau entsprechender 
Fassg. ^Amsterd. Liedboeck' S. 90 *Van't Schryvertje. Ick hoorde een watertje 
ruyselen, | My docht het was den Rijn' ... 11 vierz. Str. 1582B 28 Ich hört ein 
Wasser rauschen ... in 8 vierz. Str. In diesem Liede hat man das Urbild des 
bis in die Neuzeit unter mannigfachen Wandlungen von den verschiedensten Ge- 
werken für sich beschlagnahmten und zugestutzten, allgemein verbreiteten Volks- 
liedes *Es war einmal ein Zimmergesell' u. dgl. — ühld. VI. Nr. 98, Böhme Altd. 
Lb. Nr. 48, Lh. I S. 445 Nr. 128. 

154 (bezw. 109). 3rf mctlj my ein fiolt möüertn, | be büd?t jlrf Ijüpfd? onnbe 
flocrf.. . 26 achtz. Str. = 1582 A 220; vgl. Ott 1533 bezw. 1564 b. Goed. IP S. 
30 bezw. 38, S. 32 'Gassenh. vnd Reutterl.' Nr. 15. Grade dies von den Heraus- 
gebern wegen seines derb-zotigen Inhalts ausgesonderte Gedicht hat sich lange 
grosser Beliebtheit erfreut; es bildet z. B. in folgenden Einzeldrucken das Haupt- 
stück: Yd 9766 Ein hübsch new Liedt, Von einer stoltzen Müllerin, wie sie jre 
Hiiner- Genss, Endten vnd Schwein verkaufft. In dem Thon, Do Herman in der 
schewren lag. (Bildchen). (Am Schluss: Gedruckt zu Nürnberg durch Valentin 
Newber. 4 Bl. 8° o. J.) *Ich weiss mir ein stoltze Müllerin' in 26 d. nd. Fassg. 
nach Wortl. u. Reihenf. entspr. Str. — Yd 9769 Ein hübsch New Lied Von dem 
Mülner. Zwey ander Lieder, Das Erst, Von einer stoltzen Müllerin, wie sie jre 
Hüner, Gens, Enden vnd schwein verkaufft. Das ander. Von eines Burgers knecht 
vnd einer Betlerin, Im thon, zu Constantz sass ein Kauffman. (Bildchen) 8 Bl. 8^ 
0. 0. u. J. 'Ein Ander Lied. Ich weiss mir ein stoltze Müllerin' ebf. in 26 
entspr. Str. Wegen d. ersten Liedes *Ich weiss mir ein stoltze Weberin' s. oben 
Nr. 116. — Yd 9773 Ein hüpsch new Lied, von einer stoltzen Müllerin, wie sie 
jre Ilüner Gans Endten vnnd Schwein verkaufft, etc. Im Thon: Da Herman in 
der Schewren lag. (Bildchen) 4 Bl. 8° o. 0. u. J. 'Ich weiss mir ein stoltze 
Müllerin' ebf. in 26 entspr. Str. — Yd 9776 Ein hübsches Lied, Von einer Müllerin, 



48 

wie sie jhre Hüner, Genss, Enten, vnd Schweine vorkeufft, vnd wie ein ThumpfaflF 
gar meisterlich von jr betrogen ist worden, etc. (Adlerwappen). (Am Schluss: Ge- 
druckt zu Magdeburgk, durch Andreas Schmidt. 4 Bl. 8® o. J.) *Ich weis mir ein 
stoltze Müllerin' ebf. in 26 entspr. Str.* — *Aus e. IIs. d. 15. Jahrh. v. S. Georgen 
zu Karlsruhe' m. 23 in Einzelhtn. sehr abweichenden Strophen b. Mone: Anzeiger 
f. Kunde d. teutschen Vorzeit, 7. 1838 Sp. 67 — 71: *Nu merkent all geliche | vnn 
ainer müllerin.' — Böhme Altd. Lb. Nr. 44, Lh. 1 S. 495 Nr. 155. — 



Nachträglich mögen einige Bemerkungen das vorstehend Gebotene 
begründen, ergänzen und zum Abschluss bringen. Man ist gewohnt, 
die Sammlung niederdeutscher Lieder in den Anfang des 17. Jahr- 
hunderts zu setzen. Doch scheint sich bei genauerer Prüfung heraus- 
zustellen, dass sie noch in das Ende des 16. Jahrhunderts zurück- 
reicht, dass der Druck beider Ausgaben aus der Zeit etwa von 1590 
bis 1600 stammt. Schwerlich befinden sich Lieder dabei, deren Ab- 
fassung nach dem Jahre 1595 anzusetzen ist. Wenn P. v. d. Aelst 
in seiner 1602 erschienenen Blumenlese neben französischen und hoch- 
deutschen auch niederdeutsche 'Gesang- vnd Liederbüchlein' auf dem 
Titelblatt ausdrücklich und eigens hervorhebt, so kann ein Zweifel 
darüber nicht obwalten, dass im Jahre 1602 niederdeutsche Lieder- 
sammlungen durchaus nicht mehr etwas Neues und Ungewöhnliches 
waren. Die wenig spätere Liederhandschrift des Fabricius (1603 ff.) 
setzt auch das Vorhandensein niederdeutscher Sammlungen voraus. 
Leider hat Bolte sich im niederdeutschen Jahrbuch nur auf die Be- 
handlung weniger Stücke, bei denen er wesentlich Neues liefern konnte, 
aus dieser reichhaltigen Handschrift beschränkt; mindestens ein voll- 
ständiges Inhaltsverzeichnis, eine wenn auch nur knappe Aufzählung 
aller darin enthaltenen Lieder verdient wol jede, wenn auch minder 
wertvolle Handschrift. Zwar zählt Bolte a. a. 0. S. 57 in stattlicher 
Menge die Nummern auf, die seiner Handschrift mit den gedruckten 
niederdeutschen Liederbüchern gemeinsam sind, aber solch eine Reihe 
nackter Zahlen, ohne dass auch nur die Liederanfange bezeichnet 
würden, ist auf diesem Gebiete doppelt unerwünscht, wenn auch bei 
solchem Verfahren auf ein paar Seiten eine Fülle des Stofifs zusammen- 
gedrängt werden kann, wie das für diesen Aufsatz Bolte's im höchsten 
Grade gilt. Aus den zurückbehaltenen Aufzeichnungen des trefflichen 
Gelehrten mögen an dieser Stelle die für die niederdeutschen Lieder 
in Betracht kommenden auszugsweise geboten werden. Von den 175 
Liedern, die Bolte's alphabetisches Register vorführt, bei denen jedoch 
für eine nicht unbeträchtliche Zahl unter Wegfall der vollständigen 
Fassung nur die Anfangsworte wirklich in der Handschrift enthalten 
sind, würden folgende mit den niederdeutschen Liedern zu ver- 
gleichen sein: 

Nr. 7. Bey mir mein Hertz gantz jemmerlich thutt quelen sich . . . nd. 149 
(je 5 Str.) 

23. Ach hertziges Hertz, mein smertz erkennen thu ... 9 Str. nd. 142 
nur 8 Str. 

24, Freihen ist wol gethan . . . nd. 138 (je 7 Str.) 



49 

26. Ach nachbar Roland . . . z. Bez. d. Weise ... nd. 148. 

74. Wie schön bluet vns der Meye . . . nd. 68 (je 5 Str.) 

75. Hertzlich thutt mich erfreuwen die frölig sommerzeidt ♦ . . 5 Str. nd. 
17 m. 7 Str. 

79. Ein getrewes Hertz in Ehren hab ich mir ausserwehltt . . . (vgl. unten 
128) nur die Anfangsworte ... nd. 132. 

86. Mein Hertz mit Lieb verwundet . . . (vgl. unten 116) nur die Anfangs- 
worte . . . nd. 2. 

87. Nun bin ich einmall frey von liebes banden ... nd. 95 (je 4 Str.) 

96. Jungfrauw ick do juw fragen ... nd. 140 (je 7 Str.) 

97. Frölig so will ick singen, ick kan, ick kant nicht vullenbringen . . . nd. 
143 (je 7 Str.) 

98. Wack vp myns Herten schone, zardt allerleueste myn ... nd. 144 
(je 8 Str.) 

99. Venus du vnd dein kind seind alle beyde blind ... 4 Str. nd. 34 m. 11 Str. 
(103. Nun reiff, nun reiff, du kuhler Tauw ... 10 Str. vgl. nd. 14). 

106. Ich bin zu lang gewesen . . . nd. 33 (je 5 Str.) 

108. An die Lieb bin ich geraten, Godtt wolte mir helfen draus . . . nd. 
112 öe 7 Str.) 

110. Nun grüss dich Qodt im Hertzen, du ausserwelte mein ... nd. 152 
(je 4 Str.) 

115. Wolauff, mein junges Hertz ... 9 Str. (vgl. unten 164) nd. 141 (10 Str.) 

116. Mein Hertz mit lieb vorwundet (vgl. oben 86) nur die Anfangsworte. 
123. Ach leidige winter, vnd du bist kalt ... 10 Str. nd. 18 m. 6 Str. 
126. Ach Mutter, liebest e Mutter mein ... nd. 21 (je 10 Str.) 

128. Ein trewes Hertz in Ehren (vgl. oben 79) nur die Anfangsworte. 

133. Wie kan vnd mag ich frölig sein ... nd. 113 (je 5 Str.) 

135. Hett ich sieben wünsche in meiner gewaltt ... nd. 114 (je 9 Str.) 

138. Wie wirdt myr den geschehen ... nd. 146 (je 11 Str.) 

139. Ich hab dich lieb, wie du woll weist . . . nur diese Worte . . . nd. 126. 

140. Bistu des Goldtsmieds Tochterlein . . . nur diese Worte (vgl. 167) . . . 
ßd. 145. 

146. Wir trincken alle gerne, vnd haben weinig gelt . . . nur diese Worte . . . 
nd. 104. 

148. Mus den mein treuw so gahr vergessen sein . . . nd. 25 (je 8 Str.) 

149. Ich hördt ein freuwlein klagen ... 4 Str. nd. 70 (6 Str.) 

152. Ach Winter kalt . . . nd. 82 (je 6 Str.) 

153. Frölich in allen Ehren bin ich so mancher stundt ... 5 Str. nd. 128 (8 Str.) 

154. Ich habe gewacht ein winterlange nacht ... nd. 44 (je 12 Str.) 

156. Ich weis mir drey blumlein in einem garten . . . nd. 130 (je 8 Str.) 

157. Viel glucks man spricht hatt neidens viel . . . nd. 45 (je 17 Str.) 

Bl. 76 Vs. bis 82 Rs. Tänze, darunter folgende Liederanfänge: Muss denn 
mein trew (vgl. oben 148) nd. 25, Von godt ist mir nach herten begier nd. 129, 
Mein Auglein weinen (vgl. alsbald unten 159) nd. 37. 

159. Mein Euglein weinen, mein Hertz muss seufftzen . . . nd. 37 (je 14 Str.) 

160. Es war ein junger Heltt, sein Hertz war ihm gestelt ... 2 Str. nd. 
38 (12 Str.) 

161. Idt is ein Boicken kamen int landt ... 10 Str. nd. 135 (8 Str.) 

164. Wolauff, mein junges Hertz . . . (vgl. oben 1 1 5) ... nd. 141 (je 10 Str.) 

167. Bistu des Goldtschmids Tochterlein . . . (vgl. oben 140) ... nd. 145 
(je 9 Str.) 

175. Ich stundt an einem Morgen . . . nd. 102 (je 7 Str.) 

177. Gar lustig ist spacieren gähn . . . nd. 35 (je 8 Str.) 

178. Mit lieb bin ich vmbfangen, hertz allerliebste mein ... nd. 123 (je 8 Str.) 

180. Ich weis mir ein feins brauns Megdelein ... nd. 20 (je 3 Str.) 

181. Einiges Lieb, getrewes Hertz, dyr ist vorborgen nicht min schmertz . . . 
nd. 137 öe 7 Str.) 

182. Ich hett mich vnterwunden . . . nur diese Worte ... nd. 58. 

NiederdeutBches Jahrbuch XXYI. 4 



50 

188. In Osterreich da ligt ein Schloss, das ist gantz woll gebauwet . . . nd. 
84 (je 17 Str.) 

189. Vmb deinent willen bin ich hie . . . nd. 76 (je 8 Str.) 

Bl. 107 Vs. bis 140 Rs. Tänze, darunter folgende Liederanfänge: Wolauff 
mein junges Hertz (vgl. oben 115, 164) Nun fall du Reiff (vgl. oben 103 u. nd. 14). 

Es kann auffallen, dass vor dem 74. Liede ganz wenige, danach 
recht viele Nummern den niederdeutschen entsprechen; das hat seinen 
Grund darin, dass bis Nr, 66 fast lauter Akrosticha, meist solche 
von Val. Haussmann, zusammengeschrieben sind. Dass für die Hand- 
schrift des Fabricius bereits den erhaltenen ähnliche Sammlungen 
niederdeutscher Lieder verwertet worden sind, ergibt sich als un- 
zweifelhafte Thatsache, wenn man Stellen wie Nr. 96 — 98 = nd. 140, 
143, 144, oder Nr. 133, 135 = nd. 113, 114, oder Nr. 159, 160 = 
nd. 37, 38 in's Auge fasst. 

Schliesslich sollen ein paar Blicke in Melchior Franck's musi- 
kalische Werke geworfen werden, die freilich ebenfalls in eine spätere 
Zeit als die niederdeutschen Lieder gehören und schwerlich etwas 
liefern, wozu nicht schon genügende Belege vorhanden wären und was 
nicht als entbehrlich gelten könnte, zumal darin die Lieder meist sehr 
verkürzt und von der ursprünglicheren Fassung abweichend erscheinen. 
Im 'Tenor. Musicalischer Bergkreyen . . . durch Melch. Francum Si- 
lesium Zittanum', Nürnberg 1602, gehören von 21 Liedern folgende 
mit den niederdeutschen zusammen: 

2. Wie möcht ich frölich werden ... 3 Str. 

4. Zart schöne Fraw ... 3 Str. 

5. Ach Winter kalt ... 3 Str. 

9. Ich habs gewagt frisch vnverzagt ... 3 Str. 
14. Kein lieb ohn leid mag mir nicht widerfahren ... 3 Str. 

Das 'Opusculum Etlicher Newer vnd alter Reuterliedlein, welche 
zuvor niemals Musicaliter componirt . . . Durch Melch. Francum . . . 
Cantus', Nürmberg 1603, enthält folgende den niederdeutschen ent- 
sprechende Lieder (von 30 im ganzen): 

1. Vngnad heger ich nit von jhr ... 3 Str. 

2. Ach Winter kalt ... 4 Str. 

3. Wie wol ich arm vnd elend bin ... 4 Str. 
5. Ich bin so lang gewesen ... 5 Str. 

7. Ich hört ein Fräwlein klagen ... 3 Str. 

8. Ach Mutter liebste Mutter mein ... 9 Str. 

11. Ich schall mein hörn ins Jammerthal ... 3 Str. 

14. Ich habs gewagt frisch vnverzagt ... 3 Str. 

18. Ich gieng für einer fraw wirtin hauss ... 7 Str. 

23. Wo sol ich mich hinkehren ... 4 Str. 

24. Ich ritt einmal zu Braunschweig auss ... 5 Str. 

25. Von deinetwegen bin ich hie ... 3 Str. 

26. Wilhelmus von Nassawe ... 4 Str. 

Franck's Quodlibete, die von 1602 — 22 als Farrago, Fasciculus 
quodlibeticus, Musicalischer Grillenvertreiber u. dgl. erschienen, bieten 
unter zahlreichen andern Liederanfängen auch einige, die hierher 
gehören, so Farrago 'so ferne in Franckreich', 'es ist auff erd kein 



51 

schwerer leiden', 'nu fall du reiff du küler schnee', *es hett ein Schwab 
ein Töchterlein', so Quodlibet 1603 'Ach Baur lass mir die Rösslein 
stahn, sie sind nit dein, du tregst noch wol von Nesselkraut ein 
Kräntzelein', 'Mein feins lieb ist von flanderen', so ferner im Fase, 
quodl. 2. (beginnend 'Laudate pueri Dinckelfing') 'von deinetwegen 
bin ich hie', 'ach Winter kalt wie mannigfalt', '0 Nachbar Roland, 
mein Hertz ist voller Pein', 'ich ritt einmal zu Braunschweig auss', 
3. (beginnend 'Nun fanget an') 'ich habs gewagt frisch vnverzagt', 
'grüss dich Gott mein Mündlein roht', 'Venus du vnd dein Kind' 
(4. = Quodl. 1603) 5. (beginnend 'Last vns frölich singen') 'ich bin 
so lang gewesen', 'Es hatt ein Schwab ein Töchterlein die wolt nicht 
lenger dienen, es wolt nit lengr ein Mägdlein seyn', 6. (beginnend 
Trölich in Ehren') 'Es wolt gut Jäger jagen drey Stunden vor dem 
Tage, dess jagen ward er fro' u. ä. 

Unter den berücksichtigten Sammlungen unsers Jahrhunderts 
vermissen vielleicht manche nicht gern diejenigen der beiden roman- 
tischen Dichter und des wackern Görres; diese sind als weniger 
quellentreu im vorigen übergangen, doch sollen die für die nieder- 
deutschen wichtigen Lieder daraus hier auch nachträglich zusammen- 
gestellt werden: 

Wunderhorn I 1806 S. 22 Ich kam vor einer Frau Wirthin Haus ... 8 Str. 
entspr. nd. 40. 

S. 46 Nun schürz dich Gretlein schürz dich ... 9 Str. vgl. nd. 69. 

S. 125 Es ist nicht lange, dass es geschah ... 14 Str. vgl. nd. 61. 

S. 162 Ich schwing mein Hörn ins Jammerthal ... 3 Str. entspr. nd. 10 
(2 = HI, 3 — II). 

S. 212 Bey meines Buhlen Köpfen | Da steht ein güldner Schrein ... 5 Str. 
entspr. nd. 76, Str. III— VI, VIII. 

S. 220 Es liegt ein Schloss in Oesterreich ... 17 Str. entspr. nd. 84. 

S. 239 Herzlich thut mich erfreuen | Die fröhliche Sommer-Zeit . . , 7 Str. 
entspr. nd. 17. 

S. 242 Was woUn wir aber singen ... 21 Str. vgl. nd. 78. 

S. 265 dass ich könnt' von Herzen | Singen eine Tageweiss ... 17 Str. 
vgl. nd. 19. 

S. 314 Ich hört ein Fräulein klagen ... 3 Str. vgl. nd. 70. 

S. 378 Wie schön blüht uns der Mayen ... 5 Str. vgl. nd. 68. 

II 1808 S. 103 Magdeburg halt dich feste ... 28 Str. vgl. nd. 27. 
S. 151 Henneke Knecht, was willst du thun ... 14 Str. vgl. nd. 93. 

S. 212 Es war ein wacker Maidlein wohlgethan ... 8 Str. entspr. nd. 87. 

S. 243 Es wohnet Lieb bey Liebe ... 17 Str. entspr. nd. 73. 

S. 393 Der Müller auf seim Rösslein sass ... 10 Str. vgl. ud. 116. 

S. 425 Wo soll ich mich hinkehren ... 6 Str. vgl. nd. 124 (I— IH, VIII— X). 

III 1808 S. 19 Der Mond, der steht am höchsten ... 4 Str. vgl. nd. 3. 

S. 44 Ich stand an einem Morgen 1 Heimlich an einem Ort ... 5 Str. entspr. 
nd. 102, I— V. 

S. 48 Es steht ein Baum in Oesterreich ... 12 Str. vgl. nd. 98. 

Görres 1817 S. 32 Dort fern vor grünem Walde | Sah ich ein Hirschlein 
stan ... 6 Str. vgl. nd. 5. 

S. 35 Hertzlieb [! so st. Herzlich !] thut mich erfreuen | Die fröhlich Sommer- 
zeit ... 7 Str. entspr. nd. 17. 

S. 39 Nach grüner Färb mein Herz verlangt ... 4 Str. vgl. nd. 108. 

S. 45 Ach Sorge! du must zurücke stan ... 6 Str. vgl. nd. 41. 

4* 



52 



S. 54 Kein Lieb ohn Leid, | Schwör ich ein Eid, | Ist nie erfanden worden . . . 
3 Str. entspr. nd. 50. 

S. 67 Vor Zeiten war ich lieb und werth ... 5 Str. entspr. nd. 59. 

S. 75 Viel Glück und Heil | Ist niemand feil ... 4 Str. entspr. nd. 26. 

S. 87 Wiewohl ich jetzt ganz elend bin ... 4 Str. vgl. nd. 52. 

S. 89 Ich sass und war allein ... 5 Str. vgl. nd. 14. 

S. 91 Von deinetwegen bin ich hier ... 6 Str. vgl. nd. 76. 

S. 100 Wie schöne freut [! so st. blüht I] sich der Meyen ... 8 Str. vgl. nd. 68. 

S. 115 Der Wächter ruft an den Tag ... 7 Str. vgl. nd. 115. 

S. 120 Ich hört ein Fräulein klagen ... 4 Str. vgl. nd. 70. 

S. 126 Ich bin durch Fräuleins Willen | Geritten so manche Nacht ... 6 Str. 
vgl. nd. 36. 

S. 128 Herz einig Trost auf Erden ... 4 Str. entspr. nd. 11. 

S. 185 Es hatt ein Schwob ein Töchterlein ... 13 vierz. Str. S. 187 Es 
hat ein Schwab ein Töchterlein ... 14 fünfz. Str. vgl. nd. 122. 

S. 191 Es wohnt Minn bey Minne ... 14 Str. vgl. nd. 73. 

Auf S. 155 bietet Görres ein so seltsames Zerrbild des Liedes 'Mein Feins- 
lieb ist von Flandern', dass man glauben könnte, dieser sonst durchaus ernsthafte 
Gelehrte treibe seinen Scherz, wenn seine Sammlung nicht ohnehin auf Grund 
schlechter handschriftlicher lieber lieferung manche höchst seltsamen Missgriffe auf- 
zuweisen hätte (z. B. S. 61 'Verhüllt [! st. Verschütt!] hab ich mein Habermuss'). 
Man vergleiche nur mit nd. Nr. 54, Str. III, VI, IV bezw. nd. Nr. 6 'Ach Godt, 
wes schal ick my fröuwen' Str. III, V, IV folgendes Lied bei Görres: 



Lakayenphantasie. 

Ein jung Laggai soll fröhlich seyn. 
Und soll das Trauren lau. 
ich sah ihn Nachts allein 
Bey einem Feuer stan; 
Was hat er an der Hand sein? 
Ein roth Goldfingerlein, 
Der liebste Herre mein! 

In Weiss will ich mich kleiden, 
Und lebt ich nur ein Jahr, 
Meinem Herrn zu Leide, 



Von dem ich mit Urlaub fahr 

On alle Schulden, 

Ich wills gedulden. 

Ich erwirb vielleicht noch Hulden. 

Mein Herr der reit spazieren 
Oft in den grünen Wald, 
Da höret er hoffiren 
Im Kloster mannigfalt; 
Grün ist der Wald, 
Die Leut seyn Wohlgestalt, 
Mein Herzlieb fraget er gar bald. 



Die sonstigen Ueberbleibsel niederdeutscher Lyrik aus alter Zeit 
zu verzeichnen und mit dem GesamtvQrrat deutschen Sanges in Be- 
ziehung zu setzen, steht noch aus und mag einer spätem Zeit oder 
einem eher berufenen und besser eingearbeiteten Gelehrten vor- 
behalten bleiben. 



Verzeichnis der Lieder. 

Ach Godt, wat schal ick maken nu Nr. 66 

Ach Godt, wem schal ick klagen myn Leidt 32 

Ach Godt, wem schal ickt klagen dat heimlyck Lydent myn 125 

Ach Godt, wes schal ick my fröuwen 6 

Ach hertiges Hert, mit Schmert, erkennen dho U2 

Och Meydeborch, holt dv veste 27 

Ach Moder, leueste Moder myn 21 

Ach Wmter koldt 82 

Bedrö£ft ys my myn Hert 136 

Bistu des Goldschmedes Döchterlin 1^5 

By my myn Herte gantz kümmerlyck sehr quelet sick 149 

Dantz Megdelin dantz, dantz du myn edles Blodt 127 

Dar licht ein Stadt in Osterryck, de is so wol gez>Tet 72 

Dat Yögelken singet sinen Sanck 117 



53 

De Man de schynt so helle tho Leues finster in Nr. 153 

De Morgenstern hefft sick vpgedrunsen 57- 

De Sünne steyth am högsten, de M&i hefift sick vorkehrt 3 

De Wächter vorkündiget vns den Dach 115 

Dull vnde döricht vnd nünuner kloeck 105 

Ein trüwe Hert in Ehren hebbe ick my vtherweldt 132 

Einiges Leeff, du trüwe Hert, dy ys vorborgen nicht myn Schmert .... 137 

Entloaet weren vns de Wölde, de frische Mey tritt herin 106 

Erst heuet sick nodt vnd yamer an 4 

Frölyck bin ick vth herten grundt 96 

Frölyck in allen ehren bin ick so manche stund 128 

Frölyck so wil ick singen, ick kan, ick kant nicht dartho bringen .... 143 

Frölyck vnd fry 16 u. 107 

Fryen ys wol gedahn 138 

Füer (= Feuer) s. Vüer. 

Gar lustich ys spatzeren gähn 35 

Geduldt ys twar ein seltzam Kmdt 15 

Groth leeff hefft my vmmfangen yegen eim Junckfröuwlin 65 

Groth leeff hefft my vmmfangen, tho denen einem Fröuwlin fyn 60 

Hapen vnd harren ys myn begehr 83 

Hedd ick de söuen Wünsche in myner gewaldt 114 

Hennicke Knecht wat wiltu dohn 93 

Herr Godt wem schal ickt klagen, myn lydent ys schwär vnde groth . . . 101 

Hert einiges Leeff, wes nicht bedröuet 7 

Hertz enige Trost vp Erden, vorlangen du deyst m. y. Herten wee .... 11 

Hertlyck deyth my erfröuwen de frölycke Sommertydt 17 

Ick armer Burss bin gantz vorweert 55 

Ick bin tho lang gewesen 33 

Ick ginck my gistem morgen spatzeren dorch den woldt 39 

Ick ginck vor einer werdinnen huss 40 

Ick hadde my vnderwunden, wold deenen e. Fröuwlin fyn 58 

Ick hebbe dorch Fröuwlins willen gereden so mannigen Dach 36 

Ick hebbe dy leeff wo du wol weist 126 

Ick hebbe gewaket eine Winter lange Nacht 44 

Ick hebbs gewaget, du schöne Maget 1 

Ick hördt ein Fröuwlin klagen 70 

Ick redt ein mahl tho Buschwert an 67 

Ick sach my vor einem Wolde ein fynes Hertlin stahn 5 

Ick schalle myn Hom int Jamerdäl 10 

Ick stundt an einem Morgen heimlyck an einem Ordt 102 

Ick weth dre Blömlin in einem Garden 130 

Ick weth ein Megtlin van achtteyn Jahren 43 

Ick weth ein Megtlin ys hübsch vnde fyn 48 

Ick weth my ein edle Keyserin 100 

Ick weth my ein fynes brunes Megtlin, hefft my myn Herte beseten ... 20 

Ick weth my ein stolte Mölleriu 154 

Ick weth my ein stolte Weuerin 116 

Ick weth my ein zartes Leuekiu 88 

Ick weth my eins Grauen Döchterlin 56 

Ick weth wol eine der was ick leeff vnde wert 75 

Ick wil juw auer singen, singen juw ein schöne Ledt 78 

Idt daget in dat Osten, de Man schynt auerall 134 

Idt daget vor dem Osten, de Man schynt auerall 118 

Idt floech ein kleine Waldtvögelin der Leuesten thom Vinster in .... 119 

Idt geyth yegen disse Sommertydt, ach Godt wat schal ick my erfröuwen 111 

Idt hadde ein Schwab ein Döchterlin, se wolde nicht lenger denen .... 122 

Idt hefffc sick tho my gesellet ein fynes Fröuwlin 23 

Idt ys ein Boyken kamen in Landt 135 

Idt ys vp Eraen neen schwarer lyden 49 



54 

Idt licht ein Schlot in Osterryck, ys gantz wol gebuwet Nr. 84 

Idt redt ein Rüter wolgemodt 131 

Idt seten dre Landsknechte by dem kolden Wyu 97 

Idt steyth ein Boem in Osterryck, de drecht Muscaten Blomen 98 

Idt wähnet Leeff by Leue 73 

Idt was ein wacker Megtlin wolgedän 87 

Idt was ein yunger Heldt 38 

Idt weren negen Soldaten des Morgens frö vpgestahn 133 

Idt wolde ein gudt Jeger jagen 63 

Idt wolde ein gudt Visscher vth visschen vp einen Dyck 92 

Im schimp bin ick belagen 64 

Im Winter is eine kolde tydt 121 

In de Leue bin ick geraden 112 

Inssbrügg ick moth dy laten 53 

Is my ein klein Waldtvögelin geflagen vth myner Handt 12 

[Jetzt scheiden bringt mir schwer 80] 

Junckfrouw ick dho yuw fragen fründtlyck holdt my tho gudt 140 

Leefflyck heiFt sick gesellet myn Hert in korter Fryst 46 

Mit Leue bin ick vmmfangen, Hertallerleueste myn 123 

Moth denn myn trüw so gantz vorlahren syn 25 

My leuet im grönen Meyen der frölyken Sommertydt 91 

My ys ein fyns bruns Megdelin gefallen in mynen Sinn 22 

Myn fyns Leeff ys van Flandern 54 

Myn Fynslpeff stundt in sorgen 90 

Myn Hert deyth sick erfröuwen yegen de Hertallerleueste myn 47 

Myn Hert mit Leefft vorwundet ys 2 

Myn Ögelin wenen, myn Herte moth suchten 37 

Na gröner Varue myn Hert vorlanget 108 

Na lust hebb ick my vtherwelt dy mynes Herten ein Trösterin 51 

Na truren kümpt bald fröuwd 151 

Neen gröter Fröuwde vp Erden ys 31 

Neen leue an leidt mach my nicht wedderfaren 109 

Nyn leue an leidt, schwer ick ein Eydt, ys nu gefunden worden 50 

Nu bin ick ein mahl fry van Leues banden 95 

Nu vall du Ryp du kolde Schnee vnd fall vp mynen Voet 14 

Nu gröthe dy Godt im Herten, du vtherwehlde myn 152 

Nu gröthe dy Godt myn Mündelin rodt 147 

Nyn s. neen. 

adelykes Bildt, ertöge dy fründtlyck vnd mildt 150 

Buwrmans Sön, lath Röselin stahn 42 

dat ick konde van Herten singen ein Dagewyss 19 

Naber Rubbert, myn Herte ys vuller Pyn 148 

sore Winter du bist koldt 18 

valsche Hert, o roder Mundt, wo heffstu my bedragen 94 

Och s. Ach. 

Recht sehr hefft my vorwundet myn Hert ein Junckfröuwlin 139 

Ryker Godt wo mach ydt wesen, dat ick so trurich bin 29 

Schön Blömelin jent, int Herte geprendt, gepresen 79 

Schöns leeff wo heffstu my so gar vorgeten 86 

Schörte dy Gredtlin schörte dy 69 

Schyn vns de leue Sünn, gyff vns den hellen schyn 120 

So gantz vnd gar allein sing ick dat Ledtlin 99 

So vern in jennem Franckryken dar wänt ein Köninck ys wolgemodt ... 85 

Stha ick allhyr vorborgen de düster lange Nacht 30 

Thom Sunde dar wände ein Koepman ryck 77 

Tröstlyker Leue ick my stedes öue 81 

Vmm dynent willen bin ick hyr 76 

Vngnade begehr ick nicht van er 24 

Vntrüw du deyst my nyden so gahr vnd auerall 13 



55 

Van edler Ardt, ein Fröuwlin zart, bistu ein Krön Nr. 71 

Van Godt ys my na Herten begehr ein Junckfröuwlin vtherkaren . . . . 129 

Veel glück vnd heil ys uemands veil 26 

Veel glucks men sprickt hefiEt Nyders veel 45 

Venus du vnd dyn Kindt, synt beide blindt 34 

Vor tyden was ick leeff vnde wert 59 

Vüer ydel Vüer brendt my myn Hert im Lyue 110 

Wack vp myn Hordt, vori;iym myn Wordt 62 

Wack vp mynes Herten schöne, zart allerleueste myn 144 

Wat my nicht brendt, dat lösch ick nicht 9 

Wat wül wy singen vnde heuen an 61 

[Wiewol ich arm und elend bin 52] 

Wilhelmus van Nassouwe bin ick van düdeschem blodt 103 

Winter du must orloff han 41 

Wo kan vnde mach ick frölyck syn 113 

Wo möcht ick frölyck werden 8 

Wo schön blöyet vns de Meye 68 

Wo wert my denn geschehen, wenn ick dy myden schal 146 

Wolde Godt dat ick scholde singen mit lust ein nye leedt 28 

Wolup myn yunge Hert 141 

Wor schal ick my hen keren, ick dummes Bröderlin 124 

Worümm schal ick nicht frölyck syn vnd hebben ein guden modt .... 89 

Wy drincken alle gerne vnde hebben weinich Gelt 104 

Ydt s. Idt. 

Zart schöne Frouw, gedenck vnd schouw 74 

BERLIN. A. Kopp. 



56 



Die MuDdarten im nordwestlichen Teile des Kreises 

Jerichow I (Provinz Sachsen). 

(Schluss. Vgl. Jahrb. 25, 34 ff.) 



§ 35. Vokalyerändernng vor r- Verbindungen. Hier ist zu 
konstatieren, dass der Osten dem a vor r Verbindungen eine Färbung 
nach e hin giebt, so dass ich manchmal geneigt war e zu schreiben, 
so bei harvdst (harüst) in RäDr, farhdn in Dr, barhd in PaHsRiDr, 
larxd in Dr, sarliyk in RiThRäDr (rein sarliyh BiWoNiHsGrLbHiWr 
sirliyk GwLoPa sMiylc SchaJ), varpm in SchaPaJHs — rein varpm 
WoBiGw(alt)LoN — vgl. dazu vorpsipa WoBiGwLoSchaGrlliWr 
varpsüpa SchaGrWr nach e hin lautend PaJHsRiThRäDr, arfta in 
RiRäDr, varn werden in Dr, fordarmm in Dr, fast kühera RiRä Jcuhard 
GrDrLb fast lcühert9 Th hühartd HiWr; umgekehrt artüsd statt ^rtüsd 
in Dr. In den meisten derartigen Wörtern herrscht wenigstens im 
Norden noch volles a: z. B. arpl^ barx^ jarstdy kwarl (vgl. den Orts- 
namen tsarün Zerben); varv9l (an der Kette) LoHoSchaPaLbWr vartd 
Hs viirvdl Dr vurvdl Hi, das Quereisen zum Schliessen der Kette ist 
knevBl SchaPaJ kn^(a)l HsDrHiLbWr, das sind auch die Bezeichnungen 
für den Fensterschliesser von Wo bis J, resp. Hs bis Wr. 

Ueberall scheint es jorjel zu heissen. hukjort WoLoSchaPal juH 
Gw. storjd Regenschauer LbHiWr(8elten) sturjd DrRä(selten), sonst 
fl&g9 oder flä (auch Rä). surm WoGwHiWr sürm SchaPaGr. 
anäurn WoGwWr upsurn LoHoNiGrThLb upsürn SchaPaRiRäDrHi 
upz^all SchaPaIHsGr (die ganze Gegend kennt fast nur z^h^ keine 
Kummete), botdrsturl Wo, sonst hotdrstaf. murkell als Verb wohl überall; 
als Substantiv (Morcheln) RäDrLbHi (Wr nicht, vorher nicht gefragt). 

Auf dem Lippenrundungsgebiet scheint o auch vor r Umlaut 
aufzuweisen, bestimmt habe ich es freilich nicht festzustellen vermocht, 
dasselbe Wort klang bald darauf wieder wie mit reinem o gesprochen: 
dörpar LoHoSchaPa; körtar LoHoIHs; körva LoHoGrDr, in Hi wurde 
sicher nur o angegeben, dörx Ri, börsta Bürste Pa. P'ür Umlaut 
spricht die Form hörn Hörn (Sg. u. Plural!) LoHoNiPaIHs. 

§ 36. Vokalverändernng vor 1 4- Konsonant. olL holL zdi, 
föla, voltd WoBiGwLoHoNiSchaPaWr valsd IHs. helftar überall, 
z. T. daneben hd. halftar NiSchaTh, Hi angeblich nur halfidt. 
ämalt LoHoNi smolt SchaPaIHsGrRiThRäDrLb, fet kennt man ausser 



57 

in Lb in diesen Orten nicht, nur vanfet Th, lehfet Gr; in Hi und Wr 
sagt man wieder fet. 

§ 37. Lippenrnndnng^. Diese findet sich, wie oben § 4, be- 
handelt, auf dem grössten Teile unseres Gebietes. 

§ 38. Ueberg^äng^e zwischen i und e. ätimd. uphüsdn. jistdrn. 
Um BiLoHoNi hemd WoGwSchaPalWr hemdd HsGrRiThRäDrLbHi. 
md mit. vek9 resp. vex9, tnes, Ken. selp, smet (nk9 sm^ j&an 
IHsRi, sonst n&an ämet j&an GrThDrHi). let (Augenlid) WoHiLo flet 
LoHoNiSchaPaHsGrRiRäDr — oflet PaHs. sprenM LoHiDr sprenksdl 
WoBiGrLoHoNiSchaPaGrThRäDrWr sprayk PaHsRi (Plural spreyk9 
Hs) end spraykd I. bet bis Wo(alt)Gw(alt)NiScha(alt z. B. fon unn 
bet bäna) Th(alt)Wr(alt) sonst bes. bet (Gebiss) WoBiGwLoHoNiScha 
PaHs jdbis IGrRiRäDrHi. kameh. ren9 (in DrWr habe ich rön9 
notiert). 

§ 39. Ueberg&nge zwischen o und n. dtd. rustrix WoBiGw 
LoHoNiSchaGrThDrHi rüastrix PaIHsRiRä. Furche fürs WoBiGwLo 
Hi ßara GrRä, e&Jtfürd GwLo js&atfäar9 Scha, saitfür^ WoWr (der 
Grasstreifen zwischen 2 verschiedenen Besitzern gehörigen Aeckern, 
in Ra jrkz9vdnd genannt) äaitf&ara GrRiThRäDrLbHi, fürvarh WoGw 
LoHoScha. up, mal. knop9. rde Rolle SchaPaIHs rul9 Ra. küh 
LoHoNiSchaWr kol9 PaIHsGrRiRäHi. jgiUvast GrRiThRäDrWr jselv9r 
Hi. ^ifdU u. ^tüfaU. tüfdU resp. tifdü. mdbr — molhr, d^ra — 

§ 40. Vokalverändernngen unter Einflnss schwindender inter- 
vokalischer Konsonanten. Bei Schwund von intervokalischem v wird 
ä (gleichviel ob es auf ä, a oder o zurückgeht) zu ä: and, här^ jräf 
jrän^ bäfid^ an (kaxalän, bakdn), swinakan^ är, rär^ när^ s. § 25d. 
Dasselbe ist der Fall beim Schwund von intervokalischem g: da, mä etc. 
8. § 30b; badrdn^ dlän, dflan^ därän^ dsnan s. § 43. Ausfall von d 
hindert Uebergang von q zu ie : bedn — Mewn, farmen — fdrmienn, 
von 8 zu ü»; mE — mHada u. s. w. s. § 27d. Dasselbe gilt vom 
Ausfall des g, so dass also auch hier der Annahme nichts im Wege 
steht, d sei zunächst in einen palatalen Reibelaut übergegangen: 
ben biegen, flen^ badren, vgl. § 27d. 

§ 41. Fronomina, ik. du. h^. ze (BiWo)GwLoHo(Ni) z% Scha 
PaI(Hs)6r(etc.). (m. ji.) mik, dik BiWoGwLoHoNi — m% di Scha 
PaIHsGrRiThRä(DrLb)HiWr Körbelitz. zix. (em.) ^r WoBiLoHi ör 
SchaIHsGrRiRäDr. et. (uns.) jux WoBiGwLoHoNiWr jü Scha(alt) 
PaIHsGrRiRäDrLbHi. de WoGwLo(HoNi) die SchaPaIHsGrRiDrWr. 

Merkwürdig ist der Gebrauch des Artikels vor einigen Dorf- 
namen d^r dörnits^ d^r kü.Z9l^ d^r drevits, d^r fort (Magdeburgerf orth) ; 
d^r finar das Fiener Bruch. 

Starke Verben. 

§ 42. I. Klasse, bitn; bitst; Imperative: bit — bit Wo, bU — 
IM BiGwLoHoScha, bU — Ut PaGr, Plural bit GrRi; Präteritum bet; 
Particip dbetn WoBiGwLoHoSchaWr db^atn PaIHsGrRiThRäDrLbHi. 



58 

dretfiy dsetn^ dsmetn Scha; or^atn LbHs; 9.^^atn, 9sm^atn Wr. jripm; 
Imperative: jrip jript Wo, jrip jrtpt BiGwLoNiGrDr, Plural jript 
SchaPa; djrepm und jjr^apm Scha. knipm; oknepm GwLoHoScha 
dhi^apm PaIHsGrHiWr, Irap. PI. knipt Pal. Schneiden, Imperative: 
snit — snit Wo, snU — sntt BiGw, snU — snü GrHi; 9sn^an PaIHs 
dsnenn und aän^ann Wr. dstr^an gestritten Schal dstr^ann Wr. 
drimm — drtün; drif — drivot WoGw; ddr^ün SchaPaIHs ddr^amm 
GrRiRäDrLb. dr^ün Pa. dU^ün SchaHs dhl^amm Wr. stt(d)n; das 
Verb ist in Hs gar nicht bekannt, man sagt dort upm van Jdetarn 
oder Tdimm^ Mimleddr = Steigleiter Th, klimp m&l upm van Hs; 
Imperative stix WoLoHoNiSchaPaGrThDr — stit WoGwLoGrThDr; 
stex WoGwLs; dättat Wo, 9st^(9)n BiGwLoNiSchaPaIHsGrRiThRäDr 
LbHiWr. Schweigen; swtx WoGw; dswU Wo dsw^(d)n GwLoHoScha 
PaGrRiDr. kriegen knn Pa; h^ krtt SchaPaHsGrRiDrHi; krex Wo 
BiGwLoHoSchaRä krixta Hi; dkrixt überall, in Lb dkr^dn, srai(d)n 
WoBiGwLoHoNiPaHi; Ä9 srait BiScha; sraix PaHs; srex WoGwLoPa 
IHsGrRäHi sraüa Scha sraida Pal; dsraü WoBiGwLoNiSchaPalGrTh 
RäDrHiWr dsr^dn PaHsDrLbHi. ktken; ktkst WoGw kikst LoHoNi 
SchaPaHsGrRi; Imperative ÄI& WoGwHoSchaPaHsRiHi — Hfc^ WoGw 
kikt SchaPaHsGrHi; kik GwLoPaGrHi; dkikt WoBiGwLo an9k^(a)hn 
WoGw(alt)LoPaHsGrRäHiWr. msan schwach WoBiGwLoScha, stark 
und schwach Gr, stark Rä; daneben ves GwLsScha; dv^azdn Pa. 
pipni: 9pipt und ap^apm Wo, schwach BiGwLoHo(selten); von Ho an 
wird das Wort ersetzt durch flaitn HoSchaGrWr (fleün existiert neben 
ptpm in W^oBiGwLo) floitn PaIHsLbHi flöütn ThRä; pipm wird in 
diesen Orten nur von der Stimme der Maus gebraucht, ferner giebt 
es ein pipm von jemandem, der matt und krank herumschleicht Scha 
PaIHs, dafür p(}pm GwLo. sinken schwach WoBiGwLoScha, stark 
PaI(Hs)GrRiThRäDrLbHiWr; ebenso mkan. 

§ 43. II. Klasse. Giessen jetn Lo jtetn GrDrWr; jitst WoLoGr; 
Imperative jit — jet WoBiGw, jet — jet LoHo, jiet — jü SchaPal 
GrHi; jot WoLo; ajotn Wo dj&,(a)tn GwLoHo etc. ätetn Pa. asäa^w, 
fardriatn Rä. bieten bean WoBiLoScha btefin Dr; Imperative bex 
WoBiLoNiSchaPaHsGrRiWr Met RäDrffi — beat WoBiGwLo bU DrHi; 
bot DrHi; olönn WoBiNi obSiann GwGrRiThRäDrLbHi db&en LoPal 
db&et SchaHs. bddren WoBiLo; ħ bddret Hi; badrex WoGwLoScha; 
badrogan LoSchaGrLbHiWr badret PaJRä badrdn HsRiTh(alt). iai 
WoBiGw; lex Scha; alögan LoSchaGrHi alet PaRä aUn IHsRiThWr. 
fliegen, h^ flet SchaPaNi; aflögan Hi afldn LbWr. biegen b€(d)n 
WoGw t8« LoHoNiSchaPa; bi^x PalHi; box Gr; abU Lo(alt)HoNiScha 
PaIHs etc. Das schwache Verb dazu (mit eingeschränkter u. z. T. 
abweichender Bedeutung, durch Hitze einen Schüppenstiel z. B. in 
die geeignete Form bringen) überall b^ll (auch flitjati werden auf 
dem Ofen ab^lt Lo, auch afb^ll Ho). forUrn WoBiLoGrDrHi farUrn 
GwLo(alt); farlorn Wo farlkrn GwLo etc. frern GwLo(alt)HoNi 
frirn WoHo(alt)SchaPaIHsGrDrHi afrarn LoSchaPa etc. slütn Wo 
BiLoSchaWr slütn RäDrLbHi; slutst WoGwLo slütst Gr; Imperative 



59 

slut — älut WoGw slüt — älüt LoHo slüt — sM Bi(?)SchaPaH8 
m — slüt Gr sm — slüt RäDrHi; slöt Lo; oälotn Gw dM(a)tn 
WoBiKbLoHoSchaPaHsGrRäDrHi. krüpm^ züpm Rä; krupst WoGw 
LoHi; Imperative krüp WoBiGwLoHoScha krupt GwLoHoSchaWr 
krüpt Rä; dkröpm Wo dkrkpm BiGw(alt)LoHo ; dekpm Ni(alt)Pa 
fdYz^pm SchaGrThRäDr ; schwaches (faktitives) Verb isbpm LoHo. 
schieben srün (vom Wagen!) Hs; h^ süvat Gr; ^w/* WoGwRä süx Pa, 
süv9t Gw süt SchaPa; dädmm WoGwGr 9suv9t BiLoHoGrThRäDrLb 
HiWr randäüt SchaPal dsrän und därüt Hs dsrüt Ri 9§än Güsen und 
Zerben; schnauben utsnün Hs; snüx Ri; snöx Hs; utdsnän Hs üt9snüt 
Ei ütdsnüvdt GrRäHi. saugen ä^ eüdt WoBi A^ £^m< Gw etc. ; schwaches 
(faktitives) Verb: die Kuh eet BiGwLoHoGrRiRäHi sU SchaPaHIs. 
brauchen ist schwach, det brük ik nix IHs, h^ hrukt überall, klieben, 
stäuben s. § 25^. kauen : ka%i9t WoBi kaut GwLoPal. 

§ 44. III. Klasse, swemm stark WoGwSchaPalHsGrHiWr 
schwach LoHoNiScha. jdmnn (BiWoGw)Hi, sonst vinn — dem- 
entsprechend auch vunt und dvunn, (spinnen, sich besinnen.) hinn^ 
ßnn. (winden, schinden.) jinn resp. jünn, runn (von der Milch run9 
7Pielh). srinn WoBiGwLoNiSchaPaIHsGrHiWr schwach (auch über- 
tragen vom Aerger I), sriyan RäDrLb stark, (trinken, versinken, 
stinken.) singen siyk — ziyt Lo. (springen, dringen.) klingen 
9kliy9t Bi sonst dkliyt; daneben zeigen starkes Particip GwLoHoScha 
PaIHsRäDrGr, nur schwaches haben BiWoRiWr, nur starkes Hi; 
kliyen heisst das Läuten mit der kleinen Glocke als Aufforderung an 
die Kinder zur Schule zu kommen I (in Hs dafür et lüt sule^ dt lit 
wä d9 suld Wr, auch in Hi nicht), kliyarn RiTh. zwingen ist überall 
stark, (gelingen.) ütbediydn ist selten: BiGwLo, meist ütmiJcdn Wo 
SchaPaIHsGrRäHi, doch gilt es auch üt^duyy Pal ütbdduyy Hi. 
friyan resp. friyy ist überall stark, swül Wo(V) sonst swell; Präte- 
ritum 9t swtdt I. kwül Gw kivell Lo etc.; farkumll Hi. jill LoHoNi 
jeü GwPal etc. sül WoGw(?) seil BiLoHoNiScha(selten)Pa(selten) 
I(selten)GrRiRäLb(selten)Wr, Hs und Dr kennen das Wort gar nicht; 
dsull Lb; h^ het sd9krixt SchaPalWr Hmp9 DrLbHiWr. ütäimpni 
überall stark, in Ri auch üt9äimpt, hilpm Wo(?), sonst mit e. JS^ix 
fdrsrek9n. viyk9n WoBi veyk9n GwLoNi etc. schwach, in Lo auch 
stark, sterben starv9t WoGwLo; storf WoGwLoHsGr; 9stormm Wo 
GwLoSchaHsHi. verderben fordarv9t Hi; fordorf WoGwPaIHs for- 
darv9t9 LoSchaHi. werden varn; vart; vurt WoBiGrRiRäHi vort Gw 
et vor9 LoSchaPa duna vurdat d^st9r Pa vurtt 1 vurat Hs. ämeltn 
Wo(alt)BiGwLoNiPaGrRäHi;95W«««nWoBLoNiSchaPaIHs etc. 9smoltn 
Gw. (flechten.) mclkan; 9mclkt WoBiGwLoSchaPaGrWr 9mulk9n 
IHsRiRäDrHi. jlimm Lo schwach, drosen WoBiGwLsHoNiSchaDr 
LbHiWr drösan PaIHsGrRä. 

§ 45. IV. Klasse. br^(a)k9n; brekst WoBiGwLoSchaHi; Im- 
perative brek — br^kt GwLo; brek — brekt WoBiLoHoNiSchaPaGr; 
brök; 9brdk9n WoNi 9br§L(a)k9n BiGw(alt)LoNiSchaPaIHsGrRiThRäDrHi. 
(sprechen.) stechen ät^k9n Lo; h^ ätekt an Lo; 9ät&ak9n RiDrHi. 



60 

(trefifen.) wiegen v^n WoBiGwLoGrTh; h^ v^t PaHs; Imperative v^ 

— v^t Wo, v^x BiGwLo; vox IHs v^td Hs; Bvogan WoLoGrHi dv^t 
überall, äern Wo ä^rn GwLo; eäorn WoBiGwLoNi aä&rn LoNiScha 
PaH8GrRiRä(alt)Hi(8elten)Wr (in Hs auch von Schafen gesagt, doch 
gilt davon auch 9sn^n, Hi sagt meist 9än^ann auch vom Hund, dgl. 
Wr). beschwören : bdsvüorn BiLoRä bdsw&rn WoGwLoSchaPaGrHi. 
gären j^rn GwLo; 9J6rn WoLoRäHi Qjirn GwSchaPaHs. stehlen 
dstm WoBi 9ätSL(a)n BiGwLoSchaPalGrRäDrHi. befehlen bafoU GwLo. 
Nehmen n^mm GrRäHi; nemst; Imperative nim WoBiGwLoNi nem 

— nemt SchaPaGr; ik nim GwLoHoWr näm SchaPaIHs, A9 nkm 
Bi näm WoDrLbHi nam *Gw(alt)LoHoNiSchaPaIHsGrRiThWr, ise nimm 
WoBiGwLoHo nämm SchaPalGr, das im vorigen Aufsatze für M 
angegebene nemm ist wohl Missverständnis, es ist der Optativ; 9nomm 
WoBiGwNi 9n&(a)mm LoSchaPaIHsGrRäLbHiWr. Kommen komm 
WoBiGw k&(a)mm Lo(alt)PaIScha; kernst WoBiGw körnst LoNiPaGr 
RiHi; Imperative kum — komt WoGr, kum — kumt BiGwLoHi; ik 
k&m WoLoSchaPal ik kam um de tU Gw, h^ kim Hi kam DrLb kam 
Lo(alt)NiSchaPaIHsGrThWr, jse k&mm WoBiGwLo (Optativ ik daxk 
z^ kemm PaIHs); dkomm WoGw 9kamm Lo(alt)NiSchaPaIHsGrDrHiWr. 
b^rn Gw bgrn LoPalGrRäHi. 

§ 46. V. Klasse. fr^(a)tn WoGwPa; fretst WoBiGwLoRä; 
fret — fret WoGwLoSchaPal; dt frit Wo frät LbHi 9t frat GwLoNi 
SchaPaHsGrWr, ze fritn BiLo frätn Gw; dfr^(a)tn GwLoScha. Treten 
tr^n Pa tr^nn GrRäDrHi; A9 tr^t Pa; h^ trat Wo trat GwLoScha 
PafGr tr^ IHs, 09 trinn Wo tränn Gw; 9tr^9n Scha dtr^nn Wo 
dtr^ PaIHsRi. Sitzen zit Pa; ik zkt LoScha, du zitst Scha zMst 
PaIHs, h^ zkt Rä zat GwLoNiSchaPaIHs, Zd z&tn Lo zätn WoBiGw; 
9Z^tn Ni. Messen h^ met WoSchaPaHsGrRäHiWr m^t GwLo ; Ä9 mdd 
WoBi; üt 9met WoHoNiSchaIHsRiRäThDr 9m^(a)tn BiLoHoNiSchaPa 
GrRäDrLbHiWr. Geben h^ jeft WoGwLoRäHiWr, ik j^ü Pal: Im- 
perative jef — jeft WoLoHoSchaPalHiWr; ik jkf Lo jdf Wo, h^ jkf 
Bi jdf Rä(?)DrLbHi jaf GwLoHoNiSchaPaIHsGrRiWr, Z9 jkmm Lo 
jämm WoGw; 9j^(a)mm WoGwLoScha 9j^ün PaIHs. liegen li(d)n 
WoLo liyy Pal; A9 Ut GrHi; Ux WoGwLoPaHi lU Gw M Hi; ik lix 
Lo, Ä^ lax DrWr A^ lax LoHoNiSchaPaflHsGr, ze ld(9)n GwWoPa 
GrHi lk9n LoHo; ol^n WoGwBiLoSchaPalRä. Sehen, Imperative m 
GwLoPaHi — zet GwLo zit PaHi; ik zkx WoHo zi Lo, ik zaxt nix 
Schal ik zät nix PaHs ik zäx HiWr, h^ zäx RäHi h^ zax GwLoHof 
NiSchaPaIHsGrThWr(?), ze zkn BiHo zän WoGwLoHi; 9zen WoBiLo 
9Z%en SchaPaIHsGrHi. Geschehen J9sU WoLoScha J9§€t Gw; JBsi Bi 
jeädx WoPaDrHi jasax GwLoHoNiSchaIHsGrWr; J9sen Lo. Essen, 
A9 et Wo; et — et Wo; ik kt Lo ät Wr, he ät DrLbHi at GwLoHo 
SchaPalGrWr, Z9 &tn LoHo dtn WoGw; 9jetn SchaPaGrRiWr 9J^tn 
Gloine (das Dorf existiert nicht mehr, es lag östlich von Lb). Ver- 
gessen, Präteritum forjet9 WoBiGwLoPaIHsGrHi. Lesen, Imperativ 
l^s WoBiGwLoSchaPaIHsGrDrHi, schwach. Bitten, bid9t9 GwLoPa 
GrDr bdt WoPaIHs; 9bid9t IHs. Weben A^ v^V9t WoGwLoGrDrHi 



61 

v^ui PaIHs, schwach. Pflegen h^ fl^t eix WoGwHoPaGrDrHi fl^xt 
BilHs (h^ dait eix vat td jöe LoHo). Bewegen h^ hov^t nx WoGwLo 
HoPaIHsGrDrHi. Kneten Jcn^an LoHo Jcn^ann Hi; h^ hnet WoGrDrHi 
kn^9t Lo kn^t IHs hn^ddt Bi; dkn^t GwHoNiPaScha. 

§ 47. VI. Klasse. Schlagen Ükn WoGwLo; äUist WoBiGwLo 
NiSchalGrRä; älkc — äl&t WoBiGwLoHo älSiX — .^let Scha Max — 
Möt PaIHsGrRiDrHi; h^ älöx WoBiGwLoHoNiSchaPalHiWr iso slon 
WoGwLo etc.; 9äl&(a)n NiSchaIWr. 

Stehen ätaist WoGwLoSchaPa; stox [WoGwPalHsGrDrLbHiWr 
Mix BiLoHoNiScha — ätet WoSchaWr ätot GwLbHi ätöt PaIHsGrDr 
sikt BiLoHoNi; Munt WoGwLoSchalGr ätunn WoBi; dM&n GwLoWr. 

Fahren ftrn WoBiGwHiWr ßrn LoHoNiSchaPaGrRä; für WoHi 
Wr for BiGw; gefahren Bf&rn u. 9ftrt WoBiGw, of^rt LoHoNiSchaPa 
IHsGrRiDrHiWr. 

Tragen h^ drät LoHoIHs; dräx WoLo drät WoLo; h^ drox Wo 
GwLoNiPaHi, ssd drön Wol; odrät WoBiGwLoHoSchaPaIHsGr. Fragen 
fröx IHi dfrM Gr. 

Wachsen vas9n WoGwLoGrRiRäDrHiWr; vast WoBiLo; vasta 
WoBiGwLoNiSchaPalGrDrHi ; missn WoBiLoHoSchaPaIHsGrDrLb 
HiWr 9vus9n GwLoNi. 

Heben upah^mt (= verwahrt) WoGwGrThHi updh^t Ri; fdrhömm 
WoBiGwLoNiDrLbWr (Hi nicht), fdrhrk(a)k9n GwLoNiGrRiDrLbHi 
Wr(alt), forb^rt SchaPaIHs f^rh^rt Hi(selten)Wr (Dr nicht). 

Graben h^ jrdvdt WoGwSchaGrThDrHiWr jrkv9t BiLoHoNi jrät 
PaIHsRi; 9Jrat u. 9jrän Pa, sonst wohl schwach. Laden l&en LoHo; 
h^ lot WoGrThWr l&dst Bi l&pt GwNiSchaPa Iket Hs; Imperativ 
lux Scha. (Mahlen.) Backen Ä9 hakt WoGwLoNiPaGr. Waschen 
29 vaM WoGwLoPaGr. (Lachen.) Wachen 1) Wache halten vaxan 
WoBiGwLoHoNiHsGrHi (Scha nicht) 2) nicht schlafen können vaxdn 
WoBiGwLb vSikdn Lo(alt)HoNiScha vekdn PaHsGrRiDrLbHiWr (upvek9n 
PaHs, ik hev9 dd jansa naxt ovekt Pa). 

§ 48. VII. Klasse. Fallen, falst WoGwLoPa; Imperativ fah 
WoBiGwLoScha; fei WoBiGwLoHoNiSchaPalGr fiel HsLbHi fol Wr; 
dfdl Lo. 

Lassen letst Gw lotst LoNiSchaGrDr lotst Hi; Imperative lot — 
lot (der Plural hat bei diesen und ähnl. Imperativen häufig tt) Wo 
BiGwLoHoNiGrDr löt — lot SchaPal; Ut WoBiGwLoHoNiSchaPal 
HsWr Uet LbHi. 

Schlafen slepst WoGw Mopst Lo; Imperative Mkp — Mkpt Wo 
BiGwLoHo älkp — älöpt SchaPalGrHi; Mep LoSchaHsGr Mtep LbHi. 

Laufen lopm Lo; A9 lept WoGw Zöp^LoScha; Imperative lop — 
löpt BiNi(?) lop — lept resp. löpt WoBiGwLoHoSchaPaGrHiWr; lep 
IHsWr. 

Rufen ropm WoGwLoHoScha rüapm PalGrLbHiWr; repst resp. 
röpst WoGwLoHoNiScha rupst LbHiWr rüpst PaHs; Imperative rop 

— ropt Bi rop — rupt (Wo)GwLoHo(Ni)Scha rüap — rupt Lb rüap 

— rüpt PaHsGrRi; 9r6pm WoGw 9rü9pm GrRiWr. 



62 

Halten holst WoBiGwLoNiHsGrDrHiWr helst Bi; Imperative 
holt — holt WoGwLoHoSchalGrHi; Ml WoGwHoNiIRi hell BiSchaPa 
HsGrWr, ^9 hell LoSchaPaHsGr (Hs auch hUl) Mel DrLb Melt Hi. 

Fangen fayen Bi; fayt WoGw; Imperativ fayt WoBi; fiyh Wo 
LoHoPaHsGrRiDrHi fuyJc GwSchal; atiBfayt WoBiGwLoHoNiSchaPal 
HsGrDrLbHiWr anafayan HoScha; upahayt GrRiThDrHi. 

Gehen jaist WoGwLoGrRä; Imperative j&x — jSit BiLo(Lo auch 
jet)l{o^i jk — jet Wo jox — jet resp. jöt GwSchaPaIHsGrHiWr: 
jiyh WoBiGwLoHoNiSchaPaIHsRiThDrLb juyl Gr: 9Jkn WoGwLo. 

Heissen htetn DrHiWr; hüst WoLoHoGr; hitd WoBiGwSchaPal 
HsGrDrHi het LoHo; dhetn WoGwLoScha dUetn I. 

Stossen ätetst WoGw ätötst Lo; Imperative ^^tet — ^^e/ BiGw 
§tU — ätöt SchaPalGr(Hi) stet — stet Wo stöt — Möt Lo stöt - 
stU Ho; stetd WoGw stötd LoHoNiSchaPaIHsGrDrLbWr ättet Hi(?); 
9§tetn WoBiGw dstUn LoHoNiSchaPaIHsGrRäDrHiWr. 

Spannen schwach GwLo. Braten fträefo^ Bi brkat Gw hrhpt Ei 
hrot GrHi; dhrot Wo dbrket LoNiSchaPaHs. säen z^at Wo z^t Lo. 
dr^n WoBiGr; dr^x WoBiGwLoHo. Scheiden fiaian GwGr sainn Hi; 
saitst Wo äaidat GrThDr dsaiet Lo dMet HoScha; äaix LoHoPaEi 
äait BiGwGrDrHi. Hauen haut Wo haudt Bi; haux BiGwGrDr hau 
Wo. fldl:dn WoGwLoHoGr. Blasen h^ Uk(a)st WoGwLoHoPalGrWr. 
Raten rken HoPa; rkdast Bi rkjast Gw(alt) tatst WoGr, rket Lo; rUx 
mkl Hs. Schroten äroddt WoBi ärd(d)9t Gw äroet LoHoNiSchaIHs, 
sröjdt Ri srot GrDrHi. 

§ 49. Thnn. düan Wr; dait WoBiGwLoPa; Imperative dux 
WoGwLoNiSchaPaIHsGrDrHiWr dox BiLoHo — dot BiLoHoNi dd 
Wo dut Gw düt SchaPaIHsGrDrHiWr; h^ dät WoGw dkt LoHoScha 
Pal, 89 dknn WoBiLoI. 

§ 50. Präteritopräsentia. Weissen vetn WoBiGwLoHoNi vetn 
PalGrRiThDrLbWr; ik vet WoGwLoHoScha ik vet LoSchaKbGrRiTb 
RäLblliWr, A§ vet PaIHsThDrLbHi. Können Mnn resp. künn^ alcmt 
Wol. Dürfen darfst I; dorfta, ddor/? WoBiGwLoSchaPalGr adurft Dr. 
Sollen zol WoBiLoHiWr zal GwLoHoNiSchaPaIHsGrRiThDrLb ; 9zoUn. 
Mögen m^n Hs; max WoLo; mext9 Wo; amuxt WoBiGwLoHoHiWr 
9müai SchaPaIHsGrRi (det^ harik nix 9müxt). Müssen mitn BiGw 
mütn LoHoNiSchaPaIHsGrThDrLb(HiWr in meinen Notizen steht für 
beide Orte mutn); ik mut GwLo(?) ik müt Pal; amust PaGr. Wollen 
viJl WoBiGw(alt)LoHoSchaPaIHsDrWr voll LbHi; ik vil PaDr; &vdlt Gr. 

Schwache Verben. 

§ 5L Bringen breyy PaIHsGrRiRäDrLbHiWr; broxt9 WoBiLo 
Ho(alt)Kb hraxt9 GwNiSchaPaIHsGrRäHiWr. Suchen zbk9n LoHo 
z\^k9n GrWr; zikst WoGw; zuxt9 WoBiGwLoSchaPaGrRiThRäDr 
HiWr; Imperative zik — zikt WoBiGw zbk — zbkt LoHoNi ziidk — 
züakt SchaPa züakt — zükt PaIGrRiTh(Rä)DrHi(W;'). Kaufen kepm 
Wo kbpm LoHoWr; kepst WoBi köpst LoHoNiSchaPaGrDrHi; Im- 
perative kep — kept WoGw kep — kept Bi ki^p LoHo kbp — k'öpt 



63 

SchaPalGr; dhoft WoLoHoSchaPaIHsGrHiWr. Haben h^ het LoHo 
Scha; hatte haro WoGwLo; hätte funra WoGwLoIIoPal. Legen l^on 
WoGw lejan BiGwLoHoNiSchaThRäDr leyy PaIHsRiGr; h^ Uxt WoGw; 
lex di hen SchaPalWoLo; lexin Ri; dlext WoBiGwLoHoGrThRäLbHi 
dl^at HsRi. Sagen s^ejan BiGwLoNi; jseoct BiPa z^at Ri; zex Lol; zextn 
WoSchaRiDr £exta GwHo; 9sext GrThRäDrLbHi d^^^at HsRiLb. 

§ 52. Reden retst WoGrLoPaHsGr. Läuten l&en LoHo 9t IM 
und MbI Gw m LoHoSchaPaHsRi lüt GrThDrHiWr lit Wo; dlUst 
BiGw dlüt Lo diu Wo. Bedeuten bodtdat Bi bsdüt LoHoNiSchaPalGr 
DrHiWr badit WoGw b9dtt Ri. Raifen rSipm Lo; ript Bi ropt Wo 
GwLoHoNiSchaPaHsGrRiDr. Machen mokt überall. Warten virt 
BiLoHoScha (9)vort WoGwPaHsGrRiHi. Währen dt v&rt nd jansd 
stund BiNiScha vort LoHsGrRiDrLbWr; et het dvort GrRäHi. Aus- 
roden rotdt mkl üt ThWr üt9rot GrThRäDrWr vgl § 27d. Jäten: 
dvit ThRäDrLbHi dvet Wr vgl. § 27; es wird meist vom Flachs, z. T. 
auch vom Weizen gebraucht, so GrRiThRäWr(selten) (nicht in DrLb). 
Bluten s. § 27. Heilen: 9t mut 9hüt varn PrLbHiWV. Fassen fot 
WoBiGwLoHoSchaHsGrRiDr föt Wr. Baden hkd9t BiGw hkjdt Ri bot 
WoGrThHi; 6äen LoHoNiSchaPa vgl. § 27. Spuken et äpekt üi^ oG^ 
spoht LoHoNi .^püdkt SchaWr äpükt PaIHsGrRiThRäDrLbHi. Hüten 
het Wo mt Wr hiU ThRäLbHi; 9hüt Dr. Brüten bret WoBi br&t Wr 
brüt ThRä. Vermieten js9 fdrmet zix Wr farmit DrLbHi (Mühlberg). 
Leiten scheint nirgends Kürze zu zeigen. Schaden äädat BiGw (ääen 
HoSchaPa) äotWo (auch .^^0 GwGrHiWr äöt PaIHsRiThDrLb ; 9äötl. 
indbüt Feuer angemacht Lbf. Es ergiebt sich aus Vorstehendem, 
dass Bi nur in wenigen Fällen die Stammvokalverkürzungen zeigt 
(fot^ mokt) und dass dieselbe auf dem Gebiete des schwindenden 
intervokal. d eben durch diesen Schwund gehindert wird (sie muss 
also verhältnismässig jung sein). 

§ 53. Auslautendes x zeigt der Imperativ Sg. in allen Fällen, 
wo der auslautende Stammkonsonant geschwunden ist; es heisst also 
nicht bloss js^x^ dr^x, n^x GrDr, sondern auch laix NiSchaPalGrRä 
LbHiWr laid ThLb (v. leiten); hbx NiPaHsGrRiWr hüot RäDrLbHi 
(hüten); vex (wieden) Wr; bex — biet s. § 42; röx mkl d^n ätam üt 
Wo, rox LoHoNi rkix SchaPaIRi, ro det mU üt Gw, rot ThWr 
(roden); saix (scheiden) Scha; loix mkl de ^nn up (laden) SchaPa; 
Mx I klöf NiSchaGrRiTh; h^x ml vat up (heben) Ri; änüx Ri; süx 
Pa (vgl. § 43 u. änox Hs). Bei den Fällen, in welchen d geschwunden 
ist, würde die Erklärung nahe liegen, dass d zunächst durch j ersetzt 
worden sei, wobei sich von selbst diese Imperativform ergeben musste; 
ist V geschwunden, so ist Angleichung an die zahlreichen Verben, 
die j und d aufgegeben haben, also scheinbar vokalisch auslauten, 
anzunehmen; so erklären sich auch folgende Pralle hoix det nox rum 
DrLb (heuen): aix (von aian) überall; jox (gehen) s. § 48; ätraux 
WoBiGwScha ätroix PaHsGrRiRäDrLbWr ätraix Hi. 

§ 54. 9 vor der Endung des Verbs nach stammauslautendem 
y oder Vokal ist unter den unbetonten Vokalen mitbehandelt worden. 



64 

Schlnssfibersicht. Aus der gegebenen üebersicht ergiebt 
sich auf das deutlichste, dass für eine Reihe der wichtigsten Er- 
scheinungen eine scharfe Scheidung besteht zwischen den südlichen 
Orten WoBiGwLoHoNi und den übrigen; die Bewohner sind sich 
dieser Scheidung übrigens wohl bewusst, in Ho und noch mehr natür- 
lich in Ni wurde ich vielfach auf Absonderlichkeiten der Schartauer 
hingewiesen, die eine ganz „sAie'^ Sprache redeten. Von der mit 
Scha beginnenden grösseren Gruppe sondern sich in verschiedenen 
Punkten wieder SchaPaIHs und zum Teil noch Ri ab; in einigen 
anderen Punkten bilden sie mit LoHoNi eine besondere Gruppe. In 
der wichtigen Erscheinung der Lippenrundung gesellen sich diese drei 
Orte der ganzen Hauptgruppe zu. Andererseits trennt sich wiederum 
Bi in mehreren Erscheinungen von der kleineren Gruppe. In einigen 
Punkten setzt das Gesamtgebiet die Hauptgruppe der im vorigen 
Aufsatz behandelten Ortschaften fort, so darin dass g u. j überall 
schwinden, dass vor Vokalen statt ü und t überall au und ai er- 
scheint, dass in offener Silbe zu &(a) gedehnt und ä vor aus- 
gefallenem j nur zu 9 wird. In anderen Punkten, besonders im 
Vokalismus setzt die kleinere Gruppe die dort behandelte westliche 
Gruppe fort. Dann treten auch einige ganz neue Erscheinungen auf: 
Lippenrundung, die Ausdehnung des Schwundes von d u. v und deren 
Vokalisierung und einige minder hervorstechende Erscheinungen. 
Geographische Gründe hierfür lassen sich aus der jetzigen Beschaffen- 
heit der Gegend kaum entnehmen. 



Anhang. Wörterverzeichnis. 

abbröckeln s. Zunder. 

Abort, isikoret ist überall in Gebrauch gewesen, meist aber 
ganz verschwunden, in SchaPa fehlt das auslautende t. 

Ahorn, viüevar giebt es nur an wenigen Orten BiGwLoHo, 
vitUvdrn holt I; in Ho wurde mir auch ein An^drnck bretlevarnholt 
genannt, gut gewachsenes, festes Ahornholz, für Axtstiele geeignet. 
Hochdeutsch Ahorn HsGrRiThRäDrHi. 

Ameise, pisfntrn überall; &mai^9n sind die grösseren Ni. 

Anemone. älayyUüdms RäDr, nicht in LbHi. 

anzeigen wegen Forstdiebstahls heisst in Ra ansetn; dieses Verb 
hat in I die Bedeutung ^schlecht machen, Uebles reden", dafür ran- 
geln [h^ hetn mextix ranozettj HsGrRiThDrLbHi. 

anziehen Kleider, überall antrehon resp. antreky, 

arbeiten langsam ist nueell^ naeell bedeutet schlecht sprechen, 
beides überall; nustdll = nuzdll LoHo. lulain faul arbeiten WoBiGw 
LoHoNiScha, Substantiv lülai LoPaIHsGrDrLbH (in Rä u. Ra nicht). 
tolai (einer bei dem es nicht ganz richtig ist Dr) WoBiGwLoHoNiGr 
DrLbHi, nicht in SchaIHs. 

ärgerlich schelten oder zanken ist jnatsdn SchalRa. 



65 

atmen lebhaft, vom Hunde jaxall überall, in Dr auch jexdll; vom 
Menschen pixdn (in ßa auch jimm). 

aufwirbeln den Bodensatz in einer Flüssigkeit durch Schütteln 
s^U resp. ääll überall, ä^lmxtn grosse das Ufer ausspülende Wellen 
BiHo, nicht in GwLo. 

Angenbliek, alle = sehr häufig ah un9rl§tat überall, ausser in I. 

ausfallen kr^^an resp. Jcr&BSdn überall von den überreifen Ge- 
treidekömern gesagt, die den Aehren mit einem gewissen Geräusch 
entschlüpfen; hängt das Wort mit hochdeutschem ^kreischen^ zu- 
sammen? 

Bank überall haykd. 

bannig hanix WoGwLo(selten)HoSchaPa(selten)IRäDrHiWr, henix 
HsThLb; NiGrRi wollen das Wort nicht kennen. 

battern hatdrn bezeichnet das Anfangsstadium des Gehens der 
kleinen Kinder in GrRiDrLbRa. 

batzen hatsdn mit Geräusch zu Boden fallen, wobei eine nicht 
zu grosse Masse des Fallenden Voraussetzung ist, GrDrHiRa. 

Beere. In Ra heisst die Beere 6§re, ist also nicht von der 
Birne unterschieden; in dem hier behandelten Gebiet steht dafür 
h^zivjky in gewissen Zusammensetzungen wenigstens; so heisst b^siyk- 
stnVc vorzugsweise Stachelbeerstrauch IHsGrRiThRäDrLb; doch wird 
auch stcixaly him, bram hinzugesetzt, z. B. hSiah mi mSidl fon do 
stax9lb^£iiyff vekd I. 

bellen. Die Hunde Uafan überall, nur in Lo ist bell häufiger. 

Bemme. Das sächsische parna findet sich hier nirgends, nur ätule, 

Berstekrant. barätskrüt, in der Bedeutung giftiges Sumpfkraut 
nur bekannt in LoHoNiScha; Pal verstehen darunter ein der Taub- 
nessel ähnliches, an nassen Stellen besonders im Weizen wachsendes 
Unkraut (Hohlzahn?); WoGwHsGrThRäDrLbHi kennen das Wort 
überhaupt nicht. 

Bettstelle. ted^ijpwwi;aWoGwLoHoNiSchaGrThDr(8elten)Lb(selten) 
Wr, beddspunt Pa(alt), bedaU^ Pa, beddäteU IHsGrRiThRäDrLbHi. 

Benlenkäfer. bisdk^vdr heissen die Maden in den Beulen des 
Rindviehs LoNiPaGrThDrLbHi, in Hi auch aipll^ in Hs wurden die 
Beulen aipibfiLÜ genannt. 

Bilsenkraut, dutt belsix DrLb (in Hi nicht, vorher nicht gefragt), 
in Ra didds behsnkrüt; ein anderes Giftkraut ist bullmelk DrLbHiRa 
Wolfsmilch. 

Bindeknäppel zum Binden der Garben in der Scheune bindknipl 
resp. — knüpl wohl überall; auf dem Felde braucht man einen bino- 
plok Wo bis Hs, einen binaätok GrRäHi. 

bitten in lebhafter lästiger Weise praxBrn überall pramptrn 
WoBiLoHoNiGrRiRäDrHi, prampHnn SchaPaIHs. praykdll WoBi, sonst 
nicht, prtkdll kommt nirgends in dieser Bedeutung vor, in Lo ist es 
Synonym zu ätaxsll. 

Bissen Brot, Fleisch, besonders den man einem Kinde reicht: 
hapd (femininum) WoBiGwLoHoSchaPal, hap (masc.) HsGrRiThRäDr 
LbHiWr. 

Niaderdeutsohes Jahrbuch XXVI. 5 



66 

Blase in der Hand vom Arbeiten TtwezB WoBiGwLoHoSchaPal 
HsGr hlkais^ RäDrLbHiWr. 

bUSken hl^hdn WoGwRäHi hl&kdn LoHoNiSchaPaIHs in der Be- 
deutung ;,schreien^. Die Bedeutung ;,die Zunge zeigen^ gilt nicht in 
Pal, wohl aber in DrHi in der Wendung enn ütU^kdn (brühst mt öh 
nix ütehl^lcdn Dr), dd tuyd ütbl^kan GrTh rütbl^kan ßä, ein Pferd, das 
die Unart zeigt die Zunge herauszustecken, heisst bl^kdr PaIHsThßä. 

Blüte des Baumes bUtd WoBitGw(alt), bl&ta LoHoNiSchaGr, 
bliiBtd PaHsThRäDr, bltet9 HiWr, blüasan J, blüsdn JHs. 

Blntigel s. Igel. 

Bolzekater bölsdkktdr LoGrThHi, bolsdk^rl WoBiGwLoHoNiScha 
PaJHsRiThHiWr, mumdhUdf RäDrLb. 

bomätscben. Statt des oberhalb Magdeburg gebräuchlichen 
bom^Uan heisst es hier äöptrelcdti LoHoNiScha, Pa und J kennen auch 
diesen Ausdruck nicht. 

braken. brk(a)hdn kommt als Verb nicht vor in WoGwLoPa; 
ħ brkdkt z6 rümor Scha, rümroibrMkdu Pa etwas herumreissen und 
werfen, rümrdebrkahdn z. B. beim Pflügen J, rümröbr&akdn Scha, m 
hestd den dl veddr rumabräakt DrLbWr, h^ br&akt ahs neddr Gr (nicht 
in RiRä). In ähnlicher Bedeutung ist gebräuchlicher flk(a)kdn WoBi 
GwLoNiSchaPaJ, rümflmkdn HsGrRi etc., j^naflkakt JHs, ümdh^rdflkaU 
J, rümdrfl&akan SchaPa, h^ flhikt jö h^ta änt wenn einer sehr wild 
tanzt Hs; dazu das Substantiv olor ^ä^'a^Ä WoLoHoNiGr, das flkoMir 
Gw. brkkdn als Substantiv war nirgends zu finden. 

Bratpfanne, brkaUkapm PafJHsGrRiTh (nicht in RäDrLbHi, 
noch gebräuchlich in Ra). 

braun, brün die dunkelgrüne Farbe des üppigstehenden Getreides 
GrDrHiRa, et brüst dka Gr; kürädbrün zornrot DrLbHi, korädbrün ßa. 

Bremse s. Pferdefliege. 

Brennessel s. Taubnessel. 

Brille bril (masc.) Wo(alt)Gwralt)LoHoNiSchatPa(alt)J(alt), brib 
BiHsGrRi etc. 

Brombeeren bramb^rn WoBiGwLoHoSchaPaJGrRiRäLb, bramh^- 
ßiyy DrHi vgl. oben Beere, brumb^rn Hs. 

brüllen besonders vom Rindvieh belksdn resp. bölksdn WoGwLo 
(selten)HoNiSchaPaJHsGrDrHi böhkan Rä vgl. blöken. 

Brummfliege s. Pferdefliege. 

Bndener bSitn^r Häusler DrLbHi(alt, jetzt ÄÜ^Z^r); die beiden 
anderen Klassen heissen kos^t(n)^ büdra, 

Bnlle, die Kuh, die nach dem Bullen verlangt, ist buls überall, 
ausser in Lb, in Dr selten ; Mira HsRiThRäDrLbHiWr(selten) ; rindmx 
RäDr(selten)Lb. 

Bnllenkäfer = Mistkäfer, bulk^ür resp. -k^vor PaJHsGrRi etc. ßa. 

doppelt duvalt von Strick und Blume überall. 

Draspe draspa ein Unkraut WoBiGwLoHoSchaHsGrDr(selten)Hi, 
drasp PaJ. 

Dreissig s. Stiege. 



67 

dreist det is m duftn WoBiGwLoHoNiSchaPaLbWr en duftdr 
jup JHs en jansor duftdr DrHi en duftijan GrRiTh(selten)Rä; daneben 
drevis NiPaJHsGrTh etc. 

Eidechse ^rtis9 (auf der 2. Silbe betont) WoBiGw ^rtüsd LoPaJ 
IIsGrßiThRäLbHiWr, artüso Dr, ^rtütsd Lo, ^rtüUd HoNiScha. 

einheizen inb^tn JGrRiThRäfLbf, Hi u. Wr sagen dafür nur 
inkaitsan, ebenso Ra; hfidta m§il vat in inn haxdlän J. 

entzwei fahren etc. in dutn fkrn oder §mitn ist nur bekannt in 
BiGwLoHoHiWr, nicht in WoNiSchaPaJHsGrRäDrLb; dafür in klump 
smitn oder firn SchaPaJHsGrDrHi, in klump ddr&t von einem Fass J. 

entzweien, sich mit jemand, isix fdrt^rn resp. fartörn überall; 
Particip fdrt'ernt, in Ra fdrunt^rnt, 

Erle elze JGrThDrffiRa. 

erschrecken sich, ssix farf^rn HoPaJHsGrRiThDrLb, farßrn Hi, 
nicht in Ra (dort nur fdrärekdn), 

ertappen, trapm überall mit Ausnahme von J, das tapm sagt, 
Hs hat beides. 

erzürnen s. entzweien. 

Extirpator ekstrap^ar WoBiLof, einfach pktar GwHoNiSchaPaJ 
GrRäHi, nicht in HsDr; jetzt meist krümer \ das Verb ist ekstraptrn 
Bi, pUdrn J, krümdrn GrDrHi. 

fallen, zu Boden stürzen und sich dabei überschlagen, meist von 
Kindern und kleineren Gegenständen kekdll RaTh, k^kdll GrDrLbHi 
(nicht Ri). 

Fass zum Waschen find WoBiGwLoHoHsGrRiThRäDrLbHi; auch 
eine drayktind giebt es Gw, v^tdründ Ni; nur jrötd un klaind tiimm 
kennen SchaPaJ. Sonst bezeichnet dies zweite Wort ein kleineres 
Gefäss als die Und : timm BiGw, tümm LoHoNiGrRiThDrLbHi ; ertimm 
[mit Henkeln] Wo; en halmm ä^apltümm Hs [äepltimm Ra], en halvds 
s^aplfat Dr; bbkdltümm Lo; afvastümm Hs; vastümm Pa; hotdrtimm 
BiGw, — tümm LoHoPaRä, — moh Dr, — §ötl Dr. tär \== ievdr 
Ra] mit 2 Griffen Hs; jüUb 2griffiges Gefäss zum Sattenwaschen 
LoHo, nicht in SchaPaJ. 

Fanlbanm ^ah (fem) Hs, Plural ^all JHs (in Ra nicht) s. auch 
Pfaffenhütchen. 

Federbnsch den die Hühner auf dem Kopfe tragen koh GrRiTh 
RäDrLbHiWr; in Ri und Th haben solche auch die Gänse. 

Fingerspitze überall kupd^ nur in Hs kap9. 

Firniss furnits WoBi farnits Gw(alt)LoHo etc. 

Fleck(en) Acker, Heu s. Heu. 

Fliege und Floh ist beides flea WoBiGw; weiterhin scheidet sich 
fle(9) von fl&(9). 

Flieder flidar bezeichnet überall beide Arten; nur selten wird 
dem Zierstrauch spänsar oder äpanäar hinzugesetzt. 

Fliedertranbe, eine Bezeichnung kait^kan oder kUäkon für dieselbe 
giebt es hier nirgends. 

Floh s. Fliege. 

5* 



68 

fiSten = pfeifen s. § 42. Das Instrument ^Pfeife^ heisst flait9 
LoHoNiRiThWr floita PaHsDrHi; das nur einen brummenden Ton von 
sich gebende Ding heisst p^pd Wo, pep9 Th, popa Dr, parpa Rä, 
purpe HiLb, furpa Lb, ßpe J, hopar GwBi, brumbas Bi, brumbast LoHo, 
brumd NiSchaPa, brümdr Hs (fdvdrt in Halle). 

friepen; einen, der leicht über Kälte klagt, nennt man einen 
frostdrJcetl WoBiGwLoHoNiScha, — Uatl Pa, froskäatl JHsGrßiThRä 
DrLbHi, frosJcetl Wr. 

Froseh pacb überall, külpann sind die kleinen. Von den Scherz- 
versen, die das Froschgequake nachahmen sollen, sei eine aus Ho 
angeführt: facbräa^ fadaräa^ Und mik on brke^ morjan, morjan^ baik ik ik 
ik ik 6k (sonst heisst es in Ho borjan). relakans BiGw, rblakans LoHo 
NiSchaPa JGrHiWr, rtt^tofedw« HsRiThRäDrLb; darunter sind nach den 
Behauptungen der Landleute in RiThLb keine eigentlichen Frösche, 
sondern eine Art Salamander zu verstehen, padeksan^ selten in RäDr, 
angeblich ungebräuchlich in Th; in J lautet der Name panaks Sg. 
lorkan WoBiGwLoHoNiSchaPaRäDrLbHiWr, ^rtsalorkan JTh, ^atäalorhm 
HsGrRi. kr^tn WoBiGwLoHo(selten), kräatn PaRäLb(selten), in Hi 
nicht. 

frösteln s. frieren. 

Fundament fulament (neutrum) überall. 

Fnssbank hutäa GwLoSchaPaJHsGrRiThRäDrRa, hütäa LbHi 
(auch in Mühlberg). 

Fntterkiste fudarkum PaJHsGrRiThRäDrLbHi, in Ra ftUarUda. 

gackern kSikall (gelegentlich fast mit ä gesprochen) BiGwLoHoPa, 
kakall WoJHsGrRä, kräkall Dr, jakarn Lb, krätäan Hi; tsakartrn Wo 
BiGw, äkkarn Lo; kakadkts GrRiRäDrHi, kakadäts Lb; kakadätsan Wo 
Hs, kadktsan HoNi, kal^ksan Pa, kSiksan SchaPa, krkksan J. Das 
Jüngste ist das kakalnest WoGwLoHoSchaHsGrRiRä. 

jCähnen hojapm überall. 

Garbenende. Das obere Ende heisst irena WoGwHoNiSchaPa 
JHsDrLbHiWr, kopena GrRiTliRäLb; das andere heisst überall böltetid, 
ausgenommen Ni, ätortem GwLoHoNi. 

Gasse jatsa JHsGrRiTh (nicht in DrHi) Ra. 

gätlicli j^(a)tlix überall ausser in DrWr(Lb?). 

gedeihen schlecht , ktvtmm WoBiGwLoHoNiSchaPa JGrThDrLb 
Hi(Wr), kmnn HsRiRä. 

gefüllt von der Blumenblüte s. doppelt. 

geizig mirix PaRa. 

Gelblinge gelbe essbare Pilze j^aliya GrRi j^larliya ThRäDrLbHi 
(WrRa nicht, g^lixan Mühlberg). 

Gelegenheit, günstige, up dwan box GrRiRa. 

Gerste jaräta überall masc. 

Gewicht; der Plural lautet überall javixtn, 

gierig sein auf etwas, dabei einen klagenden Ton ausstossend, 
bes. V. Hunden gesagt heisst jtparn, daneben jineall resp. jünzül^ 
beides überall. 



69 

glfihend v. Metall, Kohle flu GrRa, ß&nix J, flidnix Ri, ßiianix 
HsGrThRäDrLbHiWr. 

Goldammer j^(a)ljast WoBiGwLoHoNiSchaPaJHsGr (in Gr = 
j^ah vipstarf), jrÜQsliyk HsRiThRäThDrLbHi jrünsUyk GrWr. Grösser 
und grüner ist der piyestfäl LbWr, piyastfogdl Hi, anch suUa fon 
brUau genannt LbHi (Wr nicht). 

Ooldlaek s. Veichen. 

greinen = höhnisch lachen jrinn; dazu Substantiv jrindfist Wo 
BiGrRiThRäDrLbHiWrRa, jrtnBfis PaHs, jrtndftts GwLoHoNiScha 
jrmfos PaHsGr. 

Faule Greten fuld jretn sind kleine rote Käfer HoSchaJ, graue 
Eoggenkäfer Hs; die ersteren scheinen in Hs den Namen kirx9n 
vörmar zu führen. 

Griffel jrifel ist der Schieferstift zum Schreiben auf der Schiefer- 
tafel DrLbHiWr, rex^nät^l Hi, r^akdH^al Wr, stift Ra. 

Grammet jrum (masc.) WoBiGwSchaJHsGrRiThRäDrLbWr jrumct 
Hi(?), jrumd (fem.) Lo, jram9 HoNi. Der erste Grasschnitt heisst 
förmäatd JHs, form&atd Gr, ßrm&ata RiThRäDrLb, förmkato Hi; Ra 
kennt keine besondere Bezeichnung dafür, es kann wiedergegeben 
werden durch ersto äöfd. S. auch Heu. 

Haar hk(a)r9 überall femininum. 

Hamen s. Netz. 

Hand beide Hände neben einander gelegt eine Höhlung bildend 
bilden eine jespd, eng jespd ftd überall. 

Hartriegel hartgrn Ra, in GrDrHi habe ich vergeblich danach 
gefragt. 

Harz; die Bezeichnung katsdnkl^vdr für das an den Pflaumen- 
bäumen findet sich hier nirgends; dafür überall bömvaks; an den Kiefern 
sitzt kenarts LoHoNi, ktnarts WoBiGwSchaPaJHs. 

Haufen Heu, Mist s. Heu. 

Hansschnlie meist aus dickem, wolligem Stoff j^okan, wohl überall, 
auch in Ra. sokdntüfdll = Filzpantoffeln JRi, nicht in Th; filstüßll 
DrLbHiRa. ejaneokan aus Zeugkanten J. strumpsokBU abgeschnittene 
Fussteile der Strümpfe ThDrRa. 

Häusler s. Büdener. 

Hederieh heddrik überall, vih zkt WoBiGw, vilt iskat SchaPaJRi; 
vihr skmm LoHo, vihr zkam HsGrThRäDrLbHiWr. Aehnlich soll 
sein vül doddr HoScha, vül dotdr Pa(selten); der Ausdruck war un- 
bekannt in HsGrRiThRäDrHiWrRa. 

Heu. Heu machen haidn (in haidn jkn) WoBiGwLoHoSchaGrLb 
HiWr, hoidn PaJDrLbHi, ä0ww HsRiThRä; es wird auch mit jrum 
zusammengesetzt: nk jrum hoidn jkn SchaPaJHsGrRiThRäLbHiWr (Dr 
nicht). Das Wenden des Heues wird als umhaidn bezeichnet WoBi 
GwLoHoNiScha, ümdhoin PaJ, rümhoin HsGrRiThRä, rumh. RäDrHiWr. 
Die grossen Sammelhaufen heissen dimm WoBiGwLoHoNiSchaPaJGr 
RiThRäWr, dumm Dr, dimm Hi, nüta Hs (anderwärts, z. B. Ra, nur 
von den Kartoffel- oder Rübenhaufen gesagt, die etwas in die Erde 



70 

eingegraben und mit Erde zugedeckt werden). Die mittelgrossen 
Haufen heissen überall Äwp, PI. htpa resp. Äüp^; die kleinen hiikg; 
dazu das Verb inhukan. Die der huka an Grösse entsprechenden Mist- 
haufen auf den Feldern heissen meshukg WoBiGwLoHoNiScha, mesMp 
PaJHsGrRiThDrWr. Auch der Maulwurfshügel heisst hüp^ mölhüp 
HsGrRiThRäDrLbHi, mölbarx JRa. Der Fleck Heu, der zu einem hup 
gehört, heisst plakdn WoBi (Gw nicht), plak9 Pa(alt)JHs, plak GrRi 
ThRäDrLbHiWr, end Äwpi^^ LoPaHs, en9 hüpspräe SchsiPat», hüpstehi; 
das Verb dazu ist in hup äpraidti GwHoNi, ütsmitn, in plakan mkkdn 
Hi {in plakdn straudn oder bloss ütstraudn Ra); vgl. auch aUs m 
spräe Lo. plak(dn) wird auch vom Acker gebraucht en plakdn lani 
Gw, end klaind plakd lant Scha. Wenn das Heu sofort abgefahren 
wird, macht man nur repa LoPaHsDrRa, dazu das Verb tdzam repni 
Dr, repm oder inrepm Ra. 

Holzbirnen heissen konn HsGrRiThRäDrLbHi, hölth^rn WoBiGw 
LoHoNiSchaPaWr, kapmb^rn JHs. 

Hornisse spanndgdl Bi, spannal WoSchaPaHsGrRiThRäDrLbHiWr, 
sparnäl LoHoNiJ. 

Hiihnclieii. Die eben dem Ei entkrochenen heissen ktk^n resp. 
kükan. Sobald das Geschlecht erkennbar wird, unterscheidet man 
hSiann und pütxdn SchaPaJHsGrRiThRäDrHiWr, auch pütn DrTh (in 
Ra weder pütxdn noch pütn). Die alte Henne heisst Uuka RiRäDrßa. 

Hühnernessel s. Taubnessel. 

Hnmmel s. Pferdefliege. 

Handezange hunntuya ein Unkraut WoBiGwRa, sonst nirgends. 

Hürde horis Seitenbrett des Wagens u. Flechtwerk zum Dörren 
des Obstes, überall. 

hasten, stark, kexdn resp. köxan WoBiGwLoHoSchaPaJHsGrßä 
DrHi. Das Husten des Hundes, wenn ihm etwas in der Kehle sitzt, 
ist k^(a)kS9n WoBiGwGrThDrHi, nicht in LoSchaJRiRä, ki^ksdn Ho, 
hölksdn PaHs. 

Igel mu^l BiThRä(selten), sonst nur ätaxdlswm, Blutigel en9 
blüt^ah Dr, püt^al LbHi, bluttl^ PI. blüttl^dn Hs, sonst blöt- oder UM- 
tjdl WoBiGwLoSchaPaRä. 

Iltis iliyk Wo (Bi angeblich nicht) GwLbWr, üUyk HsGrRiThKä 
DrHi, Uiyk LoHoNiSchaPaJ. 

irgendwo vdrns WoBiGwLoHoScha vürns PaGrHi vüdns HsDr. 

Kahnende kafd BiLoHoScha, kapd GwLo (J nicht). 

Kapaun kaphi(a)n9 ist unbekannt in WoLoHoSchaPaJHs, z. T. 
noch gebräuchlich in GwGrRiThRäDrLbHi. 

Karre. Die Mistkarre heisst hier überall kumkard^ d. i. eine 
Karre, deren Körper von einem Kasten gebildet wird, vgl. oben fucbr- 
kum Futterkiste. Die andere ist eine bukkard WoBiGwLoHoNiGrßi 
ThRäDrLbHi(Wr), süfkara SchaPa, swdkara Ri, Imkara JHs. 

karsch kars. Dieses Wort ist nur halb bekannt in WoGw, 
sonst nirgends. 

Kartoffeln ernten wird sehr verschieden bezeichnet: ^rtüfdll raJan, 



71 

StWoGwLoHoSchaPa JHsGrRiThDr , kl^(9)n WoGw (selten) LoHo Wr, 
khun RäDrLbHi, Imcbll Dr, ronn Bi, upm&akan LbHi. raocdn wird in 
Ra vom Wühlen des Hundes gebraucht, auch von Katzen und Hühnern 
und schliesslich auch vom Menschen in verächtlichem Sinne. 

kanderwelseh Mtorvenä WoBiGwLoHoNiSchaHsRäDrHi küdarvens 
PaJGrRiTh. 

Kaulquappen s. Frosch. 

Keliricht uik^rtsdl überall. 

Kiepe Upa = Tragkorb überall. 

Kies, hydf nur in Bi; sonst bezeichnet h^9r eine Sand- oder 
Kiesablagerung am oder im Flusse: eanth^dr u. kish^dr LoHo, upm 
h^dr SchaPa, dia lU dn h^dr Pa (J nicht); überall kennt man kts 
ausgenommen in DrLb, welche kis sagen. 

Kind, kleines, awa Idaind bUd J, angeblich jenseits der Elbe all- 
gemein gebräuchlich (Hs nicht); Danneil giebt jedoch abweichende 
Form und Bedeutung. 

kirschrot s. braun. 

Klee Idbvdr DrHi Uevdr LbWr, in Ra nur Ue. 

Kletten Uitsgn WoGwHoNiPaHsRiThRäDrLbHi. 

Kloss Erde UM DrHiRa, Plural IdUar Ra. 

Kneeht. Die ganz jungen heissen eykm GwHoNiJ, früher auch 
in Pa, Uaitid knextd PaJHsRäDrLbHi, osanjuyys Hi, bloss juyys Scha; 
dann kommt ein miU^r GwHoPa (Ni nicht). 

KnSchel knüS9l LofHofNiSchaPaDrLbHi ; knixal WoGw, knüx9l 
JHsGrRiThRä, knexdl Bi; knövdll heissen die Stellen, wo die Finger 
sich ansetzen {knevdll Ra). 

Knoten knut überall bis auf DrLb, die knot sagen, in Rä beides. 

kohlenschwarz = sehr schwarz kolUwart Wo bis Scha u. Gr 
(Wr), sonst k&lUwart; dsmehenpekiwart PaHsGrRiTh(selten)RäDr(selten) 
LbHiWr, ränäwart JHs. 

Konfirmationsschein. Dieser hat die hübsche Bezeichnung inis^yd- 
sin ThRäDrWr (nicht in LbRa). 

Kote am Pferdefuss, (evdr)k6t (tr^ann) WoBiGwLoHoSchaPaHs 
GrRiRäDrHi. 

KrSte s. Frosch. 

Krümmer s. Extirpator. 

Kfichlein s. Hühnchen. 

Kuh, schlechte, s. Pferd. 

KuUerdistel; kuUrdistt nirgends; dasselbe scheint zu bedeuten 
hunddistl LoHoNiSchaPaJ, kobolsdistl Bi, kopdistl Wo, spitsdtstl GwDr, 
brmkdistl GwHsHiWr, viädndisü GwRiThDr. 

Lache iäafo eine sumpfige Stelle Scha, eine Niederung besonders 
im Walde PaJHsGrDrHi; wenn Wasser darin ist, heisst es vkal Scha 
{hünndrl§Lak9^ jözdlsa v&al, küvSLal^ drhastvSial^ letzteres sind alte Eib- 
arme; vkal ist unbekannt in PaHs); vitdrkuyka Ni (nicht in SchaPa). 

Lappen lapa (fem.) überall. 

Lärm äpelvark überall. 



72 

Laterne. lixtQ resp. lüxtd selten in SchaRäDr, f in Hi, sonst 
noch in Gebrauch; es bezeichnete ausser Laterne auch Küchenlampe 
Dr (nicht in Ra). 

leck s. undicht. 

Loch im Eise lü(9)m9 LoHoSchaPaJHsGrRiThRäDrLbHi, Um 
Ni, löv9 Wo, v§Lk9 Lo (selten), b&kQ BiHo, äpawa steh Lo. 

maisch zart u. saftig, maU überall. Äehnlich et is hulsan dtxmn 
Gr; muU sagt man von einem Menschen, der recht übermütig ist J 
(in Hs nicht). 

Mandel s. Stiege. 

Mantel mantl (fem.) zum Tragen der Kinder WoBiGwLoHoNi 
SchaPaJ, (masc.) HsGrRiThRäDrLbHiWr. 

Mastbanm mast fem. überall, soweit es Kähne giebt. 

Maulwnrfshfigel s. Heu. 

Meerrettig mar^tn Hi. 

Melkgefäss köft WoBi, kudft Hi(alt)Wr; melkemdr GwLoHoNiScha 
PaJHsGrRäDrLb; früher auch melkfat (von der Gestalt des köft) Lb 
Hi, öxdl Paf ; dem köft an Gestalt ähnlich, aber nicht zum Melken 
dienend handfat HsGrRiThRäDr; ist der Stiel länger, so ist's eine 
fiU resp. fül9 WoBiGwHoPaJHsGrRiTh. 

Messer, mets fast überall noch gebraucht, Plural metsarn; da- 
neben metsar GwLoHoNiSchaJGrDr. Ein altes Messer heisst verächt- 
lich knift GrRäDrHi, knif J, pannknif Hs. Zum Holzschneiden nimmt 
man^ einen v^nknift Pa, v^nritdr PaJHs, hipo Ni, knift LoHoScha. 
knift = Sichel WoBiGw; sonst nur eikal LoHoNiSchaPaJHsGrRäDrHi. 
knift heisst das zum Distelausstechen gebrauchte Messer GrDrHi. 

Metze zum Messen, mata PaHsRa. 

Militz milits ein zartes saftiges Schilf resp. Rohr, treffliches 
Pferdefutter BiGwLoHoSchaPaJHs(selten)GrRiThDrHiRa, nicht in Wo. 

Mistloch mesküh WoBiGwLoHoNiSchaPaJHsGrRiThWr, mesloh 
RäDrLbHiWr. Zum Herausschaffen des Mistes aus dem Stalle dient 
fast überall noch die mesborja, 

Misttrage s. Mistloch. 

Mohn, knakrö^a HsRa. 

Molken, veäa BiWo, ke^aveäa Gr; kei3avarka LoHo, kejgavkeka Ho 
NiSchaPaJHsRi, — v&daka GrRäLbHiWrPrePlö, — väraka Dr, — vkrk9 
Th. vesa dient auch als Bezeichnung der Flüssigkeit in dem Tränk- 
fasse des Rindviehs LbHi; wenn Oelkuchen darin aufgelöst werden, 
ist es ölveäa GrRiThRä, idlküakavesa Dr; das Fass heisst vesatund Ho 
NiScha, veituna PaJHs. 

morsch vom Holz oder einem Strick fös überall; ein Strick kann 
auch mör sein JHsDrLbWr (nicht in Ra) ; auch das Korn ist zuweUen 
fös Hs. 

Mühlhänser Kartoffeln, mHaijsar kennt man nur in Wo(Bi)Gw. 

munter Ä9 is nix rext muntar d. h. er ist leidend, überall. 

mürbe m^r resp. mör vom Obst überall; dgl. mos; für letzteres 
auch müdak LbHi, selten in Dr. Vgl. auch morsch. 



73 

Haseliel H§9 BiGwLoHo. itmi (Wo nicht) BiGwLo, tmi Ho, 
sülksn Ni, muä9lä3uJiU Scha, sülpana Pa, muäall J; anderwärts giebt's keine. 

Mnskatnass. end maä&ata J, vaä&aln'eatQ Hs ; hochdeutsch GrRiDrLb. 

nachäffen jemandes Redeweise enn nijc^kdll GrRa, nicht in RiTh 
RäDrLbHi. 

Nachtviole s. Veilchen. 

Nessel s. Taubnessel. 

Nesthäkchen s. gackern. 

Netz, nets überall. Ein grosses Netz heisst jkrn BiGwLoHoNi 
SchaPaJ; die Bezeichnung vke kennt man in LoHoNiPa, nicht in Scha 
LbHi. jkmmk GwLoHoPa. hkm GwLoHoPa. Mfh&m WoBiGwLoHo 
NiSchaPa. kratsh&m LoHoNi (Pa nicht), zethkm Ni. fiähkm HoHs. 
spiUkorf oder -kipa kennt man hier nirgends. Aufgestellt werden fol- 
gende (auch oben der zeth&m u. j&rnzak): maresd J, rüs LoHoJ, rüzd 
Hs, rflera NiSchaDr (Hi nicht), kalkorf Pa, pövdt BiGwLoHo, in Scha 
u. Pa ist der pöv^r ein langes Netz zum Ziehen. 

nieder(wärt8), däZ nur in BiGwLotHo(alt)Ni, es ist unbekannt 
in WoPaJHs etc. zet dik dSd Ho, nedar SchaJHs. 

Nnssschale, die grüne der Wallnüsse, älüa Ra, ütälüan Bi, ütälüsan 
Hs, sonst wollte man das Wort nirgends kennen. 

Oel, ^l resp. 0d2 ist überall masculinum. 

Palten 9n paltn drek überall. 

Pantoffeln schlechte s. Schuhe. 

Pappel, tkpl nirgends. Zu Ra, dem einzigen Orte, das dieses 
Wort kennt, ist noch nachzutragen, dass damit nur die Pappelsträucher 
bezeichnet werden, die hohen Bäume heissen papll. papl WoBiGwLo 
SchaPaGrRiRä, pöpl HoHsDr, popl LbHiTh, ewa popljale Th; Plural 
pajß WoBiLoPaJ, pepll Gw, pöpü NiSchaGrRi. 

Pathe, überall femininum, pk(a)dd WoBiGwGrRäDrLbHi, pke Lo 
HoSchaPaJ, p^td HsRiThRä(alt). 

Peppel ein Unkraut pepl PaJRa, pöplkeed HsGrRiThDr auch 
Uzdpopl Dr. 

Perlen heissen auch hier überall „Korallen*' kriall. 

Petersilie erscheint überall mit „Z^ Laut, pUdrtsilijd resp. -tsiU^ 
nur in Rä gab man hd. petdreüiJB an. 

Pfaffenhfitchen pkpmkUtd Bi, p&apmklbtn ThRäHiLb ; in G wLoHo 
NiSchaPa J wollte man das Wort nicht kennen; in JHsGrRiThRäDr 
sagt man hunakldtn dazu; der Strauch wird spilböm genannt BiGwf 
HoNiScha(selten)PaThRäHi (nicht bekannt in LoJGr), äüstarhols PaJ, 
hundMbtn Hs. Damit wird z. T. der ähnlich aussehende fulböm ver- 
wechselt, so in Dr, wo man meinte, beides sei dasselbe. Der Faul- 
baum heisst spürkdft GrRiRäDrLbHi (sein Holz ist in dieser Gegend 
sehr gesucht für die Pulverfabrikation) ; äpörk» in Th soll ein anderer 
Baum sein. Die Früchte vom äpürkdn heissen harätdhuk RäDrLbHi 
(dienen zum Rotkehlchenfangen), in Th nennt man so auch das Holz. 
Ra kennt beide Namen nicht. 

Pferd schlechtes, hroJtB^ zugleich Schimpfwort dem Tier gegen- 



74 

über, überall; daneben Tzrikd Wo, Icrülcd LoPaJHsGrRiLbHi, Ärwita Dr. 
Von der Kuh in beiden Bedeutungen gilt Tdakd WoBiGwLoHoNiPaJ 
HsGrRiThRäDrHi ; daneben hrahso NiSchaPaThf, nicht in GrRiRäHi; 
hratsd heisst einer, der sich flegelhaft benimmt, in J. 

Pferdefliege dk(a)2a WoBiGwLoPaJHsGrRiThRäDrHiWr, z. T. 
unterschieden in grosse und kleine d&azdn PaJRi; die kleinen heissen 
hlind dSi(a)^dn WoLoHsRäDrLbHiWr ; dSiJSdJcd BiGw(alt)HoNiScha. Die 
Hummel ist bramzo LbHi, bremsd WoBiGwLoNiScha, brumbas PaJ, 
bramUend GrRiThRäDrLb(Hi?)Wr, vih bend Ra. brantd ist die grosse 
schwarze Brummfliege PaJHs, auch bramfle PaGrRiThRäWr und brümdr 
Hs, brumdr Ra. 

pfeifen s. flöten. 

Pflngstvogel s. Goldammer. 

Pflugschar, ploxskr überall. Die Zugvorrichtung am Wagen oder 
Pfluge heisst §ar^ auch überall; sweyal sind die kleineren Querhölzer 
des äar^ an denen die Zugstricke oder Ketten sitzen Wo bis J und Gr, 
ortsweyal HsRiThRäDrLbHi. 

Pfiihl, pifol bedeutet Kopfkissenbezug PaJ; in den folgenden 
Orten bezeichnet es ein unter dem Kopfkissen liegendes Kissen von 
doppelter Grösse, dem Keilkissen der Matratzenbetten entsprechend 
HsGrRiTh(selten)RäDrLbHi Wr(alt) ; der ganze Bettbezug heisst b^drn Hs. 

Pilze s. Gelblinge. 

Potztrine potstrm (mit Ton auf«) ist Name eines Gewässers bei 6w. 

Potsuse potzu^d^ ein in der Schönebecker Gegend (auf dem linken 
Eibufer) beliebtes Gericht, vornehmlich aus den festen Bestandteilen 
der Wurstsuppe hergestellt, ist wenig mehr als dem Namen nach be- 
kannt in WoBiGw, sonst gar nicht. 

probieren wird überall durch prömm wiedergegeben, probkn hat 
andere Bedeutung: dat probird nix nox mal ist eine Warnung! 

protzig protix Wo, prothans Wo, jrotn prot hemm protzig auf- 
treten, überall. 

Racker raJcdr, In der Verbindung half äindar^ half ralcdf Paf 
JGrRiThRäDrLbHiWr, nicht in Hs; ferner sinddr^ raJcar un dönnjr^vdr 
sagt man von Leuten, die es recht toll treiben, in RiDr, nicht in Lb 
HiWr. Die Grundbedeutung des Wortes steckt offenbar in dem Verb 
rahan (s. o. Kartoffel), es bezeichnet denjenigen, der das schon ver- 
scharrte Vieh wieder aus der Erde gewissermassen kratzte, der also 
noch verächtlicher war als der äindar, 

rauf, runtor, raus, rup^ rundsr, rüt sind auf dem ganzen Gebiet 
allein gebräuchlich; die entsprechenden nup^ nunddr^ nüt sind bis auf 
Lb fast unbekannt. 

rauh strüf JRa. 

Regenschauer, htisa überall, flägd resp. flä WoBiGwLoPaJHs 
GrRiThRä (vgl. § 30b). storja LbHiWr(selten), äturp DrRä(selten). 

Regenwurm parlauhe WoBiGwRäDrLbWr, purlaüka LoGrTh, 
pirlauhd Lo, pilaukd Ho, pürlauJcd Ri, pirlauTcd NiSchaPaJHs. 

Reh re ist masculinum HsRiThDrLbHiStRa. 



75 

Reisigbunde, die von dem trockenen Holze gemacht werden, 
das in den Nadelwäldern zu Boden fällt, riisbünd Th. Vgl. resbunt 
unter Rest. 

Rest. Die nicht in Garben gefassten einzeln umherliegenden 
Getreidehalme werden zusammengeharkt und bilden dann das rest 
GrThDrRa, die daraus entstehenden Bunde heissen resbunt GrThDr, 
resbunt Ra. 

Rense s. Netz. 

Rose = krankhafter roter Fleck auf der Haut hilix DrLbWr, 
hülix Hi; Idt di mant hilix büatn Dr. 

Rose, wilde, vepodsirn BiLo(selten)HoNiScha, vtpddkrn J, sonst 
nur viU röedn WoGwGrRiThRäLbHi, lyßdbutndkrn DrHi. Die Früchte 
heissen lü^dputn WoBiGwWr, sonst lüzdbutn. Der Weissdorn ist vit- 
dkn WoBiGwLoHoNiSchaPaJGrRiDrHi, in Th u. Lb giebts angeblich 
keinen; die Früchte davon heissen melptUn WoBi, m^lputn Gw, m^l- 
hutn HsGr, m^b^rn PaJHsRi (nicht in RäDrHi), meÜ^rbrUxd LoHo 
(Scha nicht). Der Schwarzdorn heisst s wartdorn Ra, äwartdirn Hi, 
sUdirn ThLb; die Früchte äUb^rn Dr, sUdn Hi, Lb kennt keinen 
Namen dafür. Namen von Früchten, die zwischen Schlehen und 
Pflaumen in der Mitte stehen: hmidplümm LbHi, Jcn^akdrliyd HiWrRsi, 
Iwetsdu HiWr, swetsdn Dr, swetskon Lb, Uekdn Dr, 'krilc9n Dr (Lb nicht). 

rupfen, das Sommerrupfen der Gänse ist vull WoBiGwLo(selten), 
weiterhin nicht mehr, dafür dann plikan resp. plülcdn LoHoSchaPaJ 
HsGrThRäDrHi. Das gänzliche Abrupfen der toten Tiere ist rupm 
WoBiGwLoHoSchaPaHi, afrupm GrDr, afpliikdn ThDr. 

Rfister. Eine besondere Art, die sogenannte „Weissrüster" heisst 
viWkd nur in Bi; fast scheint die vitbbkd resp. vitb^dkd in LoHoScha 
etc. dasselbe zu sein. 

Sandbank s. Kies. 

Sau. Die Sau heisst rayB LoHoPa, sonst ist dieses Wort nur 
Schimpfname JHsGrThDrLbHiRa. vDie Sau, die nach dem Eber ver- 
langt, ist rüsix, überall; daneben sagt man kem§ (v. kempd Eber) Hs 
ßa, brems LoHoNiSchaPaJRa. 

Sauerampfer eüdrd lampd ist überall bekannt, in Dr selten, in 
Gw zürd bletdr, röddr hinrik WoBiGwLoHoNiSchaRäDrLbHi, bloss 
hinrik PaJHsGrRiWr. 

SayoyerkoM. safaiankdl WoBi, sonst mit hochdeutschem S-Laut: 
savaiar HoGr, ealvaidr LoPaJ, salvaidn RäHi, i3dlvai oder firjsixkdl Dr. 

Schanne sano 1) Gerät zum Wassertragen, 2) Sensenband, überall. 

Schar, eine ziemlich grosse, ena jansd kopl, überall. 

Schaukel, suykol^ wohl überall. Eine kleine, die sich die Kinder 
selber machen, heisst huma Wo (Bi nicht) Gw(alt)GrRiThRäDrLbHi 
(Wr nicht), bum9 LoHoNiScha, bumdl Ra (Verb bumdll, vi vill uns 
niil bumall), bumbau PaJ, brumbau Hs; das Verb dazu ist brumm Hs, 
bumbau die Bewegung Lb. 

Schieferstift s. Griffel. 

Schinder s. Racker. 



76 

schlafen, einer, der gern schläft, ist ein snovakop^ überall (in 
PaJHs jedoch nicht gefragt). 

Schlehe s. Rose. 

schleichen, matt und krank herumschl. sw^(a)kdn Wo bis Hs, 
nicht in GrDr. Im Dunkeln herumschleichen: dk vaylct vat tum; vat 
mykt den di rum GwHoPaGrDrLbHi, nicht in WoBiLoJHs. 

Schleppharke, eüstarvd Lo(selten)Ho(selten)Ni. zauharkd Scha 
PaJH8(selten). huydrharkd WoBiGwLoHoPaHsGrRiThRäDrLbHi (das 
Verb ist nihuy^rn Wo), ndirehdharhd LoHoNiSchaPaJHsGrRiThDr 
(selten). 

schlämmen = glücken, et hetn dälumt, überall. 

schmächtig ämaitsix Ra. 

schmacken smakdn WoBiGwLoHoPa, ämaksdn GwSchaJHsGrTh 
RäDrLbHi. 

Schmiele äm^ah RäDrLbHi(Ra), vefd WoBiGwLoNiPaJHsGrRi 
ThRäDrfLbfHi (in dieser Bedeutung wenigstens von Pa an, in Scha 
nicht), vcvd Ho. Eine offene Wunde ist eine smard SchaPaJHsGrRi 
ThRäDrLbHi. In Ra ist vafd eine klaffende Wunde, smard ein un- 
bedeutender Ritz. 

Schnaps Sluk^ dazu slukpuh, beides überall. 

schon al PaHsRa. 

SchSpfgefäss s. Melkgefäss. 

Schoss älipd WoBiGwLoLbHi, älüpB Hs(alt)GrRiThRäDr; söt Lo 
HoNiSchaPaJ. 

schreien v. d. Katzen lau9n Lo(selten)HoPaJGr, nicht in Rä, 
jdnaudn LoHoSchaPaJ; sonst lau^n nur vom Kindergeschrei WoBiGw 
LoHoSchaPaJHi, in Dr nicht, janaudn v. d. Kindern GrRäDrHi. S. 
auch zerren. 

schricken. srikdn ist als Verb hier nicht gebräuchlich; wohl 
aber h^ jait jans fdrärik LoHoPaJHsGrRiThRäDrHi (Ra nicht); dd 
möld stau inn srik, wenn die Flügel wie das Multiplikationszeichen 
stehen JHsGrDrRäLbHi (Ra nicht). 

schröpfen, den zu üppig stehenden Weizen muss man sröpm Dr, 
so lange er noch keine Aehren entwickelt, srepm Ra. 

Schuhe, schlechte, heissen shpm^ überall; in JHs versteht man 
auch Pantoffeln darunter. Diese heissen slarmm WoBiGwLoHoScha 
Gr, slarün Pa, nicht in J; slarn Dr, Madam Ili. Das Verb dazu ist 
älarmm WoBiGwLoHoGr, slarün Pa, slumpdrn J, sladdrn Hs, slarn 
RäDr, älurfdn Hi. 

Schnr, erste, s. Grummet. 

See ze BiSchaPaJHs, nicht in LoHo. 

Schwaden swat, überall. 

schwanken^M?W2?Ä^nWoBiGwLoHoNiSchaPaJGrThDrH,e^5ec>«di^Hs. 

schwarken et swarkt z. B. wenn ein Gewitter heraufzieht JHs 
GrRiThDrLbHi. 

Schwarzdorn s. Rose. 

Sense. Die mit einem Hakengestell versehene Sense heisst ior«- 



77 

bom oder Mrnftöw, überall ; ähnlich, doch ohne Haken, ist der irttpar 
LoHoPa. Die Schutzvorrichtung an der Schneide der Sense heisst 
zaisdYi^üa HsGrRiThWr, in Ra töm genannt; keinen Namen dafür 
haben RäDrLbHi, weil man bis vor kurzem dort noch keine solche 
Vorrichtung gebrauchte. 

Sichel s. Messer. 

Spanferkel, überall sp^ndfarJcan. ed ein speno JHsGrHi, äpen 
RiThRäDr; 09 varn däp^ant J, afdzet HsGrRiThRäDrHi; oäp^ant wird 
von den Kälbern gesagt HsGrRiThRäDrHi. 

Speck masculinum WoBiGwLoHo, neutrum NiPaJHsGrRiThRäHi. 

spielen mit Feuer köhiU WoBiGwLoHoHi, nicht in NiSchaPaJ 
GrßiThRä. 

sprechen schlecht, s. arbeiten, laut sprechen pri(a)ll^ überall. 

Spriess, der gabelförmige Teil des sogenannten Langwagens, 
§prU WoBiLoHo, äpriet SchaPaGrRäDrHi. Das Querholz am Ende 
der Arme unter dem Wagen heisst hr^holt Dr, undrbrüo Hi, leyJcäait Ra. 

Sprock äproh am Wasserrand, überall, nicht in Dr. Würmer 
zum Angeln bedeutet es ausserdem in WoBiGwLoHoNiSchaPaJGrRä 
Dr, nicht in HsLbHiRa. Ferner Holzschutt im Holzstall GwHo, nicht 
in WoBiLoJHs. Das kleine trockene Holz, das von den Kiefern ab- 
fällt, HsHi; häufig heisst dies halb scherzhaft Jcnepn^rhds GrRiRäDr; 
abweichend Jcnak ThRäDr. Endlich bedeutet äprok die ausgefallenen 
und von selbst noch im Herbst aufgehenden Getreidekörner WoLoPa 
J(selten)HsGrThRäLb (besonders vom Hafer), dia is ä&na äprok 
fddslian Pa; statt dessen nivcLS BiGwLoHoSchaRi. 

Sprosse. Die breiten Sprossen an der Wagenleiter nennt man 
sden — äaisn — äainn JHsGrRiThRäHiWr, meist äpsiall PaDrLb. 
Die der Steigleiter heissen äpriatn PaJHs, äprotn RiThRäDrLb, äpiall 
GrThRäHiWr. In Ra heissen beide äpUl; äainn sind hier die breiten 
am Ende der Steigleiter. 

Sprung, Riss s. Bürste. 

Stacket. ena ätaketo eine Zaunlatte DrLbHi, en ätakUntün Dr, 
stciketn Wr. 

stätsch ät^at§ halbdumm v. d. Pferden gesagt, überall. 

Stanwasser ätauvktdr ist in Ra das Wasser, das bei Hochwasser 
durch den Boden auch nach Stellen dringt, die von Dämmen geschützt 
sind. In Pa ist es das Wasser, das zurückstaut, d. h. bei Hochwasser 
direkt vom Flusse aus Gräben und Niederungen füllt, besonders solche, 
die stromaufwärts gelegen sind. Der Ausdruck selbst ist gebräuchlich 
in BiGwLoHoSchaPaJ. Das durch den Boden dringende Wasser ist 
ireykvkatdr WoPaJHsGrRiThDrHi. 

Steiss der Vögel, ätUs {stUs HsThRäHi) überall. 

Stiege = 20, äU kommt hier nirgends vor. draisix WoBiGw 
LoHoSchaPaJHsGrThDr(selten). Die mandl hat bei Sommergetreide 
15 Bund, bei Wintergetreide 16 Bund WoPaJGrRiHi, bei allen Arten 
15 Bund BiGwLoHoSchaRa, bei allen 16 Bund ThRäDrLb. 

stopfen, etwas fest z. B. in einen Sack hinein, prumsBn, überall. 



78 

stören b. Brüten, s. versagen. 

straff anliegend, bes. v. Kleidungsstücken, ätram, überall. Verb 
Urk(a)mm besonders von der Haut, die dabei schmerzt, HsDrßa. 

strampeln, mit Händen und Füssen nach etwas streben, jampdll 
Gr(Dr nicht)Ra. 

Stranze stransd, Schimpfwort, überall. 

Strauch einer krautartigen Pflanze, en tuäar joltlak Gr, IusbI ßi, 
tust Rä, hu§t ThDrLbHiWr, hust Ra. 

Stranss Blumen, §trüt§B überall. 

streicheln aiaw, überall. 

Streifen Kuchen, Acker etc. ätinpd (femininum) WoBiGwLoHo, 
str^apa Scha; ätr^apl (neutrum) PaJHsGrRiThRäDrLbHiWr. 

stricken, knitn und knitätikan BifGwf, knütn Lof, in Ho z. T. 
noch gebräuchlich, sonst schon gänzlich unbekannt. 

Stnlle, ätuh überall, nirgends pamd, 

Tasse, äiJd Bif, Lo (alt), Paf, z. T. noch gebraucht in HoScha, 
sonst gänzlich geschwunden. 

Tanbnessel, donetl^ überall, in Dr angeblich dömneth Die kleine 
Art des Brennessel heisst mdBrnetl JGrRi, hsi(a)ddrnetl BiLo(selten) 
HoNiPaHsThDrLb, hünddrnetl HsRä; WoGwHiWr haben keinen be- 
sonderen Namen dafür. 

Tenne d^(a)h^ Wand denavant^ beides überall. 

Tnch, dok resp. dü9k ist überall masculinum. 

äbermfitig von Tieren v^(a)lix^ überall. 

unbeholfen unbdjampdrn GrHiRa, nicht in RiThDrWr. 

nndicht vom Fass §pak, überall. Das Gegenteil ist hend resp. 
68w9 WoBiGwLoHoNiSchaPaHsHi, h^and HsGrThRäDr, Vm9 Ri. 

ungezogen ai^ RiThDrHiWr, en aiäar juyd ThRä. 

Veilchen faihkd Wo(alt)BiGw(alt)LoHoNitSchaPatJGrRäDrWr, 
bloss failxdn Hi, auch füdka Gw. Goldlack j^U faihka LoHoNiJHs, 
j^h failxdn Bi (alt); joltlak WoGwLoSchaPaJGrRäLbWr, j^Uh Dr 
(selten), jölak Hi. naxtfijöh WoBiGwLoHoNiSchaPaJRä. 

verhallen, eine Art Verstauchung des Ballens der Hand, dx dd 
hant fdrbell DrHiRa. 

verbrechen s. verüben. 

vergiften fdrj^(a)mm resp. farj^ün, überall. 

versagen, wenn der brütende Vogel, gestört, seine Eier im Stiche 
lässt, f9r^k(a)kdn^ überall. Dazu farätcrn resp. fdrstörn und fdrskmi 
resp. fdräüxdrn^ ebenfalls überall. 

verscheuchen s. versagen. 

verschwenden, ursprünglich vom Vieh, das nur einen Teil des 
Futters frisst, das andere unter die Füsse tritt, dann auch übertragen 
allgemein vom Menschen kwi(a)zdn LoHoNiSchaPaJHsGrRiThRäDr 
HiRa, auch farkwi^dti Ra. 

Vertiefung, kleine im Boden luyka JGrThDrHiRa, vgl. Lache. 

verüben etwas, fdrh^rn Bi, nicht in WoGwLo; fdrb'0rn HoPaJGr 



79 

RiTh, nicht in SchaHiWr; farhr^akdu RäDrLbHiWr (Ä9 het vat far- 
6räafon;) ütfr^atn SchaHs. 

Vitriol, jßktriöl, masculinum, überall. 

Wagen leichter, preävän Wo (selten), tsarpstBr WoBiGwHsGrTh 
RäDrHi, kaleäa LoHoNi, Mlesvän Paf Jf. 

Waldrebe rm resp. riü BiGwHoPaJHsGrRiTh, nicht bekannt 
in NiDrLbHi; r%V9krüt resp. Hukrüt ist ein stacheliges Ackerunkraut 
LoHoSchaPaRiGrRäDrLbHi, nicht in JRa. 

Wasser mittelst der Wippe aus dem Brunnen holen vk(a)tdr 
uptipm Plötzky BiGwHoScha, uptüpm GrLbHi, uppütn GrRiThRäDr, 
inpütn PaJHs; z. T. einfach uptreky WoBiGwLoHoGr. 

Weidengestpfipp varf WoBiGwHoNiSchaLblli, damit sind be- 
sonders die am Wasser wachsenden gemeint; det is vinnvarfLof^ det 
is varf PaJHs, d^r varf GrRiThRäDrLb (in Ra nicht), hrdkvinn 
wachsen an den Wegen WoBiGwLoGr, Icropv, LoSchaPaJHsGrRäTh 
DrLbHi, kröpv, Ri, Tcopv, HoNiRa. Weidenzweige v^(a)nn resp. v^dr^ 
überall. 

Weidenkätzchen, pdlmm; der Name ist nicht bekannt in PaJ. 
Auch an den hr0Dll giebt es welche Th, ebenso an den Pappeln Dr. 
Etwas anderes ist die vidnrößa an einer Icrqpvtd Pa (in Hs nicht). 

Weissdorn s. Rose. 

wenden s. Heu. 

Wiege puid WoBiGwHsGrRiThRäDr, pui LoSchaPaJ, poia Hi, 
p6e HoNi. 

Wiesel vetidr? Wo, vejsdl BiGwLoHoNi, v^a^sal SchaPaJHsGrRi 
ThRäDrLbHi, überall masculinum (oder neutrum?). 

winseln s. gierig. 

Wolfsmilch s. Bilsenkraut. 

wühlen s. Kartoffel. 

Wnnde s. Schmiele. 

wütend, fuMx^ überall. 

Zachees eine Milchspeise tsaxes WoBifGwfPatDr (alt), tsax^as 
LbHi; in Ho ist es eine Art Hirsebrei; unbekannt in LoSchaHsGrRi 
ThRä. 

zanken s. ärgerlich. 

Zaunkönig tünJcöotl Dr, tünMnix LbHi; ein anderer kleiner Vogel 
ist der dirnkrhpar Dr, nicht in LbHi. 

Zeiger an der Uhr ve^er^r, überall. 

zerren = ärgern, tarjan PaJHsRiTh, tsarn WoBiGwLoHoScha 
PaHsGrRäDrLbHi ; tsarn wird nur vom wirklichen Herumreissen ge- 
sagt in J. Daneben tsavarn Gr, narn DrRa. Das daraus folgende 
Schreien blarn überall; daneben hoarn, hw^(a)kdn DrRa. 

Ziege tsikd^ der Lockruf ist niva DrHiRa. 

zottelig tsiüix WoBiGw, tsüdalix LoHoSchaPaHs, tsorlix DrHi, 
tsorllix JHs, tsordalix Ri; pudolix GrTh, pulUx DrHi. 

ZngYorrichtmig s. Pflugschar. 

Zunge rausstecken s. blöken. 



80 

Zunder, motd nirgends bekannt, dam WofBifGwLoHoNiKScha) 
PaJGrRiThLbHiWr, oraw Hs, ormol RäDrLb; dazu das Verb et olnmt 
af JWr, et ölmart af ThHi, örmdt Hs, ormdlt RiRäDrLbRa. vinnormdl, 
auch b^dhdnormdl Dr. tundwbüsd überall. 

Zweig tdk GrThDrRi, takd WoBiGw, tdkan Lo. äplant9 WoBi 
GwLoHoNiSchaPaJHsGrRiTh, äplanäa Dr, planäa RäLbHi. mih zum 
Stützen der Wäscheleinen etc. überall. 

Zwetzschen s. Rose. 

DÜSSELDORF. G. Krause. 



Bl 



Idiotismen 
des Fiensbupger Plattdeutsch. 



Abbeldvvatseli adj. mcht recht klug. 

Afscliapeien v. sich trollen. 

Aftrekken v. entkleiden. Min Frn schall 

de Kinncr aftrekken. 
Akkcwars suhst*) pl. Umstände, z. B. 

He makt so veel Akkewars mit sin 

vertagene Kinn er. 
Anfängen v. anzünden. Lampenfangcr 

= Laternenanzünder. 
Bang adj. l) hange, 2) knauserig. 
liastelelen adj. alabastern, z. B. en 

basteleien Pipenkopp. 
Bilebeer suhst. Bickbeere, Heidelbeere. 

(engl, bilberry.) 
ßleler subst. Pudel beim Kegelspiel. 

He smitt immer en Bleier. 
ßodderliex subst. Pilz, 
ßollen adj. entzündet. Ick heif en bellen 

Finger. 
Bolmen v. Grund finden. In dit Water 

kann ick nich bolmen. 
Bötling subst. Hammel. 
Braffeln v. verächtliche Bezeichnung für 

lautes Darauflosreden. 
Buken v. gründliche Betreibung der 

Wäsche mit „Bükklappern" d, i. 

Waschhölzern. 
Bantfatt^rer subst. Kürschner, 
Üäs subst. Gestank, z. B. Kattendäs. 
Diekstoek subst. corpulentes Mädchen. 
IHngenot subst. Bing (scherzioeise ge- 
braucht wie anderswo „Kramstück"). 
Drift subst. Werg. 
Druf adj. schlaff. 
Drnmpel subst. hartes Excrement. 



Dubb adj. stumpf. Dat dubbe Enne 
vonne Stokk oder vonne Stang (im 
Gegensatz zur Spitze). 

Daft subst. Bank in einem Boot. 

Daten v. durch einen silbenweise auf die 
Einzelnen verteilten Vers bestimmen, 
wer beim Spiele eine bestimmte Rolle 
übernehmen soll. 

D'dsterie sul^t. Arbeitshaus. Ile sitt 
inne Düsterie = Er sitzt im Indnstrie- 
(d. i. Arbeits-) Hause. 

Daxen v. beim Ball- oder Läuferspiel 
jemand oder etwas mit dem Ball oder 
Läufer treffen. 

Dwarsdriwer subst. Querkopf. 

Dwerlg adj wida'haarig, widersetzlich 

Eierdiittel subst. 1) Eidotter, 2) die 
Blume TroUius ICuropaeus. 

Eiermaan subst Ein früheres ring- 
förmiges Gebäck im Herzogtum Schles- 
wig. 

Eritsch subst. Hänfliny. 

Fänstern v. mit den Fäusten einen 
Unberufenen an die Luft setzen. 

Fei adj. u. adv. gewaltig, sehr; vielUicht 
das dänische farlig (= gefährlich), 
welches ouch die obige Bedeutung hat. 

Fimmeln nn fammeln v. unnötiger Weise 
etwas belasten. 

Fletig adj. von feinem Knochenbau. 

Flipen v. flennen, verächtliche Bezeich- 
nung für weinen. 

Flor subst. Reihenbildung bei Spielen 
und Aufzügen. «Inne Flor" fahren 
hintereinander gestellte Schlitten eine 



*) Eine Unterscheidung der Geschlechter kommt im Flensb. Flattd. selten zum Ausdruck. 
Niederdeutsches Jahrbuch XXVI. • Q 



82 



Anhöhe hinunter ^ wenn die darauf 
sitzenden Knaben durch an beiden 
Seiten {rechts und links) angefasste 
Steuerstangen jene zu einem zusammen- 
hängenden Fahrzeuge verbunden halten. 

Frostkötel*) subst Verächtliche Be- 
zeichnung eines gegen Kälte empfind- 
lichen Menschen. 

Gap -Ei subst. „Wist du {willst du) en 
Gapei hemm" sagt man Kindern, die 
mit aufgesperrtem Munde Leuten durch 
die Fenster gaffen, 

Gapstock subst. Einer der immer den 
Mund geöffnet hält. 

Hacken v. auf der Glitsche durch 
schnelleres Nachfolgen zu Fall zu 
bringen suchen. 

Halfplank subst. ein kleines Branntwein- 
mass. 

Haniborger 1) Hamburger, 2) ein Tanz 
(Schottisch), 3) eine aus Schwarz- und 
Weissbrot besiehende Doppelschnitte. 

Hellbessen subst. eine böse Sieben, ein 
Hausdrache, 

Hellewes oder Hellefäs (Höllenwesen?), 
z. B. de Lüde maken so veel Hellewes 
darvun: die Leute machen davon so 
viel Aufhebens. 

Helling subst. Schiffshelgen. 

Hipp am Happ d. i. eins wie das andere. 

Holken v, höhlen. 

Honnigpoten subst. pl. Hagebutten. 

Huk subst. die hockende Stellung. Se 
sitt inne Huk. 

11k subst. Iltis. 

Jäckert subst. Jacke. Pijäckert ein 
Kleidungstück der Matrosen. 

Jamsch adj. Lüstern nach gewissen 
Speisen, wie schtoangere Frauen zu 
sein pflegen. 

Janken v. vor Schmerz ächzen. 

Jichtens adv. irgend. Wenn ick jichtens 
kann etc. 

Junger Jeck! Beteuerung von Knabeu 
gebraucht = fürioahr, aber injocoser 
Weise. 



Kackedus subst. weiches Excrement {ob 
französisch ?) 

Kannten subst.pl. Genossen (ursprünglich 
Mitglieder der Gilde St. Kanuti aus 
dem 12. Jahrhundert). 

Kelling subst. das Junge einer Katze. 

Kiker auch römischer Kiker suhst. 
Flaschapfel. 

Kinkhusten subst. Keichhusten. 

Kleien v. intr. weh thun, „Wenn du 
sleist, dat kielt nich en beten." 

Kleene Thomas Zaunkönig. 

Klexpapier subst. Löschblatt. 

Kliister subst. (engl. Cluster), eine Traube 
von Nüssen. „Ick heff en Dreklüster; 
nu heff ick en Veerklüster ! 

Knatz subst. Krätze; knatzig = mit 
Krätze behaftet. 

Kniptang 1) Kneifzange, 2) Scherzhafte 
Bezeichnung für den Frack. 

Köpgesell subst. Handlungscommis. 

Krack subst. ein altes elendes Pferd, 
Schindmähre. 

Krall oder Kattenkrall subst. Eine 
eigentümliche Verschlingung der Peü- 
schenschnur zur Verstärkung des 
Schlages. 

Kretling maken — die Spielregeln 
absichtlich verletzen. 

Lawen v. versprechen. 

Leckschie subst Goldammer. 

Leg adj. seicht. Hier is dat Water man leg. 

Lchmtrei subst. Die Grube, in welcher 
der Ziegler den Lehm zu Brei ver- 
arbeitet. 

Loi adj. träge. 

Lor subst. Lade. Schnflor = Schublade. 

Lammer subst. Lombard, Jjeihhaus. 

Lampen v. humpeln, hinken. 

Läsen v, von Läusen reinigen. Scherz- 
weise sagt man auch „de Appelboom 
lusen" = den Ä. plündern. 

Macker subst. Der eine Gegenstand 
eines Paares im Verhältniss zum 
andern. Z. B. De hiere Stewel is de 
Macker to de dore. 



*) Das ö bezeichnet hier wie häufig den Mittellaiit zwischen ä und ö. 



SB 



3lai subst Eine Wiese (plattd. Wisch) 

in der Nähe des Eigentümers. 
Mall adj. ausgelassen, albern. 
Mars subst. grosse Anstrengung; sick 

afmarsen = sich abmühen. 
Masehepie (aus dem Holländischen) subst. 

verächtliche Gesellschaft. 
Meik subst. Wurm. 
Mnck subst. Krug oder Guss für Kaffee, 

Punsch etc. 
Miinne (osculum) subst. Kuss. 
Nonnentitten subst. plur. Flaschäpfel 

vergl. u. Kiker. 
Nötfink subst. Geizhagen, Geizhals. 
Nötscliiter subst. hat dieselbe Bedeutung 

wie Nötfink. 
Ower kön (über können) körperlich über- 
legen sein. Fritz kann Krischan ower. 
Paddemang subst. (Appartement) Abort. 
Peeken subst. plur. — Binsen. 
Plück subst. membrum virile. 
Plannen subst. plur. Lumpen. 
Pottschent adj. (patient) krank. 
Poltloli subst. Graphit. 
Pusserund subst. ein weites Kindergewand. 
Unack subst. Würger, Neuntöter ( Vogel). 
Regatt subst. So 'n lange Regatt! = 

So ein langer Kerl! 
Rammeln v. die Schule schwänzen. 
Rfisig adj rauh (vom Wetter). 
Saifeln i\ den Speichel aus dem Munde 

fliessen lassen. Dat Kind saffelt. 
Saffelbörtehen subst. ein Latz, um das 

Kleid des Kindes gegen das Sa ff ein 

zu schützen. 
Satz Tüeh = Anzug. 
Scliapp subst. 1) Schrank, 2) der Zustand 

der Strasse bei halb aufgetautem Schnee. 
Schau (Schuf, Schufkanal, Kanal) = 

gaiidium. 
Scheele Wipp — Schimpficort für einen 

Schielenden. 
Scheerkrabb subst. Taschenkrebs. 
Schnatt (Snatt) subst. 1) Nasenschleim 

(Snattige Jung = Rotznase), 2) Qualle, 

Meduse. 
Schreifei subst. Knarre (Kinderspielzeug). 



Selirubb subst Feld, das in alten Zeiten 
mit Gestrüpp bewachsen war. 

Sclittbben v. stossen. 

Schädden v. bezeichnet das Einschliessen 
des entlaufenen Viehs in den Schüdd- 
kaaf (= Schüddkofen ?) durch den 
Markpiann (Feldhüter, anderswo auch 
Schüdder genannt). 

Sehnssen subst. plur. EisscJiollen. Up 
Schüssen seiein = Auf Schollen segeln. 

Seep subst. die Bmke auf einer geheilten 
Wunde, auch am entzündeten Auge. 

Seira ! Freie Bahn ! Warnungsruf beim 
Schlittenfahren und Glitschen. 

Sick subst. Senkung des Terrains; en 
Sickmöhl = eine Windmühle, die aus- 
nahmsweise in einer Senkung liegt. 

Slarren subst. plur. Pantoffel, die aus 
Stiefeln durch Abschneiden der Schäfte 
hergestellt sind. 

Slai'S subst. Schaar, Haufe, z. B. von 
Strassen jungen. 

Slepschoh subst. Hemmschuh. 

Smeck subst. Ein zum Zwecke des 
Klatschens [hier Knallens) an eine 
Peitschenschnur befestigter, am Ende 
aufgelöster Faden. 

Smerpäsel subst. Schmierfinke. 

Snaueln (auch schnaueln) v. 1) eine un- 
appetitliche Art PHüssigkeiten zu 
gemessen, 2) durch die Nase sprechen. 

Snick um Snaek! = Lirum Larum! 
Geschwätz! 

Spet, Spit subst. Ein Spatenstich oder 
Spatenwurf. 

Sprock subst. dürres Reisig. 

Spült subst. dicke, holzige Baumwurzel. 

Stakkel subst. (dän. abe^' auch bis nach 
Holstein verbreitet, vgl. Klaus Groth 
Quickborn) Armer, Elender, Schwäch- 
ling. 

Stakkels adj. de stakkels Jung. 

Stjamp subst. Tropf. 

Studenteuhavver subst. Mandeln und 
Rosinen. 

Svveien v. bezeichnet die nicht beabsich- 
tigte Seitwärtsbewegung eines Schlittens 

Q* 



S4 



oder Wagens bei veränderter Fahr- 
richtung (auch eines Schiffes). 

Swengen v. schaukeln (auf einer Strick- 
schaukel vergl. „wunkeln"). 

Swncliten v. mit Wucht in die Höhe 
bringen, 

Swnlpen v, wogen (von den Wellen und 
dem, was darauf schwimmt. 

Swutschen verb. ausschweifend leben. 

Taxboom subst. Weihnachtsbaum {aber 
nicht Taxus, sondern Tanne). 

Tegelhof subst. Ziegelei. 

Telling subst. Zweig. 

Tipehöhn (Kosewort) Huhn. 

Tobacksblom subst. Kornblume, Cyane. 

Topsalat subst. Kopfsalat. 

Trarden v. ein langgezogenes, inhalts- 
loses Geschwätz führen. 

Turn Gefängniss. 

Umbringen v. in die Nachbarschaft 
geleiten oder von da nach Hause. Ick 
will min Fru umbringen. (Vergl. 
Aftrekken.) 

Umkamen v. die Nachbarschaft besuchen. 

Up eben slicbt ohne weiteres. 

Up slem angelehnt. De Dör steit up 
slem die Thür ist nur angelehnt, 
nicht geschlossen. 

Uprüffeln v. Gestricktes auflösen. 



Upschack subst. Lästiger Verkehr, den 
man sich aufgeladen hat. 

Utiiten v. Jemandem mit übereinander 
gestrichenen Zeigefingern höhnend „fit 
fit" (auch mit dem Zusatz „lange Näs") 
zurufen, wie anderswo etsch, etsch! 

Verband subst. Einband eines Buches. 

Vereten adj. (hochdeutsch auch veressen) 
gefrässig, z. B. de veretene Jung 

Vepjulern v. verlottern. 

Votz (verstärkt Schitvotz) = cunnus? 
Schimpfwort für ein unverschämtes 
(nicJU eigentlich unsittliches) Frauen- 
zimmer. 

Welp subst. der ganz junge Hund. 

Wichel subst. Q'erte (nicht nur von einer 
Weide, sondern auch von andern 
Bäumen). 

Wischlerer subst. Gummi elasticum. 

Woien v. waten. 

Wrein adj. verdriessUch. De Jung is so 
wrein, d. h. er ist in der Laune, dass 
ihm nichts recht ist. 

Wpümllng subst. nussgrosses Gebäck aus 
den Besten des Backtrogs, welches in 
grosser Zahl die Kinder kaufen, um 
am Sonntagabend darum zu spielen. 

Wüden v. gäten, jäten. 

Wunkeln v. schaukeln (auf einem Brett 
vergl. Swengen). 

Wankelperd subst. Schaukelpferd. 



FLENSBURG. 



H. Hansen. 



85 



Friedrieh Wilhelm Albreeht, 

der Verfasser der Plattdeatschen Gedichte von einem altmärkischen 

Landmann. 



In den Jahren 1817 und 1818 erschienen ^Plattdeutsche Gedichte 
von einem altmärkischen Landmann*^, denen 1822 eine zweite unver- 
änderte Auflage und ein dritter Band folgten. Der Verfasser hatte 
sich nicht genannt und wollte seinen Namen auch offenbar nicht ge- 
nannt wissen; denn in einem Zwiegespräch zwischen ;,Book*^ und 
^Bookdrücker^ im 1. Bande Seite 8^) heisst es: 

Book: 
Kann he mi wol nich Eundschap gäwen, 
Wer in de Ollmark mi hat schräwen, 
Wer, so to seng'n, mien Voader is? 

Bookdrücker : 
Dät kriegen Väle nich to weeten, 
Wie ähre rechte Väder heeten. — 
Nu froag nich werr' so näsewies. 

Auf dem Titelblatt der ersten Auflage heisst es vom Autor bloss, 
er sei ein altmärkischer Landmann; und in dieser Maske tritt er auch 
in mehreren seiner Gedichte hervor: er habe eine ;,KosterstelP, 
müsse sich tagtäglich ^met Woag un Ploog strapseer'n^ und mühsam 
mit seinem ^Ossenspann" das Brot für seine Familie verdienen. Aber 
unbekannt war sein wirklicher Name doch nicht geblieben; Danneil 
erwähnt ihn in der Vorrede zu seinem Wörterbuch der altmärkisch- 
plattdeutschen Mundart. Das scheint indes nicht beachtet worden zu 
sein; Seelmann wenigstens (Ndd. Jb. 22, 125) und Goedeke (IIP, 1249) 
kennen den Namen nicht. Als mir Herr Professor Dr. Bremer, 
der mich zu dieser Arbeit angeregt hat und dem ich wegen mannig- 
fachen dabei erteilten Rates und wegen ihrer Durchsicht zu grossem 
Danke verpflichtet bin, die Gedichte des ^Anonymus" übergab 
mit der Bitte, sie auf ihr Verhältnis zu Bornemann hin zu prüfen, 
da drängten sich mir zwar allerlei Vermutungen auf über Stand und 
Lebensverhältnisse des Autors. Es war auch möglich, ein bestimmtes 
Gebiet der Altmark anzugeben, dem er einzelnen Stellen seiner Ge- 
dichte nach angehört haben müsse. Aber über seinen Namen wollte 
sich nichts ermitteln lassen, bis mir jene Stelle Danneils zu Gesichte 
kam, wo er sagt (S. IV f.): ^Verfasser derselben [d. i. unserer Ge- 
dichte] ist der in Gross-Beuster bei Seehausen verstorbene Pastor 
Albrecht^. Auf meine Bitte teilte mir dann Herr Handel, Pfarrer 



*) So weit es ging, ist überall nach den ersten Auflagen zitiert. — Zitate 
sind zum Teil auch deshalb so reichlich gegeben worden, um einen Eindruck von 
Albrechts Gedichten zu verschaffen, die den meisten Lesern nicht zur Hand sein 
werden. 



86 

zu Gross-Beuster, die Daten gütigst mit, die ich im Folgenden bringe, 
und ich danke ihm hier bestens für seine Bemühungen. 

Friedrich Wilhelm Albrecht wurde am 4. Oktober 1774 zu 
Lindenberg, einem Dorfe etwa eine Meile westlich von Seehausen i. 
A., geboren, wo sein Vater Pastor war. Er besuchte die Schule zu 
Gardelegen, dann das Graue Kloster in Berlin und bezog im Jahre 
1795 die Universität Halle, um Theologie zu studieren. 1797 kehrte 
er nach Hause zurück und erhielt eine Anstellung beim Amtmann 
Lindemann zu Bretsch, einem Dorfe, das auf dem halben Wege von 
Osterburg nach Arendsee liegt. Gleichzeitig versah' er von hier aus 
zwei Jahre lang das Amt eines Prädikanten bei seinem betagten 
Vater in Lindenberg. 1800 wurde er Pastor in Höwisch, einem Dorfe 
südwestlich von seinem Heimatorte, und 1824 kam er als Pfarrer 
nach Gross-Beuster, nördlich von Seehausen i. A., wo er am 8. Januar 
1840 gestorben ist. 

Was ihm Anlass zum Dichten oder richtiger zum Reimen ge- 
geben hat, und wie seine Gedichte entstanden sind, sagt er selber in 
seinem ;,Breef an mienen Fründ un Vadder N. N. in X. im Ilärwst 
1816^^ (Band 1 S. 3)i): 

Gevaddersmann ! Poeterei 
Is doch keen Narensposs. 
Een krigt für sien' Schnurrpieperei 
Doch manchen blanken Foss. 

Sonn' Kräten koamen uns upstuuz 
Doch goar to roar to Pass. 
Et werd bi Ju sin as bi uns, 
Keen Koam is in dem Tass. 

Nu kann 'k von miener Kosterstell 
Mien Brot nich mehr betehn. 
Der leewen Kinner hew ick väl' 
AU' munter up de Been, 

Un in dem Moagen kärgesund, 
De schreien: giw uns Brot! 
Uns hungert alle wie en Hund! 
Nu denk di sonne Not. 

All Joahr un Dag was ik in Sorg, 
Mien Büdel word so schlapp; 
Ick uamm all düt un dät to Borg, 
Un allens word mi knapp. 

„Müst dichten", dacht' ick armer Wicht. 
Uut Geliert feel mi bi 
De Satz: „siegst du durch Verse nicht, 
Jesmin, so siegst du nie". 

Nu, frisch gewoagt is halw gewunn'n; 
Dät Sprichword kennst doch ook. 



*) Diesen „Vadder" und Freund, an den sich Albrecht so oft in seinen Ge- 
dichten wendet und zu dem er offenbar in sehr freundschaftlichen Beziehungen 
gestanden hat, habe ich nicht ermitteln können trotz vielfacher Bemühungen, bei 
denen mich besonders Herr Pastor Brachmann in Höwisch in dankenswerter 
Weise unterstützte. 



87 



Werd ümmer Boag an Boagen bunu'u, 
Denn werd't toletzt en Book. 

Ik sett'te mi an minen Disch, 
Stoppt' mi 'ne Piep un rookt' 
Un dresselt' Versehe, ümmer frisch, 
Dät mi de Kopp so schmookt'. 



Aelmlich schreibt er am Anfang des zweiten Bandes S. 3 in 
einem andern „Breef an mienen Fründ un Vadder N. N. in X.^: 

Ick will all werr' en groten Pack 
Gedicht' to Marchte breng'n. 

Du weetst, ick hew so mänchet Stück 
Vor Joahr un Dag all sung'n, 
Un doaför is in miene Fick 
Manch blanker Batzen klung'n. 

Gott sei gedankt! ick hew nu werr' 
En bittschen mi verhoalt, 
An alle miene Glööwiger 
De olle Schuld betoahlt. 

Ick hew werr' heele Strümp un Schob 
Un heelen Rock un West 
Un Wamms un Hoasen noch doato 
Für Werkeldag un Fest. 

Ick hew nu werr' för Pickelkens 
Wat up dät Kaff to meng'n; 
Ick hew werr' wat für Tickelkens, 
Dät s' flietig Eier leng'n. 

Wat dütmoal nu de Fruu'n un Iler'u, 
De Jungen un de Oll'n 
An Gold un Sülwer mi bescher'n, 
Doavan wick nist beholl'n. 

För Krieger, de dem Franzmann moal 
So up den Kittel ging'n, 
Dät he sick moakte up de Soahl, 
För de wick dütmoal sing'n.*) 

För de, de potenloahm un blind 
För ^t leewe Voaderland 
Terhauen un terschoaten sünd 
Un de dörch Dreck und Sand, 

Dörch Dick un Dünn, dörch Week un Hart 
Met ähren blanken Kling'n 
Dem ollen Neppel Bonapart 
So up dät Lädder gingen, 

Sonn Infeliden schmööken gärn 
En Piepken Stang'n Toback; 
Den kann de Stoat em nich beschehr'n. 
De is noch lack un spack. 

Mag denn mien Bökelken för se 
Eenmoal Tobacksgeld sin. 
Wol manchem däh de Foot nich weh. 
Wenn he man schmööken künn. 

As unsen Kriegern d' meiste Mann 
Got wat tofleeten leet. 
Dünn was ick sülwsten öäwel dran, 
Har rieklich mien Packet. 



^) Auf dem Titelblatt der ersten Auflage des 2. Bandes steht: „zum Besten 
<ler preussischen Invaliden". 



88 

Ball kernen Truppen in Quarteer; 
Baschkir, Ealmuck, Eosack 
Vertährten Fleesch un Brot un Beer, 
Verschmöökten den Toback. 

Ball kämm en Liew'rungszettel au 
Up Stroh un Heu un Koarn; 
Denn musste werr' de Büdel ran. 
So Word en ümmer schoar'n. 

Un doato kämm, se leeten dünn 
Mi nich moal mienen Knecht, 
Den ick doch goar nich missen kuun; 
Dät Land musst' jo torecht. 

Nä, doa Word nich noa hengesehn, 
Dät ick so klapprich was. 
Noaher, im Aust, quält' ick allecn 
Mien Koarn in mienen Tass. 

Ick stümperte un humpelte 
So allerwärts umher; 
Ook miene Ollsch kassümpelte 
Sick möüg un morsch un mär. 

As ick noaher 'ne Krankheit kreeg, 
Ging allens in d' Rappuus'. 
Ick Word so elend un so leeg 
Un kunn nich uut dem IIuus'. 

Met Gottes Hülpe kämm ick drup 
Noch moal werr' up de Been. — — 

Im Kriege, segg ick di, 
Kamm ick gefährlich in de Bruch'; 
De Versehe rett'ten mi. 

Gevaddersmann! Poeterei 
Is keene Narrensposs; 
Ick kreeg för miene Schriewerei 
So manchen blanken Foss. 

Un dekt noa Joahr un Dag mi noch 
Nich Kerkhofs köhler Saud, 
So moak ick wol noch eeneu Tog 
Un schriew den drütten Band. 

Wiss is denn Holland werr' in Not 
Un all's werr' up de Neeg'. 
Ook 't söäwent' Kind*) itt denn all Brot; 
Jitzt ligt 't noch in de Weeg'. 

Endlich noch aus dem ;,Breef an mienen Fründ un Vadder N. N. 
in X. im Sommer 1818'' (3. Bd., S. 1); 

Een werd ganz wibbel-wabbelich, 
Wenn man sien' Schüün besüht. 
Ook Bär'n un Pluumen gaw et nich 
In langer leewer Tiet. 

„Ach! Voader", sah uns' Mutter hüüt, 
As se klein Fritzken söögt', 
De TüfFeln, seh ick wiet un siet, 
Sund alltohoop verdrögt. 



*) Ebenso heisst es 3. Band S. 22: 

Denn ick hew en Stücker söäwen 
Leewe Kinner up de Been 

Bei seinem Tode hiuterliess Albrecht, wie Herr Pfarrer Handel mir mitteilt, 7 
Kinder, von denen 6 schon majorenn waren. Sie sind alle vor 1824 geboren. 



89 

To gluupsch kam em de Sunnenstroahl, 
Keen Regen hat se kohlt; 
De Mollworm hat ook up un doahl 
Den ganzen Goarn terwöhlt." 

„Recht tum Ruin is 't ingericht't. 
Kam nu doch man de Dod! 
Denn wer erst up den Kerkhof ligt, 
De weet van keener Not." 

I, Mutter! sah ick, schäm Di wat 
Un stähne morgen mehr. 
Wi werren jo noch ümmer satt; 
Goah doch nicht so to Kehr. 

Ick soadle werr' den Pegoasus 
Un hoal werr' wat heran; 
Reik mi man erst en Fidibus, 
Dät ick Eens schmööken kann. 

So, Vadder, hat de schlechte Tiet 
Mi werr' tum Singen twung'n, 
Un ick hew werrer dät un dütt 
Noa miener Wiese sung'n. 

Nu, etwas brengt et ümmer in. 
De Mann met sienem Strich, 
Mag he ook noch so kurrig sin, 
Deit mi den Damp noch nich. 

Wenn't dütmoal handlich schäpeln woll. 
Denn kam ick in de WuU; 
Mien Büdel is werr^ hoU un boU, 
Denn worr he werrer vull. 

Es liegt kein Grund vor, diesen Worten Albrechts keinen Glauben 
zu schenken und sie für blosse dichterische Fiction zu halten; im 
Gegenteil, viele Umstände machen es sehr wahrscheinlich, dass er hier 
die reine Wahrheit gesagt hat. Wir werden noch sehen, dass er that- 
sächlich in den Jahren 1806 — 1815 in sehr dürftigen VerhältJhissen 
lebte, und dass es ihm schwer wurde, seine Familie zu ernähren. [Vgl. 
S. 108 u. 109.] Erst als Friedrich Wilhelm III. die Regierung in der 
Altmark von neuem übernahm und wieder geordnete Verhältnisse ein- 
führte, besserte sich auch die Lage Albrechts. Aber es waren natür- 
lich nun nicht mit einem Male all die Schäden und Nachteile und 
Verluste beseitigt, die die Jahre Napoleons und Jeromes unserm Al- 
brecht gebracht hatten, sondern — das dürfen wir ihm ruhig glauben 
— er wird noch längere Zeit daran zu tragen gehabt haben, und 
die Schulden wollten ja auch getilgt sein, die er im Laufe jener Jahre 
aufgenommen hatte. Da kam er denn auf den Gedanken, sich eine 
Xebeneinnahme zu verschaffen, und zwar dadurch, dass er seine Ge- 
wandtheit im Reimen ausschlachtete und Gedichte fabrizierte. Und 
wie er gerade auf diesen Gedanken kam, auch das ist begreiflich. 
Bornemanns plattdeutsche Gedichte, die im Jahre 1810 zum ersten 
Mal erschienen waren, hatten grossen Anklang gefunden und waren 
vom Publikum mit solcher Teilnahme aufgenommen worden, dass 
18 IG ein zweiter Band plattdeutscher Gedichte und eine zweite ver- 
mehrte Auflage des ersten Bandes erscheinen konnte, und dass der 
Verfasser in dem Vorwort zum zweiten Bändchen zu sagen wagte, 
seine ^harmlosen Gedichte seien zum Teil Volkssprüchlein geworden.*' 



90 

Das reizte Albrecht. Er war ja auch ein Kind des niederdeutschen 
Sprachgebietes und sah in der plattdeutschen Mundart seine eigent- 
liche Muttersprache, die Sprache, in der er gross geworden war und 
in der er sich heimischer fiihlte als in der hochdeutschen. Diese 
betrachtete er als einen Eindringling; sie habe so lange ^schmiechelt 
un hüüchelt, sick andoahn un fossschwänzt, scherwenzelt un fiechelf^, 
bis sie wirklich Bürger und Bauern — es ist hier natürlich nur an 
die Altmark zu denken — für sich gewonnen habe, um nunmehr da- 
mit zu beginnen, die niederdeutsche Schwester zu verdrängen und 
„an de Halwe to breng'n". (2. Bd., S. I). Bornemann hatte nun 
angefangen, für die plattdeutsche Sprache wieder mehr Interesse zu 
erwecken, der schon viele „kein Plätzchen in Deutschland mehr gönnen 
wollten^ (Albrecht, 2. Bd., S. I). Und Albrecht liebte seine Mutter- 
sprache noch mehr als Bornemann. Er hasste geradezu das Hoch- 
deutsche (2. Bd., S. I f.): 

Düütsche! o Landslüüde! hörten Ji mi, 

Denn war 't met dem hochdüütschen Plunner vörbi. — — 

nehmt doch de Soake moal recht in de Moak 

Un joagt doch tum Düwel de hochdüütsche Sproak ! 

Was Wunder, wenn auch er, der in der niederdeutschen Sprache lebte 
und webte, es sich zutraute, plattdeutsche Art sich zu geben und 
sich auszudrücken, plattdeutsches Empfinden und Denken in gebun- 
dener Rede zur Darstellung zu bringen. So wurde das Beispiel und 
der Erfolg Bornemanns für Albrecht Veranlassung, sich aus den 
materiellen Verlegenheiten dadurch zu helfen, dass er sich in platt- 
deutschen Gedichten versuchte. 

Er besass nun freilich kein bedeutendes poetisches Talent und 
war feicli dessen auch wohl bewusst. Nicht von ;, grossen Helden- 
thaten" wolle er singen, nicht von „Wein und Liebe^, 

So de groten Hofpoeten 

Möägen doa wol mehr van weeten (3. Bd., S. 25). 

Was er bringen wolle, sei nur eine ^Landmannstoafel", 

Wovon man twoars nich väP Gericht', 

Doch* Hausmannskost to äten krigt. (Einl. zum 1. Bd.) 

Mien' Afsicht is man blot, den Hoogen un Geringen 

Tum Oawend-Tietverdriew en Bäten vär to singen, 

En Häppken Woakelköst ju allen up to dischen 

Un so dät Läwen ju en Bittschen up to frischen. (Einl. zum 3. Bd.) 

Er wandte sich also Stoffen zu, die ihm am nächsten lagen, dem 
bäuerlichen Leben und Treiben und all jenen kleinen, sich jährlich 
wiederholenden Ereignissen, die eine Abwechslung in das Leben des 
Landmanns bringen und deshalb für ihn eine grössere Bedeutung 
haben. Es lag auch nahe, auf die wichtigsten Zeitereignisse ein- 
zugehen, die auch in das ländliche Leben der Altmark tief eingriffen, 
und kleine Episoden aus jenen Tagen zu behandeln. 

All das hatte aber schon vor ihm Bornemann gethan, und 
so ist es nicht gar verwunderlich, dass er sich ihm enger anschloss, 



91 

sich an ihn anlehnte wie der Schüler an den Meister und einzelne 
Richtungen desselben weiter ausbildete, während er andere vernach- 
lässigte, wie es seiner p]igenart nun eben entsprach. Albrecht 
hat — das beweisen seine Gedichte ganz deutlich — Bornemann 
geradezu studiert und ihn völlig in sich aufgenommen, nicht nur 
das kleine Bändchen vom Jahre 1810, sondern auch die beiden 
Bücher des Jahres 1816. Und da das erste Heft der Albrechtschen 
Gedichte schon 1817 erschien, und in diesem Bande mehrere Gedichte 
erst 1816 entstanden sein können, andere so starke Anklänge an 
Gedichte Bornemanns aus den Bänden des Jahres 1816 aufweisen, 
dass sie erst nach der Lektüre des zweiten Bandes der Bornemann- 
sehen Lyrik, also auch erst im Jahre 1816 verfasst sein können, und 
da endlich kein einziges Gedicht Albrechts — auch keins, das auf 
Zeitereignisse Bezug nimmt — fordert, seine Entstehung vor 1816 zu 
setzen, so haben wir hier einen weiteren Beweis für die Wahrheit der 
Worte Albrechts, die wir am Anfang zitierten, dass er sich nämlich 
mit der festen Absicht zu dichten eines schönen Tages an seinen 
Schreibtisch setzte und 

Versehe dresselt', ümmer frisch, 
Dät mi de Kopp so schmookt\ 

bis er glücklich ein Buch zusammengereimt hatte. 

Bornemann also war ihm bei diesem Reimgeschäft Vorbild und 
Ideal. Er spielt sogar einmal direkt an auf eine Stelle eines Borne- 
mannschen Gedichtes,^) und mit dem B. Band 2, S. IX ist auch 
zweifellos Bornemann gemeint.^) 

Wie aber Albrecht sich auch stofflich an ihn anschloss und 
sogar so weit ging, die Situation fast unverändert beizubehalten, be- 
weist die Einwendung, die in dem Gedichte ;,Vör düssem un upstunz^ 



1. Bd., S. 32: 

„De linke Her [Jerome] is fleuten goahn!" 

Sung moal Her Bornemann; 

„Den rechten Hern [Friedr. Wilh. III.] sehn wi jitzt stoahn." 

Dät de regeeren kann, 

\Vi§'t sick gehört, weet alle Welt; 

Diese von Albrecht augeführte Stelle findet sich bei Bornemann im zweiten Bande 
S. 151 in dem Gedichte: „An miene Landslüd', de trüen Ollmärker (22. X. 
1813 nach der Leipziger Schlacht)", wo Bornemaun die Altmärker auffordert, 
Jerome zu verlassen und auf die Seite ihres angestammten Königs zu treten. Es 
heisst da: 

De linke Herr — is fleuten goahn, 

Den rechten Herrn — sehn jie zund stoahn 

In Herrlichkeit, in Macht und Pracht, 

Mit Gott un Volk hat He't vullbracht. 

Es steht da: 

Nä, plattdüütsche Sproake! noch säst du nich stärwen; 
För't Erste sali Keener noch't Spöll di verdärwen. 
Nä, nä, miene Heren! dät geit nich so schwinn; 
Denn müssten de B. un Consort nich mehr sin. 



92 

(3. Bd., S. 140) die Frau ihrem Manne macht, als er ihr erklärt, die 
Richter seien jetzt viel besser als früher, ^se plegten 

jitzt roar verstoahn 
Met Schwerdt un Woage ümtogoahn, 
Un nähmen nich Geschenke an. 

Hierauf erwidert nämlich die Frau: 

uns' Noawersmann 

Verteilte mi vor'n Dagger wat, 

He har so sien Betrachtung hat; 

Ganz mügt de Satz nich richtig sin, 

Ow he gliek nist bewiesen künn. 

Letzt har he moal in Kloagesoak'n 

Met sienem Heren Kichter sproak'n. 

As he war unnen an' Treppe koam'n, 

Har he doa boawen Lärm vernoahm'u. 

En Fruu'nvolk met en Kullerhoahn 

Har boawen up dem Huusflor stoahn 

Un har doch goar to knäglich schnackt. 

De Richter har se runnerrackt 

Un har ähr wollt den Puckel schmär'n 

Un seggt, se soll sick runner schär'n 

Un met dem ollen Kullerhoahn 

Hübsch unnen in de Köäke goahn. 

Wenn 't Diert nich all to moager war, 

Denn gäw' sien' Fruu ähr't Geld doaför. 

He har sick wat up't Horkent leggt, 

Fruu Richter har: bedank mi! seggt. 

Die Anregung zu dieser kleinen Geschichte hat eine Episode 
in dem Bornemannschen Gedichte ;,Sodom und Gomorra* (1. Bd., 
S. 43) gegeben, die dort beinahe ebenso lautet und von Albrecht nur 
etwas breiter ausgeführt worden ist. Bornemann erzählt den Vor- 
gang folgendermassen: 

En Pachter woll — dät loat die seng'n, 
Den Roathmaun hier en' Rehbuck breng'n. 
Plumps! schmeet he'n von de Treppen flur, 
Doch stund Madoam all up de Lu'r, 

Un fung so von den Treppen Schupp 
Fix in de Schürt den Pachter up 
Un excoseerte ären Mann 
Un namm mit Dank den Rehbuck ^u. 

Noch mehr fast sieht man dem Gedichte „Dät Notabene" 
(1. Bd., S. 107) an, dass es offenbar entstanden ist in Erinnerung 
an folgende Stelle aus dem Gedichte Bornemanns ;,Für Hagestolze" 
(2. Bd., S. 131): 

Wo will doa Tucht un goode Sitt 
Mit Unschuld holl'n den rechten Schritt, 
Wenn sonne Keerdels Dag un Nacht 
Man up Verführen sind bedacht.. 

Wie Kukuks-Vöägel so to seng'n 
Dät Ey in fremde Nester leng'u; 
De arme Grasmück ok sogoar 
Groot fuddern mütt de Panker-Woar. 



93 

Albrechts ^Notabene^ lautet: 

Vam Voagel Kuckuck is mi seggt, 
Dät he gärn siene Eier leggt 
In Grasmücksnester, de he fiud% 
Wenn d' Ollen nich to Huuse sünd. 

Fuck, fuck, flöög' he denn werrer ruut, 
Ilar wieder goar nist Arges druut; 
Un d' Grasmück war sonn' olle Goos 
Un bröügt' ook glieksen frisch up los. 

Dem Kuckuck loat ick dät passeer'n. 
Doch dät ook Minschenkinner gärn 
In frömde Nester Eier leng'n, 
Will ick hiemet tor Sproake breng'n. 

Viellicht nimmt mancher gode Mann 
So wat van Notabene dran, 
Sorgt, dat keen Kuckucksstreich geschüht. 
Wenn he oft Kuckucks fleegen süht. 

Ebenso erinnert Albrechts Gedicht ;,Kunzens Breef an sienen 
Yadder Kersten äwer de Kummödige*' (2 Bd., S. 39) stellenweis an 
zwei Bornemannsche Gedichte. Es heisst in Bornemanns Gedicht 
„Der Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 1806^ (1. Bd., S. 81): 

Hier heel'n de Kutschen hoageldick, 
Ick teilte aber twintig Stück. 

En Hus, gewaltig lümmeleert *), 
Doa sind se klumpwies rin spatzeert: 
Pots Schlag, wat mütten, feel mie in, 
Vor Bücke doa to melken sin! 

Twee Groschen Beergeld gaf ick dran, 
Rin was ick as en Eddelmann — 
De Lud sind hößich unerhört, 
Se hem dät Beergeld mie quiteert*) 

Toschauer wie de Sand Am Meer, 
Trumpeten, Pauken ok derto, 
Dät wimmelt in dät Lock man so. 

Und aus Bornemanns „Conzert zu Gross-Schöppenstädt^ (1. Bd., 
S. 111) kommt folgende Stelle in Betracht: 

De Musekanten kemen jitzt 
Dehls angeschlampt, dehls angeflizt; 
Sien Insterment en jeder namm 
Un stimmte los, so wie he kämm. — — 

Met ens was't still — frisch ging't nu los. 
Toerst de Trumpect höllisch blos, 
Denn keem'n de annem ok derto, 
Dät gaf en Lärm up Mordio. 

Dät Stück was woU so wiet recht schön. 
Doch woar keen Enn dran af tosehn. 
IleeVn se moal in, so was't man just, 
Dät se sick bittchen hem verpust. — — 

Nu hat 'ne blinkernde Madoam 
Un ok en Herr de Noten noahm, 



Die zweite Auflage von Bornemanns Gedichten giebt folgende Anmerkungen : 
^) illuminiert. ^) Die Einlassmarken scheint unser Bauersmann für eine Quittung 
zu halten. 



94 

Se moakt' en Knix, he 'n Servetör, 
Un doamit grölten se wat her. 

Gesichter schneden se dabie, 
Ganz wibbelwabbelig word mie: 
Bald schwunkten se, bald stun'n se stief, 
Als har'n se Kniepen in dät Lief. 

So oft se in de Huge steg'n 
Un in den Hals dät Kollern kreg^n, 
Sach ick den Moag^n sick orndlich hew^n, 
As woll'n se beid sich äwergew'n. 

Mit diesen beiden Stellen vergleiche man das Albrechtsche Gedicht, 
das hier ganz wiedergegeben ist: 

Ach, Vadder! wat giwt et för Nar'n in de Welt! 
Se hungern Di leewer un schläpen ähr Geld 
In't PuppenspöU, loopen sick ball uut dem Oadcn 
Un stoahn doa un kieken un schweeten un broadcn. 

Du weetst noa den Städen marscheer ick nich oft. 
Doch letzt har ick doahen moal Botter verkofft; 
Drüm musst' ick fürgot mienen Quärbüdel nehmen 
Un mi noa de Stadt to scharwuckeln bequämen. 

Mien Hannel was een, twee, dree afdoahn un ick 
Har'n ziemlichen Büdel vull Geld in de Fick. 
Ick drunk moal un moakte mi denn up de Hacken, 
Mi, wi sick gehört, uut dem Doahre to packen. 

Doa fung mien Her Beerschenker grifHachend an: 
„Will he nich moal in de Kummödige goahn? 
Uns' Kummödiganten verstoahn ähre Soaken, 
Broaw Bucksbüüdeleien un Faxen to moaken." 

Erst was ick noch twiewlich, doch dacht ick am Enn' : 
Kannst hüüt denn wol sacht en poar Groschen dran wenn'n, 
Müsst denken, dät Lock unner d' Nase ist oapen, 
Du hast et in Beer un in Brännwien versoapen. 

Hen tochten de Lüücl' ^^^ *o Woag un to Pär, 
As wenn sonn Hansworstkroam denn Wunner wat war. 
Ick dacht, as ick henkamm, dät Een mie wat narte; 
Ick kreeg för mien Blockstück 'ne luusige Koarte. 

So weesen s' mi in en olt müffiget Lock, 
Wo 't ook so noa allerlei Minschlichkeit rook. — 
Doa gaw't en Gedränge, dät't schier mi to duU was ; 
Ick glööw, dät de Kerk doa mien Law' nich so vull was. — 

Nu kämm de Muskanten ähr Stünnken heran; 
Dät Fiddeln un Piepen un Bloasen ging an. 
Wat de Di doa moakten, dät hat mi van allen 
Den Schnurrpiepereien am besten gefallen. 

Ball trat ook en Keerl un en Wiewstück hervor; 
De schneeden Gesichter un schnackten wat her. 
Een soll ook ball glööwen, se künn'n ähre Soaken; 
Doch dumm, Vadder Kersten! dumm loat 'k mi nich moaken. 

Denn up dem Thegoater stund förn en Gestell; 
Et har in de Breede wol ännert halw Ell', 
Sonn Ding as en Nachtstohl; un unner dem Plunner 
Stak sicher en Keerl orer Fruuenvolk drunner, 

Un blos em, so woahr ick Dien Vaddermann bttn, 
Den ganzen Hopphei van Kummödige in. 

Dreew' ick moal sonn NarrenspöU: — Hans will ick heeten! — 
Mien' Lüüd müssten allens van bunten to weeten. 

Düss' schnackten 't man noa, wie en Stoarmatz so klook. 
Nu, freilich, wenn't so geit: denn kann ick dät ook; 



95 

Dät mügt mi noch fehlen, to allen den Soaken 
De passigen Spriing' un Grimassen to moaken. 

Met eenmoal, doa kam en Aptheker to goahn, 
En Docter un Feldscherer kort hinneran; 
En Fruuenvolk lag doa, as woll se creperen, 
Düss' drüddehalw Docters, de sall'n se cureren. 

Dät Minsch ploagt de Leewe, ook meinten all wöck', 
Se heel wol all goar met de Karre im Dreck. — 
Wiss har wol ähr Voader broaw schallen un käwen; 
Nu lag se beschwiemt, kunn nich stärwen, nich läwen. 

Un wenn se so bölkte (met Ehren to mell'n), 
So klung dät, as wenn so de Waldesels bröirn. 
Bi all'n den Geschichten un allen den Fratzen 
WoU'n ümmer vor Lachen de Tokiekers platzen. 

Ach, Vadder! wat wer'n doa für Strunzein to Been! 
De dachten: (dät was an den Oogen to sehn) 
Sali di denn de Kättel der Leewe moal stäken. 
Dem Voader sall't wiss in de Nase nich jöäken. 

So sali et in allen Kummödigen sin; 
Verleewete Kroaten sünd äwerall drin; 
Bedeenters, de schlou ähre Herschap bedreegen, 
Un Kinner, de Voader un Mutter beleegen. 

Wat künn'n sonne OU'n uut den Kinnern wol tehn. 
De sülwst alle Doage sonn Narenspöll sehn? 
Drüm sünd ook in Städen so vöäl sonne Strunzein, 
De ümmer noa Mannslüden öögeln un schmunzeln. 

Dät veert' Gebot, wie ick't vor düssem hew bägt, 
Werd in de Kummödige groade verdrägt. 
So weren verdorwen unschüllige Kinner, 
Un so werd de Welt ümmer düUer un biinner. 

Mien' Deer'ns sollen leewer to Huuse wat dobn; 
Behüüpen de Tüffeln un stiepeln de Bohn. 
Eh'r ick se leet in de Kummödige fägen, 
Woll ick em jo leewer de Hälse ümdrägen. 

In diesem Falle aber beruhen die Anklänge des Albrechtschen 
Gedichtes an Stellen aus Gedichten Bornemanns nicht darauf, dass 
sich Albrecht unmittelbar an ihn angelehnt hat; sondern beide haben 
hier eine gemeinsame Quelle benutzt, freilich in sehr verschiedener 
Weise. Beide hatten sie in Halle studiert, und wenigstens Albrecht 
hatte wohl hier noch davon gehört, wie die Jenaer Studenten gar 
häufig in grossen Scharen nach Weimar zogen, um den dortigen, seit 
1791 von Goethe geleiteten Theateraufführungen beizuwohnen. Ja, 
wenn im Sommer die Weimarer Schauspieler in dem Halle benach- 
barten Lauchstädt Vorstellungen gaben, dann war wohl auch Albrecht 
mit vielen andern Commilitonen des öfteren dorthin gewandert, wie 
einige Jahre später Eichendorff, der davon so schön erzählt. Auf 
die Philister freilich machte das einen lächerlichen Eindruck, und 
der Bauer, an dem die frohen, ausgelassenen Scharen vorüberkamen, 
mochte verwundert den Kopf schütteln. Mancher Witz und manches 
Scherzgedicht auf das Weimarer und Lauchstädter Theater und auf 
seine grosse Anziehungskraft mögen in jenen Tagen entstanden sein 
und schnelle Verbreitung gefunden haben. So hat Firmenich in 
den „Völkerstimmen'' ein Gedicht „über die Theaterwut der Städter'^, 
das in Thüringen sehr beliebt und weit verbreitet gewesen zu sein 



96 

scheint. Denn Firmenich hat es in drei verschiedenen Fassungen — 
die eine stammt nach seiner Ausgabe aus dem Jahre 1807 — , aus 
der Arnstadt-Weimarer Gegend, aus dem Gebiet um Nordhausen und 
aus der Frankenhäuser Gegend im Schwarzburgischen. Albrecht und 
Bornemann haben es beide gekannt. Aber während der letztere sich 
durch dieses Gedicht nur hat anregen lassen, während er nur einzelne 
Momente aus ihm in seine beiden eben genannten Gedichte herüber- 
genommen hat und im übrigen selbständig ist, hat Albrecht es fast 
wörtlich in seinen Dialekt übertragen und nur wenig abgeändert. 
Man vergleiche das Albrechtsche Gedicht mit der Fassung bei Fir- 
menich (Bd. 2, S. 176^), die ihm am nächsten kommt und vielleicht 
die Form gewesen ist, in der es Albrecht kennen gelernt hat. 

Sehr auffallende Aehnlichkeiten weist ferner Albrechts „Do 
Schluck un de Schluck'' (1. Bd., S. 118) mit dem Gedichte Borne- 
manns ;,Der Schnaps^ (2. Bd., S. 55) auf. Bei Albrecht lautet es da: 

„Jung", sah mien Voader moal to mi, 
„En goden Schluck verlööw ick di, 
Doch wenn' di nich dät Nippent an, 
Süss hüst en ganz verdorw'ner Mann. 

Löttst du 't hi Eenen Schluck bewenn'n 
Air Doag' bet an dien säPges £nn\ 
Denn glööw du mi man sicherlich, 
Dät schoadet Liew un Seele nich. 

Klein bruukt he groade nich to sin, 
Süss rutscht he nich in'n Moagen rin; 
Sper du man wie en Kalw dät Muul 
Un nimm de beiden Backen vull. 

Denn is he got för Hitt un KüU, 
Erhöllt di ümmer flink un krill. 
Doch nippst du erst un nippst du oft, 
Büst du met Liew un Seel verkofft. 

Dät Suupent is 'ne schwoare Sünn', 
Un in de Bibel werst du finn'n, 
Dät Suupuut nich in Himmel kümmt 
ün dät sien Körper Schoaden nimmt. 



^) Als Probe seien ein paar Strophen aus dem Anfang mitgeteilt: 

Kanst de denke, Nachher Valten, de Narrn in der Walt, 
Die hongem dir löber on schleppen ähr Gald 
In Komödgen on lofen sich bahl uhs den Oden 
On stihn dort on gaffen on schwötzen wie Broten. 

Das Fahren on Rihten, das nahm gar keen Enge: 
Ech docht, willst doch oh a Paar Groschen dran wänge, 
Me gübt ju wühl vär a Mooskrätzer su väl, 
Wöröm noch amohl oh vär a Narrenspäl. 

Es war glich, als wenn me de Lihte do narrte, 
Denn vär mi Gald krögt' ech anne lompigte Karte, 
Domät wösen se mich hän. in a gruses Loch, 
Wu'ä noch allen, nur noch nischt Guten roch. 

Do mosst ech anne Länge erst gaffe on stih. 
Bis immer mi Lüte kamen amby: 
Of de Letzte, do war dir 's au su a Gewärge — 
Su ducke kommen se noch in de Kärche. 



97 



Bornemaiin beginnt so: 

Mutter! gif en Schnaps! — denn mie 

Is so wab belieb, 

Bitchen Solt un Brodt doabi^ 

B Otter brukt et nich. 

Bin ick doch wie nie geboar'n 

Von den enz'gen Schluck! 

Hat im Liewe mi gefroar'n, 

Immer Kuck um Ruck. 

Nu sall't wädder frisch un froh 

An de Arbeit goahn; 

Stopp en Piepken mie doato, 

Wie de Oll'n gedoahn. 

Brännwien suupen! dät de Hoar 

Borstig stoahn Berg an: 

Mie de leewe Gott bewoahr, 

Dät is Sünn un Schann. 

Doch en Schnaps to rechter Tied 

Gcit durch Mark un Been, 

Lüchtert Herzblatt und Gemüt, 

Wärmt bet in de Töhn. 



Schlücksken to de Fröhstückskost, 

To dät Middagsbrodt, 

Schüret herrut den Moagenrost, 

Mehr is doa nich Not. 

Drosch ick düchtig in de Schun', 

Plög ick up dät Feld, 

Kann't en halwet Pund woll sin, 

Wie de Arbeit fäU't. 

Is de Külle hart un sarp, 

Schwinn en Schluck genoahm; 

Is de Hitze groot un scharp, 

Werd et ok bekoam. 

Sitt en Buur biem Kaffepott 

Von Zigoorgenpamp, 

Werd he löäsig bald und schlott, 

Knoakenloahm un schlamp. 

Seh ick wo dät Suifgeschlaps 

Von klafütgen Thee, 

Is mie, drink ick nich en Schnaps, 

Öäbel gliek un weh. 



Auch auf Albrechts Gedicht ^De Piep Toback« (1. Bd., S. 65) 
und auf das Gedicht „De Kaflfee^ (3. Bd., S. 117) scheint Borne- 
manns „Schnaps'' gewirkt zu haben; besonders in letzterem treten 
wieder stärkere Anklänge hervor: 

Sonn Kaffee — dät is wisslich woahr. 

De stärkt de Minschen oapenboar 

Un dringt em foorts dörch Mark un Been, 

Een kann't binoah van bunten sehn. 

Wenn E'ener Lust to strieden hat,*) 

Will ick em kloar bewiesen, dät 

Im Kaifee Kraft un Stärke stickt 

Un dät he Liew un Seel erquickt. 

De Kaffee schmiedigt de Kalduun 

Un gewt dem Minschen gode Luun; 

Foorts moakt man 'n fründlich Angesicht, 

Wenn man en Tässken Kaffee krigt. 

Dät Morgens is de Minsch so stiew 

Un reckig dörch dät ganze Liew, 

Een geit so loahm, as wenn man hinkt, 

Dät giwt sick, wenn man Kaffee drinkt. 

Wenn man im Winter Reisen moakt 

Un sick vorher en Kaffee koakt, 

Behölt man, weet ick, im Gedärm 

Bestännig innerliche Wärm. 

Bi Yöälen war dät so Gebruuk, 
Se drünken Morgens erst en Schluck. 
De Folge doavan war, se weer'n 
Denn unbehölpsch bi'm Exerzeern. 
Wöck Ännern, woto he gehört. 
De har'n de Soake uutprobeert. 
Wenn man vorher en Kaffee drünk'. 
Denn war man noch eenmoal so flink. 



*) Sollte Albrecht hiermit gar Bornemann meinen, der gegen den Kaffee so 
herzieht? 

Niederdenttches Jahrbuch XXVI. 7 



98 

De Brännwien moakte musselig 

Un schladdrig, möög un dusselig, 

De Brännwiendrinkers stünn'n so krumm, 

Un wörr denn cummandert : links um ! 

Denn weer'n de Poten stiew un loahm, 

Se künn'n so schwinn nicli rüramer koahm'n. 

Auch im „Hoclitietsleed" (2. Bd., S. 46) hat Albrecht sich 

stellenweise offenbar anregen lassen von Bornemann und zwa^ von 

folgender Stelle aus dessen Gedichte „Amtsmanns Polterabend^ (2. 

Bd., S. 72): 

De Fru is schwach, de Mann is stark, 
Herz gaf am Gott un Kraft un Mark; 
Beschirmen in Gefoahr un Not 

Sali he de Fru bet an den Doot 

Nu kiek he moal, Herr Brütgamsmann, 
Den Huushoahn hier recht dütlich an. 
Ick will en am to'm Muster stell'n 
Un noch Poar Woort doavon vertell'n. 
£n Hoabicht stott moal noah sien Hohn — 
Gliek satt mien Hoahn den Mord-Cujon 
Mit Spor'n un Schnoabel up dät Fell 
Un würgte bald den Deewsgesell. 

Hiermit vergleiche man aus Albrechts Gedicht: 

Kümmt enmoal sonn Erzcujon, 
Will ähr wat to leeden dohn, 
Denn geroad' he strack in liwer 
Un denn spuck he Gift un Giiwer. 

Noch viele Parallelen lassen sich weiter finden zwischen den 
Stoffen Albrechts und Bornemanns, ohne dass sich immer auch wört- 
liche Anlehnungen zeigten. Verherrlicht Bornemann z. B. 1. Bd., 
S. 37 den Sauerkohl, so singt Albrecht 3. Bd., S. 25 das Hohelied 
der Wurst und des Schlachtefestes. Erzählt Bornemann 1. Bd., S. 
75, wie bei einem Dorfe ein Luftballon niedergeht, und wie alles 
entsetzt ist und das nie gesehene Monstrum für den leibhaftigen 
Teufel, mindestens aber für den Magen des Gott-sei-bei-uns hält, den 
man vernichten müsse, so ist es bei Albrecht eine Uhr, die ein Bauer 
— es sei allerdings schon 100 Jahr her — unterwegs fand und als 
willkommene Beute mitnehmen wollte; als aber das Ding tickte und 
allerlei merkwürdige, ihm unbekannte Laute von sich gab, da habe 
er es für den Teufel angesehen, es erschreckt zu Boden geworfen 
und mit seinem Stock bearbeitet. Bornemann hat ferner im 1. Bande, 
S. 125 ein Gedicht, „WeltmoraP überschrieben, in dem ein Vater 
seinem Sohne das Hasten und Treiben der Welt darlegt, um ihn dann 
zum Guten zu ermahnen: Albrecht hat im 1. Bande, S. 121 ^Läwens- 
regeln fär mienen Sähn*^, wo auch ein Vater seinem Sohne gute Rat- 
schläge fürs Leben erteilt. Und während Bornemann folgender- 

massen beginnt: 

Du hist nu faftein Joahr, mien Soahn, 
Du säst jitzt in de Welt utgoahn, 
Un ick will die mit goode Lehren 
To dienen Marsch hüt utstaffeeren, 



99 

lässt Albrecht den Vater seine Ermahnung so anfangen: 

Dien Kinnerjoahr' sünd nu vörbi, 
Mien Sahn, un doarüm bitt ick di, 
Up godcn Roath un gode Lehr'n, 
De ick di gäwen will, to hören. 

Bornemann zeigt sich als ein feuriger Patriot, er besingt Preussen 
und Friedrich Wilhelm lil. und alle die Helden der Freiheitskriege: 
Albrecht stimmt seine Leier an zum Preise des „gelobten Landes^ 
(2. Bd., S. 00), will sagen Preussens und wählt hier die Anfangs- 
buchstaben der Verszeilen so, dass dabei noch ein Hoch auf Friedrich 
Wilhelm IH. herauskommt. Und diese künstliche Art nach vor- 
geschriebenen Anfangsbuchstaben zu dichten hat ihm selber offenbar 
so gefallen und imponiert, dass er sich dasselbe Kunststück noch 
einmal leistet, diesmal aber, so zu sagen, zwei Fliegen mit einer 
Klappe schlägt, indem er das Hoch auf Fürst Hardenberg und Blücher 
verbindet mit einem urprosaischen Wechselgesang, der von „Buuer 
Broawmanns Würthschap" und von einer recht kräftigen Bestrafung 
von Holzdieben handelt (2. Bd., S. 108). Gemeinsam ist ferner beiden, 
dass sie von Napoleon als von Herrn Neppel sprechen, der, wie 

Älbrecht (2. Bd., S. 12) sagt, 

. . alle Welt met Krieg betog 

Sien' ganz' Regeerungstiet 

Un broaw beschuppte un belog 

De Völker wiet un siet, 

Bet he am Enn' biBellerdanz 

Sien letztet Dänzken moakt' 

Un L e n ' k e n nu für sienen Panz 

Em 't Oirndeels-Süppken koakt. 

Dieses Len'ken^) kommt auch bei Bornemann vor im Gedicht ;,Der 

Pommersche Grenadier" (2. Bd., S. 114), wo es heisst: 

Bie Balle rdanz*) is kehrut west, 
Doa word wat afgekehlt! 
Herr Neppel kreeg den lezten Rest, 
Ick heb derbie nich fehlt. 
I Dicht ran was ick an de Karreet, 

Wo Neppel drinne satt, 
Was he so flink nich up de Fööt, 
He kam in't Päkelfatt. 
Fru Lehne") kreeg, dät segg ick hier, 
Am denn nich to Gesicht, 
Hier word he gliek to'm Höllenfü'r 
Gespickt un togericht. 

^) Es findet sich noch einmal bei Albrecht im Gedicht : „Bonaparte. Eu 
funkel-noagel-niiet Weegenleed" (2. Bd., S. 57): 

Äwer he kreeg sienen Lohn; 
Nist kann he Söähnken mehr dohn. 
Weg sünd siene Kronen, weg sünd de Kanonen; 
Nu hackt he de Tüfifeln un stiepelt de Bohnen. 
Nist kann he Söähnken mehr dohn; 
Len'ken betoahlt em den Lohn. 
! ^) Bornemann hat als Anmerkung : „Drollig genug verplattdeutscht sich hier 

I der Pommer aus Belle- AUiance Ballerdanz/^ 

^) Bornemann bemerkt: „Helena als weiblicher Name im Plattdeutschen Lene." 

7* 



100 

Wie sich Albrecht stofflich an Bornemann angeschlossen hat, 
so hat er es auch in der Orthographie gethan und ist den Regeln 
gefolgt, die dieser im zweiten Bande seiner Gedichte vom Jahre 1816 
aufstellt, wo er im Vorwort schreibt: ^In Ansehung der Doppellaute 
bemerke ich für die Leser, welche der Sprache nicht ganz kundig 
sind, dass oa den Laut ausdrücken soll, welcher zwischen o und a 
inne liegt! Ich will es das dicke a nennen, wie noch jetzt überall 
im Braunschweigischen und dortiger Gegend das a auch im Hoch- 
deutschen ausgesprochen wird. Das dicke ä, inne liegend zwischen 
ö und ä, habe ich mit Zusammenstellung beider Mittellauter, das 
lange ö durch öö, das lange u durch uu, das lange o durch oo, das 
scharfe e durch ee zu bezeichnen gesucht.*' Diese Regeln sind von 
Bornemann im ersten Bande seiner Gedichte vom Jahre 1810 noch 
nicht angewandt worden; damals gab er noch durchweg das lange ö 
durch einfaches ö wieder, und die Schreibung öä für das von ihm 
so genannte dicke ä war ihm noch fremd, er drückte es durch ö oder 
ä aus; auch war das einfache u als Bezeichnung des langen u damals 
noch für ihn das Regelmässige.^) Erst von 1816 ab fuhrt er seine 
Regeln so ziemlich durch. Albrecht aber ist in ihrer Befolgung bei- 
nahe noch konsequenter als Bornemann selbst, indem er auch den 
langen w-Laut durch Doppelschreibung bezeichnet, was sich bei Bome- 
mann fast gar nicht findet. Albrecht hält sich auch strenger an die 
Regeln als sein Vorbild, wenn sie auch beide vielfach davon abweichen, 
besonders natürlich, wo die hochdeutsche Schreibung diese Abweichung 
nahe legte. Namentlich ist es bei Bornemann mit der doppelten 
Schreibung von o, wenn die Länge ausgedrückt werden soll, schwach 
bestellt; einfache Schreibung und doppelte Schreibung gehen bei ihm 
bunt durcheinander, wogegen Albrecht sich meist an die Regel hält. 
Beiden gemeinsam ist die Willkür beim Buchstaben o, wo bei der 
Wiedergabe der Länge einfache und doppelte Schreibung in ungefähr 
gleichem Masse vorkommen, doch so, dass bestimmte Worte stets 
einfache, andere stets doppelte Schreibung haben; Albrecht z. B. 
schreibt immer ook^ Bornemann ok. Schliesslich ist in orthographischer 



^) In des ersten Bandes erster Auflage gab Bomemann langes u in der 
Kegel durch einfache Schreibung wieder. Im zweiten Bande vom Januar 1816 
tritt diese Schreibung gegenüber der Wiedergabe durch uu fast ganz zurück. In 
der zweiten Auflage des ersten Bandes vom August 1816 tritt die Wiedergabe der 
Länge durch einfaches u schon wieder mehr hervor. Hier zeigt sich also der 
Einfluss der ersten Auflage : Bornemann hat die alte Schreibung der ersten Auflage 
nicht ganz konsequent geändert, sondern vielfach beibehalten, während er beim 
Niederschreiben der neuen Gedichte des zweiten Bandes den im Vorwort aufge- 
stellten Regeln ziemlich konsequent folgte. Bei der dritten Auflage des ersten 
Bandes vollends vom August 1820, wozu er „abermals Wort und Werk mit Fleiss 
durchmustert*' hat, scheint er die 1816 aufgestellten Regeln ganz vergessen zu 
haben. Die dritte Auflage bedeutet orthographisch so ziemlich eine Rückkehr zur 
ersten Auflage. Das „dicke ä" giebt er für gewöhnlich wieder durch ö oder ä, 
öä ist geschrieben bloss in den Worten Döär (Thür) und Höärn (Hom) und ein 
einzigmal in vöäl (viel), sonst ist väl u. s. w. Regel. Die Länge u wird wieder wie 
1810 in der Regel durch einfache Schreibung bezeichnet. 



101 

Beziehung noch zu bemerken, dass Albrecht erst vom zweiten Bande 
seiner Gedichte ab das ;,dicke ä^ konsequent durch öä wiedergiebt ; 
im ersten Bande hat er freilich auch schon recht viele Beispiele der 
Schreibung öä, aber gerade die am häufigsten vorkommenden Worte 
wie vöäl^ Söähn^ öäwer u. s. w. haben noch ä,^) 

Aber trotz all dieser Aehnlichkeiten mit Bornemann, trotz all 
dieser Beziehungen zu ihm und der Anklänge an seine Gedichte ist 
Albrecht doch keine Kopie seines Vorbildes, sondern bewahrt durchaus 
seine Eigentümlichkeit und seineu eigenen — wenn man so sagen 
darf — dichterischen Charakter. Das tritt schon in seiner Aus- 
drucksweise und in seiner Sprache hervor, und er hat hier vor 
seinem ^Meister* manches voraus. Bereits Danneil sagt in dem Vor- 
wort zu seinem Wörterbuche S. IV, nachdem er sich dahin aus- 
gesprochen hat, „die Mehrzahl der in der neuesten Zeit ans Licht 
getretenen plattdeutschen Erzeugnisse sei, genau genommen, neu- 
hochdeutsch gedacht in plattdeutsche Worte eingekleidet. Selbst 
Bornemann's viel verbreitete Gedichte in altmärkischer Mundart 
leiden an diesem Fehler, obgleich in der neuesten nach dem Tode 
des Verfassers von seinem Sohne besorgten Ausgabe in dieser Hin- 
sicht eine wesentliche Verbesserung mit der Sprache vorgenommen 
und viele nicht plattdeutsche Wendungen durch echte ersetzt sind. 
Besser ist das Idiom des altmärkischen Landmanns aufgefasst in 
den [d. i. Albrechts] plattdeutschen Gedichten . . . ." Diese von 
Danneil festgestellte Verschiedenheit in der Sprache beider fällt 
schon bei der Lektüre auf; schon da merkt man, dass Albrecht 
wie im Inhalt seiner Gedichte so auch in seiner Sprache echter 
ist, wenn er auch hier und da einzelne Wendungen und Aus- 
drücke seinem Vorbilde abgelauscht haben mag. Aber eine ganze 
lange Reihe von Worten, die Bornemann dem Hochdeutschen ent- 
nommen hat und teilweise auch in hochdeutschem Lautstande ver- 
wendet, kennt Albrecht gar nicht, oder er gebraucht sie nur sehr selten. 
Ich erinnere hier an das Wort Ilerjs; und seine Verbindungen, dessen 
Vorkommen in Albrechtschen Gedichten fast verschwindet gegenüber 
der Häufigkeit, mit der es bei Bornemann steht. ^) 

Was indessen Albrechts Sprache vor der Bornemanns besonders 
auszeichnet und ihr vor allem das Gepräge grösserer Echtheit giebt, 
ist das Geschick, mit dem er sich der oft freilich drastischen, aber 
doch meist so charakteristischen Metaphern des Bauern bedient, 
jener Metaphern, die, aus der nächsten Umgebung genommen, der 



^) Das ist auch in der zweiten Auflage so. Es ist nicht, wie man vermuten 
möchte, nun auch im ersten Bande das öä überall eingeführt worden. Die zweite 
Auflage ist eben, wie unter anderm auch hieraus hervorgeht, ein unveränderter 
Abdruck der ersten. 

'^) Bei dem Worte Her^, das so recht bezeichnend ist für Bornemanns Ab- 
hängigkeit von hochdeutscher Dichtung und hochdeutschen dichterischen Wendungen, 
muss man aber absehen von den Verbindungen Herzmuiter, Herzvoad'r, die durchaus 
altmärkisch und völlig ein wandsfrei sind. (Vgl. Danncil unter Hert). 



102 

Sprache etwas Unmittelbares, etwas Ursprüngliches, — man kann wohl 
sagen — etwas Bodenständiges verleihen; also etwa Metaphern wie: 

un wenn se [die Kinder] tor Welt sünd, denn sölPn se hübsch 
deih'n, und sünd s' in de Gälriep, denn söll'n se all frei'n — enjerer 
goah den körtsten Weg un hoal sick nich van Wiedem dät, wat he 
im Höhnerstall jo hat — de bar en groten Kübel hat, noch gröter 
as en Botterfatt — mien' Deerns sollen leewer to Huuse wat dohn, 
behüüpen de TüfFeln un stiepeln de Bohn [als ins Theater zu gehen] 
— Koppe wie de Bull'n — moager as 'n Zick — Doaten wogegen 
de Doaten von Sanct Georgen man Kaff sünd — de Gietzige is wie 
en Schwien, wat eh'r der Welt nich Nutzen brengt, as bet et dodt 
am Noagel hängt — sperr du man wie en Kalw dät Muul un nimm 
de beiden Backen vull u. s. w. u. s. w. 

Auch Bornemann sind ähnliche, bisweilen ins Derbe übergehende 
Wendungen nicht fremd; aber es besteht doch ein grosser Unterschied 
in der Art, wie beide diese Metaphern gebrauchen und wie sie damit 
wirken wollen. Bei Albrecht sind sie durchaus ernst gemeint und 
ein Mittel zur Anschaulichkeit. Bei Bornemann werden sie nicht 
selten übertrieben und ins Lächerliche gewandt; Heiterkeit bei seinen 
Lesern dadurch zu erzeugen und sie damit zu amüsieren, ist seine 
Absicht. 

Diese sprachlichen Beobachtungen werden noch bestätigt durch 
eine Betrachtung der Reime. Auch hier lehrt schon eine flüchtige 
Vergleichung, dass Albrecht weit strenger, weit niederdeutscher ist 
als Bornemann. Diesem kommt es gar nicht darauf an, die Präpo- 
sition mit erst in niederdeutscher Lautform zu gebrauchen und zwei 
Verse darauf in hochdeutscher, weil es ihm hier so bequemer ist 
und weil das Wort es fordert, mit dem er diese Präposition im 
Reime binden möchte. Ebenso hat er — sehr im Interesse seines 
Reimlexikons — für das Präteritum von sein zwei Formen, eine 
dem Hochdeutschen angepasste: tvoar und eine niederdeutsche: toas^ 
und derartige Beispiele könnte man noch mehr anführen. Bei Al- 
brecht aber würde man so etwas vergeblich suchen; wenn damit auch 
nicht gesagt sein soll, dass er überhaupt keine hochdeutschen Worte 
oder keine pseudoniederdeutschen im Reime habe. Noch deutlicher 
wird dies Ergebnis indessen durch eine statistische Vergleichung der 
Reime; sie zeigt, — es sind sämtliche Reime Albrechts und von 
Bornemann die des ersten Bandes (1. Aufl ) und des zweiten Bandes 
geprüft worden — dass auf 3 Worte Albrechts, die rein dialektisch 
sind, oder die sich nicht ohne weiteres durch Anwendung der gewöhn- 
lichen Lautgesetze in hochdeutsche Worte verwandeln lassen, bei 
Bornemann 2 kommen. 

Auch eine Untersuchung der Reime daraufhin, ob sie auch im 
Hochdeutschen möglich seien oder nicht, liefert ein interessantes 
Ergebnis. Freilich unter den Reimen, die auch in hochdeutscher 
Lautform zusammenklingen und dann die eine Sorte A ausmachen würden 



103 

gegenüber der andern Sorte B, die nur in niederdeutscher Lautform mög- 
liche Reime begreift, befinden sich gar viele, die gute niederdeutsche Reime 
sind und die einem niederdeutsch Reimenden ebenso nahe liegen wie 
einem hochdeutschen Dichter. Unter der zweiten Gruppe B andrerseits 
trefifen wir nicht wenig aus hochdeutschem Gebiet eingeschmuggelte 
Ware an, deren niederdeutsche Umhüllung die eigentliche Herkunft 
nur schlecht verdeckt. Aber wenn wir die Reimpaare in ihrer Ge- 
samtheit beobachten, so sehen wir bei Albrecht, wie die Zahl der 
Reime der ersten Art immer kleiner wird und wie namentlich der 
Sprung vom ersten zum zweiten Bande besonders gross ist: auf 
100 Reimpaare A des ersten Bandes kommen im zweiten Bande 
nur 71 (Abnahme also 29 ®/o), während sich der dritte Band vom 
zweiten in dieser Beziehung nicht so sehr unterscheidet, hier 
kommen 94,6 solche Reimpaare auf 100 des zweiten Bandes 
(Abnahme gegenüber dem ersten Bande 33 ^/o). Aus diesen Zahlen 
dürfen, wir wenigstens so viel entnehmen: Als Albrecht den Ent- 
schluss fasste zu dichten, da kannte er freilich seinen Bornemann 
schon ganz gut; aber ihm klangen doch mehr hochdeutsche 
Reime im Ohr als niederdeutsche. Infolge dessen war er 
zuerst etwas befangen; er fühlte sich noch unsicher, was nieder- 
deutsche Reime anbetraf, und gebrauchte so manches Reimpaar, das 
aus hochdeutscher Lektüre in seiner Erinnerung haften geblieben war. 
Je mehr er aber dichtete, desto unabhängiger wurde er von hoch- 
deutschem Reimgefühl, desto tiefer drang er ein in den Geist und 
das Wesen seiner niederdeutschen Muttersprache. Er lernte sie noch 
von einer anderen Seite kennen. Wenn sie ihm bisher bloss als 
Umgangssprache vertraut war und er gewohnt war, in ungebun- 
dener Rede sich ihrer zu bedienen und in dieser Form seine Gedanken 
und Empfindungen in ihr auszudrücken, so wurde er jetzt auch immer 
mehr in ihr heimisch als in einer Dichtersprache, als in einer Sprache, 
die auch fähig sei, sich den Fesseln des Verses zu fügen und 
ungezwungen das Joch des Reimes zu tragen. Er s^h. allmählich 
ein, dass es sehr wohl möglich sei, niederdeutsch zu dichten, ohne 
auch nur einen Vers in hochdeutscher Sprache gelesen zu haben, 
und wenn ihm das auch nicht unmittelbar zum Bewusstsein gekommen 
sein mag — und das ist das Wahrscheinlichere — : die statistische 
Betrachtung seiner Reime zeigt doch, wie er während des Dichtens, 
so zu sagen, immer niederdeutscher wurde, wie er sich immer mehr 
befreite von hochdeutscher Dichtersprache und — das Folgende gilt 
allerdings nur ganz beschränkt und nur in dem Masse, als es ihm 
und seiner eng begrenzten poetischen Begabung, der ihm zu Gebote 
stehenden Sprachgewalt und seiner dichterischen Selbständigkeit über- 
haupt möglich war — wie er sich schliesslich so in das Niederdeutsche 
als eine Dichtersprache einlebte, dass er seine plattdeutschen Verse 
niederschrieb rein aus niederdeutschem Sprachgefühl heraus, ohne 
noch viel im Bewusstsein zu haben von hochdeutscher Sprache und 
hochdeutscher Dichtung. 



104 

Wenn wir so sehen, dass Albrecht im allgemeinen sich in seiner 
niederdeutschen Sprache viel unbefangener bewegt als Bornemann, 
der im Gninde doch hochdeutsch dichtet ;,mit plattdeutschen Worten*^ 
und ein „Deutsch-Latein" schreibt, so wenig er das auch zugeben 
will (Vorwort zum 2. Bd.), so müssen wir uns um so mehr wundern, 
dass er in einer Beziehung zaghafter ist als sein Vorbild und ihm in 
der Rektion der Verben und Präpositionen nicht folgt. Vielmehr 
bleibt er hier durchaus auf hochdeutschem Standpunkte stehen; er 
setzt den Accusativ, wo er hingehört, und den Dativ desgleichea 
Nur im Dativ Sg. des bestimmten weiblichen Artikels ist bei ihm das 
r abgefallen, so dass also Accusativ und Dativ hier gleich lauten. 
Er sagt demnach van de Kanzel, aber van siener Kavzel, Erhalten 
ist das r bloss in tor, d. h. in der Kontraktion der Präposition to 
„zu" mit dem Artikel. Dies Verhalten Albrechts ist aber vielleicht 
gerade durch Bornemann veranlasst worden. In der Orthographie, 
haben wir gesehen, hat er sich ihm angeschlossen. Hier hatte aber 
auch Bornemann feste Regeln aufgestellt, nach denen sich Albrecht 
richten konnte, und die er auch beinahe ängstlich beobachtet. Bei 
der Rektion der Verben aber und der Präpositionen insbesondere 
folgt Bornemann eigentlich gar keinen Regeln oder Regeln, die so 
verzwickt sind und so viel Ausnahmen aufweisen, dass sie schon keine 
Regeln mehr sind. Hier war also Albrecht auf sich selbst angewiesen, 
und er wagte es nicht, einer durchaus berechtigten Forderung 
seines altmärkischen Platt nachzugeben; er ging nicht über Borne- 
mann hinaus und setzte durchweg den Accusativ; ihm anschliessen 
in seiner Regellosigkeit mochte er sich aber auch nicht, und so folgte 
er denn den hochdeutschen Regeln. 

Wie Albrecht in der Sprache seine Selbständigkeit Bornemann 
gegenüber im grossen und ganzen behauptet, so thut er es auch in 
der Gestaltung seiner Stoffe. Nur der Gegenstand seiner Gedichte ist 
es, der so oft an Bornemann anklingt; nur einzelne Motive hat er ihm 
entlehnt; die Behandlung des Stoffes gehört ihm aber völlig zu 
eigen, hier ist er ganz selbständig und zeigt seine durchaus anders 
geartete Natijr. Während Bornemann nach kleinen Spässen hascht und 
sich über ländliche Verhältnisse mit falscher städtischer Erhabenheit 
lustig macht, während er witzig ist, bisweilen aber auch abgeschmackt 
und albern — man denke an die Gedichte ;,der Schneider als Scharf- 
richter^ (2. Bd., S. 33) und „das Frauenunglück« (2. Bd., S. 104)-, 
ist Albrecht ernst, hin und wieder auch schalkhaft, im übrigen trocken, 
urprosaisch und hausbacken, aber begabt mit einem starken Sinn für 
die Familie und die alltäglichen Beschäftigungen des bäuerlichen 
Lebens, und aus alle dem ergiebt sich: er ist echt und wahr. Was 
er schreibt, ist eigentlich gereimte Prosa und würde sich vielleicht 
auch besser ausnehmen, wenn es nicht in Versen abgefasst wäre. Er 
zeigt uns, was wir bei Bornemann vergeblich suchen würden, echtes 
Bauernleben: Bestellung des Feldes im Frühjahr, im Sommer die Ernte 



105 

erst des Roggens und dann der andern Getreidearten, und im Winter 
das Dröschen und Spinnen und das Fällen des Holzes, und innerhalb 
dieser Grenzen die Höhepunkte des Lebens im Jahreskreise: Ernte- 
dankfest und ;,Richtköst*^, Hochzeit und ;,Kinnelbeer", Jahrmarkt und 
Schlachtefest. Und das alles ist mit ungemeiner Anschaulichkeit und 
Lebenswahrheit gezeichnet. Er führt uns mitten hinein in die Vor- 
bereitungen zum „Aust"; er schildert die freudige Aufregung, die sich 
aller bemächtigt, als sich das Gerücht vom Beginn der Ernte ver- 
breitet; und er ist in der Darstellung der den „Aust^ einleitenden 
Anstalten so wahrheitsgetreu, dass man aus seinem Gedichte sogar 
die Formeln heraushört, womit dazumal noch der „Aust** eingeleitet 
wurde. Das Gedicht ;,de Aust^ (1. Bd., S. 100), das zu Albrechts 
schönsten gehört, fängt so an: 

Trallala! de Aust is doa! 
Heisa, lustig, hopsassa! 
Schult h&t all to'n Buuem lüüdet, 
Schulten Hans sah, dät bedüüdet, 
Dät se wiH'n dät Koarn besehn, 
Wöcke sahn, et war noch grün! 
Trallala! de Aust is doa! 
Heisa, lustig, hopsassa! 

So van Wieden schient 't all witt. 
Wenn ook Hinz un Kunz noch stritt 
Met den superklooken Buuren, 
Ow't bet änner' Woch sali duuren: 
Lange, so väl merk ick schon, 
Krigt dät Koarn nich mehr Pardon. 
Trallala! de Aust is doa! 
u. s. w. u. s. w. 

Kiekt doch, wie de Schult doa steit 
Un den letzten Uutspruch deit: 
Morgen will'nwi brou'n un backen, 
Öwermorgen Ümlööp hacken, 
Un den Dag doarup vuUweg; 
Doabi bliwt et, wie ick segg. 
Trallala! u. s. w. u. s. w. 

Hierzu vergleiche man, was Danneil in seinem Wörterbuch der alt- 
märkisch-plattdeutschen Mundart S. 231 unter „Ummlop hoUn^ sagt: 
»Als die Bauernfelder noch im Gemenge lagen, bestimmte der Schulze, 
wenn das Mähen seinen Anfang nehmen sollte; Tags vorher ward 
Vmmlap hoUfiy d. h. es ward ein paar Stunden zur Probe gemäht, 
am folgenden Tage aber vullweg meit,^ 

Dann sehen wir die Leute bei der Arbeit; wir sehen, wie plötz- 
lich ein Gewitter heraufzieht, wie es zu regnen beginnt, und alles 
sich in die „ Stiegen ** verkriecht. Wir wohnen dem Richten eines 
Hauses bei und dem sich daran anschliessenden Schmause. Wir hören 
die Aufträge der Hausfrau an ihren Mann, der in die Stadt auf den 
«Marcht" gehen will und einkaufen. Wir müssen alles bis ins Ein- 
zelnste mit anhören, keiner der Aufträge wird uns erlassen. Wir 
sehen den Bauern dann in der Stadt, wie er alles besorgt hat, und 
wie zu guter Letzt der Kaufmann ihm noch ein Pfund Kaffee auf- 



106 

schwatzt. Als dann der Landmann damit nach Hause kommt und 
auch noch den zum Kafifee nötigen Zuckerkant aus der Tasche her- 
auszieht, ist die Frau last ausser sich über ihren aufmerksamen Mann, 
sie sieht aus ;,wie 'ne junge Bruut^ und rühmt nun den Kaffee nach 
allen Richtungen, der damals — das zeigen Albrechts Gedichte — 
eben anfing, die vorher allgemein übliche Morgensuppe zu verdrängen: 
wie wolle sie damit gross thun; neulich hätte sie auch mal bei einem 
Besuche Kaffee vorgesetzt erhalten, und das hätte einen ganz be- 
sonderen Eindruck gemacht; sie müssten das auch, und es wäre ja 
auch nicht teurer als Bier und. Branntwein usw. In dieser Weise 
lässt Albrecht die Frau plaudern und führt uns in beinahe drama- 
tischer Weise in den bäuerlichen Gedankenkreis ein. An anderer 
Stelle lässt er den Landmann philosophieren über den Wert seiner 
von ihm unzertrennlichen Pfeife; oder er giebt die Rede wieder, die 
der Zimmermeister von dem eben errichteten Giebel herab hält 
(1. Bd., S. 89): 

„Gott Low! unse Doagewerk is nu vullbracht. 

De SuDn will all sinken, heran kümmt de Nacht. 

Nu mag de leew' Hergott im Himmel et gäwen, 

Dät alle gesund un vergnügt doarin läwen. 

Twee hunnert Joahr stoah et noch stief un noch groad' 

Un moak noch van förren un hinnen Poaroad'. 

Ick wünsch, dät uns' Hergott bi Dunner un Blitz 

Dät Huus hübsch bewoahr un in Gnoaden beschütz'; 

Dät got drin geroade Brot, Keese un Botter. 

Hier hoch up dem Gabel, doa buu' de Hainotter 

Un brenge Gottssegen un Schäpels vuU Geld 

Un klapp're väl fründliche Kinner tor Welt. 

Un wenn se tor Welt sünd, denn söU'n se hübsch deih'o, 

Uu sünd s' in de Gälriep, denn süU'n se all frei'n. 

Gott segne de Ollen! Gott segne de Kinner! 

He segne de Pär' un de Schoap' un de Rinner! 

Got trade de Ganter! got ramm'le de Bück! 

Mien Prärig is uut, un nu drink ick en Schluck. 

Ein Meisterstück aber in dieser Beziehung ist das „Hochtiets- 
leed^' (2. Bd., S. 46). Eine bessere Rede im Sinne des Bauern kann 
gar nicht gehalten werden. Hier ist eingegangen auf alles, was ihn 
interessiert und ihm am Herzen liegt, was seine Gedanken in erster Linie 
beschäftigt und den ersten Gesprächsstoff bildet, wenn er mit einem 
andern seines Gleichen zusammenkommt, oder wenn wie hier die ganze 
^Früudschap" versammelt ist. Gerade in ihrer etwas trockenen Lang- 
atmigkeit und in ihrer umständlichen Aufzählung wird sie ihre Wh- 
kung nicht verfehlen, und sie ist so recht bezeichnend für Albrecht 
und seine Art und steht in strengstem Gegensatz zu Bornemann und 
Bornemannschem Geiste. Man vergleiche nur dieses Gedicht mit 
ähnlichen Erzeugnissen Bornemanns, mit Gedichten wie die ;,Polter- 
abends-Rede" (1. Bd., S. 9), die ^ Hochzeitsrede" (1. Bd., S. 1 4) oder 
selbst wie „Amtmanns Polterabend" (2. Bd., S. 72). Ich füge hier 
den ersten Teil von Albrechts ^^Hochtietsleed" ein: 



107 



Mien Herr Brüüm un Jumfer Bruut! 
Sehn jo hüüt so fründlich uut! — 
Wo so Yöäle Gläser klingen, 
Plegt en ook en Leed to singen. 

Nu, ick sing' denn ook mien Stück; 
Wünsch Ju ook van Herten Glück. 
Mag de leewe Hergott gäwen, 
Dät Ji lang' up Eeren läwen; 

Dät Ji bliewen frisch un rot, 
Antosehn as Melk un ßlot, 
De Aptheker Juentwegen 
Nich bruukt in de Büss to klagen: 

Dät Ji ümmer flink un krill, 
lu de Uitt un in de Küll\ 
Immer lustig up den Hacken 
lü dem Huuse rüm kalfacken; 

Dät Ji Speck un Backenbäm 
Immer met Apptit vertährn 
Un to Juem roden Schinken 
Ümmer hübsch en Schlückschen drinken ; 

Dät Supp, Yörköst, Fleesch un Fisch 
Sönndoags stoahn up Juem Disch, 
Soaden, Broaden un Pasteten 
Uq wie all' de Spiesen heeten; 

Dät Ju' Botter got geroad', 
Up Ju' Keesen keene Moad' 
Kirkensetters Achterröhre 
Ju tum Ärger henhofeere; 

Dät Ju' Pär' schloahn achter uut, 
Hemmen vullup Gras vor d' Scbnuut; 
Dät Ju' Zicken un Ju' Schnucken 
Hübsch to rechten Tieden hucken; 



Dät Ju' Koh got Kälwer söög', 
Dät de Goos got Gösseln bröög', 
Ook de Höhner flietig lengen, 
Grote Koppels Küken brengen; 

Dät Ju' Schwien hemm'n gode Floom ; 
Appel-, Bär- un Pluumenboom 
Boaben, unnen, uutwärts, mitten 
Alle Joahr vull Früchte sitten; 

Dät Ju' Roggen un Ju' Wait 
Ümmer dick un wulkig steit; 
Dät't Ju mag met Erften, Wicken, 
Linsen, Gerst un Hoawer glücken; 

Dät Ju' Tüffel un Ju' Bohn 
Got in Juen Schäpel lohn', 
Un dät Juen Kohl de Ruupen 
Nich befräten un bekruupen; 

Dät, wenn't Backent vor sick geit, 
Nich de Wind up't Mundlock steit, 
Semmel, Brot un Bodderfloaden 
AUtiet möägen wol geroaden; 

Dät Ju ook vor allen Ding'u 
Möäg dät Broueut wol geling'n 
Un de Proppeus hübsch van allen 
Buddeln an den Balken knallen; 

Dät, wenn't an dät Waschent geit, 
Allemoal dät Wäder steit, 
Loaken, Hamm' un Bettgardiue 
Lämmer hübsch de Sunn beschiene; 

Dät uns' Hergott Ju erkies' 
Noa der Poatriarchen Wies' 
Gold un Sülwer, Schoap un Biuner, 
Doato Kind un Kinneskinner; 



Dät Ju, um et kort to seng'n, 
Nist sick möäg towerrer leng'n; 
Dät Ji boawen, unn'n un mitten 
Cmmer in de Wulle sitten. 

Diese naturgetreuen Schilderungen aller ländlichen Verhältnisse sind 
überhaupt das Interessanteste und auch das relativ Beste und Wert- 
vollste an Albrechts Gedichten. Hier lässt er uns oft weite Blicke 
thun in kulturliche Zustände; wir entdecken da manche Züge, die 
noch heute anzutreffen sind und sich entweder langsam weiter ent- 
wickelt oder aber in ihrer alten Gestalt unverändert erhalten haben. 
Die Eigenart unsers Schriftstellers und seine Selbständigkeit 
Bornemann gegenüber treten auch darin zu Tage, dass es seinen 
Gedichten keineswegs an einem persönlichen Elemente fehlt und dass 
der Geistliche — ja, wir können sogar sagen — der Dorfpastor aus 
manchen Gedichten recht deutlich spricht, wenn er z. B. den Bauern 
ins Gewissen redet und sie eindringlich ermahnt, bei den Abgaben 
an Naturalien für den Pastor nicht das Schlechteste herauszusuchen, 
nicht „Roadel, Dresp un Voagelwick" zu bringen, sondern reines im 
„Roadelsäft*' gesichtetes Korn; denn ein Arbeiter sei auch seines 

Lohnes wert, und 

Dem Manu, de Gottes Word uns lehrt, 

Mütt wi, doa he de Seel cureert, 

Nich Jucks tum Lohne breng'n. (1. Bd., S. 50). 



108 

Im übrigen scheint er seine Pfarrkinder nicht allzu streng angefasst 
zu haben; er war kein Mucker und kannte das Leben. Einmal frei- 
lich (2. Bd., S. 91) wettert er über die Verderbtheit der Sitten und 
lobt die gute alte Zeit; er zieht vor allem los gegen das viele Trinken 
und Kneipen, das man früher nicht gekannt hätte; gegen die neuen 
Rundtänze, die die Leute im Übermass erhitzten, während vorher 
das ;,Menewett^ das Gewöhnliche gewesen wäre; gegen die „Koater- 
gänge^ und die zunehmende Sittenlosigkeit; gegen die Geschwindig- 
keit, mit der gar zu oft das „Kinnelbeer^ auf die Hochzeit folge, 
und gegen den immer mehr wachsenden Luxus. Aber zum Schluss 
fügt er versöhnlich hinzu, manches sei auch besser geworden, und 
davon wolle er ein ander Mal (3. Bd., S. 140) reden. 

Am stärksten tritt das persönliche Element hervor in der Er- 
bitterung Albrechts gegen Jerome. Hier spricht er von selbst Er- 
lebtem und wird beinahe leidenschaftlich im Hass gegen diesen König 
von Napoleons Gnaden, der die Pfarrer so furchtbar ausgesogen 
hätte, der ihnen unaufbringliche Steuern auf ;, Wisch un Land" ge- 
legt und manchen gezwungen hätte, seinen ;, schwarten Rock to Borg' 
to nähmen^. Damals anno 1806 u. ff. hätte man sich gegen 
Predigerstöchter, sagt er voll Groll und Zorn in der „Billerbibel", 
alles herausnehmen können; ihnen würde kein Moses zu Hülfe ge- 
kommen sein wie weiland den Pastorentöchtern im Lande Midian. 

1. Bd., S. 169: 

'T sünd jo doch man Preesterdöchter, 
Loat 86 ährer Huut sick währen, 

Sick de Keerls vam Halse kehr'n. 

Denn as hier Scherom regeert', 
Worr'n de Presters schlecht trakteert, 
Stunn'n oft wie de armen Sünner, 
Lampig gingen Fruu un Kinner. 
Wenn de Hoahn det Morgens kragt', 
Word em oft all d' Büdel fägt. 
Dät de midianschen Par'n 
Deels ook weinig Inkünft' har'n 
Noa Moatrikel un Cuntaster, 
Sehn wi an dem Heren Paster, 
De in'n sauren Appel beet 
Un sien' Dochder höden leet. 
Groad, wie't in de Ollmark geit, 
Wo manch Schriewer bäter steit 
As manch Preesfer, de studeert hat 
Un sien Geld doabi vertährt hat, 
Wo bi manchem Preester wiss 
Schmallhans Käkenmeister is. 

Und überhaupt dieser König Jerome, der mehr an Wein als an 
Religion gedacht habe! Wäre der noch länger im Lande gebliebeUj 
alles wäre drüber und drunter gegangen, und Mord und Raub wären 
heimisch geworden in der Altmark. Und Kirchen hätte der docli 
nicht gebaut, wenn sie nicht glücklicher Weise schon im Lande ge- 
wesen wären. Wie sehnsüchtig hätten damals in jener schrecklichen 
Zeit die Geistlichen nach Osten gesehen und sich weggewünscht aus 



109 

der Altmark in das preussische Gebiet. Aber Gott-Lob, die Zeit sei 
Dun auch vorüber; Friedrich Wilhelm III. sei wieder Herr im Lande, 
und das sei ein anderer Herrscher; der gehe in die Kirche und zur 
Beichte und sorge für die Geistlichen; er lasse sie nicht verhungern 
und trockne ihre Thränen. 

Diese durchaus persönlichen Gedichte, geschöpft aus ureigenster 
Erfahrung, sind nächst den Schilderungen der ländlichen Verhältnisse 
und des Familienlebens das Ansprechendste und Gelungenste, was Al- 
brecht geschrieben hat. Wo er sich einmal andern höhern Stoffen 
zuwendet, die rein objektiv und künstlerisch und ohne jede persön- 
liche Beziehung behandelt sein wollen, da versagt er gänzlich und 
verfällt in eine öde, klägliche Nachbeterei, wie im Gedicht ^de wiese 
Fruu uut Oabel, en Siedenstück to säl. Borgers Wiewer van Wiens- 
berg« (1. Bd., S. 51) oder gar im Ritter ^lisenfuust« (3. Bd., S. 39), 
der sich wie eine Parodie auf Bürgers travestierende Romanze aus- 
nimmt. Hier zeigt sich auch am stärksten Albrechts gänzlicher Mangel 
an ästhetischem Gefühl und seine oft furchtbare Geschmacklosigkeit. 
Denn wie Bornemann Humor mit Witz verwechselt, so hält Albrecht 
— und das tritt eben besonders bei der Behandlung ihm fremder 
liegender Stoffe hervor — Urwüchsigkeit für identisch mit Roheit. 

Albrecht hat lange nicht so gewirkt wie Bornemann, der mit 
seinem Witz, wenn er auch manchmal noch so schal ist, doch immer 
sein Publikum in den hochdeutschen Kreisen fand, auf die er vor 
allem rechnete, und die ja damals unter dem Einfluss der Romantik 
besonders empfänglich waren für Witzeleien. Albrecht hat darunter 
leiden müssen. Denn wenn Bomemann bekannter wurde und sich 
einen grossen Namen machen durfte — Ehren-Bornemann wird er 
genannt im Vorwort zu den ^plattdeutschen Gedichten, meistens alt- 
märkischer Mundart. Neuhaldensleben (1851)^ — , so hat das Albrecht 
sicher auch verdient. Aber seine Gedichte scheinen trotz der zweiten 
Auflage der ersten beiden Bände nicht weit verbreitet und viel gelesen 
gewesen zu sein. In den eben angeführten „plattdeutschen Gedichten*, 
in denen Erzeugnisse von Friedrich Ernst, von Bornemann und an- 
deren aufgenommen worden sind, hat man ihn übergangen. Auch 
Firmenich hat ihn offenbar nicht gekannt, denn sonst hätte er sicher- 
lich in seine „Völkerstimmen'', in denen er Bornemann und Ernst 
einen Platz gegönnt hat, auch Gedichte Albrechts aufgenommen. Aber 
Lyra hat zwei Albrechtsche Gedichte, ohne den Autor zu nennen 
oder seine Quelle anzugeben, in sein Platt übertragen und seinen 
„plattdeutschen Briefen* einverleibt: die Geschichte von dem Bauern, 
der eine Uhr findet und sie für den Teufel hält, (Albrecht, 2 Bd., 
S. 101 ff. = Lyra S. 76, bei Regenhardt ^Die deutschen Mundarten, 
Niederdeutsch'' S. 41 als Lyrasches Original) und „uns' gnädig' 
Fröölens (2. Bd., S. 110), die bei Lyra ;,uuse gnaidigen Fröölens^ 
(S. 167) geworden sind. 



110 



Nachtrag. 

Goedeke hatte also nicht recht, wenn er glaubte, den Verfasser 
der „plattdeutschen Gedichte von einem altmärkischen Landmann" 
bei Gardelegen suchen zu können.^) Es liegt kein Grund vor, die 
Richtigkeit der Nachricht Danneils zu bezweifeln und anzunehmen, 
dass er sich im Namen geirrt habe. Albrecht ist thatsächlich der 
Verfasser der Gedichte. Denn Danneils Angabe wurde bestätigt, als 
ich letzthin die ältesten Jahrgänge des altmärkischen Intelligenz- und 
Leseblattes auf plattdeutsche Gedichte hin durchsah, wobei mir die 
jetzigen Besitzer dieser Zeitung, die Herren Gewert und Sluyter in 
Stendal, in liebenswürdigster Weise entgegenkamen. Leider beginnen 
die noch erhaltenen Exemplare erst mit dem Jahre 1815, da die 
ersten Jahrgänge den Besitzern verloren gegangen sind. 

Ich fand ausser wenigen ganz unbedeutenden und kurzen Ge- 
dichten und ausser einem paar Nachahmungen Bornemanns von einem 
unbekannten Verfasser verschiedene Gedichte Bornemanns, die aber 
alle, wenn ich mich nicht geirrt habe, in seinen Gedichtsammlungen 
vertreten und ihnen auch teilweise entnommen sind, wie das Intelligenz- 
blatt dabei angiebt. Ausserdem ist aber, was hier besonders inter- 
essiert, auch Alb recht mit einigen Stücken vertreten, die entweder 
unterzeichnet sind mit D. o. L, (d. i. de ollmärksche Landmann) oder 
unten in der rechten Ecke den Buchstaben A, (d. i. Albrecht), in 
der linken den Buchstaben H, (d. i. Hö wisch, bis 1824 Albrechts 
Wohnsitz) haben. Ferner sind auch die einzelnen Bände seiner Ge- 
dichte in ziemlich ausführlicher Weise angekündigt; und als ;,der 
altmärkische Landmann den Liebhabern seiner Muse den 3. Band", 
der übrigens schon um Ostern 1819 erscheinen sollte, aber erst 1822 
herauskam, ;,auf Pränumerat. von 14 Gr. anbietet^, wird gleichzeitig 
bemerkt, es seien noch Exemplare der ersten beiden Bände vorhanden 
und auf der Pfarre zu Höwisch zu haben. 

Schliesslich fand ich im Intelligenzblatt noch 2 Gedichte (Jahrgang 
1820, Nr. 26, S. 212 und Nr. 3G, S. 302), die weder in die 2. Auflage 
der ersten beiden Bände, noch in den dritten Band aufgenommen 
und wohl nur hier veröffentlicht worden sind, weshalb sie im fol- 



*) Goedeke sagt im Grundriss III, 1249 (die neue Auflage ist noch nicht 
soweit gediehen): ^Der Verfasser, der ungenannt bleiben wollte (1, 8), scheint 
Prediger in der Altmark, etwa bei Gardelegen (2, 98) gewesen zu sein. Er nennt 
sich selbst im Texte (1, 42. 2, 65) einen altmärkischen Landmann, beruft sich auf 
Bornemann (1, 32) und den Kalender von Worbs (2, 107. Superintendent Worbis 
in Priebus). Die Gedichte, im hausbackensten Scherzton nach Voss, nehmen häufig 
eine Wendung gegen Napoleon, der als Neppel verhöhnt wird, und feiern Friedrich 
Wilhelm IlL, Hardenberg und Blücher. Oft Stoffe aus der Bibel (Simson) im 
Bänkelsängerton). Anstatt Mittag, Futter, oder gebraucht der Dialekt Mirrag, 
Furrer, orer und schiebt vor g im Infinitiv ein n ein : leng^n, ling^n, sengen für 
legen, liegen, sagen.*' 



111 



genden mitgeteilt sein mögen. Beide stammen von Albrecht. 
Beim ersten ergiebt sich das schon aus dem Vorwort, worin auf die 
zwei ersten Bände und auf Gedichte daraus angespielt wird. Das 
zweite ist ein Gegenstück zum ersten und dem Gedankenkreise, in 
dem es sich bewegt, und seinem Stile nach ganz Albrechtisch. Es 
müsste ihm also zugesprochen werden, auch wenn das Intelligenzblatt 
nicht ausdrücklich auf das. erste Gedicht verwiese und auch wenn es 
Dicht mit A. unterzeichnet wäre — wie wiederum diese beiden Ge- 
dichte zusammen nur eine Variatioil eines im dritten Bande ent- 
haltenen sind, oder auch umgekehrt. 

Altmärkisches Intelligenzblatt 1820, Nr. 26, S. 212: 

Gretens Waschleed. 



Plidder, Pladder, natt! 
Kinuer, weet Ji wat? 
Unse Matter hat beschloaten. 
Morgen will se waschen loaten. 
Kiekt moal. Kinner, kiekt, 
Wie de Mntter bttükt! 

Plidder, Pladder, natt! 
Fudd're hübsch de Katt! 
Plegt Herzmutter wol to sengen; 
Bat plegt uns got Wäder brengen. 
'T Wäder werd nist nütt, 
Wenn se hungern raütt. 

Plidder, Pladder, natt! 
Hew mien Merkmoahl hat; 
Wenn de kleinen Mücken summen 
Un de schwarten Käwers brummen, 
Giwt et Oawentroth: 
Werd dät Wäder got. 

Plidder, Pladder, natt! 
Hans kümmt unt de Stadt. 
Um dät Tüüg got in to seepen, 
Musste Hans uns Seepe kööpen. 
Hans — wat gellt de Wett? — 
Brengt mi V Semmel met. 

Plidder, Pladder, natt! 
Koamt an't Woaterfatt, 
Air Ji flinken Wäscherinnen, 
Loat't uns nu dät Werk beginnen; 
Schmärt de Seepe up, 
Leggt hübsch Enoaken drup! 



Plidder, Pladder, natt! 
Hääster up de Latt! 
Loat dät Lachen un dät Schreien! 
Dät bedüüdet Gastereien; 
Un de koamen hüüt 
Nich to rechter Tiet. 

Plidder, Pladder, natt! 
Noa dem Päkelfatt 
Geit de Mutter, Fleesch to hoalen. 
Uns den Moagen to versoahlen, 
Koakt se Klüüt un Bärn; 
'T Woater plegt to tährn. 

Plidder, Pladder, natt! 
At't un drinkt Ju satt! 
Sund wi satt: denn wilFn wi spöhlen 
Un en lastig Stückschen gröölen, 
Hang'u dät Tüüg up d' Lien; 
Is all Sunnenschien. 

Plidder, Pladder, natt! 
Merkten Ji nich wat? 
Kreeg ick Hansens Tüüg to waschen, 
Hämme, Dööker un Eamaschen, 
Wie ^t mi denn so flink 
Van den Händen ging? 

Plidder, Pladder, natt! 
As *k letzt bie em satt. 
Hat he ehrlich mi versproaken, 
Mi to siener Fruu to moaken. 
Wenn 't tor Trunng gieng': 
Soll de Fiddel klingen. 



Plidder, Pladder, natt! 
Hans is schmuck un glatt; 
Wenn ick äwer van em wüsste, 
Dat he änu're Mäkens küsste: 
Sprützt^ ick em de Klatt 
Plidder, Pladder, natt. 



112 



Altmärkisches Intelligenzblatt 1820, Nr. 36, S. 302: 

Lieseis Melkleed. 

(Seitenstück ssum Waschliede Nr. 26. cf. das Vorwörtchen). 



Stripp! Strapp! Strnll! 
Werd mien Emmer vall, 
Giwt et düchtig Kees' an Botter,^) 
Wätern ook met Melk 
Unse kleine Pölk. 

Stripp! Strapp! Strull! 
'T war schier to dull, 
Wenn de Klatzen jetzt nich strnllten, 
Doa se doch so lade bnllten, 
Goahn jo bet an^t Knee 
Ook in Erout an Klee! 

Stripp! Strapp! Strall! 
Ick sitt in de Wall. 
Hans nennt mi jo oft sien Brütttken, 
Giwt mi af an to en Schmüülken, 
Loawt mien bnnte Jack 
Un mien rode Back. 



Stripp! Strapp! Strall! 
Hansen lött nich dall. 
Kraase Hoare, schlanken Nacken, 
Grelle Oogen, rode Backen, 
Woaden prick an prall, 
Aliens schmack an drall. 

Stripp! Strapp! Strall! 
Hans sitt in de Wall. 
Geld braakt he nich wiet to hoalen, 
Hans an Hoff kann he betoahlen; 
Na denn is he bi, 
Lött sick traan met mi. 

Stripp! Strapp! Strall! 
Ganze Büüdels vall 
Blanke Doalers an Dakoaten 
Mütt he denn noch springen loateu. 
Kööpen Klatzen an, 
De ick melken kann. 



Stripp! Strapp! Strnll! 
Fette Botterstnll 

Will ick mienen Hans denn schmären, 
Ook em all mien Law nich wehren 
Schlückschen ant de Fall, 
Stripp! Strapp! Strall! 



') Hier fehlt eine Reimzeile. 



HALLE a. d. S. 



Friedrich Wenzlau. 



113 



Volkstümlichkeit Bornemanns. 



In einem Vorworte sagt Bornemann (Plattd. Gedichte, Bdch. 2, 
Berlin 181G, S. IV). ,Es kömmt . . . nicht sehr auf ein einzelnes 
Wörtchen, sondern mehr darauf an: dass alles schier und eben in 
der Denkweise des Volkstheils gesagt sey, dem vorzüglich noch 
diese [die plattdeutsche] Mundart eigenthümlich blieb. Das ist der 
rechte Fleck, sonst wären es hochdeutsche Gedichte mit platt- 
deutschen Worten, ein Deutsch-Latein'. Später im Vorwort der 
fünften Ausgabe (Berlin 1843, S. IV) sagt er: ,Zwar vollkommen 
kundig der Sprachweise meiner kleinen Vaterstadt Gardelegen in der 
Altmark fehlte mir doch so ganz alle Bekanntschaft mit bäuerlichem 
Leben und Weben . . . Mussten ländlich sittliche Bräuche, in abzu- 
schildernden Gegenständen, berühret werden: so half wohl ein Be- 
fragen nothdürftig aus; nicht so hingegen galt es bäuerlicher Denk- 
und Handelsweise. Wo auch letzteres getroffen erscheinen möchte, 
da ist es ein glücklicher Griff in's Blaue gewesen, oder ein Ein- 
hauchen, ich weiss nicht von wannen noch woher?'. 

Die Denkweise des Volkes in der kleinen Landstadt Gardelegen, 
wo Bornemann seine Jugend verlebt hat, ist zu Schluss des vorigen 
Jahrhunderts schwerlich so sehr verschieden von der in den Dörfern 
gewesen. Jedesfalls ist Bornemann nicht nur in den Kreisen der 
Gebildeten gelesen, denen er mit Recht zuschreibt, dass seine Ge- 
dichte mehrmals aufgelegt werden konnten (vergl. S. IX a. a. 0.), 
sondern hat auch verstanden den bäurischen Geschmack zu treffen. 

Als ich 1894 in dem weltabgelegenen märkischen Dörfchen 
Prenden (Kreis Nieder-Barnim) Einkehr hielt, zeichnete ich aus dem 
Munde zweier Dorfbewohner ein plattdeutsches Gedicht auf, das 
früher, in den Jahren 1840—50, bei Hochzeits- und Kindtaufsschmäusen 
von einem Müller gern vorgetragen sei. Es ist leider kein Volks- 
lied, aber als Probe der Ortsmundart sei es hier so abgedruckt, wie 
es mir der alte Büdner Gottlieb Gläser vom Heller^) vorsagte^): 

In unsen Jörn en H«sken sat. 
In brynen Köl recht lustich frat: 
Dar kam de Bür jetrseedcn, 
He wolle na singen jän uu bseßden : 
Fot de ßtbel unjeschick, 
Schmet dat H&sken in dat Jnik. 



*) Das mitten im Walde belegene kleine Gehöft hat seinen Namen Heller 
(helder 'Fischteich') von einem schon vor 1774 trocken gelegten Fischteiche, an 
dessen ehemaligem Rande es liegt. 

^) Die Lettern ä se « bezeichnen lange Vokale, im übrigen sind alle nicht 
mit dem Längestrich versehenen Vokale kurz zu lesen. Das kurze e ist offen 
zu sprechen, das 6 wird nur bei langsamerem Sprechen deutlich gehört, das ä ist 
ein mit o beginnendes a. 

Niederdeutsches Jahrbuch XXVI. g 



114 

Müsedöt dat H^sken lach. 
I dit was en jlüpscher Scblach ! 
Da het mal de Bür jelacht ! 
Het dat Basken an sik bracht. 

Sundach müt dat H%sken dran; 
Wart jebräden in de Pan, 
Den son H^sken schmekt jär schön, 
Hakt en nicht oft in de Tsen. 
Da het mal de Bür jeknabbert, 
Het sich (!) Latz un Bart besabbert! 

Jrimmich kam de Jaejer an. 
Flüchte, wattSn mensch blöt kan, 
Spert hoch up de NseSsenläden, 
,Blitz! de Bür frit Häs6nbräd6n?* 

,Bür! sech an, du Röverwicht, 
Wür hestü dat H^sken kricht?^ 
,Mtn Her Jaejer, in den Jörn 
Sat dat H&sken janz verfrörn, 
As en Klüt tesam jedän, 
As ik wol na bseSden jän. 

Ktke mtne Btbel an, 
SiWern Ecken sint doch dran, 
Is mt üt de Hant jefiän 
Het dat H^sken döt jeschläSn. 
Wim de Ecken nich Silver west, 
So kricht dat H^sken nich den Rest.* 

,Bür*, spräk de Jsejer, ,dat is bräf, 
As du sündichst, krichst du de Strät* 
Het de Ecken wecl^ebräkSn, 
Bin in stn6n Ränsken stäken. 

Schönen Winthunt schlank un jlat 
Het de Jaejersman jehat, 
Un dsen Bürn stn Hofkarnickel 
Krtt de Winthunt bt den Wickel, 
Wörcht et af un schlukt et run. 
Lange het nich de Bür jesunn. 

,Hunt du krichst de Schwentzeldns, 
Kum mal rin in mtne Dons!* 
Het den Winthunt den jeknsebelt 
Un de Tsen scharp rüt jesaebelt. 
,Nü kanstü nä Huse jän. 
Dtn Her wart mt wol verstau !' 

Jrimmich kam de Jsejer an. 
Flüchte, wattSn Mensch man kan. 
,Sächtken !* het de Bür jeschpräken : 
,He bräk Ecken, ik bräk Enäken. 
Mtn Hof dat is mtne Forscht: 
Sprichwort is: Worscht wedder Worscht!* 



115 

Es lässt sich erweisen, dass der Wortlaut aus den Plattdeutschen 
Gedichten, Bdch. 2, Berlin 1816, S. 63 geflossen ist. Nur in dieser 
Auflage heisst es Str. 3, 5. 6: Denn sön Höäsken schmeckt gams schön 
Hackt nich oft am mank de Tän^ während die folgenden Auflagen da- 
für Suren Kohl fratt he doato ün dät Mmdwerk schnarpst man so bieten. 

Eine Vergleichung mit dem gedruckten Texte lehrt, dass einige 
Verse fehlen; im übrigen sind die Aenderungen wenig bedeutend. 
Bemerkenswert ist, dass einige in Prenden sonst nicht übliche Wörter 
festgehalten sind, so z. B. H&sken, Nseasenl&den (Nasenlöcher) und 
Dons. Letzteres deutete sich mein Gewährsmann als Residenz. 
Schwenzelens ist nach ihm in Prenden bekannt und soll mit 'Schwere- 
not' gleichbedeutend sein. In Danneils Wörterbuche fehlt das Wort, 
obwohl es auch sonst noch bei Bornemann sich findet. Statt 'kricht' 
sagt man sonst in Prenden 'krit'. 

Die Thatsache, dass ein Bornemannsches Gedicht irgendwo im 
Gedächtnis zweier Dorfbewohner haften blieb, ist nichts so Merk- 
würdiges, dass sie mitgeteilt werden müsste. Erwähnungswert er- 
scheint sie erst durch den zufälligen Umstand, dass dasselbe Gedicht 
auch in Westfalen in den Volksmund gelangt ist. Hermann flart- 
raann hat nämlich in seinem ,Schatzkästlein Westfälischer Dichtkunst 
Minden 1885' S. 526 flf. verschiedene ,Aule plattdütske Vertellsels' 
aufgezeichnet. Das erste derselben ,De Buer un de Jägersmann. Ein 
Vertellsel van mine Bessmoder' beginnt: 

In'n Gorn ein Häsken satt, 
Brunen Kohl gar lustik frat, 
Kam de Buer daher getreden, 
Wull hen singen gan un beden, 
Nam de Bibel mit Geschick. 
Schmeet dat Häsken in't Genick etc. (36 Verse.) 

Es ist also gleichfalls das Bornemannsche Gedicht, nur in westfälische 
Mundart umgesetzt. Bei der starken Kürzung des Textes lässt sich 
nicht genau erkennen, aus welcher Auflage er ursprünglich stammt, 
doch war es eine der ersten fünf, da von der Bibel die Rede ist, 
von der sechsten ab heisst es nämlich Postille. 

Ein weit bemerkenswerteres Beispiel der Treue, mit der das 
Volksgedächtnis ein Spruchgedicht festgehalten hat, ist übrigens der 
Hochzeitsbitterspruch, welchen ein Wismarscher Schreiber 1448 nieder- 
geschrieben hat und dessen einzelne Verse noch 1858 aus dem Munde 
einer Dienstmagd aufgezeichnet werden konnten. (Vgl. Jahrbücher 
des Vereins für meklenburgische Gedichte 27, 275 ff.) 

BERLIN." W. Seelmann. 



8* 



116 



Der Weg, 'die ^A^and'. 



Nach Jacob Grimm, Deutsche Grammatik 3, 429, besass das 
Altdeutsche vier Wörter, um die nah verwandten Begriffe Wand und 
Mauer auszudrücken. Nur im Altniederdeutschen sind alle vier vor- 
handen: weg^ m. ; wand^ fem.; wal, m. ; müra? fem., von dem nur der 
Dat. PI. mürun und das Compositum mürhraka (aries 'Mauerbrecher') 
überliefert sind. Als fünftes Wort lässt sich noch tün^ m., 'die ein- 
zeln stehende, nur einfriedigende Wand aus Palisaden, Planken oder 
Steinen', anreihen, welches für maceries im selben Psalm 62 steht, 
der das W^ort wand im Dativ wende bietet. Müra^ wie wohl der 
Nominativ anzusetzen ist, während das mnd. müre auf eine zweite 
Form muri schliessen lässt, war ein dem lateinischen murus nach- 
gebildetes Wort; es bedeutete daher nur die Mauer, die aus Steinen 
aufgezogene Wand. Auch wal wird allgemein für ein Fremdwort 
angesehen, als dem lateinischen vdllum^ vallus entsprechend. Auf- 
fallenderweise scheint das Wort wal aber dem Ahd. zu fehlen, und 
doch konnten die Oberdeutschen römische valla eher kennen lernen 
und nennen hören, als die Sachsen. Das as. wal (Plural wallos) 
kommt an zwei Stellen im Heliand vor in der Bedeutung von Mauer, 
unbestimmbar, ob nur von den Ringmauern der Stadt oder ob auch 
von den Mauern der Häuser gebraucht, ausserdem an drei Stellen 
für die Wand, den Abhang eines Berges oder Felsens, an 'keiner 
Stelle aber für einen Wall. Im ältesten hamburgischen Stadterbe- 
buche (1248 — 1274) wird Valium von einem die Stadt an der Alster 
schirmenden Erdwalle gesagt (Ztschr. für Hamburg. Geschichte I, 
392 f.), dagegen der Accusativ wallem (S. 381 zweimal, S. 382), 
vallem (S. 362), der Ablativ wallo (S. 352) und der deutsche Dativ 
walle (S. 394) von Stadtbefestigungen an Orten, wo aller Vermutung 
nach für einen Wall gar kein Raum genug zu Gebote stand, sondern 
höchstens für eine Mauer oder eine Palisadenwand. Darum hat 
schon Gaedechens, histor. Topographie von Hamburg S. 16 gemeint, 
es könnten darunter und unter dem Valium eines etwas späteren 
Erbebuches auch Ringmauern verstanden werden müssen. Dem ent- 
sprechend gewährt ein Glossar bei Diefenbach Glossarium Latino- 
Germanicum noch tinne vel borghwal für moenia. Bald aber unter- 
schied man wal als vallum, agger von wand und mure^ wie im 
Hochdeutschen, wohl durch den Einfluss des lateinischen Wortes, 
und auch in den nndd. Mundarten wird wall so verwendet. Wenn 
es ausserdem das Ufer, die Küste, das feste Land bezeichnet, ebenso 
wie wal im Ndl. und entlehnt vall im Schwedischen und val im 
Dänischen, so tritt hier noch die eine Bedeutung des as. wal 'Erd- 
wand, Abhang', deutlich hervor. 



117 

Der vierte Ausdruck für Wand, Mauer kommt im Heliand nur 
einmalvor und hier ist er lange verkannt und erst als Weg, dann 
als Weihthum, Tempel verstanden Erst Wilhelm Scherer hat die 
richtige Deutung gefunden; s. Sievers zu Heliand 1809^ in seiner 
Ausgabe. Es ist die Stelle, wo die Worte der Bergpredigt Matthäi 
7, 24 wiedergegeben werden: the gilico duot mfumu manne^ the husftedi 
Uufld an fastoro foldun endi an felifa uppan wegos wirkid. Scherer 
zeigte, dass man nicht wegos lesen müsse, sondern wegos und dass 
weg lautgesetzlich dem ags. wäh^ wäg^ wceg^ 'Mauer, Wand' ent- 
spreche, dem an. veggr und dem got. vaddjus, dem afrs. wach (PI. 
wägar), welches letztere nicht nur die Hauswand bedeutet, sondern 
auch für Wände, Seiten des menschlichen Körpefs, speciell der Nase, 
der Brust, des Bauches gebraucht wird. Im Ahd., wo das Wort nicht 
vorkommt, würde odtsch. weic, md. weig anzusetzen sein. 

Im Skandinavischen ist das Wort — dän. veeg^ PI. vcegge, schwed. 
vägg — bis heute lebendig geblieben als der recht eigentliche Aus- 
dnick für Wand. Im Englischen hat es, ebenso wie das ags. mür^ 
dem allein geltenden wall weichen müssen. Ob es in Dialekten 
erhalten ist? Vor zweihundert Jahren war das der Fall, in Lancashire 
1691: wogh, a wall; in Yorkshire 1703: wogh, any partition, whether 
of boards or mud-walls^ or laths and lime^ as^ a hoard shed wogh^ 
studded wogh^) (English Dial. Soc. Reprinted Glossaries XV — XVII 
p. 74. 109). Auch in Derbyshire war es damals noch im Gebrauch 
in der Bergmannssprache: woughs, the walls or sides; between them 
all sorts of earth^ stones^ and ore lieth^ or^ as philosophers sag, groweth 
(Engl. D. J. ßepr. Gl. VIII— XIV p. 44 aus Thom. Houghton's Rara 
Avis in Terris: or the Compleat Miner, London 1681). 

Dass bei den Friesen sich das Wort bis in die Neuzeit ge- 
halten hat, kann nicht befremden. Westfriesisch, bei Gysbert Japicx 
(1603 — 1666): weaghe^ een waag, wand, muur; Epkema, Woorden- 
boek op de gedichten van G. J. Bl. 523. 

Wangerogisch w6ch, m.. Ehrentraut, Fries. Archiv II, 405. Der 
Wangerogische woch besteht nach Ehrentraut aus einem Gerüst von 
Ständern und Latten, an welches eine Mischung von Stroh und Lehm 
{willer = nds. tveller) geworfen wird (kleimen = nds. klemen,) Sater- 
Icändisch woge; Minssen im Fries. Arch. I, 174, mit der Bemerkung, 
dass es nicht Mauer, nur Wand bedeutet. Ostfriesisch nach Cadovius- 
Müller, Memoriale linguae Frisicae 1691 (hrsg. v. Kükelhan, 1875, 
S. 44): tvaage, Wand; Maimde waage^ eine leimerne Wand, dagegen 
liiess die Mauer: muhr. Nach ten Doornkaat Koolman III, 495 
scheint das Wort jetzt obsolet zu sein. Auch das Verzeichnis Wust- 
friesischer Wörter von Westing v. J. 1688, hrsg. von Bremer in Paul 
und [Braune's Beiträgen Bd. 13, unterscheidet, wie Cadovius-Müller, 
wag 'Wand' von muhr 'Mauer' (S. 540, 408 f.) 



^) ob davon gebildet das ebenda aufgeführte woggin, a narrow passage 
between two houses? 



118 

Helgolandisch nach Oelrichs, Wörterbuch der Helgolander 
Sprache, 1846, S. 58 woch, sowohl für Wand wie für Mauer, nach 
HofFmann von Fallersleben bei Frommann, die deutschen Mundarten, 
Jgg. ni (1856) S. 30 woch W^and. Auf Föhr und Amrum woch Wand 
nach Johansen, Die Nordfries. Sprache nach der Föhringer und 
Amrumer Mundart, 1862, S. 112. Outzen, Glossarium der fries. 
Sprache, 1837, S. 404 giebt für seine Gegend, d. h. in Brecklum 
und Bredstedt, uöch Wand; nördlicher sage man «cA, im Nord- 
strandinger Dialekt laute das Wort nach Petreus' Angabe^) ough. 
In Risummoor nach Bendsen, Die Nordfriesische Sprache nach der 
Moringer Mundart, 1860, S. 49 und 407 wcA, m. die Wand; nach 
Nissen, Freske Sjemstin, 1868, S. XVIII in Enge und Stedesand ugh^ 
in Drellsdorf und auf Amrum umgh, in Hattstedt ü^A. 

In der Niederländischen Schriftsprache hat weech, m. und fem., 
sich im Mittelalter neben wand und miier, mure gehalten. Noch 1599 
verzeichnet Cornelius Kilianus DuflFlaeus in seinem Etymologicum 
Teutonicae Linguae p. 658 weegh, wand^ paries, lutamentum. Das Nndl. 
kennt es nur noch in weegluis Wanze; s. Franck, Etymologisch 
Woordenboek Sp. 1144. Neben weegluis gilt nach van Dale, Nieuw 
Woordenboek der Nederlandsche Taal, 1874, auch wandluis und, was 
bemerkenswert ist, walluis; schon bei Kilianus 1599 p. 652 begegnen 
alle drei Ausdrücke für Wanze. Van Dale giebt ferner an, dass es 
noch vorkomme in dem technischen Ausdruck een huis dak-^ ghs- en 
weegdicht houden. Ausserdem weist die nautische Sprache ein weger^ 
daneben auch mit friesischem Vocal wager^ m. auf für die innere 
Seitenplanke des Schiffs, und davon abgeleitet wegering, wagering^ 
fem. für die innere SchiffsvQrkleidung, aber auch als Synonym von 
weger, wager gebraucht, und weger en, wager en, ein Schiff von binnen 
mit Planken bekleiden. Ohne Zweifel hat Franck Recht, wenn er 
diese Wörter als Ableitungen aus weeg Wand fasst. Aber auch dies 
Grundwort selbst ist im Nndl. nach van Dale dialektisch noch 
lebendig für houten ziiwand, befchot, vornehmlich aber im Flämischeo. 
Die Bedeutung von weeg (mit 'fcherplange ee' d. he, m., niet vr.) 
bestimmt De Bo, Westvlaamfch Idioticon als: wand, muur van planken^ 
van vlechtwerk, van klei, enz. in tegenftelling met eenen muur van 
hrilcen of fteenen gemetfeld, Een berdelen weeg, Een hotden weeg. De 
naam um ^weeg^ wordt ook gegeven aan het buikvlies fr, peritoine, van 
menf'chen soowel als van dvren [vgl. das Afries.]. 

Im Gegensatz zum Mndl. schien das Wort weg oder weck im 
Mnd. erloschen, denn das Mnd. Wörterbuch und das Mnd. Hand- 
wörterbuch bringen es nicht. Mittlerweile ist es mir geglückt, ein 
paar Belege zu finden. In seinem Novum Glossarium Latino-Ger- 



*) A. Joh. Petrejus, Pastor zu Odenbüll auf Nordstraud (f 1605)? Er hat 
1565 eine Beschreibung vom Nordstraud verfasst, die in Camerer's Nachrichten 
von merkwürdigen Gegenden der Hrzgth. Schlefswig und Holstein, Th. II (1762) 
S. 733 abgedruckt ist. Das Wort ougli findet sich aber nicht darin. 



119 

manicum bringt Diefenbach aus dem von ihm mit Nr. 38 bez^ch- 
neten Glossar, das im mittleren Engern verfasst zu sein scheint,^) 
die Uebersetzung von pluteale durch bde^ eyn breden wech (andere 
Glossare geben: ligtiea tabula^ deil^ dielbret)^ letzteres Glossem ofiFenbar 
dasselbe was een berdelen weeg bei De Bo. 

Ein zweiter Beleg für das Wort scheint mir vorzuliegen in der 
Bezeichnung des 1374 in Dortmund Bürger gewordenen Luttekehenfe dey 
weghmekere; Rubel, Dortmunder Urkundenbuch II S. 132. Das wird 
entweder heissen ein Verfertiger von hölzernen Wänden oder soviel 
sein wie lemwerchte, lemklicker^ Icmenterer oder (1378 im selben ÜB.) 
lementyre. Bestätigt wird die Vermuthung durch das Wörterbuch 
Gemma Gemmarum, Cöln 1507: parietare^ wech of want maken. 

Ein drittes Beispiel bietet der Koker, jene gnomische Dichtung, 
welche ungefähr um 1500 in Braunschweig und zwar ziemlich sicher 
von Herman Bote verfasst ist: Dar fyn de wege gautz krum^ dar dat 
wynkelhölt ward gefocht^ (d. h. vermisst wird, fehlt); s. Reyneke de 
Vos mit dem Koker (hrsg. von Hackmann), Wulflfenbüttel 1711, 
S. 362 Z. 1775 f. Hier können unmöglich Wege, Strassen ver- 
standen werden, denn bei deren Anlage wird man sich schwerlich 
des Winkelmasses oder Richtscheits bedient haben, dagegen kann 
keine Wand ohne dasselbe gezogen werden. Mit dieser Erklärung 
ier wege als Wände kann ganz gut bestehen, dass der Verfasser ab- 
sichtlich das Wort wech gewählt hat statt tcawd oder müre, um den 
Leser durch einen zweideutigen Ausdruck zu necken oder zum Nach- 
denken zu zwingen. Solcher Wortspiele enthält der Koker eine 
Menge. 

Eine vierte Verwendung von wech liegt in der Bezeichnung ge- 
wisser Siedepfannen in der Lüneburger Sülze als wechpannen. Wegen 
der Einrichtungen der Sülze, wie sie bis gegen das Ende des 18. Jahr- 
hunderts bestanden haben, ist zu verweisen auf Volger's Lüneburger 
Neujahrsblatt 1861 (Von der Lüneburger Sülze ; Fortsetzung im Oster- 
blatt 1861 und Neujahrsblatt 1862) S. 6 flF. und auf Krause's Wörter- 
verzeichnis der Lüneburger Sülze im Nd. Jahrb. 5, 126 fiF. Hier soll 
nur zum nötigen Verständnis angeführt werden, dass jedes der 54 
Siedehäuser vier Salzpfannen enthielt, deren zwei gunkpannen und 
zwei wechpannen hiessen; sie wurden nach ihrer Lage weiter als 
vorder oder rechter und als luchfer^ rechts und links, unterschieden. 
Es giebt ein Registrum Salinae Luneburgensis, 1474 von dem Bürger- 
meister Nicolaus Staketo verfasst. Staphorst in der Hamburgischen 



*) Durchweg steht ou statt o, u (mhd. mo), meist ey für ß = mhd. ie; unter 
fuscipere : feck (sich), lamen blecke pix peck, navis fcep, ftannum ten; laevus locht, 
lochter; sartor fchrader, f ehr oder; urceus ember; nofter ufe, unfe; sumere nomen; 
mecum etc. mit my, dy^ om, aber unter per : en (ihn); hodie daling, hude, hode; 
fmaü (fagimen), aber folt (sal), wolt (filva), alder und older, fenium fenectus; 
campanarius opperman, corban opperftoc; rana hupper , vrofch; Bremis Bremen; 
Lena Leyne; Uarto Hart, wolt twiffchen Saffen und Doringhen lande; Wefera 
Wefere; Holfatia Uolftenlant bi SafferUande, 



120 



Kircheligeschichte I, 4, 910 hat dasselbe in einer Uebersetzung mit- 
getheilt, die dem 17. Jahrhundert anzugehören scheint. Von dem 
Uebersetzer scheinen die Erklärungen unter dem Text herzurühren: 
'Wechpann, die mit dem onere eines so genandten Weges be- 
schwerte Pfanne; Guncpann, bey derselben ist zu wissen, dass 
Gunck heisse der enge Gang, welcher in jedwede Kohte führet, die 
zunächst daran stossende Pfanne heisset die Gunckpanne ad dextram, 
die an dieser liegende aber die Luchtern, oder lincke Gunckpanne.' 
Beide Erklärungen sind sicher falsch. Nach Volger S. 5 und Krause 
S. 164 Hessen 'Wege, viae' die hölzernen Hauptrinnsale, in welchen 
die Sole aus dem Sode zu den Salzkoten geleitet ward, und nach 
Krause gab es auch eine auf diese Wege gelegte Rente. Dass die 
Wechpfannen aber damit beschwert gewesen seien, davon ist keine 
Spur der Ueberlieferung vorhanden, auch ist der Name dieser Pfannen 
viel älter, als die Entstehung der Rente gewesen sein kann. Dass 
Gung ein Gang in den Siedekoten gewesen sei, hat ohne Zweifel 
seine Richtigkeit, und auch Volger S. 6 und Krause S. 126 behaupten 
es. Was dann aber der Uebersetzer des Registers von der Lage der 
rechten und linken Gunkpfanne sagt, kann unmöglich richtig sein. 
Volger's Worte (S. 6) über die Einrichtung der Koten lauten: „Der 
Arbeitsraum dieser Hütten stand in dem Boden; nur das Strohdach 
ragte hervor. An das Strohdach schloss sich am Ende ein Bretter- 
schauer (Graft), welches zur Aufbewahrung und Spaltung des Brenn- 
holzes diente und von welchem ein bedeckter Seitengang (Gung) 
hinab zu dem Siederaume führte. In diesem Räume (Halve) lagen 
am sogenannten Wege vier Bleipfannen, je zwei einander gegenüber, 
auf gemauerten Oefen. Zwei dieser Pfannen, die an den Seiten der 
Gänge lagen, heissen die rechte und linke (luchtere) Gungpfanne, 
die beiden andern nannte man die rechte und linke Wegpfanne, 
Ausdrücke, die in alten Sülzurkunden oft vorkommen. In älteren 
Zeiten lagen die vier Pfannen in einer Reihe." Krause schliesst sich 
dieser Darstellung im ganzen an, nur setzt er S. 126 hinzu, dass die 
vier Pfannen ursprünglich in einer Reihe 'am Wege' gelegen hätten, 
und S. 164 deutet er 'Wechpannen' als die zwei Pfannen am 'Wege' 
im Siedehause, was Volger nicht ausdrücklich ausgesprochen hatte, 
was jedoch offenbar auch seine Meinung gewesen ist. Krause hat 
auf S. 126 folgenden Grundriss eines Siedehauses zur Erläuterung 
gegeben, der seine und Volgers AuflFassung gut zur Anschauung bringt. 

1 wech 

2 gunk 

a gunkpanne dextra 
b „ sinistra 

c wechpanne dextra 
d „ sinistra. 

Im ganzen wird der Plan richtig sein, denn, abgesehen von den 
nöthig gewordenen Erweiterungen, stimmt damit die Einrichtung der 



2 


1 


2 


graft 


a 


b 


c 


d 



121 

seit 1799 erbauten verbesserten Siedehäuser, man wird nicht unnötig 
von dem alten Schema abgewichen sein. Eins fehlt aber im Plan, 
die Hausthür an der Seite des Gunges dem 'Wege' gegenüber; eine 
solche an dieser Stelle wird notwendig erfordert durch die beständige 
Angabe in den Urkunden: chorus sälis (ein Wispel Salz) situm in 
domo (folgt der Name der Salzkote) ad dextram (sinistram) manum 
cum itur in domum (cum domus intratur) in sartagine qtMe guncpanne 
(wechpanne) appellatur. Daraus erhellt zugleich die Unrichtigkeit der 
Darstellung des Uebersetzers von Staketo's Register, welcher nur 
einen Eingang in die Kote aus der Graft kennt, in Bezug auf die 
Lage der Pfannen von keinen Wegpfannen weiss, sondern nur von 
rechten und linken Gunkpfannen und rechts und links in einer ganz 
undenkbaren Weise bestimmt. Ferner muss Volger's und Krause's 
Annahme, dass man von der Graft in das eigentliche Siedehaus 
hinab gestiegen sei, verkehrt sein, weil 'Graft' soviel bedeutet wie 
Graben, Grube, Gruft. Nach Johan Walther's, Lüneburgischen Stadt- 
sekretärs, Descriptio rerum salinarium Luneburgensium (bei Staphorst 
S. 857) erforderte das einzelne Siedehaus ;,bei völliger Bekochung'' 
jährlich 600 Faden Holz. Man musste also eine grosse Menge Holzes 
stets vorrätig haben, zu deren Aufstapelung man gewiss die Graft 
tiefer gelegt hat, als den Siederaum ; daher eben ihr Name. Sodann 
behauptet Volger ohne einen urkundlichen Beweis, dass im Gegensatz 
zur Graft der Siederaum, also der in Krause's Plan mit stärkeren 
Linien umrissene Teil des Gebäudes, die Halve, d. h. die Halbseite, 
Abseite, der Seitenraum genannt worden sei. Krause S. 127 vermag 
nur zwei Angaben bei Walther anzuführen, wo dieser die Unkosten 
bei der Sülze aufzählt (Staphorst S. 849): „Das Wasser aus der 
Halven zu tragen", „Tonnen in die Halven". Daraus den Beweis für 
Halve als Bezeichnung des Siederaumes zu nehmen scheint doch 
bedenklich. Krause erklärt, der Name stamme noch aus der Zeit 
der einreihigen Pfannenlage. Dann hätte man erwarten sollen, dass 
Halve nach Einrichtung zweireihiger Pfannen auf den Raum zwischen 
beiden Reihen übertragen worden wären; aber dieser Raum soll ja 
Weg geheissen haben, wofür freilich wiederum jedes urkundliche 
Zeugnis fehlt. Sollte nicht Halve ein ähnlicher Seitenraum, wie die 
Graft an der einen Breitseite, so an der andern gewesen sein, etwa 
bestimmt zur Vertonnung des Salzes und zur Unterbringung mancher 
notwendigen Dinge, für die im Wege und im Gunge kein Raum war, 
wie „zum Ansammeln des Spülwassers, auch der wegzugiessenden 
Mutterlauge" (Krause S. 127) V 

Dass der Gang zwischen den Pfannenreihen ^weg^ genannt worden 
sei, lässt sich als möglich denken, aber nicht, dass nach ihm die 
Wegpfannen ihren Namen empfangen haben. Auch die Gunkpfannen 
lagen ja an demselben Wege. Im Mnd. Handwörterbuch habe ich 
einer andern Ableitung den Vorzug gegeben, die aber ebenso verkehrt 
ist, nämlich, dass die Pfannen nach der Sodleitung, die ja gleichfalls 
'Weg' hiess, genannt worden seien. Ich bin darin einer Andeutung 



122 

Krause's (S. 164 unter tcech) gefolgt. Er behauptet, Weg sei nicht 
bloss der Name der 10 Hauptsoleleitungen gewesen, sondern auch 
der Leitung in den Sülzhäusern selbst. Einmal fehlt jeder Beweis 
für diesen Sprachgebrauch, und dann ward doch die Gunkpfanne 
ebensowohl wie die Wegpfanne von der Leitung gespeist. Mit allen 
diesen Ableitungen des Namens wechpanne ist es also nichts. Die 
richtige Ableitung ergiebt sich aus einer Stelle in Volger's Urkunden- 
buch der Stadt Lüneburg Bd. I S. 34 Nr. 65, wo in dieser Urkunde 
von J. 1243 eine Pfanne bezeichnet wird als neben, an der Wand 
gelegen und zwar auf der Südseite: sartago juxta parietem in australi 
parte. Wie demnach die vorderen, an den Gung stossenden Pfannen 
guncpannen^ so hiessen die hinteren nach ihrer Lage längs der Wand 
des Hauses wechpannen. 

So wenig an der gefundenen Bedeutung von wechpanne zu 
zweifeln ist, so wenig wird jedoch dieselbe durch eine Schreibung 
weechpanne bestätigt; das Wort wird stets mit einfachem Vocal ge- 
schrieben. Nun war freilich im 13ten und selbst noch im Beginn des 
14ten Jahrhunderts die Verdoppelung des Vocals ungebräuchlich. 
Aber die durchstehende Schreibung mit einfachem Vocal ist doch auf- 
fällig. Es Hesse sich denken, dass die Formen wecpanne und weg- 
panne, die in den früheren Urkunden begegnen (jene z. B. bei Volger 
Lüneb. U. B. I S. 55 — 57 mehrfach, nur einmal S. 56 wechpanne, 
und ebenso wecpanne S. 65 u. 1271; wegpanne bei Leverkus U. L. 
des Bisthums Lübeck I S. 579 a. 1319), nicht bloss eine Unter- 
scheidung des Bestimmungswortes von wech 'via' bezweckten, sondern 
auch die Länge des Vocals ausdrücken sollten. Oder das Wort ist 
mit zwiefacher Quantität gesprochen worden, weg weges und wech 
Weges, wofür engl, wogh neben wough und mehrere afries. Formen 
zeugen könnten. In diesem Falle lag eine Vermengung mit wech 
wcges 'via' besonders nahe. Dass der Nominativ im Altsächsischen 
jemals wei gelautet habe, wie Kögel in Paul und Braune's Beiträgen 
9, 543 vermutet hat, scheint durch die ags. fries. und mnd. Nominativ- 
formen ausgeschlossen zu sein. 

Ausser den gefundenen Belegen für mnd. Vorkommen des Wortes 
mag es vielleicht noch mehrere geben, in denen es bisher unbesehen 
für wech 'via' genommen worden ist. Allein viele werden es nicht 
sein, denn Gelegenheit zum Gebrauch des Wortes lag selten vor, da, 
wie aus dem Vorhergesagten hervorgeht, seine Verwendung auf Wände 
von Holz oder Lehmwerk beschränkt worden war, während wand nicht 
bloss gemauerte, sondern auch solche Wände älterer Herstellungsart 
bezeichnete. Diesen eingeschränkten, so zu sagen technischen Gebrauch 
des Wortes zeigt auch das Neuniederdeutsche. 

In seinem Aufsatze Saxonica (Zeitschr. für deutsches Alter- 
thum 40, 170), der über die Heliandfrage soviel neues und anregendes 
bringt, bemerkt Jostes, nachdem er eine Liste der Heliandwörter 
aufgestellt hat, welche nicht im jetzigen Westfälisch vorkommen: 
„Diese Liste würde wenig bedeuten, wenn sich ihr eine ähnliche Liste 
von Wörtern des Heliand nur aus westfälischen Quellen entgegen- 



123 

stellen liesse. Das ist aber nicht der Fall! Mit Hilfe von Schiller- 
Lübben habe ich auch nicht ein einziges Wort anfuhren können; aber 
zwei kann ich anführen: es sind die Wörter ikPo und weg .... Weg 
kenne ich nur aus der lebendigen Sprache; es bezeichnet — ja, wie 
soll ich mich ausdrücken? was man bei Steinbauten Umfassungs- und 
Trennungsmauern nennt, nennt man beim Holzbau weg^ aber ohne 
Rücksicht auf die Füllungen der einzelnen Felder (W^ände), die ur- 
sprünglich ja auch nicht aus Stein bestanden. Steinmauern nennt 
man nicht so. Aber dass dieses Wort nur noch im Osnabrückischen 
vorhanden sein soll, ist sehr unwahrscheinlich; es dürfte doch wohl 
nirgends verschwunden sein, wo nicht auch die Holzbauten ver- 
schwunden sind.^ 

Als Osnabrückisch hat Strodtmann, Idioticon Osnabrugenfe, 1756, 
das Wort schon aufgezeichnet, S. 281 : ;, Weeg heisst in einem Ge- 
bäude alles Holzwerk in den Wänden. Davon kommt Dürweeg^ 
welches das Holzwerk in einer Querwand bedeutet;*' und S.. 346: 
y^Weeg bedeutet auch das Thür-Gestelle: de Düre mit famt dem 
Weeg,'' Dass das Wort im Osnabrückischen noch nicht erstorben 
ist, sieht man auch aus K. Brandi, das Osnabrückische Bauern- und 
Bürgerhaus (Mittheilungen des Historischen Vereins von Osnabrück 
Bd. XVI, 1891), wo (S. 279—287) der Ausdruck begegnet ^ein Haus 
ist up hange wand^ up hangen wegen gebaut*, wenn die Aussenwände 
bis zur Höhe der Dielenständer hinaufgeführt sind. Nach der Schrei- 
bung muss auch dat gewege (e, nicht ic, also langes e) zu weg^ 'Wand' 
gehören, das nach Brandi S. 271 die Querbalken bedeutet, welche 
die ^Diele* überspannen; die inneren Ständer, welche das gewege tragen 
und mit ihm zusammen das Hauptgerüst des sächsischen Hauses 
ausmachen, heissen daher im Emslande gewegflänner^ in Bersenbrück 
aber waolftänner und in Ravensberg dialstänner. Dieses letzte Wort 
ist offenbar nach der dial, f. ^Diele'', Tenne benannt (vgl. Jellinghaus, 
Westfälische Grammatik S. 122), während waolftänner soviel wie 
Wallständer zu sein scheint, was mithin ein ganz vereinzeltes Beispiel 
von Erhaltung des Wortes wal in der alten Bedeutung von Wand 
wäre, wie im ndl. walluis. 

Man sollte mit Jostes annehmen, dass, wo sich auf dem Lande 
in Norddeutschland der altsächsische Hausbau mit Ständerwerk ge- 
halten hat, auch das Wort weg für Wand noch gelte. Allein die 
Idiotika weisen, mit Ausnahme des Osnabrückisclien, keine Spur des 
Wortes auf. Es muss Aufgabe der landschaftlichen Specialforschung 
sein, zu untersuchen ob der Ausdruck wirklich gänzlich ausgestorben 
ist, ob er nicht doch noch ausser Osnabrück vorkommt oder wenigstens 
eine Kunde von früherem Vorkommen sich erhalten hat. 

Die nautischen Ausdrücke Weeger^ Weegering oder Weigering^ 
weegern bestehen im Nnd., wie im Ndl.; s. Röding, Wörterbuch der 
Marine, Hamburg 1793, und Friedrichson, Schifffahrts-Lexikon, ebd. 
1879. Die Schreibung Weigering bekundet, dass der Vocal lang ist. 

HAMBURG. C. ^A^althep. 



124 



Kinderspiele 
aus Schleswig-Holstein. 

(Nachtrag zu Jahrbuch XIII S. 96.) 



1. „Katte, katte, Müsch'n, ik heff ken Hüsch'n!^ 

Das Spiel wird gewöhnlich von Mädchen und zwar da gespielt, 

wo mehrere Bäume nahe bei einander stehen. Jedes Kind fasst einen 

Baum, nur ein Kind steht frei und spricht: 

„Katte, katte, Müsch'n, 
ik heff ken Hüsch'n !« 

Bei dem letzten Worte wechseln die Spieler ihre Bäume und 

auch das freistehende Kind sucht einen Baum zu erhaschen. Gelingt 

ihm das, so ist es frei. Der Spieler, der keinen Baum erhält, inuss 

jetzt obige Worte sprechen und das Spiel nimmt wieder seinen Fortgang. 

Dahrenwurth b. Lunden i. Norderdithmarschen. 

Ein Fräulein aus Eutin nannte es: Von Baum zu Baum. Gutsmuths Spiele 
(Schnepfenthal 1796) S. 273 Nr. 53: Kämmerchen vermieten. Trapp u. Pinzke, 
Bewegungsspiele S. 73: Kämmerchen vermieten. Lier, Turnspiele S. 37: Stübchen 
oder Kämmerchen vermieten. Fölsing, Erziehungsstoffe I. Teil, Darmstadt 1860, 
S. 179: Plätze wechseln. Leitfaden für den Turnunterricht in den Preuss. Volks- 
schulen (1895) S. 120: Kämmerchen vermieten. 

2. Katt op't Holt. 

Jeder Spieler steht auf einem Stück Holz. Einer ist Ausrufer 

und auf seinen Euf werden die Plätze gewechselt. Wer nicht auf 

einem Stück Holz zu stehen kommt, wird Ausrufer. 

Gegend v. Hohenwestedt. 

3. Kummt en lütje Fru mit'n Büdel op'e Nakk. 

Eine Mitspielerin tritt zu den Mitspielern und spricht: 

„Kummt en lütje Fru mit'n Büdel op'e Nakk, 
falderi, faldera, falderupsasa.^ 

Die andern Spieler sprechen: ;,Gott tröst!*' Darauf antwortet sie: 

„Ick bin all tröst vun Norn un Westen, 
a, lütje Fru, hol se mi ni tön Besten; 
schass ok'n lütj'n Mann heb'n." 

Nun sagt sie jedem Mädchen den Namen eines Knaben und jedem 
Knaben den Namen eines Mädchens leise ins Ohr. Zuletzt müssen 
alle laut sagen, welche Frau resp. welchen Mann sie erhalten haben. 

Schwienhusen in Norderditm. Wittenborn b. Segeberg. 

4. Der Verwunderungsstuhl. 

Alle Spielerinnen sitzen in einer Eeihe. Eine Spielerin bleibt 
ausser der Reihe und eine sitzt abseits in einem grossen Stuhl (Ver- 



125 

wunnerungsstöl). Die ausser der Reihe gebliebene geht die Reihe 

entlang und fragt eine jede leise, ob sie sich nicht wundere über die, 

die auf dem Verwunderungsstuhl sitze; und jede sagt nun leise der 

Fragestellerin etwas ins Ohr. Die eine sagt z. B. sie wundere sich 

über ihr hübsches Kleid, die andere über ihr hübsches Gesicht, eine 

dritte über ihre grosse Nase usw. Darauf tritt die Fragestellerin 

an den Verwunderungsstuhl und sagt: „Güdn Dag!^ Die auf dem 

Stuhl Sitzende erwiedert den Gruss. Erstere fährt fort: ^Ik wer 

güstern Ab'nd in grote Gesellschaft. Dar hör ick allerlei Gudes un 

Böses vun se. Wat schall de nu don, de dar seggt het, du hars son 

hübsches Kled an?" „De schall," antwortet die auf dem Stuhl 

Sitzende, „umt Hus lop'n un sick bi jede Ekk umsehn." „Watschall 

de denn don," spricht diese weiter, „de der seggt het, du harrs so'n 

grote Näs?" „De schall," spricht die auf dem Stuhl Sitzende, „ün- 

nern Disch krupen un eher nich rütkäm, eher ik't segg." So geht 

es noch eine Weile fort, bis die auf dem Stuhl Sitzende endlich sagt: 

„De schall op'n Verwunnerungsstol sitt'n," — und dann beginnt das 

Spiel von vorne. 

Mitgeteilt von Frl. Brodersen aus Tolk in Angeln. 

5. Die Händlerin aus Engelland. 

Ein Mädchen nimmt ihre Schürze so auf, als habe sie allerlei 
Sachen darin, tritt an die Mitspielerinnen heran und spricht: 

„Dar kummt ^n Fru ut Engelland 
Mit allerlei Sitz^), Kattun un Band 
Schall ni'n bet'n sin?« 

Sie handelt nun mit einer Spielerin und überlässt ihr etwas für einen 
bestimmten Preis und spricht weiter: 

„Awermorm kam ik un hk\ mtn Geld: 

Wenn de Wind weit, 

wenn de Hän krait, 

wenn de Prßster op'e Kanzel steiht; 
un ken ja, ken ne, kßn Lachen darto; niks anners seggn as N. N. (Hier wird ein 
Name genannt.) 

Nun geht die Händlerin fort, kehrt aber gleich wieder und 

spricht zu der Käuferin: ;,Gud'n Dag!^ Käuferin: „Gud'n Dag!'' 

Händlerin: ^Nu kam ik un will min Geld hebbu.*^ Die Käuferin, die 

kein ja, kein nein sagen und auch nicht lachen darf, nennt den ihr 

aufgegebenen Namen. Darauf spricht die Händlerin etwa: „Wat's 

dat vun Snakk; ik will min Geld hebbn.'' Die Käuferin nennt wieder 

den Namen. So geht es fort, bis entweder diese oder eine andre, 

mit der ein Handel abgeschlossen wird, lacht, ja oder entweder nein 

sagt. Wer das thut, muss ein Pfand geben und ist nun die Händlerin. 

Mitget. von Frl. Brodersen aus Tolk in Angeln. 

Hier in Dahrenwurt heisst es statt Sitz, Kattun un Band: Rips, Kattun un 
Wulfenband.*) Hier fragt die Händlerin, wenn der Handel abgeschlossen ist, auch 

*) Sitz = schwedischer Name für Kattun? 
?) Wulfenband? — was ist das für Band? 



126 

noch: Blift noch en lütje En »wer; will S' dat mithebbn? Statt: Wenn de Pr^ster 
op'e Kanzel steit, heisst es hier: „Wenn de ol Fru op'n Butendik steit." Auch: 
Wenn de M&büd'l op'n Disch steit. 

In Wittenborn bei Segeberg heisst ein ganz ähnliches Spiel: Ich bin der 
Kaufmann von Paris, verkaufe schöne Waren, verbiet' mir aber schwarz und weiss 
und nein und ja zu sagen. Wieviel wollen Sie haben? Beim Handel gilt es nun, 
den Käufer fest zu kriegen. Sagt er schwarz, weiss, ja oder nein, so muss er ein 
Pfand ausgeben. 

6. Tante Maria. 

Eine Spielerin ist Tante Maria und es entspinnt sich zwischen 

ihr und den andern Mitspielerinnen folgendes Zwiegespräch: 

Spieler: Tante Maria, was nähst du da? 

Maria: „üeberhemd." 

Spieler: Wer soll's haben? 

Maria: „Mein Vater." 

Spieler: Wo ist er denn? 

Maria: „Im Garten." 

Spieler: Dürfen wir auch 'mal hin? 

Maria: „Aber nicht hinter die Hühner jagen." 

Nun gehen die Kinder fort, kommen aher gleich wieder und sprechen: 

Spieler: 0, Tante Maria, die Glocken läuten, 

was hat das denn zu bedeuten? 
Maria: „Unser grosser Hahn ist tot." 

Wer hat das denn gethan? 
Spieler: Wir alle! 

Bei den letzten Worten laufen alle davon. Tante Maria sucht eine 

Mitspielerin zu erhaschen. Wer ergriffen wird, ist dann Tante Maria. 

Dahrenwurt b. Lunden. 

Vergl. Handelmann, S. 80 : Der Hahn ist tot. Firmenich I, 397. Mannhardt, 
germ. Mythen S. 510, Anm. 1. In Süderstapel: Mutter Mari. In Scharkholz b. 
Tellingstedt : Mutter Maria näht: Hemd — pflanzt Kartoffeln. 

7. Kaufmann oder Krämer. 

Einer ist Kaufmann; als solcher hat er Kaffee, Zucker, Mehl, 
Rosinen usw. zu verkaufen. Das Geld besteht in kleinen Papier- 
scheiben, auf denen man die Werte angegeben. Die Papierscheiben 
sind von der Grösse der wirklichen Münzen, die sie darstellen. Der 
Kaufmann hat auch Tüten von Papier, die er selbst verfertigt hat, 
vorrätig. Seine Waren bestehen hauptsächlich in Erde und Steinen. 
Die Käufer wohnen vom Krämer entfernt; der eine hier, der andre 
dort. Zwei bis vier Kinder bilden eine Familie, das eine stellt den 
Vater, das andre die Mutter, das andre oder die andern die Kinder 
vor. Jede Familie ist im Besitze eines Messers, mehrerer Tassen, 
Teller und ist auch im Besitze von Brot unb Zucker, Aepfel, Birnen 
und Nüssen. Jede Familie kocht nun und spielt dann für sich; ab 
und zu wird ein Kind zum Krämer geschickt, vielleicht um 1 Pfund 
Kaffee zu holen. Die Mutter giebt dann dem Kinde Geld mit. Wenn 
es zurückkommt, muss es Rechenschaft ablegen, ob's vielleicht nicht 
zuviel Geld ausgegeben hat oder dergl. Dann und wann besuchen 
sich die einzelnen Familien. Der Besuch wird mit Kaffee und Kuchen 



127 

(mit Wasser und Apfelscheiben) aufgewartet. Sind die Johannisbeeren 
reif, so muss der Kaufmann auch diese zu verkaufen haben. 

Mitgeteilt von dem verstorbenen Lehrer J. Petersen— Grönwold b. Trittau. 

8. Här op'n Dik. 

Auf einem erhöhten Platz, Dik genannt, steht ein Spieler mit 

einem Stock in der Hand, de Här (der Herr). Die andern Spieler 

stehen unten und sprechen: ^Is d'r den ken Här op'n Dik?^ Worauf 

geantwortet wird: „De Här is verreist!^ Kommen die Spieler nun 

der Anhöhe, worauf der Herr steht, zu nahe, so sucht er einen mit 

dem Stocke zu ;,tikken''. Wer „getikkt*' worden ist, muss oben stehen. 

Feddringen in Norderditm. 

In Bergenhusen spielten wir in den 60er Jahren ein ähnliches Spiel. Auf 
einem Hümpel, Strenhümpel, stand ein Spieler mit einem Stock bewaffnet. Die 
unten stehenden Mitspieler suchten nun den oben stehenden von dem Hümpel zu 
vertreiben, herunter zu reissen, während der mit dem Stock die Spieler abwehrte. 

Bergenhusen in Stapelholm. 

Yergl. Handelmann S. 81 Nr. 107: Die Katzen vor dem Berge. Schütze, 
Idiotikon II, 236 u. III, 100. Trapp u. Pinzke, Bewegungsspiel (Langensalza 1885), 
S. 95 Nr. 103 : Der Berg ist mein ! 

9. Strünken stä'ln. 

Die Spieler teilen sich in zwei ziemlich gleich grosse Parteien. 
Jede Partei sucht sich 24 Stäbchen (Strünken), die ziemlich weit von 
einander entfernt auf einen Haufen gelegt werden. In der Mitte 
zwischen den beiden Parteien wird ein Strich auf der Erde gezogen 
und so das Gebiet jeder Spielpartei abgegrenzt. Jede Partei sucht 
nun in das Gebiet der andern Partei einzudringen und Stäbchen, 
einen zur Zeit, zu stehlen und an den Haufen seiner Partei zu legen. 
Es gilt nun den Dieb, sobald er über den Strich kommt, zu „tikken*'. 
Wer ;,tikkt^ worden ist, muss so lange stehen bleiben, bis er von 
einem Spieler seiner Partei ^tikkt*' (lostikkt) wird. Das geht so fort, 
bis alle Spieler einer Partei „fasstikkt^ sind und dann muss die eine 
Partei drei Stäbe an die andre geben, bis endlich eine Partei keine 
Stäbchen mehr hat. Das nennt man: Strunk'n stä'ln. 

Dahrenwurt b. Landen. 
Vergl. Jahrbuch III (1877) S. 104. 

Anderswo, so z. B. in Feddringen, heisst das Spiel „Eölstrunkenstä'ln, und 
dadurch wird meine Vermutung bestätigt, dass es thatsächlich mit Kohlstrunken 
d. s. entblätterte Eohlpflanzen, die man Frühjahrs, wenn der Garten umgegraben 
werden soll, ausreisst, gespieH worden ist. 

10. Fisch swimm lat'n. 

Die Spieler stellen sich in 2 Reihen einander gegenüber und 
fassen einander mit beiden Händen an. Ein Spieler legt sich auf 
die Hände des ersten Knabenpaars und zwar mit dem Bauche. Dieses 
schnellt ihn nach dem zweiten Knabenpaar, und dieses dann weiter 
und so der ganzen Reihe entlang. Das nennt man: ^Fisch swimm 
lät'n*' (Fische schwimmen lassen). 

Kleinsee i. Staj^elholm« 



128 

Bei diesem Spiel werdeu die Hände auch über Kreuz gefasst; auch wohl 
so verschlungen, dass sie eine Art Viereck bilden. In Ditmarschen, wo es gleich- 
falls bekannt ist, wird nui^ mit einer Hand die Hand des Gegenübers gefasst und 
mit der andern sie gestützt. In den 50er Jahren ward dieses Spiel von einer 
ganzen Kompagnie Soldaten auf dem Exercier-Kamp bei Rendsburg gespielt. 

Vergl. Handelmann, S. 83. Lemke, Volkstüml. aus Ostpreussen I, S. 137. 

11. Tründeln. 

Die Spieler teilen sich in zwei Parteien. Ein kreisförmiges 
Stück Holz, wie man es von einem nicht allzu dicken Baumstamm 
absägt, wird von einem Spieler mit aller Kraft längst den Weg oder 
Steig geworfen. Die Gegenpartei sucht dasselbe mit Knüppeln auf- 
zufangen und zurückzutreiben, während der Werfer das Rad durch 
die Partei hindurch zu treiben sucht. Wir nannten das Spiel tründeln, 
trünneln, und das kreisförmige Stück Holz: Trünnel, en Trünnel. 

Christiansholm b. Hohn. 

In der Heimat, Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur und Landes- 
kunde in Schleswig-Holstein usw., 6. Jahrg., Nr. 3, S. 54 heisst das Spiel in Stor- 
marn : Schiebensmieten und mucheln, in Angeln : verdrieben oder Spill mit'n Roller. 

Blätter für Pommersche Volkskunde II, S. 95. 

12. Hokkepip. (Mädchenspiel). 

Elleri, selleri, sipperi, sorr 
knipperi, knappen, knorr. 

Beim Abzählen halten alle die Fäuste vor und die Zählerin 
zählt erst die eine Faust ab, welche dann auf den Rücken gelegt 
wird, dann die andere. Wen das letzte „knorr" trifft, muss aus- 
treten und ist „Hokkepip". Um Hokkepip schliessen alle einen Kreis, 
worin Hokkepip niederhockt und indem alle tanzen, rufen sie: Maria 
Hokkepip oder Anna Hokkepip, je nachdem das Kind mit Vornamen 
heisst. Während Hokkepip nun eine Spielerin zu greifen sucht, hocken 

alle sofort nieder. Wen sie stehend „tikkt", ist Hokkepip. 

Eellinghusen a. Stör. 
Das Abzählen der einzelnen zu einer Faust geballten Hände geschieht auch 
bei Lunden i. Dithm. Der obige sonderbare Abzählreim ist durch ganz Deutsch- 
land verbreitet. 

13. Klipsen. 

Bei diesem Spiel wird ein kleiner Sandhügel und ein Taschen- 
messer gebraucht. Es gilt, das Taschenmesser aus verschiedenen 
Lagen in und auf der Hand durch teils recht künstliche Würfe so 
in den Sandhaufen zu werfen, dass es mit der Spitze darin sitzt. 
Zuerst legt man das Messer in die Hand mit der Spitze nach vorne, 
dann quer, dann ebenso auf den Handrücken, darauf längs und quer 
auf die zu einer Faust geballten Hände innen und aussen. Man 

nimmt es sogar zwischen die Finger. 

I Süderstapel in Stapelholm. 

Bei Lunden kennt man dieses Spiel gleichfalls und nennt es : Mess'n stäk'n. 

14. Fischen. 

Jeder Mitspieler erhält den Namen eines Fisches. Einer spricht: 
Ick fisch, ik fisch wul «wer twe Disch, wul «wer twe Dik, wul «wer 



129 

twe Damm un de ganze Nach niks mehr fungn as e n Aal. Aal min ! 

ruft der, der den Aal hat. Watt fritt he? fragt Ersterer wieder. 

Häk! lautet etwa die Antwort. Häk min! ruft der, der den Hecht- 

namen hat. Wer nicht aufpasst, muss ein Pfand geben. 

Geg. V. Hohenwestedt. 
Handebnann S. 32. Frischbier S. 193. 

15. Herr und Esel. 

Der Herr spricht: Esel, wo bist du so lange gewesen? 

Esel: ,,Auf der Mühle.** 

Herr: Was hast du da getban? 

Esel: „Säcke getragen.** 

Herr: Was war in den Säcken? 

Esel: „Schöne Bücher.** 

Herr: Was stand in den Büchern? 

Esel: „Schöne Lieder.** 

Herr: Sing' mir 'mal eins vor. 

Esel: „Ich weiss keins.** 

Herr: Hol mir 'mal die Peitsche. 

Esel: „Scheissen !** 

Bei den letzten Worten läuft der Esel fort und der Herr sucht ihn 

zu erhaschen und durchzuprügeln. 

Süderstapel in Stapelholm. Ganz ähnlich in Bergenhusen in Stapelholm. 
MüUenboff S. 488 und darnach Handelmann S. 75. 

16. Die Herren aus Ninive. 

Die Spieler (Mädchen) stehen in einer Frontreihe und fassen 

einander bei den Händen. Sie stellen die Mutter mit ihren Töchtern 

dar. Eine Mitspielerin steht vor der Reihe und stellt den Freier dar. 

Beide Reihen marschieren abwechselnd gegeneinander und zurück, und 

die Verse werden abwechselnd gesungen. 

Freier: Es kommt ein Herr aus Ninive; Pontio Pilatus. 

Mutter und Töchter: „Was soll (will?) der Herr aus Ninive; Pontio Pilatus." 

Freier: Will die jüngste Tochter haben; Pontio Pilatus. 

Mutter und Töchter: „Was soll die jüngste Tochter denn; Pontio Pilatus." 

Freier : Soll nähen und stricken lernen ; Pontio Pilatus. 

Mutter und Töchter: „Nähen und stricken kann sie schon; Pontio Pilatus." 

Freier: Soll kochen und braten lernen; Pontio Pilatus. 

Mutter und Töchter: „Kochen und braten kann sie schon; Pontio Pilatus." 

Freier: Will ihr einen Mann verschaffen; Pontio Pilatus. 

Mutter und Töchter: „Welcher Mann mag das denn sein; Pontio Pilatus." 

Freier: Das soll N. N. (Knabenname) sein; Pontio Pilatus. 

Dann nimmt der Freier die am rechten Flügel stehende Spielerin mit, 

und nun geht es weiter: Es kommen zwei Herren aus Ninive, dann 

drei und so fort, bis alle Töchter an einen Mann gebracht sind. 

Dahrenwurth b. Lunden i. Dithm. 

In Süderstapel in Stapelholm fängt das Spiel an mit den Worten : Es kamen 
drei Herren aus Ninive zum Pontius Pilatus. Die Verse : „Soll nähen und stricken 
lernen" und „Soll kochen und braten lernen" fehlen. Der Schluss heisst: „Dann 
nehmet sie mit Freuden an." In Bergenhusen iu Stapelholm heisst es am Schlüsse 
eines jeden Verses: „Heissen Sankt Pilatus"; soll wohl lauten : „Haissa St. Pilatus." 
In Ostorf im Dänischenwold heisst es am Schlüsse: Sazius Pilatus, in Lebe bei 
Lunden: Heitzius Pilatus, in Kuden in Süderdithm. : Es kommen 2 Herren von 
Lilienfeld, juch heisa fiza fum. 

NiederdentscheB Jahrbuch XXVI. 9 



130 

Vergl. Müllenhoflf, Lieder u. Märchen usw. S. 486. — Frischbier, Volksreime 
u. Kinderspiele S. 62 uf. — Am Ür-Quell II, S. 160: Dar kom en old Mientze an. 
— Ebd. V, S. 171: Es kommt ein Pantoffel an. — Ebd. VI, S. 178. — Ethnolog. 
Mitt. aus Ungarn Bd. III, Heft 3—4 S. 105: Linafe Kaiser von Pilatus. — Lewalter, 
Deutsche Volkslieder, Hamburg 1890, H. UI, S. 15, Nr. 8. — Volkskunde, Tijd- 
schrift voor Nederlandsche Folklore, 3. Jahrg., 2. Aufl., S. 39 (Gent 1890). 

Ein ähnliches Spiel findet sich in H. F. Feilberg, Dansk Bondeliv, Kopen- 
hagen 1889, S. 24. Dr. Bolte hat über dieses Spiel geschrieben in der Zeitschrift 
des Vereins für Volkskunde (Berlin 1894) IV, 180-184. 

17. Blindekuh. 

a) Einem Spieler werden die Augen verbunden und dieser heisst 
dann „blinne M8hm^^). Ein Mitspieler fasst ihn bei der Hand, führt 
ihn mehrmals im Kreise herum, und es findet folgendes Zwiegespräch statt: 

Blinne M6hm, ik lai di. 

„Wanem hin?" 
Na Grotvaders Hus. 

„Wat schall ik dar?« 
Stut'n un Melk (Kröm) et'n. 

„Ik heff ken Läpel." 
Gab hin un s8k di en. 

Bei den letzten Worten lässt er die Blinnekuh mit einem kräftigen 
Ruck los, und dieser sucht nun einen Mitspieler zu erhaschen. Ge- 
lingt ihm das, so muss der Ergriffene die Blindekuh sein. Die Blinde- 
kuh wird gestossen, gezerrt und geneckt. Ist die Blindekuh in Gefahr, 
irgendwo gegen zu laufen, so ertönt aus der Schar der Mitspieler 

der Warnungsruf: Füer! 

Eleinsee in Stapelholm. 

Erinnere als Bruchstück eines Zwiegesprächs heim Blindekuhspiel ans 
Stapelholm auch noch folgenden Keim: 

„Wat flog dar?« 
En Vagel! 
Wat krupt dar? 
„En Mus !« 

In Dahrenwurth b. Lunden in Norderditm. heisst der Spielreim : 

Blinne MÖhm, ik führ di. 
„Wanem hin?" 
Na Grotvaders Hus. 
„Wat schall ik dar?« 
Melk un Bri et'n. 
„Ik heff ken Läpel." 
Gah hin un söik di ^n. 

In Feddringen in Norderditm. heisst der Reim: 

Blinne Möhm, ik trekke di. 

„Woneb'n hin?" 

Na Grotvaders Hus. 

„Wat schall ik dar?" 

Stud'n un Melk un Kröm ed'n. 

„Ik heff ken Läpel." 

Gah hin un griep di ön ut'n Wustketel. 



*) Möhm, Müim, ahd. muoma = Muhme, Tante, bedeutet hier (besonders 
in Stapelholm) die Mutter ; ob indess dieses die Grundbedeutung des Namens in 
diesem Spiel ist, dürfte mindestens zweifelhaft sein. 



131 

In Wittenborn bei Segeberg h^eisst es auf die Frage: Wonäb'n hin? Na 
Buervägshus. Der Schluss heisst: Se to, wo du ^n krieg'n deis. 

In Nindorf b. Hohenwestedt heisst das Spiel selber: Blinnekö, der Reim 
aber: Brummummel, ik trekk di. Wohin? Na Grotvaders Hus. Wat schall ik 
dar? Stud'n un söt Melk et'n. Ik heff keen Läpel usw. 

Trapp u. Pinzke, Bewegungsspiel S. 71. — Lier, Tumspiele, S. 74 — 75. — 
Frischbier, Volksreime und Volksspiele (Berlin 1867) S. 186. — Schütze, Holst. 
Idiotikon I (Hamburg 1800) S. 114 uf. — Gutsmuths, Spiele (Schnepfenthal 1796) 
S. 221—224. — Nd. Jahrb. 1877 S. 107. — Lemke, Volkst. aus Ostpreussen I S. 
134. — Blätter für Pomm. Volksk. I, S. 171 ; VII, S. 154. — Vergl. besonders 
Handelmann, Volks- und Kinderspiele 69 — 73 u. S. 109-111, wo über Namen und 
Verbreitung des Spiels Mancherlei zu lesen steht. Die zahlreichen Spielreime 
zeigen überall eine merkwürdige Uebereinstimmung. 

b) Einem Spieler bindet man ein Tuch vor die Augen und giebt 

ihm einen grossen Holzlöffel (Slef) in die Hand. Damit soll er dann 

die Mitspieler, die alle auf Stühlen sitzen, berühren und erraten, wen 

er berührt. Errät er es, so ist dieser Blindekuh. 

Geg. V. Lunden. 

18. Auf dem Berge Zittria. 

Die Kinder (Mädchen) bilden einen Kreis und indem der Kreis 

sich in Bewegung setzt, singen alle: „Auf dem Berge Zittria, Zattria, 

sind so viele Schuster; so thun die Schuster, so thun die Schuster.^ 

Hier wird die Bewegung des Klopfens und zwar bei dem Worte: „so^ 

gemacht, während der Kreis dann so lange still steht und die Hände 

losgelassen werden. Dann fassen sich die Spieler wiederum an, der 

Kreis setzt sich in Bewegung und man singt weiter: ;,Auf dem Berge 

Zittria, Zattria, sind so viele Schneider, so thun die Schneider.^ 

Bei dem ^so^ wird die Bewegung des Nähens gemacht. Dann werden 

nach einander Herren, Damen, Teufel eingesetzt. Bei dem Teufel 

versuchen die Spieler bei dem „so^ sich aus dem Kreis zu drängen 

oder gar umzustossen. 

Dahrenwurth b. Lunden. 
In Stapelholm (Süderstapel) heisst der Berg: Sinai. 

19. Här Krämer. 

Här Krämer, Herr Krämer, Keis he hin na Amsterdam, 

Len mi mal diu Hämer, Vun Amsterdam na Ramen, (Oranien?) 

LcQs du mi din Hamer ni, Vun Kamen na Spamen, (Spanien) 

Bis du ok Här Krämer ni. W^t's du ok wo Uambörg liggt? 

Här Krämer stunden wul vffir de D«r Hambörg hier, Hambörg dar, 

Mit stn witt'n Plät'n vser, En lüttje Diern mit kruse Här. 

Mit stn gäl'n Steweln an 

Die Kinder bilden einen Kreis und indem der Kreis sich dreht, 
singen die Kinder vorstehendes Lied. 

Dahrenwurth b. Lunden. 

20. Ik sitt, ik sitt in'n Korf. 

Eine Spielerin hockt nieder und spricht: 

Ik sitt, ik sitt in'n Korf 

Un nai min Hemd mit Sorg; 

Un nai min Hemd mit grisen Twöm; 

Och, wat seh ik N. N. (hier wird ein Name genannt) gßrn. 



132 

Die Gerufene kommt herbei und $etzt sich auf den Schoss der 
Sprecherin. So geht das Spiel fort, bis alle Mitspielerinnen bis auf 
eine nach, in einer langen Reihe einander auf dem Schoss sitzen. 
Die zurückgebliebene Spielerin stösst nun die ganze Reihe um. 

Mitget. von Frl. Brodersen aus Tolk in Angeln. 
In Bunsohe bei Albersdorf in Süderditm. heisst der Spielreim : 

Ik sitt, ik sitt in*n Korf, 

ün nai min Hemd mit Sorg; 

Ik nai min Hemd mit witt'n Twern; 

Un bi -- un bi N. N. dar slep ik gdrn. 

In liehe b. Lunden spielt die erwachsene Jugend dies Spiel. Der Spielreim 
heisst dort: 

Ik sitt, ik sitt in'n Korf 

Un nai min Hemd mit Sorg, 

Ik nai min Hemd mit gris'n Twern, 

Ik heflf min Ißw'n Gott so g^m. 

Wen hess du m^r so gßrn? 

Nun wird der Name eines Jünglings ev. eines Mädchens genannt, je nachdem der 
Fragesteller männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. Lehe. 

In Feddringen in Norderditm. spielten Knaben und Mädchen dieses Spiel. 
Ein Mädchen wählte sich bei den letzten Worten einen Knaben und Knaben 
wählen ein Mädchen. Das Spiel scheint ein Freiwerberspiel zu sein. 

VergL Am Urdsbrunnen Jahrg. VH, S. 78. 

21. Herr und Ziegenbock. 

Die Kinder bilden einen Kreis und indem der Kreis sich dreht, 
singen die Kinder: 

Wo bist du denn gewesen, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Auf der Mühle, auf der Mühle, mein gnädiger Herr." 

Was hast du da gethan, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Gestohlen, gestohlen, mein gnädiger Herr.** 

Was hast du denn gestohlen, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Weizenmehl, Weizenmehl, mein gnädiger Herr." 

Wer hat es denn gesehen, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Die Magd, die Magd, mein gnädiger Herr." 

Was hat sie dir gethan, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Geschlagen, geschlagen, mein gnädiger Herr." 

Wo hat sie dich geschlagen, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Mit'm Stock auf dem Kopf, mein gnädiger Herr." 

Was hast du denn geschrieen, mein Ziegenbock, mein Ziegenbock? 

„Mekker mär, mekker mär, mein gnädiger Herr." 

Bei den letzten Worten lassen die Spieler die Hände los. 

Dahrenwurth b. Lunden in Ditmarschen. 

22. Der Bauer fuhr zu Holz. 

Die Kinder bilden einen Kreis und indem der Kreis sich in 
Bewegung setzt, singen die Spieler: 

1. Der Bauer fuhr zu Holz, der Bauer fuhr zu Holz, 
heissa, Viktoria, der Bauer fuhr zu Holz, ja, ja ! 

2. Der Bauer nahm sich ein Weib usw. 

3. Das Weib nahm sich ein'n Sohn usw. 

4. Der Sohn nahm sich eine Magd usw. 

5. Die Magd nahm sich ein'n Knecht usw. 

6. Der Knecht nahm sich eine Muhme usw. 

7. Da schied das Weib vom Bauer usw. 



133 

rückwärts bis alle, die nach und nach in die Mitte des Kreises, wo 

anfangs nur der Bauer allein stand, wieder in den Kreis getreten 

sind bis auf die Muhme. Diese wird dann ausgeklatscht. 

Dahrenwurth b. Lunden. 
Stapelholm (Süderstapel) heisst es: Der Bauer fuhr ins Heu. Die Muhme 
fehlt dort. 

23. Dreimal um den Kessel. 

Ach, dreh mal um den Kessel! 
Ich weiss nicht, was da floh. 
Da kam ein wackeres Mädchen, 
Zu dem ich freundlich sprach: 
N. N. du mein liebes Kind, 
Komm hinter meinen Schleier, 
Und wenn der Schleier reisset. 
So reisset unser Spiel. 

Stadt Schleswig. 

Ein Kind steht in der Mitte des Kreises, die andern tanzen 
herum und singen vorstehendes Lied. Nachdem das Lied zu Ende 
gesungen, tritt ein anderes Kind in die Mitte und das Spiel beginnt 
ron vorne. 

Von dem verstorb. Ch. Johannsen mitgeteilt an Professor Handelmann. 

In Ditm. heisst der Spielreim: Dreimal um'n Kesselt Der Schluss heisst: 
Und wenn der Schleier in Stück'n reisst, so fallen wir alle um, und alle fallen um. 
Vergl. Am Urdsbr. Jahrg. VII, S. 175. 

In Stapelholm (Süderstapel) heisst es : Dreimal am mein Kästchen, ich weiss 
I nicht was da flog ; da flog ein armes Mädchen und die hiess so — . N. N. du 
mein liebes Kind, fass hinten an mein'n Schleier, und wenn der Schleier zerrissen 
ist, so fallen wir alle um. 

In Delve in Ditm. heisst es: Dreimal um'n Kessel, ich weiss nicht was da 
floh, da floh ein armes Mädchen und das hiess so, oder da war ein wackeres 
Mädchen und das hiess so: usw. 

24. Kuls^g (Knabenspiel). 

Die Spieler sind alle mit grossen Stöcken, die am untern Ende 
ein wenig aufwärts gebogen sind, bewaffnet. In der Mitte des Spiel- 
platzes macht man ein ziemlich grosses Loch, Sagkul, S^glokk, Sau- 
loch genannt. Rund herum um diese Kule sind die Kulen oder Löcher 
für die Mitspieler. Jeder Spieler steht bei seinem Loch und hält 
seinen Stock in dasselbe. Der S«gdriwer (Sautreiber) treibt mit seinem 
Stock die ;,S«g^, d. i. die Klaue von einem geschlachteten Rind, 
aus dem Sauloch hinaus ins Feld und wieder zurück. Die andern 
Spieler haben nun aufzupassen, dass er die Sau nicht ins Sauloch 
hineintreibt, und müssen dieselbe mit ihren Stöcken zurücktreiben. 
Für den Sautreiber ist dies nicht ganz leicht und ebenfalls für die 
Mitspielenden nicht, sobald einer zuschlägt, hält nämlich der Sau- 
treiber seinen Stock hin und wehrt so den Schlag ab. Dabei sucht 
er aber auch ein freigelassenes Loch zu erreichen. Gelingt ihm dies, 
so ist der, dessen Loch er gewonnen, fernerhin Sautreiber. Treibt 
er aber die Sau in das Sauloch, so müssen die Mitspieler die Löcher 
wechseln. Der Sautreiber sucht alsdann auch ein Loch zu erwischen. 
Wer übrig bleibt, ist alsdann Sautreiber. Wer einen Augenblick ab- 



134 

treten muss, legt seinen Stock über's Loch und sagt: ;,Min Lokk is 

versläten mit Häk'n un St&k'n!* 

Kleinsee b. Bergenhüsen i. Stapelholm. 

Dies Spiel ist in ganz Schleswig-Holstein bekannt. Hier bei Lunden heisst 
es Sffigjäg'n = Saigagen. £s wird auch mit einem Ball gespielt, doch meistens 
mit einem Koukl^n = Euhklaue. In Feddringen heisst es Burs&g, in Drage 
(Stapelholm): S&gkul. Das Mittelloch heisst hier Nuschlokk. Tritt jemand ab, 
so sagt er: „Min Lokk is versläten mit hunnertdusend Soldat'n." Bei Delve trägt 
es den sonderbaren Namen Bür-um. In Nordfriesl. h. es Ballüne. Das mittelste 
Loch heisst hier a Küül. Die kleinen Löcher heissen Küüni. Hier wird der Ball 
in das Mittelloch getrieben und dann von den Spielern hinausgeschlagen. Der 
Treiber ernennt einen andern zu seinem Nachfolger mit dem Reim: 

Ballüüe, Ballüüe; 

Arkan a hut bi't Eüün'e 

Däl, däl! 
N. N. bi a Bäl. Es wird hier nur mit einem Ball gespielt — . 

In Uetersen hat man statt des Balls ein Spuntholz, das man, gleichwie auch 
das Spiel Kütt, Küttj nennt. Das Mittelloch heisst Moderlokk = Mutterloch. 
Wenn einer sich über 6 Schritt von seinem Mal entfernt, so ruft der Treiber: 
Pett din Mal äff! Doch darf er das nur sagen, wenn er mit seinem Stock den 
Betreffenden und die Kütt erreichen kann. Ist der Angeredete dann über sechs 
Schritte vom Loche entfernt, so muss er den Treiber ablösen. Kommt er dem 
Mutterloche nahe, so rühren alle in demselben, um das Eindringen zu verhindern; 
ist er aber darin, so sucht jeder ein kleines Loch zu besitzen. Wer übrig bleibt, 
ist Treiber. Aehnlich wird das Spiel, wie Herr Lehrer Frahm-Poppenbüttel mit- 
teilt, in Lauenburg gespielt. Eine Holzkugel oder ein Steinchen stellt die Sau vor. 
Das Spiel heisst in Engl. Hawkgame, auch Cat in the Holl. In der Schweiz heisst 
es das Morentreiben ; die Sau oder der Ball heisst dort „mor", auch tugge, holl. dugge, 
mit. doga Fassdaube. In Appenzell heisst der Sautreiber Sauätti d. i. Sauvater. 
Auf der Insel Wangeroog und in Dänemark heisst es trop. Handelmann S. 86 uf. 

Ueber das Sauspiel vergl. unser Korrespondenzblatt I, 62, 68, 86; II, 14; 
lll, 48. Femer: Lemke, Volkstüml. aus Ostpreussen I, 188; Blätter für Pommersche 
Volkskunde II, S. 93. 

25. Die Königstochter im Turm. 

Ein Kind hockt nieder und die ganze Schar der Mitspielerinnen 

stellt sich im Kreise um dasselbe herum und verdeckt es mit ihren 

Schürzen, während auch das niederhockende Kind den Oberrock über 

den Kopf nimmt. Ein freigebliebenes Kind geht um den Kreis herum 

und singt: 

„Kling, Klang, kloria. 

Wer sitt in dissen Toria*? 

Dar sitt een Königsdochter in, 

De kann ik ni to sehn kriegen. 

Nä, nä! Ja, ja! 

De Müer, de will ni bräk'n. 

De Steen, de will ni stäk'n. 

So kumm du, so kumm du un fat mi achter an. 

Bei den letzten Worten giebt das umgehende Kind einer im Kreise 
stehenden Mitspielerin einen leisen Schlag, worauf diese es hinten 
anfasst, mit umgeht und beide obiges Lied in der eigenartigen mono- 
tonen Weise abermals singen; und so geht es fort, bis alle Spielerinnen 
umgehen und bis die Jungfrau erlöst ist. Hier und da springt die 
Königstochter, nachdem sie befreit ist, wohl auch auf und sucht eine 



135 

von den Mitspielerinnen, die auf und davon laufen, zu fangen, welche 

dann das nächste Mal in den Turm muss. 

Bergenhusen in Stapelholm. 

Vergl. Handelmann, Volks- und Kinderspiele S. 55; Trapp und Pinzke^ Das 
ßewegungsspiel S. 70. 

Bei Handclmann lautet die Spielformel: 

Kling, klang, kloria! 

Wer sitt in dissen Toria? 

Da sitt en Eönigsdochter in« 

De kann ik nich to sehn kriegen. 

De Muer, de will ni breken. 

De Stock, (Steen), de will ni stekeu, 

Kling! scggt de Klock. 

Fat mi achter bi'n Rock. 
Anstatt der letzten beiden '^erse heisst es auch: „Häuschen mit den roden Rock 
(de bunte Jack) kumm un folg mi achter na! wodurch an die Mode des 14. bis 
16. Jahrhunderts erinnert wird, wo man die Kleidungsstücke mit Schellenglöcklein 
behing und verzierte. 

In der Gegend von Hohenwestedt heisst der Spielreim: 

Kling, klang, kloria. 

Wer sitt in dissen runden TornV 

En Königsdochter sitt dVin, 

De is so fast bemuret; 

De Mur will ni breken; 

De Steen will ni steken; 

Antje, bantje, bunte Rokk, 

Kumm un fat mi achter au. 

In und bei Rendsburg, wo die ersten 4 Zeilen gleich den vorstehenden sind 
— nur in Büdelsdorf bei Rendsburg heisst die Königstochter „schöne Jungfer" — 
heisseu die letzten Zeilen: 

„Die Mauer woU'n wir brechen. 

Die Steine woll'n wir zerstechen, 

Un wer einen roten Rock an hat, 

Der komm und fass mich hinten au." 
Oder: „De Muer mut man breken. 

De Steen, de mut man stekeu; 

Häuschen mit de bunte Jack, < 

Kumm un fat mi achter an." 
Oder : „Ne, n6, ja ja ! 

De Steen, de mut man stekeu, 

De Wann mut man breken! 

Herut, herut mit de Königsdochter hier." 
•Oder: „Ja, ne, ja, ne! 

De Tom, de is versläten, 

Mit Isen un mit Fläten, 

Komm un fat mi an! 
Oder: „Ne, Mutter, ne! 

Un all de'n rod'n Rock an hebt 

De kamt un fat mi achter an." 

Bei Oldenburg in Wagrien singen die Kinder: 

„Klinge, klänge, kloria. 
Wer sitt in dissen Toria? 
Da sitt en Königsdochter in, 
De kann ik ne to sehn krieg'n. 
Schäd nich, bäd nich, 
Steen un Been verlät mi ne. 
Komm du un fat mi achter an." 



136 

Aber um die erlöste Königstochter schliessen die Kinder hier einen Kreis und 
singen im Reigen weiter: 

„Klinge, klänge, kloria, 

Anna güng'n de Trepp hendäl, 

Harr en roden Rock an, 

Mit wel schöne Klocken dran. 

De Klocken füng'n an to kling'n. 

Anna fungn an to sing'n: 

„Mudder, wo is min Botterbrod? 

Ach, dat hett de Katt upfr^ten. 

Hau de Katt den Swanz af. 

Hau em ni to lang af, 

Lät'n lütten Stummel dran, 

Dat lütt Anna darup tanzen kann." 

In Linden (Ditmarschen) heisst die Fortsetzung des Spielreims: 

„De Dffir de is versläten. 
De Sl&tel is in't Lock afbraken. 
Anna, Anna, bunte Rock, 
Kumm un fat mi achter an." 

Hier in Dahrenwurth, wo der Spielreim auch schon verhochdeutscht ist, sitzt 
nicht eine Königstochter, sondern ein altes Mütterchen im Turm. 

Interessant dürfte vor allen Dingen der aus Schwienhusen stammende Spiel- 
reim zu diesem Spiel sein, da er auffallende Aehnliclikeit mit den dänischen Spiel- 
reimeu hat: 

Wakeen sitt in't Kloster? 

Königsdochter! 

Kann 'k er nich to sehn krieg'n? 

Is all to'n starke Müer f^r. 

Am Urdsbrunneu VI, S. 10 — 14; 61 — 64. Mannhardt, Germauische Mythen 
492 uf. Handelmann, Volks- und Kinderspiele S. 54 uf. MüUenhoff S. 485. 

26. Ratespiele. 

a. Hutt, putt, nippstirt. Ein Spieler nimmt 1, 2 oder 3 
Läufer in die zu einer Faust geballten Hand und fordert mit den 
Worten: ^Hutt, putt, nippstirt," zum Raten auf. Hutt bedeutet 1, 
putt 2 und nippstirt 3. Errät der Angesprochene die Zahl der 
Läufer, die der Frager in der Hand hält, so sind es seine; wenn 
nicht, so muss er soviel zugeben, als der Frager in der Hand hat. 

Dahrenwurth b. Lunden und Feddringen i. Dithm. 

Vrgl. Nr. 38 in Handelmann, Volks- und Kinderspiele, S. 35. — In Ostorf 
im Dänischenwohld heisst es: Nutt, hutt, jippstiert. In der Gegend von Hohen- 
westedt heisst es: Hutt, putt, jipp. Stiert, Pärd, Pag, Hings, Tat. 

b. Ein unbeschmutztes Bild des Spielers A und ein Bild des 
Spielers B wird von A oder B in ein Buch und zwar auf die Innen- 
seite des Umschlags hingelegt, dann das Buch hinter dem Rücken 
oder unter dem Tisch mehrmals gedreht, und endlich derjenige, der 
nicht das Bild hinein gelegt hat, aufgefordert, zu raten, wo das Bild 
liegt. Errät er es, so gehören ihm beide Bilder, wenn nicht, dem 

andern. Kolonie Christiansholm h. Hohn. 

Ist auch in Feddringen in Ditm. bekannt. 



») Vgl. Jahrb. VUI. S. 99: eb'n od'r uneb'n. 



137 

c. Man schreibt mit Kreide: S. M. D. M. D. F. S. und fragt 

nun, wie das heissen soll. Gewöhnlich rät der Uneingeweihte auf die 

Namen der Wochentage. Dann heisst es aber: nein! Es soll heissen: 

Sieh, Moer, de Mus de fritt Speck.'' Rückwärts gelesen: ;, Speck 

fritt de Mus, dat Moer't süht.^ 

Eleinsee b. Bergenhusen in Stapelholm. 

d. Eine Reihe Mädchen setzt sich nieder. Ein anderes Mädchen 
nimmt die Schürze vor die Augen, setzt sich irgend einem Mädchen 
rückwärtsschreitend auf den Schooss und spricht: ^Ick sitt, ick sitt 
op wer sin Glidd?^ Dann fängt es an zu raten. Errät es es, so 
muss dasjenige es ablösen, auf deren Schooss es sitzt. 

Tolk in Angeln. Mitgeteilt von Fräulein Brodersen. 

Gr8n Drussel, ein Ratespiel um Nüsse, wird zu Weihnacht 
gespielt: 

A. spricht: Gr8n Drussel. B. anwortet: Lät'n dräben. A. spricht 

wieder: He is so stief un stark beladen. B. antwortet: Lät'n russeln. 

A. schüttelt nun die Hand mit den Nüssen und B. sucht die Anzahl 

derselben zu erraten. 

Ostorf in Dänischenwohld. 

e. Zwei Mädchen wählen sich heimlich einen Nameo, Tier- oder 
Blumennamen, sagen dann den Mitspielern den Anfangsbuchstaben 
desselben. Wer den Namen errät, darf mit Namen erdenken und 
aufgeben. Wenn die beiden Mädchen, die Namen zum Raten auf- 
geben sollen, hintreten zu den Mitspielerinnen, so wird ein Reim 
gesprochen. Welcher? konnte ich nicht erfahren. 

Mitget. von Frl. Brodersen aus Tolk in Angeln. 

f. Fix oder nix. Man hält einem Mitspieler die zu einer 
Faust geballten Hand hin und fragt: Fix oder nix? Hat der Frager 
dann wirklich etwas (Griflfel, Läufer, Knopf und drgl.) in der Hand, 
so hat er alles verloren, wenn „üx^ geraten wird. Hat der Frager 
nichts in der Hand und es wird ^juix^ geraten, so muss er ein Stück 
abgeben. Im umgekehrten Fall aber, falls ;,nix^ geraten wird und 
der Gefragte hat etwas, oder auch es wird ;,fix^ geraten und er hat 
nichts, so muss der Mitspieler entweder eben so viel oder 1 Stück 
geben. 

Dalirenwurth b. Landen i. Norderdithm. 

g. Jemand versteckt auf dem Spielplatz ein Taschentucli und 

spricht dann zu den Mitspielern: 

Anna Maria Rebock 

De Knütt de brennt, de K61 de koäkt. 

Nun beginnt das Suchen. Kommt jemand in die Nähe des Orts, wo 

das Tuch versteckt liegt, so ruft man: Du brenns! Wer es findet, 

darf es wieder verstecken. Lunden. 

In Süderstapel heisst der Reim: 

Anna Maria Eebock, 

seet op'n Barg un scheet ok! 



138 

Hier in Dahrenwurth versteckt ein Kind oft ein Tuch in der Schule. Kommt einer 
in die Nähe des Tuchs, so ruft der, der es versteckt hat: Dat brennt! Wer es 
findet, darf es das nächste Mal verstecken. 
Vrgl. Am Ür-Quell VI, S. 169. 

h. Ein Spieler A. nimmt eine beliebige Anzahl von Nüssen 
zwischen seine Hände, doch müssen die Hände eine hohle Kugel 
bilden und dürfen nicht aufeinander gedrückt werden. A. fragt nuu 
B.: ;^Rate einmal, wie viel Nüsse ich in meiner Hand habe?'^ 
B.: ^Rasseln." Worauf A. mit den Nüssen rasselt, ein-, zweimal. 
Darauf B.: 20. A. öffnet nun seine Hand und die Nüsse werden 
gezählt; es sind ihrer 25. B. hat 20 geraten, erhält also 20 Nüsse. 
Doch dem A. bleiben noch 5 übrig, soviel muss B. ihm wiedergeben. 
Darauf kommt B. an die Reihe und nimmt eine beliebige Anzahl 
Nüsse in seine Hand und wendet sich an C; „Rate wie viel Nüsse 
ich habe**! C: „Rasseln"! B. rasselt und C. ratet: 8 Nüsse. Doch 
beim Zählen ergiebt sich, dass B nur 5 Nüsse hat, C. muss also 
3 Nüsse hinzutragen, hat also 3 Nüsse verloren. Jetzt fragt C. und 
D. muss raten. 

Mitgeteilt von dem verstorbenen Lehrer J. Petersen aus Grönwold b. Trittau. 
Aehnlich bei Handelmann, Volks- und Kinderspiele S. 36. 
i. Ich bin die Frau von Hachlepach; 

Verbiet einander mit Lachen und sprechen, (V) 

Wer lacht und spricht. 

Ein Pfand gebricht. Dithmarschen. 

27. Hakk Appel spälen. 

Ein Spieler sitzt auf einem Stuhle und hält ein Messer so quer 
zwischen den Knien, dass die Schneide nach oben gerichtet ist. Die 
andern Spieler werfen nun mit Aepfeln nach der Messerschneide und 
wer dieselbe trifft, legt den kleinen Finger in die Schnittwunde des 
Apfels und reisst ein Stück von demselben ab, das er dann aufessen 
darf. Geg. v. Hohenwestedt. 

28. Söken. 

Einer wird ausgelost und muss suchen. Er stellt sich gegen 

die Wand, versteckt die Augen und zählt. Hat er bis 100 gezählt, 

so fragt er: SchalPk kam? Heisst es nun: Ja! oder: Nu komm man! 

so geht das Suchen vor sich. Findet er einen, so muss er vor ihm 

das Mal erreichen. Erreicht der andere es und spukt daran und ruft: 

Hax pilax — so muss er, wenn es allen gelingt — was aber wohl 

selten vorkommen dürfte — wieder suchen; sonst der, der zuerst oder 

auch zuletzt gefunden ward. Kiemsee i. Stapelholm. 

Wer vor dem Sucher an's Mal kommt, ruft in Süderstapel: takaff. lu der 
Hohenwestedter Gegend Haks, paks mfn Malt 

29. Söker speien oder Söker ünnern Balken. 

Ein Spieler sitzt auf einem Blockstuhl unter einem Balken und 
hält die Mütze so vor's Gesicht, dass er nicht sehen kann. Die an- 
dern Spieler verstecken sich möglichst in der Nähe des Blockstuhls. 



139 

Der Spieler auf dem Stuhl zählt etwa bis 100 und dann müssen alle 
versteckt sein und er fängt an zu suchen bis er alle gefunden; wagt 
er sich aber zu weit von seinem Sitz, so dass ein Mitspieler vor ihm 
auf den Blockstuhl kommt und dann ruft: Sitt ünner'n Balken! so 
muss er wiederum suchen, sonst muss ein andrer ihn ablösen. 

Geg. V. Uohenwestedt. 

30. Plumpsaekspiele.^) 

a. Die Spieler bilden einen Kreis. Einer geht mit dem Plump- 
sack in der Hand um den Kreis herum und spricht: 

„Kiekt sikk nich um, 
De Fo88 galt rum!" 

Schlägt er einen mit dem Plumpsack, so läuft der Geschlagene rück- 
wärts um den Kreis, der Schläger indess vorwärts. Wer zuletzt an 
den Platz kommt, den der Geschlagene verlassen hat, muss mit dem 

Plumpsack umgehen. 

Feddriugeu in Norderditb maischen. 

Vergl. Am Ür-Quell V, S. 172; VI, S. 169. Guttmutbs Spiele (Schnepfen- 
thal 1796) S. 230 uf. Handelmann, Volks- und Kinderspiele (Kiel 1874) S. 46, 59. 
Schütze, Holstein. Idiotikon II, S. 288. Frischbier, Volksreime und Volksspiele 
(Berlin 1867) S. 174 Nr. 687. 

b. Fossswanz. 

Kiek di ni um, de Knüppel geit rum; 
min Gos wul legg'n se kunn niks segg'n. 

Einer geht mit einem Plumpsack (Fossswanz) um den Kreis herum 
und spricht obige Worte.* Hinter einen Spieler legt er den P'oss- 
swanz nieder, der ihn dann aufnehmen und den andern damit 
^ytikken*' muss. 

Nindorf b. Hobenwestedt. 

c. In Scharkholz b. Tellingstede in Norderdithm. heisst der 

Spielreim: 

Kiek di ni um, 
de Knüppel geit rum, 
de G6s will legg'n. 
un dort 't ni segg'n. 
Graue Eier, griese Eier, 
kiekler, kakler, bunte Ei. 

Mitgeteilt von Fräul. Nottelmann aus Scharkholz. 

Vrgl. Handelmann, S. 59. 

d. In Süderstapel in Stapelholm heisst der Reim: 

Hakk, Tobakk, 

f«r'n Dreling (Dre—olnk) Tobakk; 

all de sikk umkiekt, 

de kricht een in'e Nakk. 



*) Vergl. Jahrb. XIII, S. 102. In Stapelholm hörte ich auch den Namen 
Klumpsack. Vergl. auch Schütze II, S. 288. Leitfaden für den Turnunterricht in 
den Preuss. Volksschulen (1895) S. 123. 



140 



31. Vexirspiele. 

a. Ik mag ken blote Hänn (Hann) sehn. Wer dann niclit die 
Hände wegsteckt, wird darauf geschlagen. 

Bergenhusen i. Stapelholm. Dahrenwurth b. Landen i. Norderdithm. 

b. De het ken Hemd an! Man zeigt mit einem Finger auf 

ein Kind und spricht: De het ken Hemd an! meint aber nicht das 

Kind, sondern den Finger. 

Dahrenwurth b. Lunden i. Norderdithm. 

Diermissen „üt de Musskist«, S. 13. Gillhoff, Rätselbuch, S. 111 Nr. 786. 

c. Ein Mitspieler wird hinausgeschickt und soll seinen Fuss 
auf den Feuerherd setzen, und wenn er dann hereinkommt, soll die 
ganze Stube voll lauter ^ stumpfstierte Menschen" (stumpfgeschwänzter 
Menschen) sein. Kommt er nun herein, so sind natürlich solche 
Menschen nicht in der Stube. Man sagt ihm, er habe ja auch seinen 
Fuss nicht draussen auf dem Herde stehen lassen. 

Feddringen i. Dithmarschen. 

d. Einer wird hinausgesandt, und wenn er dann wieder herein- 
kommt, soll ihm ein Stück von einem „Best*^ entgegenfliegen. Man 

wirft ihm einen Stiefel oder einen Schuh entgegen. 

Feddringen i. Dithmarschen. 

f. Hamburg wiesen. Schall'k di mal Hamburg wiesen? wird 
gefragt. Erfolgt die Antwort ja, so wird der Gefragte bei den Ohren 
in die Höhe gehoben und gefragt: Kanns Hamborg nu sehn. 

Norderdithmarscheu. 
Handelmann, Volks- und Kinderspiele S. 40: Bremen sehen. 

g. Börgermeister speien. Einer stellt den Börgermeister vor 
und setzt sich recht breit und mastig auf einen Stuhl hin. Die an- 
dern Spieler treten herein, haben aber alle den Mund tüchtig voll 
Wasser, und speien ihm das in's Gesicht. 

Ghristiansholm b. Hohn im südl. Schleswig. 

h. Zwei Mann sollen auf einer Schürze stehen und sollen doch 
einander nicht schlagen können. (Die Schürze wird zwischen eine 
Thür eingeklemmt, so dass einer draussen und einer drinnen steht. 

Nindorf b. Hohenwestedt. 

i. Gehe hinaus und stelle dich irgendwo hin, so will ich dir 
sagen, wie du stehst. Antw.: Als ein grosser Narr. 

Christiansholm b. Hohn im südl. Schlesw. Nindorf b. Hohenwestedt. 

k. Einer muss unter den Tisch kriechen und man soll ihn dann 
mit 3 Schlägen totschlagen. Man schlägt 2 mal tüchtig auf den Tisch 
und mit dem 3. Schlag wartet man so lange, bis er von selber her- 
auskommt. Christiansholm b. Hohn i. südl. Schleswig. 

In der Gegend von Hohenwestedt heisst das Vexirspiel: Ünneru Discli 
ruttrummeln. 



141 

1. Von de Ledder raflesen. Einer sitzt auf einer Leiter, 
die auf den Boden hinaufführt. Vorher ist schon heimlich ein Eimer 
voll Wasser hinaufgeschafft worden. Der oben Sitzende beginnt nun 
in irgend einem Buche laut zu lesen und — giesst ihm dann den 
Eimer Wasser über den Kopf. Bergenhusen i. Stapelholm. 

Hohenwestedter Gegend: Ünnern Balken rutlesen. 

m. Wasser aus einer Vertiefung fort zu schaffen. Man 
macht auf der Erde eine kleine Vertiefung und füllt dieselbe mit 
Wasser. Ein Spieler setzt sich platt auf den Hintern davor hin und 
schlägt immerfort mit 2 Messern in's Wasser. Man will nämlich das 
Wasser aus dem Loch schaffen, ohne in die Nähe der Messer zu 
kommen und ohne das Wasser mit den Händen zu berühren. Wie 
bringt man das fertig? Man packt den vor dem Wasser Sitzenden 
rasch bei den Beinen und schleppt ihn durch das Wasser, so dass 
die Hose das Wasser rein fortwischt. 

Bergenhusen in Stapelholm. 

n. Vor jemanden in einen Kreis hinein zu kommen. 
Man macht mit Kreide einen Kreis auf dem Fussboden. Ein Spieler 
geht hinaus und einer bleibt bei dem Kreis stehen. Der draussen 
Stehende will demnach vor dem, der drinnen ist, in den Kreis hinein 
kommen. Er zieht sich deshalb barfuss aus und wenn er dann 
hinein kommt, steht der in der Stube sich befindende schon in dem 
Kreis, aber, weil er den Kniff nicht kennt, mit den Strümpfen oder 
gar Schuhen, während der Eintretende mit blossen Füssen darin zu 
stehen kommt. Kleinsee b. Bergenhusen i. Stapelholm. 

Kolonie Christiansholm b. Hohn in südl. Schleswig. 

o. Einer sitzt in der Stubö auf einem Stuhl. Einem andern 
werden die Augen verbunden, tritt ein in die Stube und kann dem- 
nach sagen, wie er auf dem Stuhle sitzt. Antwort: Als ein grosser 
Narr! Vrgl. unter i. Feddringen in Norderdithmarschen. 

32. Hau forken. 

Ein Knabe legt sich auf den Rücken und streckt die Hände 
aus über Kopf, die Handflächen nach oben gekehrt. Ein anderer 
Knabe stellt sich auf die Hände, und indem der also Liegende nun 
die Beine in die Höhe hebt, legt der auf den Händen Stehende seine 
Hände auf die Fusssohlen des Liegenden und wird nun von diesem 
mittelst der Füsse und der Hände rasch in einem Bogen fortgeschnellt. 
Das nennt man: Hau forken, Heu forken d. h. Heu mit der Heu- 
gabel foi-tschaffen. Kleinsee in Stapelholm. 

In Dahrenwurth b. Lunden nennt man es; „«wer de Eider fahren". 

DAHRENWURTH bei Lunden. Heinp. Carstens. 



142 



Zum Berliner Totentanz. 

Die Verse 273 f., bei denen nach Lübkes Bemerkung schon dem ersten Maler 
ein Versehen begegnet ist, sind nach meiner Ansicht noch nicht befriedigend her- 
gestellt. Ich vermute, dass sie ursprünglich gelautet haben: 

Achy wat schal ik arme nhu ane ghaen^ 
Sint ik wuker nicht meyr mach entfaen? 
*Ach, was soll ich Armer nun anfangen, da ich keine Wucherzinsen mehr in Em- 
pfang nehmen kann?' Auch V. 249 ist wahrscheinlich auszuföllen: Och, wat schal 
ik armfe nhu ane ghajen? 

303. Her amptman ghut van banstes wol ghebaren. So las Lübke *noch 
ziemlich deutlich'. Seelmann setzt statt banstes duytzen 'Deutschen' ein, indem er 
auf die bekannte TLatsache verweist, dass in die mittelalterlichen Gilden und 
Aemter nur Deutsche, keine Wenden aufgenommen wurden. Diese dem Zusammen- 
hange nach ansprechende Vermutung entbehrt aber deshalb der Wahrscheinlichkeit, 
weil die Schriftzüge des eingesetzten Wortes von der üeberlieferung allzusehr ab- 
weichen. Ich vermute, dass der Vers ursprünglich gelautet hat: 

Her amptman ghiU, van lausten wal ghebaren. 
lanste ist eine verkürzte Form von lantsete (Einheimischer), wie inste von insete^ 
droste von drotsete, Höhte von Holtsete, s. Mnd. Wb. 11, 625. Es kann hier den 
Deutschen im Gegensatz zum Wenden bezeichnen. Wahrscheinlicher ist es aber, 
dass es den erbeingesessenen Bürger im Gegensatz zum Eingewanderten bezeichnet. 
Zu den Gilden und Handwerksämtern wurden in den niederdeutschen Städten — 
in Hannover noch bis in die neueste Zeit — nur Söhne erbeingesessener Bürger 
zugelassen. 

NORTHEIM. R. Sprenger. 



Zu Reuters Lauschen 'De Sokratische Hethod". 

„„Na, denn man zu!"'' seggt Rosengräun. 
„„Da wir nun bei der Elbe seind. 
So wolFn wir sehn, wo selbe bleibt; 
In's Erst geht sie nach Hamborg 'ran. 
Wo sie sehr starke Schiffohrt treibt, 
Und wo man wieder sehen kann, 
Wie weise Gott es ingerichtet hat, 
Dass bei 'ner jeden grossen Stadt 
Ein grosser Fluss fliesst auch vorbei, 
Damit die Schiffohrt möglich sei. . ."" 

Quelle Reuters ist wohl Seumes ;,Mein Sommer 1805*^ (Abdruck 
in Meyers Volksbüchern Nr. 499, S. 22) oder eine andere Mitteilung 
über den Hamburger Pfarrer, auf den Seume a. a. 0. Bezug nimmt, 
indem er sagt: ;,Der Reichtum hat sich hier (in Riga) durch die 
Wohlthat des Stroms seinen Sitz auf der Armut des Bodens geschaffen : 
so weise weiss Natur die Versagung des einen Geschenks durch ein 
anderes grosses zu ersetzen; wenn man auch nicht mit dem guten 
Pfarrer in Hamburg zum Beweise der Vorsehung annimmt, dass sie 
wohlthätig die grossen Flüsse bei den grossen Städten vorbei führe." 

NORTHEIM. R. Sprenger. 



143 



Niederdeotsche Glückwunschgedichte des 18. Jahrhunderts. 



I. 

Ehn Schnickschnackery / van der besten Fryeraths vp den Boldt- 
ilischen Hochtieds-Dag / so geholden am dage den 23 Febr. 1708 
to Hagenau in Mecklenborg / den Hochtyd Luden tor kortwiel ant 
Dages-Licht gähn laten / van ebnen deth übt trfien Harten mebnt. 

J. H. H. Gedr&kkt in d&ssen Jabr. 



Lest kam ick ungefehr an ebnen Ort to spräcken / 

Mit usem Naber Henuck / dat nu sond dortbeyn Wacken 

Wat docb woll rabtelck weer wen man ins fryen wuldt 

Efft man ebn Jungfercken efft Widtfru nebmen scbuldt: 

He fung my da so recbt van Fruens to verteilen / 

Und säd man scbulde sick to ebner Fru gesellen / 

Wiel sie nocb bad gearfit van 5hren sehigen Mann 

Grap / Vate / Kätel / Pott un ock ebn tinnen Kann : 

Ja in den Ebestand bad se ock dat erfahren 

Wat kene Debren wüst / de nocb nicb oldt van Jabren 

Se kun ebnn jungen Mann recbt unner ogen gabn / 

Dar 80 ebn Kladder-Anck gans nix nicb wüste van. 

Se wüst in 5bren Hues recbt büszlick busz tobolden / 

Dat Bebr dat drünck se kold dat Brodt dat lebt se olden / 

Un wat dat Prahlend mehr van düssem Kerel was / 

Bet dat ick säde Fründ drinckt her ens übt ju Glasz. 

Ick kun den Dwalscken Schnack nicb länger mehr anhören 

Di*um sl,d ick leve Fründ ick mag ju nicb vertÖren / 

Süsz wuU ick ju woll seggen / dat jy ebnn dummen Deeif 

Weil ju ebn Jungfercken und Widtfru glycke leeif. 

Ja nocb woll lever is ebn Widtfru als ehn Debren / 

He antword my darup: ick hör van harten gebren / 

Wen ebner my bericht / wat ick nicb vuUens wet / 

Un kan ick dat woll seggn / et schul my wesen Leed / 

Wen ick wat lehren kun / dat ick schul t6braig warren / 

So scblacbde ick woll recbt den allergrütsten Narren. 

Do säd ick Em min Fründ : nehm jy ju ebne Debren 

De kähn jy as jy wilt nah juen Kop to lehren. 

Man de ebn Widtfru nimmt de wart Em jümmer Mäckeln ' 

Se wart Em düt un dat bald waten fär to käckeln 

Deit he nicb wat he schall / so geit dat kiefen an / 

Se segt edt bad sick nicb so dull myn sablge Mann. 

Wo du nu bebben wist dat ick my nicb schall grähmen / 

So mustu hübschen ock syn goje Wysz annehmen 

He was ehn flytig Mann dat Tüguüsz bett he nocb 

Van Gott und jeder ehn un bad ock kehn Versproch. 

Ick kun Em als ick wull nah mynen Kop regeren / 

Un wat ick Em befahl deed he van harten geren / 

De Kinder wegd he my de Wege belt he rein / 

De Kinder-Döcke glatt: schuU ebnen dat nicb freun? 



144 

Dat Beer leht he sick all uht myner Hand to maten / 
Un thämede sick nich ehnmahl recht satt to ehten / 
Sohn leven Mann had ick / ock ja de frame Blodt / 
Den gav ick myne Hüll un nam Em synen Hoedt. 
Seht so myn gode Hennck m5th jy ju laten brüden / 
Wenn jy ehn Widtfru nehmt / un wo jyt nich wilt lyden / 
So dör jy nich vehl seggn se geit ju gar to Kop / 
Denn se hett allto dep den ohlen Keerl in Erop. 
För sülcke Fryery schull my Gott woU bewahren 
Wenn ick my noch ehnmahl mit ebner schullde paaren: 
Ick wuU keen Widtfru hebbn un wen se ock glyck had 
Veer Schäpel füll mit Geld und leht ahr noch so glatt. 
So schull se doch ähr Daag an myne Syd nich kahmen / 
Denn ick heb all genog wen ick man hör den Nahmen. 
Herr Brögam leve Heer jy hebt dat woU gemackt 
Dat jy ehn Derencken f6r ju hebt upgestackt / 
De weht noch narrens von jy könt se nu to lehren / 
Wo jy se hebben wilt Se wart ju dat nicht wehren 
Un wat dat beste is / so find jy dat by ähr / 
Wat kene Widtfru kreg geh se ock Gold davär. 

Togivt: 

Ick will wünschen düssen Paar / 

Dat the Moder ävert Jahr 

Singe klinge ahn Verdreht 

Dat bekante Weegen Leed: 

Muhkocken van Haiverstatt 

Bring den Lutgen Bolten wat. u. s. w. 

II. 

Asze de Gnädie Frowe geheeme Rähdin Kristine Sopheye Wildvageis 
an den darteinden Krist-Mands-Dag 1713. Oehren Gebords-Dag mit 
Besundnisz erlehvde / schulde mit duszen Bagen Pampier syne Schullig- 
heit avdleggen ohr vnderdähnige Knecht de Nedder-Säksche Baden- 
Loper. Jenna / Mit Hans Ahlv Mfillers Bokstaven druckt. 

Denkt man't so verbrüht wul vth / asz et in der Welt hergeit? 

Man brukt io an keenen Orth mehr de dütske Redlikeit. 

Schulden doch de Ohlen mahl ins vth Shren Grave kiken / 

Wanne ! v5r Verwunnerung wöhren se wehr tho Locke sliken. 

Siecht vn Recht dat gelt nich mehr, allens moht nu statisk syn / 

En Kros Beer is tho gering / man supt leever en Glas Wyn. 

Vn man deit ok recht daran: denn de altho wysen Heeren 

Kunden dör dat grave Beer Öhren fynen Geest verleeren. 

Bror Hans! segt keen Minske nich; allens hebt vpsteh Muschy; 

Et is ok altho gemeen; vn ik sulves blyv'er by. 

Mynes glyken acht ik nich / ik hohl my tho sulken Lühen, 

De my vör't Geld vnvermarkt / vp de Dühr rechtschapen brühen. 

Avers eint steit my nich an / man holt my vor altho dumm / 

Vn de Brillen gabt my doch stedig in den Koppe'rum. 

Vn ik hev tho Huse noch veele grohte Böker laten / 

Daruth ok en Dokter wol schulde neye Quinten faten. 

Doch et sy drum. Gnog dat man my nich sulken Narren schelt 

De man hüt tho Dage io wol by ganzen Schocken teilt. 

Vse Drevs lopt föftig mal in den Dage nah de Deeren / 

Vn he is recht wul vergnögt / wenn he man kan schamereren. 

Erigt he ok mal enen Eniks / so weht he nich wo öhm sy / 

Vn he strikt noch mal so veel ganz verblöft dat Hus vörby. 



145 

Doch de Schohster sÄht et gern / de Shm plegt de Schoh tho sahlen / 

Seker he moht in den Jahr sösz paar Sehohe mehr bethalen. 

Junker Chim / de stolte Heer / de sik vp syn Geld so drügt / 

De föhrt sik ganz anners vp / wen he by de Mehkens ligt. 

Ile plegt iummer groht tho dohn / vn se dad5r schow tho maken 

Dat se still asz Mftse syn. Avers d&sze gowe Saken 

Wulden nülik nich angahn / do he by'ner annem quam / 

Vn se ahn des Vaars VerlSf pipde vn in Armen nam. 

Doch dat makt der Sake niks ; wyl he kan brav Geld spanderen / 

Is he by den kahlen Pak Hahn in Korv in allen Ehren. 

£t is de Bewahnheit so / de mit Deerens will vmgahn 

Vn hett nich de Fuhst in Bühl (löft my) de wert kahl bestahn. 

Denn de Leeve wart nich mehr nah den Harten avvemehten / 

Is de Kip-Sak groht genog / so givt et ok grohte Bebten. 

Da hellt denn de Slunkensleev wul myn dusend Sucker-Hohn / 

Vn se schuld öhm vor dat Geld ok noch wol wat anners dohn. 

Avers wo geit't iow damah / wenn de Tunner-Funken fungen / 

So wehrt vth ganz annern Klank iowe Lehder avvesuugen. 

Gabt vp't D6rp thor Bahe-Möhm / vn weht't doch van keenen Mann / 

Höhlt s5sz Wehken styve vth / kahmt asz Junfem weddcr an. 

Vn man holt iow ok dav6r; denn de Düvel mugde wehten / 

Vnner iowen Küken-Körv hedd en lütiet Kiuken sehten. 

So is ok dat wyhe Wams / de Eumtüsche ene Dracht / 

De Öhr veelen thow Verdeck keen goht Geest hett vthedacht. 

Wyvcrn lett man^t geeren tho sulke slürge Klehr tho föhren / 

Deerens steit et behter an / wenn se sik fyn enge snören. 

Hört / iy Mehkens / sin iy klok / ey so krigt dat Spinn-Rat her 

Jahpt nich nah de Keerels vth / so blyvt se iow von der Döhr. 

Nehmt iow der Hushöllie an / vn lehrt en Stück Rind-Flesk kaken / 

Sie legg iy mehr Ehre in / vn iy blyvet vnberaken. 

Lövt / de Fryer blivt nich vth; 't is vpsteh io grohte Nohd 

Vm en goht Wyv; het de Mann glyk en Deenst vn ryklik Brod. 

Gnädie Frowe ! ik moht ok düt van Dage van Jow seggen / 

Dat Jy weht't / wo nütte't sy / sik vp de Hushöllie leggen. 

Nödig hadd Jy't frylik nich: denn Jy syd in sulken Stand / 

Van den grohtcn Gott geset't / dat Jy künden Jowe Hand 

In den Schohte Iahten rauhn ; avers Jy lahf t dadör wehten 

Dat Jy de Vprichtikeit ohler Dütsken nich vergehten. 

Dfitt hett my so driste makt / dat de Hand van dütsker Trow / 

By Jow annekamen is / ahn Verlöv geradetho 

Mit der koddgen Smehrerey. Ik wüll Jow (Jen Wunsk man gehven / 

Dat Jy möhget düszen Dag noch veel Jahre wehr erlehven. 

Nach einem Druck in der landschaftlichen Bibliothek zu Aurich 93c Fol. 

HANNOVER. H. Deiler. 



NiederdeutschtB Jahrbuch JLSLYI. 10 



146 



De etymologie 
van nederlandseh ooit. 



Over de etymologie van de uitsluitend nederlandsche bijwoorden 
ooit en zijne ontkenning nooit heeft tot nog toe niemand eene aan- 
nemelijke Hypothese opgesteld. 

Ooit en nooit kunnen niet, gelijk Mnl. Wdb. III, 802 veronder- 
steld wordt, met mnl. iet, niet een in oorsprong zijn, omdat iet^ nid 
(uit cowiht^ neowiht) de bepaalde grondbeteekenis van zelfstandige 
voornaamwoorden iets niets hadden, terwijl ooit en nooit steeds bij- 
woorden van tijd met de beteekenis 'te eeniger tijd' (mnl. ook 'altijd'), 
'te geener tijd' (mnl. ook 'te eeniger tijd') waren en nog heden zijn. 

De etymologie, die Franck Tijdschr. voor Ndl. Taal- en Letterkunde 
XVII, 88 als eene onzekere gissing opstelt, verklaart het formeel 
uiterlijk van het woord, maar wordt volgens mijne opvatting onaan- 
nemelijk door de feiten, die deze geleerde zelve tegen haar aanhaalt, 
te meer die door de etymologie gegevene beteekenis, 'zu jener Zeit 
etwa', zieh niet met de werkelijke, 'je' 'jemals', vereenigen laat. 

Als zekere basis, waarop de etymologische opvatting van ooit 
zal kunnen steunen, stel ik het door Franck Tijdschr. XVII 81 vlg. 
bewezen feit, dat het woord oorspronkelijk tweelettergrepig was, 
dus oO'it luidde. Verder zal de vermoeding, dat de lettergreep 6 op 
de eene of andere wijs met os. eo, mnl. ie uit aiw gelijk is, als uit- 
gangspunt voor de verklaring van het woord kunnen dienen. 

De kwestie is dus te weten, wat voor een woord ip de letter- 
greep it schuilt. Ik zie daarin het engelsch yet^ friesch jit en beschouw 
ooit en nooit als samengestelde bijwoorden, volgens hunne oorspronke- 
lijke beteekenis en de wijs, waarop zij samengesteld zijn, aan 
engelsch ever yet^ never yet^ oe. ^fre giet (ah get, Stratmann 
ME. Dict. 287), n^fre gtet beantwoordend. Die hieruit blijkende 
grondbeteekenis van ooit nooit : 'bisher je, nie', 'noch je, nie' is de 
tegenovergestelde van nl. immer^ nimmer uit eo mer^ neo mer, wier 
tweede lid op de toekomst wijst. 

Wat de eerste lettergreep 6 betreft, is het openbaar, dat haar 
vocalisme niet uit eene frankische klankontwikkeling kan worden 
verklaard, daar ai voor tv^ zooals uit mnl. ie {< eo), ee (ewe), see, 
snee enz. blijkt, slechts e kan geven, en dat het sich makkelijker met 
een engelsch-friesch d uit aiw in verband laat brengen. Als dus het 
eerste lid van de samenstelling een aan het engelsch-friesch herinne- 
rend vocalisme heeft, het tweede een zuiver engelsch-friesch woord is, 
zal ooit het eenvoudigst als een engelsch-friesch woord moeten worden 



147 

beschouwd, dat het nederlandsch uit den tijd bewaard heeft, toen 
de friesche taalelementen in Nederland eene veel grootere uitbreiding 
hadden als lieden ten dage.^) 

In 0, no liebben wij een oudfriesch a na^ oe. ä wa. Voor het 
vocalisme 6 is te beachten, dat het oudengelsch ook de vormen 6 en 
i/o vertoont. De o-klank zal zieh wel onder den invloed van w 
(äw > o) ontwikkeld hebben; ooit zou ons dus een nieuw voorbeeld 
van de nd 6^ leveren (vgl. Seelmann, Nd. Jahrb. 18, 141 vlgg). 
Het tweede lid van ooH vertegenwoordigt een engelsch-friesch grond- 
vorm jet^ nieuwwestfriesch (Winkler, Dialecticon 96) jit, noordfriesch 
(Sylt) jit^ oe. get (westsaksisch gtet). Naast jet stond een engelsch- 
friesch jeta, oudfriesch ieta, eta^ ita, oe. geta (ws. gteta), me. gete, 
nieuwwestfriesch jitte (Winkler 96), dat wel in den mnl. bijvorm oite, 
Ilijmb. 14568 var. (Franck, Tijdschr. XVII, 82) schuilen zal. 

Bij de verklaring van ooit, nooit uit eene sarnenstelling ä jet^ 
nd jct is van belang te weten, dat oe. get de neiging vertoont om 
met bijwoorden van tijd (vgl. fiü gtet J)a giet) enclitische verbindingen 
in te gaan. 

De bijvorm ooiiH^ nooint wordt het makkelijkst met mnl. iewent 
uit icwet vergeleken, maar als de vormen, gelijk Franck Tijdschr. 
XVII, 83 aanduidt, zieh geographisch niet dekken zoudeu, moet men 
naar eene andere verklaring zoeken. Men zou dan aan een engelsch- 
friesch bijwoord Jen kunnen denken, oe. gen (gien), een word, dat in 
het oudengelsch dezelfde beteekenis en functie als get heeft. Het t 
zou dan als in ergent^ nergent moeten worden opgevat. 

De lange e in oe. get^ gen (ws. gUt, </^^w,) vgl. Sievers Ags. 
Gr^ § 74, Anm. 1, is waarschijnlik met de zeldsame gesloten e in 
her, een, het, slej) enz. gelijk. Het westsaksisch vocalisme is dan door 
^Palatalumlaut", gelijk in giefan, gieldan enz. uit gefan, geldan, 
outstaan. 

UPSALA. Hj. Psilandep. 



^) Over de uitbreiding van het friesch in den oudsten tijd vgl. Jan te 
Winkel, Pauls Grundriss P, 785 vlg. Over anglische inwoners in Nederland zie 
Bremer, Ethnographie der germanischen Stämme 120 (§ 132). 

10* 



148 



Anzeigen. 



Denkmäler herausgegeben vom Verein für niederdeutsche Sprachforschung. VI. 
(= Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler mit an merkungen und glossar 
herausgegeben von Elis Wadstein.) Norden und Leipzig, Soltan's Verlag. 
1899. XV, 250 S. 

Während die bisher erschienenen fünf ersten Bände der Denkmäler durch 
erstmalige Veröffentlichung oder ernauten Abdruck Erzeugnisse der nieder- 
deutschen Literatur aus ihrer mittleren Periode allgemein zugänglich gemacht 
haben, ist der sechste Band einer Ausgabe von niederdeutschen Schriftdenk- 
mälern aus der ältesten Zeit, aus der sogenannten altsächsischen Periode, 
gewidmet. Und zwar sind es die im Gegensatz zu dem einzigen grösseren 
altsächsischen Sprachdenkmal, dem Heliand und den Bruchstücken der alttestament- 
lichen Bibeldichtung, als die „kleineren'' bezeichneten Literaturerzeugnisse, die 
wir in der Ausgabe von E. Wadstein vereinigt finden. 

Bei der Wichtigkeit, die das Altsächsische für den Forscher auf dem 
Gebiete der niederdeutschen Vorzeit und Sprache hat, war es höchst dankens- 
wert, dass der Vorstand des Vereins f. nd. Spr. den auf der Jahresversammlung 
in Soest (1897) den Mitgliedern von dem Docenten E. Wadstein vorgelegten 
Plan zu einer Neuausgabe der kleineren as. Denkmäler zu dem seinen machte, 
und ihm und dem fleissigen Herausgeber gebührt der Ausdruck der Anerkennung, 
dass das geplante Werk so rasch in einer alle berechtigten Ansprüche be- 
friedigenden Weise der Vollendung entgegengeführt ist. — Der Unterzeichnete, 
der schon in einer Beihe von Besprechungen die Leser des Jahrbuches auf 
die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete des Altsächsischen hinweisen durfte, 
kommt der an ihn ergangenen Aufforderung, den 6. Band der Denkmäler mit 
eiüigen Worten einzuführen, um so bereitwilliger nach, als er nach eingehender 
Prüfung die Ueberzeugung gewonnen hat, dass diese neue Ausgabe der kleineren 
as. Denkmäler eine ganz vortreffliche ist, die der Forschung auf dem eigensten 
Felde unseres Vereins, dem niederdeutschen Sprachgebiete, aber auch der Ger- 
manistik überhaupt die besten Dienste leisten wird. Ist schon die Persönlichkeit 
des Herausgebers ein Beweis, dass die ältesten niederdeutschen Denkmäler auch 
früher bereits ausserhalb ihres Entstehungsgebietes die ihnen gebührende wissen- 
schaftliche Beachtung gefunden haben, so dürfen wir hoffen, dass die vorliegende 
gediegene Veröffentlichung seitens unseres Vereines die Teilnahme für diese 
Zeugen altsächsischer Sprache und Geistescnltur , in noch immer weitere Kreise 
tragen wird. — 

Die ,kleineren als. Denkmäler' haben sich bisher nicht gerade über Ver- 
nachlässigung zu beklagen gehabt. Einzelne unter ihnen, wie die Frecken- 
horster Heberolle, forderten schon früh die gemeinsame Arbeit des Sprachkundigen 
und Geschichtskenners heraus. Aber in Zeitschriften versteckt, oder, wie in 
Müllenhoffs u. Scherers Denkmälern^ mit gleichzeitigen Denkmälern der hoch- 
deutschen Sprache in eine gemeinsame Sammlung vereinigt, wurden sie erst 
durch Moritz Heyne als „Kleinere altniederdeutsche Denkmäler'' in einer 
handlichen, durch ein ausführliches Glossar vermehrten Ausgabe (Paderb. 1867) 
bequem zugänglich gemacht. Die Ausgabe erlebte nach einem Jahrzehnt eine 
erwünschte zweite Auflage (1877) deren Glossar durch die Aufnahme der Mehr- 



149 

zahl der inzwischen von Steinmeyer bekannt gemachten Düsseldorfer Pradentias- 
glossen einen beträchtlichen Zuwachs an bisher anbelegten as. Wörtern erhielt. 
Heyne hatte jedoch nur die wenigsten Denkmäler selber wieder mit den Hand- 
schriften vergleichen können. Eine Neaausgabe wurde um so wünschenswerter, 
als ausser den Düsseldorfer noch andere as. Glossen bekannt geworden waren 
und das as. Sprachmateriai wieder am ein Bedeutendes vermehrt hatten. Als 
eine solche, den bekannten und nenerworbenen as. Literaturschatz umfassende 
Neuausgabe erschienen im J. 1894 die ^Altsächsischen Sprachdenkmäler', heraus- 
gegeben von J. H. Gall^e, mit einem Facsimileatlas von 19 Tafeln (Leiden 1895). 
Leider aber überzeugte man sich bei einer Vergleichung mit den bisher bekannten 
Ausgaben und den Facsimiles sofort, dass diese Ausgabe der erforderlichen 
Akribie bei der Lesung der Handschriften oder bei der Correctur entbehrte. 
Auch die von dem Herausgeber sofort nach dem bemerkten und von der Kritik 
mit Recht scharf gerügten Misstande veranstaltete, aber erst 1898 erschienene 
jCoUation* machte nicht alle Versehen gut, und das die Ausgabe in vieler Hinsicht 
verbessernde und ergänzende Lexikon ist noch nicht im Druck abgeschlossen. 
So kam Wadstein mit seinem Plane einer Neuausgabe einem dringenden Be- 
dürfnisse entgegen. 

Bei der Aufnahme des as. Sprachmateriales in eine einheitliche Sammlung 
kommt ein dreifacher Gesichtspunkt in Betracht, ein stofflicher, ein zeitlicher 
und ein sprachlicher. Von allen dreien aus unterscheidet sich W.'s Ausgabe 
von ihren Vorgängerinnen. Von der Aufnahme ausgeschlossen hat W. wie 
Heyne mit Recht alle blossen , Namensammlungen, wie sie in Heberegistern, 
Traditionen und sonstigen Urkunden vorliegen. Das darin steckende für die 
Sprachforschung unentbehrliche Material bleibt besser einem eigenen Corpus 
vorbehalten. Zeitlich begrenzen sich die dem As. zuzurechnenden Denkmäler 
mit dem Beginn des XII. Jahrhunderts, so dass der in MSD (Nr. 98) veröffent- 
lichte ,niederdeutsche Glaube\ den Gallee aus sprachlichen Gründen fortgelassen 
hat (Denkm. S. I), bei W. keine Aufnahme mehr gefunden hat. Ebenso sind 
die noch dem XII. Jh. zuzuschreibenden Glossen nicht aufgenommen, die Gallee 
wenigstens durch Einverleibung in sein Lexikon dem Freunde des niederdeutschen 
Sprachschatzes bequem zugänglich gemacht hat. Können wir gegen diese con- 
sequent durchgeführte zeitliche Begrenzung nach unten hin nichts einwenden, 
so fragt es sich dagegen, ob nicht in eine solche Sammlung, die doch in erster 
Linie dem Sprachforscher nützen will, — sonst wäre die Aufnahme der Glossen 
ja auch nicht zu rechtfertigen — auch alle as. Wörter aufzunehmen gewesen 
wären, die sich vereinzelt in den Urkunden, bei Historikern und Dichtern finden. 
Wenigstens im Glossar hätten sie, ohne den Raum allzusehr zu beengen, Platz 
finde« Itönnen. Man bedauert es, dass nun doch in den Glossaren zur Bibel- 
dichtung und zu den kleineren Denkmälern nicht absolut alle as. Wörter 
zusammenstehn. Auch darin wird Gall^es Lexikon einen Vorzug vor W.^s Arbeit 
haben. Am schwierigsten ist die Abgrenzung des in Frage kommenden l^lateriales 
vom sprachlichen Standpunkte aus. Viele der als einheitliche Denkmäler an- 
zusehenden Glossenhandschriften enthalten dialektisch gemischten Stoff, dessen 
reinliche Scheidung nicht leicht ist. Andere stehen auf der Grenze zwischen 
as. und anfr. oder zwischen as. und mfr. Hier würde ich lieber mehr als 
weniger aiifgenoinmen haben. Durch den Abdruck aller Glossen aus St. Peter 
ist das Glossar ohnehin in dialektischer Hinsicht buntscheckiger ausgefallen, 
als man vielleicht ein Glossar zu nd. Denkmälern erwartet. So würde denn ein 
Mehr von nicht rein as. Wörtern nichts geschadet haben, während ihre nahe 
Verwandtschaft mit entsprechenden nd. Glossen doch immer aufklärend und 
berichtigend wirken kann. Gegen Gall6es Sammlung fehlen also in W.'s Aus- 



150 

gäbe das Verzeichüiss der Corveyer Hörigen, das Runenalphabet und die Buch- 
stabennamen aus der Vatican-Hs., die Brüsseler Prudentiusglossen und die 
Werdener Fragmente, von denen freilich fast alles ags. ist; ausserdem wird 
Gallees Lexikon einen grossen Ueberschuss an einzelnen Wörtern aus Urkunden 
und Glossenbandscbriften nicht rein sächsischen Charakters oder jüngeren Datums 
(z. B. Cheltenham) bringen. Dagegen hat W. aufgenommen: ein kleines Stück 
zusammenhängenden as. Textes aus dem Werdener Heberegister, die nicht 
umfangreichen Leidener Vegetius- und Wiener Vergilglossen und die vereinzelten 
Glossen aus einer Gandersheimer Hs. (s. Vorw. S. VI). Ausgeschlossen sind 
selbstverständlich bei W. ebenso wie bei Gallee die bei Heyne einen grossen 
Raum einnehmenden altniederfränkischen Psalmen und die Lipsiusschen Glossen. 
Liesse sich also je nach dem Standpunkte über den Umfang des auf- 
genommenen Materiales im einzelnen rechten, so gebührt dagegen dem gegebenen 
Texte der Denkmäler uneingeschränktes Lob. Durch neue sorgfältige Vergleichung 
bei fast allen Stücken (nur ein paar wenig umfangreiche Glossenhandschriften 
sind nach den ersten Abdrücken gegeben) mit den Originalen ist ein diplo- 
matisch getreuer, in jeder Hinsicht zuverlässiger Text hergestellt, den mau 
hinfort als die sicherste Grundlage unserer Kenntniss as. Schrifttums betrachten 
und citiren wird. Durch peinlich genaue Angabe der abweichenden Lesarten 
der Vorgänger wird aber in jedem zweifelhaften Falle die Möglichkeit der Con- 
trolle, erneuter Abwägung und eigner Entscheidung gegeben. Bei mehreren 
Denkmälern ist es W. gelungen, trotz der schlechten handschriftlichen Ueber- 
lieferung zu grösserer Sicherheit in der Lesung zweifelhafter Stellen zu gelangen, 
so besonders bei der Psalmenauslegung, oder bisher übersehene Wörter zu lesen 
(Merseb. Hs.); gegenüber Gall^e und vereinzelt auch gegenüber Steinmeyer hat 
er berichtigende Lesungen; durch grösseren Umfang des ausgehobenen lateinischen 
Textes bei den Glossen ermöglicht er eine bessere Beurteilung des Zusammen- 
hanges und damit der Bedeutung des einzelnen Wortes; ebenso können die 
Angabe des Zeilenschlusses und die Beibehaltung des handschriftlichen Gebrauches 
grosser oder kleiner Anfangsbuchstaben von Wichtigkeit werden. Gleiches Lob 
kann dem zweiten Teile, den Anmerkungen zu den Texten, gezollt werden. In 
knapper Ausführung wird zu jedem Denkmal das Nötige über die handschrift- 
liche Grundlage und die bisherige Literatur gegeben und in vorsichtiger Weise 
ein Urteil über Zeit und Ort der Entstehung gefällt. Das Glossar ergab sich bei 
genauer Vergleichung mit meiner Sammlung des as. Sprachstoffes und den mir 
vom Verfasser zugänglich gemachten Aushängebogen des Galleeschen Lexikons 
als durchaus vollständig, in allen seinen Angaben zuverlässig und bei aller 
Kürze für das Verständniss des Textes ausreichend. Hier muss ich aber, was 
die Anordnung im Ganzen und im Einzelnen betrifft, doch auch Einwendungen 
erheben oder Wünsche nach Aenderungen bei einer etwaigen neuen Auflage 
aussprechen. Ich stimme hier mit Steinmeyers eingehender Kritik (Anz. f. D. 
Alt. 26, 201 ff.) überein, wenn ich auch dessen Schlussurteil (S. 210) über das 
Glossar für zu hart erklären muss. Ich halte mit St. besonders die Trennung 
der as. von der hd. Form der Wörter ohne Verweis von der einen auf die 
andere für irreführend und schädlich. Da, wie schon vorhin bemerkt, gerade 
der Wortforscher das Glossar benutzen wird, so hätten ihm zu liebe jedesmal 
alle im Bereiche der gegebenen Texte vorkommenden Formen eines Wortes unter 
einem Stichworte angeführt werden sollen, während durch Verweisungen bei 
den sprachlich abweichenden Formen der Auffindbarkeit nach dem Alphabet 
Genüge geleistet werden konnte. Dafür musste unter allen Umständen der 
Raum geschafft werden. Auch sonst hätte W. mit Verweisungen noch freigebiger 
sein können und überhaupt nicht die Kürze — wie es scheint — zum obersten 



151 

Princip machen sollen. Ueber die Anordnung der Einzelbelege unter einem 
Stichworte bei den umfangreicheren Artikeln (Pronomina, wesan, werthan u. s. w.) 
lässt sich begreiflicher Weise streiten. Doch würde wiederum dem aus sprach- 
lichem Interesse das Glossar Benntzenden entschieden die Anordnung nach 
grammatischem Gesichtspunkte mehr Nutzen gewährt haben als die von W. 
vorgezogene Ordnung nach den einzelnen Denkmälern. 

Zur Begründung dieses allgemeinen Urteils wende ich mich nun zur 
Anführung von Einzelheiten; indem ich meine abweichende Meinung ausspreche, 
hojfe ich entweder thatsächliche Irrtümer zu beseitigen, zu fruchtbarem Zweifel 
anzuregen oder Hinweise auf zukünftig zu Besserndes zu geben, ohne damit 
das im Allgemeinen über W.'s treffliche Leistung ausgesprochene Urteil be- 
einträchtigen zu wollen. 

S. XII. Bei dem von W. befolgten Abkürzungssystem scheint die Kürze 
das allein massgebende Princip gebildet zu haben, teils auf Kosten der Schönheit, 
da die in der Weise eines mathematischen Exponenten neben dem ersten Buch- 
staben erhöht gedruckten Lettern (P*, P^f u. s. w.) keinen angenehmen Eindruck 
machen, teils auf Kosten der Deutlichkeit, indem z. B. zur Bezeichnung der 
schwachen Decl. des Adjectivs der Buchstabe b. (= bestimmte form), für die 
starke aber st. verwendet ist; auch stört das Fehlen des Punktes bei mehreren 
Abkürzungen, wobei auch nicht mit Cousequenz verfahren ist, da m. und m, 
n. und n masculinum und ueutrum bezeichnen können. Hinter F^ fehlt, die 
Erklärung für F^ und F^, die für die beiden Handschriften der Freck. Heb. 
im Glossar gebraucht werden. — Von S. 3 bis 153 wären sowohl zu den 
Denkmälern als zu den sie betreffenden Anmerkungen Seitenüberschriften er- 
wünscht gewesen. — S. 14, 7 fremithan und 14, 12 othet'imu, von W. ergänzte 
Wörter, stimmen nicht mit den sicher belegten Formen des Psalmen(5ommentars. — 
Bei den S. 46 beginnenden, in Columnen gedruckten Glossen hätte die Zeilen- 
zählung längs dem Columnenstrich angebracht werden müssen; so wie sie jetzt 
zwischen den fetter gedruckten Blattzahlen der Handschriften stehen, stören sie 
mehr als sie nützen; häufig fehlen sie aus Platzmangel ganz! Zu den Essener 
Evangeliarglossen vermisse ich ausser einer Seitenüberschrift auch noch die 
Angabe des betreffenden Evangelisten, ohne die man beim Suchen ganz ratlos 
ist, falls man nicht immer im Glossar nachschlagen will. — S. 68, 5 wäre eine 
Angabe über den Cafus von sagmarii erwünscht. — S. 120. Zu den vom as. 
abweichenden Sprachformen gehört auch die Praeposition in. — S. 121. Da der 
Psalmencommentar anlautendes hw nicht mehr kennt, so kann er nicht noch 
dem Ende des neunten, kaum noch dem zehnten Jh. entstammen; in dieser Hinsicht 
stellt sich dies Denkmal mit Beda und Ess. Heb. auf gleiche Alterstufe (vgl. 
Schlüter in Dieters Laut- und Formenl. S. 281). — Dagegen halte ich wegen 
ihrer altertümlichen lautlichen und flexivischen Eigentümlichkeiten die Beichte 
für älter als die Handschrift, die man (aus palaeographischen Gründen?) in den 
Anfang des 10. Jhs. setzt. Ich halte mit Scherer an einer der Sachsen- 
bekehrung nahestehenden Abfassungszeit fest. Hinsichtlich der Heimat stimme 
ich W., der sie gegen Jostes nach Essen zurückverlegt, bei. — S. 127. An der 
Identität des Schreibers der Homilie Bedas und der Essener Heberolle hat seit 
Veröffentlichung der Facsimilia durch Gallee wohl niemand zweifeln können, und 
es ist mir unbegreiflich, wie trotzdem Jostes die Homilie Essen absprechen 
konnte. Der Zeit nach taxire ich das Denkmal etwas jünger als W. Dass die 
Gregorglossen als spätere Eintragung auch schwerlich wo anderes als in Essen 
geschrieben sein können, ist die von W. mit Recht gegen Jostes geltend 
gemachte Cousequenz. — Die S. 144 erwähnten and. Wörter sind leider 
nicht ins Glossar aufgenommen. — S. 148. Moureks Programm ist, wie schon 



152 

Steinmeyer (Anz. 26, S. 206) bemerkte bat, nicht in tschecbiscber Sprache 
geschrieben. — 

Im Glossar sind auifallenderweise die Rnnennamen des Abeced. Nordm. im 
ersten, die Eigennamen umfassenden Teile aufgeführt, die doch wohl jeder mit 
mir im zweiten Teile des Glossars suchen wird; auch 'novembm^ betrachte ich 
nicht als Eigennamen; dagegen ist ^spanio^ spanion\ der Spanier und bidgari, 
Bulgar, unter die „übrigen Wörter" gestellt. Gewonnen hätte das Verzeichniss 
der, Eigennamen noch an Wert, wenn auch die zweiten Bestandteile der Namen 
ins Alphabet aufgenommen wären. — Sickon (S. 163) halte ich für einen 
Personennamen (vgl. Waldmodu, Liiudburga)\ es handelt sich um die Vorsteher, 
von Amtsbezirken. — S. 166. Unter a- war auch auf o- (in obulht) zu ver- 
weisen. — S. 167. Zu alosiaii fehlt der Verweis auf utalosian. — S. 168. 
ana Ess. gl. 53, 28 ist nicht Praeposition. — and s endi, — 169. a?*- a. auch 
er-, or. — fehlt: mm- s. ermberg. — die als ^ht- (?) ess-^ angesetzte Glosse 
für sacculnm scheint mir mehr als fraglich. — Ebenso das als Besserung für 
athilanon vorgeschlagene athilbarion, das mindestens mit ä anzusetzen wäre. 

— An Beispielen für die unbequeme Anordnung (s. o.) gebe ich folgende Aus- 
wahl; es sind getrennt behandelt: situmzuht u. hihumtuht; beinberga u. be?i; 
ber- u. ber-sw\n\ beddi- u. betti-; blad u. blat; böm u. boumgart; distil u. 
ihistil; brok u. hiioh; briost u. brüst; dök u. dtwh; der u. Ümr; drübo u. 
th^fo; drnh u. thrnh; egan u. eigan; m u. ein; Utarag u. eiterig; hrideron 
w. hriterunga; hrntan u. hruxzen; höd u. huot; hno u. hnwo; kaps w. 
kefsa; kolbo u. kolvo; kuo u. kö; quemon u Jmmon; quem u quirn; iahet 
u. tavit; tat u. taz; rmhs u. mist; meinen u. meniun; mid- u. mitti-gar^ii ; 
netti u. nexxi; ninwi u. nuwitendi; obena u. ovana; ovelegi u. ofliges; ^?ä/ 
u. phkl: ringan u. wringan; senewa u. sinewa; sidu u. sitetih, wo auch 
sidetich; skeldwara u. skildwara; sktäala u. skuxita; speicha u. sp^lca; stol 
u. stuol; sokian u. suochen; sweget'i u. sweigeri; tins u. zins; therp n. thmtn; 
vast u. festi; fartheman u. firdewen; firiun u. viron; forhna u. furhnia: 
werd u. wird; wornio u wurm. — S. 170 fehlt: a-wendian s. ut-awendian. 

— Neben bhg m. Hei. ist bhga fem. unwahrscheinlich. — Als as. Form erscheint 
mir bak'Whga oder -w^gi die wahrscheinlichste. — S. 171. bi cum instr. nur 
in bithiu. — bidumbilian *zum narren machen'. — S. 172 fehlt biri s. beri. — 
S. 173 fehlt bislvdan s. üi-bisiüta7i ; unter bi- sucht man den Verweis auf 
üt'bi nicht. — S. 174 statt böka lieber bökia (und. bäiiJce). — S. 175. Wegen 
des in den Nachträgen richtiger als couj. praet. aufgefassten brMi ist brengian 
anzusetzen. — brokko ist trotz des lat. lapates doch wohl = Brocken. — S. 176 
fehlt bxigan s. biogan, — Warum ist giburdid als part. zu burdian, gibrennid 
aber zu gibrennian gestellt? — Bei C war auch auf Z zu verweisen (vgl. 
z. B. dns). — S. 177 dovon = toben. — Unter doch auf dop verweisen! — 
S. 179. Bei elbiz ist, wie überhaupt bei vielen hochdeutschen Wörtern, die 
Bedeutung nicht angegeben; W. hat es, wie er in der Vorrede (S. X) sagt, für 
unnötig gehalten; ich meine, schon der Gleichförmigkeit wegen hätte der Raum 
dafür geschafft werden müssen. — endi steht auch Psalm 13, 7. — S. 180. Das t 
in ensetlion hat mehr Berechtigung als das im Stichwort dafür eingesetzte th, — 
emslo = Aergernis. — erida brauchte nicht als hd. eingeklammert zu werden, 
da neben -itha eine german. Suffixform -ida möglich ist. — S. 181. gast, — 
S. 182. gela suht halte ich nicht für Zusammensetzung. — S. 183. Hinsichtlich 
der nur im part. pass. überlieferten Formen herrscht keine Consequenz, indem 
sie bald unter dem einfachen, bald unter dem mit gi- zusammengesetzten Verbum 
stehen; jedenfalls hätte wieder durch reichlichere Verweisung Missverständnissen 
vorgebeugt werden können. — S. 186. Sollte gisönan (Beichte) nicht ein 



153 

Schreibfehler sein? — giswof'kan wird schwerlich d. pl. sein. — githring ist 
eher m. als n. — S. 187. Das unter giwäkan gestellte giuuegi gehört m. E. 
zu wegan. — Zu gles und vitri sollten die die Casusnngleichheit erklärenden 
Worte tebi^okan und fragmenta nicht fehlen. — S. 188. godorasta kann wegen 
des daneben stehenden üsaro nicht Zusammensetzung sein, gougelen s. auch 
bi-g, — Bei gmno war der Hinweis auf gu7no unerlässlich. — S. 189. hälogan. 

— S. 190. hmnitstra könnte auch m. sein. — hathilin halte ich für Substantiv. 
Iiavansicervino gehört m. E. zu -skerva fem. — S. 191. Bei hei genügte die 
Bedeutung 'Heil', das noch heute den Nebensinn von *omen' einschliesst. — S. 
192 durfte hiabramio mit dem Verweis auf hiophramio nicht fehlen. — S. 195 
genügt für hritian die Bedeutung schreiben. — Bei hüs wäre ein Hinweis auf 
die mit h. zusammengesetzten 0. N. erwünscht. — S. 196. hwetDO besser 
'Drehpunkt'. — S. 197. i- s. ///-; in vgl. en, an, — S. 198. iuwar, in s. gi, 

— juktäm; sollte man wirklich ein ganzes Joch Landes umfriedigt haben? 

— S. 199. Ein as. gaclereri wäre schon wegen des unerhörten ga- unmöglich. 

— -Ajäp fehlt. — Ein -kajypian giebt es nicht; das mnd. Icapen lässt entweder 
auf as. Jcapon (? = gapon, ags. geaplan) schliessen oder auf ka2)an, wie es W. 
unter up-Jcapan ansetzt. — Da thistilcarda vermutlich Zusammensetzung ist, 
so hätte wenigstens unter Icarda auf thistil verwiesen werden sollen. — Sollte 
kennih nicht in kennili zu bessern sein? — Da W. kaseos Freck. M. unter 
kcsi nicht anführt, hält er es offenbar für lateinisch; aber das anlautende ^•? — 
8. 201. Schneuze für as. khtwi ist kein allgemein verständliches uhd. Wort. — 
Statt krani ist doch wohl h'ano zu bessern? — S. 204. Da unter -lilco auf die 
Composita verwiesen ist, so vermisst man umsomehr die Ansetzung von -hk mit 
Verweisung auf die Adjektiva. — S. 205. lungandian wird d. pl. sein. — 

Warum lusta und nicht Inst? mehtig fehlt; s. wel-; meinen s. auch bi- 

meinen. — S. 208. m^st\ nietis = facis im Sinne von 'wofür halten' ist abgesehen 
von dem allenfalls durch Analogie zu erklärenden e sehr unwahrscheinlich. — 
Unter 7)iid c. instr. wäre Angabe von Psalm 8, 6 nötig gewesen. — niinnera 
halte ich wegen seiner Zugehörigkeit zu werth (pretium) für nom. sg. m. — 
S. 210. ne und 7ii trennen! — S. 212. ö-buU. — S. 213. fehlt: of- s. a/-; 
paschon ist m. E. als pl. tant. anzusehn. — S. 215. renuiau, zusammenlaufen 
lassen. — S. 217. segelahti scheint mir Adjektiv zu sein. — Zu seh ist zu be- 
merken, dass auch auf und. Gebiete die Form Sech vorkommt (siehe Grimms 
WB.) — S. 218. senkiafi s. auch bis. — S. 219. skapo = Pfanne. — scara- 
scah ist wohl eher in scarasahs zu ändern (vgl. Ahd. Gl. 3, 686. 5). — -skejyi 
u. -skipi fehlen. — S. 220. skridsköh, warum nicht 'Schrittschuh'? — S. 221 
fehlt: 'slagon s. haut-. — S. 222. sö-sö verdiente besonderen Ansatz. — suster 
ist 21, 14 nom. sg. — S. 223. spil = Spiel, vgl. nhd. Spielleute. — S. 224. 
stabu war consequeuterweise unter staf zu stellen. — Es fehlt: stap- s. rigil-, 

— step2)on, steppen. — S. 225. strota^ Speiseröhre. — S. 226. Ob midden- 
sumet' schon als Zusammensetzung empfunden wurde, scheint mir wegen des 
Artikels fraglich. — Zu svolgon konnte als n. sg. auch svolg angesetzt werden. 

— Das durch Conjektur gewonnene swekian hätte in der alphabetischen Reihe 
einen Platz verdient. — S. 227. ternperon = begrenzen. — S. 229. e in twen- 
tig ist mindestens zweifelhaft. — te statt tha\ — Um' s. auch thä,r-tö. — 
S. 231. Bei der Relativpartikel thc wäre die Angabe erwünscht, für welche 
Casus the in jedem einzelnen Falle steht. — S. 232. thiori anzusetzen scheint 
wegen io-i misslich. — S. 233. uhartimbri gehört nach W.'s sonstiger Anord- 
nung nach S. 236. — S. 234. un- statt im. — Das Citat zu undbhtian kann 
ich leider nicht verificieren. — S. 236. nvilo doch wohl adv.? — S. 237. far- 
s. auch fir-, for-, — Auch Cod. Cheltenham hat faUd» — faran, warum 'ver- 



154 

* 

fahren'? — S. 238. Warum ist farihinsan nicht nd.? — ficxf; woraus ist veir 
corrigirt?. fieri steht nur in der Composition. — S. 241. fon s. fan. — forthj 
weiter. — S. 242. frtthiun vielleicht = frethigun? — uurie ist trotz des lat. 
Ablativs doch wohl nom. sg. — Eine Zusammensetzung furhtuwerth scheint mir 
unmöglich. — S. 245. wefr kann bei der grosseu Anzahl schwerlich 'Wehr' be- 
deuten, sondern *Wehre' im Sinne von Hofstätte. — S. 246. westar, usque in 
obitum. — S. 247. ivinewere s. wintwerfen, — ivirdig, würdig. — Der Dativ 
w\s gehört zum nom. wisa, — wislico vgl. wisses Hei. 2841. — S. 249. 
im^niskj brünstig. — giivröhtid gehört nicht zu wrögian. 

DORPAT. W^. Schlüter. 



Emil Maarniann, Grammatik der Mundart von Mülheim a. d. Kuhr. (= Samm- 
lung kurzer Grammatiken deutscher Mundarten, hg. von 0. Bremer. Bd. 
IV). Leipzig, Breitkopf & Hartel, 1898. VIT, 108 S. 

Das Buch zerfallt in zwei Hauptteile: Lautlehre (§ 6 — 200. S. 3 — 60) und 
Wortbildungslehre (§ 201—276. S. 61—80). Es folgen Textproben mit neben- 
stehender Uebersetzung (S. 81-85), ein Verzeichnis der besprochenen Wörter (S. 
86—103), Nachträge und Berichtigungen (S. 104—108). 

Es ist nicht leicht, dies Buch zu besprechen, da die Wiedergabe all der 
verschiedenen Zeichen einer anderen als der Druckerei der Verlagsbuchhandlung 
unmöglich ist; ich werde daher so gut es geht versuchen, die Mülheimer Wörter 
mit den gewöhnlichen Hilfsmitteln wiederzugeben. — Die phonetische Darstellung 
der Laute wird wohl auf die Vorschriften Bremers zurückgehen. Sie scheint mir 
et^was gar zu bunt zu sein. Jeder Vokal mit Ausnahme des a hat zwei Zeichen, 
jenachdem er weit (offen) oder eng (geschlossen) gebildet wird, z. B. t (weit), 
i (eng); diese Zeichen werden noch modifiziert, jenachdem der Vokal überkurz, 
kurz, halblang oder lang ist, so dass sich für einige Vokale nicht weniger als acht 
verschiedene Zeichen ergeben. Eine solche Mannigfaltigkeit scheint Bremer später 
selbst etwas bedenklich gefunden zu haben ; denn in dem Anhang zu seiner Phonetik 
(Zur Lautschrift. Von Otto Bremer. Leipzig 1898) sagt er S. 5 unten: „Die Er- 
fahrung hat mich überzeugt, dass diese Bezeichnung [z. B. e, e (weit) und e, e 
(eng)], so einfach sie an sich scheint, doch beim Lesen unbequem ist: man sielit 
den Buchstaben e und muss sich jedesmal fragen, welcher lautliche Wert den 
Zeichen *, " und '^ zukommt. Zudem halte ich es für unzulässig, zwei überall 
unterschiedene Laute wie es die engen und die weiten Vokale sind, durch einen 
und denselben Buchstaben zu bezeichnen und mit einem diakritischen Zeichen 
zugleich die Qualität und die Quantität des Vokals auszudrücken; die Länge er- 
fordert ein einheitliches Zeichen." Die Richtigkeit dieser Sätze kann ich nach der 
Lektüre des Maurmannschen Buches vollkommen bestätigen. Es kostet eine un- 
geheure Mühe sich zwischen all den diakritischen Zeichen zurechtzufinden, bis 
man begrift'en hat, was z. B. t bedeutet 1. mit einem Punkt, 2. mit zwei neben 
einander stehenden Punkten, 3. mit wagerecht übergesetztem Strich ohne Punkt, 
4. mit übergesetztem oben offenem Bogen ohne Punkt, 5. mit übergesetztem Bogen 
mit Punkt, 6. mit Circumflex (Dach), 7. mit untergesetztem unten offenem Bogen 
(auf dem i der gewöhnliche ^-Punkt), 8. mit untergesetztem und übergesetztem 
Bogen (ohne i-Punkt). Gerade die Mülheimer Mundart zeigt auf das deutlichste, 
wie notwendig es ist, für den weiten (offenen) und den engen (geschlossenen) Vokal 
zwei wirklich verschiedene Zeichen zu haben, denn ihr Vokalismus weicht von dem 
der meisten ndd. Maa. erheblich ab. Wer z. B. das Wort rö:t (Rat) liest, wird 
versucht sein, es nach gemeinniederdeutscher Aussprache mit weitem (offenem) o 
zu sprechen (r5t oder rSit), es hat aber geschlossenes o und lautet genau wie das 
hd. Wort rot^). Ein Solinger wird das Wort hips (Ziege) so sprechen, als ob 

*) Ich weiss »ehr wohl, dass auch vou andern der ühergesetzto wagerechte Strich zur 
Bezeichnung der Weite, das Dach zur Bezeichnung der Enge des Vokals verwendet wird, halte 
diese Bezeichnungsweise aber nicht für glücklich. 



155 

nach gewöhnlicher SchreibuDg hippe (mit offenem i) dastände; denn so lautet das 
Wort in der Solinger Ma., und i bezeichnete früher, jedenfalls für Norddeutsche, 
ein weites (offenes) *, in der Mülheimer Ma. dagegen hat es ein enges (geschlossenes) 
i und lautet, als ob nach der herkömmlichen Schreibart hipe oder hiepe dastände. 
Es kommt hinzu, dass die Mülheimer Ma. Laute hat, die in andern Maa. nicht 
vorkommen, so sind r, ü, y lange offene Laute, die akustisch aber den Lauten e, 
o, ö viel näher stehen als den Lauten i, u, ü (§ 28), weshalb man in Urkunden 
statt derselben auch wirklich e, o, ö geschrieben findet (§128 Anm.). Weniger 
Schwierigkeit bereitet es, dass einige Zeichen verschiedene Bedeutung haben, je- 
nachdem ein Wort in alter (westgermanischer) oder in Mülheimer Form erscheint ; 
so soll z. B. ein i mit über- und untergesetztem Bogen ohne Punkt in der Mül- 
heimer Ma. ein überkurzes enges (geschlossenes) % bezeichnen, im Westgermanischen 
das halbvokalische (konsonantische) «, das vielfach als j erscheint. 

Dass die Mülheimer Ma. mehr Vokale aufweist als viele andere Maa., 
wurde oben schon angedeutet. Ganz besonders reich aber ist sie an Diphthongen. 
Es finden sich nicht nur die gewöhnlichen Diphthonge ei, ou, öii mit überweitem 
ersten Vokal (überweites e, o, ö kommt nur in Diphthongen vor), ei, ouj öü mit 
engem ersten Vokal, sondern auch ii, uu, üü, bei denen der erste Vokal weit 
(offen), der zweite eng (geschlossen) ist, ferner Diphthonge bestehend aus Länge 
des weiten (offenen) Vokals und Ueberkürze: ia, ua, üa, endlich Diphthonge be- 
stehend aus Halblänge und Ueberkürze: ia, ua, üa; ia, U9, üd (erster Vokal weit) 
und i9^ U9, üa, ea, oa, öa (erster Vokal eng). — Es ist noch zu bemerken, dass 
der Diphthong ou vor urspr. mb, mp, nd, nt noch nicht überall durchgedrungen 
ist, sondern die Aussprache äw 'herrscht noch vielfach vor' (S. 105 § 159. 160). 

Der Vokalismus der Mülheimer Ma. weicht, wie gesagt, vielfach von dem 
anderer ndd. Maa. ab. Dass langes a zu engem (geschlossenem) o geworden ist, 
wurde oben schon erwähnt; es ist dasselbe o wie in hd. 'wohnt' (S. 84), 'erhob' 
(S. 85). — Kurzes e und o in offener Silbe, gleichviel welcher Herkunft, wird zu 
engem (geschlossenem) e und o, also ist das e in lepal Löffel, leza lesen dasselbe 
wie in hd. 'Seele, jeder' (S. 85), das o in bova oben dasselbe wie in hd. 'wohnt, 
erhob', entsprechend der Umlaut ö in göta (xöta) Gosse, Ovar über. Es sei ge- 
stattet, an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Mülheimer auch in den hd. Wörtern 
'geben, leben, selig' (S. 84) enges (geschlossenes) e sprechen wie in 'Seele, jeder'. 
Auch in anderen Fällen weicht ihre Aussprache von der der meisten Nord- 
deutschen ab, z. B. sprechen sie den Stammvokal in 'Hütte, Entzücken, erquicken' 
(S. 85) eng, etwa so als ob 'Hüte, Entzüken, erquiken' geschrieben würde. 

In geschlossener Silbe ist nicht überall die Kürze bewahrt. Ein Vokal wird 
gedehnt, wenn folgendes r oder ch ausgefallen ist; doch findet sich trotz des Aus- 
falls des r zuweilen kurzer Vokal, z. B. hata Herz (§ 171), mitscha Pferdchen 
(§ 139) neben pet Pferd (§ 41). Dann aber hat die Mülheimer Ma. die (teilweise 
auch anderswo vorkommende) Eigentümlichkeit den Vokal von Id, It, mhy mp, nd, 
nt zu diphthongieren, also hoult kalt, houla halten, soult Salz; koump Kamm, doump 
Dampf; haunt Hand, saun Schande, kaunta Kante usw. — In offener Silbe tritt 
Dehnung ein, und zwar erscheint alsdann enger (geschlossener) Vokal ausser bei 
Delinung von i, w, ü, wo das Ergebnis weites i, u, ü (nicht e, o, ö, s. oben) ist. 
Auf alle Ausnahmen einzugehen, würde zu weit führen. 

Ueber die Konsonanten ist nur wenig zu bemerken. Die Laute k, g, ic, Y» V 
werden am vordersten Teile des weichen Gaumens oder auf der Grenze zwischen 
dem weichen und dem harten Gaumen gebildet je nach dem vorhergehenden Vokal. 
Der akustische Eindruck ist immer derselbe (§ 34). Besonders hervorzuheben ist 
der Laut 2, der im Deutschen sonst wohl ziemlich selten ist; in den ostpreussischen 
Mundarten wollen einige ihn auf den Einfluss des Litauischen zurückführen. 
s, •/. und / werden einseitig gebildet. 

An Einzelheiten ist mir folgendes aufgefallen. § 57 wird der Stammvokal 
von tüscha zwischen, süstar Schwester auf altes u zurückgeführt. Es finden sich 
aber im altsächs. die Formen twisk und sweatar (diese allerdings nur in M., während 
C. eine Form mit u hat). Wie denkt M. über kum, küms. kümp ich komme, du kommst, 
er kommt? Es hätte wohl an einer Stelle unter § 86 — 89 auf das urspr. w in 'zwischen, 
Schwester, kommen' hingewiesen werden müssen. — § 73 heisst es, ei sei ent- 



156 

standen durch Kontraktion aus aji, dhi in seil Segel; hier liegt aher doch die 
Form mhd. segel, sigel zu Grunde, während die Formen mit urspr. aji ein e auf- 
weisen: ses, set sagst, sagt, les, IH legst, legt. — § 84 heisst der Handschuh 
ham9j § 160 Äauwsp, houid. — § 97. In püstd Pfingsten und düzdax Dienstag 
soll n geschwunden sein; M. meint also offenbar, das ng (y) der beiden Wörter 
pingesten (pinxten) und dingesdach sei zunächst zu n geworden, wie man 
ja auch die Form Dinstag hört und liest, vgl. holl. dinsdag, dänisch ptnse Pfingsten. — 
§ 120 Anm. 'Wie ist das weit verbreitete s in niisirox zu erklären?' Es geht auf 
niskirich < nisgirich zurück, Woeste nisgirig (Marienheide), nusgirig, ten Doorn- 
kaat Koolman neis-ging, ves-girig, holl. nieuwsgierig, dän. nysgjerrig. — § 139 ist 
im Druck das x von x^std Gerste wohl weggefallen. — Hier und da läuft ein 
hd. Wort unter, das nicht allgemein verständlich sein dürfte. Was ist oder sind 
*Moppen' (§ 48); 'antragen' (§ 120,3) = unaufgefordert die Missethat jemandes 
anzeigen (z. B. von Schülern gebraucht) habe ich erst hier in Solingen kenneu 
gelernt. 

Zum Schluss sei es erlaubt, über das Verhältnis der Mülheimer Ma. zu den 
benachbarten Maa. einige Worte zu sagen. Die Grenzen der Ma. stellt Maurmanu 
in § 1 fest, wobei zu bemerken ist, dass dieser § in der Fassung des Nachtrages 
S. 104 Gültigkeit haben soll, wo auch die Hauptunterschiede zwischen der Mül- 
heimer Ma. und den sie rings umgebenden Maa., dem 'Westfälischen', dem *CIe- 
vischen' und dem 'Bergischen' kurz angegeben werden. Aber auch so ist noch vuicht 
alles in Ordnung. Während in der Fassung von § 1 auf S. 1 gesagt wird, dass 
die Mülheimer Ma. zum niederfränkischen Sprachgebiet gehört, wird dies auf 
S. 104 verschwiegen. Man kann aber S. 104 nicht einfach durch S. 1 ergänzen; 
denn auf S. 1 steht: 'Die im Folgenden dargestellte Mundart wird in der südöst- 
lichen Ecke des niederfränkischen Sprachgebiets . . . gesprochen. Im Süden grenzt 
sie unmittelbar an das Mittelfränkische.' Das ist falsch. Denn das Bergische, 
welches sich wie ein spitzer Keil noch weiter nach Südosten erstreckt, ist eben- 
falls noch niederfränkisch; die Formen 'ich, mich, dich, auch', sowie einige ver- 
einzelte Wörter (besser, Leffel) machen es noch nicht zu einer mittelfränkischen 
Ma., da die Konsonanten sonst durchaus auf ndd. Lautstufe stehen. Auch hätte 
in die Fassung auf S. 104 der Satz von S. 1 aufgenommen werden können: 'da- 
gegen zeigt sie in manchen lautlichen Erscheinungen Uebereinstimmung mit den 
Mundarten, die sich in südöstlicher Richtung bis nach Elberfeld oder darüber 
hinaus erstrecken'. Dahin gehört z. B. die Diphthongierung von altem e < ai vor 
hy r, to : schnia Schnee, von altem 6 < au vor Dentalen und h : hruat oder broaJt Brot, 
die sich in Barmen und, wenn die mir zugekommenen Nachrichten richtig sind, 
auch in Velbert findet. Südlich von Mülheim, also westlich der Linie Mülheim- 
Velbert-Barmen findet sich hier langes, geschlossenes i und u: schni, brut, womit 
auch das Ripuarische (Mittelfränkische) übereinstimmt. Merkwürdig ist, dass die 
Mülheimer Stadtmundart das n in unbetonten Endsilben abwirft, während es auf 
dem Lande allgemein erhalten bleibt. Dieser Abfall des n findet sich nicht im 
Bergischen, sondern erst weiter südlich im Ripuarischen. Mülheim und Werden 
diphthongieren kurzen Vokal vor nd und nt, Kettwig und das Bergische dagegen, 
ebenso wie das Ripuarische, gutturalisieren diese Dentalverbindungen; die Diph- 
thongierung eines kurzen Vokals vor Idy Ity mb, mp findet sich ausser in Mülheim 
auch im Bergischen. — Maurmann meint (§ 4), 'dass an den Grenzen die Nachbar- 
mundarten in einzelnen Punkten eingewirkt haben mögen'; dahin gehören vielleicht 
die Formen fif fünf und «tya neun sowie die Wörter xcstd Hefe und axtdr hinter, 
die wohl kaum echt fränkisch sind. Die schwache Form des dat. sg. fem. der 
Adjektive, welche in den meisten niederfränkischen Maa. felilt, ist in der Mül- 
heimer Ma. vorhanden. — Eine Ungcnauigkeit findet sich noch auf S. 105: 'die 
Formen mir, mich, dir, dich, welche im Bergisclien wiex, doy^ lauten'; der obere 
Kreis Solingen (der Stadtkreis Solingen und die Bürgermeistereien Höhscheid, 
Ohligs, Wald, Gräfrath) hat für den Dativ die Formen m^r, d^r, die sich vielleicht 
noch weiter nach Norden erstrecken. 

SOLINGEN. J. Bernhardt. 



ai:- 

'Hü 
lilL 
\.~ 

■ Cm 

OFL-